Fort Aldamo - Folge 035 - Frank Callahan - E-Book

Fort Aldamo - Folge 035 E-Book

Frank Callahan

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Beschreibung

Master Sergeant Finnewacker möchte im Erdboden versinken - welch eine Blamage! Da lässt er die gesamte Besatzung von Fort Aldamo zackig antreten, um drei Offiziere zu begrüßen, die aus Camp Lowell kommen. Die Sache hat nur einen Haken: Die Offiziere werden als Sträflinge ins Fort gebracht. Na, diese Galgenvögel sollen Finnewacker kennenlernen! Der Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch ist erst der Anfang. Als der Master Sergeant während des Marsches eine blonde Lady aus den Händen der Apachen befreit, scheint die Welt wieder in Ordnung. Finnewacker ahnt ja nicht, dass er dadurch erst recht in Teufels Küche kommt...

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Über diese Serie

Impressum

Finnewackers große Renegaten-Jagd

Vorschau

Titelliste Fort Aldamo

Über diese Serie

Liebe Western-Freunde!

Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.

In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.

Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.

Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!

Die ALDAMO-Redaktion

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Günther König / Hertha König

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-4380-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Finnewackers große Renegaten-Jagd

von Frank Callahan

Master Sergeant Finnewacker möchte im Erdboden versinken – welch eine Blamage! Da lässt er die gesamte Besatzung von Fort Aldamo zackig antreten, um drei Offiziere zu begrüßen, die aus Camp Lowell kommen. Die Sache hat nur einen Haken: Die Offiziere werden als Sträflinge ins Fort gebracht. Na, diese Galgenvögel sollen Finnewacker kennenlernen! Der Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch ist erst der Anfang. Als der Master Sergeant während des Marsches eine blonde Lady aus den Händen der Apachen befreit, scheint die Welt wieder in Ordnung. Finnewacker ahnt ja nicht, dass er dadurch erst recht in Teufels Küche kommt …

»Kannst du nicht anklopfen, zum Henker!«, fauchte Master Sergeant Finnewacker, Spieß der Strafkompanie und kommissarischer Commander von Fort Aldamo in einer Person.

Finnewacker nahm seine Füße vom Schreibtisch und blickte Sergeant Fitzgerald wütend an.

Der kleine, kraushaarige Sergeant wich unwillkürlich einen Schritt zurück.

»Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen, Finnewacker?«, wunderte sich der Krauskopf. »Hast wohl wieder einmal deinen empfindlichen Tag.«

Fitzgerald wandte sich um und stiefelte davon.

»Was willst du?«, schrie Finnewacker. »Los, spuck schon aus, was du von …«

Das Gesicht des Master Sergeants zeigte Verblüffung, als Fitzgerald weitermarschierte und die Kommandantur verließ. Dumpf fiel die Tür ins Schloss.

»Himmel, Arsch und Zwirn«, brüllte Finnewacker. »Ich habe doch gewusst, dass das heute ein ganz mieser Tag wird. Alles geht schief. Alles und …«

Es klopfte.

»Herein!«, brüllte der Master Sergeant.

Seine Augen wurden schmal, als er Sergeant Fitzgerald sah, der erneut eintrat, die Hacken zusammenknallte und dann so zackig grüßte, dass Finnewacker anerkennend grinste.

»Sergeant Fitzgerald bittet, eine Mitteilung machen zu dürfen, Sir. In Anbetracht der Wichtigkeit …«

»Steh schon bequem, du Pfeife. Verdammt, warum bist du auch immer gleich beleidigt?«

»In Anbetracht der …«, leierte der kleine Sergeant.

»Schnauze! Steh bequem, zum Geier.«

Fitzgeralds rechter Fuß ruckte nach vorn. Trotzdem stand er noch immer stramm vor seinem Vorgesetzten.

