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"Vorwärts, ihr Halunken! Und grinst nicht so blöd!", brüllt Finnewacker. Noch ahnt der Master Sergeant nicht, dass die fünf Strafsoldaten, die er nach Fort Aldamo überführen soll, allen Grund zum Grinsen haben. Denn in diesem Moment entführt eine skrupellose Banditenbande seine Freundin Vivienne. Ein Gefangenenaustausch ist den Outlaws aber nicht genug: Finnewacker soll sich als Bankräuber verdingen! Der Master Sergeant sieht sich schon selbst als Strafsoldat in Fort Aldamo. Kann er sich aus dieser teuflischen Klemme befreien?
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Über diese Serie
Impressum
Ein Finnewacker gibt nie auf!
Vorschau
Titelliste Fort Aldamo
Über diese Serie
Liebe Western-Freunde!
Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.
In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.
Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.
Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!
Die ALDAMO-Redaktion
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Günther König / Hertha König
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4214-7
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Ein Finnewacker gibt nie auf!
von Frank Callahan
»Vorwärts, ihr Halunken! Und grinst nicht so blöd!«, brüllt Finnewacker. Noch ahnt der Master Sergeant nicht, dass die fünf Strafsoldaten, die er nach Fort Aldamo überführen soll, allen Grund zum Grinsen haben. Denn in diesem Moment entführt eine skrupellose Banditenbande seine Freundin Vivienne. Ein Gefangenenaustausch ist den Outlaws aber nicht genug: Finnewacker soll sich als Bankräuber versuchen! Der Master Sergeant sieht sich schon als Strafsoldat in Fort Aldamo …
»Mann, Finnewacker, du erinnerst mich immer mehr an meinen Blinddarm!«, stieß Sergeant Fitzgerald hervor und blickte seinen Vorgesetzten kopfschüttelnd an, der in der Kommandantur auf und ab ging und dabei wütend vor sich hinbrummelte.
Jetzt blieb der kommissarische Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie stehen und funkelte den kleinen Krauskopf aus zornigen Augen an.
»Was soll das heißen – zum Henker? Weshalb erinnere ich dich an deinen verdammten Blinddarm?«
»Immer gereizt, Finnewacker, immer gereizt!«
»Hahaha!«, polterte der Master Sergeant. »Mensch, Kleiner, selten so gelacht. Sag mir lieber, wo die Nachricht aus Camp Lowell bleibt? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!«
Fitzgerald verzog das Gesicht. Der altgediente Haudegen zuckte mit den Schultern und nickte dem allgewaltigen Boss der alten, ehemals spanischen Festung beruhigend zu.
»Die Brieftaube wird heute schon noch eintreffen. Vielleicht wurde sie auch die Beute eines Adlers oder eines anderen Raubvogels. Es gibt viele Möglichkeiten, warum die Nachricht aus Camp Lowell noch nicht eingetroffen ist. Das weißt du ganz genau. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum du immer mehr durchdrehst.«
Master Sergeant Finnewacker legte den Kopf schief. Sein bulliger Körper straffte sich. Dann marschierte er hinter seinen Schreibtisch und ließ sich wie ein Mehlsack in den Sessel fallen.
Er angelte sich eine Zigarre, zündete sie an und paffte riesige Rauchwolken vor sich hin.
»Kannst verschwinden, Kleiner. Ich erbitte aber sofortige Meldung, falls sich was tut. Ist das klar?«
»Aye, Master Sergeant!«, antwortete Fitzgerald, salutierte nachlässig und sah, dass Finnewacker die rechte Augenbraue hob. Der kleine Krausschopf beeilte sich, die Kommandantur zu verlassen.
Seit zwei Tagen war Finnewacker nicht mehr ansprechbar. Keiner konnte ihm etwas recht machen. Und das alles nur, weil er einen außerplanmäßigen Besuch in Camp Lowell plante.
