Führungsinstrument Stimme - Katrin Prüfig - E-Book

Führungsinstrument Stimme E-Book

Katrin Prüfig

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Beschreibung

Sind begnadete Redner wie Steve Jobs oder Barack Obama"Meister der Rhetorik" oder "Champions in der Stimm-führung"? Was ist akustisches Charisma? Wie wird es gemessen und was davon ist trainierbar? Was passiert, wenn man einem charismatischen Redner lauscht? Und was braucht es, um die Aufmerksamkeit immer wieder zu aktivieren?  In einem 10-Schritte-Programm zeigt das Buch, was akustisches Charisma ist und welche Parameter wichtig sind. Dabei geht es weit über die Frage nach der richtigen Betonung oder Pause hinaus. Unter Einbeziehung von Erkenntnissen aus den Neurowissenschaften lernen Leser:innen: - wie wichtig die eigene innere Haltung ist, - trainieren den Einsatz von Ich-Botschaften, - von Beispielen und Vergleichen, - Körpersprache, - Atmung - und Artikulation. Pro Woche wird ein Aspekt betrachtet und spielerisch geübt. Mit zahlreichen Beispielen, Tipps und Übungen, die im Alltag funktionieren, stimmlich neue Dinge auszuprobieren. Mit Downloadmaterial auf myBook+.

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Seitenzahl: 225

Veröffentlichungsjahr: 2022

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[17]Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumDedicationVorwort1 Einleitung – die neue Macht der Stimme2 Die Superstars: Steve Jobs, Barack Obama und andere interessante Redner – »Meister der Rhetorik« oder »Champions der Stimme«?3 Das Konzept des akustischen Charismas 3.1 Die 16 Bausteine charismatischer Sprechweise3.2 Akustisches Charisma am Beispiel von Steve Jobs3.3 Wie wird gemessen? Das »Durchschnittsohr« im Einsatz3.4 Wie charismatisch kann ein Navigationsgerät sprechen?3.5 Alles Talent – oder doch trainierbar? 4 Blick ins Gehirn: Wie wirken interessante Sprecherinnen und Sprecher in unserem Kopf?4.1 Wie die gesprochene Sprache entstanden ist4.2 Wo die Sprache im Gehirn »wohnt«4.3 Was Babys hören und wie erste Sprachmuster entstehen4.4 Musik und Sprache: Nachbarn im Gehirn4.5 Melodie, Pausen, Rhythmus – sinnstiftend und wertvoll4.6 So kommt Steve Jobs in unseren Kopf5 Prominente im Akustik-Check: Wie charismatisch sprechen Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Moderatoren und Angela Merkel? 5.1 Politikerinnen und Politiker5.2 Die Kanzlerkandidatin und die -kandidaten 20215.2.1 Olaf Scholz, SPD5.2.2 Annalena Baerbock, Bündnis 90/Die Grünen5.2.3 Armin Laschet, CDU5.3 Weitere Politikerinnen und Politiker5.3.1 Angela Merkel, CDU5.3.2 Christian Lindner, FDP5.3.3 Ursula von der Leyen, CDU5.3.4 Franziska Giffey, SPD5.4 TV-Kommentatoren und Moderatoren5.4.1 Theo Koll, ZDF5.4.2 Peter Kloeppel, RTL5.4.3 Shakuntala Banerjee, ZDF5.4.4 Tina Hassel, ARD5.5 Die Corona-Experten5.5.1 Viola Priesemann 5.5.2 Christian Drosten 5.5.3 Melanie Brinkmann 5.5.4 Lothar Wieler5.6 Der politische Nachwuchs5.6.1 Jens Teutrine, FDP5.6.2 Tilman Kuban, CDU5.6.3 Jessica Rosenthal, SPD6 Männerstimmen, Frauenstimmen – alle stimmen!7 Aufwärmen von Stimme und Sprechapparat 7.1.1 Lockern, schütteln, wackeln7.1.2 Lockern, schütteln, wackeln – jetzt mit Ton7.1.3 Die Affentrommel7.2 Richtig atmen7.2.1 Die tiefe Bauchatmung7.2.2 Zwerchfell-Training mit Bettdecke7.2.3 Zwerchfell-Training mit Apotheke7.3 Mundraum und Kiefer vorbereiten7.3.1 Kiefer ausstreichen und massieren7.3.2 Zungentraining drinnen und draußen7.3.3 Das Chamäleon7.3.4 Lippenflattern 7.3.5 Lippenflattern mit Berg- und Talfahrt 7.4 Der Weg zu sauberer Artikulation7.4.1 Küssen – lächeln – küssen7.4.2 Mannomann! 7.4.3 Das Korkensprechen 8 10-Wochen-Fitnesskurs für mehr akustisches Charisma8.1 Woche 1: Innere Haltung und Kontakt8.2 Woche 2: Äußere Haltung – Gestik – Mimik8.3 Woche 3: Varianz, Varianz, Varianz!8.3.1 Sprechtempo 8.3.2 Lautstärke8.3.3 Tonhöhe8.3.4 Besondere Betonungen8.3.5 Falsche Betonungen8.4 Woche 4: Die Kraft guter Beispiele und Vergleiche8.5 Woche 5: Ich-Botschaften versus »Man müsste mal«8.6 Woche 6: Der hörbare Punkt8.7 Woche 7: Pausen setzen und aushalten8.8 Woche 8: Guter Satzbau, starke Verben8.9 Woche 9: Rhythmus und Wiederholungen8.9.1 Wiederholungen8.9.2 Rhythmus8.10 Woche 10: Struktur, Struktur, Struktur9 Die Gegenspieler des akustischen Charismas 9.1 Der stille Abschied von Äh und Öh9.2 Tempolimit für Schnellsprecher?9.3 Lampenfieber und Auftrittsangst: Hurra!10 Zutaten »charismatischer« Redemanuskripte – eine Checkliste11 Risiken und Nebenwirkungen der Charisma-BausteineDankLiteratur und LinksStichwortverzeichnisDie Autorin
[1]

