FRIESLAND UND DER EILIGE TOD - Christian Dörge - E-Book

FRIESLAND UND DER EILIGE TOD E-Book

Christian Dörge

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Beschreibung

1968 in der ostfriesischen Kleinstadt Hagensmoor: Der Privatdetektiv Viktor Glaasker wird ermordet - direkt vor der Wohnung von Siemen Friesland. Bevor der Detektiv jedoch sein Leben vollends aushaucht, flüstert er noch eine unvollständige Warnung, die offenbar für den Rechtsanwalt bestimmt ist. Natürlich gilt Friesland (wenn auch nur für kurze Zeit) als Mordverdächtiger No. 1, was insbesondere für Staatsanwalt Philip Lohmann ein gefundenes Fressen wäre, wenn - ja, wenn der Fall nicht mehrere unerwartete Wendungen nehmen würde, ein Fall, in dem unversehens ein Millionenerbe, eine verschwundene junge Frau und ein nach Rache dürstender Ex-Sträfling gewichtige Rollen spielen... Der Roman FRIESLAND UND DER EILIGE TOD von Christian Dörge, Autor u. a. der Krimi-Serien EIN FALL FÜR REMIGIUS JUNGBLUT und DIE UNHEIMLICHEN FÄLLE DES EDGAR WALLACE, ist der fünfte Band einer Serie von Krimis aus Deutschlands Norden.

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CHRISTIAN DÖRGE

 

 

FRIESLAND

UND DER EILIGE TOD

 

 

 

 

Roman

 

 

 

 

Signum-Verlag

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

Der Autor 

FRIESLAND UND DER EILIGE TOD 

Die Hauptpersonen dieses Romans 

Erstes Kapitel 

Zweites Kapitel 

Drittes Kapitel 

Viertes Kapitel 

Fünftes Kapitel 

Sechstes Kapitel 

Siebtes Kapitel 

Achtes Kapitel 

Neuntes Kapitel 

Zehntes Kapitel 

Elftes Kapitel 

Zwölftes Kapitel 

Dreizehntes Kapitel 

Vierzehntes Kapitel 

Fünfzehntes Kapitel 

Sechzehntes Kapitel 

Siebzehntes Kapitel 

Achtzehntes Kapitel 

Neunzehntes Kapitel 

Zwanzigstes Kapitel 

Einundzwanzigstes Kapitel 

Impressum

 

Copyright © 2023 by Christian Dörge/Signum-Verlag.

Lektorat: Dr. Birgit Rehberg

Cover: Copyright © by Christian Dörge.

 

Verlag:

Signum-Verlag

Winthirstraße 11

80639 München

www.signum-literatur.com

[email protected] 

Das Buch

 

 

1968 in der ostfriesischen Kleinstadt Hagensmoor:

Der Privatdetektiv Viktor Glaasker wird ermordet - direkt vor der Wohnung von Siemen Friesland. Bevor der Detektiv jedoch sein Leben vollends aushaucht, flüstert er noch eine unvollständige Warnung, die offenbar für den Rechtsanwalt bestimmt ist.

Natürlich gilt Friesland (wenn auch nur für kurze Zeit) als Mordverdächtiger No. 1, was insbesondere für Staatsanwalt Philip Lohmann ein gefundenes Fressen wäre, wenn - ja, wenn der Fall nicht mehrere unerwartete Wendungen nehmen würde, ein Fall, in dem unversehens ein Millionenerbe, eine verschwundene junge Frau und ein nach Rache dürstender Ex-Sträfling gewichtige Rollen spielen... 

 

Der Roman Friesland und der eilige Tod vonChristian Dörge, Autor u. a. der Krimi-Serien Ein Fall für Remigius Jungblut und Die unheimlichen Fälle des Edgar Wallace, ist der fünfte Band einer Serie von Krimis aus Deutschlands Norden. 

Der Autor

 

Christian Dörge, Jahrgang 1969.

