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Liebesgeschichten aus Europa und den USA, Begegnungen, die Spuren hinterliessen, die der Autor selbst erlebte und sie uns als Autofiktion anekdotisch wiedergibt: mal dramatisch, mal schicksalhaft, mal sentimental, nicht ohne Selbstironie.
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2024
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"Nie werde ich vergessen, auf welche Art undWeise du mir in die Augen geschaut hast."
Der wundersame Kunstfehler
Am Wendepunkt
Die Brücke
Sonatina prolungata in D minor
Fussnoten
My World Best Friend
A romance scam
"...for a man there is no antidote to death but a woman."
J. Updike
Es fing so schön an. Endlich zusammen im Bett, noch angekleidet, aber schon umschlungen, kuschelnd; sich kitzeln und wälzen, sie verknuddeln, fast kindisch unschuldig aneinander Freude haben. Ein Vorspiel? Ich traute es mir noch immer nicht zu, sie mit einer richtigen Liebesumarmung zu umschlingen - ich befürchtete, sie würde sich entwinden und gehen. Und so hat es sich schliesslich auch zugetragen.
Wir treffen uns wieder, und die Begegnung hinterlässt in mir einen so starken Eindruck, dass ich zu einer wahren Liebeserklärung hingerissen werde; ich sieze Melanie und schreibe, ich vergöttere sie, in Wirklichkeit sei sie schöner als in meiner Erinnerung: Chère Melanie, Vous êtes plus belle en réalité que dans mon souvenir. Je Vous adore.
Elle, mais pas ta Belle
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle a les yeux verts, brillants de l’intérieur
elle a des cheveux noirs et longs
elle a un teint méditerranéen
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle te regarde avec douceur en songeant
elle imagine te dire des choses
elle peut te régaler avec un sourire
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle t'écoute comme un ami copain
elle touche tes mains comme à un saint
elle est un ange - ça, tu le sens
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle est une femme juste comme il te plait
elle marche comme soulevée un peu
elle s'approche sans toucher la terre
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle t'a accompagné vers l'infinité
elle a pris ta main quand tu es parti
elle était auprès de toi quand tu es revenu
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle donc reste avec toi, même si
elle n’est pas tienne et jamais ne le sera
elle est trop jeune et tu es trop âgé
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle est un rêve, au fond de toi elle reste comme ça
elle reste toujours dans ta mémoire
elle ne peut jamais disparaitre de ton coeur
Elle est belle, mais n'est pas ta Belle
elle néanmoins appartient à toi par le destin
elle a déjà tout dit, tu continueras de parler, mais
elle part – un ange appelé par un autre
... Le coeur a des raisons que la raison ne connaît pas...
Melanie hat einen Freund, aber seit Monaten, seit dem Eingriff an meinem Herzen, als ihr dieser « Kunstfehler » unterlaufen ist, sehen wir uns immer wieder und zwar, seitdem Melanie zu einem Apero gekommen ist, unsere erste Begegnung von Angesicht zu Angesicht nach der Spitalbehandlung auf der IPS als sie mich verzaubert hatte. Melanie kommt wirklich ins Gartenrestaurant, es ist wahr: ihre Haarpracht ist frei, sie trägt einen knöchellangen, weiten Rock und einen enganliegenden Body mit tiefem Dekolleté. Sie erkennt mich sofort, und um ihre Mundwinkel zeichnet sich ein Schmunzeln ab. Ich wiederum erröte, ich retardiere umgehend in einen zitternden Jungen, ich stottere wie einer, der noch in der Pubertät steckt, und ich rufe eilig nach der Bedienung – ja nicht, dass der Engel gleich wieder davonfliegt. Melanie lächelt verschmitzt, zwinkert mir zu und sagt besänftigend, ich müsse nicht 'pressiere', sie hätte Zeit, wir könnten ruhig zusammen zu Mittag essen, schliesslich sei heute ihr Geburtstag, sie sei ja im Sternzeichen Leo... Ich bin paff, stumm vor Freude, aber ich bin sicher, dass meine Augen meinen Glückszustand auch wortlos verraten.
Unsere „Konversation” findet von nun an quasi ununterbrochen statt, Tag und Nacht, getrieben von Sehnsucht nach Nähe, von beiden gleichermassen verspürt. Es beginnt damit, dass Melanie sich für das Privileg bedankt, mit mir zusammen ihren Geburtstag gefeiert zu haben und dass sie sich bereits auf ein „nächstes Mal” freut.
