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»Sie heißen gar nicht mehr Kinderwagen«, sagte Dick. »Man nennt sie jetzt wohl Buggys oder Sportwagen, Kombi-irgendwas …« »Tatsächlich handelt es sich um Reise-Systeme«, schlich sich der Verkäufer heran. Ein Kind großzuziehen dürfte für die fünf Freunde doch ein Kinderspiel sein. Als sie die Verantwortung für die kleine Tochter von Cousin Rupert übernehmen müssen, zerrt die Lilly Kirrin mit ihrem unaufhörlichen Geschrei jedoch gewaltig an ihren Nerven. Der allseits beliebte Dr. Google hilft ihnen auch nicht weiter. Es gibt grundsätzlich zwei Antworten auf ihre Fragen, die beide völlig richtig zu sein scheinen: »Keine Sorge!« und »Bringt es sofort in die Notaufnahme!«. Werden es Julian George, Dick, Anne und Timmy mit vereinten Kräften schaffen, ihrer Aufgabe Herr zu werden? Ein weiteres spannendes Abenteuer für die fünf völlig übermüdeten Freunde.
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Seitenzahl: 84
Veröffentlichungsjahr: 2018
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
2. Auflage 2019
© 2018 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die englische Originalausgabe erschien 2016 bei Hodder & Stoughton Limited unter dem Titel Five Go Parenting. © 2016 by Hodder & Stoughton Limited. All rights reserved.
Enid Blyton ® The Famous Five ® Text copyright 2016 © Hodder & Stoughton Limited
Illustrationen © Copyright 2016 Hodder & Stoughton Limited
Enid Blyton, Enid Blyton’s Unterschrift und Fünf Freunde sind eingetragene Warenzeichen von Hodder & Stoughton Limited
Text der englischen Originalausgabe von Bruno Vincent
Illustrationen der englischen Originalausgabe von Eileen A. Soper
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Katja Theiß
Redaktion: Annett Stütze
Umschlaggestaltung: Laura Osswald, in Anlehnung an das Originalcover
Umschlagabbildung: Ruth Palmer
E-Book-Konvertierung: Carsten Klein, Torgau
ISBN Print 978-3-7423-0641-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0190-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0191-5
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KAPITEL 1: Eine gewagte Flucht
KAPITEL 2: Ein Abenteuer findet einen glücklichen Abschluss
KAPITEL 3: Eine schreckliche Überraschung
KAPITEL 4: Verantwortung übernehmen
KAPITEL 5: Die Windel-Frage
KAPITEL 6: Die Gewöhnung an das neue Familienmitglied
KAPITEL 7: Wiegenlieder für Babys
KAPITEL 8: Ein paar Besucher schauen vorbei
KAPITEL 9: Der Schwimmkurs
KAPITEL 10: Eine Beratung durch Doktor Google
KAPITEL 11: Verwandte bringen kleine Geschenke
KAPITEL 12: Die nächste Stufe
KAPITEL 13: Die erste Regel des Clubs der Väter
KAPITEL 14: Das Einzugsgebiet
KAPITEL 15: Ein weiteres bezauberndes Picknick
KAPITEL 16: Eine weitere schreckliche Überraschung
KAPITEL 17: Schlechte Eltern
Dick und Julian schlichen leise den dunklen Flur entlang. Sie spähten in die Dunkelheit, wichen Hindernissen vorsichtig aus und bemühten sich angestrengt, kein einziges Geräusch zu verursachen. Jeder Schritt war wohlüberlegt und wie in Zeitlupe gesetzt. Sie bewegten sich so langsam und bedacht wie zwei Astronauten bei ihrem Mondspaziergang.
Bei ihrem Befreiungsschlag kam ihnen zum Glück die Dunkelheit entgegen. Es gab kein Zurück mehr. Wenn sie erwischt würden, wären die Konsequenzen schrecklich. Doch die Haustür war nur noch wenige Meter entfernt, und dahinter lag die Freiheit. Sie wagten kaum zu atmen.
Dick streckte langsam die Hand nach dem Türgriff aus. Er drehte sich vorsichtig um und sah nach, ob Julian hinter ihm war. Sie nickten sich zustimmend zu. Dick konnte Julians Gesicht in der Dunkelheit kaum erkennen. Doch plötzlich nahm er wahr, dass sich Julians Züge offenbar qualvoll verzerrten.
Julian riss die Hand nach oben und hielt sich den Mund zu, aber es war bereits zu spät. Ein Schmerzensschrei war entwichen, der meilenweit zu hören sein musste. Und in der Nähe hörten sie den Alarm – das vertraute Heulen, das ihre Herzen erzittern ließ.
