Fort Aldamo - Folge 050 - Frank Callahan - E-Book

Fort Aldamo - Folge 050 E-Book

Frank Callahan

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Master Sergeant Finnewacker reibt sich vergnügt die Hände - was gibt es Schöneres, als den neuen Strafsoldaten so richtig die Hölle heißzumachen? Doch dann traut der alte Haudegen seinen Augen nicht: Da wagt doch einer dieser Knilche, jeden Befehl zu verweigern! Dunning heißt der Kerl. Ein Ex-Lieutenant, ein verdammt harter Brocken.

Na, bis jetzt hat der wackere Commander von Fort Aldamo noch jeden weichgeklopft! Als er mit den völlig geschlauchten "Neuen" vom 30-Meilen-Gepäckmarsch zurückkehrt, will er sich diesen Knaben mal so richtig zur Brust nehmen. Die Sache hat nur einen Haken: Dunning ist verschwunden. Und mit ihm Sergeant Fitzgerald, Finnewackers Stellvertreter...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Über diese Serie

Impressum

Mich kriegt ihr nicht klein!

Vorschau

Titelliste Fort Aldamo

Über diese Serie

Liebe Western-Freunde!

Mit FORT ALDAMO bringt Bastei die erweiterte Neuauflage eines Klassikers von Bill Murphy und Frank Callahan, der in den Jahren 1982 bis 1987 schon einmal gedruckt wurde – allerdings in geteilter Form. Erst erschienen 1982 in der Reihe WESTERN-HIT (WH) 14 Romane, dann startete – parallel zu CAPTAIN CONCHO, wo ein um 15 Jahre jüngerer Sergeant Finnewacker mitwirkt – die eigene Serie mit 44 Heften (1984/85), deren erste vier Bände noch vor den WH-Ausgaben spielten. Anschließend folgten noch einmal fünf Romane im WH (1986/87). Und als die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker dann eingestellt wurden, blieben weitere fünf bereits verfasste Manuskripte unveröffentlicht.

In dieser Sammler-Ausgabe vereinen wir nun alle FORT-ALDAMO-Romane – insgesamt 68 Stück – in chronologischer Reihenfolge! Und illustrieren sie einheitlich mit den Covern des Malers Günter König, der damals etwa zwei Drittel aller Titelbilder beigesteuert hat.

Noch ein Wort zur recht derben, manchmal auch »politisch inkorrekten« Sprache in den Romanen: FORT ALDAMO ist eine Western-Militärserie, die in einem Gefangenenfort weitab der Zivilisation spielt. Die Ausdrucksweise der Soldaten ist dementsprechend zotig und sollte nicht auf die Goldwaage gelegt werden; im Gegenteil macht sie einen Teil des Flairs aus, das FORT ALDAMO auszeichnet. Jeder Leser, der seine Zeit beim Bund absolviert hat, wird uns da zustimmen.

Genießen Sie also die Abenteuer des Haudegens Finnewacker und seiner »Mannschaft«. Wir wünschen viel Lesespaß!

Die ALDAMO-Redaktion

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Günther König / Hertha König

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5364-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Mich kriegt ihr nicht klein!

von Frank Callahan

Master Sergeant Finnewacker reibt sich vergnügt die Hände – was gibt es Schöneres, als den neuen Strafsoldaten so richtig die Hölle heißzumachen? Doch dann traut der alte Haudegen seinen Augen nicht: Da wagt doch einer dieser Knilche, jeden Befehl zu verweigern! Dunning heißt der Kerl. Ein Ex-Lieutenant, ein verdammt harter Brocken.

Na, bis jetzt hat der wackere Commander von Fort Aldamo noch jeden weichgeklopft! Als er mit den völlig geschlauchten »Neuen« vom 30-Meilen-Gepäckmarsch zurückkehrt, will er sich diesen Knaben mal so richtig zur Brust nehmen. Die Sache hat nur einen Haken: Dunning ist verschwunden. Und mit ihm Sergeant Fitzgerald, Finnewackers Stellvertreter …

»Herein, wenn’s kein Feind ist!«, tönte Master Sergeant Finnewackers berühmt berüchtigte Stentorstimme, nachdem es an der Tür zur Kommandantur geklopft hatte.

»Ich bin’s nur, Finnewacker«, sagte Sergeant Fitzgerald.

Er schlug die Hacken zusammen und grüßte zackig, was ihm einen anerkennenden Blick seines Vorgesetzten eintrug, der hinter seinem Schreibtisch thronte, an einer dicken Zigarre zog und jetzt die Stiefel von der Schreibtischplatte nahm.

