Friedrich Wilhelm Utsch - Margarete Hachenberg - E-Book

Friedrich Wilhelm Utsch E-Book

Margarete Hachenberg

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Beschreibung

Was alles geschah wohl zu der Zeit, als einer meiner Vorfahren als Förster für den Kurfürsten der damaligen Kurpfalz arbeitete? Vor sehr vielen Jahren bereits stellte ein Verwandter durch Recherche unseres Stammbaumes fest, dass Friedrich Wilhelm Utsch, der Jäger aus Kurpfalz, einer meiner Vorfahren war. Er lebte von 1732 bis 1795, zu der Zeit des Preußenkönigs Friedrich II und der Einfuhr der Kartoffel. Zu Utsch gibt es nur ganz spärliche Informationen. Um daraus einen Roman schreiben zu können, befasste ich mich mit der Zeit in Deutschland im 18. Jahrhundert. Neben Fakten ist sehr vieles natürlich auch fiktiv, einfach aus meiner Fantasie heraus entstanden. Mich interessierte, wie die Menschen damals in der Epoche des Absolutismus lebten, wie ihr Alltag aussah und erschreckte, als ich auf die Fakten stieß. So realistisch wie nur eben möglich fügte ich das in den Roman ein. All das ist Teil meiner eigenen Vergangenheit und ich verfolgte den Weg zurück, erfand Lene, die Frau, den der Förster heiratete und Kinder mit ihr zeugte. Ob Friedrich Wilhelm Utsch je heiratete, weiß ich nicht. Dieser Erbförster des Kurfürsten in der damaligen Kurpfalz erlebte in den letzten Jahren seines Lebens noch die Industrielle Revolution und die Anfänge der Französischen Revolution. Ich hoffe, dass dieser Roman gefällt.

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Seitenzahl: 250

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Margarete Hachenberg

Friedrich Wilhelm Utsch

Ein Roman über den Jäger aus Kurpfalz

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Der siebenjährige Krieg

Die Jagd

Am Hofe des Kurfürsten

Eine neue Frucht

Die geheime Abmachung

Der Erbförster

Heinrich und Ludwig

Die Jagd

Die sonderbare Knolle

Der Kurfürst und sein Erbförster

Lene

Das Utschhaus am Rhein

Das Malteser Hospital

Die Kartoffel

Ein Wilddieb

Bei den Sienekamps

Friedrich

Am Schloss des Königs

Hiesel und seine Bande

Der preußische König

In Bayern

Der König und Voltaire

Die Jagd nach den Wilderern

Die Handwerker

Freiherr von Racknitz

Weit ist der Weg

Utsch und Ludwig

Das Elend

George Washington und der preußische König

Der Plan des Erbförsters

Die Vorbereitungen

Nachwort

Impressum neobooks

Der siebenjährige Krieg

„Der Krieg hat alles Geld aus unserer Staatskasse verschlungen. Was kann ich in dieser schier ausweglosen Situation bloß unternehmen?“ Friedrichs Schnallenschuhe schabten über den polierten Bretterboden und runzelte seine Stirn. „Wie soll ich diesen Krieg noch finanzieren?“ fragte er sich. „Was mache ich bloß? Ach, ich schicke meinen Diener aus, der soll eine Nachricht an die Münzprägestätte Veitel Heine Ephraim und Daniel Itzig bringen. Träge setzte er sich an seinen Sekretär aus edlem Eichenholz und kratzte mit der Feder über ein Stück Papier. „Die Finanzen Preußens sind vollkommen aufgebraucht. So kann ich unmöglich den Krieg weiter finanzieren und wir sind noch nicht am Ende. Ohne Eure Unterstützung, in welcher Form auch immer, ist Preußen hoffnungslos zerrüttet.“ Darunter machte der König seinen Stempel aus Wachs. „Berthold!“ rief er forsch aus seiner Bibliothek. Eilende Schritte eilten in das Gemach. „Was wünscht Ihr, Eure Majestät?“ Berthold verneigte sich tief. „Nehmt ein Pferd aus dem Stall und reitet auf der Stelle zu den Pächtern der Münzprägestätte. Überreicht den Herren diese Botschaft. Es eilt, also sputet Euch!“ Mit einer Handbewegung untermalte der König seine Worte. Berthold nahm das raschelnde Pergament als Rolle, setzte sich auf sein Pferd und erledigte den Auftrag des Königs, legte das Schriftstück auf den Tisch der Firma. Daniel Itzig las. Er nahm eine Feder, tauchte diese in ein Glas mit Tinte und schrieb. „Eure Majestät, ich biete Euch an, den Silbergehalt von Groschen und Talern zu senken. Außerdem unterbreite ich Euch noch das Angebot, Millionen von Münzen mit einem minderwertigen Feingehalt an Silber prägen zu lassen, was jedoch niemand merken wird.“ „Nehmt dies Papier und gebt es Eurer Majestät, dem König.“ Mit dieser Neuigkeit ritt Berthold zurück zum König und überreichte sie.Friedrichs Gesicht leuchtete und strahlte. Er notierte: „Mit Eurem Vorschlag bin ich einverstanden und sichere Euch auf Lebenszeit Straffreiheit zu. Bringt diese Nachricht wieder an denselben Ort.“ Berthold verschwand leise aus dem Gemach, an dessen Wände sich die Bücher auf Regalen reihten. „Nun muss ich nur noch die Unterlagen, die mir zukommen werden, vernichten, damit keiner merkt, dass ich, der König Preußens, etwas mit dieser Falschmünzerei zu tun habe.“ Ein Kronleuchter aus Glas mit einzelnen hängenden Elementen hing von der Decke herab, runde Säulen trennten die Regale voneinander und eine runde Nische schien den Raum optisch zu vergrößern. Die hohen Fenster mit ihren Rundbögen ließen die Strahlen der Sonne in das wunderschöne Gemach.

