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Digitalisierung, Globalisierung und eine neue Generation von Mitarbeitern stellen nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Dieses Buch begleitet Führungskräfte und Unternehmer während des notwendigen Veränderungsprozesses und zeigt, wie sie resilient und zielstrebig das Unternehmen so transformieren können, damit sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben und für neue Mitarbeiter-Talente noch attraktiver werden. Die New-Work-Konzepte werden dabei in den Zusammenhang mit der Rolle der Führungskraft gestellt, wodurch konkrete Beispielsituationen erstehen, die zeigen, wie die Führungsrolle in der neuen Arbeitswelt gelebt werden kann und sollte. Digitale Extras: - Videos - Podcast - Blog - Angebote für Präsenz- und Online-Coaching
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Seitenzahl: 239
Veröffentlichungsjahr: 2021
Haufe Lexware GmbH & Co KG
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.
Print:
ISBN 978-3-648-14723-8
Bestell-Nr. 10592-0001
ePub:
ISBN 978-3-648-14724-5
Bestell-Nr. 10592-0100
ePDF:
ISBN 978-3-648-14725-2
Bestell-Nr. 10592-0150
Holger Deimling
Führung und New Work
1. Auflage, Januar 2021
© 2021 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
www.haufe.de
Bildnachweis (Cover): © 3rus, Adobe Stock
Produktmanagement: Dr. Bernhard Landkammer
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Die digitale Revolution stellt nicht nur unsere Gesellschaft, sondern mit ihr auch die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Einerseits wird der Sozialstaat durch drohende Arbeitsstellenkürzungen gefordert, andererseits öffnen sich neue Möglichkeiten für Menschen, die nicht unbedingt in ein Nine-to-Five-Job-Schema passen.
Damit Unternehmen nicht den Anschluss an die neuen Gegebenheiten der Digitalisierung und der damit eng verbundenen Globalisierung verpassen, müssen sie sich rechtzeitig mit den Themen Arbeit 4.0 und New Work auseinandersetzen. Es sind so gut wie alle Wirtschaftszweige vom Wandel betroffen und – wie die Corona-Krise zeigt – wir stehen alle erst am Beginn. Menschen buchen statt Hotels Airbnb-Unterkünfte, buchen ihre ÖPNV-Tickets und Parkplätze per App und richten ihre Kaufentscheidungen für Produkte und Dienstleistungen vermehrt nach Online-Bewertungen und Vergleichsportalen. Wenn Sie an dieser neuen Entwicklung erfolgreich teilnehmen wollen, setzt dies vermutlich eine Umstellung Ihrer bisherigen Denk- und Handlungsweise voraus. Neue Arbeitsprozesse und vor allem eine neue Denkweise in der Mitarbeiterführung sind essenziell für den Erfolg von morgen und übermorgen.
In diesem Ratgeber möchte ich Sie als Führungskraft, als Personalverantwortlicher oder als Unternehmer in diesem Veränderungsprozess beratend begleiten. Ich helfe Ihnen dabei, sich schnell an die neuen Strukturen anzupassen und nehme Ihnen das vielleicht noch vorhandene flaue Gefühl, neue Wege zu gehen.
Dieses Buch zeigt Ihnen, wie Sie Werte und Ziele Ihres Unternehmens definieren und umsetzen können und gibt Ihnen Ideen mit auf den Weg, wie Sie vom klassischen HR, bei dem Mitarbeiter häufig nur verwaltet werden, zum Förderer des Potenzials Ihrer Mitarbeiter avancieren und damit effizienter mit Ihren eigenen Ressourcen haushalten können.
Es geht in diesem Buch nicht um eine (weitere) Lobhudelei der Digitalisierung, die in umfassenden Bereichen der Wirtschaft durchaus große Berechtigungen hat. Ich selbst blicke zurück auf eine lange Zeit als Führungskraft und Unternehmer, als Personalentwickler und Entwickler zahlreicher Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen und großen internationalen IT-Konzernen. Ich habe die technischen Entwicklungen der letzten 30 bis 40 Jahre hautnah erleben dürfen und kann mir eine Zeit ohne Laptop, Smartphone und Sportuhr nicht mehr vorstellen.
