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Feinfühlig, wahrhaftig und mit der genau richtigen Dosis Sommer erzählt Freitauchen vom Erwachsenwerden, von der Trauer und der Liebe
Delphine glaubte, El Hierro hinter sich gelassen zu haben: die Insel, das Tauchen, ihre Familie. Doch nach Jahren des Schweigens kehrt sie zurück, um von ihrem Zwillingsbruder Abschied zu nehmen, der beim Tauchen verunglückt ist. Die Tage sind heiß, die Sonne gnadenlos, und mit der staubigen Luft steigen verdrängte Erinnerungen auf. Auch die scheinbar sorglose Welt ihrer Eltern bekommt Risse. Tragen sie eine Mitschuld am Tod ihres Bruders? Und wieso ist Yann, einst dessen größter Konkurrent um sportliche Rekorde, heute überall dort, wo ihr Bruder jetzt fehlt?
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Zum Buch
»Irgendwann wird meine Mutter erzählen, dass es der Wind war, der die Nachricht von Dillons Tod bis in alle Ecken dieser Welt getragen hat.«
Wenn Delphine von El Hierro aus auf das Meer blickt, fühlt sie vor allem eines: dass sie nicht an diesen Ort gehört. Eigentlich hatte sich die junge Frau geschworen, der Insel für immer den Rücken zu kehren. Doch dann verunglückt ihr Zwillingsbruder beim Tauchen, und Delphine bleibt keine andere Wahl, als sich ihren Ängsten zu stellen. Unter der sengenden Sommersonne der Kanaren wird sie schnell von den Schatten der Vergangenheit eingeholt, und lang verdrängte Erinnerungen und unterdrückte Spannungen brechen sich Bahn: Der unausgesprochene Konflikt mit ihrer Familie, die trotz grenzenloser Freiheit am Ende verlorene Kindheit und der brennende Wunsch, ihrem Leben eine ganz andere Richtung zu geben, als ihre Eltern eingeschlagen haben.
Zur Autorin
Anna Rosina Fischer hat bereits mehrere erfolgreiche New-Adult-Romane veröffentlicht. »Freitauchen« ist ihr literarisches Debüt. Wenn sie nicht gerade neue Ideen zu Papier bringt, arbeitet sie in einem großen dänischen Unternehmen oder prokrastiniert professionell beim Streicheln ihrer Katzen. Anna Rosina Fischer lebt, liebt und leidet in Berlin.
Anna Rosina Fischer
Freitauchen
Roman
Ecco
www.eccoverlag.de
Originalausgabe
© 2026 Ecco Verlag in der
Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Valentinskamp 24 · 20354 Hamburg
Covergestaltung von zero-media.net, München
Coverabbildung von SKC / Stocksy
E-Book-Produktion von GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783753001234
Jegliche nicht autorisierte Verwendung dieser Publikation zum Training generativer Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) ist ausdrücklich verboten. Die Rechte der Urheberin und des Verlags bleiben davon unberührt.
Bin im Mar de las Calmas. Brauche Ruhe.
Zwanzig lange Minuten habe ich mir seine Nachricht immer wieder aufs Neue durchgelesen. Habe jedes Wort, jeden Buchstaben auf seine Bedeutung hin analysiert. Seit dieser Nachricht herrscht Funkstille. Seitdem hat er mir auf keine einzige Frage mehr geantwortet.
Es waren nicht allzu viele.
Nur zwei.
Die erste lautete:
Spinnst du?
Und die zweite:
Brauchst du Hilfe?
Doch ich erhalte nichts als Schweigen.
Dabei war ich vorhin noch so froh, dass er endlich schwieg. Dass er seine Szene beendet hat und abgehauen ist. Nachdem ich mir stoisch jeden einzelnen Vorwurf angehört habe, den er mir zu machen hatte. Das hatte er verdient, denn ich habe jeden einzelnen davon verdient. Ich war kurz davor, schwach zu werden. Ihm das zu geben, was er sich erhofft hat. Ich konnte es in seinen erwartungsvollen Augen sehen. Da waren nicht nur Wut und Zorn und Enttäuschung. Da war auch Hoffnung. Aber ich habe mich nicht überwinden können. Nicht direkt vor dem Supermarkt. Vor den Augen von … allen. Als er das begriffen hat – als er es endlich begriffen hat –, konnte ich in seinem Blick nur noch eines erkennen: Resignation.
Noch während ich die Gasse Richtung Hafen hinunterrenne, wähle ich fortlaufend seine Nummer, doch die Stimme am anderen Ende der Leitung ist immer wieder dieselbe. Mit immer wieder demselben Satz: »Die gewählte Rufnummer ist zurzeit nicht erreichbar.«
Als ich in der Marina ankomme, bemerke ich sofort, dass das Schlauchboot fehlt. Ich habe keine Zeit nachzudenken, ich habe keine Zeit, Maxime um Erlaubnis zu bitten, ich kann einfach nur machen, also schwinge ich mich kurzerhand auf einen seiner zwei Jetskis. Ich weiß, wenn ich wieder zurück bin, wird mir erst Pilar – die fürsorglichste Hafenmeisterin der Welt – die Leviten lesen und danach Maxime. Wenn.
Mit dröhnendem Motor verlasse ich die Anlegestelle. Ich bin zu laut, zu schnell, ich bin das Gegenteil von vorhin. Je lauter er wurde, je verzweifelter, umso stiller wurde ich. Was sollte ich auch sagen? Er hatte recht. Mit allem.
Mit zusammengekniffenen Augen kämpfe ich mich hinaus aufs offene Meer. Heute ist ein beschissener Tag, um rauszufahren. Heute ist generell ein beschissener Tag. Regen und Wind peitschen mir hart ins Gesicht, als hätte ich es genau so und nicht anders verdient. Heftige Frühjahrsstürme sind für die nächsten Tage angesagt, und niemand, der auch nur einen Funken Verstand besitzt, setzt sich bei diesem Wetter in ein Schlauchboot. Oder auf einen Jetski. Aber er war nicht bei Verstand.
»Weißt du, was?«, hat er mich vor der Ladentür gefragt, die sich in einer Tour öffnete und schloss, weil wir zu dicht an der Lichtschranke standen. »Fick dich!«
Ich habe seine Worte angenommen. Dass er sie mir nicht schon viel früher ins Gesicht gespuckt hat, grenzt an ein Wunder. Und dann hat er mich stehenlassen. Und ich habe es hingenommen, weil es sein gutes Recht war, mich stehenzulassen und sich kein einziges Mal mehr umzudrehen. Das war sein scheißverficktes Recht.
Es ist die perfekte Kulisse.
Sanfte Wellen schwappen unter ihren Brettern hindurch. Wiegen sie wie Eltern ihr Kind. Die Sonne, rot und groß am Horizont, stippt ihre Fühler ins Wasser. Eine alles einnehmende Stille umgibt sie. Umgibt uns.
Es ist die perfekte Kulisse.
Für einen romantischen Ausflug, für einen Heiratsantrag, um … die Welt eine Weile anzuhalten und sie in einem anderen Licht zu betrachten. Vielleicht in einem besseren.
Es ist die perfekte Kulisse.
Ich wünschte, du könntest es sehen. Aber du bist nicht bei mir. Und das versaut mir jeden Augenblick wie diesen auf ewig.
Ich fühle mich wie ein Zaungast. Wie jemand, der gerade nicht dazugehört und vielleicht nie dazugehört hat. Eine Außenstehende, die zufällig vorbeigekommen ist und nun verwundert die Szenerie betrachtet.
Mehrere Dutzend Menschen auf Surfbrettern, in kleinen Booten, auf Jetskis, überall Blumen, ein ganzes Meer voll. Musik erklingt.
Boys Don’t Cry. Es ist dein Lieblingssong. Es war dein Lieblingssong.
Ich fand schon immer, dass die Melodie mit dem Text kollidiert. Jetzt tut sie es mit diesem Moment.
Ich stehe an Land. Nur ich. Allein auf der Zunge aus Lavagestein, die sich vor zehntausend Jahren träge ins Meer ausgerollt hat, um darin zu erstarren. Der Wind peitscht mir das lange rote Haar ins Gesicht; es glänzt im Licht der untergehenden Sonne.
Selbst die Alten und Gebrechlichen, die Schwangeren und Übergewichtigen sitzen in kleinen schwankenden Booten. Aber mich bekommt niemand da raus. Aufs Meer. Ins Wasser.
Ich wusste, dass es eines Tages jemanden von uns zu sich holen würde. Aber es hilft mir nicht, es macht nichts leichter oder irgendwie erträglicher, dass ich es wusste.
Ich höre das leise Flüstern der Melodie, die der Wind aufs offene Meer trägt.
Der Wind. Er steht günstig an diesem Tag.
Der Tag, an dem deine Asche weit verstreut auf der Wasseroberfläche landet und langsam sinkt, um sich mit dem Meeresboden zu verbinden.
***
Als wäre sie mein letzter Halt, umfassen meine Finger die kleine Bierflasche, während ich mich zu den anderen geselle.
Die anderen.
Ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus Lebenskünstlern, Selbstdarstellerinnen, Sinnsuchenden. Die üblichen Verdächtigen, die sich, seit ich denken kann, um meinen Vater scharen wie um einen selbst ernannten Guru. Seine Religion ist das Tauchen ohne Hilfsmittel. Freediving, Apnoe. Es gehört zu seinem Leben wie für den Rest der Menschheit das Atmen – etwas, ohne das er sehr lange auskommt.
