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Solch einen höllischen Wirbel hat es in Fort Aldamo lange nicht mehr gegeben. Der bärbeißige, unerschrockene Haudegen Finnewacker, der sich schon in den rauesten Stürmen bewährt hat, sieht sich mehreren Problemen auf einmal gegenüber. Mit einer Meute rebellierender Sträflinge wird er noch fertig. Schlimmer wird es schon, als plötzlich der Brunnen vergiftet ist und die ganze Fortbesatzung mit einem Schlag auf dem Trockenen sitzt. Das größte Problem sind jedoch die beiden Häuptlingstöchter, um die sich Finnewacker kümmern muss. Wenn er die beiden nicht heiratet, wird es gewaltigen Ärger geben. Da steckt der Master Sergeant schwer in der Klemme!
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Über diese Serie
Impressum
Wirbel in Fort Aldamo
Vorschau
Titelliste Fort Aldamo
Über diese Serie
Liebe Western-Freunde!
Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.
In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.
Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.
Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!
Die ALDAMO-Redaktion
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Günther König / Hertha König
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-5967-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Wirbel in Fort Aldamo
von Frank Callahan
Solch einen höllischen Wirbel hat es in Fort Aldamo lange nicht mehr gegeben. Der bärbeißige, unerschrockene Haudegen Finnewacker, der sich schon in den rauesten Stürmen bewährt hat, sieht sich mehreren Problemen auf einmal gegenüber. Mit einer Meute rebellierender Sträflinge wird er noch fertig. Schlimmer ist es schon, als plötzlich der Brunnen vergiftet ist und die ganze Fortbesatzung mit einem Schlag auf dem Trockenen sitzt. Das größte Problem sind jedoch die beiden Häuptlingstöchter, um die sich Finnewacker kümmern muss. Wenn er die beiden nicht heiratet, wird es gewaltigen Ärger geben. Da steckt der Master Sergeant schwer in der Klemme!
»Ehrlich, Finnewacker. Du bist der letzte unbesungene … äh … unbezwungene Held des Westens. Das habe ich wenigstens vor einigen Tagen im Yuma City Morningstar gelesen.«
Master Sergeant Finnewacker, seines Zeichens kommissarischer Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie, thronte hinter seinem Schreibtisch und sog genussvoll an seiner dicken, schwarzen Zigarre.
Und es war dem wackeren Blaurock gelungen, die Kommandantur innerhalb kürzester Zeit einzuräuchern, was Sergeant Fitzgerald überhaupt nicht gefiel. Er hatte schon das Fenster geöffnet, doch es drang nur heiße und stickige Luft herein.
»Was bin ich …?«, fragte Finnewacker breit grinsend und legte die Zigarre in den Aschenbecher. »Du willst mich wohl veräppeln, Kleiner. Das hast du dir bestimmt nur aus den Fingern gesogen, um mich bei guter Laune zu halten.«
»Deine gute Laune ist gar nicht zu übertreffen«, stellte der kleinwüchsige und kraushaarige Sergeant fest. »Ist mir schon fast unheimlich. Den anderen Chargierten ebenfalls. Wir vermuten alle, dass du wieder einmal ein besonders dickes Ei ausbrütest.«
Finnewacker winkte ab.
»Hat das wirklich in der Zeitung gestanden?«, fragte Finnewacker voller Neugierde und sah den kleinen Krauskopf aus zusammengekniffenen Augen an.
»So ungefähr, mein Alter. Du hast Fort Aldamo berühmt gemacht. Deine Abenteuer machen langsam aber sicher die Runde.«
»Du übertreibst, alte Knallschote. Wir alle tun nur unsere Pflicht. Ich hoffe, dass das auch von diesem Schreiberling erwähnt worden ist.«
Finnewacker spähte zum Fenster hinaus. Draußen lag der größte Teil des Appellplatzes im grellen Sonnenlicht. Kommandos erschallten. Stiefel knallten hart auf das Kopfsteinpflaster.
Sergeant Wallowa ließ fünfzehn neue Strafsoldaten, die erst gestern in Fort. Aldamo eingetroffen waren, exerzieren.
Finnewackers Schnurrbart begann sich Unheil verkündend zu sträuben. Und das war stets ein sehr schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des alten Haudegens betraf.
»Mein lieber Schwan«, ächzte Finnewacker dann. »Das sehe ich mir nicht länger mit an. Wallowa wird mit diesen Bettnässern einfach nicht fertig. Die machen mit ihm ja, was sie wollen, anstatt nach seiner Pfeife zu tanzen!«
Fitzgerald trat neben seinen Vorgesetzten. Auch er sah, dass sich Wallowa redlich abmühte, und doch führten die neuen Sträflinge die Befehle nur widerwillig und sehr schwerfällig aus.