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[6]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de/ abrufbar.

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ISBN 978-3-7910-5628-9

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Katrin Prüfig

Führungsinstrument Stimme

1. Auflage, September 2022

© 2022 Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH

www.schaeffer-poeschel.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): © Fuse, Getty Images

Produktmanagement: Dr. Frank Baumgärtner

Lektorat: Claudia Lüdtke, Berlin

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/ Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart

Ein Unternehmen der Haufe Group SE

Sofern diese Publikation ein ergänzendes Online-Angebot beinhaltet, stehen die Inhalte für 12 Monate nach Einstellen bzw. Abverkauf des Buches, mindestens aber für zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, online zur Verfügung. Ein Anspruch auf Nutzung darüber hinaus besteht nicht.

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[7]Für Kathrin

[9]Vorwort

Von Prof. Dr. Oliver Niebuhr

Menschen sind in der biologischen Systematik der »homo sapiens«. Übersetzt heißt das so viel wie der weise, kluge, vernünftige Mensch. Mein Doktorvater hat diesen Ausdruck nicht sonderlich geschätzt. Vor 20 Jahren, als junger Doktorand, habe ich die Position meines Doktorvaters nie reflektiert. Aber heute, als jemand, der Wissenschaft professionell betreibt und weitergibt, kann ich aus mindestens drei Gründen Sympathie für seine Abneigung empfinden.

Erstens weil wir uns damit einen Schuh anziehen, der uns – zumindest noch – eine Nummer zu groß ist. Unsere Handlungen sind nach wie vor oft instinktgesteuert. Dessen sind wir uns allerdings selten bewusst. Denn unser Gehirn kann heimlich und nachträglich gut begründen, warum wir vorher – ohne nachzudenken – so gehandelt haben. Zum Beispiel warum wir Produkt A und nicht B im Supermarkt gekauft haben oder warum wir am Wahltag unser Kreuz bei Partei A und nicht B gemacht haben. Mit der »persuasive technology« existiert ein ganzes Wissenschaftsfeld, das erforscht, wie sich unser Denken und Handeln unbewusst lenken lässt, damit uns beispielsweise Haushaltsgeräte dazu bewegen können, weniger Wasser und Energie zu verbrauchen, oder damit Autos uns dazu bringen können, anzuhalten, wenn wir müde sind.

Gegen den Begriff »homo sapiens« spricht zweitens, dass er im alltäglichen Sprachgebrauch ein Gefühl der Abgrenzung und Überlegenheit gegenüber der Flora und Fauna fördert. Oder anders gesagt, die Geringschätzung von allem begünstigt, was nicht »homo sapiens« ist. In Zeiten des Klimawandels ist das gefährlich und auch falsch, wie wir mit Blick auf den ersten Grund leicht erkennen können.

