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War es möglich, mit nur einem Herzen zwei Menschen zu lieben? Nach einem schweren Schicksalsschlag kämpft sich Elisa mühsam ins Leben zurück. Als eines Tages der attraktive Marc ihre Wege kreuzt, hat sie das Gefühl, endlich wieder aufblühen zu können. Mit ihm hat sie jemanden gefunden, der sie auffängt und versteht. Die enorme Anziehungskraft zwischen ihnen kann sie kaum leugnen. Wären da nur nicht die Schatten ihrer Vergangenheit, die nicht zulassen, dass er mehr Platz in ihrem Leben einnimmt. Doch Marc lässt nichts unversucht und setzt alles daran, dass sie an seiner Seite die lauen Londoner Sommerabende wieder richtig genießen kann. Endlich wähnt sich Elisa in Sicherheit, bis ihr die Wahrheit über alte Geschehnisse den Boden unter den Füßen wegreißt. Kann Marc sie auch dieses Mal retten oder fällt sie ins Bodenlose? Sommerherzklopfen ist der dritte Band der Verliebte-Herzen-Reihe. Alle Geschichten dieser Reihe sind unabhängig voneinander lesbar, jedoch durch wiederkehrende Charaktere miteinander verbunden. Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuauflage des Romans „Kiss me crazy – Wir allein“, der erstmalig 2019 unter dem Pseudonym Kate Franklin erschien.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Über das Buch
Kapitel - Elisa
Kapitel – Marc
Kapitel – Elisa
4. Kapitel – Marc
5. Kapitel – Elisa
6. Kapitel – Marc
7. Kapitel – Elisa
8. Kapitel – Marc
9. Kapitel – Elisa
10. Kapitel – Marc
11. Kapitel – Elisa
12. Kapitel – Marc
13. Kapitel – Elisa
14. Kapitel – Marc
15. Kapitel – Elisa
16. Kapitel – Marc
17. Kapitel – Elisa
18. Kapitel - Marc
19. Kapitel – Elisa
20. Kapitel – Marc
21. Kapitel – Elisa
22. Kapitel - Marc
23. Kapitel – Elisa
Verliebte Herzen – Reihe
Triggerwarnung
Über die Autorin
Impressum
Katrin Franke
SOMMERHERZKLOPFEN
Elisa & Marc
War es möglich, mit nur einem Herzen zwei Menschen zu lieben?
Nach einem schweren Schicksalsschlag kämpft sich Elisa mühsam ins Leben zurück. Als eines Tages der attraktive Marc ihre Wege kreuzt, hat sie das Gefühl, endlich wieder aufblühen zu können. Mit ihm hat sie jemanden gefunden, der sie auffängt und versteht. Die enorme Anziehungskraft zwischen ihnen kann sie kaum leugnen. Wären da nur nicht die Schatten ihrer Vergangenheit, die nicht zulassen, dass er mehr Platz in ihrem Leben einnimmt. Doch Marc lässt nichts unversucht und setzt alles daran, dass sie an seiner Seite die lauen Londoner Sommerabende wieder richtig genießen kann. Endlich wähnt sich Elisa in Sicherheit, bis ihr die Wahrheit über alte Geschehnisse den Boden unter den Füßen wegreißt. Kann Marc sie auch dieses Mal retten oder fällt sie ins Bodenlose?
Sommerherzklopfen ist der dritte Band der Verliebte-Herzen-Reihe. Alle Geschichten dieser Reihe sind unabhängig voneinander lesbar, jedoch durch wiederkehrende Charaktere miteinander verbunden.
Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuauflage des Romans „Kiss me crazy – Wir allein“, der erstmalig 2019 unter dem Pseudonym Kate Franklin erschien.
Liebe Leser:innen,
dieses Buch enthält potenziell triggernde Inhalte. Aus diesem Grund befindet sich am Ende eine Triggerwarnung. Bitte beachtet, dass diese Spoiler für das gesamte Buch enthalten kann.
Das Wetter zeigte sich typisch für Londoner Verhältnisse: Dicke Wolken hingen über der Themse, versperrten die Sicht und ließen die Stadt grau und trüb erscheinen. Es war ziemlich kühl für Mitte April. Alles in allem passte das aber ganz gut zu Elisas Stimmung, die mal wieder an einem ihrer Tiefpunkte war.
Ihr Job bei der Versicherungsgesellschaft, in der sie mit Engelszungen zahlungsunwillige Klientel eines Besseren belehren musste, war mühsam und ziemlich spaßfrei.
Allerdings war ihr Gehalt, auf das sie unbedingt angewiesen war, ausreichend für das kleine Appartement in Knightsbridge, in das sie vor knapp zwei Jahren gezogen war. Sie wohnte direkt hinter dem berühmten Kaufhaus Harrods, der Hydepark lag ihr sozusagen zu Füßen. Auch der Weg zur Arbeit beschränkte sich auf wenige Stationen mit der U-Bahn. Vorerst verschwendete sie also keinen Gedanken daran, diese Anstellung aufzugeben.
Von außen betrachtet konnte man annehmen, dass sie einfach alles hatte, um rundum zufrieden zu sein. Eigentlich. Denn wagte man den Blick hinter ihre Fassade, so sah man, dass ihr eine Menge fehlte.
Bobby zum Beispiel.
Bobby fehlte ihr am allermeisten.
