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Francisco Franco (1892-1975), der sich als Führer Spaniens von Gottes Gnaden verstand, herrschte fast vier Jahrzehnte lang über die Geschicke seines Landes. Seit den Anfängen der Diktatur im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) ist der "Caudillo" eine heftig umstrittene Persönlichkeit: Für die einen steht er für die Zerstörung einer freiheitlich-demokratischen Ordnung, eine grausame Repression und die jahrzehntelange Spaltung der Gesellschaft, andere sehen in ihm eine umsichtige und kluge Persönlichkeit, die Spanien die Kriegsleiden im Zweiten Weltkrieg erspart und für das Wohl des Volkes gewirkt habe. Auch rund 50 Jahre nach dem Tod des Diktators erhitzen die Kontroversen um seine Person die Gemüter der spanischen Gesellschaft. Carlos Collado Seidel beleuchtet die Biographie Francos im Spiegel der aktuellen Forschungen und Debatten.
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Seitenzahl: 452
Veröffentlichungsjahr: 2024
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Cover
Titelei
Einleitung
Kindheit in einer Marineoffiziersfamilie
Offizier im Kolonialkrieg
Der General und die Demokratie
»Generalissimus«
Kriegführung und Repression
Das Neue Spanien
Herrschaft von Gottes Gnaden
Diplomatie in stürmischen Zeiten
Divide et impera
Der Herbst des Diktators
Charisma und Herrschaftsrepräsentation
Der Schatten des Diktators und seiner Mythen
Literaturverzeichnis
Schriften und Ansprachen Francos
Tagebücher und Erinnerungen
Darstellungen
Abbildungsverzeichnis
Register
Urban-Taschenbücher
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Der Autor
Carlos Collado Seidel lehrt als außerplanmäßiger Professor Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg. Er ist Autor zahlreicher Werke zur Geschichte und Gesellschaft Spaniens, schwerpunktartig zum Spanischen Bürgerkrieg und zur Franco-Diktatur. (Foto: Daniel Sirvent/Goethe Institut Madrid)
2., erweiterte und aktualisierte Auflage
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Umschlagabbildung:Der spanische General Francisco Franco in den 60er Jahren. Foto: AFP.
2. erweiterte und aktualisierte Auflage 2025
Alle Rechte vorbehalten© W. Kohlhammer GmbH, StuttgartGesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:ISBN 978-3-17-042573-6
E-Book-Formate:pdf:ISBN 978-3-17-042574-3epub:ISBN 978-3-17-042575-0
Der Diktator Francisco Franco ist nunmehr vor einem halben Jahrhundert verstorben, und doch erregt er in ungeahnter Weise die Gemüter. Ein beredtes Beispiel hierfür ist die unter enormer medialer Aufmerksamkeit Ende Oktober 2019 erfolgte Exhumierung seiner Gebeine im nördlich von Madrid gelegenen Mausoleum im Valle de los Caídos, errichtet zu Ehren der im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Nationalisten Gefallenen. Damals gingen die Bilder um die Welt, als der mit den Insignien des einstigen Ranges als Staatschef umhüllte Sarg auf den Schultern von Familienangehörigen aus der Basilika herausgetragen und in einem Armeehubschrauber vor dem Hintergrund des über der Anlage thronenden monumentalen Kreuzes ausgeflogen wurde.
Francos Grabstätte war über Jahrzehnte hinweg weitgehend unbeachtet geblieben; Aufmerksamkeit erregten allenfalls die Aufmärsche unbedeutender Gruppen von Ewiggestrigen auf der Esplanade vor dem Eingang, die dem Diktator an seinem Todestag die Ehre erwiesen und dies auch weiterhin taten, nachdem solche Kundgebungen verboten worden waren. 2011 hatte erstmalig eine durch die damalige sozialistische Regierung eingesetzte Kommission über die Zukunft der Anlage beraten und die Umbettung des Diktators empfohlen, doch war der Bericht nach der kurz darauf erfolgten Regierungsübernahme durch die Konservativen in der Versenkung verschwunden.
Mit dem Wahlkampf und der neuerlichen Regierungsübernahme der Sozialisten unter Pedro Sánchez im Jahr 2018 wurde die Exhumierung schließlich zum Politikum. Während die Konservativen eine ideologische Motivation der Maßnahme anprangerten, jedoch damit haderten, ausdrücklich für den Verbleib Francos im Mausoleum und somit für das Erbe des Diktators einzutreten, widersetzten sich die Familienangehörigen im Schulterschluss mit den Benediktinermönchen, denen die seelsorgerische Betreuung der Anlage obliegt. Erst eine Entscheidung des obersten spanischen Gerichtshofs schuf Klarheit und ebnete den Weg für die Umbettung des Diktators. Zuvor hatte sogar der Vatikan einschreiten müssen, nachdem das Erzbistum Madrid keine Bedenken vorgebracht hatte, Francos Gebeine in die Kathedrale der Hauptstadt überführen zu lassen. Nach einer monatelangen Auseinandersetzung wurden sie schließlich neben jenen seiner Ehefrau auf einem Friedhof im Norden der Hauptstadt bestattet. Seitdem ist diese Grabanlage zur neuen Pilgerstätte der Anhänger des Diktators geworden.
Während diese Umbettung für die sozialistische Regierung und den Großteil der spanischen Gesellschaft überfällig gewesen war, beklagen unverbrüchliche Bewunderer Francos die Vergeblichkeit ihres »Kampfes« um den Erhalt der Ruhestätte und wenden sich lautstark gegen die »Profanierung des Grabes«. Die der Apologie des Diktators verpflichtete Fundación Nacional Francisco Franco gibt sich dabei entschlossen: »Niemand und nichts wird uns bei der Verteidigung des hinterlassenen Denkens, der Erinnerung und des Erbes des Generalissimus Francisco Franco aufhalten«, gegen den »Hass« und die »Rache« der Linken, »die ihre militärische Niederlage im Krieg nicht verwunden haben«.1
Damit ist der Streit um Francos Grabstätte Teil einer außerordentlich emotional geführten Debatte, die seit Ende der 1990er Jahre die spanische Gesellschaft intensiv beschäftigt. Damals rückten die Dimension der Gewalt und der repressive Charakter der Diktatur, insbesondere die ideologisch motivierten »Säuberungswellen« hinter den Frontlinien des Spanischen Bürgerkriegs in den Blick, denen an die 135.000 zum Großteil nach wie vor in Massengräbern verscharrt liegende Menschen zum Opfer fielen. Die Debatten um die Deutung des Bürgerkriegs und des Diktators haben seitdem kontinuierlich an Schärfe zugenommen.
In dieser Auseinandersetzung geht es längst nicht nur um einzelne Aspekte, sondern um die grundsätzliche historische Bewertung der Persönlichkeit und des Wirkens Francos. Und wenngleich der allergrößte Teil der spanischen Historiker den repressiven und menschenverachtenden Charakter der Diktatur herausstreicht, stellen die Verfechter der vermeintlichen Leistungen des Diktators, etwa als »Wahrer der Neutralität im Zweiten Weltkrieg« oder als »Vater des spanischen Wirtschaftswunders« der 1960er Jahre, keinesfalls eine insignifikante Gruppe von Revisionisten dar, deren Ansichten eine Randerscheinung bilden würden. Populärwissenschaftliche nostalgische Biographien und Lobeshymnen auf die Diktatur aus der Feder von Autoren wie César Vidal, Pío Moa, Jesús Palacios oder Luis Suárez Fernández erzielen erstaunliche Auflagenerfolge. Dazu zählt auch die auf den Erinnerungen der Tochter des Diktators basierende Franco-Biographie.2 Emotionsgeladene historiographische Debatten zu Franco, Bürgerkrieg und Diktatur finden zudem nicht nur in den Feuilletons der großen Tageszeitungen statt, sondern auch im Fernsehen zur besten Sendezeit. Während die eine Seite einen geschichtsklitternden Neofranquismus am Werk sieht, prangert die Gegenseite einen mainstream der Blindheit auf dem linken Auge an und geißelt die Kritik an Franco als post-faktisches Attentat auf die Wahrheit und die Gerechtigkeit; es handle sich um eine modische und gar diktatorische political correctness, die entgegengesetzte Stimmen zum Schweigen bringen wolle. So füllen sich in Spanien die Regale der Buchhandlungen mit Publikationen, die sich explizit als Richtigstellungen und sogar ausdrücklich als Angriffe gegen die Autoren vorangegangener Werke verstehen.3 Dabei stehen sich selbst international renommierte Historiker wie Stanley Payne oder Paul Preston unversöhnlich gegenüber.