Der dritte Punkt aber ist der eigentlich entscheidende, erst recht vor dem Hintergrund dieses Buches. Menschen und ihre sozialen Gefüge definieren sich vor allem über Sprache und nicht über Weisheit und Vernunft, ja nicht einmal unser Fortschritt definiert sich darüber. Denn was wäre eine Erkenntnis ohne die Möglichkeit, sie festzuhalten und weiterzugeben – und sie damit zu vervielfältigen? Das heißt, was den heutigen Menschen und alle seine Errungenschaften ausmacht, verdanken wir zumindest in erster Linie dem Sprechen bzw. dem dahinterstehenden System der Sprache.

Sprache ist wie ein Turbo für unser Denken. Wir müssen uns komplexe Dinge wie »Auto«, »Handy«, »Münzen« oder »wasserabweisend« nicht in allen Einzelheiten vorstellen, wenn wir sie denken und verknüpfen wollen. Wir verwenden einfach das sprachliche »Etikett«. Das spart eine Unmenge kognitiver Ressourcen und ermöglicht [10]dadurch viel schnellere und komplexere Denkprozesse. So entstehen auch Innovationen; ein »wasserabweisendes Münzhandy« etwa. Können Sie sich das vorstellen? Sicherlich. Aber versuchen Sie dieses Gesamtkonzept mal jemandem zu erklären, der oder die kein einziges Wort kennt.

Daneben beeinflusst Sprache auch, wie und was wir denken und wahrnehmen. Menschen, die mit einer Sprache aufwachsen, die primär Passivsätze à la »X wurde von Y gemacht« verwendet, haben einen anderen Blick auf die Welt als solche, die mit Sprachen aufwachsen, in denen Aktivsätze wie »Y macht X« vorherrschen. Ähnliches gilt für die Zeitformen oder Farbwörter einer Sprache. Die dahinterstehenden Befunde und Studien sind zum Teil umstritten, das Phänomen selbst hat jedoch einen wahren Kern. Nicht umsonst wiederholen Politikerinnen und Politiker – nach reichlicher vorheriger Überlegung ihrer Wortwahl – Dinge in immer gleicher Weise und werden Debatten über geschlechtergerechte Sprache mit so viel Leidenschaft geführt.

Der »homo sapiens« ist demnach eigentlich ein »homo loquens«, also ein »sprechender Mensch«, ein »Geschöpf der Sprache«. Und Sprache ist absolut faszinierend, insbesondere die gesprochene! Sie stellt den vielleicht komplexesten Code dar, den wir Menschen jemals geschaffen haben. An dieser Stelle möchte ich gleich den nächsten Punkt richtigstellen. Die Benutzer dieses komplexen Codes – also Sie – unterliegen häufig dem Irrglauben, Sprache diene dem Austausch von Informationen. Haben Sie diese Idee jemals konsequent zu Ende gedacht? Wenn das nämlich so wäre, dann würden wir die Frage »Wie geht’s?« wohl nur in Krankenhäusern zu hören bekommen, und Plattformen wie Facebook, Twitter, WhatsApp und YouTube wären auf einen Schlag am Ende.

Tatsächlich ist Sprache zuallererst ein soziales Werkzeug. Wir verwenden Sprache im Alltag primär, um Emotionen zu teilen, Beziehungen zu knüpfen und zu erhalten, unsere Wünsche auszudrücken, unsere Rolle in der Gruppe oder Gesellschaft zu definieren und weiterzuentwickeln und um in jeder Hinsicht »wahrgenommen« zu werden.

Haben wir das erst einmal verinnerlicht, dann fällt es eventuell leichter, eine zweite Erkenntnis gleich mit zu akzeptieren. Neben all ihrer übrigen Komplexität hat Sprache zwei grundlegende Ebenen: Was gesagt wird und wie es gesagt wird – und tatsächlich ist das Wie oft wichtiger und mächtiger als das Was.

Das hat zwei Gründe: Das Wie ist das primäre Ausdrucksmittel für Emotionen, Beziehungen und Wünsche. Und das Wie ist um ein Vielfaches älter als das Was. Wir haben schon lange kommuniziert, bevor es den Duden und Grammatiken gab. Tatsächlich ist das Wie so alt, dass wir grundlegende Verbindungen zwischen Klängen und ihren Funktionen noch mit unseren tierischen Verwandten teilen. Die Wissenschaft nennt das »biologische Codes«.

