Freud und Leid im Praxiskleid - Monika Bär - E-Book

Freud und Leid im Praxiskleid E-Book

Monika Bär

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Beschreibung

Sehr ehrlich, aber auch höchst komisch erzählt Monika Bär Kurz-Geschichten zum Schmunzeln aus dem Arbeitsleben von Schwestern, einer Arzthelferin und natürlich den Herrgöttern in weiß. Ihre Anekdoten aus dem völlig normalen Arbeitswahnsinn des Arztpersonals und den alltäglichen Aufregungen der Patienten werden dabei lebhaft unterstrichen von einzigartigen Illustrationen, die ganz für sich noch einmal eine eigene kleine, lustige Geschichte erzählen. Und das ist der Dame in weiß besonders wichtig – denn als Arzthelferin weiß Monika Bär aus erster Hand: Die Realität in deutschen Arztpraxen ist oft nur mit viel Humor und Berufung zu bewältigen. Lachen - die beste Medizin!

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Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Monika Bär

Freud und Leid im Praxiskleid

Über die Autorin

Monika Bär 21.02.1947 in Ebensfeld, geborene Mecklenburg, glücklich geschieden, 1 Sohn.

Am 01.09.1962 begann sie eine Lehre als Arzthelferin und feierte vor kurzem ihr 50-Jähriges Jubiläum. In ihrer beruflichen Laufbahn sammelte sie Erfahrungen bei einem Internisten, einer großen Allgemeinarztpraxis sowie einige Jahre beim Urologen. Fast 23 Jahre arbeitete die Autorin auch in der Ambulanz eines Dialysezentrums. Aufgrund einer schweren Erkrankung verabschiedete sich Monika Bär aus dem Arbeitsleben. Doch anstatt als Rentnerin den Lebensabend zu verbringen, hält sich die fidele Arzthelferin aus Berufung seit 10 Jahren mit sehr viel Freude und Einsatz als sogenannte Minijobberin auf dem Laufenden. Denn Monika hat keinen Beruf, sie lebt ihre Berufung. Liebevoll wurde die Praxis-Oma von ihren Schützlingen inzwischen sogar zur „Queen Mom“ geadelt.

Monika Bär

Freud und Leid im Praxiskleid

Mein Leben im weißen Kittel

1. Auflage Ober-Flörsheim Februar 2014

© Brighton Verlag, Ober-Flörsheim www.brightonverlag.com info@brightonverlag. com

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des VerlagsAlle Rechte vorbehalten!

Lektorat: R. Möller Illustrationen: Astrid Gavini Satz & Layout: Ernst Trümpelmann, [email protected]

ISBN 978-3-945033-26-5

Danksagung

Für die freundliche Unterstützung und Mithilfe möchte ich mich bei der Firma Hexal Holzkirchen sowie auch bei Frau Dr. med. Elke Oberdorf bedanken.

Geschichten aus dem Arbeitsleben von Schwestern, einer Arzthelferin und natürlich den Herrgöttern in Weiß

Wie sollte eine perfekte Arzthelferin aussehen und sein?

Als der liebe Gott daran arbeitete eine Arzthelferin zu erschaffen, musste er gleich am 4. Tag viele Überstunden einlegen.

Da kam ein Engel auf ihn zu und sagte: „Herr, hast Du auch die unendlich lange Liste spezieller Wünsche auf deinem Zettel beachtet? Du solltest diesen Beruf sowohl als Frau, als auch als Mann herstellen. Sie, oder er, muss unbedingt wartungsfrei, leicht zu desinfizieren, und nicht aus Plastik sein. Beide sollten Nerven wie dicke Stahlseile haben. Er oder sie sollte schlank sein, damit sie immer wendig ist und schnell von einem Patienten zum nächsten eilen kann. Deine Kreation sollte natürlich mehrere Sachen gleichzeitig erledigen können. Gut wäre es, wenn sie eine Hand mehr hätte.. Auch das Äußere ist wichtig. So wäre ein immer strahlendes Lächeln wichtig, sowie Weitsicht, Liebe zum Beruf und das Wissen um die stete Bereitschaft, dass Überstunden normal sind. Natürlich darf dieses Geschöpf niemals krank werden und wenn sie dann doch mal etwas hat, könnte man ihr ja schnell etwas spritzen, damit der Dienst ohne Beanstandungen über die Bühne geht“.

Der liebe Gott überlegte und überlegte. Der gute Engel gab ihm den Rat, doch noch eine Nacht darüber nachzudenken. Er willigte ein, zog sich in seine Gemächer zurück, konnte aber keine Ruhe finden.