Franco stellt für die einen eine »überragende Persönlichkeit«4 dar, dessen Herrschaft als Erfolgsgeschichte verstanden wird.5 Von Kritikern wird er stattdessen vor allem als brutal und derart grausam wahrgenommen, dass sogar der Begriff des »spanischen Holocaust« bemüht worden ist und inzwischen von einem im Bürgerkrieg verübten Genozid am ideologischen Gegner die Rede ist.6 Ironisch überspitzt charakterisiert der Historiker Alberto Reig Tapia den Diktator als »Cäsar der Superlative«. Franco sei in allem exzessiv gewesen: »exzessiv in seiner Mittelmäßigkeit, in seinem Ressentiment, in seiner Schläue, in seinem Machthunger, in seinem Dünkel, in seinem Befehlsgebaren, in seinem Sterben«.7 Franco ist für die einen ein starrer Dogmatiker, der sich zeitlebens von finsteren Geheimgesellschaften bedroht fühlte, während andere in ihm einen ideologisch flexiblen Herrscher sehen, der meisterhaft in der Lage war, sich an wandelnde gesellschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen. Für jene, die Franco bewundern, war dieser stets auf das Wohl des Landes bedacht, während ihm seine Kritiker vorwerfen, ausschließlich die Sicherung der eigenen Macht verfolgt zu haben. Selbst in der Frage der Fähigkeiten Francos als Heerführer gehen die Meinungen in einer Bandbreite zwischen völliger militärischer Inkompetenz und strategischem Genie radikal auseinander.8 Solche konträren Bewertungen der Person gleichen im Grunde jenen, die bereits zu Lebzeiten des Diktators formuliert wurden. Bewunderer und Gegner stehen sich seit Jahrzehnten unversöhnlich gegenüber.
Zu dieser Frontstellung haben auch die politischen Parteien, die mit den politischen Lagern stark verflochtene Medienlandschaft und nicht zuletzt die einseitige Parteinahme des spanischen Episkopats beigetragen: Politiker unterschiedlicher Couleur haben nicht nur durch Stellungnahmen in die Debatten eingegriffen. Genauso hat sich das spanische Parlament wiederholt mit der Frage der Verurteilung der Franco-Diktatur befasst. Nach langwierigen Auseinandersetzungen rang sich die konservative Volkspartei im Jahr 2002 zu einer Verurteilung des Putsches gegen die rechtmäßige Regierung vom Juli 1936 durch. Dies stellte jedoch eine Maximalkonzession dar. Eine grundsätzliche Verurteilung der Diktatur ist durch die Konservativen stets abgelehnt worden. Die katholische Kirche wiederum sieht sich als Opfer des Bürgerkriegs und betreibt an die 10.000 Seligsprechungsverfahren für Kleriker und Laien als Märtyrer dieses Krieges. Die Bischofskonferenz verschließt sich dabei auch den Forderungen nach einem Wort des Bedauerns über den bedingungslosen Schulterschluss mit dem Lager Francos im Bürgerkrieg und während der Diktatur. Somit kann es kaum verwundern, dass vielerorts nach wie vor Messen für das Seelenheil Francos gelesen werden.
Franco, Bürgerkrieg und Diktatur sind somit beileibe keine historischen Kategorien, so wie es 1986 der sozialistische Ministerpräsident Felipe González anlässlich des 50. Jahrestages des Bürgerkriegsbeginns beschworen hatte. Franco ist nach wie vor – und gerade in der Gegenwart – Teil der gelebten politischen und gesellschaftlichen Realität. Dies zeigt sich emblematisch an den erbittert geführten Auseinandersetzungen über den Umgang mit der Basilika im »Tal der Gefallenen«, die nicht nur die Grabstätte Francos und darüber hinaus des Gründers der spanischen faschistischen Partei Falange, José Antonio Primo de Rivera, war. Hier befinden sich auch die sterblichen Überreste von 33.847 registrierten Bürgerkriegstoten. Seit fünfzehn Jahren zieht sich inzwischen die Polemik um diesen zentralen Erinnerungsort von Bürgerkrieg und Diktatur hin. Während die sozialistische Regierung die Anlage entsakralisieren und in einen Lernort umwandeln will, stemmen sich die dortigen Benediktinermönche gegen ihren Rauswurf. Gestritten wird genauso auf vielen anderen Feldern, wie etwa über die Verankerung der Vermittlung von Bürgerkrieg und Diktatur im Schulunterricht, oder über Straßennamen und Denkmäler, die auch 85 Jahre nach Bürgerkriegsende unverändert an den Sieg der Nationalisten um Franco erinnern. Dazu gehört nicht zuletzt das monumentale »Siegestor« an jener Ausfallstraße Madrids, die geradewegs zum »Tal der Gefallenen« führt.
Vor dem Hintergrund dieser erbittert geführten Debatten versteht sich diese Darstellung nicht allein als Biographie, die einen Einblick in das Leben und Wirken von Franco im Spiegel des bewegten und durch Brüche markierten 20. Jahrhunderts bieten will – einem Leben, das mit militärischem Ruhm als junger Offizier während des Kolonialkrieges im spanischen Protektorat von Marokko begann, mit der Ernennung zum »jüngsten General Europas« einen Höhepunkt erreichte und keine zehn Jahre später in der Übernahme der unumschränkten Macht in Spanien gipfelte. Der General und Diktator soll im Spiegel der seit seiner Ausrufung zum »Generalissimus« und Staatschef Anfang Oktober 1936 einsetzenden Kontroversen um seine Person sowie um die vielen sich im Verlauf seiner Herrschaft um ihn rankenden und sich als außerordentlich zählebig erweisenden Mythen beleuchtet werden.
Hierzu gehört die gebetsmühlenartig vertretene Behauptung, Franco sei im Juli 1936 einer kommunistischen Machtübernahme in Spanien gerade noch zuvorgekommen, womit sich die Erhebung gegen die Republik als legitimer Akt der Notwehr darstellt. Dazu zählen auch die Frage des Kriegseintritts im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Achsenmächte und das Treffen zwischen Hitler und Franco am französischen Grenzort Hendaye im Oktober 1940, zu dessen Ergebnis Hitler geäußert haben soll, dass er sich lieber eine Reihe Zähne reißen lassen würde als nochmals mit Franco zu verhandeln. Franco habe sich in weiser Voraussicht und mit der den Menschen seiner Heimatregion Galicien nachgesagten »typischen Schläue« dem Kriegseintritt zum Wohle der Nation widersetzt. In diesem Zusammenhang steht auch die Frage, inwieweit das Franco-Regime mit Berechtigung als faschistisch bezeichnet werden kann. Dabei wird vor allem auf den in Spanien tief verwurzelten Katholizismus als herausragendes Merkmal und grundsätzlichen Unterschied zu Hitler-Deutschland und Mussolinis Italien verwiesen; ebenfalls darauf, dass sich Franco für die Rettung von Juden vor den nationalsozialistischen Vernichtungslagern eingesetzt habe, womit gerne die Behauptung verknüpft wird, Franco sei sich eigener jüdischer Wurzeln bewusst gewesen.
Zu diesen Mythen gehört auch, dass es Franco dank seines großen diplomatischen Geschicks gelungen sei, den Zweiten Weltkrieg unbeschadet zu überstehen und darüber hinaus als militärischer Verbündeter der USA zu einem umgarnten Partner des Westens im Angesicht der sowjetischen Bedrohung zu werden. Franco wird entsprechend attestiert, dass sein Herrschaftsverständnis dem eines Offiziers und nicht dem eines Ideologen entsprach. Er sei in seinem Wesen spartanisch gewesen und habe überaus besonnen und staatsmännisch agiert. In diesem Sinn komme ihm als dem »Architekten des Wirtschaftswunders« das Verdienst zu, eine bürgerliche Mittelschicht begründet und Spanien damit in die Moderne geführt zu haben. Schließlich habe er sogar nicht nur der Rückkehr der Monarchie unter Juan Carlos I., sondern darüber hinaus der Demokratie den Weg geebnet. All diesen Zuschreibungen, die zum Großteil bereits während der Diktatur propagandistisch in Szene gesetzt worden sind, ist aufs Heftigste widersprochen worden.
Unabhängig von Kontroversen, Mythen und Legendenbildung weist Francos Persönlichkeit eine Vielzahl widersprüchlich wirkender Facetten auf. So wird er als schüchtern, bescheiden und introvertiert wahrgenommen, gleichzeitig aber als selbstherrlich, brutal und außerordentlich grausam. Hinzu kommen eine übereinstimmend beschriebene Emotionslosigkeit und Kälte – selbst gegenüber engen Weggefährten –, die mit Berichten kontrastieren, wonach Franco leicht in Tränen ausbrach. Francos Ausdruckslosigkeit in seinem Auftreten steht wiederum ein ihm zugeschriebenes Charisma sowie eine sogar durch unverdächtige ausländische Beobachter wie dem US-Präsidenten Eisenhower konstatierte ungewöhnliche Popularität gegenüber. Zudem wird zwar die Machtbesessenheit des Diktators betont; gleichzeitig wird er aber auch als Person dargestellt, die im Grunde kein Interesse an den Staatsgeschäften hatte und eher die Aufgaben eines Richters als jene eines Diktators wahrnahm. So kamen Biographen und Zeitgenossen immer wieder nicht umhin, Franco als Enigma zu bezeichnen.