Madonna’s, angel’ s face
but no lifeless body
no Jesus on her lap
Her face I hold with
both my hands
yet not touching it
I knee down, put
my head on her lap
the eyes closed
Angel’s hand comes
to rest on my head,
it quiets all fears
My angel is mine,
I stay on my knees –
relieved and in peace
My angel is mine,
an angel bringing death
I am free to leave
Das Gedicht „Pietá“ hat Melanie „wahrhaftig geträumt“, die Rolle eines Todesengels wurde für sie zu einem wahren Albtraum, der sie aus dem Schlaf verschreckt hatte. Und das war ihrem Freud nicht entgangen:
„Bitte, lassen Sie meine Freundin in Ruhe und hören auf mit den ständigen sms an sie. Und wenn Sie ihr schreiben, sie sei ihr Todesengel, dann grenzt das für mich an Psychoterror und das akzeptiere ich nicht! Sie hat von ihrem Beruf her genug mit dem Tod zu tun, belästigen Sie sie nicht auch noch damit. Noch einmal, ich bitte Sie den Kontakt abzubrechen! Freundliche Grüsse“
Melanie, Dein Freund schreibt mir, ich setze Dich einem Psychoterror aus mit meinen sms, ich soll aufhören, Du hast genug mit Tod zu tun, musst nicht noch von mir als Todesengel angesprochen werden... Ruf doch mal an, das mit den SMS ist Sch... Und es braucht ein klärendes Wort Deinerseits an Deinen Freund. Noch einmal: VERBRENNE BEIDES! BRIEF UND GEDICHT, bitte!!
Wir machen uns bereit, in die Oper zu gehen. Melanie kommt von der Arbeit zu mir, sie will sich auffrischen, sich schön machen; kurz vor fünf ist sie da und wir klären die Situation... Sie hat ja um halb elf kommen sollen, dann um zwei, dann um fünf... "Ich lüge nicht, aber ich kann gut schwindeln."
Kurz vor sechs Uhr liegen wir im Bett, auf Melanies Aufforderung hin. Ich frage sie nach ihren Fantasien und bekomme sie (fast alle) geschildert. Ihr "Liebesleben" ist - vereinfacht gesagt - im Bereich des Sado-Masochismus. Es fallen Stichwörter wie "Bondage", "versklavt", "missbraucht"…… Einfach BDSM. Ein Engel?! Melanie, der ich den Kosename Aengu gegeben habe. Wie passt das zusammen? Sie kann es nicht glauben, dass ich so simple "Ansichten" habe. Es verdreht mir den Kopf, ich will nichts mehr wissen - was bin ich noch bereit "anzunehmen“ aus Liebe zu ihr?! Es kommt mir eine Aussage von Susan Sontag in den Sinn, diejenige, in welcher sie davor warnt, "bis zum Ende der Sexualität vorzudringen". Sontag glaubt nicht, "dass die Leute verstehen, woher das Problem der Unterdrückung rührt". Sie würde "die Sache" umdrehen und behaupten, dass deswegen die Sexualität unterdrückt wird, "weil die Menschen verstehen, dass sie ausser Kontrolle geraten und absolut destruktiv sein kann."
Ich erinnere mich plötzlich wieder wie Melanie sagte: "Giger ist genial".
Auf der Toilette sieht mein «Aengu» die Seemannsknoten, und sie sagt, sie kennt alle Knoten vom Fesseln her... Alles hat in Brasilien begonnen, in Manaus.
Fragen die ich mir stelle: Kann ich das? Nein. Was könnte ich? Höchstens, wenn sie gefesselt vor mir liegen würde, sie kitzeln, berühren, vernaschen... Und Fesseln wären ja nur im Weg. Ich würde eigentlich einen Akt der reinen Adoration vorziehen - im Sinne von Franz Kafka der drei Jahre vor seinem Tod den folgenden Tagebucheintrag verfasste: “Zwischen den jungen Frauen oben im Park. Kein Neid. Genug Phantasie, um ihr Glück zu teilen, genug Urteilsfähigkeit, um zu wissen, dass ich zu schwach bin für dieses Glück, genug Narrheit, um zu glauben, dass ich meine und ihre Verhältnisse durchschaue.“
Durchschaue…? Ich muss Aengu fragen: Hat sie auch Lustgewinn, wenn sie andere Menschen quält?