Ungläubig beobachte ich das Geschehen. Lichterketten wurden aufgehängt, Fackeln in den Rasen gerammt, eine Außenbar zusammengezimmert. Vielleicht existiert sie auch schon länger, ich weiß es nicht, es interessiert mich auch nicht.
Meine Eltern weigern sich zu trauern. Es passt einfach nicht zu ihrem Lifestyle. Deswegen feiern sie. Darin sind sie gut. Und alle, die heute hier anwesend sind, werden irgendwann sagen: »Wisst ihr noch? Damals? Die Beerdigung von Dillon? Fuck, ja, Mann! Das war ’ne krasse Party.«
Das letzte Licht des Tages hat sich endgültig von El Hierro verabschiedet, der kleinsten, jüngsten, westlichsten und südlichsten Insel der Kanaren am Ende Europas – einst sogar am Ende der Welt –, und zieht weiter nach Westen. Hierher verirrt sich niemand, der Sangria bevorzugt aus Eimern schlürft.
Der Pool bleibt verwaist zurück. Alle haben sich um die Feuerstelle versammelt, starren schweigend in die Flammen, als würde sie ein Blick hinein irgendeiner Wahrheit ein bisschen näherbringen.
Vielleicht erkennen sie ja in diesem stillen Moment, was für Blender sie sind.
Aus allen Winkeln dieser Welt haben sie hierhergefunden, ich eingeschlossen. Zwei volle Tage habe ich gebraucht, um nach El Hierro zu gelangen, manch anderer noch länger. Es sind so viele gekommen, dass auf unserem weitläufigen Grundstück außerhalb des kleinen Ortes Taibique und weit abgelegen von anderen Häusern kaum noch ein freies Plätzchen zu finden ist. Dillons Beerdigung wird die Tourismuszahlen auf der Insel in diesem Jahr komplett aus dem Ruder laufen lassen.
Mein Tod würde bestimmt nicht in einem solchen Happening ausarten. Wahrscheinlich würden alle Menschen, die meiner Beerdigung beiwohnen möchten, in einen Kleinwagen passen. Marke Mini Cooper.
Die gemächlich einsetzende Dunkelheit schlägt aufs Gemüt, macht nachdenklich, lässt Gefühle zu.
»Was für eine verdammte Scheiße«, seufzt Peaches.
»Ja«, stimmt Camille, deren Haar sogar ohne Sonnenlicht wirkt, als wäre es aus Goldfäden gesponnen, ihr zu. »Warum ausgerechnet er?«
Ich wage es nicht aufzusehen und beobachte weiter die tanzenden Flammen. Ich habe Angst, ein Blick könnte mich treffen. Oder viele. Und dass alle dasselbe bedeuten würden: Warum er? Warum nicht du?
Tuula, meine Mutter, meine wunderschöne Mutter mit den langen roten Locken, erhebt sich vom Schoß meines Vaters und wandelt anmutig – als würde sie schweben – zur gegenüberliegenden Seite des Feuers. Barfuß und nur mit einem luftigen Kaftan bekleidet, hockt sie sich neben Yann. Sie nimmt ihn in den Arm, streicht ihm die dunklen Haare aus dem Gesicht und küsst ihn fest auf den Mund.
Mir klappt die Kinnlade herunter. Solch überschwänglicher Körperkontakt ist für meine Mutter nicht ungewöhnlich – aber doch nicht bei Yann. Dass er überhaupt bei Dillons Beerdigung anwesend ist, wundert mich schon extrem.
»Du warst sein bester Freund, erzähl uns eine Geschichte von ihm, die ich noch nicht kenne!«, fordert sie ihn jetzt auf und schmiegt ihren Kopf an seine Schulter.
Yann? Dein bester Freund? Wann ist das passiert?
Ich nippe zum ersten Mal an dem Bier, um meine Überraschung zu verbergen. Wie kann ich auch nur annehmen, dass sich in sechs Jahren nichts verändert hat? Ich habe mich schließlich auch verändert, aber Dillon … Dillon wird für mich immer der bleiben, der er war, als ich ihn verließ. Und damals war er mit Sicherheit nicht Yanns bester Freund.
Yann greift nach der Hand meiner Mutter. Ich erkenne, dass der schwarze Lack an seinen Nägeln abgesplittert ist.
Wusstest du, dass er sich immer noch die Nägel lackiert? Natürlich wusstest du das … als sein bester Freund.
Er trägt ein weißes luftiges Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln, dazu schwarze Jeans. Ich betrachte die anderen. Niemand trägt Schwarz. Wahrscheinlich hat meine Mutter auf die Einladung geschrieben, dass davon abzusehen sei. Aber nein, es ist absurd zu glauben, dass Tuula überhaupt Einladungen zu einer Beerdigung verschickt hat. Das hat bestimmt Peaches für sie übernommen, und irgendwann wird meine Mutter erzählen, es sei der Wind gewesen, der die Nachricht von Dillons Tod bis in alle Ecken dieser Welt getragen habe.
»Erinnert ihr euch noch an den Tag, an dem Dillon und ich unten am Hafen Ärger mit den alten Männern hatten?«, beginnt Yann zu erzählen. Es ist merkwürdig, seiner Stimme zu lauschen. Hier, auf dem Grundstück meiner Familie. Vollkommen frei von Hohn und Spott. Nicht so, wie ich ihn in Erinnerung habe. »Maxime und du, ihr habt gerade eure Gäste eingesammelt, das Gepäck in den Van geladen, und wir nutzten die Zeit zum Skaten.«
Meine Mutter nickt. »Als wir fertig waren, fanden wir euch umzingelt von Senioren wieder«, sagt sie lächelnd, als hätte sie die Szene noch genau vor Augen.
»Sie beschwerten sich lautstark«, fährt Yann fort. »Wir hätten mit unseren Rollen die weiße Wand beschmutzt. Sie drohten uns mit ihren Stöcken eine Tracht Prügel an. Doch wir haben sie die ganze Zeit nur ausgelacht. ›Es ist doch nur eine Wand‹, haben wir immer wieder gesagt, ›nur eine Wand, wie kann man sich darüber nur so aufregen?‹, haben wir gesagt und sind abgehauen. Aber noch in derselben Nacht stand Dillon mit einem Eimer weißer Farbe vor meiner Haustür. ›Ich will kein Arschloch sein‹, hat er zu mir gesagt. Ich zog mir einen Pullover über, den mit der großen Kapuze, und dann sind wir runter zum Hafen – den ganzen Weg nachts mit dem Rad – und haben alles gestrichen.«
Mein Vater fährt sich mit den Fingern durch den Bart, der ungebändigt vor sich hin wuchert, während er seine hellbraunen Haare mit einem gepflegten Dutt gezähmt hat. Je älter er wird, umso jugendlicher und hipper will er äußerlich wirken. Aber es wirkt nur albern … und ein wenig verzweifelt. »Dillon wollte die Welt immer ein bisschen besser machen oder wenigstens die Menschen, die ihn begleiteten. Er war so durch und durch positiv«, sagt er nachdenklich und sieht mir einen Moment lang in die Augen. Sein Blick trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Ja, klar war er das, will ich schreien. Er war so viel besser als ich, weil er euch so viel ähnlicher war als ich, will ich schreien. Und jetzt …? Jetzt ist er tot, wegen eures ganzenInto-the-ocean-I-go-to-lose-my-mind-and-find-my-soul-Gelaber. War es das wert?, will ich schreien, aber ich schweige, weil ich weiß, dass es nichts ändern würde, und nippe zum zweiten Mal an meinem Bier, das so bitter schmeckt, wie ich mich fühle.
Reihum erzählt einer nach dem anderen Geschichten über Dillon. Viele davon kenne ich. Manche nicht. Aber alle Storys haben eines gemeinsam: nämlich, dass es für jeden Einzelnen von ihnen ein Privileg war, Teil seines Lebens gewesen zu sein. Dass Dillon der freundlichste, sensibelste und talentierteste junge Mann war, den sie kannten. Einfühlsam und voller positiver Energie. Ich weiß, dass sie alle recht haben. Ich weiß es am besten, und doch stehe ich auf, bevor der Kelch der Erinnerungen an mich weitergereicht wird, und flüchte ins Haus.
Ich wage es als Einzige nicht, etwas über ihn zu erzählen. Ich, Dillons Zwillingsschwester.
In der Küche halte ich mein Gesicht unter den Wasserhahn und trinke einen Schluck. Dann sehe ich mich um. Eigentlich ist alles so wie damals. Als ich vor sechs Jahren mit gerade mal neunzehn dieses Haus, die Blue Soul Lodge, verlassen habe. Offiziell: um zu studieren. Inoffiziell: um einfach nur von hier wegzukommen.
Ich habe nie hierhergepasst. Nicht auf diese kleine Insel, auf die unsere Eltern ausgewandert sind, bevor Dillon und ich überhaupt laufen konnten. Nicht in diese Familie. Hätte ich nicht das rote Haar meiner Mutter geerbt (zu meinem Leidwesen ohne die Locken) und wäre ich nicht Dillons weibliches Ebenbild, hätte ich die Hoffnung gehabt, bei der Geburt vertauscht worden zu sein, aber so blieb mir jahrelang nur übrig zu akzeptieren, dass ich nicht bin wie sie. Und dass ich es nie sein werde. Ich wollte meine Eltern nie beim Vornamen anreden, Tuula und Maxime, also sprach ich sie lieber gar nicht an. Ich habe Angst vor dem offenen Meer, vor der Tiefe, also tauche ich nicht. Ich mag Ordnung, Struktur, geregelte Tagesabläufe. Und ich finde mich (und alle anderen Menschen) angezogen wesentlich attraktiver als nackt. Mit einer Pseudohippiemutter, die ihren Kaftan fallen lässt, wann immer ihr danach ist, war das für jemanden wie mich keine leichte Zeit. Ich fühle mich, als hätte mein Bruder bei unserer Geburt alle Eigenschaften abbekommen, die man braucht, um in dieser Familie zu überleben.
