Frühlingsherzklopfen - Katrin Franke - E-Book

Frühlingsherzklopfen E-Book

Katrin Franke

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Beschreibung

Dass sie ausgerechnet bei ihm gelandet war, musste ein übler Streich des Schicksals gewesen sein.

Nachdem Linda ihr altes Leben hinter sich gelassen hat, ist sie bereit für einen Neustart. Das ist zumindest der Plan, den sie jedoch ohne dieses blöde Missgeschick im Fitnessstudio gemacht hat. Leander, ihr Retter in der Not, verdreht ihr wider Erwarten völlig den Kopf und sorgt dafür, dass ihr Herz immer öfter aus dem Takt gerät. Und ihm scheint es genauso zu gehen, denn plötzlich verbringen sie mehr Zeit miteinander als gut für sie beide wäre. Gerade als sie sich an das neue Glück gewöhnen, taucht Lindas Ex-Freund auf und sorgt für jede Menge Chaos. Auch Leander kämpft gegen die Schatten seiner Vergangenheit, und nur die Wahrheit wird Licht ins Dunkel bringen. Doch die tut weh. Frühlingsherzklopfen ist der zweite Band der Verliebte-Herzen-Reihe. Alle Geschichten dieser Reihe sind unabhängig voneinander lesbar, jedoch durch wiederkehrende Charaktere miteinander verbunden. Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuauflage des Romans „Drive me crazy – Ich, Du … Wir“, der erstmalig 2017 unter dem Pseudonym Kate Franklin erschien.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Über das Buch

Kapitel 1 – Linda

Kapitel 2 – Leander

Kapitel 3 – Linda

Kapitel 4 – Linda

Kapitel 5 – Leander

Kapitel 6 – Linda

Kapitel 7 – Leander

Kapitel 8 – Linda

Kapitel 9 – Leander

Kapitel 10 – Linda

Kapitel 11 – Leander

Kapitel 12 – Linda

Kapitel 13 – Leander

Kapitel 14 – Linda

Kapitel 15 - Linda

Kapitel 16 – Leander

Kapitel 17 – Linda

Kapitel 18 – Leander

Kapitel 19 – Linda

Kapitel 21 – Linda

Kapitel 22 – Leander

Kapitel 23 – Linda

Triggerwarnung

Über die Autorin

Herzpost

Herzklopfen 1.0

Herzklopfen 3.0

Impressum

Katrin Franke

FRÜHLINGSHERZKLOPFEN

Linda & Leander

Über das Buch

Dass sie ausgerechnet bei ihm gelandet war, musste ein übler Streich des Schicksals gewesen sein.

Nachdem Linda ihr altes Leben hinter sich gelassen hat, ist sie bereit für einen Neustart. Das ist zumindest der Plan, den sie jedoch ohne dieses blöde Missgeschick im Fitnessstudio gemacht hat. Leander, ihr Retter in der Not, verdreht ihr wider Erwarten völlig den Kopf und sorgt dafür, dass ihr Herz immer öfter aus dem Takt gerät. Und ihm scheint es genauso zu gehen, denn plötzlich verbringen sie mehr Zeit miteinander als gut für sie beide wäre. Gerade als sie sich an das neue Glück gewöhnen, taucht Lindas Ex-Freund auf und sorgt für jede Menge Chaos. Auch Leander kämpft gegen die Schatten seiner Vergangenheit, und nur die Wahrheit wird Licht ins Dunkel bringen. Doch die tut weh.

Frühlingsherzklopfen ist der zweite Band der Verliebte-Herzen-Reihe. Alle Geschichten dieser Reihe sind unabhängig voneinander lesbar, jedoch durch wiederkehrende Charaktere miteinander verbunden.

Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuauflage des Romans „Drive me crazy – Ich, Du … Wir“, der erstmalig 2017 unter dem Pseudonym Kate Franklin erschien.

Liebe Leser:innen,

dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Aus diesem Grund befindet sich am Ende eine Triggerwarnung. Bitte beachte, dass diese Spoiler für das gesamte Buch enthalten kann.

Kapitel 1 – Linda

Ein Zumba-Kurs? Echt jetzt?

Was genau hatte sich Linda eigentlich dabei gedacht, sich zu diesem Gehopse anzumelden? Schon allein vom Anschauen diverser Videos, die ihrer Vorbereitung hatten dienen sollen, war ihr klar geworden, dass das nichts für sie sein konnte. Zwar ging sie seit einiger Zeit regelmäßig ins Fitnessstudio, bevorzugte jedoch einfaches Zirkeltraining, bei dem man sich so gut wie nicht verletzen konnte. Die Betonung lag dabei auf so gut wie, denn wenn man es wie sie schaffte, sich eines der Gewichte auf die Füße fallen zu lassen, war auch das keine sichere Trainingsmethode.