Das war nicht nach Master Sergeant Finnewackers Geschmack! Nein – wirklich nicht!
»Himmel, Arsch und Zwirn!«, schimpfte er. »Jetzt nehme ich mir diese Eintänzer persönlich vor. Und ich verwette meine Streifen, dass ich die Neuen auf Vordermann kriege!«
Sergeant Fitzgerald seufzte.
Diese Wette war nicht zu gewinnen.
Wenn sich der Spieß der Strafkompanie erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es unmöglich, ihn davon abzubringen.
Das wussten alle hier in Fort Aldamo – Sträflinge wie Chargierte.
Nur die Neuankömmlinge schienen noch nicht zu wissen, welch ein rauer Wind hier in der alten, ehemals spanischen Festung wehte.
Das würde sich aber schnell ändern.
Master Sergeant Finnewacker stürmte zur Kommandantur hinaus.
Und einige Sekunden später dröhnte seine berüchtigte Stentorstimme über den Appellplatz.
***
»Stillgestanden! Alle zum Exerzieren kommandierten Strafsoldaten hören ab sofort auf mein Kommando. Sergeant Wallowa zu mir!«
Wallowa stiefelte mit zerknirschtem Gesicht näher und baute sein Männchen vor dem Commander von Fort Aldamo.
»Melde mich zur Stelle, Finnewacker!«
»Ich seh’s, mein Guter. Danke, du hast deine Sache gut gemacht. Doch es fehlt da noch ein bisschen Pfeffer. Und den werde ich diesen fünfzehn Figuren jetzt irgendwo hinblasen. Abtreten!«
Sergeant Wallowa atmete auf und war seinem Vorgesetzten dankbar, dass dieser ihn nicht vor den Strafsoldaten bloßgestellt hatte.
Das aber würde Finnewacker niemals tun. Egal, was er in diesen Sekunden auch dachte. Wallowa würde seinen Anschiss bekommen, später und unter vier Augen. Das war nun einmal Finnewackers Prinzip.
»Aye, Master Sergeant«, erwiderte Wallowa und salutierte zackig. Dann marschierte er auf den Küchentrakt zu.
Finnewacker baute sich vor den fünfzehn neuen Strafsoldaten auf. Wie ein Bulle stand er da – breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt, und wippte dabei auf den Stiefelspitzen.
»Rechts um! Im Gleichschritt marsch. Links, zwo, drei, vier! Links, zwo, drei, vier!«
Die Strafsoldaten trabten los. Hart schlugen die Stiefel der Männer auf das Kopfsteinpflaster.
»Seitenrichtung! Vordermann!«, brüllte Master Sergeant Finnewacker.
»Arschbacken zusammenkneifen, Brust raus, Kinn an die Brust! Finger lang!«
Wieder führten die Neuen die Befehle nur widerstrebend aus. Finnewacker zeigte grinsend seine Zähne. Und doch war es schon mehr das Zähnezeigen eines gereizten Tigers, der jeden Augenblick zum Angriff übergehen würde.
»Links, zwo, drei, vier! Links, zwo, drei, vier! Nicht so lahmarschig – zum Henker! Aufschließen, ihr Pfeifen!«
Finnewackers Stimme wurde noch schriller.
Einige Chargierte blickten interessiert dem Schauspiel zu. Und sie wussten, dass ihr Commander gleich explodieren würde.
Das geschah exakt eine Minute später, als einige Sträflinge völlig außer Tritt gerieten.
»Im Laufschritt – marsch!«
Viermal jagte Finnewacker die Neuen von der Ostmauer zur Westmauer. Das Kommando »Kehrt um« kam immer in letzter Sekunde.
»Volle Deckung!«
»Sprung auf – marsch, marsch!«
»Volle Deckung!«
So ging das weiter. Über eine halbe Stunde lang. Und den Neuen ging plötzlich der Hintern auf Grundeis.
»Im Laufschritt – marsch. Schneller, Männer. Ihr wollt doch nicht einschlafen? Vorwärts! Das hier ist die Strafkompanie und kein Erholungsheim für Sonntagsschüler. Das mache ich euch jetzt klar. Ich habe Zeit. Sehr viel Zeit sogar. Bin selbst gespannt, wer früher schlapp macht! Ihr oder ich!«
Hart schlugen die Stiefel im Takt. Plötzlich wurden die Neuen williger, erkannten sie doch, dass mit dem Master Sergeant nicht zu spaßen war.
»Abteilung – halt!«
Finnewacker verzog das Gesicht. Das klappte schon wieder nicht.
»Im Gleichschritt – marsch. Links, zwo, drei, vier!«
Zehnmal marschierten die Sträflinge zwischen Ost- und Westmauer hin und her. Schweiß lief ihnen jetzt aus allen Poren. Kaum einer hatte noch einen trockenen Faden am Leib.
