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Finnewacker verpasst den Chargierten einen mächtigen Anschiss. Er war einige Tage nicht in Fort Aldamo und schon klappt's mit der Disziplin der Strafsoldaten nicht mehr. Schuld haben zehn Neuankömmlinge. Sie stören die Ordnung. Da kommen sie natürlich bei dem eisenharten Haudegen an die falsche Adresse. Raus geht's mit den Neuen zum Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch. Finnewacker ist in seinem Element. Am Wendepunkt aber merkt Finnewacker, dass er ausgetrickst wurde. Einige der Sträflinge fliehen auf wartenden Pferden. Die Flucht war von langer Hand vorbereitet!
Finnewacker gibt nicht auf. Er und Fitzgerald nehmen die Verfolgung auf. Und stellen schon bald fest, dass kein anderer als Asesino - Mexikos gefürchtetster Bandolero - hinter der Befreiungsaktion steckt!
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2018
Cover
Über diese Serie
Impressum
Flucht ins Verderben
Vorschau
Titelliste Fort Aldamo
Über diese Serie
Liebe Western-Freunde!
Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.
In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.
Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.
Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!
Die ALDAMO-Redaktion
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Günther König / Hertha König
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-6399-9
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Flucht ins Verderben
von Frank Callahan
Finnewacker verpasst den Chargierten einen mächtigen Anschiss. Er war einige Tage nicht in Fort Aldamo und schon klappt’s mit der Disziplin der Strafsoldaten nicht mehr. Schuld haben zehn Neuankömmlinge. Sie stören die Ordnung. Da kommen sie natürlich bei dem eisenharten Haudegen an die falsche Adresse. Raus geht’s mit den Neuen zum Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch. Finnewacker ist in seinem Element. Am Wendepunkt aber merkt er, dass er ausgetrickst wurde. Einige der Sträflinge fliehen auf wartenden Pferden. Die Flucht war von langer Hand vorbereitet!
Finnewacker gibt nicht auf. Er und Fitzgerald nehmen die Verfolgung auf. Und stellen schon bald fest, dass kein anderer als Asesino – Mexikos gefürchtetster Bandolero – hinter der Befreiungsaktion steckt!
»Den Strafsoldaten werde ich die lahmen Hammelbeine mächtig langziehen!«, stieß Master Sergeant Finnewacker, kommissarischer Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie, zornig hervor.
»So geht das nicht weiter. Kaum bin ich mal ein paar Tage unterwegs, schon reißt hier der größte Saustall ein!«
Der eisenharte Commander blieb stehen und wandte sich mit einem Ruck den zehn Sergeanten zu, die in der Kommandantur angetreten waren und stramm vor ihrem Vorgesetzten standen.
»Ihr habt die Zügel schleifen lassen, Männer!«, tönte Finnewacker. »Damit bin ich nicht einverstanden. Der Appell war eine einzige Frechheit. Da hat nichts, aber auch gar nichts geklappt. Verar … äh … veräppeln kann ich mich allein. Ich will euch erst gar nicht an den Stubendurchgang erinnern, der eine Katastrophe gewesen ist. Was ist nur mit den Strafsoldaten los?«
Sergeant Fitzgerald, Finnewackers Stellvertreter, trat einen Schritt nach vorn und schlug krachend die Hacken zusammen.
»Darf ich etwas dazu sagen, Master Sergeant?«
Finnewacker strich über seinen buschigen Schnurrbart, der sich in den letzten Minuten immer mehr gesträubt hatte. Und das war ein sehr schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des alten Kämpen betraf.
»Na los, Kleiner. Vielleicht kannst du mir meine Frage beantworten. Ich selbst verstehe das alles nicht!«
»Es sind nur wenige Sträflinge, die querschießen, Finnewacker. Doch sie haben die anderen Strafsoldaten angesteckt. Es handelt sich um zehn neue Strafsoldaten, die erst vor drei Tagen während deiner Abwesenheit die Strafkompanie in Fort Aldamo erreicht haben.«
Finnewackers Augen wurden schmal.