Sie erinnerte sich an ein Aerobic-Abenteuer vor etlichen Jahren, als sie schon einmal versucht hatte, eine solche Sportart für sich zu finden. Aber Fehlanzeige – es hatte keine zehn Minuten gedauert, bis die Trainerin sie gebeten hatte, entweder nur die Arme oder nur die Beine zu bewegen. Beides zusammen ging einfach nicht. Für Linda war es schier unmöglich, Bewegungen dieser Art zu koordinieren, ohne sich dabei selbst mehrfach zu verknoten.

Aber wie jedes Jahr hatte sie sich von all diesen Neujahrsvorsätzen in ihrem Umfeld anstecken lassen, um ihre Fitness auf ein höheres Level zu bringen.

Leider hatten die angebotenen Gymnastik-Kurse bisher nicht ihr Interesse wecken können. Bauch, Beine, Po – davon hatte sie schon genug. Aber dieses Zumba wollte sie trotz ihrer ungelenken Art unbedingt ausprobieren. Sie mochte die lateinamerikanische Musik und tanzte wahnsinnig gern. Das würde sich doch bestimmt gut kombinieren lassen. Zumindest war das ihre Hoffnung, bis sie das Fitnessstudio betrat.

»Du bist spät dran, Hübsche«, rief ihr Julian lachend zu, als sie am Empfangstresen vorbeihetzte, um noch rechtzeitig in den Kursraum zu gelangen. Julian Seeberger war ein durchaus sehr ansehnliches Exemplar Mann: groß, durchtrainiert, charmant und der Inhaber des Sportstudios, das er Körper-Kraftwerk getauft hatte.

»Pf, ich bin so was von pünktlich. Just in time nennt man das«, konterte Linda und wischte sich mit der flachen Hand über die Stirn. Im Winter dick eingemummelt vom Kalten ins Warme zu kommen und dann mörderisch zu schwitzen, war definitiv einer der größten Nachteile dieser Jahreszeit. Sie freute sich schon so auf den Frühling.

Schnell erhaschte sie einen Blick auf die Uhr über der Tür zur Umkleide. Sie war wirklich spät dran. Allerdings war Zeit ja relativ. Und sie war sich relativ sicher gewesen, noch viel davon zu haben. Doch jetzt konnte sie schon die laute Musik aus dem Raum hören, in dem der Zumba-Kurs stattfand und der nur durch eine riesige Glaswand vom restlichen Teil des Studios abgetrennt wurde. Die Scheiben waren hüfthoch satiniert, sodass man auch von außen ganz gut erkennen konnte, um welche Art der Folter es sich handelte, mit der die zumeist weiblichen Kursbesucher gequält wurden, um sich fit zu halten.

Julian rief noch etwas, was sie nicht mehr verstand, weil sie hastig im Umkleideraum verschwand, um sich in Windeseile in ihre Sportklamotten zu werfen und in den Kursraum zu eilen, der auf den ersten Blick gut gefüllt war.

Der einzige freie Platz befand sich direkt vor der Glaswand. »Na prima, da kann jeder das Elend begutachten«, seufzte sie leise und hoffte, dass es niemand gehört hatte. Sie schlängelte sich durch die Anwesenden, rempelte jemanden an, entschuldigte sich und kam schließlich an ihrem Platz an.

Und dann hieß es: Augen zu und durch.

Die Trainerin, deren Namen sie vergessen hatte – irgendwas mit E … Erika, Erin, Elsa oder so –, drehte die Musik noch lauter auf, um zu signalisieren, dass es nun losging. Parallel begann sie, Kommandos in den Raum zu brüllen, als wäre sie vom Militär. Gefolgt von Bewegungsabläufen, die Linda kaum umsetzen konnte. Die Frauen um sie herum, die diesen Kurs anscheinend regelmäßig besuchten, hüpften routiniert von einem Bein aufs andere, schwangen ihre Hüften und klatschten euphorisch in die Hände, sobald es die Trainerin vormachte. Das hier war anscheinend nicht der Anfängerkurs, den Linda eigentlich hatte buchen wollen. Stattdessen war sie wohl in einem Kurs für Fortgeschrittene gelandet und die Knoten in ihren Gliedmaßen waren nicht verwunderlich.

Ihre Tanz-Skills beschränkten sich nämlich lediglich auf unkoordinierte Freestyle-Bewegungen. Wobei sie es immer schaffte, im Takt zu bleiben. Sie liebte es, sich der Musik und den Rhythmen hinzugeben. Ging es allerdings darum, feststehende Schrittkombinationen umzusetzen, erst recht mit Armen und Beinen gemeinsam – dann wurde sie zu einer Art Bewegungslegasthenikerin, denn damit war sie heillos überfordert.

Zum Glück besaß sie genug Selbstironie, um über sich lachen zu können. Ihre Versuche, immer wieder mitzuhalten, misslangen jämmerlich. Von außen konnte man annehmen, dass dieser Sport Spaß machte. Aber für Linda war er eigentlich nicht das Richtige. Das erkannte sie schnell und beschloss, einfach beim Zirkeltraining zu bleiben.

