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Francisco Goya y Lucientes (1746-1828) ist einer der unumstrittenen Meister der spanischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Oft wird er aufgrund seines gewagten Stils und seines Credos, dass die persönliche Sichtweise des Künstlers mehr wert ist als die Tradition, „der erste Maler der Moderne“ genannt. Mit seiner großen Auswahl der Werke Goyas wird diese Great Masters-Ausgabe jeden Kunstliebhaber verzaubern.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2019
Sarah Carr-Gomm
Autor: Sarah Carr-Gomm
Übersetzung aus dem Englischen: G.Völkel
©Confidential Concepts, Worldwide, USA
©Parkstone Press USA, New York
©Image Barwww.image-bar.com
ISBN: 978-1-64461-848-6
Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.
Inhalt
Einführung
Goyas frühe Jahre
Goyas Heirat und der Umzug nach Madrid
Die französische Invasion Spaniens
Die Restauration der Monarchie
Goyas Flucht nach Frankreich
Porträts
Velázquez Einfluß
Protektion durch Könige und Aristokraten
Religiöse Bil der
Die Kathedrale El Pilar
Die Kartause Aula Dei
Aufnahme in die Königliche Akademie
Goyas Zerwürfnis mit Bayeu
San Francisco el Grande
Die königliche Kapelle San Antonio de la Florida
Die Sakristei der Kathedrale von Sevilla
Der Auftrag der Escuelas Pías
Spanisches Leben
Stierkämpfe
Jagd
Der Auftrag für El Escorial
Der Speisesaal im El Pardo
Das Blindekuh-Spiel
Die Wiese von Isidro
Ländliche und belustigende Themen
Aufträge der Herzogin Osuña
Die nackte und die bekleidete Maja
Private Skizzen
Das Milchmädchen von Bordeaux
Satiriker und sozialkritischer Kommentator
Die Schmiede
Die Gefangennahme des Banditen Maragato
Goyas Kritik an der Kirche
Goyas Verurteilung der Inquisition
Die Schrecken des Krieges
Der 2. und 3. Mai 1808
Visionen
Los Caprichos
Die schwarzen Bilder
Auskl ang
Biographie
Bibliographie
Ausstellungskataloge
Index der reproduzierten Werke
I
Es gibt keine Regeln in der Malerei, erklärte Goya im Jahre 1792 in einer Ansprache vor der Königlichen Akademie San Fernando in Madrid. Seine Empfehlung lautete, StudentensolltendieUnabhängigkeithaben,ihrekünstlerischenTalentefrei zuentfalten und Inspiration bei den Meistern nach eigener Wahlzu suchen, statt gezwungen zusein, den Lehrmeinungen der klassizistischen Schule folgen zu müssen. Seine eigenenLehrmeister, so behauptete Goya stets, seien Velázquez, Rembrandt und die Natur; bei seiner bemerkenswerten Stilvielfalt entzieht sich sein Werkjedoch einer klarenKategorisierung.
Francisco Goya lebte von 1746 bis 1828 und schuf in dieser Lebensspanne von 82 Jahren ein überwältigendes Gesamtwerk von ungefähr 500 Ölbildern und Wandgemälden, nahezu 300 Radierungen und Lithographien und mehrere hundert Zeichnungen. Als Maler und Grafiker gleichermaßen kompetent, experimentierte er mit einer Vielzahl unterschiedlichster Techniken und arbeitete selbst kurz vor seinem Tode noch als einer derErsten an dem neuen Steindruckverfahren–der Lithographie.
Vor allem aber war Goya ein gegenständlicher Maler mit einer enormen Themenvielfalt. Er wurde zum führenden Porträtmaler Spaniens, malte die Kirchen in Saragossa und Madrid mit Altarbildern und Wandgemälden aus und entwarf Wandteppiche, die das Leben in Madrid veranschaulichten. Zahlreiche Skizzenbücher halten seine privaten Beobachtungen fest, überliefern einen Blick, eine Bewegung oder eine bestimmte Pose, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte.