Mein Anliegen ist es, in diesem Buch den wesentlichen Punkt jeder Unternehmung hervorzuheben: die Menschen, ohne die es keine Unternehmung gäbe und die – trotz aller fortschreitenden Digitalisierung – weiterhin analoge Lebensformen sind und immer bleiben werden. Menschsein ist weder schwarz noch weiß und nicht durch Einsen und Nullen zu repräsentieren. Der Umgang mit Menschen – den Tragpfeilern Ihres Unternehmens – darf weiterhin gerne, gewollt und gewünscht analog und in allen Farben und Schattierungen des Lebens geschehen.
Ich möchte Ihnen mit diesem Ratgeber einen ersten Schlüssel in die Hand geben, um für die Vorrangigkeit einer guten analogen Führung zu plädieren, Ihr eigenes und das Potenzial Ihrer Mitarbeiter noch besser zu erkennen und eine für alle Seiten erfolgreiche Reise zu starten.
Während ich diese Zeilen schreibe, hat die aktuell noch andauernde Corona-Krise bereits heute schon eine unfassbare Beschleunigung der Digitalisierung forciert und die digitale Infrastruktur hat ihren Test weitgehend besser bestanden als gedacht. Wir stehen nicht nur vor einem extrem schnell fortschreitenden, rein technologischen Fortschritt, sondern vor einer radikalen Veränderung der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft. Entscheidend für Ihren Erfolg ist, dass Sie sich auf den digitalen Umbruch einstellen, der sich besonders in zwei Punkten bemerkbar machen wird.
Auf der einen Seite macht sich das Internet der Dinge bemerkbar, durch das Maschinen untereinander und mit den herzustellenden Produkten kommunizieren. Diese [11]Entwicklung ist landläufig auch unter dem Namen »Industrie 4.0« bekannt. Durch immer stärkere Vernetzung können alle Akteure einer Wertschöpfungskette miteinander verbunden sein und altbekannte Strukturen werden völlig aufgebrochen.
Auf der anderen Seite steht die Verarbeitung und Auswertung großer Datenmengen, besser bekannt unter dem Namen »Big Data«. Rechner werden immer schneller und leistungsfähiger und können immer größere Datenmengen – auch dezentral – für neue Geschäftsmodelle nutzen. Durch den Siegeszug mobiler Geräte wie Smartphones oder Tablets kann von überallher auf Informationen zugegriffen werden. Gleichzeitig ermöglichen diese eine fast lückenlose und bis ins Detail reichende Analyse von Bewegungs- und Verhaltensdaten bis hin zur genauen Prognose von Wünschen, Ängsten und Befürchtungen der Nutzer.
Altbekannte Mechanismen der Marktwirtschaft werden durch die Digitalisierung immer schneller und sicherer ausgehebelt. Es wachsen Märkte, auf denen einzelne erfolgreiche Unternehmen die Alleinherrschaft bereits übernommen haben. Als Beispiele seien hier Google im Feld der Suchmaschinen und Amazon im Feld der Cloud-Services und des Handels genannt. Der Wert beider Unternehmen besteht dabei nicht in dem, was sie primär anbieten, sondern in der Datenanalyse der freiwillig und kostenlos vom Nutzer abgegebenen Informationen. Gleiches gilt für Plattformen wie LinkedIn oder Xing. Vordergründig als Tool zum Netzwerken genutzt, ersetzen sie durch angewandte KI (künstliche Intelligenz) und konsequente Analyse der vom Nutzer hinterlassenen Daten in Zukunft jede Form der Personalberatung und des Headhunting. Durch diese wachsenden Monopolstellungen entsteht großer Konkurrenzdruck.
Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stellt die digitale Transformation vor größere Herausforderungen, da sie nicht immer in der Lage sind, sich rasch an veränderte Strukturen anzupassen. Für große Unternehmen und Konzerne der Old Economy – z. B. Automobil-, Chemie-, Pharmaindustrie – besteht die riesige Herausforderung darin, ihrer »angeborenen« Schwerfälligkeit zu entkommen und statt auf alte und bewährte Prozesse auf Agilität zu setzen.