Schnaufend kämpfte sie sich durch den Kurs, der insgesamt eine Stunde dauerte. Im letzten Drittel gewannen die Musik, die Bewegungen und das Klatschen immer mehr an Tempo. Sie hüpfte, sprang, schwang die Arme und während sie versuchte, alle Bewegungen miteinander zu verknüpfen, geriet sie ins Straucheln. Für den Bruchteil einer Sekunde verschwamm alles um sie herum, sie spürte, wie ihr linker Fuß umknickte und sie den Halt verlor. Dann stürzte sie zu Boden und ganz abrupt wurde es still im Raum. Keine Musik mehr. Keine Kommandos. Nur besorgtes Flüstern unter den anderen Kursteilnehmerinnen.

»Auch das noch«, jammerte Linda leise und schlug peinlich berührt die Hände vors Gesicht.

»Alles okay? Bist du verletzt?« Erika-Erin-Elsa kam sofort zu Hilfe geeilt und hockte sich neben sie, während Linda ihren Knöchel rieb.

»Ja, nein«, stammelte sie. »Es geht schon. Ich weiß gar nicht …«

»Dein Schnürsenkel war auf und du bist darüber gestolpert. Kann passieren«, sagte die freundliche Frau schmunzelnd, die bis eben noch Befehle durch den Raum gebrüllt hatte. Großartig, und das hatte sie ihr nicht schon früher sagen können?

»Hauptsache, dir ist nichts Ernsthaftes passiert. Lass dir von Julian was zum Kühlen geben und anschließend ab nach Hause. Leg das Bein am besten hoch, dann ist das bald ausgestanden. Gute Besserung.« Die Trainerin klatschte wieder in die Hände und rief: »Auf, auf, die Damen, Endspurt. Drei, zwei, eins …« Gleich darauf wurde die Musik wieder laut.

Mühsam stand Linda auf. Geräuschvoll sog sie die Luft ein, als ein stechender Schmerz in ihren Knöchel fuhr. Verdammt.

Während sie ihren Oberkörper aufrichtete, glitt ihr Blick durch die halbsatinierte Verglasung in den Fitnessraum, um sicherzugehen, dass ihr filmreifer Auftritt eben nicht für Furore gesorgt hatte. Aber da draußen schien niemand von ihr Notiz zu nehmen, was sie erleichtert aufatmen ließ. Bevor sie den Kursraum verlassen konnte, bückte sie sich, um ihre Trinkflasche und das Handtuch aufzuheben. Sie raffte beides zusammen, und als sie wieder nach oben kam, entdeckte sie ihn.

In der hinteren Ecke des Fitnessstudios saß ein Kerl an einem der Geräte, mit dem man die Armmuskeln trainierte, und starrte sie geradewegs an. Die kleinen Härchen in ihrem Nacken stellten sich augenblicklich auf, als sich seine Lippen auch noch zu einem breiten Grinsen verzogen. Das graue Muskelshirt gewährte freien Blick auf seine muskulösen Oberarme, die vom Schweiß glänzten. Sein Anblick brachte sie so sehr aus dem Konzept, dass sie nahezu eine komplette Lähmung erlitt. Wie von Geisterhand war sie auf einmal nicht mehr in der Lage, ihre Finger fest um die Trinkflasche zu schließen. Stattdessen löste sich ihr Griff und die Flasche fiel laut polternd auf den Parkettboden.

Shit. Er hatte vermutlich alles gesehen, und wenn sie gleich den Kursraum verließ, würde er mit Sicherheit in lautes Gelächter ausbrechen.

Gab es hier einen Fluchtweg? Es musste einen geben. So wollten es die Vorschriften. Und die wollten auch, dass der Fluchtweg ausgeschildert war. Zu dumm nur, dass sie keinen dieser grün-weißen Hinweise entdecken konnte.

Erneut schlängelte sie sich durch die Kursteilnehmerinnen und hob zum Abschied die Hand, als sie den Raum verließ. Mit geneigtem Kopf humpelte sie zurück in den Fitnessraum und hoffte einfach, dass niemand sie auf das eben Passierte ansprechen würde.

»Alles okay, Linda?« Julian hatte es also doch gesehen. War ja klar, dass sie mit dieser Showeinlage zur Attraktion der Woche geworden war. Schmunzelnd stellte er ihr ein Glas Wasser vor die Nase und zeigte ihr einen Daumen nach oben. »Für das, was ich von deinem Auftritt gesehen habe, bekommst du von mir eine glatte 6,0. Haltung und technische Ausführung waren top.«

»Jaja, schon klar. Schön, dass du Spaß hattest.« Linda war weniger amüsiert und hievte sich auf einen der Barhocker, die sich vor dem Tresen aufreihten. Den verletzten Knöchel, der inzwischen wirklich schmerzhaft puckerte, legte sie auf dem danebenstehenden Hocker ab und rieb demonstrativ darüber. »Hast du was zum Kühlen?«

»Klar, Momentchen.« Julian nickte, verschwand in einem der angrenzenden Zimmer und kam gleich darauf mit einem Kühlpack zurück. Er eilte um den Tresen herum, schnappte sich auf dem Weg zu ihr noch ein sauberes Geschirrtuch und drapierte alles auf dem Hocker, auf dem sie schon den verletzten Fuß abgelegt hatte.