Seit ich denken kann, dreht sich alles nur um Freediving und Yoga und wie man damit jede Saison aufs Neue Gäste auf die Insel locken kann. Früher besaßen Maxime und Tuula nur eine kleine Tauchschule in La Restinga, aber wenn es etwas im Überfluss in La Restinga gibt, dann sind das Tauchschulen. Mit dem Kauf einer alten Finca und dem Umbau dieser zur Blue Soul Lodge haben sie sich erweitert und bieten seitdem – wie mein Vater zu sagen pflegt – ihren Gästen eine ganzheitliche Experience an. Blue Soul Lodge – Freediving & Free Spirit. Die Nebengebäude, die nichts weiter als Hütten aus Lavagestein waren, wurden zu kleinen Gästeunterkünften ausgebaut, meine Mutter und Peaches halten dort den Betrieb am Laufen, sind für die Reservierungen und sämtlichen Service zuständig, zudem leitet Tuula die Yogakurse, und Peaches kümmert sich um das leibliche Wohl. Mein Vater ist für die Tauchsessions, Atemübungen und Meditationsstunden zuständig, hat ein semiprofessionelles Wettkampfteam aufgebaut und verteilt an jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, seinen free spirit.
Was macht er jetzt wohl ohne sein erfolgreichstes Teammitglied, Dillon? Ohne dich?
»Geht es dir gut?«
Überrascht drehe ich mich um. Sebastián steht vor mir, die Hände in den Taschen seiner Shorts. Er sieht aus wie der perfekte Surferboy. Als ob dieser Begriff nur seinetwegen existierte. Durchtrainiert oder besser gesagt durch und durch trainiert, blondes von Sonne und Salzwasser geküsstes Haar, zu einem losen Zopf gebunden, und Espadrilles an den Füßen. »Du bist gewachsen, Bash«, sage ich und klinge wie eine alte Frau.
»Ich bin erwachsen.«
»Stimmt. Das sind wir alle … außer vielleicht …«
»Maxime und Tuula«, fällt er mir lachend ins Wort.
»Ja«, seufze ich. »Die beiden werden wohl nie erwachsen.«
Bash lehnt sich über die alte Kücheninsel aus Holz und rustikalen Kacheln. »Das mag ich so an ihnen.«
»Das mag jeder an ihnen.«
»Du nicht.« Es ist eine Feststellung, keine Frage.
»Sagen wir mal so: Ich kann nachvollziehen, dass die Menschen genau das an Maxime und Tuula mögen.« Ich mustere ihn einen Moment lang. Als ich El Hierro verlassen habe, war Sebastián nicht älter als fünfzehn. Ein Junge, der zu Dillon aufgesehen hat, als wäre er ein Superheld. Wer ist jetzt sein Held? Jetzt, mit einundzwanzig? Jetzt, da Dillon tot ist? Mein Vater? Ich nehme mir eine eiskalte Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und drehe sie zwischen den Fingern hin und her. »Sehen wir uns morgen?«
Er nickt. »Wenn du dann noch da bist …«
Ich nicke, weiß, wie er das gemeint hat. »Dann bis morgen, Bash«, sage ich und will die Küche über die Treppe verlassen, doch er hält mich zurück.
»Delphine?«
»Ja?«
»Darf ich dich in den Arm nehmen? Mir ist aufgefallen, dass das heute noch niemand gemacht hat.«
»Ist schon gut. Das ist okay für mich.«
»Aber nicht für mich«, stellt er klar und schließt mich fest in seine Arme.
Ich verkrampfe mich erst, doch dann gebe ich der Umarmung nach. Es tut gut, von jemandem gehalten zu werden. Noch besser täte es, wenn er dabei ein Hemd oder T-Shirt oder wenigstens ein Tanktop über der nackten Brust tragen würde, aber ich will nicht wählerisch sein. »Sie nehmen es mir übel, dass ich abgehauen bin«, flüstere ich.
Ich spüre, dass er den Kopf schüttelt. »Sie nehmen dir übel, dass du dich nie wieder hast blicken lassen.«
Ich löse mich aus seinen Armen und starre auf die Terrakottafliesen am Boden. »Danke.«
»Jederzeit.«
Dann lasse ich ihn in der Küche stehen und steige die Stufen zu meinem alten Zimmer hoch.
Als wäre die Zeit vor sechs Jahren einfach stehengeblieben.
Es riecht nach Weihnachten, und das kann in diesem Haus nur einen Grund haben: Peaches’ selbst gemachtes Granola mit Zimt und Kardamom. Missmutig ziehe ich mir die Decke über den Kopf. »Das habe ich vermisst«, stöhne ich.
»Was? Mich und mein Müsli?«
»Das. Und dass es in diesem Haus keine Riegel an den Türen gibt.«
»Sechs Jahre«, sagt Peaches vorwurfsvoll. Ich kann das Kopfschütteln förmlich heraushören. »Sechs Jahre, und du hast nicht ein Mal was von dir hören lassen.«
»Ich hatte zu tun.«
»Schon mal was vom Telefon gehört?«
Ich nicke. Immer noch den Kopf unter der Decke. Schuldbewusst.
»Briefe, Postkarten, E-Mail? Brieftauben, Flaschenpost, Rauchzeichen?«
Ich schlage die Decke zurück und sehe Jahre alten Staub im Licht vereinzelter Sonnenstrahlen tanzen, die einen Weg durch die geschlossenen Fensterläden gefunden haben.
Peaches sitzt im Schneidersitz auf meinem alten Hocker mit der weinroten Polsterung, im Schoß ein Tablett, darauf eine Schale voll Granola und ein Teller mit frischer Mango, und scheint in den letzten Jahren keinen Tag gealtert zu sein. Dass sie mittlerweile etwas über vierzig ist, sieht man ihr nicht an, was eventuell daran liegt, dass so gut wie jede Modeerscheinung spurlos an ihr vorübergezogen ist. Sie trägt immer noch Hüfthose und bauchfreie Trägertops, türkisfarbenen Lidstrich, den Kopf voller Minidutts und dicke neonfarbene Ringe an den Fingern. Irgendwann – vermutlich 1996 – muss sie hängengeblieben sein.
»Ihr wusstet doch immer, wo ich bin«, verteidige ich mich.
»Ja, in Helsinki. Ging es nicht noch weiter weg?«
»Doch, schon. Aber die Entfernung reicht mir eigentlich.«
Peaches rollt mit den Augen und steht auf. »Tuula und ich wollen heute noch nach La Restinga und haben uns gefragt, ob du Lust hast mitzukommen.«
»Du hast dich gefragt …«
Sie atmet tief durch. »Und? Hast du?«
»Wann denn?«
»Tuula sagt, in zwanzig Minuten geht es los.«
Ich strecke mich ausgiebig und gähne. »Bleibt mir also noch mindestens eine Stunde Zeit, um mich fertig zu machen.«
Peaches nickt und lächelt. »Willkommen zu Hause, Delphine.«
Sobald ich wieder allein bin, mache ich mich über das Granola her und schlinge die Mango herunter. Peaches’ ekligen ayurvedischen Detoxtee rühre ich nicht an, aber die Mango ist ein Traum. Nicht zu vergleichen mit den Exemplaren, die in Helsinkis Supermärkten ausliegen.
Danach zerre ich die Laken von den Möbeln, die mich die ganze Nacht über wie vergessene Gespenster angestarrt haben, öffne die Fenster, lasse den Staub hinaus, Licht und Luft herein. Das Rauschen der Blätter des riesigen Feigenbaums im Innenhof breitet sich im gesamten Raum aus, als hätte es seit Jahren darauf gewartet, dieses Zimmer endlich wieder zu erkunden.
Alles ist hier noch exakt genau so, wie ich es hinterlassen habe. Die antiquarischen Ausgaben französischer Literaturklassiker, in verblichenen Naturtönen nach Farben sortiert, stehen immer noch ungelesen in meinem dunklen Bücherregal. Ich habe sie von meiner Urgroßmutter väterlicherseits geschenkt bekommen, kurz bevor sie starb. Sie wusste, dass ich sie bei ihr immer so schön fand. In den Schubfächern der massiven Kommode liegen ordentlich zusammengefaltet alle T-Shirts und Hemden, Unterwäsche und Hosen, die nicht mehr in meine Koffer gepasst hatten und ohne die ich leben konnte. Theoretisch hätte ich gestern ohne Gepäck anreisen können, aber ich habe die Sachen damals nicht grundlos zurückgelassen. Sie entsprachen da schon nicht mehr mir. Die bunten Lichterketten hängen zusammen mit Fotos von Freundinnen und Freunden, die heute nichts weiter als Bekannte von früher sind, und Postern und Spinnweben an den Wänden. Kerzen und Teelichter wurden nicht vom Fleck bewegt, die Topfpflanzen über meinem Schreibtisch sind tot. Selbst die Tillandsie.
Ich weiß nicht, wie ich das finde.