Am nächsten Morgen, nach einer langen durchplanten Nacht, bei einem göttlichen Frühstück sprach Gott schließlich zu dem Engel: „Ich habe es geschafft, dass meine Schöpfung kaum krank wird, Und wenn, dann kann sie sich selber heilen. Sie wird begreifen, dass auch zwanzig wartende Patienten viele neue Krankheitsgeschichten erzählen und man im Leben doch immer gerne dazulernen möchte. Man müsse dann auch nicht so viele Fortbildungen mitmachen und die Fehlzeiten sind geringer. Sie hat sehr große Freude an ihrem Beruf, springt auch gerne beim Wochenenddienst ein, ohne dafür mehr Gehalt zu fordern. Ich überlege noch, ob ich die Gebärmutter bei ihr weg lasse. Eine Schwangerschaft bedeutet wochenlanges Fehlen am Arbeitsplatz. Ihrer Liebe zu Kindern kann sie in der Praxis freien Lauf lassen. Die kleinen Patienten werden es ihr danken. Ihr Arbeitgeber wird überglücklich sein. Als Dank für ihren unermüdlichen Einsatz hat sie dafür einmal im Monat nur eine Fünf-TageWoche. Ja, ich denke, ich habe nun die perfekte Version Schwester Modul 2.0.

Wie von Gott in schillerndsten Farben ausgemalt – wurde das Modell geschaffen. Der Engel sah es sich von allen Seiten an, war sehr zufrieden und so wurde es auf die Menschheit losgelassen.

Bei der Produktion schlichen sich zwar dann doch hin und wieder kleine Fehler ein. Denn es gibt nicht nur solche, die genau so waren, wie Gott sie schuf, sondern auch andere, die das genaue Gegenteil sind. Doch die gehen zum Glück in der Masse der Guten unter.

Das Leben als Arzthelferin hat nach vielen Jahren, trotz der robusten Bauweise, dann doch die eine oder andere Schädigung hinterlassen. Bei manchen weniger, bei manch anderen dafür umso mehr.

• Schlechte Augen durch das jahrelange Entziffern von Arzthandschriften• Zahnlücken durch angetrunkenen Patienten

• Verlotterte Kleidung wegen Unterbezahlung

• Ausgefranste Haare durch schlechte Nerven

• Schwerhörigkeit durch das ständige Anhören von Patientenleiden

• Gelbe Haut durch Hepatitis

• Kaputter Rücken durch das Heben von Patienten und vielen Akten

• Krampfadern durch zu langes Stehen

• Plattfüße durch ständiges Hin- und Herlaufen

• Rheuma in allen Gelenken

• Allergien ohne Ende, so viel Medizin kann man gar nicht schlucken

• Ständig Hunger, da Pausen kaum möglich waren

Jedoch …. Alles in allem ist dem lieben Gott ein Werk gelungen, was sich trotz all dieser Nachteile auf die eigene Gesundheit bis zum letzten Atemzug um all die kranken Schäfchen kümmern wird – einfach, weil diese Schöpfung kein Beruf – sondern eine Berufung ist.

Die Privatpatientin

Montagmorgen, große Hektik wie jeden Montagmorgen. Viele Patienten, alles natürlich dringende Fälle. Das Wartezimmer quillt über. Einige Patienten stehen vor der Anmeldung. Wahrscheinlich denken sie, sie kämen dann schneller dran. Ich erkläre zum zigsten Mal: „Nein, Herr Doktor ist leider noch nicht da, dringender Hausbesuch.“ Dies wirkt meistens. In meinem Kopf geht es rund.

Gestern kam der Anruf vom besten Freund meines geliebten Chefs. Ich höre nur die Antwort: „Tennis morgen früh um 7 Uhr. Geht klar, die warten schon.“ (Wer ist die?) Na ja, denke ich eine Stunde Tennis, duschen, er wird schon kommen. Er kommt ja immer.