»Zeig mal her.« Vorsichtig fuhr er über die Schwellung, bevor er erst das Tuch darauflegte und dann die kühlende Kompresse. »Nicht bewegen, sonst fällt es runter.«

»Das ist kalt«, japste Linda, zog ihr Bein zurück und sah zu, wie das Kühlpack vom Knöchel erst auf den Hocker und dann auf den Boden fiel. Julian bedachte sie mit einem beleidigten Blick.

»Still halten ist nicht so deins, oder?«, neckte er sie und hob das Kühlpack auf, um es erneut auf dem verletzten Gelenk zu positionieren. »Und jetzt bleib so, ja?«

Erneut nickte Linda. »Geht klar, Herr Doktor.« Dann stieß sie geräuschvoll die Luft aus und riskierte einen Blick in den Fitnessraum. Erleichtert stellte sie fest, dass alle, die hier trainierten, mit sich beschäftigt waren. Den Kerl von vorhin konnte sie allerdings nicht mehr entdecken, was sie fast schon bedauerte.

»Das kann echt nur mir passieren. Im gut gefüllten Studio«, schimpfte Linda vor sich hin.

»Ach was, so schlimm war es nicht. Hat kaum jemand gesehen.« Es war überdeutlich, dass Julian große Mühe hatte, sein Lachen zu unterdrücken. »Geht’s denn mit dem Fuß? Oder soll ich dich nach Hause fahren?« Zur Untermalung seines Angebotes wackelte er mit den Augenbrauen. Hoffte er wirklich, dass er sie rumbekäme? Wäre sie sein Typ, wäre sie genau jetzt vermutlich wirklich schwach geworden und hätte sein Angebot angenommen. Aber sie wusste, dass sie weit außerhalb seines Beuteschemas lag. Julian flirtete zwar gern, auch mit ihr, stand aber eigentlich eher auf Püppchen mit Modelmaßen. Er war ein netter Kerl, wirklich, aber eben sehr oberflächlich, wie Linda fand. Trotzdem tat es ihr gerade gut, wie er sie umgarnte. Welche Frau konnte sich dem schon entziehen?

»Nein, nein, es geht schon, Julian. Ich fahr gleich heim und leck meine Wunden selbst.« Mit einem schiefen Grinsen ging sie auf seine Bemerkung ein und kicherte hinter vorgehaltener Hand, als sie sah, wie sich Julians Augen weiteten. Mit ihrer Schlagfertigkeit hatte er anscheinend nicht gerechnet. Sie mochte ihn und wusste, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber jeder hier mochte ihn, was nicht verwunderlich war. Julian war der klassische Sonnyboy, immer gut gelaunt, stets einen flotten Spruch parat und noch dazu sah er verdammt gut aus. Mit Sicherheit hatte er an jeder Hand zehn Frauen, die sich danach sehnten, seine Seite zieren zu dürfen.

»Mach ein Video davon«, feixte er und leckte sich provokant über die Lippen, was Linda zum Lachen brachte.

»Spinner.« Kopfschüttelnd trank sie das Wasser aus und schob das Glas über den Tresen. »Mir geht’s gut, mach dir keine Sorgen. Ich fahre jetzt nach Hause. Allein.« Demonstrativ hob sie die Hand und warf ihm einen Luftkuss zu, den Julian theatralisch mit beiden Händen auffing und an seine Brust drückte.

»Sag Bescheid, falls du doch Hilfe brauchst, okay?«

Sie nickte und wollte gerade ihren Fuß von dem Barhocker hieven, als sie eine Berührung an ihrem Rücken spürte, die sie förmlich erstarren ließ. Augenblicklich flutete eine unsägliche Wärme ihren Körper, die sie daran hinderte aufzustehen. Eine Gänsehaut gesellte sich dazu und ihre Muskeln schienen nicht mehr gehorchen zu wollen. Langsam drehte sie ihren Kopf, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich war, dass sie wie gelähmt hier saß. Sie schnappte nach Luft, als sie sah, in wessen Gesicht sie gerade blickte – der Typ, der ihren oscarreifen Auftritt beim Zumba live verfolgt hatte, schenkte ihr ein besorgtes Lächeln.

»Hey«, brummte er. Seine Stimme ähnelte der Julians, war jedoch etwas tiefer. »Du bist verletzt? Wie schlimm ist es?«

Noch immer war Linda wie versteinert und unfähig zu reagieren. Aus dem Augenwinkel sah sie Julian, der hinter dem Tresen die Arme vor der Brust verschränkt hatte. Seine Miene hatte sich deutlich verfinstert und Linda fragte sich, was nun schon wieder los war.

Dem Fremden wollte sie gern sagen, dass alles in Ordnung war, doch ihre Lippen blieben verschlossen. Stattdessen versank sie in den Tiefen dieser dunkelbraunen Augen, mit denen er sie vorhin schon fixiert hatte. Sie strahlten Wärme aus und zogen sie wie magisch in ihren Bann, sodass ein angenehmes Kribbeln ihre Wirbelsäule hinabrieselte.