Er wollte das fünf Tagesritte entfernte Hauptquartier aufsuchen, um dort vor allem Munition für eine Gatling Gun zu organisieren, die die Sergeanten Fitzgerald und Gedder »gefunden« hatten.
Master Sergeant Finnewacker dagegen behauptete schlicht und einfach, dass die Schnellfeuerkanone von den beiden Soldaten geklaut worden war, als er mit seinen beiden Männern einen Frachttreck begleitet hatte, der fünfzig Gatling Guns beförderte. Erst nach schweren Kämpfen hatte der Frachtzug endlich die mexikanische Grenze erreicht. Und dort stellte sich bei der Übergabe heraus, dass eine Gatling fehlte.
Finnewacker hatte lange überlegt, ob er sie nach Camp Lowell bringen sollte, fürchtete aber den enormen Papierkrieg, der dort auf ihn wartete. Die Mexikaner hatten die Schnellfeuerkanone längst abgeschrieben. Außerdem war dem Commander von Fort Aldamo klar, dass er die Gatling Gun gut gebrauchen konnte.
Nur hatte er Fitzgerald und Gedder sehr übel genommen, dass sie nicht auch Munition »gefunden« hatten.
Es klopfte gegen die Tür.
Master Sergeant Finnewacker verzog abwehrend das Gesicht. Doch dann fiel ihm ein, dass es ja vielleicht der Korbmeister sein konnte. Er betreute die Brieftauben, die eine schnelle Verbindung zwischen Fort Aldamo und Camp Lowell aufrechterhielten.
»Herein«, brüllte Finnewacker.
Sein Körper versteifte sich, als er Sergeant Kleiber erkannte, der hereinwatschelte und seinen kugelrunden Bauch wie eine Ramme vorschob. Der dicke Küchenbulle blickte irritiert auf Finnewacker, als dieser einen tiefen Seufzer ausstieß und ihn verdrossen anstarrte.
»Ist dir ’ne Laus über die Leber gelaufen?«, fragte Sergeant Kleiber, der für die Küche und die Verpflegung von Fort Aldamo zuständig war. »Du ziehst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.«
»Was willst du, alter Zuckerbäcker? Hatte ich dich eigentlich letzte Woche fürs Festungserweiterungskommando eingeteilt?«
Mit dieser Frage wollte Finnewacker dem Dicken den Wind aus den Segeln nehmen. Er wusste längst, dass Kleiber jede Art von körperlicher Anstrengung verabscheute. Doch diesmal ließ sich der Küchensergeant nicht abwimmeln.
»Das scheinst du vergessen zu haben, Finnewacker. War aber bestimmt nicht meine Schuld.«
Master Sergeant Finnewacker brummelte einige Worte, die Kleiber beim besten Willen nicht verstehen konnte, und nickte ihm zu.
»Also – was willst du? Ist dir schon wieder dein dämlicher Zucker ausgegangen, oder fehlt es diesmal an Salz?«
»Ich habe gehört, dass du nach Camp Lowell reitest. Habe eine Bestellung dabei, die sehr wichtig ist. Kannst sie mitnehmen. Außerdem …«
Sergeant Kleiber schwieg und nagte an seiner Unterlippe. Aus kleinen Äuglein, die fast gänzlich in den Fettpolstern seines Gesichtes verschwanden, blickte er seinen Vorgesetzten forschend an.
»Was – außerdem …?«, knurrte Finnewacker wie ein gereizter Wolf, dem ein anderer eine sicher geglaubte Beute entreißen wollte.
»Außerdem …« Kleiber zögerte erneut. Er sah, dass sich Finnewackers buschiger Schnurrbart zu sträuben begann. Und das war immer ein sehr schlechtes Zeichen. »Außerdem gebe ich dir ein Versetzungsgesuch mit. Ich lasse mich hier nicht mehr länger von dir schikanieren!«
Nun war es raus.
Sergeant Kleiber atmete auf. Große Schweißperlen liefen über sein rosiges Gesicht.