»In Anbetracht …«

»Mach mich nicht wahnsinnig, alte Knallschote! Was ist los? Welche Mitteilung hast du mir zu machen?«

»Sie werden’s niemals erfahren, Sir, wenn Sie mich dauernd unterbrechen«, fuhr der kleingeratene Sergeant fort. »Eine Brieftaube aus Camp Lowell, Sir.«

»Und …?«

»Eine Botschaft, Sir!«

»Wäre ich nie darauf gekommen, Kleiner. Warum überbringst du die Mitteilung und nicht der Wachhabende? Ist doch seine Aufgabe, oder etwa nicht?«

»Gewiss, Sir.«

»Ist was schiefgelaufen?«

Fitzgerald stöhnte. Sein Gesicht verzog sich, als würde der kleine Sergeant von immer schlimmeren Zahnschmerzen geplagt.

»Du kannst einem auch mächtig auf den Geist gehen mit deiner dämlichen Fragerei«, polterte Fitzgerald los. »Willst du nun wissen, was geschehen ist oder nicht?«

Master Sergeant Finnewacker grinste breit, setzte sich hinter seinen Schreibtisch und zündete sich eine dicke Zigarre an. Sekunden später war sein Kopf von einer riesigen Rauchwolke umhüllt.

»So gefällst du mir schon besser, alter Bürstenbinder. Und jetzt spuck aus, was du auf dem Herzen hast.«

»Wie bereits angedeutet, ist eine Botschaft per Brieftaube aus Camp Lowell angekommen. Und …

»Na und, Kleiner? Lies schon vor!« Fitzgerald stöhnte erneut.

»Geht nicht!«

»Was …? Kannst du plötzlich nicht mehr lesen, Sergeant?«

Finnewackers Gesicht nahm einen misstrauischen Ausdruck an. Er musterte den Krauskopf wie ein seltenes Insekt.

»Kannst du überhaupt lesen? Wenn ich so überlege, habe ich noch nie so recht darauf geachtet.«

Sergeant Fitzgeralds Gesicht rötete sich immer mehr und erinnerte an einen frisch gebrannten Backstein. Der kleine Krauskopf blühte beide Backen auf.

»Die Botschaft kam verstümmelt an, Finnewacker. Ich kann’s nicht ändern. Irgendetwas ist mit der Taube geschehen. Vielleicht wurde sie von einem Raubvogel angegriffen. Außerdem wurde die Nachricht nass. Tut mir leid, Finnewacker, es ist nun einmal so!«

Der Master Sergeant sog an der dicken Zigarre und schüttelte dabei verärgert den Kopf.

»Also keine Nachricht, Fitzgerald?«

Der schmächtige Sergeant lächelte gequält. Dann zog er einen winzigen Zettel aus der rechten Tasche seiner Feldjacke.

»Gib her!«

Finnewacker schoss hinter seinem Schreibtisch vor und riss dem zusammenzuckenden Sergeant das kleine Stückchen Papier aus den Fingern. Es knirschte, denn das Zettelchen riss in zwei Teile.

»Das auch noch«, murrte Fitzgerald. Finnewacker fluchte.

»Sag ich’s doch«, knurrte er. »Heute geht alles schief, verdammt noch mal. Vielleicht sollte ich mich am besten ins Bett legen und allem seinen Lauf lassen.«

Der allgewaltige Master Sergeant von Fort Aldamo konnte in diesen Sekunden noch nicht ahnen, wie recht er hatte.

***

»Schöner Bockmist – nicht wahr?«

Master Sergeant Finnewacker tigerte in seinem Office auf und ab. Plötzlich blieb er vor Fitzgerald stehen und tippte dem Krauskopf so fest gegen die Brust, dass der Sergeant erschrocken einen Schritt zurücktaumelte.

»Na, na, na«, brummte Fitzgerald. »Das grenzt ja schon an Körperverletzung.« Und der Kleine fügte noch ein paar Worte hinzu, die normalerweise Festungserweiterungskommando oder wenigstens eine Woche Bau eingebracht hätten.

Finnewacker achtete nicht darauf. Er blies dem Kleinen Zigarrenrauch ins Gesicht. Und das war etwas, was Fitzgerald überhaupt nicht ausstehen konnte.