Dort, wo im Zuge der Digitalisierung ein Berufsfeld verschwindet, entstehen zur gleichen Zeit neue Arbeitsfelder. Der Mensch wird in der Zukunft weniger Arbeitskraft einbringen müssen, dafür aber mehr Kontrollfunktionen übernehmen. Sogenannte »Smart Factories« sind mit intelligenten Maschinen ausgestattet und verändern die Gesellschaft nachhaltig.
Diese Entwicklung führt allerdings nicht, wie oft befürchtet, zu einem geringeren Personalbedarf. Es verschieben sich jedoch die Anforderungen an die Menschen. Insbesondere Fachwissen und Verhalten werden zu wertvollen Soft Skills. Dementsprechend ist einerseits technisches Können – beispielsweise im IT-Bereich – gefragter denn je, aber auch Eigenschaften wie Selbstführung, Selbstmotivation und Kreativität sind zukunftsweisend.
Genau aus diesem Grund ist Arbeit 4.0 gleichbedeutend mit einem lebenslangen Lernprozess. Die Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung der Mitarbeiter ist zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen geworden. Sie als Führungskraft fördern und ermöglichen diese Entwicklung, um im Wettbewerb Bestand zu haben und in Zukunft noch erfolgreicher zu werden.
Unternehmensnetzwerke sind heutzutage meist von außen zugänglich, was in der Folge bedeutet, dass sich ein Arbeitnehmer nicht mehr direkt im Büro befinden muss. Die Zeit der Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass es innerhalb kürzester Zeit für unterschiedlichste Branchen und Berufe möglich war, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Gleichzeitig konnten Möglichkeiten und Grenzen ausgetestet und wertvolle Erfahrungen gewonnen werden.
Dadurch ergeben sich im Bereich der Arbeitszeitmodelle ganz neue Möglichkeiten. Eine sichere Leitung verbindet die Mitarbeiter mit dem Unternehmensnetzwerk und erlaubt es ihnen, ganz nach Belieben untertags oder auch nachts zu arbeiten. Neben dem Vorteil, dass auf diese Weise noch flexiblere Arbeitszeiten angeboten werden können, als dies beispielsweise bei Gleitzeit-Modellen der Fall ist, wird zusätzlich weniger Raum an Büroflächen benötigt.
Verschiedene Studien beschäftigten sich bereits mit dem Anteil potenzieller Arbeitsplätze, die aufgrund der Digitalisierung in Zukunft gestrichen werden. Bis 2035 wird dabei von einem Abbau von rund 1,5 Millionen Jobs ausgegangen1. Dies wird vor allem dadurch passieren, dass immer mehr Arbeitsplätze von Robotern übernommen werden. Manche Branchen werden dabei stärker betroffen sein als andere.
Doch neben dieser Entwicklung wird es ebenso viele neue Arbeitsplätze geben, die hauptsächlich in der Informations- und Kommunikationsbranche entstehen.
Digitalisierung sollte also nicht vorschnell als Jobkiller verurteilt werden. Es kommt jedoch zu einer Umstrukturierung, die Sie als Führungskraft zielführend begleiten, moderieren und gestalten werden.
Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung entsteht durch immer neue technologische Möglichkeiten eine Vielzahl an neuen Wertschöpfungskonzepten. So werden beispielsweise digitalisierte Ressourcen wie etwa Fotos, Texte, Videos, Bücher, Musiknoten und Ähnliches kostenlos reproduziert und verteilt. Durch diese De-Materialisierung von Produkten entstehen Kostenvorteile und auch kleine Unternehmen können rasch wichtige Marktpositionen einnehmen, wenn sie ein interessantes digitales Produkt anbieten.