[11]Haben Sie sich schon einmal dabei ertappt, dass Sie gegenüber unterschiedlichen Menschen verschiedene Tonlagen und Klangfarben verwendet haben? Vorzugsweise solche, die Ihrem Gegenüber ähnlicher sind? Passiert das nicht sogar immer dann, wenn Sie Ihr Gegenüber besonders mögen? Gratulation, denn dann legen Sie das gleiche Verhalten wie Stechmücken an den Tag. Und wenn wir drohen oder Stärke vermitteln wollen, dann senken wir unsere Stimmlage und geben unserer Stimme einen raueren Klang. Hunde, Tiger, Bären, Affen, Meeressäuger und viele andere Tiere tun das auch.

Tiere betreiben großen artikulatorischen oder stimmlichen Aufwand, wenn sie unsere Aufmerksamkeit erlangen möchten oder Dinge kommunizieren, die ihnen besonders wichtig sind – genau wie wir Menschen. Aufgrund solcher Klang-Funktions-Beziehungen wird »Tizian« auch nie der Name eines großen Fahrzeugs sein. Er klingt einfach zu klein und »scharfkantig«, und das lässt sich auch akustisch nachvollziehen. Um Größe akustisch abzubilden, käme schon eher »Goya« in Betracht – oder »Pollock«, wobei letzterer Name vielleicht eher eine große Landmaschine als ein Luxusauto zieren würde.

Zugegeben, ich breche hier komplexe experimentelle Befunde reichlich stark herunter. Dennoch, der Punkt ist folgender: Die Art, wie wir sprechen, wie wir unsere Stimme und Artikulation formen, ist so fundamental, dass die darin transportierten Bedeutungen, Emotionen, Meinungen und Assoziationen unser(e) Gegenüber auf eine Weise erreichen und in Besitz nehmen können, wie es die noch relativ junge Erfindung der Wörter kaum vermag. Und wenn das Wie und das Was in ihren Bedeutungen im Konflikt miteinander stehen, dann glauben wir stets dem Wie, nie dem Was!

Das ist die Grundlage dafür, dass wir im Alltag Ironie und Sarkasmus zum Ausdruck bringen können, und auch die Basis für populäre Redewendungen wie »Der Ton macht die Musik«. Jemand kann »Das lohnt sich« sagen und wir hören sofort, dass eigentlich das genaue Gegenteil gemeint ist. Man kann es aber auch so sagen, dass Zuhörende sofort Feuer und Flamme sind und bei dem mitwirken oder in das investieren wollen, was der Sprechende als lohnenswert ansieht.

Letzteres bringt uns zum Thema dieses Buches: akustisches Charisma. »Necessity is the mother of invention« – dieses englische Sprichwort, das auf eine Äußerung von Platon zurückgehen soll, beschreibt wohl am besten, wie ich zum akustischen Charisma kam. Nein, erfunden habe ich es sicher nicht. Akustisches Charisma ist so alt wie das Wie in der Sprache insgesamt. Auch was die spezifische Akustik des Charismas ausmacht, haben bereits andere vor mir begonnen zu erforschen, hierunter Paul Touati, Julia Hirschberg, Eva Strangert, Andrew Rosenberg und Joakim Gustafson.

Meine Leistung bestand darin, diese Forschungen zusammengeführt und sie anschließend in einer anwendungsorientierten Perspektive intensiviert und weiterentwickelt [12]zu haben. Mit anderen Worten, ich und alle, die mich bis dato auf diesem spannenden Weg begleitet haben, wir haben das in der Akustik der Sprache transportierte Charisma messbar, bewertbar und trainierbar gemacht. Und weil alles einen Namen braucht, damit der Mensch es erfassen und verwenden kann (siehe meine Anmerkung zum »Etikett« oben), haben wir diese Erfindung »Acoustic Voice Profiling«® getauft.

Doch zurück zur oben genannten »necessity«. Als ich 2015 als außerordentlicher Professor an die Süddänische Universität berufen wurde, erhielt ich recht bald folgenden Auftrag: Ich sollte einen Kurs entwickeln, der zukünftige Ingenieurinnen und Ingenieure – und hierunter insbesondere die Gründerinnen und Gründer – dabei unterstützt, bessere Vorträge zu halten. Ihre Ideen sollten mehr Gehör und damit mehr Investments finden.

Freudig sagte ich zu – nur um recht schnell zu merken, dass die aktuelle Wissenschafts- und Ratgeberliteratur mir kaum Inhalte und Konzepte bereitstellte, die ich als phonetischer Wissenschaftler vorbehaltslos in einen Kurs hätte ummünzen können. Schon gar nicht in einen Kurs, der das so mächtige und wichtige Wie ins Zentrum hätte stellen und 13 Wochen mit je vier Stunden pro Woche hätte füllen können. Also musste ich selbst aktiv werden, um der selbst auferlegten »necessity« gerecht zu werden.