Neben ihnen öffnete sich eine Tür, und eine männlich wirkende Figur mit in die Hüfte gestützten Händen erschien im Türrahmen.
»Oh, Mist aber auch«, murmelte Dick, als das Licht anging.
»Verdammt noch mal, was ist das denn für ein Lärm?«, wollte George wissen. Ihr Unterton war wütend.
Wendy stand auf, richtete vorsichtig die Decke und hielt die Babytrage so vor Dick, dass er sehen konnte, was darin lag.
»Ich bin auf einen Spielzeugschwan getreten«, wimmerte Julian. »Ich glaube, ich blute!«
»Na, herzlichen Glückwunsch, ihr absoluten Arsch-Clowns«, sagte George. »Ihr habt sie geweckt. Wohin wolltet ihr denn überhaupt?«
»Wir wollten nur ganz kurz auf ein Bier raus«, gab Dick leise zu.
Anne kam mit dem Baby auf dem Arm in den Flur und machte dabei beruhigende Geräusche.
»Mal schauen, wie lange es jetzt wieder dauert, bis sie schläft!« Sie wandte sich ihren Brüdern zu und warf ihnen einen strafenden Blick zu.
»Nur um das noch mal klarzustellen: Also können wir nicht in den Pub?«, fragte Dick, »Oder können wir?«
»Nur um das noch mal glasklar klarzustellen«, zischte Anne scharf, »in absehbarer Zukunft wird hier niemand auch nur in die Nähe eines Pubs gehen.«
Dick und Julian starrten einander an. Ihre Blicke sagten alles. Sie waren in einem Grauen gefangen, das den menschlichen Verstand weit überschritt.
Sechs Tage zuvor.
»Dank euch Jungspunden«, lobte der rundliche Polizist, »sind diese Störenfriede für die nächsten Jahre aus dem Verkehr gezogen.«
Julian, Anne, Dick und George strahlten vor Stolz.
»Wuff!«, bellte Timmy begeistert.
Sie standen in der schwach erleuchteten Lagerhalle in Whitechapel und sahen zu, wie ihr fieser Cousin Rupert und seine osteuropäische Frau in Handschellen abgeführt wurden. Eigentlich waren sie es eher gewöhnt, von Geschnappten wüst angefaucht zu werden – oder man schwor ihnen entsetzliche Rache. Aber die zwei blieben auf ihrem Weg zu den Polizeiwagen stumm und gefasst. Vielleicht dachten sie bereits über ihre Verteidigungsstrategie nach.
»Woher wusstet ihr von der illegalen Lieferung und dass sie genau jetzt ankommen sollte?«, fragte der Polizist erstaunt. »Einfach unglaublich!«
»Gut, dass Sie danach fragen«, setzte Anne ganz aufgeregt an. »Den ersten Verdacht hatte ich, als ich die von Rupert importierten ›iPhones‹ gesehen habe, in Lieferboxen aus Nordk…«
»Ich habe jetzt keine Zeit für eure Erklärungen«, unterbrach der Polizist sie abrupt. »Leider … Ich muss das Lagerhaus für die Spurensicherung abriegeln. Wir müssen einen Termin vereinbaren. Ihr müsst diese Woche noch aufs Präsidium kommen, damit wir eure Aussage aufnehmen können.«
Eine dritte Tasche enthielt allerlei, unter anderem eine Dose Wundcreme, Ohrstöpsel, Fläschchen, ein Gläschen Babynahrung und eine Milchpumpe.
»Oh«, sagte Julian.
»Früher«, brachte Dick ihre Gedanken auf den Punkt, »hat man uns immer irgendwie den Kopf getätschelt, und dann wurden wir uns wieder selbst überlassen.«
»Na ja, das ist nun Vergangenheit. Jetzt wäre es gut, wenn ihr den Tatort verlassen würdet. Sergeant Difford wird eure Personalien aufnehmen und euch rausbringen. Wenn ihr nett fragt, tätschelt sie euch vielleicht auch den Kopf.« Die fünf Freunde wanderten ein bisschen enttäuscht Richtung Ausgang. Als sie in den Mondschein hinaustraten, sahen sie auf ihre Handys.