Bis vor zwei Jahren hatte sie geglaubt, den Rest ihres Lebens mit ihm zu verbringen und glücklich zu sein. Aber das Schicksal hatte andere Pläne für sie gehabt.
Vor zwei Jahren, unmittelbar nachdem sie ihren Hochzeitstag im Blacklock, ihrem Lieblingslokal, gefeiert hatten, war Bobby in eine Schlägerei verwickelt worden und kurze Zeit später an deren Folgen verstorben. Er fehlte Elisa so sehr, dass sie noch immer Mühe hatte, wieder zu sich selbst zu finden. Es gab die ganz schlechten Tage und es gab die weniger schlechten. Eines hatten aber alle gemeinsam: den unsagbaren Schmerz, der sich so tief in ihr Herz gefressen hatte, dass sie manchmal kaum atmen konnte.
Trotz allem ging ihr Leben weiter.
Allein.
An den weniger schlechten Tagen gelang es ihr im Alltag immer besser, den Schmerz über ihren Verlust zu verdrängen. Doch dann gab es immer wieder diese Momente, in denen sie glaubte, in Einsamkeit zu ertrinken. Dann fiel es ihr besonders schwer, sich aufzurappeln und sich daran zu erinnern, dass sie lebte. Und dass Bobby gewollt hätte, dass sie auch ohne ihn glücklich war.
Das war jedoch alles andere als einfach, weil er ihr mysteriöse Altlasten überlassen hatte, die sie aufzuarbeiten versuchte. Den Zweitjob als Tänzerin, den sie früher nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen hätte, nutzte sie dafür, um ebenjene Altlasten abstottern zu können.
Jeden Freitagabend arbeitete sie im Luxury, einem der nobelsten Nachtclubs der Stadt, der immer gut besucht war, von Männern wie von Frauen. Es war kein Bordell, um Gottes willen, niemals hätte sie ihren Körper für Geld verkauft. Betrachtete man jedoch die Tatsache, dass sie sehr leicht bekleidet dafür sorgte, den männlichen Besuchern das Geld aus den Taschen zu ziehen, war es im Grunde genommen genau das, was sie tat. Auch wenn sie wusste, dass sie lediglich ihre körperlichen Vorzüge sowie ihr gutes Aussehen nutzte, um die Herren um den Verstand zu bringen, fühlte es sich dennoch so an, als würde sie sich verkaufen.
Sie hasste diesen Job.
Trotzdem erschien sie verlässlich zu ihren Diensten und gab ihr Bestes. Die Kundschaft war zumeist wohlhabend und an guten Abenden brachte ihr das einiges an Trinkgeld zusätzlich zu ihrem sonst eher mageren Lohn ein.
Die kleine Bühne mit den Poledancestangen und den spiegelnden Bodenfliesen hatte sie anfangs nur widerwillig betreten. Doch inzwischen war sie abgestumpft genug, um es als das zu betrachten, was es für sie war: ein Job, der ihr mehr einbrachte als erwartet.
Ihre monatlichen Einnahmen reichten somit aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und Bobbys Schulden zu tilgen. Unglaublich, dass sie einfach nichts davon mitbekommen hatte.
Einmal im Monat erhielt sie einen anonymen Brief, der in einem Postfach landete, das Bobby zu Lebzeiten für die Kommunikation mit den dubiosen Typen genutzt hatte. Kurz nach seinem Tod hatte sie auf der Suche nach Antworten seinen Schreibtisch durchwühlt. Dabei war sie auf den Schlüssel gestoßen und auf ältere Briefe und Kopien von Überweisungsscheinen. Sie hatte zwar schon gewusst, dass die Polizei in diesem Fall ermittelte, aber sie hatte sich keinen Reim darauf machen können, was Bobby hinter ihrem Rücken getrieben hatte.
Die Erpresserbriefe, und genau das waren sie, waren immer gleich. Sie bestanden aus dem Brief, einem vorausgefüllten Überweisungsschein, auf dem immer eine andere Bankverbindung stand, und einem Foto, auf dessen Rückseite man sie nett daran erinnerte, dass es für sie gesünder wäre, die Schulden zu begleichen. Das Bild zeigte Bobby, zusammengeschlagen und blutend am Boden liegend. Und jedes Mal setzte ihr Herz für mehrere Schläge aus, wenn sie einen dieser Umschläge öffnete und das Foto sah.
Weil sie diesen Abend verfluchte.
Weil sie Bobby verfluchte.
Und nicht zuletzt sich selbst, weil sie anscheinend blind genug gewesen war, um sein Doppelleben nie zu bemerken.
Am liebsten hätte sie sich dafür geohrfeigt, dass sie nicht gemerkt hatte, dass Bobby ein Spieler war, der nicht nur Geld im großen Rahmen verspielte. Nach seinem Tod war herausgekommen, dass er sich auf der Suche nach noch mehr Geld auf Geschäfte mit einem zwielichtigen Kredithai eingelassen hatte, was er hatte bitter bezahlen müssen. Und jetzt musste sie die Rechnung begleichen.
Wie die Typen, die ihn damals auf brutalste Art und Weise zusammengeschlagen hatten, mit ihm in Verbindung standen, wusste sie bis heute nicht, denn sie waren nie gefasst worden. Es gab Vermutungen, dass sie nur Handlanger des dubiosen Kredithais waren, dem Bobby auf den Leim gegangen war. Doch der war wie ein Phantom und nicht dingfest zu machen. Der Polizei fehlte es an hieb- und stichfesten Beweisen. Chief Inspector Baker, der von Anfang an mit dem Fall betraut gewesen war, tappte offenbar nach wie vor im Dunkeln, denn sobald Elisa nachfragte, ob es Fortschritte gab, verneinte er müde und resigniert.
