Für dich entbrannt - Sylvia Day - E-Book

Für dich entbrannt E-Book

Sylvia Day

4,9
8,99 €

Beschreibung

Drei Novellen von einer der erfolgreichsten Romance-Autorinnen der Welt - jetzt mit neuem Cover! Sylvia Day entführt auf eine Achterbahnfahrt voller Spannung, Leidenschaft und Liebe. Dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit, alte Feinde, die wieder zur Gefahr werden, und Versprechen, die nicht gebrochen werden dürfen: Obwohl sich alles gegen sie verschworen hat, kämpfen diese US Marshalls mit jeder Faser ihres Seins um die Liebe ihres Lebens.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 431




Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

So heiß wie deine Liebe

Widmung

1

2

3

4

5

6

7

Danksagung

Heißes Begehren

Widmung

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Danksagung

Gefährlich heiß

Widmung

1

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3

4

5

6

7

8

9

10

11

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13

14

Epilog

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Sylvia Day bei LYX

Impressum

SYLVIA DAY

Für dich

entbrannt

Ins Deutsche übertragen von

Kerstin Fricke

Zu diesem Buch

So heiß wie deine Liebe

US-Marshal Jack Killigrew hat sein Herz schon vor langer Zeit an Rachel Tse verloren. Doch seine Sehnsüchte können niemals Wirklichkeit werden, denn Rachel ist die Witwe seines besten Freundes und für Jack somit absolut tabu. Doch er ahnt nicht, dass Rachel den Entschluss gefasst hat, ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen … und dass sie sich ebenso sehr nach ihm sehnt wie er nach ihr.

Heißes Begehren

Layla Creed und US-Marshal Brian Simmons verbindet eine leidenschaftliche Vergangenheit. Doch als sie sich nach langer Zeit erneut gegenüberstehen, ist nichts mehr, wie es einmal war. Layla soll als Kronzeugin in einem brisanten Fall aussagen – und danach mit einer neuen Identität untertauchen. Brian beschließt kurzerhand, selbst für Laylas Sicherheit zu sorgen, und dabei kommen die beiden sich so nah wie nie zuvor …

Gefährlich heiß

Als US-Marshal Jared Cameron wegen einer Reihe von Bränden in der Kleinstadt Lion’s Bay ermittelt, hat er noch keine Ahnung, worauf er sich da einlässt. Denn die attraktive Brandinspekteurin Darcy Michaels bringt ein Feuer in ihm zum Lodern, das sich nicht so einfach löschen lässt. Aber Darcy hat eine düstere Vergangenheit, die ihnen beiden zum Verhängnis werden könnte.

So heiß wie deine Liebe

Dies ist den Männern und Frauen des US-Marshals-Service zugedacht. Danke!

Und den Kindern auf der One Way Farm:

»Möge dir der Weg leicht werden. Mögest du immer Rückenwind haben. Möge Gott stets bei dir sein und dich segnen. Mögest du von diesem Tage an immer glücklich sein.«

(Irischer Segensspruch)

1

Wenn Jack Killigrews Telefon klingelte, bedeutete das normalerweise, dass jemand in Lebensgefahr schwebte. Da er sich in seinem Büro des US-Marshals-Service in Albuquerque Urlaub genommen hatte, wurde er momentan nur in seiner Eigenschaft als stellvertretender Leiter der Gruppe für Spezialoperationen angerufen, abgekürzt SOG. Er galt als letzte Hoffnung und war rund um die Uhr erreichbar. Seine aus zwölf Mann bestehende Einsatztruppe wurde immer erst eingeschaltet, wenn die Lage schon mehr als brenzlig war.

Jack hatte normalerweise die unterschiedlichsten Gefühle, wenn man ihn rief – Erleichterung gehörte allerdings nicht dazu. In diesem Moment hätte er jedoch alles dafür gegeben, eine Ausrede parat zu haben und in die Gegenrichtung umkehren zu können.

Seine Kollegen hätten sich schiefgelacht, wenn sie gewusst hätten, dass er mit jedem gefahrenen Kilometer nervöser wurde. Als Deputy Marshal des SOG, auch Shadow Stalker genannt, hatte er es im Allgemeinen mit den härtesten Verbrechern und Selbstmordattentätern zu tun. Er jagte und fasste die meistgesuchten Flüchtlinge des Landes und erledigte seinen Job mit mechanischer Präzision und ohne in Schweiß auszubrechen. Als Mann, der vor nichts zurückschreckte, wurde er »Iron Jack« genannt. Er sah dem Tod ins Auge, als hätte er nichts zu verlieren und als wäre ihm sein Leben unwichtig.