Schließlich schaffte sie es zu nicken, um seine Frage nach ihrem Wohlbefinden zu beantworten. »Danke, es geht schon«, krächzte sie im Anschluss. Ihre Stimme hörte sich so rau an wie ein erkälteter Rabe.

»Darf ich mal?« Mr Schokoladenaugen nickte in Richtung ihres Knöchels und wartete auf ihre Erlaubnis für was auch immer.

»Julian hat mich schon verarztet«, erwiderte sie und schüttelte verwirrt den Kopf, weil der Fremde wenig anerkennend schnaubte.

»Hm, hab ich gesehen. Darf ich trotzdem?«

Linda stieß geräuschvoll die Luft aus und fragte sich, was für ein Battle zwischen diesen beiden Typen lief, dass sie sich förmlich darum rissen, ihr zu helfen. Dennoch nickte sie, woraufhin er mit seiner Hand sanft ihr Gelenk abtastete.

Seine Haut auf ihrer löste wahre Feuerstürme in ihr aus und sorgte dafür, dass sich ihr Herzschlag enorm erhöhte. Hörst du das Wummern in meiner Brust?, wollte sie den Fremden am liebsten fragen, aber ihre Stimmbänder waren zu nichts zu gebrauchen, seit er neben ihr stand.

Ihr Fuß zuckte bei jeder seiner Berührungen und er packte diesen sanft, um ihn zu begutachten.

»Hey, ich bin Arzt. Du musst keine Angst haben. Tut das hier weh?« Vorsichtig drückte er hier und rieb dort, während Linda die Zähne zusammenbiss und tapfer den Kopf schüttelte. »Ich vermute, du hast die Bänder überdehnt, aber das ist nichts Schlimmes.« Ein letztes Mal strichen seine Finger zärtlich über ihren Knöchel, bevor er seine Hand zurückzog.

»Du vermutest? Ich dachte, du bist Arzt«, stieß Linda aus und erntete einen amüsierten Blick von ihrem Gegenüber.

»Bin ich, aber ich kann nicht in deinen Fuß reinschauen. Allerdings ist dein Gelenk trotz der Überdehnung noch bewegungsfähig, daher schließe ich eine Fraktur aus.«

Okay. Das klang einleuchtend und Linda nickte beeindruckt.

»Hol dir auf dem Nachhauseweg in der Apotheke eine Salbe, die die Schwellung lindert, und leg das Bein hoch. Ein paar Tage dauert es sicher, bis alles wieder gut ist.«

Während er mit ihr sprach, versuchte sie, ihn nicht allzu offensichtlich anzustarren. Sein Gesicht war ebenmäßig und doch kantig. Männlich und von den Stoppeln eines Dreitagebartes geziert. Die dunkelbraunen Haare hatten fast dieselbe Farbe wie seine Augen, waren vom Training verstrubbelt, einige Strähnen hingen verschwitzt in seiner Stirn. Seine Haut glänzte, vermutlich, weil er sich an den Geräten ordentlich ins Zeug gelegt hatte. Die Muskeln seiner Oberarme zeichneten sich deutlich ab und Linda ertappte sich dabei, wie sie sich vorstellte, von solch starken Armen gehalten zu werden.

Es war lange her, dass es einen Mann in ihrem Leben gegeben hatte. Auch wenn sie damit im Reinen war und eine neue Beziehung nicht forcierte, weil sie gut allein klarkam, spürte sie, dass dieser Typ ihr unter die Haut ging. Hatte sie gedacht, ihre Emotionen im Griff zu haben, so belehrte er sie seit ein paar Minuten eines Besseren.

Verlegen strich sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst hatte.

Julians Stimme drang wie durch einen Wattebausch gedämpft an ihre Ohren. »Linda? Alles klar? Du wirkst total neben der Spur.«

»Ja … nein, alles gut. Danke euch beiden, aber ich muss jetzt wirklich los.« Hastig nickte sie, raffte schnell ihre Sachen zusammen und rutschte vom Barhocker. Als sie mit dem verletzten Fuß auftrat, jagte wieder dieser stechende Schmerz durch ihren Knöchel. Für einen Moment hielt sie die Luft an, in der Hoffnung, dass das helfen würde, und verschwand dann so schnell es ihr möglich war in Richtung der Umkleidekabinen.

Erst nachdem sie die rettende Damenumkleide erreicht hatte, gestattete sie sich, tief durchzuatmen. Was zur Hölle war das gerade? Nach der Sache mit Tom, die nun schon über ein Jahr zurücklag, hatte es kein Mann geschafft, so ein Feuer in ihr auszulösen. Nicht, dass sie abstinent lebte. Das nicht, wobei sie auch nicht ständig um One-Night-Stands bettelte. Aber hin und wieder traf sie auf einen netten Kerl, mit dem sie in der Horizontalen landete. Ohne jegliche Verpflichtungen. So konnte sie wunderbar vermeiden, verletzt zu werden. Bisher hatte dieses System hervorragend funktioniert und sie hatte nicht vor, es so schnell zu ändern.