Noch immer stülpte sich ihr Magen auf links, wenn sie daran dachte, wie sie damals auf dem Polizeirevier gesessen und ihre Aussage gemacht hatte. Bis ins Knochenmark verängstigt und innerlich vollkommen leer hatte sie alles erzählt, woran sie sich erinnerte. Viel war es nicht gewesen, denn die Ohnmacht hatte sie einiger Erinnerungen beraubt. An jenem Abend vor zwei Jahren hatte sie die Gestalten nur schemenhaft wahrgenommen und der Polizei daher nur wenige sachdienliche Hinweise liefern können. Lediglich die Stimme des Kerls, der ihr von Weitem gedroht hatte, war ihr in dunkler Erinnerung geblieben. Aber damit konnten die Ermittler wenig anfangen.
Jetzt stand Elisa im Bad, krallte sich am Rand des Waschbeckens fest und konnte sich nicht dagegen wehren, dass sich das Szenario dieses Abends in ihrem Kopf abspulte. Sie spürte die Panik ihre Wirbelsäule hinaufkriechen und die Tränen, die hinter ihren geschlossenen Lidern nur darauf lauerten, wie Sturzbäche über ihre Wangen zu fließen. Warum war das alles nur geschehen? Warum hatten sie und Bobby nicht einfach das Leben führen können, das sie sich immer gewünscht hatten?
Tagelang hatte sie damals an seinem Bett im Krankenhaus gesessen, seine Hand gehalten und zugesehen, wie die Beatmungsmaschine mit einer stoischen Regelmäßigkeit ihre Arbeit verrichtete. Das Piepen der medizinischen Geräte hatte den Raum gefüllt, doch Bobby hatte im Koma gelegen und nichts davon mitbekommen. Trotzdem hatte sie immer mit ihm gesprochen. Sie hatte nicht gewusst, ob er sie hören konnte, die innige Verbindung zwischen ihnen war aber dennoch spürbar gewesen. Unter Tränen hatte sie versucht, für ihn stark zu bleiben, ihm von ihrem Alltag berichtet. Schließlich hatte sie ihm befohlen, bei ihr zu bleiben und wieder aufzuwachen.
Ein lauter Schluchzer bahnte sich nun den Weg aus ihrer Kehle, während sie mit voller Kraft auf den Waschbeckenrand schlug. »Verdammt, Bobby, ich schaffe das nicht allein«, schrie sie ihr Spiegelbild an, bevor sie kraftlos auf den Boden sackte. Sie fühlte sich verraten und im Stich gelassen. Warum nur hatte er ihr nichts gesagt? Gemeinsam hätten sie doch bestimmt eine Lösung gefunden.
Ein Weinkrampf schüttelte ihren Körper, während sie auf dem Boden hockte. Sie erinnerte sich noch genau an den Moment im Krankenhaus. Bobbys Lebenswille war von Tag zu Tag mit seinen Vitalwerten gesunken. Auch wenn die Ärzte sie geduldig darauf vorbereitet hatten, hatte sie immer noch einen Funken Hoffnung gehabt, dass er die Augen wieder aufschlagen würde und sie ein neues Leben beginnen konnten. Sie hatte gebetet und gebangt, ihm zugeredet, er müsse wieder gesund werden. Schließlich hatten sie noch viel vorgehabt, hatten reisen, das Leben genießen und eine Familie gründen wollen.
Sie presste die Hände an ihre Ohren, als sie wieder das monotone Piepen der Geräte in ihrem Kopf hörte, das an einem trüben Nachmittag seinen Tod verzeichnet hatte. Er hatte keine Kraft mehr zum Kämpfen gehabt und einfach aufgegeben.
Er war gegangen und hatte sie einfach zurückgelassen.
Sechs Tage, nachdem man ihn zusammengeschlagen hatte, war Bobby verstorben und hatte eine große Leere in Elisas Leben hinterlassen, die bis heute nichts und niemand füllen konnte.
Elisa schrie ihre endlose Traurigkeit in das kleine Badezimmer. Übelkeit stieg in ihr auf, während Gänsehaut über ihren Rücken kroch. Wie hatte all das nur passieren können? Wie war es möglich, dass sie nichts von seiner Spielsucht mitbekommen hatte?
Sie hatte ihn so sehr geliebt und tat es immer noch. Aber jetzt wegen ihm in der Klemme zu stecken, das hasste sie abgrundtief. Dennoch blieb ihr keine andere Wahl, auch wenn sie damit heillos überfordert war, den fiesen Machenschaften ausgeliefert zu sein.
Diese Typen waren wohl einfach davon ausgegangen, dass sie von dem Postfach erfahren hatte, und hatten darüber Kontakt mit ihr aufgenommen. Elisa erinnerte sich genau an den Moment, als sie das Fach mit zitternden Fingern aufgeschlossen und den ersten Brief darin gefunden hatte. Noch immer spürte sie die bittere Übelkeit, die damals in ihr aufgestiegen war.
»Zahl oder dir geht’s wie ihm«, hatte auf der Rückseite des ersten Fotos gestanden. Aber auch ohne diese Botschaft war sie viel zu angsterfüllt gewesen, um die geforderten Zahlungen zurückzuhalten.