Die Jagd

Hörner erklangen zum Auftakt der Jagd. Die Windhunde verteilten sich zwischen den Reitern und hechelten. Alles Wild des Soonwaldes in der Nähe Bad Kreuznachs jagte der Jäger aus Kurpfalz, Friedrich Wilhelm Utsch und sein Gefolge. Hoch auf seinem Ross thronte der Jäger, der das Kommando gab. „Jagt die Meute!“ schrie er und seine Knechte liefen ihm hinterher. Im Galopp ritt der Jägersmann über das Gebirgsmassiv im Hunsrück, welches sich über die Stadt erhob. Ruhig lag der Mühlenteich mit seiner alten Mühle, in der die Bauern ihr Getreide mahlten.Der Weidmann und seine Knechte und Jäger trugen einen Hetzstrick an einem Riemen um ihre Hälse und an ihnen folgten je zwei Hunde. Die Vorderpfoten preschten weit nach vorne, die Hinterläufe streckten die Körper der hetzenden Hunde, die Knochen zeichneten sich ab. Friedrich Wilhelm Utsch hielt einen Teil des Metzstrickes in seiner offenen rechten Hand. Bei diesem Ritt in den Wald flatterte sein Haarzopf im Wind, lustig stellte er sich in die Höhe. Der Dreispitz saß auf seiner weißen Lockenpracht, über seinem weißen Hemd mit hohem Kragen und feiner Rüschenzier trug er eine Weste. Im Wald angekommen ließen die Männer ihre Jagdhunde von der Leine und die Hunde rannten los.Sie wandten sich durch dichtes Gestrüpp, liefen leichtfüßig über das Laub der Erde, vorbei an Tannen und Laubbäumen.Wolken bedeckten den hellblau strahlenden Himmel. Schneller als der Wind, der in diesen Herbsttagen über das Land fegte, spannten die Hunde ihre schmalen Leiber. Aufgeschreckt schlugen Hasen ihre Haken, Hirsche und Rehe sprangen aus ihren Verstecken und Wildschweine suchten schnell das Weite. „Schlagt eine große Fläche kahl!“ kommandierte der Förster seine Männer, die mit ihren Äxten und Beilen auf die Baumstämme schlugen, bis die Bäume fielen und auf den Boden krachten. „Dieses Jahr soll das Stück die Richtstätte sein, um die Hirsche und Wildschweine zu erlegen. Sputet Euch! Der heilige Eustachius wird sich mit uns verschmelzen, denn er ist der Schutzpatron der Jäger. Also lasst uns beginnen!“ Gut gelaunt pfiff der Förster ein Lied. „Das Fleisch des Wildes verschmilzt mit uns und wir werden stark sein wie unsere Opfer, wenn wir sie verzehren.“ Friedrich Wilhelm Utsch lachte herzlich und guten Mutes. Er nahm seinen Dienst sehr ernst. Bereits einige Jahre zuvor schenkte ihm der Kurfürst für seine gute Arbeit ein Stück Wald. „Für Eure treuen Dienste“, so eröffnete Karl Theodor seine Rede, „schenke ich Euch das obere rechte Viertel des Waldes und eine Hütte dazu. Das soll neben Eurem Sold Eure Belohnung sein .“ Der Kurfürst und sein Erbförster besiegelten die Abmachung mit einem kräftigen Handschlag. Seit 1742 regierte er nun in der Pfalz, lebte jedoch die meiste Zeit in seiner Residenz in München. Einige Monate im Jahr besuchte der Fürst seinen Herrschaftssitz in der Kurpfalz. Das Raunen und Flüstern der Bauern gedieh zu einem gewaltigen Aufschrei. „Sind wir auf dieser Erde nur das letzte Stück Dreck? Für jede Fronarbeit unseres Fürsten sind wir gerade gut genug. Und was ist unser Lohn dafür? Wir haben nichts zu essen, doch dem Kurfürsten und dem Klerus müssen wir Steuern zahlen. Wir geben genug von unserer Ernte auf den Äckern und dann verlangt er noch von unserem Vieh! Selbst die Jagd verbietet uns der Fürst! Wir leiden Hunger und der Adel füllt sich die Bäuche auf unsere Kosten!“ Heinrich schüttelte seinen Kopf mit den verfilzten Haaren, der ständig juckte. „Dann ist es noch der Großzehnt und der Kleinzehnt, den der Adel von uns verlangt und den müssen wir erbringen, ob wir dazu in der Lage sind oder nicht. Das interessiert die hohen Herren nicht. Hauptsache, ihnen geht es gut“, meinte Anton. „Ja. Außer den Steuern sind es die Zölle und die Zinsen. Wir haben nichts mehr an Nahrung, da ich erst kürzlich meine Abgaben entrichtete. Sagt mir, wie soll es nur weitergehen?“ Ludwig schluchzte. „Ich weiß nicht mehr, was ich meinen Kindern zu essen geben soll.“ Zerrissen hingen die Lumpen an ihren Leibern herunter, die Beinlinge aus grobem Leinen und ihre Wamse. Die Männer standen in einer Gasse zwischen den Häusern und unterhielten sich. „Mit dem Pflug fahren wir Stunden über den Boden unserer Äcker und schneiden das Getreide, aus dem wir unser tägliches Brot backen könnten, doch es bleibt uns nichts übrig.“ Tränen rannen über die blassen Wangen Heinrichs. „Wisst Ihr was?“ begann Ludwig, „bei der Ernte des Korns bleiben immer Überbleibsel in meinem hölzernen Karren zurück. Manchmal ist das sehr viel. Die Körner und die kleinen Halme zermahle ich zu Hause zwischen zwei Steinen und lege mir davon einen Mehlvorrat an. Dieses gemahlene Mehl packe ich in kleine Leinensäckchen, die meine Frau aus Leinenresten näht und stelle sie auf ein Holzregal in der Küche. Diese Säckchen binde ich dann zu. So kann mein Weib selbst im Winter so dann und wann kleine Brotfladen backen und wir haben fast das ganze Jahr hindurch wenigstens das, was wir verzehren können. Oft ist das alles, was wir dann speisen können.“ Ludwig zwinkerte verschmitzt mit dem Auge. „Was gäbe ich darum, wenigstens zu den Festtagen mal ein Stückchen Fleisch zu essen oder auch Gemüse. Das fehlt und der Kurfürst lässt im Soonwald jagen. Das ist so ungerecht und er gibt uns nichts davon, obwohl wir das ganze Jahr hindurch für ihn arbeiten.“ Anton zitterte an seinem Leib.