Und trotzdem erfüllte ihn die Aussicht, sich mit Rachel Tse zu treffen, mit Panik.

»Killigrew«, meldete er sich am Handy, das er per Bluetooth über das Lenkrad bedienen konnte. Er hatte bereits registriert, dass die zweispurige Straße hier keinen Standstreifen mehr hatte. Da sich zu beiden Seiten Felder erstreckten, würde es nicht gerade einfach sein, seinen langen Chevy Silverado hier zu wenden.

»Jack.«

Großer Gott. Die Stimme, die er da hörte, rollte durch seinen Körper wie ein Kanonenschuss.

»Rachel«, antwortete er schroff und erholte sich langsam vom rauen Klang ihrer Stimme. »Ist alles okay?«

»Ja.« Sie hauchte das Wort beinahe, und ein weiterer Schauer durchlief seinen Körper. »Ich hatte mich gefragt, ob wir uns wohl zum Mittagessen treffen könnten.«

»Zum Mittagessen?« Das war ja wohl das Letzte – die Witwe seines besten Freundes gab sich die größte Mühe, eine Geburtstagsparty für seinen achtjährigen Patensohn zu organisieren – und er bekam eine Erektion.

Er hatte sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, aber die Zeit heilte offenbar doch nicht alles. Nachdem er versucht hatte, ihr Wiedersehen so lange wie möglich hinauszuzögern, musste er sich jetzt damit befassen. Steves letzter Wunsch machte ihm schon seit viel zu langer Zeit zu schaffen. Jack durfte nicht zulassen, dass seine persönlichen Probleme sein Team noch mehr in Gefahr brachten, als sie es ohnehin schon taten.

»Jack? Hörst du mich noch?«

»Ich bin noch da. Ich hatte nur gerade überlegt, ob ich es wohl zum Mittagessen schaffe, aber ich bezweifle es.«

Sie schwieg, als hätte sie ihn durchschaut und wüsste, dass er log.

Er hasste es zu lügen, aber er konnte sie heute beim besten Willen nicht treffen. Zuerst musste er wieder einen klaren Kopf bekommen. Er hatte seit Jahren keinen Urlaub mehr gemacht, und da ihn die Arbeit jetzt nicht mehr ablenkte, dachte er viel zu oft an sie. Vor seinem inneren Auge hatte er Bilder, wie er seine Hände in ihr blondes Haar schob … wie sich ihre steifen, süßen Brustwarzen gegen seine Zunge drückten … wie sie ihre langen, schlanken Beine einladend für ihn öffnete …

Es war nicht zu leugnen, dass er besessen von ihr war, und er musste erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen, wenn er sie davon überzeugen wollte, dass sie von ihm nichts zu befürchten hatte. Bis jetzt haderte er noch mit Steves Bitte, sich um sie zu kümmern, falls sie je auf sich allein gestellt sein sollte. Jack war klar, dass sein Freund über seine Gefühle Bescheid gewusst haben musste. Er hatte zwar immer versucht, sie zu verbergen, aber irgendetwas hatte ihn anscheinend verraten.

Und das hatte ihn fertiggemacht. Kein Mann sollte mit dem Wissen leben müssen, dass sein bester Freund in seine Frau verliebt war.

»Wo bist du?«, wollte sie wissen.

»Ich habe noch nicht einmal King City erreicht.« Jack war schon vor einiger Zeit an King City vorbeigefahren und nur noch etwa zwanzig Minuten von Monterey entfernt. Er wollte die Schlüssel für das Cottage in Carmel in dem Büro abholen, bei dem er es gemietet hatte, einen Sixpack Bier besorgen und sich damit einen gemütlichen Abend machen. Wenn er sich dann wieder beruhigt hatte, war er vielleicht dazu in der Lage, sich morgen mit ihr zu treffen.

»Dann machen wir halt ein Abendessen draus. Riley schläft heute bei einem Freund, und ich kann in Ruhe seine Geschenke einpacken. Wir wären also unter uns und könnten uns ungestört unterhalten.«

Nur sie beide. Abend. Da Riley die ganze Nacht wegblieb. Ja, klar. Jack konnte sich das Chaos, das gerade in Rachels Kopf herrschte, lebhaft vorstellen. Sie war verrückt nach Steve gewesen und hatte ihn geliebt. Wenn sie glaubte, Steve habe gewollt, dass sie mit Jack zusammenkam, dann würde sie seinem Wunsch Folge leisten, obwohl er ihr eine Heidenangst einjagte. Zu seinem Job gehörte auch, dass er sich in andere Menschen hineinversetzen konnte, und da sich seine Instinkte ohnehin auf sie eingestellt hatten, entging ihm nichts. Wenn er in einen Raum kam, wurde sie nervös, ihre Nasenflügel flatterten, ihre Augen weiteten sich, und ihr Körper war immer in Bewegung. Ihre Reaktion aktivierte jeden seiner Raubtiersinne, machte ihn unruhig und stachelte seine Begierde nur noch weiter an.