Der altgediente, klein gewachsene und krausköpfige Fitzgerald hüstelte, denn es war Finnewacker gelungen, den Raum völlig zu verqualmen.

Der kleine Krauskopf marschierte zu einem Fenster, das er weit öffnete. Dann sog er tief die Luft in seine Lungen.

»Jetzt verstehe ich auch, warum du kaum älter wirst, Finnewacker«, brummelte er missvergnügt.

Master Sergeant Finnewackers buschiger Schnurrbart begann sich Unheil verkündend zu sträuben. Und das war ein ganz besonders schlechtes Anzeichen, was den Gemütszustand des Commanders von Fort Aldamo betraf.

»Was soll das denn wieder heißen, du Nulpe?«

»Rauchfleisch hält sich nun einmal länger, mein Alter!«

»Willst du mir meine gute Laune vermiesen, du Tugendbold?«

Fitzgerald schüttelte den Kopf.

»Wollte dir nur melden, dass die zehn neuen Strafsoldaten auf dem Appellplatz angetreten sind. Bestimmt willst du mit den Knilchen ein paar Takte reden. Sonst ist alles in Ordnung. Kleiber und seine Küchenhengste kümmern sich um den Nachschub, der aus Camp Lowell mitgekommen ist.«

»In Ordnung, Kleiner. Bin in fünf Minuten an Ort und Stelle. Du meldest mir die Burschen.«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

Fitzgerald wollte salutieren, doch Finnewacker schüttelte den Kopf.

»Diesmal sind einige besonders raue und hinterhältige Typen dabei. Ich habe gerade die Akten durchgelesen. Na ja, ich rede mit den Kerlen Fraktur! Die kriegen wir auch hin. Und wenn diese Elche nicht spuren, dann erwartet sie hier in Fort Aldamo die Hölle!«

»Die neuen Strafsoldaten fügen sich bestimmt schon bald nahtlos ein. Du hast es bisher immer geschafft!«

»Richtig, Kleiner. Und jetzt verzieh dich!«

Master Sergeant Finnewackers Stellvertreter baute sein Männchen und verließ die Kommandantur mit schnellen Schritten.

Der kommissarische Commander und Spieß der Strafkompanie der US Kavallerie erhob sich und zupfte seine Uniformjacke zurecht. Dann stülpte er den Feldhut auf seinen Kopf und stiefelte zur Tür.

Der Schreibstubenhengst, wie er meistens von Finnewacker bezeichnet wurde, schnellte hoch wie der Teufel aus der Kiste und schlug die Hacken so fest zusammen, dass es ihn fast von den Beinen riss.

Master Sergeant Finnewacker grüßte zurück.

»Tüchtig, tüchtig«, lobte er und verließ die Schreibstube.

Der alte Haudegen trat in den Sonnenglast und marschierte auf die zehn Strafsoldaten im grauen Drillich zu, die dort in einer Linie angetreten waren.

Sergeant Fitzgerald stand einige Schritte vor den Sträflingen. Ein Ruck ging durch seinen Körper, als er den Vorgesetzten heranstiefeln sah.

»Strafgefangene – stillgestanden!«, brüllte der kleine Krauskopf.

»Zur Meldung an unseren Master Sergeant – Augen rechts!«

Das alles klappte nicht ganz so korrekt, wie es Finnewacker von seinen Soldaten gewohnt war. Er ließ es aber durchgehen. Den Neuen würde er schon bald klarmachen, wie der Hase hier in Fort Aldamo lief.

Er blickte Sergeant Fitzgerald entgegen, der schneidig heranmarschierte und vor seinem Vorgesetzten salutierte.

»Melde dir zehn neue Strafsoldaten zum Appell angetreten, Master Sergeant!«, rief Fitzgerald.

»Danke, Kleiner. Kannst ins Glied treten!«

Der Krausschopf sauste los, während sich der Commander von Fort Aldamo den neuen Sträflingen zuwandte.

Sein bulliger Körper straffte sich. Dann nahm er die Mittelfinger an die Hosennähte.

»Augen geradeeeee-aus!«

Die Worte hallten dumpf von den alten Festungsmauern zurück, die Fort Aldamo umgaben. Master Sergeant Finnewacker liebte diese Melodie.