Am Hofe des Kurfürsten

Heute morgen erst verließ die Jagdgesellschaft das Jagdschloss des Kurfürsten Karl Theodors. Erhaben lag es am Mühlenteich mit seinen majestätischen Erkern, auf denen die Kuppeln thronten. Lustig lachend saßen der Förster und seine Jäger mit dem Fürsten zusammen. Knechte und Mägde liefen emsig in die Lagerräume des Hofes mit den angrenzenden Ställen, in denen die Hühner gackerten, die Schweine grunzten und die Kühe ihre Laute von sich gaben. Die Bediensteten schleppten Holz und viele Eimer klaren Wassers, das sie aus dem Brunnen schöpften. Fleißig sputeten sie sich, legten Datteln und Feigen mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen auf einen großen, schön bemalten Teller. Über einer Feuerstelle in der großen Küche baumelte ein großer eiserner Kessel an einer Kette von der Decke, in dem sie verschiedene Sorten Fleisch brieten und in einem anderen Erbsen, Bohnen und Meerkohl zubereiteten. Besonders schmackhaft war dieser Meerkohl mit seinen dicken und fleischigen Blättern. Das alles servierten sie der feinen Gesellschaft. Mit ihren Händen nahmen sich die Männer, sie füllten ihre leeren Teller bis zum Rand und schmatzten tüchtig. „Nur wem es auch schmeckt, der rülpset und furzet!“ forderte der Kurfürst lachend auf. Bier und Wein flossen an diesem Abend und der anbrechenden Nacht in Strömen. Die Männer hoben ihre Zinnbecher. „Prost!“ rülpste der Förster und trank seinen Wein in einem Zug. Nur Friedrich Wilhelm Utsch besaß das Recht, als Erbförster des Kurfürsten Karl Theodors, das Wild mit seinen Männern zu jagen. Die Sonnenstrahlen an diesem Tag vor der Jagd brachen sich ihre Bahn durch die hohen, mit zarten Sprossen versehenen Fenster mit ihren runden Bögen. Mit goldenen Figuren und Ornamenten verziert war die weiße Tür, vor der die eingeladenen Gäste tanzten. Gemälde von edlen Damen in verschiedenen Posen erstreckten sich an den Wänden entlang und eine breite Bordüre mit weißen wie goldenen Dekoren zog sich über all das. Kniebundhosen mit weißen Strümpfen und glänzend schwarze Schnallenschuhe, weiße Hemden mit schwarzer Fliege, darüber ein langes Wams und mit Gold verzierte Gehröcke, so kamen die Männer daher. Jeder von ihnen trug eine weiße Lockenperücke, Die Knechte blieben dort fern. Erst am nächsten Morgen würden sie sich mit dem Förster treffen. Die Edeldamen glänzten in bodenlang wallenden Kleidern mit einer breiten Schärpe und schönen Hochsteckfrisuren. Die Hofbläser im Ballsaal spielten auf ihren Flöten zum Tanz auf. Das liebte der Kurfürst. Die Röcke der Damen und Fräuleins flogen im Takt ihrer Füße, die mal zur Seite, nach vorn oder zurück wippten. Ein Reif in der Hüfte der adligen Damen ließ den Rock in Falten fallen. Gegenüber der Frauen tanzten die Männer. Die langen Hemden fielen über ihre Kniebundhosen, die Rüschen der Hemden schmückten ihre Handgelenke unter dem Gehrock. „Kommt mir bloß nicht mit leeren Händen zurück!“ lachte Karl Theodor. „Unsere Vorräte gehen zur Neige. Als Belohnung dafür dürft Ihr in dem Stück Wald, das Euch gehört, eigenes Wild schießen.