Zwei folgenschwere Ereignisse veränderten Goyas Leben und seine Weltsicht auf dramatische Weise. Das erste traf den 46-Jährigen im Jahre 1792 in Form einer schweren Erkrankung–vermutlich einer Infektion des Innenohres–die eine völlige Taubheit zur Folge hatte. Dadurch wandte sich Goya mehr und mehr nach innen, so als hätte seine Taubheit ihn zum Rückzug in die Einsamkeit gezwungen und zu der tieferen Einsicht geführt, dass der Mensch letztlich immer mit sich allein ist. Das zweite ihn erschütternde Ereignis war die Invasion Spaniens durch Napoleon im Jahre 1808, die zu einem sechs Jahre währenden Kampf um die spanische Unabhängigkeit führte. Viele der von beiden Seiten im Verlauf des Kriegesverübten schrecklichen Gräueltaten hielt Goya in einer Reihe von Radierungen fest, die von der Grausamkeit des Menschen Zeugnis ablegen. Gegen Ende seines Lebens malte er in seinem Landhaus eine Serie von Wandgemälden, die die dunkle Wolke wiederzugeben scheinen, die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts über Europa hing.
Porträt des Martin Zapater,1797, Öl auf Leinwand, 83x64cm, Museo de Bellas Artes, Bilbão.
Selbstporträt, 1815. Öl auf Holz, 51x46cm. Königliche Akademie San Fernando, Madrid.
Selbstporträt,1773-1774. Öl auf Leinwand, 58x44cm. Sammlung Ibercaja, Saragossa.
Francisco Goya, Sohn eines Vergoldermeisters, wurde am 30. März 1746 in Fuendetodos, einem kleinen Dorf in der kargen Provinz Aragón geboren. Als Goya noch ein Kind war, erhielt sein Vater den Auftrag, die Vergoldung des Altarbildes in der großartigen Basilika El Pilar in Saragossa, Hauptstadt der Provinz Aragón, zu beaufsichtigen. Die Familie zog daher in das geschäftige Handelszentrum, wo Goya auch die Stiftsschule Escuelas Pias de San Antónbesuchte. Dort traf er Martín Zapater, der ihm ein treuer Freund und langjähriger Briefpartner werden sollte. Goyas Briefe offenbaren seinen Humor undsein impulsives Wesen, berichten zwar von seiner Jagdlust, der Vorliebe für Schokolade und seiner ständigen Sorge um persönliche finanzielle Angelegenheiten, sie erzählen uns aber kaum etwas über seine politischen Ideen. Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass Zapaters Neffe, dem Goyas Ansichten allzu liberal gewesen sein mochten, diese Briefe später zensierthat.
Im Alter von vierzehn Jahren nahm Goya bei JoséLuzán y Martinez, einem einheimischen religiösen Maler, Unterricht im Zeichnen und Malen. Luzán machte seine Schüler mit den Werken der Großen Meister vertraut, indem er sie alte Kupferstiche kopieren ließ. Zu diesen Schülern gehörten auch die drei begabten Brüder Francisco, Manuel und Ramón Bayeu, die später Goyas Schwager werden sollten.In der Hoffnung auf einen Studienplatz reichte Goya im Jahre 1763 als 17-Jähriger bei einem Wettbewerb der Königlichen Akademie San Fernando in Madrid eine Zeichnung ein, die jedoch von den akademischen Richtern nicht eineeinzige Stimme erhielt. Drei Jahre später versuchte er es erneut, aber auch dieses Mal ohne Erfolg. Erst im Juli 1780 wurde er schließlich in die Akademie aufgenommen. Über Goyas Aktivitäten in der Zeit von 1766 bis 1770 ist nichts bekannt. In den Briefen an Zapater aus späteren Jahrenerwähnte er seine vergeudete Jugend–möglicherweise hat er in dieser Zeit mit Francisco Bayeu gearbeitet. Man weiß, dass Goya im Jahre 1770 nach Italien ging und wahrscheinlich Rom und Neapel besuchte. Im April 1771 erhielt er für ein Bild, das er an derAccademia di Belli Arti von Parma vorgelegt hatte, eine lobende Erwähnung. Im Juni desselben Jahres war er nach Saragossazurückgekehrt und erhielt dort seinen ersten bedeutenden Auftrag–die Ausmalung descoreto,des Chorgewölbes der Basilika El Pilar, der großartigen gotischen Kathedrale derStadt.