Master Sergeant Finnewacker blieb der Mund offen stehen, so sehr überraschten ihn die Worte des Dicken.
»Abgelehnt!«, brüllte er dann.
»Ich geb’s dir trotzdem mit«, quetschte Kleiber todesmutig hervor. »Darüber hat schließlich Colonel Brooks das letzte Wort!«
Kleiber legte zwei zusammengefaltete Briefe auf Finnewackers Schreibtisch, baute sein Männchen und watschelte dann davon, so schnell es ihm sein dicker Bauch erlaubte.
Die Tür fiel dumpf hinter Kleiber ins Schloss. Finnewacker saß wie versteinert an seinem Schreibtisch, ehe sich ein lässiges Grinsen auf seine Lippen legte.
»Alle Achtung, Dicker«, murmelte er dann. »Das hätte ich dir wirklich nicht zugetraut. Du bleibst aber hier zum Geier! Verdammt noch mal, was ist schon dabei, wenn wir uns hin und wieder in die Haare kriegen?«
Master Sergeant Finnewacker sog genüsslich an seiner Zigarre und legte die Stiefel auf den Schreibtisch. Und er beschloss, nicht eher aufzustehen, bis die Nachricht aus Camp Lowell eingetroffen war.
***
»Ordonnanz!«
Die Tür zur Schreibstube flog auf. Ein Sträfling in grauem Drillich sauste herein und salutierte zackig vor Finnewacker.
»Aye, Master Sergeant!«
»Schaff mir Sergeant Fitzgerald herbei, du Blindschleiche. Aber dalli, dalli! Hast du das kapiert?«
»Zu Befehl, Master Sergeant!«
Die Ordonnanz grüßte erneut, machte kehrt und rannte los, um den Befehl auszuführen.
Es dauerte keine Minute, dann betrat Sergeant Fitzgerald die Kommandantur. Er lächelte breit und blieb vor Finnewackers Schreibtisch stehen. »Das ging aber mächtig fix«, brummelte der Commander von Fort Aldamo. »Bist wohl schon auf dem Weg zu mir gewesen – was, alter Nasenbär?«
»Richtig, mein Alter. Und hier ist diese verdammte Nachricht, auf die du so lange gewartet hast!«
Der altgediente Soldat reichte seinem Vorgesetzten ein winziges Zettelchen, das per Brieftaube vor wenigen Minuten Fort Aldamo erreicht hatte.
Finnewacker packte zu wie ein Bär, der eine Forelle aus einem Bach herausfischen wollte.
»Schon gelesen?«
»Natürlich nicht!«
Master Sergeant Finnewacker überflog die wenigen Worte. Sein Gesicht nahm einen zufriedenen Ausdruck an. Dann ließ er sich seufzend auf den Sessel zurückfallen, der protestierend ächzte.
»Was ist los?«, fragte Fitzgerald neugierig. »Reitest du nach Camp Lowell, oder ist was dazwischengekommen?«
»Ich reite in zwei Stunden, Kleiner. Dann ist die größte Hitze vorüber. Bereite alles vor. Ich brauche ein erstklassiges Pferd, Proviant und vor allem genügend Wasser. Das kommt alles auf ein Packpferd, ist das in deinen Schädel reingegangen?«
»Aye, Master Sergeant! Wozu brauchst du denn ein Packpferd, wenn du mir diese Frage erlaubst?«
Master Sergeant Finnewacker grinste lässig.
»Hauptsächlich für den Rückritt, Kleiner. Verdammt, denk doch mal logisch. Wie soll ich denn die Munition für die Gatling Gun befördern? In den Uniformtaschen? Oder glaubst du, dass ich mir auch noch ’nen Gaul in Camp Lowell organisiere? Nein – mein Guter. Ich möchte nicht zu viel Staub aufwirbeln!«
Der kleine, krausköpfige Sergeant nickte.