Vorsichtig streiche ich mit den Fingern über das Leinen der alten Bücher, finde es schön, alles wiederzusehen, zu berühren, zu riechen, aber … mehr auch nicht. Es ist merkwürdig. So ein Gefühl von nichts. Wäre mein Zimmer nicht mehr mein Zimmer, könnte ich mich ärgern. Wäre etwas verändert worden, umgestellt, neu präsentiert oder irgendwie hervorgehoben, würde ich mich vielleicht sogar freuen. Aber das hier … Laken drüber und Tür zu, fühlt sich so … so egal an.
Wollten sie mich einfach vergessen, oder wollten sie, dass alles so ist, wie es war, wenn ich eines Tages – früher oder (wahrscheinlicher) später – wieder zurückkehren würde?
Viel logischer hätte ich es gefunden, wenn meine Mutter hier oben ein weiteres Yogastudio oder Keramikatelier eingerichtet hätte. Das würde ihr entsprechen (und ich hätte einen Grund, sauer zu sein), aber nicht dieser … Stillstand.
Im Rucksack suche ich nach meiner kleinen Waschtasche, die so vollgestopft ist, dass der Reißverschluss nicht mehr schließt, und nach einem Handtuch. Ich habe sogar ein Handtuch eingepackt.
Welcher Mensch nimmt ein Handtuch mit, wenn er nach Hause fährt? Wahrscheinlich ein sehr verkorkster.
Mit dem Handtuch über der Schulter und der Waschtasche unterm Arm schlüpfe ich aus der Tür und schleiche den Flur entlang. Zu Hause. Zu Hause fühlt man sich doch nicht wie ein Gast im Hotel auf dem Weg zur Sauna, oder?
Aber warum fühle ich mich dann so?
Ich fasse an die Klinke des Badezimmers, als sich plötzlich die Tür des Zimmers gegenüber öffnet. Dillons Zimmer. Das gleißende Licht der Morgensonne blendet mich einen kurzen Moment, als hätte ich gerade eine göttliche Erscheinung. Erschrocken lasse ich die Waschtasche fallen. Zwei Tampons kullern heraus. Natürlich. Ich kann mich kaum entscheiden, was ich zuerst machen soll. Mich im Bad verbarrikadieren, wie man das eben so macht, wenn sich gerade eine Tür öffnet, die eigentlich verschlossen sein sollte? Die Tampons einsammeln, bevor jemand anderes auf die Idee kommt und sie anfasst? Oder einfach nur dämlich auf die nackten Füße meines Gegenübers starren? Denn genau das ist es, was ich mache. Mein Blick wandert hoch. Über behaarte Unterschenkel zu kräftigen Oberschenkeln. Den Part mit den Boxershorts überspringe ich, blinzele die nackte Brust weg und sehe ihm direkt in die Augen. Yann.
Ich bücke mich nach den Tampons. »Ist sein Zimmer jetzt dein Zimmer?«, frage ich ihn und merke selbst, wie feindselig sich meine Stimme dabei anhört.
»Nein, das ist eine Ausnahme.« Seine Stimme klingt so verschlafen, als wäre er erst zehn Sekunden zuvor aus dem Bett gefallen. »Maxime meinte letzte Nacht, ich solle einfach hier schlafen.«
»Ich wusste gar nicht, dass Dillon und du so gute Freunde gewesen seid.« Und ich hatte keine Ahnung, dass Yanns Haare noch schlimmer aussehen können als ohnehin schon.
Sein Blick verdunkelt sich. Vor wenigen Sekunden noch hatte er versucht, freundlich zu sein. Zu lächeln. Ein trauriges Lächeln, aber er hat es wirklich versucht. Ich habe es an den leichten Grübchen auf seinen Wangen erkennen können. Vielleicht wollte er mir einen guten Morgen wünschen, vielleicht wollte er sagen, wie leid ihm alles tut. Das mit meinem Bruder. Doch der Anflug seiner Grübchen, seines Lächelns ist verschwunden. »Du weißt so vieles nicht«, sagt er kalt. »Ich will auch nur kurz ins Bad, dann verschwinde ich.«
Ich trete ein Stück beiseite und gebe ihm den Weg frei. »Dann lass dich von mir nicht aufhalten.«
***
Der alte Van steht verwaist in der Mittagssonne. Ich wusste es vorher. Ich hätte ein ausgiebiges Bad nehmen können, ich hätte meine Bücher zur Abwechslung alphabetisch und nicht nach Farben sortieren können, ich hätte Essen für die nächsten drei Tage vorkochen können (vorausgesetzt, ich könnte kochen). Und trotzdem wäre ich zu früh gewesen. Mit verschränkten Armen lehne ich mich gegen den Wagen und warte. Mein Flug zurück nach Helsinki geht erst in einer Woche. Ich überlege, ihn umzubuchen. Auf früher.
»Tut mir leid, Delphine, mein Schatz. Wartest du schon lange?« Meine Mutter kommt auf mich zu, tänzelnd wie eine Elfe, ätherisch, und haucht mir rechts und links ein Küsschen auf die Wange.
Sie riecht genau so, wie sie schon immer roch. Nach Sonne und Meer. Nicht nach irgendeinem Parfüm, nicht nach Räucherstäbchen oder Waschmittel. Nicht nach Küche, Bio- oder Secondhandladen. Sie riecht nach Tuula. Nach Natur. Wäre ihr Duft eine Farbe, dann wäre es Grün oder Blau, Türkis. Irgendetwas Frisches. Nichts, was mir das Gefühl von Geborgenheit und Wärme gibt, aber dennoch etwas, das ich auf eine ganz eigene Weise mag.
Sie hält mein Gesicht zwischen ihren Händen und sieht mich an. Als könnte sie in meinen Augen lesen, wie es mir geht. Dabei bräuchte sie mich nur zu fragen. Aber sie tut es nicht. Ob sie erkennt, wie überarbeitet ich bin? Wie anstrengend die letzten Jahre waren?
»Meine schöne Delphine«, sagt sie. »Ich freue mich, dass du uns begleitest.« Dann lässt sie mich los.
Nimm mich in den Arm! Nimm mich doch einfach nur in den Arm! Sie tut es nicht.
Ich senke den Blick auf meine alten Sandalen und betrachte meine Zehennägel.
Sie könnten einen neuen Anstrich vertragen.
Peaches rast die Straße nach La Restinga hinunter, als wäre der Teufel höchstpersönlich hinter ihr her. Ich halte mich am Griff fest, quetsche mich so nah wie möglich gegen das Fenster und sehe der unwirtlichen Vulkanlandschaft dabei zu, wie sie an mir vorüberzieht. Ich könnte genauso gut auf dem Mond gelandet sein. Was wirklich eine passende Beschreibung ist und sowohl auf die Landschaft als auch auf mein Gefühl zutrifft, nicht so richtig hierherzugehören. Ich liebe die Kargheit in diesem Teil der Insel, aber ich könnte sie noch mehr genießen, würde Yann nicht neben mir sitzen.
Warum ist er nicht einfach mit seinem Rad gefahren, das jetzt nutzlos auf dem Dachgepäckträger hin und her wackelt? Schließlich geht es auf dieser Strecke quasi nur bergab.
»Das wäre wirklich nicht nötig gewesen«, ruft er nach vorne, als hätte er meine Gedanken erraten.
»Doch, das war es«, widerspricht meine Mutter und verrenkt den Hals in unsere Richtung, weil der Gurt mal wieder klemmt. »Solange Peaches auf dieser Straße unterwegs ist, ist niemand sicher. Schon gar kein Radfahrer.«
Peaches nimmt den Fuß vom Gas und geht in die nächste Hundertachtzig-Grad-Kurve. Da in diesem Vehikel Gurte auf den Rückbänken nicht zur Sicherheitsausstattung gehören, klammere ich mich am Fahrersitz fest, doch ich habe keine Chance. In der nächsten Kurve lande ich beinahe auf Yanns Schoß.
»Sorry«, murmele ich.
»Kein Ding.«
Hier hinten auf dem Rücksitz fühle ich mich in meine Jugend zurückkatapultiert, in der ich nicht in der Lage war, meine Emotionen einzuordnen. Ich fühle mich … pubertär. Es ist ein riesiger Cocktail an Empfindungen, aber es ist einer dieser Happy-Hour-Cocktails, bei denen kräftig am Alkohol gespart wird. Er macht mich nicht entspannter oder befreiter. Nicht gelöster. Einer von diesen Cocktails, nach denen man immer noch genauso verkrampft und nüchtern ist wie vorher. Pubertär eben. Wütend, sauer, traurig, unsicher, unbeliebt, ungeliebt … alles gleichzeitig.
Ich sitze neben Yann wie neben einem Kind, das man zum Geburtstag einladen musste, obwohl man es nicht leiden kann. Und wenn ich ihn so betrachte, geht es ihm wahrscheinlich ganz ähnlich.
Unglaublich. In Helsinki habe ich mein eigenes Appartement nur einen Steinwurf vom Kaivopuisto entfernt, bin stellvertretende Managerin eines erfolgreichen kleinen Hotels, nachdem ich dort als Zimmermädchen angefangen und dann jahrelang Nachtschichten geschoben habe, um mein Studium und die Wohnung zu finanzieren. Ich bin selbstständig. Unabhängig. Aber gerade strahle ich nichts davon aus. In ein paar Tagen werde ich wieder abreisen, und jeder wird einfach nur denken: Arme kleine Delphine, sie wird ihr Leben nie in den Griff bekommen. Nicht so wie Dillon, der immer genau wusste, was er wollte.