»Ich verschwinde«, verkündete der kleine Sergeant. »Dir wird schon was einfallen, wie du das alles deichseln willst.«

»Hiergeblieben, Deserteur«, schnappte die Stimme des Commanders von Fort Aldamo. »Lass uns noch mal durchgehen, was wir von dieser verdammten Nachricht entziffern konnten.«

»Das bringt uns doch auch nicht weiter, Finnewacker. Mach dir doch nichts vor. Wir haben insgesamt nur vier oder fünf Wörter entziffern können. Alles Weitere müssen wir uns zusammenreimen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.«

»Gut.«

Finnewacker schnaubte wie ein feuriger Hengst, den jemand von seinem Harem trennen wollte.

»Fünf Worte, Fitzgerald: … Drei … Offiziere … Ankunft … Tage … Brooke.«

Finnewacker fluchte schon wieder. »Kannst du dir einen Reim darauf machen?«

»Könnte ich, Finnewacker, bin aber nicht daran interessiert, zudem alles andere nicht zu entziffern ist. Wenn was schiefläuft, bin ich der Dumme. Kommt nicht in die Tüte!«

»Feigling!

»Ich …?«, schrie Fitzgerald entrüstet. Finnewacker nickte.

»Okay, auf deine Verantwortung, Master Sergeant.«

»Auch gut, du Träne.«

»Colonel Brooke teilt aus Camp Lowell mit, dass uns drei Offiziere in den nächsten Tagen aufsuchen werden, Finnewacker. Wer, wie, was, warum, wieso, weshalb, wissen wir nicht, weil die Nachricht verstümmelt ist. Wir sollten auf alle Fälle dem Posten auf dem Turm Bescheid sagen, dass er dir sofort die Ankunft eines Reitertrupps meldet. Dann kannst du handeln, Finnewacker, und die Jungs im Fort auf Trab bringen und antreten lassen. Ich hoffe nur nicht, dass wir wieder mal ’nen neuen Commander bekommen.«

Finnewackers Gesicht verzog sich, als habe er einen Eimer voller Seifenbrühe getrunken.

»Glaubst du das wirklich?«, stöhnte der Master Sergeant. »Verflixt und ausgebeult … äh … zugenäht, das würde gerade noch fehlen, so ’nen Offiziersarsch vor die Nase gesetzt zu bekommen.«

Sergeant Fitzgerald grinste.

»Einen? Drei, wenn ich mich nicht täusche!«

»Das ist es ja«, wetterte Finnewacker. »Mit einem dieser Knallköpfe würde ich ja fertig werden. Aber gleich drei? Mann, o Mann, das wird eine Heidenarbeit, bis wir die vergrault haben.«

Master Sergeant Finnewacker griente.

»Vielleicht kommen die Jungs, um dich zu befördern, Finnewacker. Verdient hättest du es schon lange«, versuchte der Kleine seinen Vorgesetzten aufzumuntern.

»Quatschkopf«, maulte Finnewacker. »Daran glaube ich schon lange nicht mehr, dass Colonel Brooke mich in den Offiziersrang erhebt.«

»Das ist sehr schade«, meinte Sergeant Fitzgerald. »Du hättest es wirklich verdient. Bist ein Soldat vom Scheitel bis zur Sohle. Einen besseren gibt’s überhaupt nicht, alter Haudegen.«

»Meinst du das wirklich, kleines Fitzgeraldo, oder willst du mir nur Honig um den Bart schmieren?«

»Natürlich ist das mein voller Ernst, Finnewacker. Verlass dich drauf! Ich verschwinde jetzt und gebe dem Posten auf dem Turm Bescheid, dass er dich sofort benachrichtigen soll, wenn ein Reitertrupp auftaucht.«

»Einverstanden, Fitzgerald. Stell noch einen Mann dazu. Doppelposten. Kapiert? Doppelt genäht hält besser!«

Sergeant Fitzgerald wollte grüßen, doch Finnewacker winkte lässig ab und blickte dem Kameraden nachdenklich hinterher, als dieser das Zimmer verließ.