»Was …?«, ächzte er dann. »Ihr werdet nicht mit zehn Hänflingen fertig, weil ich mal nicht da bin. Himmel, Arsch und Wolkenbruch, das schlägt ja dem Fass den Boden aus!«
»Wir haben alles versucht, Finnewacker. Das kannst du uns glauben. Die Kerle sind einfach nicht kleinzukriegen. Das ist das Problem. Und ich fürchte, dass auch du dir …«
Der kleinwüchsige und krausköpfige Sergeant schwieg.
»Du glaubst im Ernst, dass auch ich mir die Zähne an diesen Kotzbrocken ausbeißen werde?«
Der Finnewacker sah den kleinen Krauskopf ungläubig an, als wäre diesem eine zweite Nase auf der Stirn gewachsen.
»Soll wohl ein Scherz sein – nicht wahr?«, so flötete er.
Dann aber brüllte Finnewacker los.
»Ich liebe Scherze dieser Art überhaupt nicht. Und ob ich diese Grillenfänger klein bekommen werde. Darauf verwette ich meine Streifen. Und ich fange jetzt sofort damit an. Kaporus?«
»Jetzt …?«, seufzte Sergeant Gammer.
»Die Soldaten liegen schon längst in den Betten. Zapfenstreich ist lange vorüber«, meinte Sergeant Larsen.
»Ach so, Kameraden. Ihr glaubt also, dass wir diese Chorknaben in ihrem süßen Schlummer nicht behelligen dürfen. Prima, ausgezeichnet. Das lob ich mir.«
Die zehn Chargierten senkten die Köpfe.
Zu gut wussten sie, dass ihr Master Sergeant in wenigen Sekundenbruchteilen explodieren würde.
Und so war es auch!
Finnewacker ging hoch wie eine Granate!
Er tobte, dass die Wände wackelten. Die zehn Chargierten wünschten in diesen Sekunden, sich in ein Mauseloch verkriechen zu können. Nur selten zuvor waren sie von dem alten Poltergeist so zur Minna gemacht worden.
Schließlich beruhigte sich Finnewacker wieder. Er grinste sogar so breit, dass sich die Enden des Schnurrbarts bedenklich seinen Ohren näherten. Und das war den Sergeanten schon gar nicht geheuer.
»Vorschläge, Männer?«, sagte der Commander von Fort Aldamo honigsüß. »ihr werdet euch doch Gedanken darüber gemacht haben, wie wir das alles leicht und locker schaukeln – nicht wahr?«
Die Sergeanten standen noch immer stramm.
»Rührt euch, ihr Hechte!«
Finnewacker verzog das Gesicht, als die Soldaten den rechten Fuß nach vorn stellten. Es klang wie eine Herde anreitender Pferde.
»Kommt mir sehr bekannt vor!«, spottete Finnewacker. »So ähnlich haben das die Strafsoldaten heute Abend auch vorgeführt. Na ja, ist ja auch kein Wunder bei diesen Vorbildern!«
***
»Ich wiederhole: Vorschläge, meine Herren. Spreche ich vielleicht undeutlich, oder habt ihr’s an den Lauschern?«
Finnewacker marschierte hinter seinen Schreibtisch und ließ sich auf den Sessel fallen, der bedenklich unter seinem Gewicht ächzte.