Ich möchte tot sein.
Wir rasen in den kleinen Ort hinein, der hauptsächlich von den wenigen Touristen und Tauchenthusiasten lebt, und steuern direkt auf den Hafen zu. Unbeeindruckt von Peaches’ Fahrstil dösen La Restingas schwarze Katzen im Schatten der schmalen Seitengassen und lassen sich nicht stören. Dicht vor den Pollern, welche die Fußgängerpromenade und den Strand vor Terroristen wie Peaches schützen, macht sie eine Vollbremsung. Der alte Bus zeigt ein letztes Mal, was er draufhat, und kommt abrupt zum Stehen. Ich presse mich in den Sitz, um nicht an der Windschutzscheibe zu kleben.
»Yes!« Peaches drückt die Stopptaste an ihrer Armbanduhr. »Neuer Rekord. Vierzehn Minuten und sechsundzwanzig Sekunden und kein einziges Mal gebremst.«
»Gratuliere, Peach«, sagt meine Mutter, atmet einmal tief durch und rückt den Kaftan zurecht.
»Ja.« Yann schnauft, als wäre er mit dem Rad gerade zwanzig Kilometer bergauf gefahren. »Danke für … Danke.« Er schluckt, sodass ich befürchte, er müsse sich jeden Moment übergeben.
Ich schiebe die Seitentür auf und springe mit wackeligen Beinen aus dem Wagen. Ich war noch nie ein Fan von Karussells und Achterbahnen.
Die alten Männer vor dem Kiosko lässt unsere rasante Ankunft vollkommen kalt. Sie sitzen vor der rustikalen Bar, die Arme auf den Bäuchen verschränkt, und gucken mürrisch aufs Wasser. Es hat sich nichts verändert. Als hätten sie sich seit sechs Jahren einfach nicht vom Fleck bewegt. Im schwarz-roten Sand des kleinen Strandes spielt eine Handvoll Kinder, Frauen in Badeanzügen stehen in Grüppchen zusammen knietief im Wasser und unterhalten sich.
Yann hebt sein Fahrrad vom Dach und wundert sich wahrscheinlich genauso sehr wie ich darüber, dass es nicht noch ein paar Meter weiter gesegelt ist, nachdem der Bus zum Stehen gekommen ist. Er verabschiedet sich von meiner Mutter und Peaches, muss ihnen mehrfach versprechen, sich nicht rarzumachen und sie bald wieder zu besuchen, und geht ohne ein weiteres Wort an mir vorbei. Er schiebt sein Rad zur Marina, läuft über den Steg an Sport- und Segelbooten und kleineren Jachten vorbei. Ein kleiner Hund kommt ihm mit wedelndem Schwanz entgegen und springt an ihm hoch. Ich sehe ihnen nach, bis sie auf ein altes Kajütboot klettern und darin verschwinden.
Ich drehe mich um und ertappe Peaches und Tuula, wie sie mich dabei beobachten, wie ich Yann beobachte. »Was?«, frage ich gereizt.
»Nichts, nichts«, antworten sie beide wie aus einem Munde.
»Ich werde mich doch wohl noch wundern dürfen.«
»Worüber?«
»Dillon und Yann? Beste Freunde?«
»Die Menschen ändern sich, Schatz.«
»Für gewöhnlich tun sie das nicht«, antworte ich wie jemand, der mit der Welt und deren Bewohnern ein für alle Mal abgeschlossen hat.
»Peach, kümmerst du dich allein um den Einkauf? Du weißt eh am besten, was wir alles brauchen.« Peaches nickt eifrig, meine Mutter hakt sich indessen bei mir unter. »Lass uns ein Stück spazieren gehen!«, sagt sie bestimmt.
Schweigend laufen wir die Uferpromenade entlang. Das Meer liegt links von uns, und wenn man immer weiter blicken könnte, immer weiter und weiter, wenn man alles heranzoomen könnte, egal, wie weit entfernt es ist, würde man von hier aus als Erstes die Westsahara sehen. Allein die Vorstellung fand ich schon immer krass.
Ich bin von uns beiden diejenige, die irgendwann das Schweigen bricht. »Warum erst jetzt?«, frage ich meine Mutter.
»Was meinst du?«
»Dillon ist seit zwei Monaten tot. Warum erst jetzt die Beerdigung?«
Sie hebt die Schultern, senkt sie wieder, atmet ein, atmet aus. »Es ist nicht so einfach, einen Termin zu finden, an dem alle Zeit haben. Freunde, Familie …« Sie sieht mich an. »Ihr lebt alle in der weiten Welt verstreut.«
»Und warum wolltet ihr nicht wenigstens mich früher hierhaben?« Eigentlich wollte ich ihr die Frage niemals stellen, denn dann müsste ich ihr als Nächstes vorwerfen, dass ich zwei volle Monate mit meiner Trauer allein war, aber es ist zu spät.
»Wir wollten dir die lange Reise nicht zweimal zumuten. Wir wussten ja, dass du nicht ewig bleiben kannst, und es ist mühsam und teuer hierherzukommen, und ehrlich gesagt haben wir keine Ahnung, wie es dir finanziell geht.«
»Es geht mir gut«, antworte ich schnell.
»Das dachten wir uns eigentlich auch, sonst hättest du dich doch gemeldet. Oder, Schatz?«
Ich nicke. Innerlich schüttele ich den Kopf. Niemals hätte ich mich wegen Geldsorgen bei ihnen gemeldet.
Der Weg steigt ein Stück an und führt zur Spitze. La Restinga ist so klein, dass wir schon fast wieder den Ortsausgang erreicht haben. Wir setzen uns auf die kniehohe Mauer, lassen die Beine über den Rand baumeln und blicken über die Mole hinweg aufs offene Meer hinaus.
»Ich vermisse ihn sehr«, sagt sie plötzlich. »Dich habe ich auch vermisst, aber bei dir hatte ich wenigstens die Hoffnung, dich eines Tages wiederzusehen.«
Ich weiß nicht, ob sie das nur sagt, weil es gesagt werden muss. Weil eine Mutter eigentlich keines ihrer Kinder dem anderen vorziehen sollte, aber ich mache mir nichts vor.
»Ich vermisse ihn auch. Aber Yann? Dillon und er haben sich früher gehasst.«
»Hass ist ein furchtbares Wort und ein noch viel schlimmeres Gefühl. Sie haben sich nie gehasst, sie waren nur Konkurrenten. Vor vier Jahren, als Yann endlich zu uns ins Blue-Soul-Team gestoßen ist, hat Maxime den beiden das Konkurrenzdenken endgültig ausgetrieben. Seitdem sind sie … Seitdem waren sie Freunde. Sie waren die letzten Jahre unzertrennlich.«
Ich spüre einen Stich in der Brust. Jahrelang war ich einsam, habe nur gelernt oder gearbeitet und fühlte mich die ganze Zeit unvollständig, aber ich wusste immer, dass meine andere Hälfte, meine bessere Hälfte, irgendwo an mich dachte, so wie ich an ihn. Jetzt war da niemand mehr.
»Wie geht es …?« Meine Mutter würgt die Frage ab, als würde ihr ein Fremdkörper die Kehle verstopfen. »Wie geht es …?«
»Den Großeltern?«, helfe ich nach.
»Ja. Genau. Wie geht es ihnen?«
Ich zucke mit den Achseln. »Ganz gut. Sie werden alt.« Schweigen breitet sich wieder zwischen uns aus, nimmt so viel Raum ein, als läge ein ganzer Ozean zwischen meiner Mutter und mir. »Manchmal sagen sie, ich erinnere sie an dich.«
Wir sehen uns an und müssen lächeln. »Kann gar nicht sein«, sagen wir beinahe zeitgleich und schütteln die Köpfe.
Aber vielleicht meinten meine Großeltern ja auch genau das damit. Dieses Lächeln. Ich setze es weitaus geringer dosiert ein als meine Mutter, aber es ist dasselbe Lächeln.
»Warum fragst du sie nicht selbst, wie es ihnen geht? Sie würden sich bestimmt freuen.«
Jetzt zuckt sie mit den Achseln und seufzt. »Ich habe damit abgeschlossen.«
»Ja«, sage ich und starre wieder aufs Meer hinaus.
»Hast du mit uns auch abgeschlossen? Bist du deshalb so weit weggegangen wie nur möglich? So wie ich damals?«
Ich schlucke. Was erwartet sie darauf für eine Antwort? Eine, die nicht verletzend oder gelogen ist? Wie soll das gehen? Sage ich die Wahrheit, verletze ich Tuula. Lüge ich, verletze ich mich. In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Eines für Frankreich, die Heimat meines Vaters, und eines für Finnland, die Heimat meiner Mutter. Aber keines schlägt für El Hierro, ganz gleich, wie schön es hier ist.
»Vielleicht …«, murmele ich und blicke zum Horizont. »Vielleicht bin ich ja auch nur zurückgekehrt, zurück in ein Land, an einen Ort, den du mit uns verlassen hast. In mir fließt auch finnisches Blut, vielleicht hat es mich ja in den Norden geführt. Oder mein Herz.«
»Ja, vielleicht«, flüstert sie.
»Ja, vielleicht«, flüstere ich.
Und vielleicht habe ich auch mit euch abgeschlossen. Wir werden sehen.