Brütende Hitze lag über dem Fort. Schlaff hing die Unionsfahne vom Flaggenmast. Nicht der geringste Lufthauch wehte, der den gepeinigten Männern hätte Kühlung bringen können.
Weiter ging das raue Spielchen.
Und es dauerte noch exakt eine halbe Stunde, bis Finnewacker die Neuen so weit hatte, dass er halbwegs zufrieden war.
»Abteilung – halt!«
»Richt euch!«
»Rechts um!«
»Rührt euch!«
So prasselten die Befehle auf die fünfzehn neuen Strafsoldaten nieder. Einige der Sträflinge konnten sich kaum auf den Beinen halten, andere keuchten, ächzten und stöhnten.
»Das wär’s vorerst gewesen, ihr Hechte. Ich kann euch nur einen Rat geben: Reißt euch alle mächtig am Riemen, sonst geht ihr durch eine Hölle. Das ist die Strafkompanie der US-Army. Und ihr Pfeifen seid hier, weil ihr einiges ausgefressen habt. Doch ich will meine Rede von gestern nicht wiederholen, als ich euch begrüßt habe.«
Master Sergeant Finnewacker sah die Sträflinge der Reihe nach an. Die meisten Strafsoldaten senkten den Kopf, konnten dem harten Blick des bulligen und so erfahrenen Blaurocks nicht standhalten.
»Und morgen lernt ihr das Festungserweiterungskommando kennen, Männer. Ich schätze, dass ihr Stammgäste bei diesem Kommando werdet, wenn ihr in Zukunft nicht besser spurt.«
»Stillgestanden!«
»Zu den Unterkünften – wegtreten!«
»Im Laufschritt – zum Geier. Dalli, dalli, sonst exerzieren wir noch eine Stunde, Leute. Ihr werdet doch wohl nicht schlappmachen?«
Die Strafsoldaten sausten los und wurden von ihrem Zugführer in Empfang genommen.
»Stubendurchgang in einer halben Stunde!«, schmetterte Master Sergeant Finnewacker den Strafsoldaten hinterher.
Sergeant Fitzgerald trat zu seinem Vorgesetzten und nickte dem alten Kämpen anerkennend zu.
»Denen hast du’s aber gegeben, Finnewacker. Ich habe mir die Akten der Neuen mal in der Zwischenzeit vorgenommen. Schlimm, schlimm. Die meisten dieser Kerle sind wegen Kameradendiebstahl, Befehlsverweigerung und Desertation hier. Üble Burschen. Da müssen wir uns auf einiges gefasst machen!«
Der Commander von Fort Aldamo griente und winkte ab.
»Bisher haben wir alle kleingekriegt. Auch diese fünfzehn Armleuchter essen uns schon bald aus der Hand. Mein Wort drauf!«
***
»Stubenabnahme beginnt!«, tönte Sergeant Wollcrams befehlsgewohnte Stimme. Der wohl schneidigste Soldat der Strafkompanie entlockte seiner Trillerpfeife schrille Töne, die im ganzen Fort zu hören waren.
»Achtung!«, schrie der Stubenälteste, als er plötzlich Master Sergeant Finnewacker neben Sergeant Ellison, ihrem Corporalschaftsführer, stehen sah.
Die neuen Strafsoldaten waren auf den dritten Zug und die fünfte Corporalschaft verteilt worden.
Der Strafsoldat salutierte vor dem Commander von Fort Aldamo.
»Stubenältester fünfte Corporalschaft Infanterist Miller«, meldete er. »Stube belegt mit fünfzehn Mann. Stube zur Abnahme bereit!«
Finnewacker grüßte korrekt zurück.
»Mein lieber Scholli«, sagte er. »Hoffentlich ist das keine Falschmeldung gewesen. Sonst kommt’s mächtig dick!«
Der Stubenälteste stand noch immer stramm.
»Aye, Master Sergeant!«, antwortete er mit vibrierender Stimme. Seine vierzehn Kameraden standen ebenfalls stramm vor ihren Spinden. Noch immer wurden ihre Gesichter von den Strapazen des Exerzierens beherrscht.
Finnewacker erkannte aber auch Trotz und Abneigung auf den meisten Gesichtern. Die neuen Strafsoldaten hatten noch lange nicht genug. Und Finnewacker erkannte, dass es da noch eine ganze Menge zu tun gab, ehe dieser aufrührerische Haufen sich voll in die Gemeinschaft einpassen würde.
»Spinde auf!«
Was der Master Sergeant dann sah, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Nur selten hatte er ein derartiges Durcheinander in den Spinden gesehen.
Finnewacker tobte auch schon bald los. Und er drohte den Neuen alle Höllenqualen an, die ihm einfielen.