“ Der Kurfürst schaute seinen Weidmann an. „Eure Durchlaucht, wie Ihr wisst, verstehe ich mein Geschäft. Seid ganz ohne Sorge. Bei unserer Jagd werden wir das Wild des Waldes an Euren Hof bringen.“ Der Förster lächelte erhaben. „Ihr seid nicht umsonst mein Forstinspektor. Ich weiß Eure Dienste zu schätzen, mein Guter. Ich freue mich bereits auf das viele Fleisch und das alljährliche Spektakel, was damit einher geht.“ Karl Theodor schaute ernst. „Seht in unserem Soonwald auch danach, ob gewildert wird. Ihr wisst ja, dass das gemeine Volk nicht jagen darf.“ Lustig saßen sie noch lange zusammen bis weit nach Mitternacht. „Auf Männer, morgen in aller Frühe machen wir uns auf zur Jagd. Jetzt wird es Zeit, Eure Schlafstatt aufzusuchen!“ Der Förster rieb sich müde die Augen. „Jeder Bauer baut ab sofort Kartoffeln an!“ kam der Befehl des Kurfürsten. „Sollte sich auch nur einer wagen, sich meinem Befehl zu widersetzen, dem droht eine harte Strafe! Ich schicke Soldaten hinaus, die alles überwachen!“ „Mein Gott!“ flüsterte Ludwig, „schaut Euch das doch nur an. Wenn der Kurfürst unsere Äcker schon überwachen lässt, muss die Frucht, die darauf wächst, doch etwas ganz Besonderes sein. Heinrich, lass uns doch, wenn die Soldaten heute Abend schlafen, einige der Knollen stehlen.“ „Ja, meine Kinder haben schon seit vielen Tagen nichts mehr gegessen. Ludwig, seid doch so gut, wenn die Jagd morgen vorbei ist, dass wir Hasen in diesen Tagen jagen.“ Heinrich schien erchöpft und ganz verzweifelt. „Mein Magen knurrt und ich habe nicht einmal eine Handvoll Korn für ein kleines Brot.“ „Ja, warten wir die Jagd ab und dann sind wir an der Reihe.Die Jäger können ja nicht alle Tiere töten. Außer dem zerriebenen Korn haben wir auch nichts mehr zu essen.“ Ludwig sorgte sich um seine Familie.

Eine neue Frucht

„Was von der Frucht Ludwig, lässt sich denn essen? Sind es die Blätter über dem Boden, die sehr schön aussehen, und aus denen wir ein Gemüse zubereiten können?“ Heinrich blickte ratlos. „Diese Frucht ist doch noch ganz neu für uns. Ich hörte ein Raunen, die Kartoffel käme aus Amerika auf großen Schiffen zu uns her. Unter der Erde soll auch eine Frucht wachsen, aber was machen wir damit?“ Ludwig runzelte seine hohe Stirn. „Das, mein lieber Ludwig“, raunte Heinrich, „müssen wir herausfinden und ausprobieren. Ich weiß auch nicht, ob die Frucht roh gegessen wird oder ob wir sie kochen, braten, womit wir sie würzen müssen. Genauso wenig weiß ich, ob das Grüne über dem Boden oder die Knolle, die unter der Erde wächst, genießbar ist. Lasst uns das doch in meiner bescheidenen Hütte versuchen.“

Die geheime Abmachung

Die Bauern schauten hinüber zum Soonwald. „Wenn wir beide jagen, geht das nur ohne Flinte, die würde zuviel Lärm machen. Auch in dieser Angelegenheit müssen wir uns noch etwas einfallen lassen.“ Ludwig bog seinen Kopf an Heinrichs Ohr. „Ja, ich weiß.“ Heinrich grinste verschmitzt. „Die Dämmerung zieht bereits herauf, holen wir uns einen unserer Jutesäcke und warten noch, bis die Soldaten schlafen.“ Ludwig und Heinrich gingen in ihre Hütten.