Komplett neue Geschäftsmodelle finden auch durch die Vernetzung von Menschen, Services, Prozessen und Daten statt. Gerade die Grenzen von Ländern oder Branchen werden dabei mit Leichtigkeit überwunden. Da beim Austausch von Wissen oder Interessen ganz andere Resultate erzielt werden als beim Austausch klassischer Güter, soll auch anders mit der Wertschöpfung daraus umgegangen werden. Als ein Beispiel dient hier die schon seit etwas längerer Zeit bestehende Umwandlung von Kauf- in Abo-Optionen. Mein erstes Microsoft-Office-Paket habe ich vor langer Zeit [14]für rund 1400 DM kaufen müssen. Heute kostet mich das Paket im Abonnement nur ein paar Euros im Monat – und die Gewinne der Unternehmen steigen.
Wenn es um den Austausch von Wissen und Innovationen geht, so tun Sie gut daran, möglichst schnell möglichst viele Menschen mit ins Boot zu holen, anstatt sich wie früher üblich, die Ressource zu sichern und den persönlichen Nutzen daraus zu maximieren.
Um den Nutzen von Netzwerken zu maximieren, hat sich eine richtige Plattform-Ökonomie entwickelt, wo eine Vielzahl von Anbietern zusammenkommen und ihr Wissen und ihre Produkte austauschen. Je mehr Angebote auf einer solchen Plattform zusammenkommen, desto attraktiver wird sie für Suchende. Umgekehrt verhält es sich ebenso. Bezeichnet wird diese Tatsache als Netzwerkeffekt. Der Netzwerkeffekt ist dabei fast immer größer als die Qualität einer einzelnen Dienstleistung. Natürlich können sich dabei auch monopolistische Strukturen bilden.
Parallel zur Digitalisierung wird sich die Personalarbeit grundlegend ändern und damit zwangsläufig auch das Bild von einer Führungskraft. Das Wissen und insbesondere die Motivation Ihrer Mitarbeiter sind das knappe Gut der Zukunft, das über Erfolg und Misserfolg Ihres Unternehmens entscheidet. Mitarbeiter werden mehr und mehr die »Produktionsmittel« der Zukunft sein, die ausschließlich sich selbst gehören und sich nicht im Besitz eines Unternehmens befinden.
Für wen nach dem Recruiting Schluss ist mit Bemühungen um den Mitarbeiter, wird im »Krieg um die Talente« (war for talents) ganz sicherlich den Kürzeren ziehen. Die Förderung von lebenslangem Lernen und die Implementierung von örtlich und zeitlich unabhängigen Arbeitsplätzen sind nur zwei der möglichen Maßnahmen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu behaupten.
Die fortschreitende Digitalisierung findet in allen Lebensbereichen statt. Die Tatsache, dass unser tägliches Leben in einem binären System bestehend aus 0 und 1 abgewickelt wird, bringt zwar Vorteile, aber auch Nachteile mit sich.
[15]Durch die steigenden technologischen Entwicklungen werden Arbeitsabläufe immer schneller, wovon die meisten Wirtschaftsunternehmen profitieren. Die Zeiten händischen Ausfüllens von Bestellformularen sind vielerorts schon längst Geschichte. Vernetzungen auf der ganzen Welt sind mithilfe von neuen Technologien immer und überall verfügbar. Auf diese Weise können auch von Deutschland aus Arbeitsprozesse rund um den Globus in Sekundenschnelle gesteuert werden.
Durch die Digitalisierung sehen wir uns allerdings auch mit dem sogenannten gläsernen Menschen konfrontiert. So wird jeder, der einen halbwegs normalen Umgang mit der modernen Technologie pflegt, auf Schritt und Tritt protokolliert und analysiert. Rund um die Uhr sind wir per Smartphone erreichbar und der Anteil an Informationen, die tatsächlich privat bleiben, wird immer geringer. Jeder muss für sich selbst entscheiden, inwieweit dies akzeptiert werden kann.
Ein weiterer Nachteil der Digitalisierung sind die hohen Kosten, mit denen diese verbunden ist. Neue Hardware und Software müssen angeschafft und unterhalten werden. Mitarbeiter müssen dementsprechend geschult werden, worin viele eine Stockung des Tagesgeschäfts befürchten.
