Fräulein Johanne - Paul Heyse - E-Book

Fräulein Johanne E-Book

Paul Heyse

0,0
0,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In Paul Heyses Erzählung "Fräulein Johanne" entfaltet sich ein vielschichtiges Porträt einer jungen Frau, die in der breiten sozialen und emotionalen Landschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts navigiert. Mit seiner charakteristischen Stilistik, die gekonnt psychologische Einsichten mit präziser Beobachtung verbindet, entführt Heyse die Leser in das Gefühlsleben und die Erwartungen der damaligen Gesellschaft. Durch die gelungene Verbindung von realistischen Elementen und romantischen Anklängen spiegelt das Werk die Spannungen zwischen individuellem Streben und gesellschaftlichen Normen wider, was es zu einem bemerkenswerten Beispiel für den literarischen Realismus seiner Zeit macht. Paul Heyse, ein vielseitiger Schriftsteller und Träger des Literaturnobelpreises 1910, wurde von den sozialen Dynamiken seiner Epoche geprägt. Aufgewachsen in einer Künstlersozialisation, ließ seine umfassende Bildung sowie seine Reiseerfahrungen ein tiefes Verständnis für menschliche Beziehungen und Emotionen in seine Werke einfließen. Diese biografischen Elemente spiegeln sich in den nuancierten Charakterdarstellungen und der psychologischen Tiefe von "Fräulein Johanne" wider. Dieses Buch sei jedem der literarischen Sophistication und psychologischen Tiefe schätzt, ans Herz gelegt. Heyses meisterhaftes Geschichtenerzählen und seine Fähigkeit, die innere Welt seiner Protagonistin zum Leben zu erwecken, bieten eine fesselnde Lektüre, die sowohl zeitgenössische als auch moderne Leser ansprechen wird.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Paul Heyse

Fräulein Johanne

Ein Einblick in das bürgerliche Leben und die Frauenkonventionen der deutschen Romantik und Realismus im 19. Jahrhundert
Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547839729

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text

Fräulein Johanne

Inhaltsverzeichnis
Fräulein Johanne.
Novelle von Paul Heyse.

Es ist nun zwölf oder gar schon dreizehn Jahre her, erzählte mir mein Freund, der Landschaftsmaler R., da erlebte ich etwas sehr Seltsames, – gottlob nicht an der eigenen Haut, sondern nur als teilnehmender Zuschauer –, etwas, das Sie wohl auch interessieren wird, da Sie bei Ihrem novellistischen Metier auf psychologisch merkwürdige Fälle ein Auge zu haben pflegen. Ich selbst hatte lange nicht mehr daran gedacht; ein altes Skizzenbuch aus jener Zeit hat mir vor kurzem die Geschichte wieder in Erinnerung gebracht. Wenn Sie sie hören wollen –

Nun denn, es war im frühen Frühling Anfang Mai, ich hatte einen etwas stürmischen Karneval hinter mir, obwohl ich schon damals kein „heuriger Has“ mehr war, wie man in München sagt. Aber eine unglückliche Liebesgeschichte wollte ich abschütteln und brauchte dazu das bekannte unzweckmäßige Mittel, mich „zu betäuben“ durch allerlei abgeschmackte sogenannte Vergnügungen. Fürchten Sie nicht, daß ich Sie mit dem Zustand meines Herzens langweilen werde. Zum Glück ist es über der alten Geschichte, die ewig dieselbe ist, nicht gebrochen, und es war auch meine erste nicht. Also wußte ich einigermaßen Bescheid und beschloß, nachdem ich mich von dem verfehlten Versuch, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben, ein wenig erholt hatte, meine Zuflucht wieder zu den einzig wirksamen Nothelferinnen zu nehmen, der Natur und meiner Arbeit.