Der Erbförster

Der Weidmann ritt in dieser Nacht zu seinem Forsthaus Entenpfuhl.Im Morgengrauen würde er mit seinen Helfern zur Jagd losreiten. Kunstvoll geschnitzt stand sein Bett an der langen Wand, in das er sich legte und sofort schlief. Blitz und Donner erhellten die Nacht, es regnete in Strömen. Bereits sehr früh nahmen die Jäger und die Gehilfen Aufstellung auf ihren braunen Rössern. Links und rechts erstreckte sich der Wald, in der Mitte erhob sich das hohe Bergmassiv. Außerhalb des Lustgartens fegte der Wind über den Hunsrück, das sich die Bäume bogen. Utsch ahnte, dass das Wild abends aus dem Dickicht kam und auf Wiesen und Feldern gemächlich äste. „Gestern noch war ein heißer Tag, Schwüle durchzog die Luft. Abends und morgens halten sich die Rothirsche an solch heißen Tagen an diesem Salzlecken auf. Utsch zeigte auf den Stein, den er selbst dort aufgestellt hatte. „Oder das Wild kühlt sich im Suhl ab. Dort stellen wir uns mit den Schweißhunden am Riemen auf.“ Die Gehilfen trugen eine Armbrust, die Jäger selbst hatten Flinten um ihre Schulter gespannt. Nun preschten die Reiter in ihren edlen Roben los. Sie wollten nach den Rothirschen Ausschau halten. Die Hunde hetzten mit dem Galopp der Pferde. Die Hufen huschten über das dicke Laub des Waldes, das in diesen Tagen auf die Erde fiel und zwischen den Nadel- und Laubbäumen vorbei. Dicke Wolken türmten sich am Himmelszelt, Regen prasselte hernieder. An der zugewiesenen Stelle stellten sie sich auf. Es dauerte eine Weile, da raschelten Blätter. Ganz langsam hoben die Jäger ihre Flinten, die Gehilfen ihre Armbrust und zielten. „Trefft das Blatt!“ sagte Utsch noch. Schüsse krachten durch die Luft und trafen den Hirsch, der vor einem Busch zusammenbrach. In Jagdequipagen folgten Edeldamen und Wagen mit köstlichen Speisen, Bier und Wein, um bei der Jagd auch eine Rast einlegen zu können. „Das Tier ist getroffen!“ rief einer der Jäger. Friedrich Wilhelm Utsch eilte hoch zu Ross herbei und gab dem Hirsch mit seinem Hirschfänger den Todesstoß. Dann ritt die Jagdgesellschaft aus dem Wald hinaus auf den kahlen Platz. Über die mit Birken übersäte Allee ratterten Kutschen aus Darmstadt kommend, aus Worms und Bingen oder auch aus Frankfurt ein. Der ganz in grün gekleidete Herold saß auf seinem hohen Ross und blies die Fanfare, an der das Wappen des Fürsten flatterte. Die Zuschauer strömten herbei, sie setzten sich auf leere Karren oder sie fanden einen Platz auf einem der Gerüste. Eine große Leinwand spannte sich von einem Baum quer über den Platz zum nächsten Baum, eine Falle für das Wild. Maler mit ihren Pinseln malten Schlösser auf diese Leinwand, Brücken und Terrassen. Ein einziges Spektakel! „Öffnet die Pforte!“ rief der Förster und schon sprangen und plumpsten Hasen, Rehe, Schweine, Dachse und Füchse aus den Bergen, aus denen sich eine Tür öffnete. Das Wild kam auf Brettern zu stehen und der Boden schien zu beben. Die Jäger, aber auch die Zuschauer nahmen ihre Waffen und legten an. Die Jagdhelfer spannten ihre Armbrüste mittels Haken. Pfeile aus Holz legten die Männer an und spannten die Sehne. Die Köpfe hoben sich und die Augen nahmen ihr lebendiges Ziel ins Auge. Dann schossen sie ihre Pfeile ab. Die Jäger und auch der Förster hoben ihre Schrotflinten. Der Lauf dieser Feuerwaffe zeichnete sich durch einen glatten Lauf aus. Auch sie orteten ihr Ziel. Nicht zu weit durften sie von ihren Opfern entfernt stehen. Den Finger am Abzug schossen sie und viele Tiere ließen ihr Leben. „Nun jagen wir noch den Rest des Wildes!“ kommandierte Utsch. Die Jäger nahmen Aufstellung rund um den kahlen Platz. Ein großes Netz legten sie bereits vor Tagen aus. Eingerollt lag es da und die Männer nahmen je ein Stück dieses Netzes in ihre Hände und rollten es aus. Sie hoben es in die Höhe. Hasen, Rehe und selbst Marder zappelten in diesem Netz. Der Förster und seine Helfer erlegten es und warfen die Tiere in bereit gestellte Karren. „Jetzt müssen wir das alles nur noch dem Kurfürsten bringen. Mal sehen, was er uns davon als Belohnung gibt. Auf! Machen wir uns auf den Weg!“ rief Utsch freudestrahlend.