An Veränderungen führt kein Weg vorbei, unsere Welt unterliegt einem stetigen Wandel. Sie haben immer die Möglichkeit, über selbst definierte Ziele eine Veränderung in Ihrem Sinne anzuführen. Eine weniger attraktive Alternative ist die, nichts zu tun, denn die Veränderungen finden auch ohne Sie statt. Wer keine eigenen Ziele verfolgt, folgt den Zielen Anderer und das dürfte nicht in Ihrem Sinne sein.
Auch wenn der ein oder andere Nachteil dagegen spricht, dem Trend zur Digitalisierung zu folgen, so wird für Sie kein Weg daran vorbeiführen, wenn Sie mit Ihrem Unternehmen bestehen wollen. Doch Sie werden rasch bemerken, dass die Integration von Arbeiten und Lernen in den Alltag der Menschen für Ihr Unternehmen durchwegs positive Auswirkungen haben wird. Wenn es Ihnen dann auch noch gelingt, sich selbst zeitweise auszuklinken, sich ein ›resilientes‹ Verhalten anzueignen, steht einer erfolgreichen Zukunft Ihres Unternehmens nichts mehr im Wege.
1 Zika, Gerd/Helmrich, Robert/Maier, Tobias u.a.: Arbeitsmarkteffekte der Digitalisierung bis 2035, Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und des Bundesinstituts für Berufsbildung, unter: http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb0918.pdf (abgerufen am 30.01.2020).
In jeder Branche zeigt sich der Wandel immer schneller und schneller. Vergleichbar zur ersten industriellen Revolution wird auch im Moment gerade eine neue Phase eingeleitet, die mit dem klingenden Namen Industrie 4.0 geführt wird. Es rührt dies von den vier Phasen her, in die sich der industrielle Wandel im Laufe der Geschichte rückblickend einteilen lässt.
Die ersten Massenproduktionen mithilfe von Maschinen fanden um das Jahr 1800 statt. Es handelte sich hier um Maschinen, die von Hand bedient wurden. Die ersten dampf- und wasserbetriebenen Produktionsanlagen folgten bald. Primär wurden Wasserkraft und Windkraft als Energielieferanten eingesetzt. Im Zuge der Entwicklung der ersten Dampfmaschinen wurde die Industrialisierung der Eisenbahnen, des Kohleabbaus, der Textilindustrie und anderer Zweige geboren. Schon durch diese erste industrielle Entwicklung öffneten sich neue Arbeitsstellen in den Unternehmen.
Bereits damals wurde auf mechanischer Ebene der Grundstein für spätere Computerarbeit durch die Pionierin Ada Lovelace gelegt, die als eine der ersten Programmiererinnen Geschichte schrieb.
Der nächste große Schritt in Richtung Automatisierung erfolgte Ende des 19. Jahrhunderts durch den nun beginnenden Einsatz des elektrischen Stroms als Antriebskraft. Motoren und Fließbänder steigerten das Produktionsvolumen. Auch Büroarbeitsplätze erfuhren in dieser Zeit eine Umstrukturierung durch die Weiterentwicklung der Kommunikation. Das Telefon und die Möglichkeit, Telegramme zu versenden, vereinfachten nun Arbeitsprozesse. Damit zeigten sich die ersten Vorboten der Globalisierung und sowohl unzählige Gebrauchsgüter als auch der Verkehr wurden weitgehend automatisiert – nicht zu vergessen die Luftfahrt, die ebenfalls in dieser Zeit ihre Sternstunde hatte.
Den ersten Entwicklungsarbeiten von Ada Lovelace folgten nun funktionsfähige Geräte. 1941 revolutionierte der vom deutschen Bauingenieur Konrad Zuse entwickelte Z3 erneut die Wirtschaft. Es handelte sich um einen vollautomatischen, programmierbaren Computer, der in der Folge weiterentwickelt und stetig verbessert wurde. Ein erster kommerzieller Computer namens Z4 kam bald auf den Markt und startete eine rasante Aufwärtsspirale von immer kürzeren Entwicklungszyklen.
Ab 1970 entwickelte sich ein neues Zentrum der Forschungen: Elektronik und IT als Hilfen zur Automatisierung wurden geboren. In Büros und Haushalten hielten nun Personal Computer Einzug und sorgten für einen neuen Industriezweig.