Ich begleite Melanie ins Parkhaus, ganz unten hatte sie ihren Wagen abgestellt; wir verabreden uns für Montag um zehn bei mir (sie hätte so Zeit bis 14 30).
Aengu,
Du forderst mich heraus, gewaltig! Ich danke Dir für Deinen Mut, Dich zu offenbaren, ich danke Dir. Aber ich bringe das nicht zusammen und Deine Neigung ist mir fremd.
Ich stelle mir laufend tausend Fragen, wie geht es zusammen? Wie kann ein Engel sich so abhängig machen, über Jahre hinaus, ein Leben lang? Du hast bei mir nicht glauben können, dass ich nur drei Liebesstellungen kenne. Ja, aber es ist so. Nun, meine Liebe zu Dir geht soweit, dass ich mich frage, ob ich Dir überhaupt weh tun könnte. Ich könnte Dich von der kleinsten Zehe bis zu den Ohren hinauf abküssen, ab und zu beissen, ja. Mehr nicht.
Was ich vergessen habe Dich zu fragen ist, ob Du selbst auch gerne jemand anderem Schmerzen zufügen magst.
Nun, eigentlich, nachdem wir uns fast vollständig kennengelernt haben - es fehlt die Situation, dass wir zusammen so sein würden wie uns der liebe Gott erschaffen hat -, bin ich verloren, ratlos. Einerseits möchte ich unsere Stunden nicht vermissen, anderseits will ich Dich nicht weiter belangen mit meiner Unfähigkeit (auch mit derjenigen der mangelhaften Manneskraft, wobei da gäbe es schon Wege).
Aengu, ja, Du bleibst für mich ein Engel: das Erlebnis vom Behandlungstag werde ich nie vergessen. Ich bin Dir dankbar für alle Gefühle, die Du dadurch in mir ausgelöst hast. Aber ich weiss nicht weiter, wirklich nicht.
Wir haben am Montag abgemacht, ich wäre froh Du könntest trotz (oder vielleicht wegen) dieser Zeilen zu mir kommen, sei es, dass wir uns da zum letzten Mal sehen sollten, sei es, dass unsere Bindung aneinander stärker ist als alle diese Umstände.
Je t’embrasse très fortement.
PS Jetzt fehlen noch 2 Stunden zu dem Zeitpunkt, als wir gestern auseinander gingen - fast 24 Stunden. Sie sind leer, traurig und schwer zu ertragen, weil sogar das Klingeln des sms nicht mehr ertönt. Ich bin erschöpft, ausgelaugt. Alors: un autre bisou!
PPS Melanie, keine Angst, das alles bleibt unter uns!
Die Frage des Tages: Wo hört eine platonische Liebe auf? Mittagessen, zusammen im Bett, angekleidet, spielend, unverkrampft. Ich fahre wieder mit zum Spital, zum Abschied nehme ich dreimal den Hut vor ihr ab. Abgemacht haben wir für Donnerstagabend (Was machen wir?)
Salut toi! Comment vas-tu? Je pense à toi! Merci pour tout! Bonne nuit + bisous moi
Comment ça va? Avec l'amour, ça va toujours.
Ich habe ja gesagt, dass ich genug unterwegs gewesen war, und jetzt ruft mich ein alter Freund an und bietet mir einen Segeltörn an: Von Lefkos, Ithaka nach Herakleion, Kreta (18.9. bis 2.10.) - jetzt geht es darum, dass ich mich als Seemann bewähre (und das Herz hält). Meine Reise durch das Ionische Meer beginnt in Preveza, gleich die zweite Übernachtung findet vor Anker in der Bucht Vahití der Insel Ithaka statt, ja, der Heimat des Odysseus. Einige Tage vergehen, es kommen keine Nachrichten von Melanie, keine SMS. Erst als wir in Zakyntos anlegen kommt eine ganz knappe Mitteilung: Je suis à Paris G. A.A.A.
Aengu, yes, forever "aengu"... Ig ha di gern...
Ein Schrei der Verzweiflung: „ich habe dich gern!“
Aengus Antwort?