Heinrich und Ludwig

„Bei allen Früchten, die in unserem Garten oder dem Acker wachsen, Ludwig, nehmen wir doch immer das, was über dem Boden wächst, seien es die Bohnen oder die Erbsen“, meinte Heinrich. „Ja, da habt Ihr recht. Lasst uns also das Grüne erst einmal versuchen“, sagte Ludwig. Bei hereinbrechender Dunkelheit saßen die Männer am Abend vorher in Heinrichs Hütte und beobachteten die Soldaten. Eine dunkelgraue Decke zog sich über das Land, als sich die Wachtposten zum Schlaf ausstreckten. Es dauerte nicht lange, als Heinrich und Ludwig Schnarchgeräusche vernahmen. Auf leisen Sohlen schlichen sie sich heran, jeder einen Sack über der Schulter. Mit ihren Händen tasteten sie jeden einzelnen Zentimeter des Feldes ab, beobachteten die schlafenden Männer und gruben mit ihren Händen leise das Erdreich auf. Die grünen Pflanzen wie auch die Früchte landeten behutsam in ihren Säcken. Schwer beladen schlichen sie wieder zurück nach Hause. „Morgen werden wir uns daran machen, herauszufinden, was sich damit machen lässt“, raunte Ludwig. Ja. Ich komme zu Euch und dann machen wir uns ans Werk. Bis dahin wünsche ich Euch eine gute Nacht.“ Heinrich winkte zum Abschied. „Kommt Ludwig, leeren wir erst einmal die Säcke und trennen das Grüne von der Knolle.“ Heinrich nahm einen der Säcke und leerte ihn auf dem lehmigen Boden der Küche, Ludwig machte es genauso mit dem anderen Sack. Die Kartoffeln selbst legten sie sachte in eine hölzerne Schüssel. „Wie bereiten wir denn jetzt aus dem Grünzeug ein Gemüse zu? Habt Ihr vielleicht eine Zwiebel und ein wenig Schmalz oder Speck?“ Ludwig dachte angestrengt nach. „Oder ein kleines Stück Schwarte zum Auslassen des Fettes?“ „Ja, ein winziges Stück Schwarte liegt hier.“ Heinrich zeigte auf ein Regalbrett, über dem getrocknete Kräuter von der Decke hingen. Nun wandte er sich in eine Ecke der Küche, holte kleine Holzscheite und stapelte einige davon unter dem Kessel aus Eisen. Von seinen zerlumpten Beinlingen riss er sich einen Fetzen Leinen ab und rieb zwei Steine so lange aneinander, bis sie Funken sprühten. Ludwig hielt das Leinen an die Steine und als es brannte, warf er es ins Holz. Heinrich eilte mit einem hölzernen Eimer zum nahen Brunnen und schöpfte Wasser. Er kam ins Haus und goss das Wasser in den Kessel, unter dem vorsichtig die ersten Flammen loderten und am Kessel leckten. Die Männer rupften die grünen Blätter von den Stielen und warfen sie in das Wasser. „Bin mal darauf gespannt, wie das schmeckt. Wenn wir nach dem Kochen Fett auslassen, eine Zwiebel klein schneiden und etwas anbraten, etwas von dem kochenden Sud nehmen und das alles mit Euren Kräutern abschmecken, müsste das doch köstlich schmecken. Was meint Ihr?“ Heinrich wartete auf eine Antwort. „Ich lass mich überraschen“, zuckte Ludwig mit der Schulter. „Wir kennen das ja alles nicht.“ Nach getaner Arbeit setzten sich die Bauern an den Tisch und aßen. „Dreckszeug! Schmeckt alles sehr bitter“, kam es wie aus einem Munde. Trotzdem aßen sie weiter, denn der Hunger nagte in ihren leeren Mägen. Plötzlich sprang Ludwig auf. „Mir ist so schlecht!“ Er lief vor die Türe seiner Hütte und erbrach. Heinrich fegte an ihm vorbei und setzte sich mit herunter gelassener Hose an eine Grube. Er hielt sich den Bauch. Krämpfe plagten ihn, während er den Darm leerte. Mit letzter Kraft hauchte er: „Werfen wir dieses Kraut weg. Nicht einmal den Schweinen des Waldes oder des Fürsten könnte man das Zeug zum Fraß anbieten!“ „Wenn es uns besser geht, versuchen wir es mit der braunen Knolle und was ist das überhaupt für ein Getier, was da aus den Säcken krabbelt?“ Ludwig brach der Schweiß aus. „Welch ein Getier meint Ihr überhaupt? Darauf habe ich gar nicht so geachtet.“ Heinrich sah zu Ludwig auf.„So ein Tier habe ich vorher noch nie gesehen. Es sieht aus wie ein Marienkäfer, läuft rasend schnell auf vielen dünnen Beinchen und ist gelb mit schwarzen Streifen. Schwarze Flecken sah ich am Teil des Kopfes. Schaut mal, Heinrich, da läuft noch einer!“ Ludwig zeigte auf die Schüssel mit Kartoffeln.