»Alles klar, Finnewacker. Sonst noch Befehle?«
»Du übernimmst während meiner Abwesenheit das Kommando. Und halte die Strafsoldaten in Schwung. Lass ja nicht wieder den alten Saustall hier einreißen, sonst springe ich dir mit einem edlen Körperteil mitten ins Gesicht! Ist das klar oder brauchst du das schriftlich?«
»Zu Befehl, Master Sergeant!« Sergeant Fitzgerald salutierte lässig und stiefelte los.
»Dass mir das auch alles klappt!«, rief der Spieß der Strafkompanie seinem Stellvertreter hinterher.
»Aye, Master Sergeant!«, antwortete Fitzgerald und verließ die Kommandantur mit schnellen Schritten.
Genau zwei Stunden später öffnete sich das große Tor, um den Commander hindurchzulassen. Die beiden zur Wache eingeteilten Sträflinge standen stramm.
»Viel Glück, Finnewacker, und komm bald wieder zurück. Gesund und munter, wenn’s irgendwie möglich ist. Ich drück dir die Daumen, dass auch alles klappt!«, rief Fitzgerald.
»Wird schon schiefgehen, Kleiner. Auf bald!«
Master Sergeant Finnewacker gab seinem Rapphengst die Zügel frei. Das Packpferd, das angeleint war, folgte. Der Commander von Fort Aldamo ritt die Zufahrtsrampe hinunter. Dumpf tackten die Hufe der beiden Pferde und wirbelten Staubschleier auf.
Die Sonne näherte sich den Gipfeln der Gila Range, die über fünfzig Meilen entfernt waren. Sie würde dort schon bald in einem grandiosen Feuermeer verglühen. Vor Finnewacker lag Wüste – ödes und unfruchtbares Land, in dem sich nur Klapperschlangen, Wölfe und anderes Getier wohlfühlten.
Die alte, ehemalige spanische Festung hatte ihren Standort mitten in dieser Einöde. Aus diesem Grund war auch an eine Flucht der Strafsoldaten nicht zu denken, denn es gab im Umkreis von über fünfzig Meilen keine Wasserstelle.
Schon mehr als einmal hatten Sträflinge einen Ausbruch riskiert, waren aber meist heilfroh gewesen, wieder nach Fort Aldamo zurückkehren zu dürfen. Einige hatten den Fluchtversuch auch mit dem Leben bezahlt.
Die Wüste kannte kein Erbarmen. Davon zeugten die vielen gebleichten Knochen, die man hin und wieder fand.
Fort Aldamo blieb zurück.
Die Festung erinnerte an einen riesigen Klotz in der Weite der unfruchtbaren Landschaft. Hoch reckten sich die steinernen Mauern gegen den dunkler werdenden Horizont. Die Unionsflagge hing schlaff am Fahnenmast auf dem Turm.
Master Sergeant Finnewacker grinste zufrieden und trieb den Rappen an. Ein Fünf-Tages-Ritt wartete auf ihn. Finnewacker kannte die Route. Er musste den Gebirgszug östlich von Fort Aldamo durchqueren und hinter den Bergen nach Norden reiten, bis er auf die alte Poststraße von Yuma nach Gila Bend stieß.
Von Gila Bend ging es dann weiter. Zweimal musste er in der Wildnis campieren. Die dritte Nacht verbrachte er in Gila Bend und die vierte in Casa Grande.
Am Abend darauf war er dann endlich in Camp Lowell.
Finnewackers Lächeln wurde noch breiter, als er an Vivienne dachte. Die hübsche Blondine, die in Camp Lowell einen Saloon betrieb, hatte er damals kurz vor seiner Versetzung nach Fort Aldamo kennengelernt.
Sein Herz schlug plötzlich schneller.
Er freute sich riesig darauf, Vivienne in seine Arme zu schließen. Und das war mit ein Grund, warum der wackere Master Sergeant wieder einmal nach Camp Lowell, zum Sitz des Regiments, trailen wollte.