In mehr als drei Jahren Forschung entstand dann ein System, das unsere Art und Weise zu sprechen im Allgemeinen und die menschliche Stimme im Besonderen in aktuell 16 akustische Parameter (bald sind es 21) aufbrechen kann. Ein System, das also das darin enthaltene Charisma messen und bewerten kann – kalibriert durch mehr als eine halbe Million Feedbacks und Bewertungen von Hörern in der Testsituation. Die Bewertung wird durch die breite Basis dieser »Hörtest-Urteile« quasi objektiv. Sie erlaubt eine erstaunlich präzise Vorhersage darüber, wie charismatisch Menschen einen Sprechenden einschätzen und sogar wie sehr sie sich dadurch in ihrem Denken und Handeln beeinflussen lassen.

Das Aufbrechen in einzelne Parameter hat überdies den Vorteil, dass Stärken und Schwächen erkannt und Letztere gezielt individuell trainiert werden können. Mittlerweile wurden um das »Acoustic Voice Profiling«® herum Softwareanwendungen entwickelt, die beim Trainieren des akustischen Charismas helfen. Eigens entwickelte Hardwareprodukte eröffnen zudem neue Wege für die Messung weiterer Parameter. Über parallel dazu laufende Forschungen sind wir inzwischen so weit, dass wir sogar geschlechtsspezifisch messen und trainieren können (ja, das ist wichtig, denn Männer und Frauen müssen nicht alles gleich und nicht von allem gleich viel machen!) sowie auch branchen- und landesspezifisch.

Oben habe ich die immense Komplexität des akustischen Sprachsignals herausgestellt. Das war keine Untertreibung. Jeder einzelne Buchstabe, der gesprochen wird, [13]ist durch viele verschiedene klangliche Eigenschaften im Sprachsignal kodiert. Einige dieser Eigenschaften stecken nicht einmal im betreffenden Buchstaben selbst, sondern in den zwei, drei Buchstaben davor oder danach. Zusätzlich verschmelzen Buchstaben miteinander, sie werden »reduziert«. Da wird aus dem »Marktplatz« schon einmal ein »Marppplatz«, es sei denn, dazwischen liegt eine Grenze, wie bei »Ich geh’ zum Markt, Platz genug hab’ ich …«. Lassen wir diesen Satz vor dem Komma enden, dann wird aus dem »Markt« in der Regel ein »Markth« mit langem, hörbarem »h« am Ende. Durch solche und viele andere Variationen und Prozesse werden Grenzen im akustischen Strom der Laute kodiert. Wir als Zuhörer sind in der Lage, diese zu erkennen und kognitiv zu verarbeiten.

Über all das legen sich als teils simultane, teils separate Kodierungsebene die Stimme und Sprachmelodie mit all ihren sozialen, emotionalen und expressiven Funktionen und Bedeutungen. Damit wiederum eng verbunden und präzise koordiniert ist der andere nonverbale Kanal: Mimik und Gestik. Und all das, also der Code insgesamt, fällt dann auch noch je nach Sprechsituation und -stil ein wenig anders aus.

In einem solch komplexen System haben sogar Dinge eine Funktion, die Ihnen sicherlich noch nie aufgefallen sind und die Sie dennoch systematisch und regelkonform anwenden. Stille etwa. Oder haben Sie gewusst, dass Ihnen lediglich 600 Millisekunden Zeit bleiben, um auf eine Ja-Nein-Frage wie »Steht mir das neue Kleid?« eine Antwort zu geben? Dauert es länger, wird Ihnen die Antwort, egal welche Sie geben, als unaufrichtig ausgelegt. Auch dafür, wie und wo Sie Ihre Ähs und Ähms einsetzen, gibt es Regeln: Und erst wenn Sie zu viele dieser Füller nicht regelkonform verwenden, werden diese für Ihr Charisma so richtig schädlich. Ähnliches gilt übrigens auch für das Lächeln beim Sprechen.