»Drei Offiziere«, murmelte Finnewacker. »Das hat mir gerade noch zu meinem Glück gefehlt! Verdammt noch mal, das kapiere ich einfach nicht. Was wollen die drei Burschen nur hier?«

Master Sergeant Finnewacker sollte es bald erfahren. Sehr bald sogar. Und es würde einiges anders sein, als er es in seinen kühnsten Träumen erwartete …

***

»Sie kommen, Master Sergeant!«

Finnewacker zuckte zusammen, als wäre er von einem Blitz gestreift worden. Er sprang auf. Der Stuhl kippte um und polterte zu Boden. Der Master Sergeant wollte etwas sagen, doch er schien plötzlich einen Frosch in der Kehle stecken zu haben.

Er räusperte sich.

»Wer … wer kommt, zum Geier?« Fitzgerald runzelte die Stirn.

»Wer wohl, Sarge? Der angekündigte Reitertrupp aus Camp Lowell natürlich. Es sind sieben Reiter. Wir haben ganz deutlich die Uniformen erkannt. Es scheinen auch ein paar neue Sträflinge dabei zu sein. Du solltest endlich deine Knobelbecher anziehen und dich fein für den Empfang machen.«

»Lass antreten, Fitzgerald. Es muss …«

»Läuft bereits alles, Master Sergeant. Du kannst dich auf mich verlassen. Der Trupp ist in einer halben Stunde da. Kannst dir Zeit lassen, alter Seifensieder.«

Sergeant Fitzgerald eilte davon. Finnewackers Körper reckte sich. »Ordonnanz!«, brüllte er.

Die Schreibstubentür flog auf. »Master Sergeant!«

Der Sträfling, in grauweißen Drillich gekleidet, schlug die Hacken zusammen und grüßte zackig.

»Wo sind meine Stiefel, du Blindschleiche? Schaff sie ran! Aber ein bisschen dalli! Hab’s eilig.«

»Zu Befehl, Master Sergeant«, rief der zur Schreibstube Kommandierte eifrig, grüßte, machte kehrt und stürzte hinaus.

Finnewacker zog inzwischen seine Feldbluse an. Das dicke Notizbuch, das noch mehr gefürchtet war als er selbst, ragte ihm vorn weit aus der Knopfleiste hervor.

»Wo bleiben meine Stiefel?«, brüllte der Master Sergeant mit sich überschlagender Stimme. »Mann, wenn das nicht sofort klappt, lernst du mich kennen! Ich reiße dir den Hintern bis zum Gehtnichtmehr auf! Hast du das kapiert?«

Die Tür flog auf.

Der Sträfling schob aber nur den Kopf herein. Um einzutreten, fehlte ihm anscheinend der Mut.

»Was ist …?«, bellte Finnewacker ungeduldig.

Er fixierte den Schreibstubenhengst mit zornigem Blick, als wollte er seine Drohung wahrmachen.

»Ich … ich … kann … die Stiefel nicht … finden«, stammelte der Kommandierte recht kläglich.

Master Sergeant Finnewacker lief rot an. Der Sträfling zog seinen Kopf einige Inches zurück.

»Such die Dinger, verstanden? Ich gebe dir genau eine Minute. Außerdem meldest du dich morgen freiwillig beim Festungserweiterungskommando. Kapiert?«

Der Kopf des Strafsoldaten verschwand. Die Tür fiel mit einem leisen Schnappen ins Schloss.

»Na so was«, brummte Finnewacker. »Das gibt’s doch gar nicht! Ich habe doch …«

Der Commander von Fort Aldamo stutzte, sah seine Stiefel in einer Ecke des Zimmers stehen und knirschte mit den Zähnen.

Er zog die Knobelbecher an, die wie eine Speckschwarte glänzten und auf Hochglanz gewienert waren. Finnewacker stolzierte zufrieden auf und ab, ehe er abrupt stehen blieb.

»Ordonnanz!«

Die Tür wurde ganz vorsichtig einen Spalt geöffnet. Kurz darauf war der Kopf des Sträflings zu sehen, dessen Gesicht an Holzasche erinnerte.

»Eintreten!«

Finnewackers Stimme klang sanft. Trotzdem schien der junge Bursche seinem Vorgesetzten nicht über den Weg zu trauen.

»Eintreten, zum Geier!«

»Aye, Sir!«

Der Sträfling schob sich zögernd ins Zimmer. Plötzlich wurden seine Augen groß.

»Da … da … da …«, stotterte er.