Schriftsteller, Dramatiker, Musiker, Theater-Schauspieler und -Regisseur.

Erste Veröffentlichungen 1988 und 1989:  Phenomena (Roman), Opera (Texte).  

Von 1989 bis 1993 Leiter der Theatergruppe Orphée-Dramatiques und Inszenierung  

eigener Werke,  u.a. Eine Selbstspiegelung des Poeten (1990), Das Testament des Orpheus (1990), Das Gefängnis (1992) und Hamlet-Monologe (2014). 

1988 bis 2018: Diverse Veröffentlichungen in Anthologien und Literatur-Periodika.

Veröffentlichung der Textsammlungen Automatik (1991) sowie Gift und Lichter von Paris (beide 1993). 

Seit 1992 erfolgreich als Komponist und Sänger seiner Projekte Syria und Borgia Disco sowie als Spoken Words-Artist im Rahmen zahlreicher Literatur-Vertonungen; Veröffentlichung von über 60 Alben, u.a. Ozymandias Of Egypt (1994), Marrakesh Night Market (1995), Antiphon (1996), A Gift From Culture (1996), Metroland (1999), Slow Night (2003), Sixties Alien Love Story (2010), American Gothic (2011), Flower Mercy Needle Chain (2011), Analog (2010), Apotheosis (2011), Tristana 9212 (2012), On Glass (2014), The Sound Of Snow (2015), American Life (2015), Cyberpunk (2016), Ghost Of A Bad Idea – The Very Best Of Christian Dörge (2017). 

Rückkehr zur Literatur im Jahr 2013: Veröffentlichung der Theaterstücke Hamlet-Monologe und Macbeth-Monologe (beide 2015) und von Kopernikus 8818 – Eine Werkausgabe (2019), einer ersten umfangreichen Werkschau seiner experimentelleren Arbeiten.

2021 veröffentlicht Christian Dörge mehrere Kriminal-Romane und beginnt drei Roman-Serien: Die unheimlichen Fälle des Edgar Wallace, Ein Fall für Remigius Jungblut und Friesland. 

2023 erscheinen seine neuen Alben Kafkaland und Lycia, sich entfernen. 

 

Künstler-Homepage: www.christiandoerge.de 

  FRIESLAND UND DER EILIGE TOD

 

 

 

 

 

  Die Hauptpersonen dieses Romans

 

Siemen Friesland: Rechtsanwalt (und ehemaliger Marine-Offizier) in Hagensmoor.

Ingmar Stutenbrinck: Kommissar bei der Polizei von Hagensmoor. 

Philip Lohmann: Staatsanwalt in Hagensmoor. 

Michael Pallas: Rechtsanwalt in der Kanzlei Frieslands. 

Johann Salverius: Juwelier. 

Loth Addengast: ein Millionär. 

Raimund Addengast: sein Stiefsohn. 

Vrauke Erfkamp: eine junge Dame. 

Tjodrich Loden: Privatdetektiv. 

Oskar Kronenberg: ein einflussreicher Politiker.

Hein Amelhusen: Besitzer des Nachtlokals Das Rad.

Hugo Sixen: Croupier im Nachtlokal Das Rad.

Viktor Glaasker: Privatdetektiv. 

 

 

Dieser Roman spielt in der ostfriesischen Kleinstadt Hagensmoor im Jahre 1968.

  Erstes Kapitel

 

 

Die ganze Geschichte begann an jenem Mittwochabend, an dem der dicke Mann mit den verschreckten Augen in mein Leben trat und zugleich aus dem seinen schied.

Ich war zu Hause und wollte den Abend für mich allein haben. So war ich überrascht und verstimmt, als die Türglocke läutete, genau um halb zehn. Ich rührte mich nicht, weil ich niemand erwartete, und weil es niemand gab, den ich zu sehen wünschte. Aber die Glocke läutete mit derart hartnäckiger Unhöflichkeit weiter, als wäre der Knopf steckengeblieben.

