Freud oder Leid? Tränen im Nibelungenlied - Oliver Borner - E-Book

Freud oder Leid? Tränen im Nibelungenlied E-Book

Oliver Borner

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2015 im Fachbereich Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, Note: 2,0, Universität Zürich (Deutsches Seminar), Sprache: Deutsch, Abstract: Brünhilds Tränen scheinen unaufhaltsam zu sein und man fragt sich: Wieso weint die schöne Frau? Tränen sind, ein häufig anzutreffendes Thema im Nibelungenlied. Wenn man sich jedoch genau mit dem Werk auseinandersetzt, wird klar, dass die Tränen nicht nur mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht werden. In dieser Arbeit soll auf die verschiedenen Gesichtspunkte dieser Thematik eingegangen und ein Versuch aufgezeigt werden, welche Wirkungen und Aufgaben die Tränen im Text haben und wie diese zu interpretieren sind. Hierzu soll im ersten Teil als kurzer Einstieg die Bedeutung der Tränen im Zusammenhang mit dem Tod in der mittelalterlichen Literatur erläutert werden. Dies soll vor allem als Einführung für den Tod Siegfrieds und die anschliessende Trauer von Kriemhild dienen. Dabei bezieht man sich bewusst nur auf den höfischen Roman und das Heldenepos, da das Nibelungenlied von beiden Gattungen beeinflusst wird. Danach werden im zweiten Teil die einzelnen Stellen im Nibelungenlied genauestens analysiert, damit sie dann, im Zusammenhang mit dem Text, interpretiert und bewertet werden können. Abschliessend folgt im dritten Teil der Arbeit eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und eine Antwort auf die Fragestellung.

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhaltsverzeichnis

 

1.weinen si began (V. 615, 3)

2 Tränen und Tod in der mittelalterlichen Literatur

3 Brünhilds Tränen

3.1 Die Tränen beim Bankett

3.2 Die Tränen vor dem Münster

4 Kriemhilds Tränen

4.1 Die Tränen nach Siegfrieds Tod

4.2 Die Tränen vor Hagen am Hofe Etzels

5 Fazit

Bibliographie

 

1.weinen si began (V. 615, 3)

Brünhilds Tränen scheinen unaufhaltsam zu sein und man fragt sich: Wieso weint die schöne Frau? Tränen sind, wie bereits im ÄDL-Kurs besprochen wurde, ein häufig anzutreffendes Thema im Nibelungenlied. Wenn man sich jedoch genau mit dem Werk auseinandersetzt, wird klar, dass die Tränen nicht nur mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht werden.

In dieser Arbeit soll auf die verschiedenen Gesichtspunkte dieser Thematik eingegangen und ein Versuch aufgezeigt werden, welche Wirkungen und Aufgaben die Tränen im Text haben und wie diese zu interpretieren sind.

Hierzu soll im ersten Teil als kurzer Einstieg die Bedeutung der Tränen im Zusammenhang mit dem Tod in der mittelalterlichen Literatur erläutert werden. Dies soll vor allem als Einführung für den Tod Siegfrieds und die anschliessende Trauer von Kriemhild dienen. Dabei bezieht man sich bewusst nur auf den höfischen Roman und das Heldenepos, da das Nibelungenlied von beiden Gattungen beeinflusst wird. Danach werden im zweiten Teil die einzelnen Stellen im Nibelungenlied genauestens analysiert, damit sie dann, im Zusammenhang mit dem Text, interpretiert und bewertet werden können. Abschliessend folgt im dritten Teil der Arbeit eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und eine Antwort auf die Fragestellung.

2 Tränen und Tod in der mittelalterlichen Literatur

 

Wer sich mit der Erzähldichtung des Mittelalters beschäftigt, stellt schnell fest, dass der Tod eine rein männliche Angelegenheit ist. Dabei ist vor allem auffällig, dass der Tod meist gewaltsam eintritt[1], so auch im Nibelungenlied. Das beste Beispiel stellt dabei Siegfried dar, welcher durch Hagens Gewaltakt im Wald bei der Quelle brutal umkommt:

 

Dâ der herre Sîfrit ob dem brunnen tranc/

er schôz in durch daz kriuze, daz von der wunden spanc/

daz bluot im von den herzen vaste an Hagenen wât/

sô grôze missewende ein helt nimmer mêr begât./(V. 978, 1-978, 4)

 

Der Tod des Helden Siegfrieds ist für die mittelalterliche Dichtung ganz normal. Gerade im Heldenepos kommt es oft vor, dass viele Helden gewaltsam und meist unter grossem Blutverlust sterben. In diesem Punkt unterscheidet sich der Heldenepos vom höfischen Roman, wo ein einziger Held für die minne sterben kann.[2] Der Tod hatte im höfischen Roman auch ganz andere Auswirkungen auf die Hinterbliebenen als im Heldenepos. So war es beispielsweise möglich, dass Gedenkfeiern veranstaltet wurden für den gefallenen Helden. Zudem diente die Darstellung des Todes und der anschliessenden Klage oft der Legitimation des Adels oder eines bestimmten Adelsgeschlechts.[3]

 

Auch im höfischen Roman und Heldenepos gibt es nun in Bezug auf den Tod Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Frau im höfischen Roman stirbt meist als Witwe oder am Schmerz, den sie für den Tod ihres Gatten empfindet. Dabei spielt die minne eine entscheidende Rolle.[4] Greenfield geht dabei davon aus, dass „der Tod des Mannes (wegen dieser gleichen Liebe) zum Tod der Frau“[5] führe. Der Umstand, dass im höfischen Roman meist der Mann vor der Frau stirbt, unterstürzt diese These zusätzlich.[6] Anders sieht dies im Heldenepos aus. Gerade im Nibelungenlied spielen die Frauen eine wichtige Rolle. Sie sind nicht wie im höfischen Roman an den Mann gebunden (z.B. Brünhild) und handeln aus ihrer eigenen Überzeugung heraus (z.B. Kriemhild). Dies liegt vor allem auch daran, dass nicht die minne, sondern die Ehre und der Kampf um die Macht im Zentrum des Epos stehen.[7]