Franco stand bis zu seinem Tod am 20. November 1975 nahezu 40 Jahre an der Spitze eines diktatorischen Regimes. Das ist zwar per se nicht ungewöhnlich, befindet er sich doch dabei in einer Reihe mit anderen langjährigen Autokraten seiner Zeit wie Salazar, Castro, Mao, Tito oder Stalin, die ebenfalls bis an ihr Lebensende herrschten oder nach einem krankheitsbedingten Rücktritt unbehelligt verstarben. Franco gelang es aber als Einzigem der als faschistisch stigmatisierten Diktatoren, den Untergang der »neuen europäischen Ordnung« unbeschadet zu überstehen und darüber hinaus für viele als »Wächter des Abendlandes« positiv in Erinnerung zu bleiben. Franco hat entsprechend nicht nur erbitterte Gegner gehabt, sondern auch viele Zeitgenossen in seinen Bann gezogen. In diesem Sinn äußerte der Biograph Brian Crozier: »Während ich dieses Buch schrieb und das Material studierte, wurde meine Antipathie gegenüber Franco zu widerwilliger Bewunderung«.9
Zwischenzeitlich sind schätzungsweise 250 monographische Annäherungen an die Person oder an Teilaspekte seiner Biographie erschienen, die in den gesetzten Schwerpunkten und nicht zuletzt in der Deutung der Person oft große Unterschiede aufweisen. In dieser Verschiedenartigkeit der Annäherungen an das Leben Francos spiegelt sich nicht zuletzt die Bedeutung des Biographen bei der narrativen Konstruktion des historischen Subjekts. Die Franco-Biographik erweist sich als ein besonders anschauliches Beispiel einer ideologischen Selbstverortung sowie von Deutungen, die spezifischen politischen und sozialen Kontexten geschuldet sind, in die der Biograph konstitutiv eingebettet ist.10
Vor allem aber hat die Historiographie zu Franco ein Quellenproblem, denn gerade die für eine biographische Herangehensweise zentralen Quellenbestände stehen der Forschung nicht zur Verfügung. Es herrscht völlige Unklarheit über den Verbleib des archivalischen Nachlasses Francos: So heißt es, dass ein Brand auf dem galicischen Landsitz der Familie die privaten Unterlagen im Jahr 1978 zerstört haben soll. Auch ist behauptet worden, dass es nach dem Tod des Diktators aus den Schornsteinen des Palastes El Pardo, seinem Amts- und Wohnsitz, unablässig gequalmt habe und dabei die Aktenbestände vernichtet worden seien. Dann wurde vermutet, dass der Nachlass in der durch die Familie Franco kontrollierten Privatstiftung Fundación Nacional Francisco Franco lagere, obgleich diese stets betonte, lediglich über Dokumentenkopien zu verfügen. Hinzu kam, dass lange Zeit nur einzelne und Franco wohlwollend gesonnene Forscher wie Luis Suárez Fernández oder Jesús Palacios Zugang zu diesen Unterlagen erhielten.11 Die durch namhafte Historiker immer wieder als Skandal bezeichnete Nicht-Zugänglichkeit dieser Bestände – zumal es sich um Dokumente handelt, die einen offiziellen Charakter haben – vermochte an dieser Situation zunächst nichts zu ändern. Erst 2010 wurden 27.490 Dokumentenkopien dem Centro Documental de la Memoria Histórica in Salamanca übergeben und damit der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hierbei kann es sich jedoch nur um einen kleinen Bruchteil jener Bestände handeln, die in den knapp 83 Jahren des Lebens des Diktators entstanden sind. Hinzu kommt, dass sich im zentralen Verwaltungsarchiv in Alcalá de Henares ebenfalls nur kleine Bruchstücke der Aktenbestände der von Franco im Verlauf der 39 Jahre seiner Herrschaft bekleideten Staatsämter befinden. Der Verbleib des allergrößten Teils des Privatnachlasses sowie der Akten zu Francos politischen und militärischen Funktionen bleibt ein Rätsel.
Vor diesem Hintergrund müssen Historiker vor allem auf Archive anderer staatlicher Behörden sowie auf private Nachlässe von Weggefährten zurückgreifen, die seit der Demokratisierung nach und nach für die Forschung zugänglich wurden und einen zumindest indirekten Zugang zum Verständnis der Persönlichkeit und Amtsführung Francos ermöglichen. Die Unzugänglichkeit von zentralem Quellenmaterial schafft aber in der Folge unwillkürlich einen beträchtlichen Raum für Interpretationen und Deutungen.
Zu den wenigen existierenden autobiographischen Texten zählen insbesondere sein tagebuchartig angelegtes, 1922 erschienenes Diario de una Bandera, in dem Franco über seine Erlebnisse im Kolonialkrieg berichtet und das bereits frühzeitig die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf seine Person lenkte. Das Diario bietet interessante Einblicke in Francos narrative Selbstkonstitution.12 Erhellend ist darüber hinaus die 1941 fertiggestellte, als Drehbuch angelegte und kurz darauf verfilmte Familiensaga mit autobiographischen Zügen, die den bezeichnenden Titel Raza trägt und durchaus als Pendant zu Hitlers Mein Kampf verstanden werden kann. Wenngleich der Text aufgrund seiner sprachlichen Qualität als »militärisches Melodram« auf dem Niveau eines »Groschenromans« belächelt worden ist,13 handelt es sich hierbei um ein bezeichnendes Zeitdokument, das Aufschluss über die Verortung Franco-Spaniens in der »neuen europäischen Ordnung« gibt. Bereits der Titel von Drehbuch und Kinofilm zeugt vom Zeitgeist, wenngleich sich der spanische Rassebegriff weniger völkisch als vielmehr kulturell verstand und in diesem Sinne auch das hispanische Amerika umfasste.
Denken, Selbstbild und Außendarstellung Francos kommen genauso in seinen zahllosen Reden zum Ausdruck, die sukzessive ediert worden sind.14 Allerdings lassen sich hierbei signifikante inhaltliche Abweichungen zwischen jenen Versionen ausmachen, die zeitnah in der Presse erschienen, und den Texteditionen späterer Jahre. Dies kann auf stilistische und redaktionelle Eingriffe zurückgeführt werden. Auffällig sind aber die nach 1945 im Rahmen neu herausgegebener Editionen vorgenommenen Kürzungen, als der ideologische Gleichklang mit den Achsenmächten in Vergessenheit geraten sollte. In späteren Auflagen des Diario de una Bandera sind hingegen vorrangig Passagen herausgenommen worden, in denen die grausamen Verbrechen der spanischen Fremdenlegion an marokkanischen Gegnern beschrieben wurden.
Vor allem aber greift die Forschung auf die Vielzahl von Erinnerungen zurück, die meist in den ersten Jahren nach Francos Tod erschienen sind. Dazu gehören Beschreibungen aus dem familiären Umfeld des Diktators wie jene seiner Schwester Pilar, deren Ausführungen eine erklärte Ehrenrettung Francos darstellen; insbesondere aber die Tagebuchaufzeichnungen seines Adjutanten und Cousins Francisco Franco Salgado-Araujo, die als glaubwürdige Quelle verstanden werden und eine Vielzahl von erhellenden Einblicken in das Denken und Privatleben Francos bieten.15 Hinzu kommen die Aufzeichnungen einer ganzen Reihe an politischen und militärischen sowie in ihrer Persönlichkeit gänzlich unterschiedlichen Wegbegleitern, die Franco aus der Nähe kannten. Dazu zählen solche, die sich zu einem späteren Zeitpunkt mit Franco überworfen oder von ihm distanziert haben wie General Alfredo Kindelán, die führenden Mitglieder der spanischen faschistischen Partei Falange, Dionisio Ridruejo sowie Francos Schwager und zeitweiliger Außenminister Ramón Serrano Suñer, oder die Monarchisten José María Pemán, Pedro Sainz Rodríguez und José María Gil Robles, aus deren Erinnerungen ebenfalls eine kritische Grundhaltung gegenüber Franco spricht.16 Zeitlebens unverbrüchliche Gefolgsleute des »Generalissimus« haben ebenso Memoiren hinterlassen, so etwa der zeitweilige Minister Manuel Fraga Iribarne oder der tatsächliche Architekt des »spanischen Wirtschaftswunders«, Laureano López Rodó.17 Selbst Vertraute aus dem engsten persönlichen Umfeld, wie die Leibärzte Vicente Gil und Vicente Pozuelo Escudero, haben ihre Erlebnisse niedergeschrieben und damit das bestehende Franco-Bild mitgeprägt.18 Allerdings ist der Umgang mit Erinnerungen – zu denen auch eine publizierte Sammlung an Interviews mit über vierzig ehemaligen Ministern der Diktatur zählt19 – und erst recht mit auf nicht näher nachprüfbaren mündlichen Überlieferungen Dritter basierenden Erzählungen, wie die mit Anekdoten gespickten Darstellungen des Journalisten Ramón Garriga, naturgemäß problematisch. Umso mehr verwundert daher, dass sie häufig unkommentiert und unkritisch in biographischen Darstellungen übernommen werden.
Die vorliegende Darstellung folgt einem im Grunde chronologischen Aufbau, der allerdings in der Anlage der Kapitel durch strukturelle Überlegungen durchbrochen wird, um spezifische Aspekte der Biographie und Herrschaft Francos zu beleuchten. Hierzu gehören die Konstruktion des »Generalissimus« als Heldenfigur, die Frage des faschistischen Charakters von Francos Neuem Spanien, das vermeintliche Charisma des Diktators, Francos Herrschaftsverständnis und psychologische Erklärungsansätze seiner Persönlichkeit. Ein durchgängiges Anliegen ist die Beleuchtung der Konstanten und Schwerpunktverlagerungen in der Franco-Biographik im Laufe der Jahrzehnte.
1Juan Chicharro Ortega (Hrsg.): Franco. Crónica de la lucha contra la profanación de su tumba. Madrid: SND Editores, 2020, S. 7 sowie 641.
2Jesús Palacios; Stanley G. Payne: Franco, mi padre. Testimonio de Carmen Franco, hija del caudillo. Madrid: Esfera de los Libros, 2008.