Er verdonnerte die gesamte Stube zum Festungserweiterungskommando und setzte außerdem einen erneuten Stubendurchgang an.
Dann nahm er sich Sergeant Ellison vor, der ganz grau im Gesicht wurde, als er den Anschiss seines Vorgesetzten über sich ergehen lassen musste.
»So geht das nicht, Ellison«, schimpfte Finnewacker. »Das ist der größte Sauhaufen, den ich jemals in Fort Aldamo erlebt habe. Entweder du machst diesen Komikern ebenfalls Beine, oder ich entziehe dir das Kommando über den Zug. Dann kannst du Sergeant Kleibers Stellvertreter werden. Unser dicker Küchenbulle liegt mir schon lange damit in den Ohren, dass er noch jemanden braucht!«
»Aye, Finnewacker!«
Finnewacker griente.
»Erneuter Stubenappell in einer halben Stunde. Dass mir das dann bloß klappt, sonst kannst du was erleben!«
»Zu Befehl, Master Sergeant!«
Finnewacker nahm sich auch noch drei weitere Stuben vor. Und er notierte zahlreiche Namen in seinem gefürchteten Notizbuch. Das Festungserweiterungskommando würde am nächsten Tag regen Zuspruch erhalten.
Der erneute Stubendurchgang bei den neuen Strafsoldaten verlief glimpflich. Finnewacker drückte beide Augen zu, doch er machte den Sträflingen klar, dass er das alles kein zweites Mal hinnehmen würde. »Da gibt es wirklich noch viel zu tun«, sagte er später zu Sergeant Fitzgerald in der Kommandantur. »Das sind ganz aufsässige Querulanten. Ich bringe das aber ins Lot. Verlass dich drauf!«
***
»Kompanie stillgestanden!«, bellte Sergeant Fitzgerald, Finnewackers Stellvertreter in Fort Aldamo.
Ein Ruck ging durch die vier Züge. »Zur Meldung – Augen rechts!«
Der kleine Krauskopf machte schneidig kehrt und marschierte auf Master Sergeant Finnewacker zu.
Der Commander von Fort Aldamo lächelte zufrieden.
Fitzgerald schlug vor ihm die Hacken krachend zusammen und salutierte voller Elan.
»Commander, melde dir die Strafkompanie von Fort Aldamo mit zehn Sergeants, zweiundzwanzig Corporals und einhundertfünfundzwanzig Strafsoldaten zum Appell angetreten!«
»Danke Sergeant!«
Fitzgerald trat ins Glied.
Finnewacker reckte sich und nahm die Mittelfinger an die Hosennähte, nachdem er sich der Front der Soldaten zugewandt hatte. Diesen Anblick genoss er jeden Morgen aufs Neue.
»Augen geradeee-aus!«
Die Worte hallten dumpf von den alten und hohen Festungsmauern zu rück. Der alte Haudegen liebte diese Melodie.
»Rührt euch!«
Es gab kein Nachklappen bei den Chargierten und den Strafsoldaten. Nur bei den Neuen haute es nicht besonders gut hin. Finnewackers Augenbrauen zogen sich bedenklich zusammen.
»Krankmeldungen?«
Die fünfzehn Neuen traten geschlossen nach vorn.
Die Sergeants und Corporals hielten den Atem an.
Master Sergeant Finnewacker lächelte nur salzig.
»Mein Kommando gilt für alle ›Kranken‹!«, tönte er. »Zwei Runden um den Appellplatz. Ausführung marsch, marsch!«
Zuerst standen die Neuankömmlinge wie eine Schafherde da, in deren Nähe ein Blitz eingeschlagen war. Dann aber trabten sie los, als Finnewacker wütend sein Kommando wiederholte.
Und er trieb die Sträflinge mächtig an.
»Einreihen!«, befahl er, nachdem die Männer die zwei Runden um den Appellplatz absolviert hatten.
Finnewacker wippte auf den Zehenspitzen.
»Das hat ausgezeichnet geklappt, Männer!«, lobte er. »Wer so einen tollen Spurt hinlegt, kann nicht krank sein.«
Einige Chargierte grinsten. Sie hatten mit keiner anderen Reaktion ihres Vorgesetzten gerechnet.
»Beschwerden nehme ich anschließend in der Kommandantur zur Kenntnis. Dann müsst ihr aber schon den Kopf unterm Arm tragen, ehe ich euch zum Feldscher schicke, damit er euch krankschreibt!«
Finnewackers bulliger Körper straffte sich.
»Weiter im Text«, schmetterte er, »Friedhofskommando – vortreten!«
»Küchendienst – ab zu den Töpfen und Pfannen!«
»Schreibstube abrücken!«
So prasselten Finnewackers Befehle durch die morgendliche Stille, die über der alten, ehemaligen Festung der spanischen Konquistadoren lag.