Vom Fenster im Bad aus beobachte ich die anderen beim Morgenyoga. Der erlesene Kreis derer, die in den Genuss gelangen, bei Oberguru Maxime an einer seiner Trainingssessions teilzunehmen, ist merklich geschrumpft, denn bis auf Tante Tilda und Onkel Rémy sind in den letzten zwei Tagen nach und nach alle Freundinnen, Freunde und Verwandten wieder abgereist. Ich frage mich, wie viele von ihnen in einem Jahr noch einen Gedanken an Dillon verschwenden. Allein die Vorstellung, irgendwer könnte ihn irgendwann vergessen, zerreißt mir fast das Herz. Ich schlinge die Arme fest um mich in dem Versuch, mir selbst etwas Halt zu geben, und sehe weiter dem Treiben draußen im Garten zu.
Es ist nicht so, dass sie mich nicht gefragt hätten, ob ich nicht auch mitmachen wolle. Das haben sie. Mehr als einmal. Und ich mache sogar sehr gerne Yoga. Aber ich will nicht.
Unter ihnen fühle ich mich wie ein Fremdkörper.
So wie der blasse Typ ganz rechts außen in der schwarzen Radlerhose und dem giftgrünen, viel zu engen Sporttrikot, der bei jeder Übung durchhängt wie ein schlaffer Sack, weil ihm jegliche Körperspannung fehlt. Der fühlt sich bestimmt genauso wie ich. Besonders jetzt, da mein Vater dicht hinter ihm steht, zu dicht für so ziemlich jeden heterosexuellen Mann, und mit beiden Händen seine Hüftposition korrigiert. Aus seinem gequälten Gesichtsausdruck schließe ich, dass er diese ganzheitliche Experience für Body and Soul nur seiner Freundin zuliebe über sich ergehen lässt, in der Hoffnung, der nächste Urlaub ist wieder all-inclusive auf Mallorca.
Neben dem blassen, unsportlichen Pärchen versuchen auch ein ewig fröhliches Mutter-Tochter-Gespann und eine vierköpfige Familie, mithilfe des Blue-Soul-Dream-Teams – exklusive Yann, der sich nicht mehr hier hat blicken lassen, seitdem wir ihn in La Restinga abgesetzt haben – abzuschalten und eins mit dem Körper zu werden. Auch wenn ich ihn von hier oben nicht hören kann, weiß ich genau, welche Floskeln mein Vater dabei anwendet: Denkt positiv! Fühlt eine stille Heiterkeit in euch! Entwickelt einen tiefen inneren Frieden! Bla, bla, bla … Nur bei dem Gedanken daran verdrehe ich die Augen so weit, dass ich mein Hirn von innen betrachten kann.
Die asketischen Körper meiner Eltern und von Peaches, die durchtrainierten von Bash und von Camille – die vor Jahren aus Paris kam, um ein paar Wochen lang bei uns mitzuarbeiten, und sich seitdem in der Lodge eingenistet hat – glänzen in der Sonne wie auf dem Cover einer Sports Illustrated. Die der anderen sind einfach nur knallrot. Erschöpft allein vom Zusehen, gehe ich zurück in mein Zimmer und setze mich aufs Bett. Ich fühle mich irgendwie gefangen, obwohl ich tun und lassen kann, was ich will. Keine Grenzen, das war schon immer so. Millionen Kinder hätten mich früher darum beneidet.
Ich greife nach der alten Ausgabe der Mumins, die auf meinem kleinen Nachtschrank liegt. Ich habe sie meiner Mutter mitgebracht, ein Souvenir aus ihrer Heimat, doch bislang habe ich keinen Moment gefunden, sie ihr zu schenken. Kaum war ich hier, kam ich mir damit so unendlich albern vor. Ich streiche noch einmal über den Einband, dann stelle ich das Buch zu den anderen ungelesenen Büchern ins Regal, ziehe mich an und schnappe mir mein Notebook.
Den restlichen Morgen verbringe ich im Hof am großen Gartentisch unter dem Feigenbaum. Ich schaffe es, den vorläufigen Dienstplan für den nächsten Monat zu schreiben (auch wenn ich weiß, dass irgendwer wieder krank sein wird oder wichtige Termine hat oder Job und Studium nicht mehr miteinander vereinbaren kann und ich alles verwerfen muss) und einige Preisangebote von Handwerkern zu überfliegen. Auch wenn wir nur ein kleines Boutiquehotel sind, irgendetwas geht immer kaputt.
Doch kurz darauf ist auch schon Schluss mit der Ruhe. Onkel Rémy poltert aus dem Haus und steuert direkt auf mich zu. Ehe ich michs versehe, verpasst er mir rechts und links einen feuchten Kuss auf die Wange und weckt in mir das Bedürfnis, mich mit dem Handballen trocken zu wischen.
»Bonjour, Delphine. Ahhh, du duftest nach Jugend und nach Sex«, begrüßt er mich grenzüberschreitend wie eh und je.
»Nach Sex mit Sicherheit nicht«, murre ich, ohne den Blick vom Bildschirm zu heben.
Krachend lässt er sich im Gartenstuhl nieder, und ich weiß nicht, wer mehr ächzt, Rémy oder der Stuhl. Mein Onkel Rémy sieht aufgrund seines massigen Körpers wie ein Zweimeterkoloss aus, auch wenn er wahrscheinlich keinen Zentimeter größer als eins achtzig ist. Stehen er und mein Vater beisammen, wirken sie wie ein Windhund an der Startlinie neben einem zufriedenen Bernhardiner, der in der Sonne liegt. Er steckt sich eine filterlose Gauloises zwischen die Lippen und tastet die Brusttaschen seines Hemdes ab. »Merde. Was ist schlimmer als keine Kippen?«
Ich sehe ihn etwas ratlos an. »Krieg? Hungernde Kinder? Unheilbare Krankheiten?«
Er winkt ab. »Kippen und kein Feuer! Tilda, meine Kirsche«, brüllt er über den Hof. »Bring mir Streichhölzer! Und vergiss nicht den Wein!«
Ich kenne wirklich niemanden, der so ist wie Onkel Rémy. Der ältere Bruder meines Vaters lebt das wohl ungesündeste Leben, das möglich ist – im Gegensatz zu Maxime, der das andere Extrem betreibt –, und genießt jede Sekunde davon in vollen Zügen. Das ist auch wirklich empfehlenswert, denn wenn er so weitermacht, könnte er jede Minute tot umfallen. Rémy trägt immer weite beigefarbene Leinenhosen, abartig bunt bedruckte Hemden und einen Strohhut. Tante Tilda – die jüngere Schwester meiner Mutter – und er lernten sich auf der Hochzeit meiner Eltern kennen, und sie erlag seinem ungehobelten Charme auf der Stelle.
Weiterarbeiten hat keinen Sinn, also fahre ich den Rechner herunter und klappe den Bildschirm zu.
»Hörst du es auch?«, fragt er mich und zieht sich die Gauloises unter der Nase entlang, als könnte er auf diese Weise seine Sucht nach Nikotin wenigstens ein bisschen befriedigen.
»Was?«
»Nichts. Nur das Rascheln der Blätter, das Summen und Brummen der Insekten, das Zwitschern der Vögel …«
»Also ich höre nur dich.« Tilda läuft über den Hof, entfacht ein Streichholz und zündet Rémy die Zigarette an. Dann entkorkt sie mit einem lauten Plopp den Rotwein.
Keine drei Minuten später hat der Wein Rémys Meinung nach genug geatmet, und er schenkt sowohl mir als auch sich selbst ein Wasserglas voll ein.
Na halleluja.
»Woran arbeitest du gerade?« Sein Blick bleibt an meinem Notebook hängen.
»Uninteressantes Zeug. Dienstpläne, Bewerbungen …«
»Also Geschichten, die das Leben schreibt.«
»Wenn du es so nennen willst.«
»Das will ich«, sagt er und trinkt das Glas in einem Zug halb leer. »Aber weißt du, was ich denke?«
»Du wirst es mir sicher gleich sagen.«
»Ich denke …« Er wedelt mit dem Zeigefinger in der Luft herum, als würde er ein Stück dirigieren. »Diese Sache mit dem BWL-Studium hast du nur durchgezogen, um deinen Alten eins auszuwischen. Irgendwie muss man ja rebellieren, stimmt’s, oder hab ich recht?«
Ich nippe am Rotwein. Auf leeren Magen steigt er mir sofort in den Kopf. »Das hat mit Rebellion überhaupt nichts zu tun. Ich mag einfach, was ich tue. Was ist mit dir?«, versuche ich, von mir abzulenken. »Woran arbeitest du gerade?« Ich deute auf sein kleines Notizbuch. »Schreibst du an einem neuen Roman?«
»Ich schreibe immer an einem neuen Roman. Und dieser wird besonders erfolglos werden.«
»Warum denkst du das?«
»Weil ich über Verlierer schreibe. Das will kein Mensch lesen. Geschichten über Gewinner, die alles verlieren, oder Verlierer, die zu Helden werden, das ist gefragt, aber nicht Verlierer, die Verlierer bleiben. Das ist, als würden die Leute über ihr eigenes Leben lesen.«
»Es wird bestimmt ganz großartig«, widerspricht ihm Tilda. »Er stellt sein Licht nur zu gerne unter den Scheffel, damit ihm jeder sagt, wie großartig er ist.«
»Sie ist verpflichtet, mir zu sagen, wie großartig ich bin, sie ist schließlich meine Frau.« Rémy zwinkert mir schelmisch zu.