Einer der Pioniere und Vorläufer des späteren Silicon Valley war Heinz Nixdorf und sein gleichnamiges Unternehmen in Paderborn. Nixdorf stieß schon ab 1952 in eine Marktlücke vor, indem er die ersten Kleincomputer entwickelte und produzierte und somit international lange vor IBM und Microsoft die Nutzung von Computerkapazitäten in der Breite forcierte.
Sprechen wir von greifbaren Weiterentwicklungen aller Theorien, so befinden wir uns bereits gegen Ende der vierten industriellen Revolution. Der Fokus liegt klar auf der Digitalisierung aller analogen Systeme und neuer Produktionsmethoden. So können dank Technik im Bereich der Produktion sogenannte Just-in-Time-Strategien eingesetzt werden, bei denen nicht mehr auf Lager produziert wird.
Neben der industriellen Entwicklung findet in dieser Phase auch eine wesentliche Umstrukturierung von Produktions- und Arbeitswelten statt, die von allen Beteiligten radikales Umdenken erfordert. Neue Kommunikationsformen sind die Hauptverantwortlichen für diese Entwicklungen.
Im Zuge der neuen Digitalisierung führen immer mehr künstlich-intelligente Roboter immer komplexere Aufgaben durch und ersetzten Menschen. Für die meisten Menschen ist es wichtig, einer geregelten und vor allem sinnvollen Arbeit nachzugehen und so einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Im Gegenzug dafür erwarten Menschen Anerkennung. Doch wie können Sie als Unternehmer von der anstehenden Roboter-Revolution profitieren und gleichzeitig Ihren Mitarbeitern die Angst vor der Neuerung nehmen?
Der Einsatz von Robotern ermöglicht es Ihnen, in erster Linie zeitlich flexibel zu arbeiten. So können Ihre Mitarbeiter vom Homeoffice aus bequem Produktionsabläufe steuern und auch unterwegs an Meetings teilnehmen. In einigen Unternehmen sind Telepräsenzsysteme bereits ein Teil des Teams, andere sind noch weit davon entfernt. Meist begegnen Menschen Robotern eher mit Unbehagen und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis wir einem Roboter das autonome Fahren eines privaten Kraftfahrzeugs zutrauen. 60 Prozent der Deutschen fürchten zudem, durch Robotik und Digitalisierung ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
Hier gilt es, Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass Projekte nun losgelöst von einem Ort gemanagt werden können und grenzüberschreitendes Zusammenarbeiten kein Hindernis mehr darstellt. Roboter schließen zwar Personallücken und übernehmen gefährliche oder standardisierte Arbeiten. Übrig bleiben aber die Arbeitsbereiche, die Kreativität und Kommunikationsfähigkeit verlangen und daher eher Spaß machen als prozessgesteuerte Abläufe. Wir werden lernen müssen, Robotern im Alltag zu begegnen und sie als Partner zu verstehen. Wir stehen sicherlich nicht dem Worst Case gegenüber, dass die Arbeit auszugehen droht.
Die Automobilbranche ist – wie so oft – Vorreiter auch im Bereich der Robotik und es sind nicht nur einfache Aufgaben in der Produktion betroffen. Doch keine Sorge: Der Mensch wird durch den Roboter nicht ersetzt. Es findet eine Umstrukturierung hin zu neuen Arbeitsplätzen statt, die uns vermutlich mehr Erfüllung bringen und mehr Zeit für die wirklichen Aspekte des Berufs mit sich bringen. Es werden also tatsächlich mehr Arbeitsplätze entstehen, die es den Menschen ermöglichen, ihr jeweiliges Potenzial weiterzuentwickeln, und Sie als Führungskraft wollen dabei den ersten Schritt gehen.