3Vgl. hierzu etwa: Pío Moa: Los mitos de la Guerra Civil. Madrid: La Esfera de los Libros, 2003, und hierzu als Entgegnungen Enrique Moradiellos: 1936. Los mitos de la guerra civil. Barcelona: Península, 2005, sowie vor allem: Alberto Reig Tapia: Anti-Moa. La subversión neofranquista de la Historia de España. Barcelona: Ediciones B, 2006.
4Hellmuth Günther Dahms: Francisco Franco. Soldat und Staatschef. Göttingen: Musterschmidt, 1972, S. 9.
5Vgl. Andrée Bachoud: Franco, ou la réussite d'un homme ordinaire. Paris: Fayard, 1997, S. 450.
6Vgl. Paul Preston: The Spanish Holocaust. Inquisition and Extermination in Twentieth-Century Spain. London: Harper, 2012.
7Alberto Reig Tapia: Franco: El César superlativo. Madrid: Tecnos 2005, S. 13.
8Carlos Blanco Escolá: La incompetencia militar de Franco. Madrid: Alianza, 2000; zurückhaltender auch: Geoffrey Jensen: Franco. Soldier, Commander, Dictator. Washington: Potomac, 2005; demgegenüber: José Semprún: El genio militar de Franco. Precisiones a la obra del coronel Blanco Escolá ›La incompetencia militar de Franco‹. Madrid: Actas, 2000, sowie Rafael Casas de la Vega: Franco, militar. La única biografía militar del primer soldado de España en el siglo XX. Madridejos: Fénix, 1995.
9Brian Crozier: Franco. Eine Biographie. München: Bechtle, 1967, S. 8. Ganz in diesem Sinne argumentierte einige Jahre zuvor auch Sydney Coles: Franco of Spain. A full-length biography. London: Spearman, 1955, S. 9.
10Vgl. hierzu Hayden White: Metahistory: The Historical Imagination in Nineteenth Century Europe. Baltimore u. a.: Johns Hopkins UP, 1973, dt.: Metahistory: Die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa. Frankfurt am Main: Fischer, 1991. Vgl. hierzu auch: Richard J. Evans: Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis. Frankfurt am Main: Campus, 1998.
11Vgl. Luis Suárez Fernández: Franco y su tiempo, 8 Bde. Madrid: Fundación Nacional Francisco Franco, 1984, sowie Jesús Palacios: Los papeles secretos de Franco. Madrid: Temas de Hoy, 1996; ders.: Las cartas de Franco. La correspondencia desconocida que marcó el destino de España. Madrid: La Esfera de los Libros, 2005.
12Vgl. hierzu auch: Laura Zenobi: La construcción del mito de Franco. Madrid: Cátedra, 2011, S. 31.
13Juan Pablo Fusi: Franco. Autoritarismo y poder personal. Madrid: Ediciones El País, 1985, S. 70.
14Vgl. eine Auswahl in: Revista de Historia militar, 20. Jg., Bd. 40, 1976.
15Pilar Franco: Nosotros los Franco. Barcelona: Planeta, 1980; Francisco Franco Salgado-Araujo: Mis conversaciones privadas con Franco. Barcelona: Planeta, 1976; ders.: Mi vida junto a Franco. Barcelona: Planeta, 1977; vgl. ferner: Pilar Jaraiz Franco: Historia de una disidencia. Barcelona: Planeta, 1981; Andrés Martínez-Bordiú Ortega: Franco en familia: Cacerías en Jaén. Barcelona: Planeta, 1994; Francisco Franco Martínez-Bordiú: La naturaleza de Franco. Cuando mi abuelo era persona. Madrid: La Esfera de los Libros, 2011.
16Alfredo Kindelán: La verdad de mis relaciones con Franco. Barcelona: Planeta, 1981; Dionisio Ridruejo: Casi unas memorias. Barcelona: Planeta, 1976; Ramón Serrano Suñer: Memorias: Entre el silencio y la propaganda, la historia como fue. Barcelona: Planeta, 1977; José María Pemán: Mis encuentros con Franco. Barcelona: Dopesa, 1976; Pedro Sainz Rodríguez: Un reinado en la sombra. Barcelona: Planeta, 1981; ders.: Testimonio y recuerdos. Barcelona: Planeta, 1978; José María Gil Robles: La Monarquía por la que yo luché. Páginas de un Diario (1941 – 1954). Madrid: Taurus, 1976; ders.: No fue posible la paz. Barcelona: Ariel, 1968 (Neudruck 2006).
17Laureano López Rodó: La larga marcha hacia la Monarquía. Barcelona: Noguer, 1977; vgl. ferner: Manuel Fraga Iribarne: Memoria breve de una vida pública. Barcelona: Planeta, 1980; ferner José Utrera Molina: Sin cambiar de bandera. Barcelona: Planeta, 1989 (erweiterte Neuausgabe 2008).
18Vgl. Vicente Gil: Cuarenta años junto a Franco. Barcelona: Planeta, 1981; Vicente Pozuelo Escudero: Los últimos 476 días de Franco. Barcelona: Planeta, 1980.
19Angel Bayod (Hrsg.): Franco visto por sus ministros. Barcelona: Planeta, 1981.
Francisco Franco Bahamonde erblickte am 4. Dezember 1892 in der am zerklüfteten Küstenverlauf Galiciens gelegenen Garnisonsstadt Ferrol das Licht der Welt. Die fjordartige Bucht an der Nordwestspitze Spaniens war aufgrund der geschützten Lage ein herausragender Standort der spanischen Kriegsmarine. Der Flottenstützpunkt und die dazu gehörige Schiffswerft bestimmten das Leben in der damals auf dem Landweg nur beschwerlich erreichbaren Kleinstadt. Franco war Spross einer Marineoffiziersfamilie, die seit Generationen in der Kriegsmarine gedient hatte; sein Vater war in der Intendantur tätig. Das weitgehend abgeschottete militärische Milieu, in dem der junge Franco aufwuchs, hat ihn – auch eigenen Angaben zufolge – tief geprägt. In diesem Sinne wird gerne herausgestrichen, dass Franco zeitlebens dem Meer eng verbunden blieb, mit seiner Jacht Azor leidenschaftlich der Sportfischerei frönte und vor allem als Diktator besonders gerne in der prachtvollen Uniform eines Admirals in Erscheinung trat.
Ganz in diesem Sinne war es sein ursprünglicher Wunsch, ebenfalls die Marineoffizierslaufbahn einzuschlagen. Das Vorhaben zerschlug sich jedoch infolge eines Ereignisses, das das nationale Selbstverständnis aufs Tiefste erschütterte: Der 1898 chancenlos geführte Krieg gegen die machtvoll aufstrebenden Vereinigten Staaten endete mit dem Verlust von Kuba, Puerto Rico, der Philippinen sowie der weitläufigen Archipele der Mariannen und Karolinen, den letzten Resten des einst weltumspannenden Kolonialreiches. Diese Niederlage führte schmerzhaft vor Augen, dass Spanien letztlich nur noch in der Wunschvorstellung gelebt hatte, nach wie vor eine imperiale Macht zu sein. Nun wurde schonungslos deutlich, was Intellektuelle schon länger bitter beklagt hatten: eine in einer Selbstbeschau erstarrte Nation, die unfähig war, den Anschluss an die geistigen Strömungen und die Innovationskraft Europas zu finden. Aus der Erfahrung des verlorenen Krieges erwuchs die sogenannte Generation von 1898, die sich einer geistigen und materiellen Erneuerung Spaniens verschrieb und den gesellschaftlichen Diskurs in den krisengeschüttelten kommenden Jahrzehnten prägte. Während die einen eine Modernisierung und Europäisierung Spaniens forderten, sahen andere die Lösung in der Rückbesinnung auf die Werte eines verklärten kastilischen Idealbildes. Sozialistische und anarchistische Organisationen wiederum traten machtvoll in Erscheinung und forderten in Wort, Tat und nicht zuletzt mit dem Einsatz von Gewalt einen Neuanfang auf der Grundlage der jeweils eigenen Gesellschaftsmodelle. Im Baskenland und vor allem in Katalonien entwickelte sich hingegen ein eigenständiges nationales Bewusstsein, das immer stärker auf Distanz und Konfrontation zum zentralistischen Verwaltungsstaat ging. Dem traten jene entgegen, denen die Einheit der Nation innerhalb der katholischen Tradition heilig war. Schließlich begehrte auch das städtische und unternehmerische Bürgertum gegen die unverändert dominierenden Interessen des Großgrundbesitzes auf.
Das als Desaster von 1898 in die Geschichtsbücher eingegangene Ereignis hatte nicht minder das Selbstverständnis der spanischen Streitkräfte erschüttert und große Verbitterung ausgelöst. Dort herrschte die Überzeugung vor, dass die Armee und insbesondere die Kriegsmarine mit einer völlig unzureichenden Ausrüstung in den Krieg getrieben worden seien und nun als Sündenbock herzuhalten hätten. In Offizierskreisen wurden dagegen vor allem die bestehende liberale Gesellschaftsordnung und eine allein an kurzsichtigen Partikularinteressen orientierte Politikerkaste als Ursache für die Niederlage und den Verlust der Überseeterritorien ausgemacht. Der Liberalismus habe sukzessive das spanische Imperium ruiniert und bedrohe die Nation in ihren Grundfesten. Demgegenüber verstand sich das Offizierskorps als einziger Teil der Gesellschaft, der patriotischen Belangen und dem nationalen Ehrgefühl aufrichtig verpflichtet sei – eine Vorstellung, die eindrücklich auch in Francos Familiensaga Raza zum Ausdruck kommt.