Am nächsten Morgen geht um 8.30 Uhr erneut die Türglocke. Herein kommt, nein, schwebt eine Patientin, war noch nie hier. Sieht aus, als hätte sie vier Stunden eine Visagistin bemüht oder auch gefordert, schiebt sich an den anderen normalen Patienten vorbei, kommt mir sehr nahe und sagt: „Guten Tag, mein Name ist Seegers von der Firma Seegers (noch nie gehört). Fräulein, das sagt Ihnen doch wohl etwas, Blattgold verarbeitende Firma seit 100 Jahren.“ Ich denke mir, fast so lange leitet sie wohl auch schon besagte Firma. Gut, dass sie meine Gedanken nicht lesen kann. „Ich bin ein Notfall. Ich muss sofort zum Arzt, Fräulein.“ (Schon wieder diese Formulierung!) Serviere ich vielleicht Kaffee? Sie spricht schon wieder. „Fräulein, es ist dringend und außerdem …“ Dabei schaut sie alle anderen seit fast neunzig Minuten wartenden Patienten an. Jetzt kommt es: „Ich bin Privat.“

Meine Antwort: „Macht nichts, wir behandeln Sie trotzdem.“ Diese Aussage von mir hätte fast einen echten Notfall hervorgerufen. Sie schnappt nach Luft und gibt mir in ihrer ganz eigenen, sehr noblen Art ihre Personalien an. Dann geht sie zielstrebig zum nächsten Stuhl und bittet darum, den doch für sie freizuräumen. Die arme Frau Schnell weiß gar nicht, wie ihr geschieht, ist total verdutzt und gesellt sich zu den anderen stehend wartenden Patienten. Frau Schnell ist über achtzig Jahre alt. Frau Seegers war nach ihren Angaben fünfundvierzig. Was ein guter Visagist doch für Wunder vollbringen kann. Locker hätte ich ihr auch eine Sechzig zugetraut.

Eigentlich entscheide ich nach dem Krankheitsbild, wer wann zum Arzt kommt. Manchmal bitte ich auch darum, für einen Patienten einen Sitzplatz zu räumen. Aber ein Blick von ihr und ich dachte: Mein Soll an diesem Notfall ist aus ihrer Sicht bestimmt erfüllt. Im Vorbeigehen sage ich Frau Schnell, dass sie die erste Patientin ist.

Wenn Blicke töten könnten. Es traf mich wieder ein zorniger Blick. Aber Ignorieren von Blicken gehört eben ab und zu auch dazu.

Alles wird gut. Endlich geht die Tür auf und der, wie viele meinen, „Herrgott in Weiß“ bittet zur Audienz. Als endlich Frau Seegers an der Reihe ist, wird erst einmal die Dame am Empfang gerügt. Unser Doc meinte nur: „Hat der Empfang nicht recht behalten? Wir behandeln Sie doch jetzt.“ Dazu lacht er. Seine sonnengebräunte Haut, seine dunklen Augen, seine weißen Perlen, ach, ich meine doch nur seine Zähne, alles an ihm strahlt. Ja und nun wird doch der berühmte Hund in der Pfanne verrückt. Auf einmal strahlen zwei sonnengebräunte Häute, zwei braune und zwei blaue Augen um die Wette.

Ich fasse es nicht. Irgendwann komme ich dann wieder an sie ran und darf ein EKG, eine Blutentnahme und natürlich einen Besprechungstermin ausmachen. Wenn sie nun schon mal bei uns ist, dann könne man ja auch einen Rundumschlag machen. Wir kommen ins Gespräch und sie ist sehr begeistert von unserem kleinen „Herrgott“. Sie werde uns auch weiter empfehlen, natürlich auch in ihrem Golfclub! Als wir den Termin zur Besprechung ausmachen, strahlt sie mich an. Ich kann es kaum glauben, aus ihrem Mund kommt ein Lob. Sie strahlt und sagt: „Ihr seid ein tolles Team und … auch so schlagfertig.“

Ach ja, die Notfallerkrankung unserer neuen Patientin sollte ich noch erwähnen. Man stelle sich vor, dieser Kummer, diese Schmerzen. Diagnose in der Karteikarte: Warze am rechten Großzeh. Ich habe Mitleid mit dem Großzeh. Erwähnen möchte ich auch noch, dass wir Frau Seegers noch viele Jahre betreut haben. An die anderen „Notfälle“ kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Ist vielleicht auch besser so.

Der Zivi

Irgendwann begann meine Karriere in einem Dialyse-Zentrum, dem immer wieder mal ein Zivildienstleistender angehörte. Alles nette, junge Männer! Das Einzige, was alle wollen, immer alles ausdiskutieren. Sie beherrschen alles, wissen alles, und meinen die Welt von heute auf morgen verändern zu können.