Des Weiteren, stellen Sie sich doch einmal vor, Sie klopfen sich in typisch deutscher Manier im Sitzen auf die Schenkel, sagen »so« und stehen auf (ja, das gilt im Ausland tatsächlich als typisch deutsch!). Und im Gegensatz dazu stellen Sie sich vor, wie Sie einen Raum betreten und die Anwesenden erst mit »so« begrüßen, bevor Sie etwas anderes sagen. Diese beiden Versionen von »so« fallen akustisch anders aus. Die eine beendet ein Gespräch oder Thema, die andere leitet es ein. Der Unterschied ist systematisch und regelgeleitet; und er lässt sich auf alle anderen ähnlichen Wörter wie »okay«, »gut«, »nun« etc. übertragen. (Mein Hund Anton hat diesen systematischen akustischen Unterschied übrigens vor mir bemerkt und verstanden; bei Videomeetings im Homeoffice legt er sich nach dem einleitenden »So« vor die Tür, beim beendenden »So« kommt er hingegen sofort mit der Leine angetrabt.)

Es liegt in der Natur der Sache, dass in einem so komplexen System und bei so vielen verborgenen und doch systematischen und funktionalen Regeln die Forschung zum »Acoustic Voice Profiling«® praktisch niemals abgeschlossen sein wird. Und es liegt [14]in der Natur der Sache, dass diese Forschung auf Hilfe angewiesen ist; auf Hilfe von kundigen und motivierten Menschen, deren alltägliche Profession und Leidenschaft darin besteht, Sprecherinnen und Sprecher, Rednerinnen und Redner, zum Beispiel in Gestalt von Führungskräften aus Politik und Wirtschaft, aus- und weiterzubilden. Diese Menschen sind eine unschätzbare Quelle für Beobachtungen, Erfahrungen und Einschätzungen über den öffentlichkeitswirksamen Einsatz der Sprache, die zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen werden können. Und sie sind Sparringspartner, um neue Erkenntnisse kritisch zu reflektieren.

Ich bin sehr froh, einen solchen professionellen wie leidenschaftlichen Menschen gefunden zu haben: die Autorin dieses Buches, Dr. Katrin Prüfig. Und ich bin stolz, ein Vorwort für ihr neues Buch schreiben zu dürfen, in dem die Entwicklungen und Forschungen von meinem internationalen Team und mir eine so prägende Rolle spielen und damit einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Viele Punkte, die ich in diesem Vorwort nur anreißen konnte, werden Sie in den nachfolgenden Kapiteln des Buches präziser und ausführlicher dargestellt finden, zum Beispiel die Parameter oder Bausteine, die im »Acoustic Voice Profiling«® aktuell Berücksichtigung finden, das Phänomen der Ähs und Ähms und auch die biologischen Wurzeln und Hintergründe von Sprache und Sprechen und deren Einfluss auf unser Handeln. Ich bin sicher, Sie werden am Ende des Buches nachvollziehen können, wie groß der Beitrag ist, den das akustische Charisma für Sie und Ihre persönlichen Ziele zu leisten imstande ist, und welche Herausforderung es war und noch immer ist, diesen Beitrag präzise und zugleich möglichst umfassend anhand akustischer Bausteine zu bestimmen. Hierbei werden Sie im Buch aufgeworfene Fragen wie diejenige, ob interessante Sprecher »Meister der Rhetorik« oder »Champions der Stimme« sind, vielleicht nachdenklich stimmen. Auch das ist gut so, denn wenn eines in der Wissenschaft immer stimmt, dann dass beobachtbare Phänomene stets mehr als nur eine Ursache haben. Die Wahrheit liegt also immer irgendwo dazwischen, ist nie schwarz oder weiß. (Dies macht, nebenbei bemerkt, einen der Unterschiede zwischen Wissenschaft und Politik aus: Die Erstere kann keine klaren Antworten geben, die Letztere will es oft nicht.)

Vielleicht werden Sie beim Lesen dieses Buches auch erkennen, wie eng Rhetorik und Stimme, also das Was und das Wie, verbunden sind. Bestimmte Ausdrucksmittel wie Ich-Botschaften, ein guter Satzbau und starke Verben werden immer auch Auswirkungen auf Ihre Stimme und Sprechmelodie haben, etwa darauf, was Sie wann und wie stark betonen oder auf welches Sprechtempo Sie beschleunigen können.