Das mit der Niederlage tief getroffene Ehrgefühl der Streitkräfte entlud sich im Jahr 1905 anlässlich einer aus heutiger Sicht eher harmlosen, doch symptomatischen und folgenreichen Begebenheit. Die katalanische Satirezeitschrift ¡Cu-Cut! hatte vor dem Hintergrund des Sieges eines katalanischen nationalistischen Wahlbündnisses auf kommunaler Ebene eine Karikatur veröffentlicht, in der ein spanischer Offizier seine Verwunderung über die zu einer Veranstaltung strömenden Menschenmassen äußerte. Ein Passant entgegnete ihm, es handle sich um eine Festveranstaltung zur Feier des Sieges, worauf der Offizier feststellte, dass es sich dann um Zivilisten handeln müsse. Als Reaktion auf diese auf die Niederlage von 1898 gemünzte Provokation stürmten und verwüsteten in Barcelona stationierte Offiziere die Redaktionsräume zweier katalanischer Zeitungen.
Das Madrider politische Establishment duldete nicht nur die Übergriffe, sondern beschloss in dem in Wallung gebrachten Gefühl eines verletzten Nationalstolzes ein Gesetz, das der Militärgerichtsbarkeit jenseits rein innermilitärischer Angelegenheiten auch die Zuständigkeit für Delikte übertrug, die sich gegen die Ehre der Streitkräfte und darüber hinaus jener der spanischen Nation richteten. Damit wurden die Streitkräfte zur rechtlichen und vor allem moralischen Instanz in Fragen des nationalen Empfindens erhoben. Für Zeitgenossen wie dem Philosophen Miguel de Unamuno war in einer Zeit grundlegender sozialer Veränderungen das Eingreifen des Militärs zur »Errettung des Vaterlandes« lediglich eine Frage der Zeit.
Franco selbst war sicherlich zu jung, um die Dimension der Ereignisse von 1898 im Moment des Geschehens zu begreifen. Gerade als Spross einer Offiziersfamilie im abgeschotteten und auf sich bezogenen Milieu einer Garnisonsstadt der Kriegsmarine erlebte er jedoch – wie er sogar noch im hohen Alter rückblickend betonte1 – die Nachwirkungen der militärischen Niederlage besonders intensiv: Ferrol war der Heimathafen eines Teiles der Flotte gewesen, die nun auf dem Meeresgrund lag, womit der Krieg das Leben vieler dort ansässiger Familien sprichwörtlich zerrissen hatte. Für Franco hatte der Verlust der überseeischen Besitzungen aber auch unmittelbare berufliche Konsequenzen, war doch der Personalbedarf für die Kriegsmarine und damit an neuen Kadetten schlagartig gesunken. Während seinem älteren Bruder Nicolás ein Eintritt in die Marineoffizierslaufbahn noch gelang, blieb sie ihm verwehrt.
Ein Blick auf die frühen Jahre im Leben Francos ist aber nicht nur unter der Perspektive seiner späteren Berufslaufbahn oder einer Generation von Interesse, für die diese als historischer Wendepunkt in die Geschichte eingegangene Katastrophe tiefe Spuren hinterlassen hat. Die Kindheit Francos wird in Biographien darüber hinaus gerne beleuchtet, um sich der Persönlichkeit und dem Charakter zu nähern, oder, präziser formuliert, um psychologische Erklärungsmuster zu finden, die das spätere Verhalten als Diktator plausibilisieren.2 In diesem Sinne erweisen sich Kindheitsbegebenheiten als sehr illustrativ und entfalten eine hohe Suggestivkraft. Eine gewisse Problematik bergen allerdings solche Darstellungen aus dem familiären Umfeld, verfolgen sie doch einen ex-post Betrachtungsansatz, der das Wahrnehmungsfeld unwillkürlich einengt. Die meist anekdotischen Begebenheiten beruhen im Wesentlichen auf Erinnerungen von Familienangehörigen, die im Regelfall erst nach dem Tod Francos verfasst worden sind, damit auf dessen Gesamtleben ausgerichtet sind und entsprechend nicht zuletzt zur Bestätigung vorab bestandener Zuschreibungen dienen. Zudem erfolgen die Wahrnehmung und Zuweisung von Bedeutung im Sinne von Wilhelm Dilthey unwillkürlich auf der Grundlage des Verlaufs der eigenen Biographie und des persönlichen Verhältnisses zu Franco.
Besonders gerne wird eine Begebenheit nacherzählt, wonach Francos Schwester Pilar dem achtjährigen Bruder eine glühende Nadel auf das Handgelenk gepresst habe. Dieser habe die Zähne zusammengepresst und lediglich gesagt: »Verdammt noch mal! Verbranntes Fleisch stinkt abscheulich!«3 Mit dieser Anekdote wird auf Francos Fähigkeit der Selbstkontrolle sowie auf seine Gefühlskälte verwiesen, von der dem späteren Diktator nahestehende Personen übereinstimmend berichten. Diese Kälte, von der es hieß, dass sie sogar die Seele gefrieren lasse,4 war legendär; sie bekam nahezu jeder im Umfeld Francos zu spüren.
Zur Erklärung dieser Gefühlskälte geraten zudem die Familienverhältnisse in das Blickfeld der Biographen. Der Vater wird als resolut und herrisch und vor allem als Lebemann, Frauenheld und Trunkenbold beschrieben, dessen ausschweifender Lebenswandel in der kleinen Garnisonsstadt nicht habe unbemerkt bleiben können. Die dadurch bedingte Demütigung der Mutter und das Scheitern der Ehe, das mit dem Wegzug des Vaters nach Madrid im Jahr 1907 allseits sichtbar wurde, habe sich auf den jungen Franco besonders stark ausgewirkt und lasse, wie Paul Preston feststellt, Rückschlüsse auf seine Gemütsverfassung zu:
»Als er sah, wie die nach Innen gekehrte Gefühlswelt der Mutter zu einem wirksamen Schild gegen Schicksalsschläge wurde, scheint es, dass Francisco seine eigene emotionale Verletzlichkeit durch die Stärkung einer kalten inneren Leere überwand.«5
Hinzu sei gekommen, dass Franco nie die Zuneigung und Anerkennung seines Vaters erfahren habe. Eine damit verbundene Sehnsucht nach einem vorbildhaften Vater wird auch aus den wenigen autobiographisch verstandenen Texten Francos herausgelesen.6 Für den Psychologen González Duro steht außer Frage, dass Franco in Raza seine eigene Kindheit neu erfand.7 So ist hierin, als Gegenbild zum eigenen Vater, das Familienoberhaupt eine tugend- und heldenhafte Figur, die im Krieg von 1898, von Patriotismus und Pflichtgefühl getragen, eine ihm befohlene, jedoch zum Scheitern verurteilte Aufgabe übernahm, die ihn sogar das Leben kostete. Im Diario de una Bandera beschreibt Franco wiederum eine Begegnung zwischen einem älteren Rekruten der spanischen Fremdenlegion und einem Offizier:
»Ein Legionär im fortgeschrittenen Alter und mit dem Ausdruck eines müden Mannes quert die Straße. Er hat wie alle Legionäre eine aufrechte Haltung, aber sein Gang ist etwas träge; seine Lebensjahre zeigen sich an seiner silbrigen Schläfe und seinem ungepflegten grauen Bart. Als er an einem Offizier vorbeigeht, hebt er die Hand zum militärischen Gruß; der Offizier hält inne, und beide blicken sich in die Augen, um sich schließlich unter Tränen in die Arme zu fallen. Dieser Offizier ist sein eigener Sohn! Auf welch unterschiedliche Pfade sie doch das Leben geführt hat!«8
Auch aus dieser Begebenheit ist entsprechend auf die Sehnsucht nach der Vaterfigur geschlossen worden. An dem zerrütteten Verhältnis Francos zu seinem den Erinnerungen des Cousins zufolge »übermäßig strengen«9 Vater habe sich weder mit seiner kometenhaften Militärkarriere noch nach der Übernahme der Staatsführung etwas geändert.10
Die fehlende Vaterfigur habe bei Franco schmerzhafte Spuren hinterlassen und als Reaktion eine Negation des eigenen Bedürfnisses nach Liebe und Zuneigung hervorgerufen. Dadurch habe sich Franco zu einem stark zurückgezogenen, unnahbaren und vereinsamten Jungen entwickelt. Hiervon abgesehen wird diese Introvertiertheit auch mit Hänseleien aufgrund seiner schmächtigen Gestalt und seiner hohen, oft als pikkoloflötenhaft bezeichneten Stimme in Verbindung gebracht. Selbst die häufig beschriebene Schüchternheit und Unsicherheit, die sich als grundsätzliches Verhaltensmuster zeitlebens in seinem Auftreten zeige, werden hierauf mit zurückgeführt.11
Gleichzeitig wird Franco eine den familiären Demütigungen des Vaters geschuldete Verbundenheit zu seiner Mutter attestiert. Die Erfahrung ihrer stark ausgeprägten Frömmigkeit und kühlen Distanziertheit sowie ihre die Sinnlichkeit ablehnende Lebensweise habe außerdem einen tiefen Eindruck auf Franco gemacht und mit bedingt, dass dieser seinerseits keinerlei hedonistische Neigungen entwickelt habe.12 Für manche Psychologen tritt in dieser engen Mutterbindung aber insbesondere der Ödipus-Komplex des Hasses auf den Vater und der Verehrung der Mutter zutage.13 Die später intensiv gelebte Religiosität Francos wird indes nicht auf die pietistische Haltung der Mutter zurückgeführt. Vielmehr habe Franco erst unter dem Einfluss seiner Ehefrau und vor allem nach der Ausrufung zum Staatschef eine Hinwendung zur Kirche vollzogen. Für die Kindheits- und Jugendjahre war wohl eher bestimmend, was Franco selber später einmal bemerkte: Die Religion wurde als Frauenangelegenheit betrachtet.14
Der Bruder Nicolás stand dem Vater ganz offensichtlich charakterlich und menschlich deutlich näher und entwickelte, wie dieser, die Neigungen eines Lebemannes, der dem Geld und den weltlichen Genüssen außerordentlich zugetan war. Psychologischen Erklärungsansätzen zufolge kompensierte der jüngere Bruder Ramón die Kindheitserfahrungen wiederum durch ein hohes Maß an Extrovertiertheit und Geltungsbedürfnis. Er machte sich nicht nur als wagemutiger Pilot und Abenteurer einen Namen, der 1926 als erster Spanier im Wasserflugzeug den Südatlantik überquerte, sondern auch als gegen die Monarchie konspirierender Offizier mit anarchistischen Neigungen. Demgegenüber zeigte Franco frühzeitig ein starkes Pflichtgefühl sowie eine ausgeprägte Verwurzelung in traditionellen Vorstellungswelten. Und obwohl die drei Brüder charakterlich und in den politischen Einstellungen als von Grund auf verschieden gelten, blieb Franco seinen Geschwistern, anders als dem Vater, zeitlebens verbunden. Dies war sogar der Fall, als in späteren Jahren schwerwiegende, politisch begründete Konflikte um die republikanische Haltung von Ramón entstanden.