Mit einem Seufzer erhob ich mich, ging in den Vorraum hinaus und riss die Tür auf.

Der dicke Mann bot einen furchtbaren Anblick. Er war offensichtlich in höchster Not, das schmutzige Gesicht gelblich weiß, die Augen wie im Fieber glänzend. Schwankend stand er da und atmete in schweren Zügen, aus weit geöffnetem Mund.

»Siemen Friesland?«, fragte er mit einer Stimme, die wie ein gequälter Aufschrei klang.

»Ja«, sagte ich überrascht.

Er lehnte sich an mich, und ich trat erschrocken beiseite. Sein Gesicht war schweißnass und seine Augen blutunterlaufen. Ihn einfach stehen zu lassen, widerstrebte mir. Deshalb ging ich ins Zimmer zurück. Er folgte mir schwankend wie ein Betrunkener auf Stelzen. Bei jedem Schritt verzerrte sich sein Mund.

»Was wollen Sie eigentlich von mir?«, fragte ich.

Einen Augenblick lang bewegte er die Lippen, ohne einen Ton hervorzubringen. Dann hob er die Hand, riss den Hemdkragen auf und krächzte: »Hüten Sie sich vor...«

Er fiel nieder.

Als er am Boden lag, mit dem Gesicht nach unten, die eine Hand von sich gestreckt, sah ich das Loch in seinem Rücken, genau in der Mitte zwischen den Schulterblättern. Noch quoll Blut heraus.

Ich stand und konnte mich nicht bewegen. Dann griff ich automatisch nach dem Handgelenk des Fremden. Ich spürte keinen Pulsschlag.

Er war tot.

Ich starrte ihn an wie vom Donner gerührt. Der Tod ist mir nicht fremd, und der Anblick einer Leiche ist mir keineswegs neu. Ich gehöre zu einer Generation, die Tausende von Leichen gesehen hat. Der Krieg hatte dafür gesorgt.

Aber ein einzelner Leichnam, hier auf dem Teppich meines Wohnzimmers, das war etwas vollkommen anderes.

Noch dazu ein völlig fremder Mann, dem ich meines Wissens noch nie begegnet war. Aber immerhin jemand, der meinen Namen kannte, und der offenbar versucht hatte, mich vor irgendetwas zu warnen.

Wie auch immer ich die Situation betrachtete, sie bedeutete eine erhebliche Störung meines Lebens. Es war pure Ironie, dass ich mich noch eben beglückwünscht hatte, einen ruhigen Abend daheim verbringen zu können, frei von den Problemen meiner Anwaltskanzlei. Die Kriminalbeamten würden zahllose Fragen stellen, ohne, dass ich darauf wirklich antworten könnte, und das würde ihnen ganz und gar nicht gefallen.

Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich ging zum Telefon und rief die Polizei von Hagensmoor an: »Kommissar Ingmar Stutenbrinck, bitte.«

Die Verbindung wurde hergestellt.

»Ingmar, hier Siemen Friesland.«

»Moinsen, Siemen.« Es klang aufrichtig erfreut. »Wir haben uns lange nicht gesehen.«

»Ich fürchte, ich brauche Sie, Ingmar.«

Er hörte meiner Stimme an, dass die Sache dringlich war. »Ist etwas passiert?«

»Das kann man so sagen.«

»Ich warte in meinem Büro. Kommen Sie gleich her.«

»Unmöglich«, sagte ich. »Hier in meiner Wohnung ist etwas passiert.«

Stutenbrinck war nicht der Mann, Zeit mit Plaudern zu verschwenden, wenn’s aufs Handeln ankam.

»Bin in zehn Minuten bei Ihnen«, antwortete er. Dann hängte er ein.

Ich holte den Whisky aus dem Schrank und schenkte mir ein Glas ein. Ich fragte mich, wovor mich der Mann zu warnen versucht hatte. Meine laufenden Fälle waren allesamt friedliche Zivilprozesse. Darunter war nichts, was zu einer Gewalttat oder gar zu einem Mord Anlass gegeben hätte.