Ihr war auch noch gut in Erinnerung geblieben, wie sie all das der Polizei ausgehändigt hatte. Doch wegen der wechselnden Kontoverbindungen war es umso schwerer, etwas herauszufinden, sodass sie mehr als einmal überlegt hatte, die Briefe einfach für sich zu behalten und stillschweigend zu zahlen.
Anfangs hatte sie die Angst vor den Verbrechern bis in ihren Alltag begleitet, sie war ein fester Bestandteil von ihr geworden. Sie war auf der Hut, immer und überall.
Manchmal hatte sie das Gefühl, es wurde besser. Dann glaubte sie, ihr Leben könnte eines Tages wieder normal sein. In anderen Momenten hingegen schien sie wie gelähmt. Doch ganz egal, was in ihr passierte, das Leben um sie herum ging weiter, und wenn sie nicht daran teilhaben würde, wäre sie verloren. Das wusste sie und musste gegen all die Dämonen ankämpfen.
An Tagen wie heute war ihr allerdings so gar nicht danach, einfach zu funktionieren. Sie war es so leid, immer zu kämpfen. An Tagen wie heute hätte sie am liebsten die Zeit zurückgedreht und den Hochzeitstag, den sie damals in ihrem Lieblingslokal gefeiert hatten, gemütlich zu Hause verbracht, damit alles noch so wäre wie damals.
***
»Du kommst schon wieder zu spät, Ginger«, maulte Zac. Genervt verdrehte Elisa die Augen, weil er sie wie so oft schamlos angaffte.
Nachdem sie die letzten Stunden im heimischen Bad mit ihrem Schicksal gehadert hatte, war sie erst vor wenigen Minuten im Luxury angekommen und hatte gerade begonnen, sich für ihren Auftritt fertig zu machen. Letzteres erwies sich als schwierig, denn tiefe Schatten lagen unter ihren Augen, die mehrerer Schichten Concealer bedurften.
Instinktiv versuchte sie, ihre nackte Haut vor Zacs lüsternen Blicken zu schützen, die nicht von den perlmuttschimmernden Dessous bedeckt wurde, die ohnehin viel zu knapp geschnitten waren.
»Lass das«, feixte er sichtlich amüsiert und strich um sie herum wie ein Raubtier auf Beutezug. »Da ist nichts, was ich nicht schon gesehen hätte. Du erinnerst dich, dass ich es war, der dich nach ausgiebiger Betrachtung eingestellt hat?« Während er sprach, beäugte er sie intensiv und strich sich mit dem Zeigefinger über die Lippen.
»Als ob ich das je vergessen könnte«, murmelte Elisa, während sie ihren Körper zur Beschau freigab und sich die Lippen dunkelrot nachzog. Es war ungefähr anderthalb Jahre her, dass er sie als Tänzerin engagiert hatte. Wobei sie sich zunächst etwas anderes unter diesem Job vorgestellt hatte. Doch schnell war klar gewesen, je mehr Hüllen sie fallen ließ, desto üppiger fiel das Trinkgeld aus, das ihr die zumeist männlichen Kunden zusteckten. Ihrer roten Mähne hatte sie nicht nur ihren Künstlernamen Ginger zu verdanken, sondern auch das Ansehen, das ihr die meisten der männlichen Kunden entgegenbrachten. Nicht umsonst war sie eine der wenigen, die oft für Veranstaltungen gebucht wurde. Mit der Zeit hatte sie sich das Schauspiel perfekt angeeignet.
So war es nicht verwunderlich, dass sie heute die Gäste eines Junggesellenabschiedes bei Laune halten sollte. Der Bräutigam hatte viel Geld dafür bezahlt, dass sie zwei Stunden für die gaffenden Kerle tanzen und sie umgarnen würde. Darüber hinaus würde sie ihnen Drinks servieren und sie unterhalten. Das Komplettprogramm. Und mit dem Geld, das sie allein heute Abend verdiente, konnte sie zwei Raten auf einmal begleichen.
»Also gib dein Bestes.« Zac verpasste ihr einen Klaps auf den halb nackten Po. Dieses Recht nahm er sich bei all seinen Mädchen heraus und Elisa fand es einfach widerlich, wie er sie immer wieder anzumachen versuchte. Geld war der einzige Grund, der sie dazu bewog, an einem Abend in der Woche hier zu arbeiten. Aber ihr blieb keine andere Möglichkeit, um den Schuldenberg zu verringern.
»Natürlich, Zac.« Nach einem Blick in den Spiegel straffte sie ihre Schultern und warf ihm ihr professionelles Lächeln zu.
Das Leben hatte sie zwar schwer gezeichnet, aber das sah man nur, wenn man einen Blick hinter ihre Fassade warf. Nach außen hin wirkte sie wie eine lebensfrohe Frau und konnte sich sehen lassen. Ihr gelocktes Haar war zu einer kunstvollen Frisur zusammengesteckt, ein paar Strähnen, die sie aus diesem Kunstwerk gelöst hatte, umspielten ihr ebenmäßiges Gesicht. Am Ende der Vorstellung würden ihre verführerischen Locken über ihre nackten Schultern fallen und die Kehlen der Männer austrocknen lassen, was wiederum für mehr Getränkeumsatz sorgte. Ihre grünen Augen hatte sie mit einem Lidstrich und Mascara hervorgehoben, während ihre dunkelroten Lippen alle Blicke auf sich ziehen würden. Ihre weiblichen Rundungen waren von einem Hauch von Nichts bedeckt und würden im Licht des Séparées in sämtlichen Farbnuancen schimmern. Silbern glitzernde Pumps mit schwindelerregend hohen Absätzen komplettierten ihr Outfit.