»Es ist mitten in der Nacht«, stellte Julian messerscharf fest. »Die U-Bahnen fahren noch gar nicht.«
»Ich hab uns schon ein Taxi gerufen«, warf George munter ein und ließ ihr Handy bereits wieder in die Hosentasche gleiten. »Ist von Uber und wird in fünf Minuten da sein.«
»Anne, ich finde es ja echt clever«, fing Dick an, der seiner kleinen Schwester unbedingt die Gelegenheit bieten wollte zu brillieren, »also, es war richtig schlau von dir, hier anzukommen und gleich den Weg ins Lagerhaus zu finden. Hast du einen geheimen Zugang entdeckt?«
»Nein«, antwortete Anne nachdenklich. »Das war ja oft so, aber diesmal nicht …«
»Er kommt jetzt in acht Minuten«, unterbrach George mit gerunzelter Stirn, während sie ihr Handy checkte. »Er fährt einen silbernen Prius.«
Nach dem Frühstück am nächsten Tag hingen die Freunde ein bisschen durch. Dem Durchkreuzen eines üblen Plans waren früher immer Süßigkeiten und die Aufmerksamkeit von Erwachsenen gefolgt. Jetzt waren sie aber keine aufgeweckten, munteren Jugendlichen mehr, sondern selbst erwachsen … und alles war so merkwürdig anders. Niemand schien sich groß um sie oder ihre Tat zu scheren. Früher, in längst vergangenen Tagen, wären sie vielleicht noch gemeinsam aufs Land gefahren. Aber in diesem Teil von Nord-London gab es nicht sonderlich viel Landschaft. Und außerdem war Regen vorhergesagt.
Dick schlug trotzdem eine Radtour vor, aber Georges Fahrrad hatte einen Platten, und Julian, der keins besaß, weigerte sich hartnäckig, eins dieser »verkommenen Boris-Fahrräder«* zu leihen, weil sie für ihn zu einer »sozialistischen Verschwörung« gehörten.
Julians politisches Verständnis war manchmal schwer zu fassen. Er verkündete lautstark, dass er noch zu tun habe, und verschwand in seinem Schlafzimmer.
Dick sah sich die Highlights des letzten Spieltags in der Sportschau in der Mediathek an, während Anne mit angezogenen Beinen im Sessel saß und vergnügt eine Warmhaltehaube im Design des letzten Radiohead-Albums häkelte – ein Geburtstagsgeschenk für Julian, das auf einen Schlag zwei seiner Lieblingsdinge vereinte. George tippte derweil auf ihrem Laptop.
Eine Fliege summte friedlich durchs Zimmer.
»Sollen wir heute Abend Indisch bestellen?«, fragte Dick etwas plötzlich. »Wir haben noch Reste«, antwortete Anne, ohne aufzusehen.
»Findet ihr nicht, wir sollten etwas unternehmen, um zu feiern?«, hakte Dick noch einmal nach.
»Gut«, sagte Anne ruhig, »dann schmeiß ich die Reste eben weg.« Darauf entstand erst mal eine peinliche Stille, doch dann warf Dick ihr einen dicken Luftkuss zu und sagte beschwichtigend: »Du machst dir echt viel zu viele Gedanken. Das Essen hält sicher auch noch einen Tag.«
George schloss den Laptop, sah auf ihre Nägel, dann aus dem Fenster. Nun rülpste sie ungerührt.
»Mmmh, also ich langweile mich«, verkündete sie schließlich.
In diesem Augenblick klingelte es an der Tür.
Sie bemühten sich verzweifelt, keinen Krach zu machen. Jeder Schritt war wohlüberlegt und wie in Zeitlupe gesetzt. Sie bewegten sich so vorsichtig und bedacht wie zwei Astronauten auf dem Mond.
Alle sprangen fast gleichzeitig auf, um zu öffnen. Selbst Julian kam aus seinem Zimmer. Insgeheim hofften sie natürlich auf Neuigkeiten über den einen oder anderen unerledigten Aspekt ihres Abenteuers, der ihre Aufmerksamkeit erfordern würde. Vielleicht waren Cousin Ruperts Komplizen noch immer auf der Flucht? Vielleicht hatte er ihre Einmischung vorausgesehen und aus Rache eine Bombe in ihrer Wohnung versteckt? Himmel, das wäre aufregend.
Sie erreichten alle gemeinsam die Haustür, und Anne öffnete.
Auf der Schwelle stand eine nett aussehende Frau mittleren Alters im Hosenanzug. In ihrer rechten Hand hielt sie ein Tragenest für Babys.
»Ich komme vom Sozialamt«, stellte sie sich mit einem freundlichen Lächeln vor. »Ich heiße Wendy.«
»Moment«, sagte Anne, »ich schau mal, was ich noch im Geldbeutel hab …«
»Ach, Anne«, murmelte George ärgerlich.
»Das Sozialamt ist Teil des Staates«, dozierte die Frau. »Wir klappern nicht die Türen ab, um Spenden einzutreiben. Wir finanzieren uns durch Ihre Steuern.«
»Das würd’ ich aber auch sagen«, warf Julian gewichtig ein.
»Wollen Sie nicht vielleicht hereinkommen?«, fragte Anne rasch, um das Thema möglichst schnell zu wechseln.