Als ich das dritte Glas trank, läutete die Türglocke. Ingmar Stutenbrinck reichte mir die Hand, ein kluges Lächeln auf seinen Zügen, die Augen prüfend auf mein Gesicht gerichtet. Ich kann ihn gut leiden und er mich wohl auch.

Er trat ein, erblickte den dicken Mann, blieb stehen, richtete sich gerade auf und ließ sein Lächeln verschwinden. Er sah mich streng an. »Wer ist der Mann, Siemen?«

»Keine Ahnung. Ich hab’ ihn nie zuvor gesehen.«

»Sie haben ihn erschossen?«

»Nein.«

»Okay, dann lassen Sie mal hören...«

Ich erzählte, und er hörte ku. Dieser Ingmar Stutenbrinck war ein ordentlicher, schlanker, nüchterner Mann, mit einem klugen Gesicht, wachsam und zäh, unbeugsam und unbestechlich. Er hatte bei der Polizei Karriere gemacht und war nur sehr wenigen Menschen Rechenschaft schuldig..

Es war nicht das erste Mal, dass ich ihn um Hilfe bat; ich wusste, mit wem ich es zu tun hatte.

Viel hatte ich nicht zu erzählen. Als ich fertig war, fragte er: »Und Sie haben ihn wirklich nie vorher gesehen?«

»Nie.«

»Aber er nannte Sie mit Ihrem Namen.«

»Ja.«

»Und sagte Ihnen, Sie sollten sich in Acht nehmen.«

»So ist es.«

»Haben Sie eine Ahnung, was er damit meinte?«

»Nicht die geringste, Kommissar.«

Er warf mir einen Blick zu: »Entspricht all das der Wahrheit?«

»Voll und ganz.«

Er beugte sich über die Leiche, durchsuchte sie und erhob sich, eine lange, flache Brieftasche in der Hand. Er schaute nach, was sie enthielt. Dann sah er mich an.

»Der Mann heißt Viktor Glaasker. Sagt Ihnen der Name etwas?«

»Nein.«

Stutenbrinck schien skeptisch. »Bestimmt nicht?«

»Nein. Was hatte er für einen Beruf?«

»Er war Privatdetektiv. Aus Hamburg.«

Stutenbrinck blickte mich lange an.

»Ich hoffe, dass Sie mich nicht zu täuschen versuchen. Das wäre mir wirklich nicht recht, lieber Freund.«

»Dazu kennen Sie mich doch zu gut, Herr Kommissar.«

»Lassen wir also die Mordkommission antraben«, seufzte Stutenbrinck und trat zum Telefon.

Die nächste Stunde war erfüllt mit fieberhafter Tätigkeit.

Die Leute von der Spurensicherung drangen in die Wohnung ein. Sie ließen gebrauchte Blitzlichtpatronen, Kreidemarken, Zigarettenstummel und eine kalte Rauchwolke zurück. Ein Polizeiarzt hatte die Leiche kurz in Augenschein genommen und die Vermutung geäußert, dass eine Handfeuerwaffe den Tod herbeigeführt habe. Er füllte ein Formular aus und ließ den Leichnam in die Gerichtsmedizinschaffen.

Ich hatte meine Geschichte wieder und wieder erzählen müssen. Jetzt saß ich mit Stutenbrinck in meinem Schlafzimmer, als ein Kriminalbeamter den Kopf zur Tür hereinstreckte und ihm zurief: »Der Staatsanwalt ist da, Herr Kommissar.«

Ich stöhnte, nicht ohne Grund. Schon früher hatte ich mit Philipp Lohmann, dem Staatsanwalt der Stadt Hagensmoor, zu tun gehabt, und wir hegten kaum Sympathie füreinander.