»Du siehst atemberaubend aus.« Plötzlich spürte sie Zacs Atem in ihrem Nacken und erneut rieselte eine unangenehme Gänsehaut über ihren Körper. Sie mochte es nicht, wenn er sich so an sie heranschlich und ihr zu nahekam. Doch sie war gerade zu sehr in Gedanken gewesen und hatte nicht auf ihn geachtet. »Die Kunden wollten dich exklusiv. Du wirst sie um den Finger wickeln und ihnen zwei Stunden lang jeden Wunsch von den Augen ablesen, ist das klar?«, wollte er wissen und war wieder voll im Geschäftsmodus. Er rieb Daumen und Zeigefinger aneinander und sie wusste, was er damit meinte.
»Natürlich«, wiederholte sie leise.
»Du wirst sie schön bei Laune halten, damit sie auch ja wiederkommen, verstanden? Danach hast du Feierabend für heute.« Die Aussicht, dass sie nach dieser Veranstaltung fertig wäre, ließ sie innerlich aufatmen. Das war der einzige Lichtblick des heutigen Abends.
»Zac«, Elisa verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen, »wenn mich nicht alles täuscht, ist das ein Junggesellenabschied. So oft werden die nicht wiederkommen.«
»Ach, was du nicht sagst. Und Madame Superschlau weiß natürlich, dass nicht einer der Typen, die mitfeiern, vielleicht auch eine Party ausrichtet? Sorg dafür, dass sich dieser Abend in ihren Köpfen festsetzt und sie immer hier feiern wollen, egal was. Hörst du?« Noch ein Klaps auf ihren Hintern und er wandte sich ab, um den Umkleideraum zu verlassen. »Und denk dran, Ginger, ich beobachte dich.«
Als die Tür für einen Moment geöffnet war, drang die geschäftige Geräuschkulisse aus dem Club zu ihr herein. An diesem Abend war wieder die Hölle los und ihre Kolleginnen hatten alle gut zu tun. Sie war froh, dass sie noch einen Moment Ruhe hatte, auch wenn die Bässe der Musik die Mauern vibrieren ließen.
Mit geschlossenen Augen sammelte sie sich, atmete ein paar Mal tief durch. Sie würde auch diesen Abend überstehen. So wie sie jeden anderen überstanden hatte.
Leise seufzend knipste sie ihr Elisa-Ich aus und überließ ihrem Alter Ego Ginger die Bühne.
Mit einem lasziven Lächeln bewaffnet begab sie sich schließlich zum Séparée.
»Können wir nicht einfach was trinken gehen?«, maulte Marcs Bruder Ben im Hintergrund des Großraumbüros von Friedman & Friends, das sich mitten in der City of London befand.
»Einfach was trinken? Hallo? Meine letzten Abende in Freiheit sind gezählt, da gehe ich doch nicht in irgendein x-beliebiges Pub, um einfach ein Ale zu trinken.« Archie, der Bräutigam in spe, schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, was die Kollegen auflachen ließ. »Wir lassen es richtig krachen, Freunde«, tönte er und schien fest entschlossen.
»Aber muss es denn unbedingt ein Nachtclub sein?« Bens Begeisterung hielt sich noch immer in Grenzen, was Marc jedoch gut verstand. Zwar war es nicht so, dass er und Ben etwas gegen halb nackte, gut aussehende Frauen hatten. Aber auch Marc fand die Idee nicht unbedingt überzeugend und fragte sich, was wohl Archies zukünftige Ehefrau darüber dachte.
»Logisch, wo sonst sollte man feiern, kurz bevor man in den Hafen der Ehe schippert?« Archie feixte und wackelte mit den Augenbrauen. »Hey, ich führe dich zur besten Adresse, wenn es darum geht, leicht bekleidete und zudem überaus hübsche Mädchen tanzen zu sehen. Ich weiß natürlich, dass Palmer unser Kunde ist, aber hey, er gewährt mir fette Rabatte, auf die ich nicht verzichten kann. Die Hochzeit ruiniert mich so schon. Und außerdem, gerade ihr Singles kommt doch in seinem Club auf eure Kosten. Also tu mal nicht so pikiert, Ben.«
Marcs Bruder schüttelte den Kopf und stieß genervt die Luft aus. »Ist ja schon gut«, brummte er und gab sich schließlich geschlagen.
Auch Marc sah die Diskussion damit als beendet an und wandte sich ab. Er hatte noch einiges zu tun, der Papierberg auf seinem Schreibtisch war viel zu hoch, als dass er sich jetzt schon den Feierabend gönnen konnte. »Wir sehen uns dann nachher. Wann genau geht’s los?«, wollte er noch wissen, bevor er wieder in seinem Büro verschwand.