Nun hatte sie jedoch ein Problem. Dieser Typ da draußen, dessen federleichte Berührungen immer noch in ihr nachhallten und dessen Augen sich in ihr Gedächtnis gebrannt hatten, hatte ein wahres Kopfkino ausgelöst. Momentaufnahmen von seinen wunderbar weichen Händen, seinen vollen Lippen spulten sich wie ein Film wieder und wieder in ihrem Hirn ab und lösten ein Prickeln unter ihrer Haut aus.

Seufzend vergrub sie ihr Gesicht in den Händen und beschloss, das Duschen zu Hause zu erledigen. Sie musste hier weg und wieder einen klaren Kopf kriegen – und zwar so schnell wie möglich. Flink stopfte sie all ihre Sachen in ihre Sporttasche und verließ eilig das Fitnessstudio, ohne sich noch einmal nach dem Mann umzusehen, der sie so durcheinandergebracht hatte.

Auf dem Parkplatz hielt sie kurz inne, weil ihr die kalte Luft unerbittlich ins Gesicht schlug. Zwar war erst Februar, aber vor ein paar Tagen hatte sich der Frühling schon ein wenig blicken lassen. Doch die kurze Stippvisite war anscheinend wieder vorbei und der Winter zurück. Fröstelnd stieg sie in ihren alten VW Polo und bewegte ihren Fuß auf dem Kupplungspedal auf und ab. Ein stechender Schmerz jagte durch ihren Knöchel, aber bis nach Hause würde es gehen. Dann brauste davon.

Vielleicht sollte sie den Vertrag mit dem Fitnessstudio kündigen, um Begegnungen dieser Art zukünftig zu vermeiden, ging ihr während der Heimfahrt durch den Kopf. Aber nein, das war natürlich keine Option. Mit ihren neunundzwanzig Jahren war sie schließlich eine erwachsene Frau, die sehr wohl mit solchen Situationen umgehen konnte.

Zumindest war das der Plan.

Kapitel 2 – Leander

»Mist«, stieß Leander frustriert aus, während Julian ihn mit einem hämischen Blick bedachte.

Diese Frau hatte etwas an sich gehabt, das ihm die Sprache verschlagen hatte. Dass sie so schnell geflüchtet war, weckte regelrecht den Jagdinstinkt in ihm. Denn ohne genau zu wissen, was genau ihn so fasziniert hatte, war da auf einmal das Bedürfnis, es näher zu ergründen.

Die Art, wie sie auf ihn reagiert hatte, wirkte anziehend auf ihn. Sie war ein klein wenig rot geworden, als er ihren Knöchel abgetastet hatte, und das fand er süß. Auch ihr Blick aus ihren graublauen Augen war ihm direkt unter die Haut gegangen.

»Was denn? Ist sie weg?«, frotzelte Julian, und sein gehässiges Grinsen trübte Leanders Stimmung nur noch mehr.

»Japp. Ich hab nur noch die Rücklichter ihres Wagens gesehen.«

»Na, dann warst du wohl zu langsam, Großer. Musst wohl mal eine Cardio-Session einlegen und nicht immer nur Muckitraining.« Munter stichelte sein kleiner Bruder weiter und machte ihn damit tatsächlich sauer. Normalerweise steckte er das Geplänkel zwischen ihnen belustigt weg.

»Ach, halt einfach die Klappe.« Den Spott seines Gegenübers konnte er nun wirklich nicht gebrauchen. »Erzähl mir lieber was über sie.« Unwillkürlich zog es seinen Blick Richtung Ausgang. Ganz so, als könnte die schöne Unbekannte gleich wieder reinkommen. Aber nur der normale Publikumsverkehr gab sich die Klinke in die Hand.

»Alter, schon mal was von Datenschutz gehört? Damit müsstest du dich doch auskennen. Also ehrlich, ich glaub’s echt nicht, dass du mich das eben wirklich gefragt hast.« Entrüstet stand Julian hinterm Tresen, schüttelte den Kopf und runzelte die Stirn.

Leander nickte stumm und beugte sich vor. »Soll ich mir von Alex eine richterliche Verfügung ausstellen lassen?«, brummte er missmutig, wobei ein Grinsen an seinen Mundwinkeln zupfte. Alexander Hagel war sein bester Freund und in seiner Funktion als Rechtsanwalt könnte er das sicher ganz schnell klären. Natürlich wusste er, dass eine solche Verfügung in diesem Fall mehr als übertrieben und rechtlich nicht haltbar war. Aber der Blick seines Bruders, der ihn für eine Sekunde erschrocken ansah, war ihm diese Bemerkung wert. »Ein Anruf genügt.«

»Na klar. Eine richterliche Verfügung. Am besten lässt du mich direkt in Handschellen abführen, damit du derweil in Ruhe in meinen Kundendaten herumwühlen kannst. Nun lass mal die Kirche im Dorf, Bruderherz.«

Leander lachte und richtete sich entspannt wieder auf, um auf einem der Barhocker Platz zu nehmen.