Zu den Aufgaben unserer Zivis gehörte es auch, nachdem die Patienten an den Maschinen ein Frühstück oder Mittagessen bekommen haben, nachzufragen, ob jemand sein Gebiss nach dem Essen gereinigt haben möchte. Viele hatten die sogenannten „Dritten“. Also legte unser kleiner rothaariger Zivi Klaus sich ins Zeug. Dienstbeflissen ging er durch alle Zimmer und kam dann eine halbe Stunde später mit den toll gereinigten Ersatzzähnen an unsere Überwachung. Ungünstiger Weise standen auch unser Boss und die leitende Schwester des Zentrums gerade da. Alle traf fast der Schlag. Fein säuberlich auf einem weißen Tablett aufgereiht lagen sechs, blitzblank polierte Gebisse. Aber wem gehörten diese Zahnreihen?

Klaus wurde rot, als ihm sein Fehler klar wurde. Unser Boss, dem augenblicklich ebenso klar wurde, in welcher Situation Klaus sich gebracht hatte, bekam eine Farbe, ich denke, man nennt es Zornesröte, und schnappte nach Luft. Die Haare standen ihm sowieso immer nach oben, jetzt aber noch mehr als sonst. Er stand offensichtlich kurz vor einer lautlosen Detonation. Dann jedoch wurde seine Stimme laut und lauter. Im Einzelnen kann ich mich, und möchte ich mich auch nicht mehr daran erinnern, was er alles von sich gab. Klaus musste in die jeweiligen Zimmer zurück und die Besitzer der Zähne ermitteln. Ich gab ihm den Tipp, doch als erstes bei Herrn Schneider nachzufragen. Herr Schneider ist ein liebenswürdiger Mann, immer ein Lächeln, immer ein kleiner Witz zu Beginn der Dialyse und halt einfach gut drauf.

Ich wartete gespannt darauf, wie Kläuschen diese blöde Situation meistern würde. Er sagte einfach schlicht und ergreifend, was ihm passiert war und wie unangenehm diese „Angelegenheit“ für ihn sei. Herr Schneider lachte und meinte dann zu Klaus: „Dann geben Sie mal her!“ Er besah sich die sechs Gebisse, entschied sich für eins, klemmte es tatsächlich in seinen Gaumen und entschied dann: „Dies ist nicht meines“. Er legte es zurück und nahm das nächste. Es passte. Er erzählte dem niedergeschlagenen Klaus dann noch schnell einen Witz:

Trifft ein Mann seinen besten Freund auf der Straße. Dieser erzählte, er käme gerade vom Zahnarzt, habe sein neues Gebiss abgeholt. Dabei strahlte er ihn mit einem breiten Grinsen an. Der Freund meinte nur: „Schön, aber gab es dieses nicht auch in weiß?“

Der Aufmunterungsversuch war erfolgreich, denn Klaus lächelte und begab sich zum nächsten Opfer.

Irgendwann hatten alle ihre eigenen Kauleisten wieder in den Mund gestopft. So gut, wie Herr Schneider hatteen jedoch nicht Alle die Sache aufgenommen. Armer Klaus, er musste seinen Dienst sofort nach dieser Aktion verlassen. Doch er sollte nicht der Einzige sein, de so etwas passierte. Wir bekamen immer wieder mal so einen Klaus, auch wenn sie Werner, Peter oder Andreas hießen.

Der Kotstein

Jeder fängt mal klein an. Während meiner Lehrzeit hatte ich einen gestrengen Herrn und Meister. Das erste halbe Jahr durfte (oder musste) ich viel putzen und durfte schon mal eine Karteikarte vom Empfang ins Sprechzimmer bringen. Die Verantwortung dieser Aufgaben gab mir viel Aufschwung. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, wollte ich doch nun endlich mal an einen echten Patienten ran.

Endlich kam mein großer Auftrag. Herr Doktor wehte in seinem schneeweißen Kittel an mir vorüber und sagte doch tatsächlich zu mir: „Kommen Sie mal mit! Sie können mir assistieren.“ Was für ein Wort! Welche Verantwortung! Schon sah ich mich als Fräulein Professor persönlich. Auf dem Weg ins Untersuchungszimmer wurde mir dann doch sehr mulmig zumute, aber es sollte noch schlimmer kommen.

Meine erste Verwunderung kam schon, als ich mir eine weiße Plastikschürze über meinen geliebten Kittel anziehen musste. Wir näherten uns dem Untersuchungsraum. In diesem waren drei Kabinen, die durch Vorhänge getrennt waren. Es befanden sich nur eine Liege und ein kleiner Beistelltisch in dem kleinen Raum.