»Stumm seid ihr also auch noch, Männer. Das wird ja immer prächtiger. Wusste ja gar nicht, dass ich von einer Horde von Versagern umgeben bin. Da wird sich einiges ändern, Gentlemen!«
»Nun mach mal ’nen Punkt, Finnewacker«, grollte Fitzgerald. »Wir sind noch lange keine Versager, nur weil einige Strafsoldaten nicht parieren. Du kannst dir denken, dass wir alles getan haben, um die Neuen hinzukriegen. Es hat sogar einigermaßen geklappt – wenigstens so, um zufrieden zu sein. Die neuen Sträflinge haben auch uns getäuscht. Als du heute Abend den Appell abgenommen hast, spielten sie schon wieder verrück. Auch beim Stubendurchgang provozierten diese Schwachköpfe einen Vorfall nach den anderen.«
Der kleine Krauskopf holte tief Atem und ignorierte den finsteren Gesichtsausdruck seines Vorgesetzten »Das ist die Lage. Gut, deine Vorwürfe sind berechtigt, doch du solltest uns nicht beleidigen!«
Sergeant Fitzgerald trat in die Reihe der Sergeanten zurück, die eifrig zu Fitzgeralds Worten genickt hatten.
»Gut, Männer. Ihr kennt mich. Ich nehme die ›Horde von Versagern‹ zurück und entschuldige mich dafür.«
Finnewackers Stimme klang ruhig. Und doch sahen die Chargierten, wie sehr es noch immer in dem alten Haudegen kochte.
»Sergeant Wollcram!«
Der schneidigste Soldat der Kompanie trat einen Schritt nach vorn und schlug die Hacken so fest zusammen, dass es ihn fast von den Beinen riss. Seine Hand federte an den Rand seines Käppis.
»Aye, Master Sergeant!«
Danach machte Wollcram nochmals »Diesen«, wie Finnewacker die ewige Salutiererei des Sergeanten bezeichnete.
»Schaff mir Corporal Jefferson herbei. Aber dalli, dalli!«
»Yes, Finnewacker!«
Es krachte schon wieder, als Wollcram erneut salutierte. Dann sauste der eifrige Blaurock zur Tür hinaus.
»Was hast du vor?«, fragte Fitzgerald. »Dürften wir das erfahren?«
»Gewiss, Kleiner, gewiss! Da von euch keine Vorschläge kommen, wie wir das alles schnellstens wieder in den Griff bekommen, muss ich mir einiges einfallen lassen. Und ich beginne sofort damit.«
Sergeant Fitzgerald seufzte.
»Soll Jefferson den Strafsoldaten eine Schlummermelodie auf seiner Trompete vorspielen …?«
»Du hast’s erfasst. Natürlich keine Schlummermelodie, sondern genau das Gegenteil. Er wird Alarm blasen und die Saftsäcke aus den Betten holen. Anschließend üben wir mal, wie schnell die Strafsoldaten brauchen, um im Drillich, im Schlafanzug und feldmarschmäßig anzutreten. Und wenn das nicht klappt, üben wir das die ganze Nacht hindurch!«
»Ein Maskenball!«
»Das hast du gesagt, Kleiner. Ich will nur herausfinden, wie schnell die Sträflinge brauchen, um unsere Befehle zu befolgen.«
Finnewacker lächelte salzig.
»Wäre doch gelacht, wenn wir die Miesepeter nicht kleinkriegen. Ihr wisst Bescheid, Männer. Kümmert euch um die einzelnen Corporalschaften, wenn’s losgeht. Ist das klar?«
»Aye, Finnewacker!«, echoten die Sergeanten im Chor.
»Noch etwas, Leute. Die ersten zwanzig Sträflinge, die korrekt zum Appell antreten, können sich wieder zum Schlafen niederlegen. Ich schätze, dass wir alle Aufmucker dann ganz schnell herausfiltern werden!«
»Zu Befehl, Master Sergeant!«
Der Commander von Fort Aldamo lächelte jetzt lässig.
Schritte ertönten. Sergeant Wollcram und Corporal Jefferson betraten die Kommandantur und grüßten korrekt.
»Melde mich zur Stelle, Master Sergeant!«, tönte der junge Corporal.
»Ausgezeichnet, mein Guter. Und ich finde es gut, dass du dein Krachinstrument mitgebracht hast.«
Jefferson hielt die Trompete unter den linken Arm geklemmt. Das verbeulte und recht unansehnliche Clairon hatte auch schon bessere Tage gesehen.