Anhand der Kindheitserlebnisse ist auch immer wieder Francos Verhalten als Soldat veranschaulicht worden. So argumentieren Autoren wie Luis Ramírez, dass er sich in den Balgereien mit Altersgenossen nicht nur seiner körperlichen Unterlegenheit bewusst gewesen sei; vielmehr habe er eine aggressive Hartnäckigkeit und ein listiges Verhalten entwickelt, das sich in seinem späteren Agieren als Offizier wiederfinde.15 Aus dem gescheiterten familiären Umfeld und der fehlenden väterlichen Anerkennung ist auf den beruflichen Ehrgeiz geschlossen worden: Franco habe in der Ablehnung des Vaters und aus Liebe zu seiner Mutter den festen Entschluss gefasst, ein vorbildlicher Offizier zu werden, wozu es der Vater eben nicht gebracht habe. Dies sei selbst noch viele Jahre später zu spüren gewesen, wie Paul Preston in suggestiver Weise herausstreicht:
»Ein grollender selbstmitleidiger Tonfall spricht aus seinen Ansprachen als Caudillo, als fortwährendes Echo jenes Kindes, das durch die Notlagen gezeichnet war, die wiederum eine jener Antriebskräfte darstellten, die ihn zu Höherem trieben«.16
Solche psychologisierenden Deutungsansätze entbehren nicht einer gewissen Plausibilität, doch sie sind aus methodischen Gesichtspunkten für die Rekonstruktion bestimmter, als kennzeichnend verstandener Aspekte der Persönlichkeit natürlich nicht unproblematisch.
Psychologen wie Andrés Rueda gehen sogar einen Schritt weiter und diagnostizieren bei Franco ein psychopathisches Verhalten und eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, die sich nicht nur in einer emotionalen Kälte und der Unfähigkeit zur Empathie manifestiert habe. Zu diesem krankhaften Verhalten habe auch gehört, dass sich Franco seine eigene Wirklichkeit geschaffen und die Fähigkeit entwickelt habe, andere zu manipulieren und zu dominieren. Er sei schließlich von Egozentrik und einem unersättlichen Machthunger besessen gewesen. In diesem Sinn habe er als Diktator seine eigenen Interessen und seinen Machterhalt schlichtweg als die Interessen der spanischen Nation verstanden.17 Gleichzeitig kommt Rueda aber auch nicht umhin zu konstatieren, dass dabei ein korrelierendes soziales Umfeld bestanden habe, das auf Francos Psychopathologie ansprach und mittels dessen sich die Etablierung der Diktatur erst erklären lasse.18 Franco habe folglich das Über-Ich der Massen verkörpert.19 Entsprechend kann er durchaus als spezifische Erscheinung der Zwischenkriegszeit verstanden werden, in der angesichts des als gescheitert wahrgenommenen liberaldemokratischen Gesellschaftsmodells eine Unterwerfung unter »Heilsfiguren« willig erfolgte, die wie im Fall Francos psychopathischen Persönlichkeitsmustern entsprachen.20
Unabhängig von solchen psychologischen Zugängen kommen die meisten Biographen überein, Franco habe eine schwierige Kindheit gehabt, die ihn zu einem schüchternen, unsicheren, im Umgang schwierigen und zurückgezogenen Menschen gemacht habe. Diese Unsicherheit habe mit sich gebracht, dass er kaum Freundschaften schloss. Für besonders kritische Autoren war Francos Psyche schlechthin durch die »Frustrationen seiner menschlichen Existenz« geformt worden.21
Allerdings lassen sich auch Gegenstimmen finden: So können wohlwollende Biographen wie etwa Hellmuth Günther Dahms keinen Makel in der Kindheit und im familiären Umfeld erkennen. Solche Familienverhältnisse seien im spanischen Mittelstand nicht unüblich gewesen, und man könne keinesfalls daraus schließen, dass es »zu dauernden Unstimmigkeiten zwischen den Eheleuten oder gar Entwicklungsstörungen bei den Kindern gekommen sei«.22 Manche Autoren wie Ricardo de la Cierva stellen sogar unumwunden fest, dass die Kinder eine glückliche und behütete Jugend verbracht hätten.23 Hierin zeigt sich freilich ein ideologisch bedingtes Bedürfnis, keinen Schatten auf das Leben und Lebenswerk Francos fallen zu lassen, was, wenig verwunderlich, auf sämtliche apologetischen Biographien zutrifft, die seit den Tagen des Bürgerkriegs verfasst wurden.
Viele Biographen Francos können sich darüber hinaus der Suggestivkraft von vermeintlich durch die Landschaft bedingten Prägungen und Charaktereigenschaften nicht entziehen. So wird Galiciern nachgesagt, nachdenkliche Naturen, zurückhaltend, vorsichtig sowie misstrauisch gegenüber fremden Menschen und neuen Ideen zu sein. Diese Wesensart entspräche in außerordentlicher Weise jener Francos. Diese Behauptung erweist sich auch dann als beständig, wenn gleichzeitig konstatiert wird, dass das hermetische militärische Milieu, in dem Franco aufwuchs, wohl nur wenig Kontakt mit der ortsansässigen Bevölkerung hatte.24 Das Bild des »typischen langsamen, schlauen und undurchdringlichen Galiciers«,25 der ein Talent für sphynxartige Zweideutigkeiten entwickelte, mit denen er unterschiedlichste Personen glauben machen konnte, er stehe auf ihrer Seite, prägte schon zu Lebzeiten die stereotype Vorstellung von Franco. Sie ist dabei gerne auf sein Agieren als Staatsmann übertragen worden.26 Mit dieser Art von Zuschreibungen setzt sich im Grunde jede biographische Annäherung an Franco auseinander, sei es auch nur, um im Gegenteil festzustellen, dass er alles andere als die den Galiciern zugesprochenen Eigenschaften besessen habe und sein Verhalten lediglich halsstarrig gewesen sei.27
Schließlich wird im Zusammenhang mit dem familiären Umfeld gerne noch ein weiterer Aspekt aufgegriffen, nämlich die vermeintliche jüdische Abstammung Francos. Hierauf wird meistens mit Blick auf seine Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Antisemitismus sowie die Behauptung Bezug genommen, Franco habe im Zweiten Weltkrieg tausende Juden vor dem Gang in die Vernichtungslager gerettet. So stellt José María Fontana, Mitbegründer der faschistischen Partei JONS, in seiner 1979 erschienenen Biographie unbekümmert fest:
»Sein Äußeres war durchaus sephardisch. Seine Anatomie, der olivfarbene Teint, der leicht gelockte und fettige Haaransatz, seine lebhaften und melancholischen Augen, der nicht besonders ausgeprägte muskuläre Aufbau bildeten zusammengenommen eine Erscheinung, die bei den Nazis heftigen Widerwillen hervorrief.«
Mit bemerkenswerter Sorglosigkeit übernimmt dieser Biograph rassenkundliche Kategorien der Vorkriegszeit, indem er bilanzierend feststellt:
»Er war kein reiner Jude, sondern ein Mestize, allerdings mit recht ausgeprägten jüdischen Merkmalen. Seine physische Erscheinung hatte rein gar nichts von der eines Kelten oder Galliers.«28
In diesem Zusammenhang wird gerne darauf verwiesen, dass sowohl der väterliche Nachname Franco als auch der mütterliche Bahamonde jüdischen Ursprungs seien.29 Bei aller genealogischen und namenskundlichen Spurensuche, zu der einschränkend gehört, dass eine Vielzahl spanischer Nachnamen auf jüdische Ursprünge zurückzuführen ist, sei sich Franco aber vor allem dieser Abkunft bewusst gewesen. Autoren wie der Rabbiner Chaim U. Lipschitz suggerieren sogar, Franco habe sich darüber hinaus diesem Erbe verpflichtet gefühlt. Hierdurch sei die Rettung sephardischer Juden überhaupt erst möglich gewesen.30
Die Behauptung, Franco sei Jude oder habe zumindest eine jüdische Abstammung, war im Spanien der Diktatur stark verbreitet, wenngleich er selbst zu keinem Zeitpunkt den Eindruck erweckt hat, dass er sich in irgendeiner Weise dem Judentum zugehörig fühlte. Franco hat sich aber auch nicht von solchen Behauptungen distanziert. Vielmehr kamen sie ihm nach 1945 im Rahmen der Lobbyarbeit des Regimes in Washington gelegen, nachdem er der Überzeugung war, dass jüdische (und freimaurerische) Organisationen die US-Regierung dominierten. Darüber hinaus wurden die Rettungsmaßnahmen für Sepharden für propagandistische Zwecke instrumentalisiert, um das der Diktatur anhaftende »faschistische Stigma« abzuschütteln.