Und natürlich würde es auch einige feucht-fröhliche Abende im Kreis der Kameraden geben. Das alles versprach Abwechslung vom doch manchmal eintönigen Dienst in der alten, ehemaligen Festung der Konquistadoren.
Master Sergeant Finnewacker tätschelte den schlanken Hals seines Rappens. Gut gelaunt ritt er weiter. Bald lag der Grüngürtel, der von den Mauern der Festung gerade noch mit bloßem Auge zu erkennen war, hinter dem Commander von Fort Aldamo. Die Kakteen, Mesquitebüsche und Salbeisträucher blieben allmählich zurück. Vor Finnewacker lag die Wüste. In der Ferne sah er die Berge, die er überqueren musste.
Es wurde rasch dunkel.
Die Schatten der Nacht krochen heran und legten einen schützenden Schleier über die öde Landschaft. Irgendwo heulten Wölfe; andere Lobos antworteten. Eine Klapperschlange floh vor der nahenden Kühle und suchte ein Erdloch auf, um dort die Nacht zu verbringen.
Das alles kümmerte Master Sergeant Finnewacker wenig. Er kannte längst die Wüste und wusste von den drohenden Gefahren. Bald schien die Dunkelheit den alten Haudegen zu verschlucken.
***
Das Gebirge lag zwei Tagesritte hinter Master Sergeant Finnewacker. Jetzt ritt er an dessen Ostflanke entlang in nördlicher Richtung. Der Trail führte durch weite, sandige Ebenen, aber auch durch hügeliges und dichtes Buschland.
Finnewacker hoffte, in den nächsten Stunden die alte Poststraße zu erreichen. Der lange Ritt war dem bulligen Master Sergeant kaum anzumerken. Finnewacker war ein eisenharter Bursche, den Strapazen dieser Art so leicht nicht erschüttern konnten.
Die Sonne stand wie ein gefräßiges Ungeheuer am wolkenlosen Himmel und brannte heiß auf Finnewacker herab. Er hatte keinen trockenen Faden mehr am Leib. Auch das Fell der beiden Pferde war mit einer zähen Schicht aus Schweiß und Staub überzogen.
Finnewacker wischte mit dem Handrücken über seine Stirn, auf der Schweißtropfen schimmerten. Plötzlich zügelte der Master Sergeant den Rapphengst mit hartem Griff und starrte auf eine Stelle zwischen zwei Hügeln. Dort waren einige Staubschleier zu sehen, die auf Finnewacker wie eine unsichtbare Drohung wirkten.
Gefahr!
Innerhalb von Sekundenbruchteilen breitete sich ein dumpfer Druck in Finnewackers Magen aus. Und der erfahrene Soldat konnte sich auf seinen in vielen Gefahren geschärften Instinkt verlassen.
Es mussten mehrere Reiter sein, die dort trailten. Nach der Größe der Staubwolke gab es überhaupt keine andere Erklärung.
Master Sergeant Finnewacker ritt hinter einige Felsquader, die ihm und den beiden Pferden gute Deckung boten. Er sprang aus dem Sattel und zog seinen Karabiner aus dem Futteral.
Nachdem er sich einen sicheren Platz zwischen den Felsen gesucht hatte, spähte er zu den Staubschleiern hinüber. Die Reiter waren noch nicht zu sehen, doch sie hielten genau auf sein Versteck zu. Jetzt wurde dem Commander von Fort Aldamo klar, dass er von den Fremden – wer immer sie auch waren – längst entdeckt worden war.
»Schiet!«, brummte Finnewacker und schob seinen Feldhut in den Nacken. Und er fragte sich, wer da nähergeritten kam.
Es konnten mexikanische Bandoleros sein, die immer wieder die Grenze überquerten, um im Arizona Territorium auf Raubzüge auszugehen. Vielleicht handelte es sich auch um Indianer, die es auf seine Pferde und die Waffen abgesehen hatten.
Und auf sein Leben!