»Rührt euch!«

Es tackte wie eine Gatling Gun, als die Sträflinge den linken Fuß nach vorn setzten. Diese Melodie liebte Finnewacker überhaupt nicht. Wenn er etwas nicht leiden konnte, dann waren es Nachlässigkeiten solcher Art. Tiefe Falten furchten seine Stirn.

Sein Gesicht wirkte plötzlich so bissig wie das eines Schäferhundes, dem ein Artgenosse einen besonders dicken Knochen streitig machen wollte.

Sergeant Fitzgerald seufzte verhalten.

»Stillgestanden!«, röhrte Finnewacker dann auch schon.

»Rührt euch!«

So ging das mehrere Male, bis die neuen Strafsoldaten langsam kapierten, worauf es dem bulligen Master Sergeant ankam.

Endlich gab es kein Nachklappen mehr.

Der Commander von Aldamo verschränkte die Hände auf dem Rücken und sah die Männer der Reihe nach an. Er blickte in ängstliche, verwegene und trotzige Gesichter. Und manch furchtsamer Blick traf das dicke Notizbuch des Commanders, das aus der Knopfleiste der Uniformjacke ragte.

Anscheinend hatte es sich bei einigen der Neuen schon herumgesprochen, was es mit dem Notizbuch auf sich hatte. Darin notierte Finnewacker jeden, der unangenehm auffiel. Und das bedeutete auf jeden Fall Festungserweiterungskommando. Das aber war ein Vorgeschmack auf die Hölle …

»Mein Name ist Master Sergeant Finnewacker, ihr Krippensetzer!«, schnarrte der Commander. »Schreibt ihn euch hinter die Ohren. Ich werde in den nächsten Jahren euer Vorgesetzter sein. Ich verlange absoluten Gehorsam von euch, sonst lernt ihr mich kennen. Ihr alle seid Lumpen und Mistkerle, die zu Recht verurteilt wurden. Meine Aufgabe ist es, aus euch wieder richtige Soldaten und brauchbare Menschen zu machen, die später die Uniform der Kavallerie zu würdigen wissen.«

Master Sergeant Finnewacker lächelte breit. Es war aber mehr das Zähneknirschen eines Tigers.

Keiner der Sträflinge konnte dem Blick des eisenharten Master Sergeant standhalten. Die Neuen senkten die Köpfe. Angst lag auf fast allen Gesichtern. Zuviel hatten sie schon vor ihrer Ankunft von Fort Aldamo und vor allem von Master Sergeant Finnewacker gehört.

»Sergeant Fitzgerald!«

»Aye, Master Sergeant!«

»Übernimm den Sauhaufen und lass die Kerle wegtreten. In einer Stunde halte ich Stubenappell!«

»Zu Befehl, Finnewacker!«

Der alte Haudegen machte lässig kehrt und marschierte auf die Kommandantur zu. Seine Schritte wurden länger, als er den dicken Kleiber aus der Tür zum Küchentrakt hervorspähen sah.

»Der fette Kalorienbomber hat mir gerade noch gefehlt«, knurrte Finnewacker und lief noch schneller. »Bestimmt ist dem Küchenbullen wieder Salz oder Zucker ausgegangen. Und ich soll’s immer wieder ausbaden. Aber ich denke nicht daran – zum Henker!«

»So bleib doch stehen, Master Sergeant!«, schrie Kleiber und setzte seine zwei Zentner Lebendgewicht in Bewegung. So watschelte er hinter seinem Vorgesetzten her, der endlich ein Einsehen hatte und fluchend stehen blieb. »Was willst du?«, fauchte Finnewacker. »Übrigens, ich habe dich beim letzten Gipfelerstürmungskommando vermisst!«

Damit wollte er dem dicken Kleiber sofort den Wind aus den Segeln nehmen. Jeder in Fort Aldamo wusste, wie sehr dem Küchensergeant jede Art von Bewegung zuwider war.

Kleiber nahm Haltung an, jedenfalls bildete er sich das ein. Vergebens versuchte er, seinen kugelrunden Bauch einzuziehen, der wie ein Ballon über dem Koppel hing.

»Hast nur vergessen, mich einzuteilen«, murmelte Kleiber und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

»Werde es nachholen!«, drohte Finnewacker und verbiss sich ein Grinsen, als der Dicke mehrmals tief durchatmete.

»Was willst du?«, knurrte der alte Haudegen.

»Wollte dir nur melden, dass sämtlicher Nachschub wie bestellt aus Camp Lowell eingetroffen ist, Finnewacker!«

»Prächtig, prächtig!«

Der Master Sergeant nickte.