»Und dein größter Fan«, sagt sie, setzt sich auf seinen Schoß und küsst ihn.
Rémys Hand wandert sofort unter das luftige Sommerkleid seiner Frau.
Ich räuspere mich lautstark. »Was machen eigentlich eure vier Kinder?«
»Zwei Wochen Ferien bei den Großeltern in der Provence«, antwortet Tilda wie nebenbei. »Die beiden sind mittlerweile zu alt, um weit zu reisen, und unsere Kids zu laut für eine … eine Beerdigung.«
»Und wir …«, Rémys Hand wandert immer weiter. »Wir machen endlich mal zwei Wochen Ferien von ihnen.«
Einen kurzen Moment schwelge ich in Erinnerungen. Dillon und ich haben manche Sommer bei Maximes und Rémys Eltern verbracht. Es waren die schönsten Sommer, die man sich als Kind nur vorstellen kann. Sie waren mit uns wandern, wir haben gebastelt und uns jeden Tag um die vielen Tiere auf dem Hof gekümmert. Gänse, Hühner und zwei kleine Schweine. Wir haben Marmelade eingekocht und gebacken. Unsere Großmutter machte grandiose Tartes und Quiches, mir liegt der Geschmack förmlich auf der Zunge, und der Duft von Lavendel und Orangen steigt mir in die Nase. Es war jedes Mal ein Drama, wenn wir wieder abreisen mussten. Am liebsten wären Dillon und ich für immer dageblieben.
Tilda und Rémy schwelgen derweil in ganz anderen Erinnerungen, sodass ich kurz davor bin, meinen Platz zu räumen, damit sie ungestört weitermachen können und ich nicht dabei zusehen muss – doch da kommt uns Peaches über den knirschenden Kiesweg entgegen, in den Händen ein Tablett, darauf ein Krug, randvoll gefüllt mit eisgekühltem Zitronenwasser, und eine Schale mit geschnittener Melone und Mango. Im Schlepptau Camille, Bash und meine Eltern. Alle wirken bestens gelaunt, mit sich und der Welt im Reinen und frisch geduscht. Also das komplette Gegenteil von mir.
Ich leere mein Glas Rotwein auf ex.
»Wein und Zigaretten am frühen Morgen, Rémy? Kein Frühstück?« Mein Vater setzt sich mir gegenüber und schnappt sich ein Stück Melone.
»Ich vertraue darauf, dass es bald Mittagessen gibt«, antwortet Rémy erwartungsvoll und zieht endlich die Hand unter Tildas Kleid hervor.
Mein Vater grinst. »Wenn ich mir nicht absolut sicher wäre, dass dich dein Lebensstil schon bald unter die Erde bringt, würde ich dir dringend eine Therapie empfehlen.«
»Darauf trinken wir!« Rémy erhebt sein Glas. »Darauf und auf Kind Nummer fünf!«
Tilda entgleisen sämtliche Gesichtszüge. »Rémy … nicht!«
»Nummer fünf?«
Ich kann nicht sagen, aus welchem Mund diese Frage zuerst schießt.
»Ganz genau. Nummer fünf.« Rémy strahlt stolz über das ganze Gesicht.
Meine Mutter springt vom Stuhl auf und stürmt zu ihrer Schwester, um sie in die Arme zu schließen. »Herzlichen Glückwunsch, Liebes. Ist das wirklich wahr?«
Tilda nickt mit roten Wangen. »Es tut mir leid, Tuula, es ist nicht der richtige Zeitpunkt für solche … Neuigkeiten. Es tut mir so leid.«
»Hör auf! Das sind wundervolle Neuigkeiten. Ich freue mich für euch. Für uns alle.« Sie zieht sie erneut in eine Umarmung.
»Kippst du deinem alten Mann heimlich Viagra in den Rotwein?«, flüstert sie laut genug, sodass es alle hören können.
»Ach, du kennst uns doch«, winkt Tilda etwas verlegen ab. »Ich muss nur meine Unterhosen neben seine auf die Wäscheleine hängen, und schwups bin ich schwanger.«
»Vielleicht sollten sie lieber getrennte Wäsche machen«, raunt Peaches mir zu und wackelt mit den Brauen. Obwohl sie es sich gerade erst im Schneidersitz gemütlich gemacht hat, springt sie wieder auf. »Ich kümmere mich dann mal ums Essen, bevor hier noch irgendwelche Ultraschallbilder herumgereicht werden.«
Ich laufe hinter ihr her. »Warte! Ich helfe dir.«
»Das lässt du schön bleiben! Ich habe alles im Griff. Geh zurück und verbring lieber etwas Zeit mit deiner … Familie!«
»Aber …«
»Was?«
»Was soll ich da? Ich glaube nicht, dass man mich großartig vermisst. Brauchst du wirklich keine Hilfe?«
Peaches legt die Hände auf meine Schultern. »Jetzt hör mir mal gut zu, Delphine Grénard! Das sind nur deine Hirngespinste. Alle hier mögen dich, alle lieben dich. Wird höchste Zeit, dass du das begreifst.«
»Aber ich fühle es nicht.«
»Jeder bringt Liebe anders zum Ausdruck, und seien wir mal ganz ehrlich, du machst es niemandem sonderlich leicht.«
Ich kann ihr nicht in die Augen blicken. Vielleicht weil ein Funken Wahrheit in ihren Worten steckt. »Nein, für die Leichtigkeit war Dillon zuständig.«
Sie knetet meine Schultern. »Ein bisschen mehr Leichtigkeit täte dir gut. Du bist ja derart verspannt, ich sollte dir eine Massage verpassen. Danach fühlst du dich wie eine Schüssel voll mit Wackelpudding.«
»Welche Sorte?«
»Welche immer du willst.«
Peaches geht ins Haus, und ich setze mich wieder zu den anderen. Zwischen Camille und Bash fühle ich mich in meinem schwarzen Jeansminirock und dem ärmellosen grauen T-Shirt glatt overdressed. Und mit meinem Vater mir gegenüber so klein. So unfassbar klein. Er und ich haben in den letzten Tagen kaum ein persönliches Wort gewechselt. Vielleicht ist es seine Art, mit Trauer umzugehen, vielleicht ist er auch einfach nur ein Arsch. Einer, der sich rarmacht, sobald es um Gefühle geht, die sich über der Wasseroberfläche abspielen. Für ihn gibt es nur Tauchen, Yoga am Morgen, Meditation und Atemübungen auf dem Berg, wenn die Wolken darunter hängen bleiben. Wahrscheinlich fühlt er sich dann wie Gott. Und hier unten genießt er es, umzingelt zu sein von seinen Gästen, Bewunderern, Nachahmern. Aber das bringt ihm Dillon nicht zurück. Und mich auch nicht.
Rémy gießt meinem Vater etwas Wein in dessen Wasserglas. »Was ist eigentlich mit den Hemden, die ich dir jedes Jahr zu Weihnachten schenke, Maxime? Du trägst immer dasselbe langweilige Teil.«
»Das gleiche, Rémy, das gleiche. Und nimm es mir nicht übel, aber ich möchte meine Zeit wirklich nicht damit vergeuden, über die Wahl meiner Kleidung nachzudenken.«
Ich schiele etwas nach links. Bei Camille dürfte da auch nicht zu viel Zeit draufgehen. Jeans mit dem Stoffanteil von Hotpants, Triangelbikinioberteil, fertig. Und Bash, ja, Bash könnte sofort bei den Rettungsschwimmern von Malibu eingesetzt werden. Aber Rémy hat schon recht. Mein Vater trägt immer das Gleiche. Ich kenne ihn fast nur in kakifarbenen Shorts und hellblauen langärmeligen Hemden.
»Außerdem könnte ich diese Hemden niemals mit einer solchen Eleganz tragen wie du, mon frère.«
»Wie sieht’s aus?« Bash lehnt sich zu mir und schenkt mir sein strahlendstes Lächeln. »Kommst du nachher mit?«
»Wohin?«
»Na, raus. Ins Mar de las Calmas. Beginnersession.«
»Delphine taucht nicht, Sebastián. Das solltest du eigentlich wissen«, tadelt ihn Camille ungewöhnlich scharf. Ich bin mir nicht sicher, aber da ist noch etwas anderes in ihrem Blick, ihrem Ton. Als ob Abneigung mitschwänge, und die gilt nicht Bash.
»Ist mir schon klar, Camille«, äfft er ihren Tonfall nach, dann wendet er sich wieder an mich. »Du könntest doch auf dem Boot bleiben. Vielleicht sehen wir Wale.«
Ich merke selbst, dass ich bleich werde und sich kalter Schweiß auf meinen Handinnenflächen bildet. Mein Herz trommelt in der Brust. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Ich kann das nicht. Niemals. Nichts macht mir mehr Angst als die unendliche Weite und Tiefe des Ozeans. Mit zittrigen Fingern gieße ich mir etwas Wasser aus dem schweren Krug in mein Glas und benetze mir damit die trockenen Lippen. »Danke, Bash, lieb, dass du mich fragst, aber …«
Er legt mir seine warme Hand aufs Knie. »Verstehe. Vielleicht ein anderes Mal.«
Ich versuche zu lächeln. »Ja, vielleicht ein anderes Mal.«
Aber alle in dieser Runde wissen, dass das niemals passieren wird.
***
Ich bleibe mit Tilda und Rémy zurück, der seinen Körper für kein Geld der Welt in einen Neoprenanzug quetschen würde, doch schon bald verschwinden die beiden kichernd in ihrem Zimmer wie Schulkinder, die etwas Verbotenes vorhaben, und ich bin völlig allein. Na ja, noch schwangerer kann Tilda zum Glück nicht werden.