Während bei Franco auch für die Jahre der »neuen europäischen Ordnung« nur wenige antisemitische Ausfälle bekannt sind, ist sein Hass auf die Freimaurerei zahlreich belegbar. Zur Erklärung werden insbesondere persönliche Erfahrungen kolportiert: Franco habe sich Mitte der 1920er Jahre und Anfang der 1930er Jahre – anders als im Fall seiner Brüder – vergeblich darum bemüht, in eine der im spanischen Establishment stark präsenten Logen aufgenommen zu werden. Der Widerstand gegen eine Zugehörigkeit sei dabei bemerkenswerterweise vor allem seitens jener Logenmitglieder erfolgt, die selbst Offiziere waren.31 Diese als erniedrigend empfundene Erfahrung bringt Francisco Umbral auf den Punkt, indem er Franco als »frustrierten Freimaurer« beschreibt.32 Auf diese Frustration sei die zeitlebens bestehende, tief empfundene Abscheu gegenüber der Geheimgesellschaft zurückzuführen, die mit der Machtübernahme Francos in einem Verbot der Freimaurerei und der erbarmungslosen Verfolgung der Anhänger mündete.
Wenngleich Franco die Erfüllung seines Traums einer Marineoffizierslaufbahn verwehrt blieb, bestand sein Wunsch fort, Soldat zu werden. 1907, mit 14 Jahren, trat er als einer der jüngsten Kadetten seines Jahrganges in die Akademie der Infanterie in Toledo ein, einer Offiziersschule, die im Alcázar untergebracht war, der als Befestigungsanlage aus der Zeit Kaiser Karls V. die Stadtsilhouette von Toledo dominierte. Damals bewarben sich noch zwei weitere Spielkameraden aus Ferrol um die Aufnahme in die Militärakademie. Dabei handelte es sich um seinen Cousin33 Francisco Franco Salgado-Araujo, der zunächst allerdings die Aufnahmeprüfung nicht bestand und erst im Jahr darauf den Lehrgang antreten konnte. Er wirkte später zeitlebens als Adjutant Francos. Der andere war Camilo Alonso Vega, dessen militärische Laufbahn ebenfalls eng mit der Francos verbunden blieb und der an der Seite des Diktators später zentrale Schaltstellen des politischen Systems übernahm. Zu diesem Jahrgang gehörten auch zwei weitere enge Weggefährten, Emilio Esteban Infantes und Juan Yagüe, denen ebenfalls führende Funktionen im Bürgerkrieg und in der Diktatur zukamen.
Mit dem Eintritt in die Militärakademie lebte Franco erstmals außerhalb seiner familiären Umgebung. Sein junges Alter, das im Vorfeld des Entschlusses im elterlichen Haus offenbar für Bedenken gesorgt hatte, gepaart mit seiner schmächtigen Konstitution, hat Franco in Toledo unterschiedlichen Überlieferungen zufolge zu schaffen gemacht. Als Internatszögling musste er auch die derben Späße und Streiche über sich ergehen lassen, die ältere Kadetten traditionell mit den neu hinzugekommenen anstellten. Was für manche als Initiationsritus innerhalb einer verschworenen Gemeinschaft im Nachhinein positiv besetzt sein mag, hat bei Franco vielmehr negative und besonders schmerzliche Erinnerungen hinterlassen. Noch im hohen Alter erinnerte sich Franco mit Bitterkeit daran zurück und sprach von einem »Leid geplagten Gang«, der den jungen Kadetten die Illusion eines brüderlichen Eintritts in die große Familie der Streitkräfte raubte.34 Bezeichnenderweise untersagte Franco in späteren Jahren als Kommandeur der Militärakademie von Zaragoza diese Tradition.
Gleichzeitig wird in Biographien gerne darauf verwiesen, dass Francos Reaktion auf solche Späße sein Ehrgefühl und seine Durchsetzungsfähigkeit offenbarten. So wird etwa eine Begebenheit im Zuge der Waffenausgabe kolportiert, bei der Franco aufgrund seiner Statur mit einem Gewehr ausgestattet wurde, dessen Lauf gestutzt worden war. Wenngleich diese Anekdote in unterschiedlichen Varianten kursiert und es dazu auch heißt, dass die Ausgabe kürzerer Waffen im Fall der jüngeren Kadetten üblich gewesen sei, wird hierin häufig eine erniedrigende Sonderbehandlung gesehen, die Franco entrüstet zurückgewiesen habe. In einer weiteren ebenfalls unterschiedlich überlieferten Anekdote heißt es, dass die Zimmergenossen Franco einen Streich spielten, indem sie eine Reihe seiner Bücher versteckten. In der Folge habe er aus Verärgerung einen Lampenleuchter gegen seine Kameraden geschleudert. Als die daraus resultierenden Rangeleien zwischen den Kadetten disziplinarische Folgen für Franco hatten, habe sich dieser nicht mit einer Schuldzuweisung gegenüber seinen Kameraden verteidigt. Das habe großen Eindruck auf die Beteiligten gemacht und ihm Anerkennung eingebracht.35 Ungeachtet der Plausibilität solcher Anekdoten verbindet sich mit deren Erwähnung stets die Absicht der Biographen, herauszustreichen, dass in Toledo nicht nur Francos Entschlossenheit und Ehrgefühl zum Tragen gekommen seien, sondern er damals vor allem gelernt habe, sich jenen Respekt zu verschaffen, der ihm sein gesamtes Leben hindurch attestiert wurde.
Fern der Heimat begann jedenfalls die Offiziersausbildung, in der Ehre, Gehorsam und Disziplin die Leitbegriffe darstellten. Sie behielten für Franco nicht nur im Militärischen Gültigkeit, sondern wurden von ihm in späteren Jahren auch auf das politische Leben übertragen. Über allem stand aber der Kult des Nationalen, der nicht zuletzt in der Erinnerung an die imperiale Größe Spaniens gründete.
Die Ausbildung orientierte sich an den Maßstäben des ausgehenden 19. Jahrhunderts und insbesondere an den Erfahrungen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, wobei der Infanterie und der Kavallerie die zentrale Rolle innerhalb der Streitkräfte beigemessen wurde. Waffentechnische Innovationen, vor allem im Bereich der Artillerie, wie sie von den großen europäischen Mächten zu der Zeit eingeführt wurden, gehörten nicht dazu. Militärhistoriker verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass die sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten Spaniens kostspielige Investitionen in moderne Waffentechnik unmöglich machten und das Augenmerk letztlich konsequenterweise auf den Korpsgeist und die Offensivkraft der Infanterie gelegt wurde.36
In der Erinnerung Francos stellte ganz in diesem Sinne die Anwesenheit hochdekorierter Veteranen als leuchtendes und heldenhaftes Vorbild das prägendste Erlebnis seiner Zeit in der Militärakademie dar. Selbst in seinen in hohem Alter verfassten knappen und fragmentarisch überlieferten Erinnerungen zeigte er sich immer noch sichtlich beeindruckt vom Auftritt eines Majors, der die Laureada als höchste militärische Tapferkeitsauszeichnung erhalten hatte:
»Er hatte sich mit einer schieren Klinge bewaffnet dem Feind gestellt; sein Schädel war gezeichnet von den ruhmreichen Narben der erlittenen Hiebe des gegnerischen Hackmessers. Das allein lehrte uns mehr als alle anderen Unterrichtsfächer«.37
Anhand solcher Begebenheiten wird gerne Francos späteres Verhalten im marokkanischen Kolonialkrieg und vor allem im Bürgerkrieg plausibilisiert.
Franco scheint im innerhalb der Mauern der Militärakademie von Männlichkeitsritualen dominierten Milieu ein Außenseiter geblieben zu sein, der sich nicht nur den Respekt seiner Kameraden erarbeiten musste. Der Überlieferung zufolge zeigte er auch keine Neigung zu den in Offizierskreisen verbreiteten Alkoholexzessen und amourösen Eskapaden. Seine damaligen Beobachtungen scheinen ihn jedoch sichtlich beeindruckt zu haben, gehörte es doch zu einem seiner Anliegen in der späteren Zeit als Chef der Militärakademie von Zaragoza, venerischen Krankheiten vorzubeugen, etwa durch die befohlene Nutzung von Präservativen. Franco habe außerhalb der Kaserne das vorgeschriebene Mitführen von Präservativen zuweilen sogar persönlich überprüft.