»Auch Zucker?«

»Aye, Master Sergeant!«

»Salz?«

»Aye, Finnewacker!«

»Wird das Zeug auch ausreichen?«

»Denke schon, Finnewacker.«

»Ich nehme dich beim Wort, alter Wonneproppen. Kannst dich verdünnisieren, falls dir das überhaupt möglich ist!«

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

Sergeant Kleiber deutete etwas an, das er für eine Ehrenbezeigung hielt, und schlurfte davon.

»Sergeant Kleiber.«

Der dicke Küchenbulle blieb abrupt stehen und drehte vorsichtig den Kopf, als traue er dem Frieden nicht. »Danke für die Meldung!«, rief der Commander von Fort Aldamo versöhnlich. »Muss dir ein dickes Lob aussprechen. In der letzten Zeit klappt alles vorbildlich. Mach so weiter und lass nur nicht wieder deinen alten Schlendrian einreißen!«

Kleiber strahlte und nickte eifrig.

»Kannst dich auf mich verlassen, Finnewacker. Hast du einen besonderen Wunsch, den ich dir erfüllen kann?«

Der Master Sergeant überlegte kurz. »Schick mir einen deiner Pfannenschwenker mit ’nem Riesenpott Kaffee in die Kommandantur! Kaporus?«

»Aye, Finnewacker!«

Kleiber trabte los, als wolle er ein Rennen gewinnen. Der Commander sah ihm kopfschüttelnd hinterher.

»Was hast du denn mit dem Dicken angestellt, dass er sich so schnell bewegt?«, fragte Sergeant Fitzgerald erschrocken und blieb neben seinem bulligen Vorgesetzten stehen.

»Ein Lob wirkt manchmal Wunder«, antwortete der alte Haudegen. »Und bei unserer Fettbacke besonders. Komm, Kleiner, wir nehmen uns noch mal die Akten der Neuen vor. Einer der Sträflinge ist mir unangenehm aufgefallen. Scheint ein besonders tolles Früchtchen zu sein, vor dem wir uns in acht nehmen müssen.«

»Wir bringen die Halunken schon wieder auf Vordermann. Keiner sehnt sich nach Verbüßung seiner Strafe danach, noch einmal hier zu landen.«

»Das will ich auch schwer hoffen!«, brummelte Master Sergeant Finnewacker und stapfte los.

***

»Sylvester Dunning, ehemaliger Lieutenant, jetzt zum einfachen Infanteristen degradiert«, sagte Sergeant Fitzgerald.

Finnewacker nickte zustimmend.

»Verurteilt zu fünf Jahren Fort Aldamo. Er hat einen Zahlmeister der Army überfallen und halb totgeschlagen. Außerdem erbeutete er bei dem Überfall fünftausend Dollar, die niemals aufgefunden wurden.«

Sergeant Fitzgerald legte die Akte auf Finnewackers Schreibtisch zurück und zuckte mit den Schultern.

»Vor dem Burschen müssen wir uns wirklich vorsehen. Dunning beteuerte vor dem Militärgericht stets seine Unschuld und legte niemals ein Geständnis ab. Das gibt mir zu denken!«

»Richtig, Kleiner! Das sind die schlimmsten Strolche, die später nicht einmal zu ihrer Tat stehen. Auf jeden Fall müssen wir auf diesen Strauchräuber ein besonderes Augenmerk haben.«

Jemand klopfte lautstark an die Tür.

Es war Sergeant Wallowa, der eintrat und zackig grüßte. Nach seinem geröteten Gesicht zu urteilen, hatte es einen unangenehmen Zwischenfall gegeben, den er seinem Vorgesetzten melden musste.

»Steh schon bequem, Wallowa«, sagte Finnewacker ruhig. »Was hast du auf dem Herzen?«

»Einer der Neuen bereitet mir Kummer«, quetschte der Sergeant mühsam hervor. »Er verweigert jeden Befehl. Ich hab’s mit Härte und dann mit Milde versucht, Finnewacker. Nichts zu machen. Ich kann den Sträfling ja nicht mit den Fäusten bearbeiten. Er gibt nicht einmal Antwort – liegt auf seiner Schlafpritsche und stellt sich ganz einfach tot!«

»Was …?«, fluchte der Master Sergeant und sprang hinter seinem Schreibtisch in die Höhe. »Das darf doch nicht wahr sein! Wenn erst mal solche Sitten einreißen, dann können wir ziemlich schnell einpacken.«

»Alle anderen neuen Sträflinge gehorchen«, murmelte Wallowa. »Ich weiß mir nicht mehr zu helfen, nachdem ich dem Burschen sämtliche Höllenqualen angedroht habe, die mir eingefallen sind.«

Finnewacker stützte sich mit beiden Händen auf den Schreibtisch. Sein Gesicht rötete sich immer mehr.