[20]Was können Unternehmer tun, um die neu gefragten Fähigkeiten der Mitarbeiter zu fördern? In erster Linie helfen Sie den Menschen, ihre Kompetenzen dem Wandel anzupassen und jene Fähigkeiten zu stärken, die Menschen den Robotern voraushaben. Ausschlaggebend ist das persönliche Verhalten, sind die sogenannten »Soft Skills«, und dies wird mittelfristig zu einem Paradigmenwechsel im Einstellungsverfahren der Unternehmen führen: Zeigt der Kandidat ein leidenschaftliches, teamfähiges und lernwilliges Verhalten, spielen die bereits erworbenen Kenntnisse und Qualifikationen eine geringere Rolle. In der Vergangenheit wurden Mitarbeiter hauptsächlich wegen ihrer nachgewiesenen Qualifikationen eingestellt – entlassen wurden sie in der Regel wegen ihres nicht passenden Verhaltens.
Die Kernfrage ist, warum sich ein Mensch für den aktuellen Beruf entschieden hat. Was sind seine persönlichen Ziele und Werte, was bewegt ihn, was motiviert ihn? Jeder Mitarbeiter bringt immer seine persönliche Note, sein spezifisches Verhalten mit in den Arbeitsplatz ein, sei es besonderes Engagement, Kreativität oder soziale Kompetenzen. Diese besonderen Fähigkeiten gilt es in Zeiten von Digitalisierung und Arbeit 4.0 zu stärken, denn sie haben allergrößten Einfluss auf die Kommunikation und die Dynamik des gesamten Teams und damit auf den Gesamterfolg.
Als Schlüsselqualifikationen im Umgang mit der neuen Arbeitswelt stehen nicht mehr klassische Bildungswege. Vielmehr treten die Fähigkeit zum kritischen Denken und der Wille zum lebenslangen Lernen an deren Stelle.
Stellen Sie auch jetzt schon die Weichen für völlig veränderte Arbeitstage. Wenn Roboter in einigen Jahrzehnten einen Teil unserer Arbeit übernommen haben, werden vermutlich auch weniger Arbeitsstunden im Terminkalender stehen. Die neu gewonnene Freizeit führt zur Möglichkeit, weitere – z. B. karitative und soziale – Tätigkeiten im täglichen Leben unterzubringen und so nicht nur von einem abwechslungsreicheren Arbeitstag zu profitieren.
Stellen Sie sich darauf ein, dass im Zuge der Digitalisierung auch altbekannte Arrangements ihre Gültigkeit verlieren werden. Hier sind nun neuartige Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse gefragt. Stichworte wie Flexibilisierung und Selbstorganisation gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gewinner und Verlierer in dieser [21]fortschreitenden Modernisierung wird es auf jeden Fall geben. Wer rechtzeitig die Chancen erkennt und dementsprechend umdenkt, gehört sicherlich zur Gruppe der Gewinner.
Niemand wird bestreiten, dass Arbeit flexibilisiert wird. Verantwortlich dafür sind einerseits gesellschaftliche Veränderungen, andererseits der technologische Umbruch. Doch welche Reorganisation von Arbeit kommt hier auf Sie zu? Welche Chancen und Risiken bieten sich hier für Ihre Mitarbeiter? Wie verändert sich das Verhältnis von Arbeit und Lebensweise?
Bislang wurde die Arbeitsleistung durch die Regulierung von Anwesenheit (Zeit) und Beschäftigungsart geprägt. Dies wird nun schrittweise geändert, was manche Menschen auch mit weniger Sicherheit in Verbindung bringen. Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit, die bisher dem Privatleben zugeordnet waren, gehören nun zu den wesentlichen Faktoren erfolgreicher Arbeit. Die Ansprüche an die sogenannte Selbstorganisation wachsen.
Im Mittelpunkt stehen Veränderungen in der betrieblichen Organisation von Arbeit. Auf der einen Seite stehen ökonomische Umstrukturierungstrends, auf der anderen finden sich gesellschaftliche Veränderungen. Familien und Haushalte erleben neue Formen.
Die Produktionsökonomie ist nicht mehr, wie bislang gewohnt, vom Markt abgeschottet. Sie reagiert immer unbestimmter auf die sich ständig wandelnden Anforderungen. Dies bedeutet für die Organisation von Arbeit, dass bislang angewandte Modelle nicht mehr funktionieren. Standardisierte Arbeitsaufgaben, eingeschränkte Handlungsspielräume und andere Kontrollen können immer weniger dafür eingesetzt werden, die neuen Anforderungen zu bewältigen.