»Ich will nur wissen, wie sie heißt, okay? Und vielleicht noch ihre Telefonnummer. Um alles andere kann ich mich selbst kümmern.« Siegessicher stellte er seine Forderungen, die von Julian wiederum nur müde belächelt wurden.

»Du weißt, dass ich das nicht machen kann. Ich darf die Daten meiner Kunden nicht rausgeben. Oder handelst du etwa mit deinen Patientenakten?«

»Touché.« Leander nickte anerkennend. »Wenigstens ihren Namen?«

»Vergiss es. Komm einfach regelmäßig her, dann wirst du ihr schon irgendwann wieder über den Weg laufen.«

»Du weißt aber schon, dass mir das Studio ebenso gehört, oder? Also sind es quasi auch meine Kunden. Und jetzt her mit ihrem Namen. Kann doch nicht so schwer sein.«

Genervt verschränkte Julian die Arme vor der Brust. »Dir gehört hier gar nichts. Du hast für mich gebürgt, damit ich den Kredit bekomme. Mehr nicht. Nicht einmal das kleinste Staubkorn hier ist dein Eigentum.«

Langsam war Leander genervt. Er wollte doch nur wissen, wie diese Frau hieß. Lediglich einen Namen zu dem Gesicht haben, das ihn nicht mehr losließ. Die Gedanken an sie ließen ihn einfach nicht los: ihre wunderbar weiche Haut, dieser sanfte Ausdruck in ihren Augen, der Duft ihrer Haare, ihre weibliche Figur.

»Außerdem. Was machst du dann, wenn du ihren Namen hast? Der nützt dir doch auch nicht viel, hm?«

»Deswegen gibst du mir noch ihre Telefonnummer. Bitte«, versuchte Leander es erneut. Doch sein Bruder ließ sich nicht erweichen.

»No way, Lee. Ich halte mich an die Regeln, basta.«

Geräuschvoll holte Leander Luft. »Pass mal auf, kleiner Bruder. Wenn du das hier …« Mit seinen Armen deutete er einen Halbkreis an, um die Größe des Studios zu beschreiben. »… in die Scheiße reitest, muss ich dafür geradestehen. Mit meiner Kohle. Verstehst du? Und jetzt gib den verdammten Namen und ihre Telefonnummer raus. Ich will doch nur nachfragen, wie es ihr geht.« Dass er sich wie ein verzweifelter Teenager aufführte, war Leander durchaus bewusst, aber herzlich egal. Vielleicht gelang es ihm auf diese Weise, an die gewünschten Informationen zu kommen. Sicher, es war nicht die feine englische Art, Julian Vorhaltungen wegen des Darlehens zu machen und ihn damit unter Druck zu setzen. Er hatte ihm damals versichert, es niemals gegen ihn zu verwenden. Manchmal jedoch musste man aus der Not eine Tugend machen und da kam dieser Fakt gerade recht.

»Boah, du nervst, weißt du das?« Ja, das wusste er. Doch Julians zusammengekniffene Augen sprachen dafür, dass er überlegte.

»Ja, dessen bin ich mir bewusst. Nun lass Taten sprechen. Bitte.«

Bevor er etwas antwortete, sah sich Julian um. Vermutlich um sicherzugehen, dass niemand mitbekam, dass er im Begriff war, vertrauliche Informationen preiszugeben. Was für ein Spinner. Als ob es jemanden, der hier im Hintergrund trainierte, interessieren würde, wenn sich zwei Brüder über Frauengeschichten austauschten.

»Na gut«, flüsterte er und tat so, als würden Topsecret-Informationen des MI6 über den Tresen gehen. »Sie heißt Linda. Ist noch nicht lange hier. Erst seit ein paar Wochen und eher unregelmäßig. Heißes Ding.« Julians Hände beschrieben die Umrisse eines Körpers.

»Untersteh dich«, zischte Leander ihn an. »Sie ist perfekt.«

Julians Feixen war indes nicht zu überhören. »Ach, daher weht der Wind. Du findest sie … perfekt. Soso. Mein großer Bruder findet endlich die perfekte Frau. Dass ich das noch erleben darf. Viel Glück, Lee. Ich hab mir an ihr schon die Zähne ausgebissen.« Mit einem breiten Grinsen widmete er sich wieder seiner Arbeit.

»Als ob sie in dein Beuteschema passen würde. Lass die Finger von ihr, okay?«

»Jaja. Jetzt hau endlich ab. Ich muss arbeiten.« Julian drehte sich um und begann, Dosen mit Eiweißpulver ins Regal zu räumen.

»Sag mir noch, wann der nächste Zumba-Kurs ist, dann bin ich weg«, versuchte es Leander noch einmal.

Ohne sich umzudrehen, streckte Julian den Arm aus und zeigte Richtung Eingang. »Kurstafel. Allerdings glaube ich nicht, dass sie den noch mal besuchen wird. Na ja, ich schätze, das wird dich nicht davon abhalten, ihr nachzustellen.«

Nachzustellen. Pf. Als ob. Leander wollte lediglich wissen, wie es Lindas Knöchel ging und ob er noch irgendetwas für sie tun konnte. Dass er nur ihren Namen hatte, war leider wenig hilfreich. Lindas gab es in Dresden sicher wie Sand am Meer, sodass er Google gar nicht erst bemühen würde.