»Wie wäre es, wenn ich euch beide morgen früh zum Frühstück einlade?« Seine Stimme war vor Erregung ganz heiser. »Danach könnte ich dir bei den Partyvorbereitungen helfen.«

»In Ordnung. Aber ruf mich an, wenn du doch früher in der Stadt bist. Und fahr vorsichtig.«

Diese Warnung war von Rachel nicht nur so dahingesagt. Steve war eines Abends auf dem Heimweg von der Arbeit bei einem von einem alkoholisierten Fahrer verursachten Unfall getötet worden, und danach hatte sich ihr Leben für immer verändert.

Jack legte auf. Er rutschte auf dem Sitz herum, weil ihm seine Jeans auf einmal viel zu eng geworden war. Der Weg ins Verhängnis lag vor ihm. Er schlängelte sich gerade durch die Kleinstadt Spreckles.

Er hatte eine lange Woche vor sich.

2

Jack öffnete sein viertes Bier und warf die Metallkappe in den Mülleimer. Danach ging er durch die offen stehende Glastür wieder in den kleinen, umzäunten Garten. Seine nackten Füße versanken im Sand, und er trank einen großen Schluck und bewunderte abwesend den orange und rosa gefärbten Himmel. Als die Sonne am Horizont unterging, wurde es frischer. Es war hier deutlich kühler als in Albuquerque, aber die Gedanken an Rachel hielten ihn warm genug, sodass er sich noch kein Hemd anziehen musste.

Allerdings hatte er zunehmend das Gefühl, dass es eine schlechte Idee gewesen war, Bier zu trinken. Der Alkohol konnte seine Erregung jedenfalls in keiner Weise abschwächen. Vielmehr war er sich überdeutlich der Tatsache bewusst, dass Rachel im Moment ganz alleine zu Hause war und dass er in kürzester Zeit bei ihr sein konnte. Wenn er jetzt losfuhr, wäre er in nicht einmal dreißig Minuten da. Er zweifelte nicht daran, dass es ihm gelingen könnte, sie zu verführen. Aber er war sich ebenso sicher, dass sie es bereits am nächsten Morgen bereuen würde.

Es war nicht ihre Schuld, dass er sich derart nach ihr verzehrte. Sie hatte ihm nie irgendwelche Hoffnungen gemacht oder mit ihm geflirtet. Rachel war scheu und still, wenn sie nicht von Menschen umgeben war, bei denen sie sich wohlfühlte, was vermutlich daran lag, dass sie bei einer Tante aufgewachsen war, die ihr immer wieder aufs Neue vorgeworfen hatte, nichts als eine Last zu sein. Hatte er sich als Kind unsichtbar gemacht, dann hatte man ihn in Ruhe gelassen. Sie hingegen war ständig verbal angegriffen und gequält worden.

Sein Handy klingelte, und er zog es fluchend aus der Tasche. Die Nummer auf dem Display gehörte Brian Simmons, einem Kollegen, der Jack schon mehr als einmal aus der Bredouille gerettet hatte.

»Killigrew«, meldete er sich.

»Und, hast du sie schon gesehen?«

»Nein.«

»Mann, ich wäre an deiner Stelle sofort zu ihr gefahren. Ihr gehört ein Kuchengeschäft. Vielleicht ist sie inzwischen kugelrund, dann wäre dein Problem gelöst.«

»Riley hat mir per E-Mail Fotos geschickt, die etwas anderes sagen.« Außerdem bezweifelte Jack, dass es für ihn einen Unterschied machen würde, wenn sie jetzt dick wäre. Er fand alles an ihr attraktiv, nicht nur ihr Aussehen. Und hatte sie erst einmal ein paar Wochen mit ihm das Bett geteilt, dann wären die Extrapfunde schnell dahingeschmolzen.