Die Jagd

„Das Wild verwüstet sämtliche Saat und jeden Acker!“ fauchte Franz. „Ich arbeite als Fuhrmann und Treiber, doch verlangt der Fürst Jagdfron von mir. Jäger und ihre Hunde soll ich beherbergen und versorgen. Von meinem Wildhafer gebe ich ab und noch so vieles mehr!“„Ja, der Kurfürst hingegen hat die Oberaufsicht und die Jagdhoheit. Er lässt sogar die Polizei kommen, sollten wilde Tiere nicht aufgenommen werden. Er zwingt mich dazu.“ Anton konnte das nicht fassen.„Unser Kurfürst ist doch derjenige, der das Recht auf die Hohe Jagd hat. Er schickt seinen Förster hinaus, der ihm Hirsche schießt, Wildschweine und Fasane.“ Franz schüttelte seinen Kopf mit dem ergrauten Haar.„Genau, da leidet sicher niemand Hunger und unsereins nagt am Hungertuch!“ Anton bebte vor Wut. „Das ist doch Teufelswerk!“ Nun fand noch, so wie es sich zum höfischen Leben ziemte, aber auch zum Vergnügen, eine Hofjagd statt. Friedrich Wilhelm Utsch und sein Gefolge ritten in den Soonwald. Die Hufen der Pferde huschten in Windeseile über Wiesen und Felder, die Hunde hetzten an Riemen nebenher. Um den ganzen äußeren Soonwald verteilten sich die Jäger hoch zu Ross und ritten geschlossen auf ein Signal des Jagdhornes hin in den Wald. Dicht an dicht standen die Reiter, die das Wild des Waldes aus ihren Verstecken trieben und es nicht mehr aus der Enge ließen. Ganz langsam bewegten sich die Männer auf ihren Pferden vorwärts, bis sie das Tor mit den schmiedeeisernen Streben öffneten und damit das Wild aus dem Soonwald in den Hof führten. Die Tiere sprangen aufgeregt über den Hof, der sich weit bis zum Schloss erstreckte, über die schmalen, rechteckig angelegten Grasflächen, die bezauberten mit Blumenrabatten und wunderbaren Ornamenten. Hasen, Rehe, Eichhörnchen, Dachse, Hirsche, Füchse und Wildschweine fanden einen Platz in den zahlreichen Teichen, deren Fontänen zu diesem Ereignis in die Höhe schossen und die umstehenden Gäste belustigten. Einer der Jäger schloss das Tor, die anderen versorgten die Menschenmenge mit Flinten. „Auf zur Jagd!“ posaunte Friedrich Wilhelm Utsch mit seiner tiefen Stimme und gab den ersten Schuss ab. Dann schossen auch die anderen, Jäger wie Zuschauer.Tierleichen übersäten nach und nach den Hof und die Teiche. Nachdem dann die Büchsen wieder schwiegen und sich der Rauch des Feuers legte, rannten dje Gehilfen, Knechte und Mägde herbei, schleppten das Aas aus den Teichen und vom Hof, brachten alles in die nahen Stallungen, nahmen die Tiere aus und streuten Salz auf ihr Fleisch. Alles Wild aus dem Großen Soon außer den Jungtieren lagerten nun in den Stallungen des Fürsten. An den Soonwald im Gebiet der Nahe schloss sich der Lützelsoon an, der Idarwald, der Gauchswald und der Bingerwald. Fichten wie Buchen, Tannen, Eichen und Erlen bildeten den Wald, der dem Kurfürsten gehörte. „Schlagt den Wald nicht völlig kahl!“ forderte Karl Theodor in seinem langen roten Mantel mit dem weißen Fellbesatz über seiner Schulter. Die weiße Lockenperücke saß wie eine eins auf seinem Kopf, der Regentenstab stand in einer Ecke neben seinem Lehnstuhl. „Ich erlasse ein neues Gesetz, denn ständig rodet Ihr Bäume, die zu Boden krachen mit ächzendem Geräusch, aus dem Möbel, neue Hütten, Schlösser, Klöster und Kirchen gebaut werden. Hört das nicht sofort auf, haben wir bald kein Holz mehr in unserem Wald.“ „Eure Durchlaucht, das wird ab sofort ein Ende haben!“ versprach Utsch. „Euer Wort ist mir doch Befehl.“ Der Förster ahnte Schlimmes. Sollte der Baumbestand weiter so kontinuierlich abnehmen, ohne das neue Bäume in den Boden gesät wurden, würde es in absehbarer Zeit einen Mangel an Holz geben. „Es muss in Zukunft stets Holz vorrätig und vorhanden sein!“ Der Förster verließ den Kurfürsten und rief seine Leute zusammen. Das Jagdhorn mit seinem Signal rief die Männer zu einem Treffen. „Ab sofort könnt Ihr alle nur noch dann Bäume schlagen, wenn zur selben Zeit auch neue Bäume wachsen. Also sorgt für den Fortbestand. Ihr geht also hin und sät, pflanzt, pflegt und erntet von heute an. Macht Euch sofort ans Werk. Außerdem eignet sich die Fichte viel besser, um zu bauen, sie wächst sehr viel schneller als die Buche und gibt im gleichen Zeitraum drei Mal so viel Holz, das man nutzen kann wie eine Buche. Nun beginnt unsere Arbeit, der Wald muss mit Bäumen gefüllt werden!“