Er musste einfach darauf hoffen, sie im Fitnessstudio wiederzutreffen. Denn schon jetzt war er sich sicher, dass sie nicht so schnell aus seinen Gedanken verschwinden würde.

Wieder zu Hause in seiner großzügigen Dreizimmerwohnung warf er seine Sportsachen in den Wäschekorb und verschwand unter der Dusche.

Eigentlich war er nicht auf der Suche nach einer Beziehung, sondern hatte die Nase gründlich voll von Frauen. Aber Lindas Gesicht verfolgte ihn regelrecht. Sie ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Es war eine halbe Ewigkeit her, dass eine Frau so viel Eindruck bei ihm hinterlassen hatte.

Nach dem Duschen wickelte er ein Handtuch um seine Hüften, schenkte sich in der Küche Wein ein und setzte sich dann an seinen Schreibtisch. Er nippte am Glas, bevor er sich mit den Händen müde übers Gesicht rieb. Dann klappte er seinen Laptop auf und gab eine Handvoll Buchstaben ein.

Linda.

Er stieß ein verächtliches Schnauben aus und schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. »Bist du bescheuert, Seeberger?«, schimpfte er mit sich selbst, nachdem ihm millionenfach Einträge zu diesem Namen angezeigt wurden.

Als wären seine Finger fremdgesteuert, tippten sie noch den Ort mit ein. Dresden.

Linda. Dresden.

Das Suchergebnis minimierte sich zwar, brachte aber nicht den gewünschten Erfolg und schon gar nicht irgendwelche Informationen über Linda mit dem verstauchten Knöchel.

Frustriert klappte er das Notebook wieder zu, trank den Wein aus und ging ins Bett. In der Hoffnung, dass er sie morgen, wenn er aufwachte, wieder vergessen hatte.

Kapitel 3 – Linda

»Darling, du solltest Feierabend machen. Du arbeitest immer viel zu lange.« Marc Friedman, Lindas Chef und waschechter Brite, war von Anfang an auf ihrer Seite und stets freundlich zu ihr gewesen. Er hatte sie als Mädchen für alles in seiner Werbeagentur eingestellt, als sie den Job dringend gebraucht hatte. Damals, nach ihrer Trennung von Tom, hatte sie vor dem Nichts gestanden, aus dem sie Marc buchstäblich gerettet hatte. Schnell hatte er Lindas Potenzial erkannt und sie mit mehr Verantwortung und eigenen Projekten betraut.

»Schon okay, Marc. Zu Hause wartet doch sowieso niemand auf mich, da kann ich genauso gut arbeiten.« Zwar hatte sie sich wirklich vorgenommen, wieder zum Sport zu gehen, doch seit dem kleinen Zwischenfall vor zwei Wochen mied sie das Fitnessstudio tunlichst. Ihr Knöchel war fast wieder verheilt, stellte also nicht das Problem dar. Vielmehr lag es an ihr selbst, denn ihr peinlicher Auftritt hatte im Nachhinein mächtig an ihrem Selbstbewusstsein genagt. Wie sie alle angestarrt hatten. Und dann dieser Typ … Dieser Möchtegern-Arzt, der sie so aus dem Konzept gebracht hatte.

Für einen Moment gestattete sie ihren Gedanken einen kleinen Ausflug zu diesem Fremden hin, der sie so in seinen Bann gezogen hatte. Es fiel ihr nicht schwer, seinen Anblick schnell abzurufen, denn das Bild von ihm war gut verwahrt in einer der Schubladen in ihrem Kopf.

Doch die Peinlichkeit überwog und sie hatte beschlossen, weiteren Begegnungen dieser Art aus dem Weg zu gehen.

Marc trat an ihren Schreibtisch, stützte sich mit den Händen ab und beugte sich zu ihr.

Sie hatte ihn von Anfang an gemocht. Wegen seiner eleganten Erscheinung und seinem unglaublich süßen Brit-Charme, den sie schon während des Vorstellungsgesprächs sympathisch gefunden hatte. Er war stets gut gekleidet und verkörperte das, was man wohl gemeinhin unter einem klassischen Gentleman verstand. Dabei war er kein bisschen spießig, sondern eher von der humorvollen Sorte. Und Engländer waren ja hinlänglich bekannt für ihren besonderen Humor.

»So verbittert, junge Lady?«, hakte er mit einem theatralischen Augenblinzeln nach.

So gut aussehend er war, er war ihr Vorgesetzter. Also Pfoten weg, schalt sich Linda innerlich und schüttelte den Kopf.

»Nein, nicht verbittert. Nur überzeugter Single.« Ihre Aussage unterstrich sie mit einem breiten Grinsen, um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch sie wusste, dass Marc sie inzwischen gut genug kannte, um ihre vermeintliche Überzeugung zu enttarnen.

---ENDE DER LESEPROBE---