»Kannst meinen Befehl vergessen. Auch das Festungserweiterungskommando ist gestrichen. Ist da draußen bei dir alles in Ordnung? Wir erwarten hohen Besuch.«

»Zu Befehl, Master Sergeant.«

»Abtreten, Schreibstubenbulle! Und dass du mir schön zackig grüßt, wenn die drei Offiziere später hier hereinkommen.«

»Aye, Sir!«

Der Sträfling sauste davon. Er wirkte so erleichtert, dass er sogar zu grüßen vergaß. Finnewackers Stirn legte sich in Falten. Er ließ es aber durchgehen.

Draußen vom Hof des Forts klangen gellende Kommandos. Stiefel klapperten über den Boden. Die Kompanie trat an.

Master Sergeant Finnewacker grinste zufrieden, zupfte da und dort an seiner Uniform und richtete sich dann kerzengerade auf. Er wollte seinen ungebetenen Besuch gebührend und mit allen militärischen Ehren empfangen, wenn er auch die drei Offiziere schon jetzt in den finstersten Winkel der Hölle verwünschte.

***

Kurze Zeit darauf trat Finnewacker aus dem Schatten des Torbogens in die Sonnenglast. Breitbeinig, die Hände auf dem Rücken verschränkt und mit unbewegtem Gesicht, blieb der Master Sergeant Sekunden später vor der angetretenen Kompanie auf dem Appellplatz stehen.

Wie immer trugen die Sträflinge grauweiße Drilliche. Dazwischen standen die Gruppen- und Zugführer in ihren blauen Monturen.

»Kompanie stillgestanden«, brüllte Sergeant Fitzgerald mit einer Lautstärke, die man dem kleinen Krauskopf niemals zugetraut hätte.

Ein Ruck ging durch die vier Züge.

»Zur Meldung – Augen rechts!«, gellte sein Kommando. Er machte schneidig kehrt und marschierte auf den Commander von Fort Aldamo zu.

Master Sergeant Finnewacker lächelte zufrieden.

Fitzgerald schlug vor ihm die Hacken zusammen und salutierte korrekt.

»Commander, ich melde die Strafkompanie von Fort Aldamo mit acht Sergeanten, zwanzig Corporalen und einhundertacht Sträflingen zum Appell angetreten!

Master Sergeant Finnewacker dankte.

»Treten Sie ins Glied, Sergeant!«

Fitzgerald sauste los. Der Master Sergeant wandte sich der Front der Soldaten zu. Und wenn Finnewacker ehrlich war: Er genoss diesen Anblick immer wieder aufs Neue.

Der Commander von Fort Aldamo nahm die Mittelfinger an die Hosennähte. Er spürte wie immer die Welle der Angst, die ihm von den Sträflingen entgegenschlug.

Die Strafsoldaten konnten ja auch nicht ahnen, warum sie zu dieser ungewöhnlichen Stunde auf dem Appellplatz antreten mussten.

»Augen geradeeeee-aus!«, gellte Master Sergeant Finnewackers befehlsgewohnte Stimme. Dumpf hallte sein Gebrüll von den hohen, alten Festungsmauern wider.

»Rührt euch!«, schnarrte der Commander dann.

Alles lief wie am Schnürchen. Es gab kein Nachklappen. Bei Finnewacker nicht! Wenn er vor der Front stand, reagierten seine Soldaten wie aufgezogene Uhrwerke.

Finnewacker nickte gnädig. Er warf Fitzgerald einen kurzen Blick zu. Der kleine Krauskopf nickte zurück, denn soeben begann der Posten auf dem Wachturm zu winken.

Hufschläge erklangen durch die Stille, die trotz der angetretenen Besatzung auf dem Appellplatz herrschte.

Sergeant Fitzgerald wartete erst gar nicht auf Finnewackers Befehl, sondern marschierte sofort zum Tor hinüber.

»Kompanie stillgestanden!«, befahl Finnewacker und stiefelte dem Krauskopf hinterher.

»Tor öffnen!«, kommandierte Sergeant Fitzgerald.

Knarrend und ächzend schwang das Tor zurück, um den hohen Besuch einzulassen.