In die Zeit der Ausbildung in Toledo fiel der durch aufständische Berberstämme verübte Überfall im Hinterland der spanischen Küstenstadt Melilla im Juli 1909, der den Auftakt eines kräftezehrenden Krieges im marokkanischen Protektorat bildete. Gerade für Offiziersanwärter stellte diese erste militärische Auseinandersetzung seit dem »Desaster von 1898« ein besonders aufwühlendes und intensiv verfolgtes Ereignis dar. In jenem Jahr erfuhr Franco auch von den Unruhen in Barcelona in Folge der Einberufung von Reservisten für den Einsatz in Marokko, die als »tragische Woche« Einzug in die Geschichtsbücher fanden. Während es für die sich auflehnende Arbeiterschaft in diesem Krieg allein um die Wahrung der Interessen spanischer Bergbauunternehmer in Marokko ging und die betroffenen Familien aus dem Arbeitermilieu mit der Einberufung der Familienväter vor kaum lösbare Existenzprobleme gestellt wurden, stand für das Madrider Establishment und nicht zuletzt für das Offizierskorps die Verteidigung der nationalen Ehre im Vordergrund. Die Proteste wurden als antipatriotisch und als Angriff auf die Pflichterfüllung der Streitkräfte empfunden. Die Kadetten erfuhren am Beispiel der blutgetränkten militärischen Unterdrückung der Aufstände aber auch, dass es zu den Pflichten der Streitkräfte gehörte, gegen innere Feinde des Vaterlandes vorzugehen. Damit offenbarte sich ein durch die Gesellschaft verlaufender Graben, der sich in den folgenden Jahrzehnten weiter vertiefte. Der Aufschrei der ausländischen Presse, insbesondere Frankreichs, gegen die rücksichtslose Niederschlagung der Aufstände in Barcelona und die sich daran anschließende brutale Strafverfolgung schürten bei den Kadetten wiederum das Misstrauen gegen ausländische Mächte und vor allem gegen den seit jeher als Rivalen verstandenen Nachbarn nördlich der Pyrenäen.
Franco beendete seine Offiziersausbildung im Frühsommer 1910. Sein Leistungsergebnis lag weit unter dem Durchschnitt. Der weiteren militärischen Laufbahn stand das allerdings nicht entgegen. Franco erreichte als Erster seines Jahrganges den Generalsrang. Wohlwollende Franco-Biographen, die das schwache Leistungsergebnis gerne übergehen, streichen entsprechend die Entschlossenheit und den Mut des jungen Offiziers heraus, der unmittelbar mit dem Ende seiner Ausbildung den Antrag gestellt habe, nach Afrika abkommandiert zu werden.38 Allem Anschein nach hatte jedoch die Gesamtheit der Absolventen einen entsprechenden Antrag gestellt, der im Falle Francos, sei es aufgrund des fehlenden Bedarfs an Offizieren, seines jungen Alters oder seines Abschlussergebnisses, abschlägig beschieden wurde.
Franco wurde einem regulären Regiment unweit seines Geburtsortes zugeteilt. Erst Anfang 1912 erhielt er zusammen mit seinem Weggefährten Camilo Alonso Vega und seinem Cousin Francisco Franco Salgado-Araujo den Versetzungsbefehl zum Einsatz in Marokko, wo bereits manche seines Jahrganges aufgrund von Kriegsmeriten befördert, andere hingegen gefallen waren. Selbst in diesem Zusammenhang streichen Apologeten den Wagemut Francos heraus: Er habe bei gefährlich stürmischem Wetter seine Weggefährten dazu gebracht, von Ferrol aus ein kleines Boot zur Fahrt in die Provinzhauptstadt zu besteigen, um möglichst frühzeitig nach Melilla zu gelangen.
1So etwa in seinen im hohen Alter entstandenen, auszugsweise publizierten Erinnerungsdiktaten. Vgl. Pozuelo, últimos, S. 88.
2Vgl. Andrés Rueda: Vengo a salvar a España. Biografía de un Franco desconocido. Madrid: Nowtilus, 2005 (Neuauflage unter dem Titel: Franco. El ascenso al poder de un dictador. Madrid: Nowtilus, 2013); Gabrielle Ashford Hodges: Franco. A Concise Biography. London: Weidenfeld & Nicholson, 2000; Enrique González Duro: Franco. Una biografía psicológica. Madrid: Temas de Hoy, 1992.
3So schon in Luis Moure-Mariño: Das geistige Profil Francos. Berlin: Germania, 1939, S. 11.
4Vgl. Franco Salgado-Araujo, conversaciones, S. 159 (22. Januar 1956).
5Paul Preston: Franco. »Caudillo de España«. Barcelona: Grijalbo, 1994, S. 23. Vgl. auch González Duro, biografía, S. 28.
6Vgl. Bartolomé Bennassar: Franco. Paris: Perrin, 1995, S. 259.
7González Duro, biografía, S. 39.
8Francisco Franco Bahamonde: Papeles de la guerra de Marruecos. Diario de una bandera. Madrid: Fundación Nacional Francisco Franco, 1986, S. 60.
9Franco Salgado-Araujo, vida, S. 14.
10So etwa in Jaraiz Franco, disidencia, S. 59 f.
11Vgl. etwa Enrique Salgado: Radiografía de Franco. Barcelona: Plaza & Janés, 1985, S. 14 f.
12Vgl. hierzu etwa Hodges, Franco, S. 14.
13Rueda, salvar, S. 34; Hodges, Franco, S. 20; vgl. auch González Duro, biografía, S. 28, 33; Salgado, radiografía, S. 79.
14Vgl. Pozuelo, últimos, S. 86.
15Luis Ramírez [Luciano Rincón]: Francisco Franco. Historia de un mesianismo. Paris: Ruedo Ibérico, 1964, S. 39.
16Preston, Franco, S. 24.
17Carlos Blanco Escolá: Franco. La pasión por el poder. Barcelona: Planeta, 2005, S. 12, 31.
18Rueda, salvar, S. 29.
19Salgado, radiografía, S. 23.
20Blanco Escola, pasión, S. 31 ff.; vgl. auch Salgado, radiografía, S. 102.
21Ramírez, mesianismo, S. 34, 42; vgl. auch Hodges, Franco, S. 13 f.; González Duro, biografía, S. 28 f.
22Dahms, Franco, S. 10 f.; vgl. auch Claude Martin: Franco, Soldat et Chef d'Etat. Paris: Quatre Fils Aymon, 1959, S. 12.
23Vgl. Ricardo de la Cierva: Francisco Franco. Un siglo de España, Bd. 1. Madrid: Editora Nacional, 1972, S. 24; ders., Franco. Barcelona: Planeta, 1986, S. 25 f.
24Vgl. Dahms, Franco, S. 10. Vgl. auch Crozier, Franco, S. 35; Philippe Nourry: Francisco Franco. La conquête du pouvoir, 1892 – 1937. Paris: Denoël, 1975, S. 27 f.
25Preston, Franco, S. 80 sowie ferner S. 172.
26So bereits Moure-Mariño, Profil, S. 9, 39.
27Pedro Sainz Rodríguez: Testimonio y recuerdos. Barcelona: Planeta, 1978, S. 342.
28José María Fontana: Franco. Radiografía del personaje para sus contemporáneos. Barcelona: Acervo, 1979, S. 39. Ähnliche Argumentation etwa bei Coles, Franco, S. 105 f. oder bei Sainz Rodríguez, testimonio y recuerdos, 1978, S. 342.
29Vgl. Miquel Figueras i Vallès: Las raíces judías de Franco. Barcelona, o. J. [1993].
30Vgl. Chaim U. Lipschitz: Franco, Spain, the Jews, and the Holocaust. New York: KTVA, 1984, S. 169 f.
31Vgl. hierzu Miquel Figueras i Vallès: Por qué Franco no fue masón. Barcelona: Ariel, 1992, S. 75 f.
32Vgl. vor allem: Francisco Umbral: Leyenda del césar visionario. Barcelona: Seix Barral, 1991, S. 52 f.
33Sie waren einerseits Cousins zweiten Grades. Francisco Franco Bahamonde war darüber hinaus auch ein Neffe, ebenfalls zweiten Grades, von Francisco Franco Salgado-Araujo. Beide verstanden sich – wohl aufgrund des ähnlichen Alters – als Cousins.
34So in seinen »Erinnerungen«, in: Pozuelo, últimos, S. 93, 97.
35De la Cierva, siglo, I, S. 54. Abweichend hierzu: George Hills: Franco: The Man and his Nation. London: Hale, 1967, S. 62.
36Jensen, Soldier, S. 12.
37So Franco in seinen Diktaten. Vgl. Pozuelo, últimos, S. 100.
38Vgl. Hills, The Man, S. 77; Suárez Fernández, tiempo, I, S. 97; ders., Franco (2005), S. 8.
»Meine Jahre in Afrika leben mit einer unsagbaren Kraft in mir fort. Dort erwuchs die Möglichkeit der Errettung des großen spanischen Vaterlandes. Dort entstand die Begründung jenes Ideals, das uns nun erlöst. Ohne Afrika kann ich mich kaum selbst erklären und mich auch nicht meinen Waffenbrüdern gegenüber begreifbar machen«.1