In jedem Fall, da bin ich sicher, werden Sie am Ende des Buches sich selbst und auch alle Menschen um sich herum mit anderen Ohren hören – von Ihrem Ehepartner über Ihre Vorgesetzten bis hin zur Stimme im Radio oder in der TV-Werbung. Angesichts [15]dieser Gewissheit möchte ich eine Einladung an Sie aussprechen: Wenn Sie mit Ihren neu »gestimmten« Ohren Dinge beobachten, die Ihnen zuvor entgangen sind und die Ihnen bemerkenswert richtig oder falsch oder auf welche Weise auch immer markant und »untersuchenswert« vorkommen, dann kontaktieren Sie uns gern! Vielleicht stoßen Sie ja damit eine neue Untersuchung an und bringen die Wissenschaft rund ums akustische Charisma ein Stück voran. Mindestens jedoch können wir Ihnen ein weiteres kleines Fragment im großen Mosaik des akustischen Charismas näherbringen.

Mit dem allerherzlichsten Dank

Oliver Niebuhr

[21]1Einleitung – die neue Macht der Stimme

In der irischen Grafschaft Cork steht ein Schloss für Bessersprecher. Blarney Castle ist zum Pilgerort geworden für all diejenigen, die sprachgewandter sein und charismatischer kommunizieren möchten. Allerdings: Einfach hinzufahren reicht nicht. Wer die wundersame Kraft dieses Ortes spüren möchte, muss den Stein der Sprachgewandtheit (»Stone of Eloquence«) küssen, und zwar in luftiger Höhe, kopfüber in Rückenlage. Ach ja, und fest dran glauben sollte er oder sie natürlich auch.

Trotzdem pilgern jedes Jahr Zehntausende zu diesem Schloss. Aus der ganzen Welt reisen Menschen an, aus den USA, Brasilien, Neuseeland. Warum nur? Offenbar gibt es eine verbreitete Sehnsucht danach, besser, gewandter, charismatischer zu sprechen.

Am grundsätzlichen Potenzial der gesprochenen Sprache kann es so pauschal nicht liegen. Denn da sind wir mit unserem Stimmeinsatz und unserem Sprachvermögen einzigartig: Wir können Absichten und Gefühle formulieren. Wir können komplexe Handlungsabläufe in Worte fassen – nicht nur beim Aufbau des neu gelieferten Schranks. Wir können zeitlich vor- und zurückspringen und Dinge somit in einen Kontext stellen. Wir können mitreißen und ausbremsen. Welches andere Lebewesen kann das in dieser ausgeprägten Weise? Wissenschaftler sehen in der menschlichen Sprache ein besonders vielschichtiges und machtvolles Instrument. Es lässt sich auf die Formel bringen: Ich spreche, also bin ich Mensch.

Und dieses Sprechen gewinnt an Bedeutung. Vom neuen »Siegeszug der Mündlichkeit« berichtet »Die Zeit« Anfang 2021. Autor Alexander Cammann beschreibt einen revolutionären Wandel unserer Kommunikation – weg vom geschriebenen, hin zum gesprochenen Wort: »Nichts ist fixiert, alles fluide, anders als bei den vermaledeiten gedruckten Buchstaben.« (Cammann 2021)

Beispiele

Ein Blick in unseren Alltag bestätigt, dass Mündlichkeit zunehmend wichtig wird:

Schnell mal eine Audio-Nachricht per WhatsApp schicken. Dann werden manche Dinge klarer und sind besser einzuordnen. Ein geschriebenes Nein sieht oft härter und verletzender aus als ein gesprochenes. Geschriebenes ist dadurch oft missverständlich – vor allem in der Kurzform. Es fehlt die Tonalität. Es fehlen buchstäblich die Schwingungen, die so wichtig sind für die Interpretation der Worte.[22] Der Podcast-Boom hält an: 38 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren hören Podcasts. 2016 waren es erst 14 Prozent (vgl. Statista 2021). Diese Art von gesprochenem und aufgezeichnetem Wort hat inzwischen mehr als 26 Millionen Fans. Twitter ging Ende 2020 mit dem Audio-Dienst Twitter-Spaces an den Start. Die Plattform Clubhouse war 2021 als Audio-Bühne für Ausgewählte zunächst sehr im Fokus. Nach anfänglichem Hype und einigen »Ausrutschern« von Prominenten wurde es wieder ruhiger um die Plattform. Amazon und Mitbewerber wie Apple, Spotify oder Sonos sind laut Medienberichten dabei, radionahe Inhalte zu schaffen. Unter dem Projektnamen »Project Mic« tüftelt Amazon an einer App, die das Radio »demokratisieren« soll. Nutzer sollen mit dieser App eigene Live-Radiosendungen erstellen können. Geht ins Ohr, bleibt im Kopf? Wir werden sehen. Oder besser gesagt: hören. Vor allem aber: Die tägliche Kommunikation über digitale Meeting-Plattformen wie Teams, Zoom, BigBlueButton, GoToMeeting und andere. Wenig Körpersprache, ein kleines bisschen Mimik – vor allem aber: Stimme! Gerade die neue digitale Welt erfordert es, dass wir unsere Stimme ganz neu betrachten.