Goyas Karriere entwickelte sich nur langsam und er beschloß, unzufrieden mit seinem Leben im provinziellen Saragossa, in die spanische Hauptstadt zu ziehen, um sich dort einen Namen zu machen. Im Juli 1773 heiratete er Josefa Bayeu, die Schwester seiner drei ehemaligen Mitschüler, von denen Francisco Bayeu zu dieser Zeit bereits den Auftrag hatte, unter der Leitung vonAnton Mengs (1728-1779), einemführenden Vertreter des klassizistischen Stils, den neuen Königlichen Palast in Madrid auszumalen. Zweifellos erhoffte sich Goya durch die Verbindung mit der Schwester eines prominenten Malers Unterstützung für seine eigene Karriere. Die Ehe dauerte neununddreißig Jahre, bis zum Tode Josefas im Jahre 1812. Das Paar hatte sieben Kinder, von denen jedoch nur ein oder zwei das Erwachsenenalter erreichten. Erstaunlicherweise scheint nicht ein einziges Wortvon oder über Josefa überliefert zu sein und es entsteht der Eindruck,als habe sie weder die Arbeit noch das gesellschaftliche Leben ihres Mannes sonderlich interessiert; und von ihm nimmt man an, dass er sie nur einmal dargestellt hat.
Im Winter 1774 ließen sich Goya und Josefa in Madrid nieder. Diese äußerstlebhafteHauptstadt mit etwa 150.000 Einwohnern war im Laufe des 18. Jahrhunderts von den Bourbonenkönigen großzügig verändert worden–sie hatten Straßen verbreitern, Piazzas öffnen und zahlreiche sakrale und zivile Bauwerke errichten lassen. Sie erweiterten auch die fünf habsburgischen Paläste und bauten drei neue königliche Residenzen, für deren Innendekoration ein Stab von Künstlern notwendig war. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, die Wandteppiche aus Flandern importiert hatten, gründeten die Bourbonen im Jahre 1721 die Königliche Teppichmanufaktur von Santa Bárbara, um die wirtschaftliche Entwicklung in Spanien voranzu bringen.
Porträt des Mariano Goya,um 1815. Öl auf Holz, 59x47cm. Graf Alburquerque Sammlung, Madrid.
Porträt der Josefa Bayeu (?),um 1795-1796. Öl auf Leinwand, 82x58cm. Prado, Madrid.
Im Jahre 1775 kehrte Anton Mengs, erster Hofmaler unter Karl III., nach Madrid zurückund wurde beauftragt, die Ausführung der zahlreichen Teppichkartons zu beaufsichtigen. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, engagierte er Francisco Bayeu undanderespanische Maler. Goyas erster königlicher Auftrag–und damit Anlaßfür den Umzug der Familie nach Madrid–umfaßte eineSerie von Entwürfen für Wandteppiche, die im privaten Speisesaal des künftigen Königs, Karl IV., in der Residenz El Escorial hängen sollten. Dieser Auftrag ging an Goya aufgrund der Empfehlung von Mengs, der zuvor Francisco Bayeu mit der Arbeit in den neuen Palästen betraut hatte. Dadurch hatte Goya nun eine recht einträgliche Position in der Königlichen Teppichmanufaktur und malte mehrere Jahre lang weitere Serien von Kartons. In den 1780er Jahren entwickelte sich Goyas Karriere ausgesprochen vorteilhaft.Nachdem er im Jahre 1780 endlich zum Mitglied der Königlichen Akademie San Fernando ernannt wordenwar, wurde er fünf Jahre später auch stellvertretender Leiter der dortigen Malklasse. Im Juni1786wurdeihm,verbundenmiteinemJahreseinkommenvon15.000Reales,derTitel„Kammermaler des Königs“verliehen und 1789 avancierte er schließlich zum „Hofmaler“,einer Auszeichnung, die ihm die Möglichkeit eröffnete, künftig in den illustren Kreisen der königlichen Familie, der Aristokratie und der Staatsmännerzu verkehren. Er wurde zum gefeierten Porträtmaler.
Als Sohn einfacher Leute und weitab vom Glanz des Hofes aufgewachsen, wurde Goya jedoch trotz seiner offiziellen Position niemals zum Höfling. Er malte nicht nur Mitglieder der vornehmen Gesellschaft, sondern auch Handwerker, Arbeiter und die Opfer der Armut. Er sympathisierte mit der spanischen Aufklärung, deren Mitglieder grundsätzlich all das ablehnten, wofür der Hof stand. Empört über die herrschende soziale Ungleichheit, war die Aufklärung der Ansicht, dass die Monarchie aus Nachlässigkeit und mangelnder Einsicht zu wenig getan hatte, um Spanien aus dem Mittelalter herauszuführen, und ihre Mitglieder suchten die ungleiche Verteilung des Wohlstandes durch verfassungsgemäße Reformen zubeseitigen.