»Name?«

Seine Stimme klang gefährlich leise. »Infanterist Sylvester Dunning, Finnewacker!«

»Dachte ich es mir doch gleich«, murmelte der Spieß der Strafkompanie. »Dieser Kerl ist mir schon beim Lesen seiner Akte aufgefallen. Stimmt’s Kleiner?«

Sergeant Fitzgerald nickte ergeben.

»Ich gehe mal mit Wallowa rüber ins Quartier und versuche, diesen Kalbskopf zur Vernunft zu bringen«, bot sich der Kleine an.

»Das übernehme ich!«, polterte Master Sergeant Finnewacker grimmig.

»Dem Kerl reiß ich den Hintern bis zum Gehtnichtmehr auf. Dem ziehe ich die Hammelbeine so gerade, dass er sich für ’ne Schönheitstänzerin hält!«

Finnewacker wollte losstürmen, doch der kleine Krauskopf erwischte seinen wütenden Vorgesetzten gerade noch am Arm. Der Master Sergeant riss sich fluchend los und starrte Fitzgerald wie eine übernatürliche Erscheinung an.

»Drehst du jetzt auch noch durch …?«, knurrte er.

»Ich nicht, Finnewacker«, erwiderte Fitzgerald ruhig. »Ich muss kurz mit dir reden, mein Alter.«

Sergeant Fitzgerald wandte sich an Wallowa.

»Geh schon mal rüber. Lass den Sträfling auf seiner Pritsche ruhig liegen und tu einfach so, als gäbe es ihn nicht. Alles andere läuft weiter wie gehabt. Hast du das kapiert, Wallowa?«

»Ja – nein ehrlich gesagt, ich …«

»Mach ’ne Fliege«, knurrte Finnewacker und blickte seinen Stellvertreter nach wie vor verbiestert an.

Wallowa verließ kopfschüttelnd die Kommandantur und schien nicht so recht zu kapieren, was Fitzgerald mit alldem erreichen wollte.

Master Sergeant Finnewacker baute sich breitbeinig vor dem kleinen Krausschopf auf und stemmte beide Fäuste in die Hüften.

»Himmel, Arsch und Zwirn«, tobte er dann los. »Wer gibt denn hier die Befehle, du Bratbär? Das grenzt ja schon fast an Meuterei! Das lasse ich mir auch von dir nicht bieten – zum Geier!«

»Hast ja recht, Finnewacker. Du kannst gleich wie ein Büffelbulle losstürmen, dem jemand ein rotes Tuch vor die Augen gehalten hat. Zuvor möchte ich dir aber einen Rat geben, sozusagen als Freund, Kampfgefährte und Kamerad.«

Der alte Haudegen beruhigte sich langsam und sah den kleinen Krauskopf nachsichtig an.

»Du möchtest wohl, dass ich diesen verdammten Meuterer mit Glacéhandschuhen anfasse, was …? Vielleicht soll ich vor ihm in die Knie gehen, ihm die Stiefel küssen und ihm das Blaue vom Himmel versprechen, damit er nur ja ein folgsames Bürschchen wird.«

»Nichts von alledem, Finnewacker. Eigentlich müsstest du mich so gut kennen, dass ich niemals solch einen Blödsinn verzapfen würde.«

Der Commander von Fort Aldamo schob seinen Feldhut in den Nacken und kratzte sich am Haaransatz.

»Muss dir zustimmen, Kleiner. Tut mir leid, ich habe mich gehen lassen. Was also versuchst du mir schonend beizubringen?«

»Na endlich«, seufzte Fitzgerald. »Pass auf, mein Alter. Ich befürchte, dass sich dieser Sylvester Dunning auch deinem Befehl widersetzt. Das …«

Finnewacker lachte dröhnend.

»Der Bursche muss erst geboren werden, der keine weichen Knie bekommt, wenn ich erst mal so richtig loslege!«

»Lässt du mich ausreden oder nicht?«

»Schon gut, Kleiner. Warum bist du eigentlich nicht Wanderprediger oder so etwas Ähnliches geworden?«