Wie gehen wir eigentlich im Alltag mit unserer Stimme und unserem Sprechapparat um? Klingen wir gut, interessant, charismatisch? Hören andere uns gern zu, lassen sie sich gern auf unsere Ideen und Vorschläge ein? Können wir inspirieren, motivieren und vielleicht sogar begeistern – durch Inhalte und durch die Art, wie wir sie vermitteln? Waren wir vielleicht schon auf Blarney Castle und haben den Stein geküsst?

Oder sind wir Teil des »Klangteppichs« in so manchem Meeting? Ein Klangteppich oft ohne Struktur, ohne Höhen und Tiefen, ohne Rhythmus – und vor allem: ohne Pausen! Besonders anstrengend in der Online-Variante, die wir seit 2020 in großem Umfang erleben.

Wenn die Ansprache an die Belegschaft klingt wie ein Sprechroboter – flüssig vorgetragen, aber ohne Emotionen –, dann verpuffen die Inhalte. Wenn wir in Besprechungen leise, zögerlich oder monoton unsere Ideen einbringen, dann verpuffen diese Ideen. Und wenn wir in einer Präsentation zwar dynamisch durch die Folien klicken, aber stimmlich nicht gut durch die Inhalte führen, verpufft hier ebenfalls vieles.

Dieses Buch bietet die Chance, wirkungsvoller und charismatischer sprechen zu lernen. Die Stimme und ihre Potenziale besser zu nutzen. Und zwar unabhängig davon, ob uns die Natur mit einer tiefen, bassigen Männerstimme ausgestattet hat oder mit einem hellen Sopran. Schon mal vorab: Auch tiefe, bassige Männerstimmen haben Risiken und Nebenwirkungen! Jede und jeder kann charismatischer sprechen, das Sprechinstrument gezielter einsetzen.

[23]Dabei geht es gar nicht ausschließlich um all das, was wir auf der »Tonspur« hören. Charismatisches Sprechen fängt im Kopf an: Mag ich mein Thema? Bin ich gut vorbereitet? Charismatisches Sprechen hat darüber hinaus viel mit der Körperhaltung zu tun: Liegen, sitzen, stehen – wir können es hören! Charismatisches Sprechen hat zusätzlich viel damit zu tun, wie ich meine Gedanken ordne, wie ich formuliere, welche Worte ich wähle. Auch darum wird es im praktischen Teil gehen.

Dieses Buch ist ein Brückenschlag zwischen Forschung und Praxis. Es fließen Erkenntnisse aus der Phonetik und den Neurowissenschaften ein. Ich ergänze sie um meine Erfahrungen aus 20 Jahren als Medien- und Kommunikationstrainerin. Und um meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem wertvollen Instrument Stimme:

Schon als Studierende arbeitete ich nebenbei beim Radio in Mainz. Ich durfte dort vieles machen, viele Themen bearbeiten – nur sprechen durfte ich meine eigenen Berichte nicht. »Viel zu hohe, piepsige Stimme, geht gar nicht«, hieß es vom Programmdirektor. Ich investierte also in einige Stunden Atem-, Stimm- und Sprechtraining. Innerhalb weniger Wochen konnte ich mein stimmliches Potenzial schon viel besser ausschöpfen.

Über lange Zeit habe ich mir immer wieder mal Stimm- und Sprechtraining gegönnt. Manchmal auch nur eine Stunde pro Jahr, und das auch dann noch, als ich schon als Moderatorin bei der Tagesschau im Einsatz war. Meine Stimme hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt, ist voller und kräftiger geworden, was sicher auch mit dem wachsenden Selbstbewusstsein in meiner Moderatorinnen-Rolle zu tun hat. Ich bin also mit meiner eigenen Stimme durchaus versöhnt.

Zugleich habe ich durch das Studium der Neurowissenschaften und die Beschäftigung mit dem akustischen Charisma noch mehr gelernt. Ich höre anders hin. Entdecke schneller Stärken und Schwächen, bei mir selbst und bei meinen Kundinnen und Kunden. Und ich weiß inzwischen, wo wir gemeinsam ansetzen können, um möglichst alle stimmlichen Potenziale zu heben.