Die Tür öffnete sich. Und da stand er: Ein großer, eitler, selbstbewusster Mann, den randlosen Zwicker auf der hochrückigen Nase. Ein dünner, humorloser Mund, der in ein steifes, strenges Gesicht eingeschnitten war. Ein Wichtigtuer, der von sich eine enorm hohe Meinung hatte. Er hielt sich so gerade, als sei er erst vor zehn Minuten gestärkt und geplättet aus der Wäscherei gekommen.

Lohmann war einst ein guter Anwalt gewesen und hatte große Konzerne vertreten; jetzt aber überstieg sein Ehrgeiz bei weitem seine Fähigkeiten.

Demonstrativ beachtete er mich nicht, winkte Stutenbrinck kurz zu und ließ sich alles berichten.

Dann wandte er sich mir zu und sagte gereizt: »Das ist also Ihre Geschichte, Friesland? Ein Mann stirbt in Ihrer Wohnung. Man hat ihn in den Rücken geschossen. Und Sie wissen nichts über ihn.«

»Richtig.«

»Und Sie erwarten, dass ich Ihnen das glaube?«

Ich zuckte die Schultern. »Mir ist es gleich, ob Sie das tun oder nicht.«

Sein Gesicht wurde hart. »Sie werden anders darüber denken, wenn wir mit Ihnen fertig sind. Erzählen Sie mir von dem Vorfall.«

»Ich hab's schon zehnmal erzählt.«

»Dann erzählen Sie es eben noch einmal.«

Stutenbrinck warf mir einen warnenden Blick zu.

Ich seufzte tief und sagte: »Gut, wenn's sein muss. Da haben Sie meine Geschichte: Die Glocke läutete, ich ging zur Tür. Glaasker stand draußen. Er nannte meinen Namen, taumelte in die Wohnung, krächzte etwas, das wie eine Warnung klang, und fiel tot zu Boden. Ich hab’ den Menschen nie zuvor n meinem Leben gesehen. Ich weiß nicht, wer er ist. Ich habe keine Ahnung, wovon er sprach.«

»Unglaublich.«

Stutenbrinck schaltete sich ruhig ein: »An Frieslands Bericht scheint das meiste zu stimmen.«

»Wirklich?« Lohmann schaute ihn an. »Wieso?«

»Wir wissen bereits, dass Glaasker im Korridor, außerhalb der Wohnung, erschossen wurde. Seine Fingerabdrücke wurden entlang der Wände des Korridors gefunden, als hätte er sich an ihnen fortgetastet, um bis zur Wohnungstür zu kommen.«

»Gibt es im Korridor Blutspuren?«

»Ein paar. Sie werden eben untersucht.«

Lohmann war damit nicht zufrieden. Er wandte sich wieder zu mir.

»Auch wenn das stimmt, so verlangen Sie doch von uns, wir sollten glauben, dass dieser Mann, tödlich verwundet, noch Kraft genug hatte, den Weg über den Korridor zurückzulegen und bis in Ihr Wohnzimmer zu gelangen, dass er aber danach völlig außerstande war, mehr als jene paar Worte zu sprechen.«

»Ich kann's nicht ändern, genauso war's.«

»Er muss allergrößten Wert darauf gelegt haben, Sie zu erreichen. Und Sie behaupten, nicht das Geringste von ihm zu wissen!«

Ich geriet in Zorn. »Ich verwahre mich gegen Ihre Andeutung, ich würde Lügen.«

»Wenn Sie nicht lügen, so verschweigen Sie doch wichtige Tatsachen.«

»Ich lüge nicht. Ein Mord bereitet mir kein Vergnügen. Ich hab’s gar nicht gern, wenn Leute in meiner Wohnung sterben. Ich möchte die Sache einfach nur aufgeklärt sehen, und Polizei und Staatsanwaltschaft haben dazu die Möglichkeit. Ich werde Ihnen gern dabei helfen. Gehen Sie aber bitte nicht gleich von der Voraussetzung aus, dass ich versuche, Sie hinters Licht zu führen. Damit kommen Sie bei mir nicht weiter.«