Unschlüssig streife ich durch das Haus und bleibe irgendwann vor Dillons Tür stehen. Ich berühre die Klinke, lasse sie wieder los. Berühre sie erneut. Ein ähnliches Gefühl wie vorhin macht sich in meiner Brust breit, doch es ist schlimmer, viel schlimmer. Es ist so endgültig. Etwas, das nie wieder vergeht. Etwas, das nie wieder gut wird. Ich lege mein Ohr an die Tür und lausche. Wie früher, wenn ich hören wollte, ob er da ist. Ob leise seine Lieblingsmusik durch das massive Holz dringt. Jetzt ist es dahinter vollkommen still. Für immer. Ich drehe den Kopf, bleibe mit der Stirn daran gelehnt stehen und blicke zu Boden. Sehe meinen Tränen dabei zu, wie sie auf die Terrakottafliesen tropfen.
Stunden später bin ich immer noch allein. Mittlerweile habe ich sämtliche E-Mails versendet, zwei höfliche Absagen verfasst und den Dienstplan an alle Mitarbeitenden rausgeschickt.
In den letzten drei Jahren hatte ich keinen Tag Urlaub, doch anstatt spazieren zu gehen oder mich einfach mal zu entspannen, bin ich froh über jede Ablenkung. Aber egal, wie oft ich meine Mails hintereinander abrufe, mein Postfach bleibt leer. Ich habe alles erledigt.
Mit der Zeit ist das so eine Sache. Hat man nichts zu tun, zieht sie sich fast unerträglich in die Länge, und passiert viel, vergeht sie wie im Flug.
Seit Jahren stehe ich so dermaßen unter Strom, dass ich mit der momentanen Ruhe kaum klarkomme. Eigentlich müsste ich den Stecker ziehen, aber ich bin immer und überall auf Stand-by.
Mit dem Lauf der Sonne wechsele ich meinen Standort. Stets auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen verlagere ich meinen rastlosen Körper vom Feigenbaum im Innenhof des alten Vulkansteingemäuers auf die mit wildem Wein überwucherte Terrasse mit Blick aufs offene Meer.
Irgendwo da draußen sind sie.
Ich spüre die Angst in mir emporkriechen, langsam breitet sie sich aus, bis sie vollständig die Kontrolle über meine Gedanken übernommen hat. Mein Verstand sagt mir, dass sie sonst auch beinahe täglich da draußen sind, aber wenn ich so weit wie möglich von El Hierro entfernt bin, mit so viel Arbeit und Ablenkung wie nur möglich, ist es für mich nicht real. Oder sagen wir: ist es für mich besser erträglich.
Ich hätte nie gedacht, dass es dich trifft, Dillon.
Die Familie mit den zwei Kindern ist nicht bei der heutigen Beginnersession dabei und steht, bewaffnet mit Handtüchern und Schwimmtieren, plötzlich vor mir. Ob es mich störe, wenn sie den Pool nutzten, dringt es wie durch Watte zu mir durch. Was erwarten sie für eine Antwort auf diese Frage? Zieht euch gefälligst Hosen an und diese furchtbaren Flipflops aus, lasst die Luft aus dem Gummiflamingo heraus und dann informiert euch über die Wasserknappheit auf der Insel und fragt euch, ob es wirklich ökologisch korrekt ist, ein Feriendomizil mit Pool zu buchen?! »Nein, nein, kein Problem, ich wollte eh gerade gehen«, höre ich mich wie in Trance sagen.
Ich flüchte in die angenehme Kühle des Hauses und schmiere mir in der Küche ein Brot mit Peaches’ selbst gekochter Marmelade. Dann noch eins und ein drittes. Ihrer Marmelade konnte ich noch nie widerstehen. Sie macht süchtig. Gott, hat mir das gefehlt. Peaches hat mir immer ein bisschen das Gefühl von Wärme und Geborgenheit gegeben. Mehr als alle anderen. Obwohl sie selbst nie Kinder haben wollte. Mein egoistisches Ich ist froh darüber, dass sie, genau wie meine Eltern, vor vielen Jahren auf El Hierro gestrandet ist und nie wieder in die USA zurückkehren wollte. Was ich neben ihrer Liebe, Verrücktheit und Marmelade immer ganz besonders an Peaches geschätzt habe, war ihre Immunität meinem Vater gegenüber. Sie hat ihn niemals angeschmachtet, als wäre er ein Halbgott, und manchmal frage ich mich, ob nicht eher wir ein Teil ihrer Familie sind und nicht sie ein Teil unserer Familie. Familie. Vielleicht ein Begriff, der ohne Peaches gar nicht auf uns zuträfe. Oder der vielleicht eine neue Definition bräuchte. Eine, die uns mehr entspricht.
Ich beschließe, mich die wenigen Tage vor meiner Abreise etwas mehr in diese Familie zu integrieren, und setze einen großen Topf mit Spaghetti auf. Sicher haben alle Hunger, wenn sie zurückkommen.
Wenn sie zurückkommen.
Dann google ich nach Rezepten für Tomatensauce. Als ich damit fertig bin, sind die Spaghetti ein einziger dicker, versalzener Klumpen, den ich nur noch in der Mülltonne versenken kann. Ich koche selten. Eher nie. Ich wasche den Topf aus und will einen weiteren Versuch starten, doch das Geräusch des alten Vans erlöst mich von diesem Vorhaben. Im Nachhinein werden sicherlich alle froh darüber sein.
Die stundenlange Einsamkeit treibt mich dazu, ihnen entgegenlaufen zu wollen, doch ich bremse mich selbst im letzten Moment ab. Es wäre zu merkwürdig. Stattdessen lehne ich mit verschränkten Armen im Türrahmen wie eine Mutter, die sauer und besorgt zugleich ist, weil ihre Kinder die Zeit vergessen haben. Wie jede Mutter es tun würde – außer meiner eigenen.
Tuula und Maxime steigen vorne aus, während von innen die Seitentür aufgeschoben wird. Bash und Camille springen mit einem Stapel Pizzakartons bepackt heraus, gefolgt von Peaches … und Yann. Er trägt immer noch oder schon wieder dieselben Klamotten wie am Freitag. Schwarze Hose, weißes Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Ich merke, dass mir sämtliche Gesichtszüge entgleiten. Und er merkt es auch. Ich kann mir nicht helfen, aber ich komme einfach nicht damit klar, dass er jetzt irgendwie dazugehört. Dass er wahrscheinlich mehr dazugehört als ich. Es fühlt sich an, als würde mich ein Eindringling zu einem Eindringling machen. Ich verstehe es einfach nicht. Er war früher so ein … Arsch.
Bash drückt Yann ohne Vorwarnung die Kartons mit den Pizzen in die Arme und stürmt auf mich zu. Ich möchte fast reflexartig beiseitespringen oder wegrennen, um nicht von ihm umgerannt zu werden, doch er bremst kurz vor mir ab, hebt mich hoch und wirbelt mich unvermittelt herum. Dann setzt er mich wieder ab. Sein Lächeln ist ansteckend. »Sieben Minuten elf, Delphine! Ist das nicht der Wahnsinn? Sieben Minuten elf.« Er dehnt die Worte, damit ich mir deren Bedeutung bewusst werde.
Es macht auch ohne diese übermäßige Betonung klick. »Neue persönliche Bestzeit?«, frage ich dennoch.
Er nickt und grinst, grinst und nickt. »Ich sage euch, nicht mehr lange, und ich schaffe es endlich in das spanische Nationalteam.«
Maxime klopft ihm auf die Schulter. »Du schaffst alles, wenn du es nur genug willst.«
Ich widerstehe dem Drang, mit den Augen zu rollen.
»Ich will es wirklich«, antwortet Bash, als befände er sich gerade in einem Motivationsseminar und müsste den Kursleiter von seinem Kampfgeist überzeugen.
Maxime senkt den Kopf, nickt wohlwollend und geht an mir vorbei, als wäre ich nicht existent. Wäre er nicht mein Vater, hielte ich ihn für einen Aufschneider, aber er ist nun mal mein Vater.
Nein, ich halte ihn trotzdem für einen Aufschneider.
Früher war er für mich der Größte, aber das war einmal. Heute ist ihm wahrscheinlich auch viel wichtiger, dass ihn alle für den Größten halten.
Ich sehe ihm einen kurzen Moment hinterher, wende mich aber gleich darauf wieder an Sebastián. »Sieben Minuten, das ist wirklich Wahnsinn. Gratuliere, Bash.« Es ist mir unbegreiflich, dass der menschliche Körper die Fähigkeit besitzt, so lange die Luft anzuhalten, ohne schwerwiegende Schädigungen zu erleiden.
»Sieben Minuten und elf.« Aus der Tasche seiner Shorts zieht er einen kleinen Stein, der ganz entfernt die Form eines Herzens hat, und drückt ihn mir in die Hand. »Für dich, vom Meeresgrund.«
Ich betrachte den Stein und dann Bash. Unter all seinen Muskeln, seinem Charme, seinem Sunnyboy-Image und seinem Ehrgeiz, irgendwann ganz groß in der Freediving-Szene mitzuspielen, steckt immer noch der nette, stets gut gelaunte Junge von nebenan. Er macht es mir leicht, mich bei ihm wohlzufühlen, selbst wenn er mir gerade sein Herz in die Hände legt.