Wie ein kleiner Junge, der sich auf seinen Geburtstag und das Auspacken der Geschenke freute, klatschte Archie in die Hände. »Um neun. Und Herrschaften«, er blickte in die Runde und bedachte jeden der fünf Anwesenden, Marc eingeschlossen, mit einem extra Kopfnicken, »seid pünktlich. Ich hab das heißeste Häschen im Club gebucht. Bunny, Ginger … irgendwie so. Zac hat mir sein Wort gegeben, dass sie rattenscharf tanzt. Es war schwer, einen Freitagabend zu finden, an dem sie noch nicht ausgebucht war.«
Sonores Männerlachen füllte die Räumlichkeiten und Marc machte sich kopfschüttelnd auf den Weg in sein Büro, das direkt angrenzte und nur durch eine Glaswand abgetrennt war. Erschöpft ließ er sich auf den Drehstuhl sinken und entsperrte den Bildschirm, der ihn mit einer Maske mit zig Zahlen und Grafiken begrüßte. Die Monatsstatistik von Friedman & Friends.
Er war vor wenigen Monaten in seine Heimat London zurückgekehrt und hatte direkt den Posten der administrativen Leitung übernommen. Ben, sein jüngerer Bruder und schon immer der Feingeist der Familie, kümmerte sich nach wie vor um alle kreativen Belange der Firma. Auch wenn Marc anfangs Zweifel daran gehabt hatte, gut mit seinem Bruder zusammenarbeiten zu können, hatte der sich als überaus kooperativ erwiesen und war dankbar für Marcs Unterstützung. Zahlen und Statistiken waren noch nie Bens Ding gewesen. Als Marcs Vorgänger die Firma verlassen hatte und der administrative Teil der Arbeit unweigerlich in Bens Aufgabenfeld gerutscht war, hatte ihn das vollkommen überfordert. In Dresden hatte Marc nichts mehr gehalten, nachdem Jen ihn so überstürzt verlassen hatte. Der Unternehmens-Ableger in seiner Wahlheimat war bei Linda in den besten Händen, sie hatte alles im Griff und stand stetig mit Marc im Austausch. Schmunzelnd dachte er daran zurück, wie sie damals beim Vorstellungsgespräch vor ihm gesessen hatte. Wie ein Häufchen Elend, bereit, so ziemlich jeden Job zu machen, um Geld zu verdienen. Umso mehr hatte er sich für sie gefreut, dass sie mit Leander so glücklich geworden war.
Doch nun war er wieder zurück in seiner Heimat und fühlte sich hier mehr zu Hause denn je. London war einfach seine Stadt. Sein Herz schlug im gleichen Takt wie das der Metropole.
Die Zusammenarbeit mit seinem Bruder funktionierte also hervorragend und das Team war überaus gut zusammengewachsen. Neue Mitarbeiter wurden nicht kritisch beäugt, sondern sofort integriert, was Marc sehr imponierte. Doch schließlich war es das Konzept der Firma – alle für einen, einer für alle. Nun waren sie zu zweit für ihre Mitarbeiter verantwortlich und Marc fand, dass er und sein Bruder einen guten Job machten, wenn aus Kollegen Freunde wurden. Der Name des Unternehmens kam schließlich nicht von ungefähr.
***
Mit etwas Verspätung fuhr Marc kurz nach neun Uhr auf den Parkplatz hinter dem Club, auf dem schon seine Kollegen und ein paar von Archies Freunden auf ihn warteten.
»Mensch, wo warst du denn so lange? Wir wollten schon eine Vermisstenanzeige aufgeben.« Archie fuchtelte aufgeregt mit den Armen herum.
Völlig unbeeindruckt erwiderte Marc: »Na, einer muss ja den Laden am Laufen halten. Ich hatte noch ein Telefonat zu erledigen. Aber jetzt können wir uns die Häschen ja mal anschauen.« Dann steuerte er zielsicher den Eingang an, der sich auf der linken Seite des alten Gebäudes befand. Er hatte bereits eine grobe Ahnung, was ihn hinter den alten Mauern erwarten würde. Es war noch nicht lange her, dass sein Bruder ein völlig neues Werbekonzept samt riesengroßer Kampagne in ganz London für das Luxury erarbeitet hatte. In nur kurzer Zeit hatte sich der Laden in der Nachtclub-Szene etabliert und sein früheres Schmuddel-Image abgelegt. Nicht so der Besitzer des Clubs – Zachary Palmer, ein kleiner, schmieriger Typ mit Goldkettchen. Er hatte ihnen damals lebenslangen freien Eintritt versprochen, weil das neue Marketing-Konzept für enormen Zulauf gesorgt hatte. Trotzdem waren er und sein Bruder nicht erpicht darauf, hier ihre ohnehin schon knapp bemessene Freizeit zu verbringen.
Mit dem Öffnen der schweren Eingangstür schlug ihnen stickige Luft entgegen. Sie standen in einem Vorraum mit bordeauxroter Samttapete und einem goldenen Pult, hinter dem eine leicht bekleidete Dame stand, die von zwei bulligen Typen flankiert wurde. Schwere, farblich passende Vorhänge mit goldenen Kordeln trennten den Eingangsbereich von der eigentlichen Clublounge. Alles wirkte fast schon protzig.
»Willkommen im Luxury. Habt ihr einen Tisch reserviert?«, fragte die Dame mit rauchiger Stimme.
»Einen Tisch?« Archie feixte, sein triumphierender Blick glitt zu seinen Begleitern. »Lady, wir haben heute Abend ein Séparée gemietet.«
Sie blätterte in einem dicken Wälzer, wobei ihre dunkelrot lackierten und viel zu langen Fingernägel über das Papier kratzten, was Marc eine unangenehme Gänsehaut bescherte.