In seinen meisterhaften Radierungen hielt Goya seine persönlichen Beobachtungen fest und stellte hier wie auch in den zahlreichen Zeichnungen seiner privaten Skizzenbücher mit treffsicherer Ironie die Gemeinheiten und den Wahnwitz der Menschheit dar. Diese kritische Betrachtungsweise scheint sich durch seine Taubheit, jene tragische Folge einer Infektion im Jahre 1792, die ihn auch später immer wieder mit Schwindelanfällen und lauten Ohrgeräuschen plagte, noch verstärkt zuhaben.
Die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts brachten verhängnisvolle Ereignisse für Spanien. Am 21. Oktober 1805 wurde die spanische Armada von den Engländern bei Trafalgar vernichtend geschlagen. Im Anschlußdaran kontrollierte Englandzehn Jahre lang den Atlantik und schnitt Spanien von seinen Kolonien ab. Im Jahre 1806 erklärten sich die Spanier bereit, Napoleon, nun Kaiser der Franzosen, bei seinen Eroberungsplänen gegenPortugal zu unterstützen. Französische Soldaten drangen daraufhin zu Tausenden in Spanien ein und es wurde bald offenkundig, dass Napoleon nicht die Absicht hatte, sie je wieder abzuziehen. 1808 dankteKönig Karl IV. zugunsten seines etwas einfältigen Sohnes, Ferdinand VII., ab und floh mit Königin Maria Luisa und seinem Premierminister Manuel Godoy nach Bayonne in Frankreich. Napoleon hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als Ferdinand ebenfalls nach Bayonne einzuladen und davon zu überzeugen, seinem Vater die Krone zurückzugeben, um ihn dann gefangen zu nehmen. Karl IV.dankte nun zugunsten Napoleons ab und ging nach Rom ins Exil. Dadurch erhielt Napoleon wiederum freie Hand und setzte im Juni 1808 seinen Bruder Joseph Bonaparte auf den spanischen Thron.
Napoleon hatte bei seinem Einmarsch nicht mit Widerstand gerechnet.Er war überrascht,als sich spanische Patrioten in großer Zahl gegen ihn erhoben und einenerbittertenGuerillakrieg gegen die Eindringlinge begannen. Für die Dauer von sechs Jahren wurde Spanien zum Schlachtfeld–sechs lange Jahre voller Blutvergießen,Leid und Schrecken.
Im Jahre 1808 war Goya zweiundsechzig Jahre alt, genoßhohes Ansehen und wirtschaftliche Sicherheit. Er hatte Teppichentwürfe voller Lebenskraft, prägnante Porträts undgelungenereligiöse Wandmalereien geschaffen, aber viele seiner bedeutendsten Werke sollten, als Antwort auf die schrecklichen und die Halbinsel erschütternden Ereignisse, erst noch entstehen.
Im Jahre 1812 neigte sich Napoleons Macht allmählich demEndezu.EnglischeTruppenrückten unter der Führung Herzog Wellingtonsin Spanien vor und errangen einen Sieg nachdem anderen, bis sie schließlich im August 1812 in Madrid einmarschierten und Josef Bonaparte samt seinem französischen Heer verjagten. Die liberale Cortez von Cadiz, die spanische Volksvertretung, war bestrebt, die Monarchie ausschliesslich als konstitutionelle und derRegierung verantwortliche Monarchie wieder einzuführen. Ferdinand VII. kehrteunterdemJubel desVolkes nach Spanien zurück und führte sofort und unter Mißachtung der Cortez ein absolutistisches Regime ein. Damit war das Ende der spanischen Aufklärungbesiegelt.Stattdessen setzte er nun sogar die Inquisition wieder ein, löste die Cortez auf und ließviele ihrer Mitglieder sowie eine große Zahl derer, die die französische Regierung unterstützt hatten,gefangen nehmen. Goya, der während der Okkupation die Stellung eines Malers unter Joseph Bonaparte akzeptiert hatte, wurde vor die Inquisition gebrachtund der Kollaboration bezichtigt.Er wurde jedoch freigesprochen, da er geltend machen konnte, er habe nie die französische Medaille getragen und auch Joseph Bonaparte nur nach einem Stich und nicht als lebendesModell gemalt.
Ferdinand VII. war nicht sonderlich an der Kunst interessiert, aber es schmeichelte ihm,einen berühmten Kü