»Du marschierst jetzt raus auf den Appellplatz und entlockst dem Ding ein paar heiße Töne, Jefferson. Du bläst zum Alarm. Kaporus?«
»Zu Befehl, Finnewacker!«
Der Commander von Fort Aldamo hob drohend die Hand.
»Wehe, wenn du ein falsches Trompetensignal gibst. Wage nur nicht, statt Alarm, den Zapfenstreich zu blasen. Manchmal glaube ich direkt, dass du das nur machst, um mich zu ärgern!«
Corporal Jefferson stand noch immer stramm.
»Das würde ich nie wagen, Finnewacker«, stieß er hervor, »Wie du weißt, bin ich kein ausgebildeter Hornist. Wenn ich ab und zu mal ein paar Takte durcheinanderbringe, dann …«
»Schon gut. Ab mit dir durch die Mitte, du Ohrenbläser!«
»Yes, Master Sergeant!«
Corporal Jefferson salutierte und marschierte los.
»Ihr könnt euch auch verzupfen, Männer. Und macht den Sträflingen nur gehörig Dampf unter den Sitzledern, sonst werde ich zum Tiger!«
Die zehn Sergeanten schlichen sich davon. Finnewacker blickte ihnen grinsend hinterher.
Sekunden später ertönte draußen auf dem Appellplatz ein schauriger Laut. Es hörte sich an, als würden Wölfe und Pumas gegeneinander kämpfen.
Finnewacker fuhr in die Höhe und trat ans Fenster.
Ehe er aber lospoltern konnte, entlockte Corporal Jefferson der Trompete astreine Töne, die schrill durch die Nacht gellten und die Strafsoldaten aus ihren Betten holten.
»Na, jetzt will ich doch mal sehen, ob ich die Neuen nicht kleinkriege«, sagte der Commander von Fort Aldamo. Er stülpte seinen Feldhut auf den Kopf und zupfte seine Uniform zurecht.
Dann verließ Master Sergeant Finnewacker die Kommandantur.
In den Unterkünften der Strafsoldaten flammten die ersten Kerosinlampen auf. Jetzt ertönten auch die befehlsgewohnten Stimmen der Sergeanten, die den Sträflingen Dampf machten.
Der Maskenball konnte beginnen.
***
Silbernes Mondlicht fiel vom Firmament und überzog den Appellplatz mit einem milchigen Hauch. Kalt funkelten die fernen Sterne.
Über einhundertundzwanzig Strafsoldaten quirlten aus ihren Unterkünften hervor und stürmten auf das große Geviert zwischen den hohen und steinernen Mauern von Fort Aldamo.
Für einige Sekunden ähnelte das alles einem Ameisenhaufen, in dem alles Drunter und Drüber ging. Dann formierten sich die Strafsoldaten zu den einzelnen Corporalschaften.
Trotzdem verließen noch immer Sträflinge ihre Unterkünfte. Und einige ließen es bewusst und provozierend langsam angehen.
Master Sergeant Finnewacker lächelte grimmig.
»Kompanie stillgestanden!«, schmetterte er.
Der Stimmenlärm verstummte. Die Strafsoldaten und die Chargierten nahmen Haltung an. »Richt euch!«
Das alles klappte nicht besonders.
Viele Sträflinge wirkten noch verschlafen, andere gähnten.
Finnewacker stand groß und massig vor der Front der Soldaten und hatte die Hände auf dem Rücken verschränkt. Jetzt wölbte er die Brust nach vorn. Das große Notizbuch ragte einen vollen Inch weit aus der Knopfleiste seines blauen Feldrockes hervor.
Der Commander von Fort Aldamo zog seine alte silberne Taschenuhr, warf einen kurzen Blick aufs Zifferblatt und steckte sie wieder weg.