»Hm«, überlegte sie laut, legte den Zeigefinger der anderen Hand an ihre aufgespritzten Lippen und bedachte Archie mit einem betörenden Augenaufschlag. Dass sein Herz dabei einen dreifachen Salto schlug, bevor es ein paar Etagen tiefer in seine Körpermitte rutschte, war unschwer zu erkennen. Während sich einige der Männer darüber amüsierten, waren andere damit beschäftigt, förmlich in das Dekolleté der Dame zu stürzen.
»Ah, ich hab euch gefunden. Der Junggesellenabschied, alles klar.« Während sie sprach, fuhr sie mit ihrer Hand die Konturen ihres Ausschnitts nach, dass es dem Bräutigam in spe fast die Sprache verschlug. »Wer von euch ist denn der Glückliche?«, wollte sie wissen, und wie von Zauberhand zeigten mehrere Finger auf Archie.
»I-ich«, stammelte dieser und fächelte sich theatralisch Luft zu, als sie sich zu ihm beugte, um ihm ihre Lippen auf die Wange zu drücken und dabei einen Abdruck in der Farbe ihres Lippenstifts zu hinterlassen.
»Dann habt viel Spaß, Jungs«, säuselte sie, während der Vorhang zurückflog und Zac zum Vorschein kam.
»Ben, Marc«, rief er. Mit einem breiten Grinsen kam er auf die Brüder zugelaufen und streckte ihnen die Hand zur Begrüßung entgegen. »Dass ihr meine heiligen Hallen mal als Gäste betretet …«
»Hey, Zac«, erwiderte Ben lachend. »Du hast uns lebenslangen freien Eintritt versprochen, schon vergessen?«
»Was? Nein! Um Gottes willen. Aber erzählt, was treibt euch ins Luxury?«
»Unser Bräutigam in spe«, feixte Marc und zeigte auf Archie, der immer noch an den Lippen der Empfangsdame hing.
»Ah, ich verstehe. Ihr seid die Party im Séparée. Sehr gut. Die erste Runde Drinks geht aufs Haus. Viel Vergnügen, Jungs, ihr habt den heißesten Hasen des Clubs. Ginger wird dafür sorgen, dass ihr eure Namen vergesst und nicht mehr bis zehn zählen könnt. Aber denkt daran: nur angucken, nicht anfassen.«
Mit Zeige- und Mittelfinger deutete er erst auf seine Augen, dann auf uns, um uns zu signalisieren, dass er uns im Blick hatte. Zum Schutz der Angestellten war der ganze Laden inzwischen videoüberwacht, wusste Marc von seinem Bruder. Es hatte in der Vergangenheit immer wieder Übergriffe gegeben, denen man damit vorbeugen wollte.
Der Inhaber ließ es sich nicht nehmen, die Männer vor dem eigentlichen Event durch den Club zu führen. Dafür, dass es noch recht früh am Abend war, war dieser schon sehr gut besucht. Das Ambiente war, im Gegensatz zum eher protzigen Eingangsbereich, edel und stilvoll. Der dunkelrote Samt zog sich durchs gesamte Interieur. Gepaart mit schwarzen Möbeln und indirekter Beleuchtung hatte es eher etwas Verruchtes als etwas Anrüchiges. Zwar befand man sich in einem Stripclub, aber irgendwie auch nicht. Marc war sichtlich beeindruckt, dass Zac die Gratwanderung zwischen exquisiter Erotik und billigem Nackt-Schuppen anscheinend doch gelungen war.
Sie durchquerten den Club, gingen vorbei an der langen Bar, an der es geschäftig zuging, bis Zac einen Gang betrat, von dem mehrere Türen abgingen. Vor einer stoppte er, öffnete sie und voilà, das Séparée lud zum Feiern ein. Es war mit goldenen Girlanden und Luftschlangen dekoriert, die im Schein der Discokugel glitzerten. Hinter einer Art Minibar war eine Servicekraft damit beschäftigt, sich von Zac die letzten Anweisungen erteilen zu lassen.
»Erfülle ihnen jeden Wunsch«, hörte Marc ihn sagen und verdrehte amüsiert die Augen.
Archie wollte es noch einmal so richtig wissen, bevor seine Angetraute Ausflüge dieser Art nicht mehr gestattete. Auch wenn die kleine Party gerade mal zehn Männer umfasste, war anscheinend alles perfekt durchorganisiert. Die Jungs nahmen auf den Sesseln Platz, die vor einer kleinen Bühne standen, auf der sich eine Poledancestange befand, die vielversprechend angeleuchtet wurde. Leise Musik drang durch den Raum und die Gemüter heizten sich spürbar auf, während die erste Runde Getränke serviert wurde.
»Wo bleibt denn das Häschen?«, rief Henry, nachdem er schon zum dritten Mal auf die Uhr geschaut hatte.
»Pass auf, die sitzt gleich auf deinem Schoß und rekelt sich, dass du zu tun haben wirst, deine Sinne beieinander zu halten.« Archie klopfte sich feixend auf die Schenkel.
Marc lachte mit. Er mochte dieses schmächtige Energiebündel, das sein Kollege war. Archie war ein feiner Kerl. Es machte Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten, und alle in der Firma kamen gut mit ihm aus. Als Grafiker war er eine Koryphäe und eine Bereicherung für das Team. Er prahlte nicht mit seinem Know-how, sondern sorgte dafür, dass andere Mitarbeiter davon profitierten.