Der Wald war noch ziemlich kahl in dieser Jahreszeit, und in den Bergen ließ sich nicht gut hausen, da man immer noch auf Winterrückfälle gefaßt sein mußte. Nun aber lag mir schon seit längerer Zeit ein altes Nest in Mittelfranken im Sinn, das mich jedesmal, wenn ich mit dem Schnellzug daran vorbeigesaust war, sehr einladend angeblickt hatte. So eins von den auf den Aussterbeetat gesetzten Städtchen, an denen in unserm Bayern kein Mangel ist, die nur noch einen Altertumswert haben und über hundert Jahr so verödet sein werden wie Herculanum und Pompeji. Aber für ein Malergemüt ist das kein Schade. Und jenes Ziel meiner Sehnsucht – auch Sie, die Sie mir ja zuweilen ins Handwerk pfuschen, hätten Ihre Freude daran gehabt, wie die alten stark verräucherten Häuser so malerisch zu Füßen der dichtbebuschten Höhe lagen, in der Mitte die Kirche, freilich nicht über dreihundert Jahre alt, und auf dem Hügel droben das Trümmerwerk der Burg mit ein paar Turmfragmenten und bezinnten Mauern, durch deren leere Fensterhöhlen der dichte Epheu hinaufgekrochen war, der vom Grund aus seine armsdicken Aeste um die ganze verfallene Herrlichkeit geklammert hatte.

Es war schon Nacht, als ich mit dem schläfrigsten aller Bummelzüge die Station erreichte. Niemand außer mir stieg hier aus.

Der Bahnhofsinspektor, den ich befragte, welchen Gasthof er mir empfehlen könne, musterte mich von Kopf bis Fuß wie jemand, der nicht ganz richtig unter dem Hute sei. Da dieser Hut aber ein Künstlerhut war, besann er sich, daß man sich von Leuten meines Schlages allerlei Verrücktheiten zu versehen habe, und erwiderte, Gasthöfe, in denen man leidlich unterkommen könne, gebe es nur einen, denn in den paar Wirtschaften und Ausspannen, die noch außerdem Nachtherberge gäben, sei für einen Herrn aus der Stadt kein anständiges Quartier zu finden. Auch der Gasthof zum Bayrischen Löwen sei nicht mehr, was er früher gewesen, der Wirt sei verstorben, die Wirtin krank, der einzige Sohn in die Welt gegangen. So hätte die Wirtin auch die Brauerei aufgegeben und ihre Aecker verpachtet. Es sei aber ein sehr reinliches Haus, und auch mit der Küche würde ich zufrieden sein.

***

Der Ort lag noch eine gute Strecke vom Bahnhof entfernt. Ein Bauer, der einen Wagen voll Kohlköpfen zum Verladen herangefahren hatte, machte mir den Vorschlag, mich und mein Gepäck nach dem Gasthof zu bringen. Ich zog es aber vor, zu Fuß zu gehen, lud meinen Handkoffer, Malkasten und Staffelei einem rüstigen Burschen auf die Schulter und wanderte sehr guter Dinge die Kastanienallee entlang, die in einem weiten Bogen nach dem Städtchen führte.

Es war eine köstliche Nacht, kein Mondschein, aber der Himmel hell von zitternden Sternen und jene reine scharfe Kühle in der stillen Luft, die mir nach der staubigen Fahrt unsäglich wohlthat. Als der Weg die letzte Biegung machte, sah ich zwischen den noch dünn belaubten Wipfeln die schwarze Silhouette der Burgtrümmer am silberweißen Hintergrund sich abzeichnen und unterschied deutlich die dünnen Stämmchen der kleinen Bäume, die oben auf dem Mauerrand aufgesprossen waren. Kein Laut weit und breit, als hin und wieder ein Hund, der aus dem Schlaf bellte. Auch mein Begleiter that den Mund nicht auf, und ich war so in meine helldunkle, sentimentale Stimmung versunken, daß ich keine gleichgültige Zwiesprach anknüpfen mochte.