Damit Sie mit Ihrem Unternehmen der Unbestimmtheit des Marktes erfolgreich entgegentreten können, muss hier ein Umdenken stattfinden. Durch Selbstorganisation und indirekte Anleitung geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, auf externe Anforderungen unmittelbar zu reagieren.
Dabei wird nicht völlig auf Steuerung verzichtet, die Form der Führung wird aber verändert. Idealerweise wird dem Mitarbeiter ein bestimmter Kontext vorgeschrieben, auf Mikrokontrolle wird jedoch völlig verzichtet. Der Kontext besteht aus gewissen Rahmenbedingungen, Zielvorgaben und Unternehmenswerten. Alles Weitere [22]bewältigt der Mitarbeiter im Rahmen der Selbstorganisation nach seinem eigenen Modus Operandi. Es geht also nicht mehr darum, ein Zeitpensum abzuarbeiten, sondern genau definierte Ziele innerhalb eines zeitlich begrenzten Projekts nach vorher festgelegten Qualitätskriterien zu erreichen und dabei die im Unternehmen vereinbarten (Verhaltens-)Werte als Rahmenwerk zu leben.
Dieses Arbeitsmodell bringt gewisse Grundvoraussetzungen in der Organisation mit sich. So muss besonders der Arbeitseinsatz flexibler als bisher gestaltet werden. Die Arbeitszeitmodelle müssen überdacht werden und räumliche Flexibilisierung ist gefragt. Hierarchien müssen abgeflacht werden, Entscheidungsfreiheiten müssen auf Gruppen oder Individuen übertragen werden. Gerade Führungskräften, die zu Mikrokontrollen neigen und nicht gerne Verantwortung abgeben, wird dieser Schritt schwerfallen.
Da im Zuge der Digitalisierung und Industrie 4.0 das selbstbestimmte Arbeiten ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, stehen für Führungskräfte neue Herausforderungen im Programm. Für Sie geht es nun darum, die subjektiven Potenziale der Mitarbeiter zu entdecken, zu erwecken und zu fördern.
Die Verwischung der Grenze zwischen Leben und Arbeit ist bei diesem Prozess sowohl Voraussetzung als auch Folge. Der Mitarbeiter wird in der Regel von den bisherigen institutionellen Organisationen freigestellt. Die Grenze zwischen Privatperson und Mitarbeiter, zwischen Zuhause und Arbeit verschwimmt. Diese Entwicklung bis hin zur kompletten Entgrenzung steht meist im Fokus der Umstrukturierungen.
Im Prinzip geht es um das zeitnahe Erfassen der Umbrüche. Sie sollten relativ stabile historische Konstellationen infrage stellen, um auch in den nächsten Jahrzehnten als Unternehmen punkten zu können. Es ist nicht gefragt, das Neue als Teil einer neuen historischen Konstellation zu sehen. Vielmehr stehen Sie vor einem Umbruch, der durch viele Widersprüche gekennzeichnet ist. Das Nebeneinander von alten und neuen Merkmalen muss in unterschiedlichen Bereichen umgesetzt werden. Hier spielen gesellschaftliche Entwicklungen ebenso eine Rolle, wie industrielle Veränderungen.
Auch da, wo Unternehmen komplett dezentralisiert werden und weitreichende Umstrukturierungen bereits stattgefunden haben, bleiben oft zentralistische Koordinationsmodelle stehen. Trotzdem gelingt es, der Arbeitsorganisation flexible Züge zu geben und dem Mitarbeiter hohe Autonomie zuzugestehen.
[23]Für die Arbeitskräfte hat die Autonomisierung ambivalente Folgen. Einerseits freut sich der Mitarbeiter über erweiterte Spielräume und die Subjektivierung seiner Tätigkeiten, andererseits kann genau diese Subjektivierung zu einer Instrumentalisierung der Mitarbeiter führen. Nicht zu vergessen ist dabei die Tatsache, dass nicht jeder Mensch zum selbstorganisierten Arbeiten geeignet ist. Hier sind Ihre Menschenkenntnis und Ihre empathischen Fähigkeiten gefragt.