Lohmann sah mich wütend an. Dann fragte er Stutenbrinck: »Wieso hat niemand den Schuss gehört?«

»Der Revolver hatte vermutlich einen Schalldämpfer, und das war wahrscheinlich der Grund, dass nur eine Kugel abgefeuert wurde.«

»Was soll das nun wieder heißen?«

»Ein Schalldämpfer macht es erforderlich, nach jedem Schuss neu zu laden. Das braucht aber Zeit, und Mörder haben in der Regel kein Verlangen, sich länger als unbedingt nötig am Tatort aufzuhalten.«

»Hat der Aufzugswärter nichts gesehen?«

»Sein Dienst ist um acht Uhr zu Ende.«

Mir fiel etwas ein, und ich sagte: »Warum fragen Sie nicht in Glaaskers Büro in Hamburg nach? Das könnte Ihnen auf die Spur helfen.«

»Schon geschehen.«

»Wir brauchen Ihren Rat nicht«, fügte Lohmann sarkastisch hinzu.

»Genug jetzt«, sagte Stutenbrinck. Er sah aus, als dulde er keinen Widerspruch. »Wir sind alle müde und abgespannt. So kommen wir nicht vorwärts.«

Lohmann stimmte ihm zu. Er sah mich böse an. »Sie sind aus der Sache noch nicht heraus, Friesland. Vergessen Sie das nicht.«

Damit ging er zur Tür.

Stutenbrinck ließ sich in einen Sessel sinken und schüttelte traurig den Kopf. »Sie verstehen es, sich Feinde zu machen, Siemen.«

»Er hat mich provoziert. Der Teufel soll ihn holen.«

»Er wird Ihren Kopf verlangen.«

»Das wäre nicht das erste Mal.« Ich seufzte. »Trinken wir lieber einen Whisky.«

Nach einigem Zögern leerte er ein Glas. Dann sah er mich ernst an. »Halten wir eines fest: Ich bin überzeugt davon, dass Sie die Wahrheit sagen. Vielleicht kannten Sie Glaasker und vielleicht nicht. Aber machen Sie nur einen falschen Schritt, so ergeht es Ihnen schlecht. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?«

Ich nickte.

»Schön. Wir folgen inzwischen der Hamburg-Spur. Das ist vermutlich der vielversprechendste Ansatz.«

Das erschien mir vernünftig. »Hören Sie, Herr Kommissar, wenn Glaasker sich längere Zeit in Hagensmoor aufgehalten hat, so wohnte er hier wahrscheinlich in irgendeinem Hotel. Sollte man dem nicht nachgehen? Sein Gepäck könnte einen Fingerzeig liefern...«

Er lächelte trüb und nachsichtig. »Just in diesem Moment sind zwei meiner Leute damit beschäftigt, die Hotels abzuklappern.«

»Hatte er keinen Schlüssel in der Tasche?«

Stutenbrinck schüttelte den Kopf.

»An den Hotelschlüsseln hängt gewöhnlich ein schweres Schild, und deshalb lassen die meisten Gäste sie beim Portier.«

»Vielleicht war Glaasker eben erst in Hagensmoor eingetroffen und hat mich sofort aufgesucht?«

»Das bezweifle ich.«

»Warum?«

»Weil er dann seinen Koffer irgendwo deponiert und den Depotschein in der Tasche gehabt hätte; ich habe aber keinen Depotschein gefunden.«

»Es sei denn, er ist wegen dieses Scheins erschossen worden, und der Mörder hat ihn gestohlen.«

Stutenbrinck war mürrisch; er überlegte sich diesen Hinweis, doch er gefiel ihm nicht. Traf meine Vermutung zu, dann wäre Glaasker natürlich auch nicht in ein Hotel gegangen, ehe er zu mir kam. Das würden die Nachforschungen bald ergeben. Er stand auf und ging zur Tür. Er sah so müde aus, wie ich mich fühlte.

---ENDE DER LESEPROBE---