Die sonderbare Knolle

Tage nach ihrem ersten Versuch hantierten Heinrich und Ludwig wieder in der Küche. Ludwig hob die Kartoffel hoch und sah sie sich genauer an. „Die ist ja voller Dreck, Heinrich. Was machen wir nur damit?“ „Das weiß ich auch nicht. Diesem Geheimnis müssen wir auf die Spur kommen. Es ist schon Teufelswerk, dass wir das, was unter der Erde wächst, zum Essen verwenden können.“ Heinrich starrte die Knolle an. „Wisst Ihr was, Ludwig, zuerst waschen wir den Dreck einmal ab und – wer weiß – vielleicht lässt sich diese unförmige Frucht ja essen wie ein Apfel oder eine Birne. Was meint Ihr?“ „Wir versuchen es einfach. Machen wir uns an die Arbeit.“ Ludwig ging zum Brunnen und schöpfte Wasser in einen mitgebrachten Eimer und brachte ihn in die Küche seiner Hütte. Er nahm eine etwas größere Tonschale von einem hölzernen Regal und füllte sie mit dem klaren Wasser. Dann rieb er die Knolle tüchtig mit beiden Händen ab, danach an seinem Wams. Vorsichtig hob er sie an seinen Mund und biss hinein, wie Heinrich ihm vorgeschlagen hatte. Er spuckte das angebissene Stück sofort wieder aus. „So ein Dreckszeug, das ist ja hart wie ein Stein und schmeckt einfach widerlich!“ rief er aus und warf die Kartoffel in die lodernde Glut der Feuerstelle. Heinrich lief zu der Kochstelle. „Verdammt! Ludwig, die Kartoffel wird ja ganz schwarz. Seid Ihr völlig verrückt geworden, so mit einem Nahrungsmittel zu verfahren? Der Allmächtige möge Euch gnädig sein.“ Er begriff ganz und gar nicht, wie Ludwig so etwas tun konnte. Wollte sein Freund vielleicht auch so wie viele Hexen und Ketzer wegen einer solchen Sache auf dem Scheiterhaufen brennen? Würde er ihn verraten, würde genau das auf ihn warten. Als Heinrich nun noch einmal nach der Knolle sah, brannte sie sogar. „Ludwig, fischt die Kartoffel irgendwie aus dem Feuer und werft sie den Vögeln des Himmels zum Fraß hin. So etwas isst doch keine Menschenseele dieser Welt!“ Ludwig nahm einen eisernen Haken und schob die Kartoffel aus der Glut. Auf dem Küchentisch stand noch die Tonschale mit dem Schmutzwasser, das er über die Kartoffel goss. „Dem Vieh sollt Ihr sie zum Fraß hinwerfen sagte ich Euch doch soeben oder wollt Ihr dieses verkohlte Stück etwa noch essen?“ Heinrich tobte. Ludwig bückte sich und griff nach der schwarz aussehenden Kartoffel. Genau an der Stelle löste sich die schwarze Kruste und zum Vorschein kam ein weiches helles Stück. „Sieh her, Heinrich, ein Wunder ist geschehen!“ Heinrich schaute ganz ungläubig auf das, was er da erblickte. „Löst überall die Kohle und dann versuchen wir mal, ob sich das beißen lässt und wie es schmeckt.“ „Ludwig, das ist ja köstlich. Beißt auch einmal herein.“ Heinrich triumphierte. Endlich hatten sie herausgefunden und das aus einem Wutanfall Ludwigs heraus, was sie mit der neuen Kartoffel machen mussten. „Jetzt werden wir uns öfter von den Kartoffeln holen.“ Ludwig grinste. „Ab jetzt haben wir wenigstens das für unsere Familien, die Not, Heinrich, hat endlich ein Ende.“

Friedrich und Lene