»Das hat mir viel zu lang gedauert, Männer!«, schmetterte Finnewacker. »Außerdem erwarte ich, dass ihr alle bei Alarm feldmarschmäßig antretet. Ich sehe da einige Klugscheißer, die im Schlafanzug angetreten sind, andere sind ohne Karabiner erschienen. Da das nicht klappt, müssen wir es üben!«
Dumpf hallten Finnewackers Worte über den großen Appellplatz und wurden dumpf von den hohen Mauern zurückgeworfen. Dann straffte sich der bullige Körper des alten Raubeins noch mehr.
»Ich befehle, dass alle Strafsoldaten so schnell wie möglich in Drillich antreten.
Die ersten fünfundzwanzig, die korrekt den Befehl ausführen, können sich wieder zum Schlafen niederlegen. Mit den anderen übe ich weiter!«
Die meisten Sträflinge wussten, was das zu bedeuten hatte.
»Zur Ausführung meines Befehls – wegtreten!«
Wieder quirlten die Strafsoldaten durcheinander. Sie wurden von den Sergeanten und Corporalen angetrieben und angefeuert, die sich die Kehlen heiser brüllten und die Sträflinge vor sich her scheuchten.
Sergeant Fitzgerald trat zu seinem Vorgesetzten und nahm Haltung an, nachdem sich der Appellplatz leerte.
»Soll ich die ersten fünfundzwanzig Strafsoldaten in Empfang nehmen und kontrollieren, ob sie korrekt angezogen sind?«
Master Sergeant Finnewacker nickte.
»In Ordnung, Kleiner. Ich verlass mich auf dich.«
»Yes, Finnewacker!«
Es dauerte nicht lange, dann tauchten die ersten Sträflinge auf. Fitzgerald und zwei weitere Sergeanten nahmen sie in Empfang. Hin und wieder schickten sie einen der Männer wieder in die Unterkünfte zurück.
Einer war ohne Stiefel angetreten, ein anderer trug statt der Drillichhose nur die lange rote Unterhose. Dann waren die ersten fünfundzwanzig Soldaten herausgefiltert. Sie durften wegtreten und erhielten den Befehl, sich in die Betten zu verziehen, nachdem sie ihre Klamotten weggeräumt hatten.
Für die anderen Strafsoldaten ging das muntere Spielchen weiter. Sie mussten im Schlafanzug antreten. Dann wieder feldmarschmäßig. So ging das über eine Stunde lang.
Und bald kristallisierten sich ungefähr zwanzig Sträflinge heraus, die sich nicht beeilten und die Befehle nur nachlässig ausführten.
Und mit diesen Männern »übte« Finnewacker noch eine Stunde weiter. Langsam aber sicher brachte er die Strafsoldaten auf Trab. Längst hatte er die Namen der Sträflinge in seinem gefürchteten Notizbuch notiert.
Auf einen Stubendurchgang verzichtete Finnewacker. Den wollte er vor dem Morgenappell abhalten. Und bis dahin erwartete er, dass die Spinde aufgeräumt und die Stuben in Ordnung waren.
***
»Es sind die zehn Neuen, die nicht gespurt haben«, stellte Finnewacker am nächsten Morgen fest. »Du übernimmst den Morgenappell. Lass die neuen Strafsoldaten zum Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch antreten. Ich gehe mit den Jungs raus. Die Sergeanten Wollcram, Gedder und Larsen begleiten mich. Das genügt. Alle anderen Sträflinge, die heute Nacht aufgefallen sind, teilst du zum Festungserweiterungskommando ein. Dass mir das klappt, Kleiner!«
»Zu Befehl, Finnewacker!«
Sergeant Fitzgerald sauste davon.
Der Morgenappell lief reibungslos über die Bühne. Finnewacker verfolgte das Geschehen vom Fenster der Kommandantur aus.
Er sah viele müde Gesichter. Kaum einer der Strafsoldaten wirkte ausgeschlafen. Doch das juckte den Commander von Fort Aldamo nicht.