Dass er heute für einen Ausbruch der besonderen Art sorgte, wollte nicht so recht in das Bild passen, das Marc bisher von ihm hatte. Aber auch wenn es ungewohnt war, in einer solchen Location zu feiern, gönnte er ihm den Spaß von Herzen.
»Wie lange bleibt die Elfe denn hier?«, wollte einer der Jungs wissen.
»Ich hab sie für zwei Stunden gebucht«, gestand Archie kleinlaut. »Mehr war nicht drin.« Er rieb Daumen und Zeigefinger aneinander und verzog entschuldigend sein Gesicht.
»War nicht vom ganzen Abend die Rede?« Einige der Männer murrten, doch Archie zuckte entschuldigend mit den Schultern.
»Ey, habt ihr eine Ahnung, was das alles kostet? Mehr als diese zwei Stunden kann ich mir einfach nicht leisten, okay? Es sei denn …« Sein Blick glitt zu Ben und Marc. »Ihr erhöht mal eben mein Gehalt.«
Marc sog geräuschvoll die Luft ein. »Ich glaube, das ist der falsche Rahmen für eine Gehaltsverhandlung.«
Archie nickte. Das hieß wohl, dass das Thema vorerst vom Tisch war.
Die Männer unterhielten sich über die bevorstehende Hochzeit, wobei die darauffolgende Nacht besondere Beachtung fand. Archie malte sich diese in den allerschönsten Farben aus und wurde von Kollegen, die bereits verheiratet waren, ziemlich unsanft auf den Boden der bitteren Tatsachen zurückgeholt.
»Was soll das heißen, da passiert nichts? Ich habe nur eine Hochzeitsnacht und in der wird es ordentlich zur Sache gehen.« Archie bekam vor lauter Aufregung rote Flecken im Gesicht, als das Gespräch auf die Nacht der Nächte kam.
»Kannst du knicken«, brummte Henry, einer der Ältesten im Bunde. »Nach dem Tag bist du so kaputt, da kriegst du keinen mehr hoch.«
»Ich hab bisher noch immer meinen Mann gestanden. Das werde ich dann ja wohl auch schaffen.« Archie lachte auf, aber man sah ihm an, dass er ins Grübeln geraten war.
»Wir sprechen uns wieder«, sagte einer der anderen. Während die Kellnerin die nächste Runde Getränke servierte, verebbten die Gespräche und die Musik wurde auf einmal lauter. Madonnas Erotica schallte aus den Lautsprechern und auf der Bühne ging ein Vorhang auf, hinter dem eine Leinwand zum Vorschein kam, auf der das passende Video abgespielt wurde. Augenblicklich lag ein fast greifbares Knistern in der Luft. Die Spannung stieg, bis sich eine Tür neben der Bühne öffnete und das heiße Häschen, wie Archie sie angekündigt hatte, eintrat.
Aus dem Augenwinkel beobachtete Marc, wie seinen Freunden der Reihe nach die Kinnlade nach unten klappte, und auch er selbst konnte sich nicht dagegen wehren, dieses elfengleiche Wesen, das zielstrebig zur Mitte der Bühne schritt, mit offenem Mund anzustarren.
Der durchscheinende Umhang, den sie trug, schwang um ihren schmalen Körper herum und ließ erahnen, was die Männer gleich erwarten würde. Sie trug einen Hauch von Nichts, der perlmuttfarben schimmerte und das Licht der Discokugel reflektierte. Wie eine zweite Haut passten sich die Dessous an ihren perfekten Körper an. Ein äußerst knapper BH und ein String boten ausreichend Möglichkeiten, die eine oder andere Pfundnote loszuwerden.
Eine Nebelmaschine am Seitenrand der Bühne spuckte dichte weiße Schwaden aus, die die Tänzerin nahezu gänzlich in einen geheimnisvollen Dunst einhüllten. Sie regte sich nicht. Erst als sich der Nebel senkte und die Sicht auf sie freigab, glitt ihr Blick in den kleinen Zuschauerraum, bevor sie unter lautstarkem Gejohle den Umhang fallen ließ. Rücklings positionierte sie sich vor den Zuschauern, drehte den Kopf kokett zur Seite und zwinkerte den Männern zu. Langsam beugte sie ihren Oberkörper nach vorn und präsentierte ihren perfekten Po, während sie mit den Fingerkuppen an den Rückseiten ihrer Beine hinabfuhr. Allein dieser Anblick sorgte für pure Erregung, der sich auch Marc nicht entziehen konnte. Archie hatte nicht zu viel versprochen, sie war wirklich heiß.
Lasziv kam sie wieder nach oben und drehte sich um, rekelte sich mit tanzenden Bewegungen über die kleine Bühne bis hin zur Stange, um die sie ihre Hände legte. Mit einer geschmeidigen Bewegung sank sie in die Hocke und richtete sich gleich darauf wieder auf. Natürlich nicht, ohne den Gästen immer wieder aufreizende Blicke zu schenken.
Als hätten sich die Männer aus einer Art Schockstarre gelöst, grölten und applaudierten sie lautstark. Sie waren Feuer und Flamme für die Show, die ihnen geboten wurde, während Marc damit beschäftigt war, die Frau auf der Bühne einfach nur zu betrachten.