»Tja, dann solltest du dir vielleicht mal vor Augen halten, was du da leichtsinnig aufs Spiel setzt. Erstens solltest du ihre Cupcakes bedenken. Wenn sie dir keine mehr schickt, werden dir die Jungs vermutlich eine ordentliche Abreibung verpassen. Zweitens würde ich alles darum geben, jetzt bei Layla sein zu können. Es bringt mich fast um zu wissen, dass sie jetzt irgendwo in WitSec ist, mich hoffentlich noch immer liebt, und dass ich sie nicht haben kann. Du hast dieses Problem nicht, du hast sogar die Erlaubnis, sie dir zu schnappen. Und obwohl ich noch nicht viel davon zu Gesicht bekommen habe, musst auch du irgendeinen Charme besitzen, den du bei ihr spielen lassen kannst. Dann wirst du ja sehen, was passiert.«

Jack wusste, dass er nicht der Mann war, den Rachel brauchte. Er konnte ihr nichts bieten. Steve hatte eine große Familie, die sie mit offenen Armen bei sich aufgenommen hatte, aber Jack hatte nur seinen Job, sie und Riley. Steve war der Beständige und Verlässliche gewesen, ein Chiropraktiker, der jeden Abend zum Essen zu Hause war und erst nach dem Frühstück wieder wegging. Jack wusste nie, wann er aufbrechen oder wann er heimkehren würde. Rachel hatte schon als Kind genug Ablehnung und Einsamkeit erfahren müssen. Sie brauchte als Erwachsene nicht noch mehr davon.

»Sie hat etwas Besseres als mich verdient«, sagte Jack.

»Ja, da hast du recht.«

Obwohl er eigentlich entschlossen war, schlechte Laune zu haben, zogen sich Jacks Mundwinkel nach oben. »Mistkerl.«

»Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.«

»Dito.« Jack steckte das Handy wieder in die Tasche und wollte gerade die Bierflasche an die Lippen setzen, als er das Geräusch einer zuschlagenden Wagentür hörte, das von seiner Auffahrt her zu kommen schien.

Er drehte sich um und sah auf den öffentlich zugänglichen Strand hinaus, der direkt hinter dem Lattenzaun begann. Neben dem Haus tauchte ein knallrotes Kleid auf. Der schlanke Körper, der darin steckte, fesselte seinen Blick und ließ ihn nicht mehr los.

»Wusste ich’s doch, dass du hier bist«, sagte Rachel und winkte. Sie ging auf das Tor zu und hielt eine eckige Kuchenform in der Hand.

Jack wollte eigentlich den Gentleman spielen und ihr das Tor öffnen, aber er konnte sich nicht bewegen. Sie trug jetzt eine Kurzhaarfrisur, und die Locken endeten oberhalb ihres schmalen Halses und betonten ihr zartes Gesicht. Als sie an ihm vorbeiging, sah er, dass ihr Kleid am Rücken sehr tief ausgeschnitten war. Es wurde nur von zwei dünnen Trägern über der Schulter gehalten, und der Ausschnitt reichte fast bis zum Rückenende hinunter und enthüllte auch, dass sie keinen BH trug.

Großer Gott. Sie musste den Verstand verloren haben, dass sie ihn in einem solchen Kleid aufsuchte.

»Was machst du denn hier?«, fragte er freiheraus, während ihm sein Verlangen die Luft abschnürte. Er rieb sich mit der Bierflasche über die Brust, aber das half auch nicht.

»Du wolltest weder Mittag- noch Abendessen, hast aber nichts von einem Nachtisch gesagt.«

Sie kam durch das Tor, und ihre langen Beine waren dank des kurzen Rocks und des sechs Zentimeter langen Schlitzes an der rechten Seite gut zu erkennen. Beim Näherkommen zögerte sie keine Sekunde, und das änderte alles. Bisher war sie ihm zwar nie aus dem Weg gegangen, sie hatte aber stets darauf geachtet, ihm nicht zu nahe zu kommen.

Nun stellte sie sich auf die Zehenspitzen, legte ihm die Hand auf die Brust und küsste ihn auf die Wange. »Du siehst großartig aus, Jack«, murmelte sie. »Es ist wirklich schön, dich wiederzusehen.«

Jack fragte sich, ob ihr überhaupt bewusst war, wie einladend ihre Worte klangen und dass sein Herz unter ihrer Berührung schneller schlug. Er wollte nicht, dass sie sich zu irgendetwas verpflichtet fühlte. Er wollte nicht der Mühlstein an ihrem Hals sein, der sie an ihre Vergangenheit mit Steve erinnerte. Und er wollte ganz bestimmt nicht, dass sie in seinem Bett zur Märtyrerin wurde.

»Aber ich bin mir nicht sicher, ob du dich auch freust, mich zu sehen«, meinte sie und machte einen Schritt nach hinten.

Er nutzte die Gelegenheit, um tief Luft zu holen und dank der salzgeschwängerten Luft wieder einen klaren Kopf zu bekommen. »Ich bin nur überrascht, aber auf sehr angenehme Weise.«

Rachel lächelte. Ihre Fingerspitzen glitten an seinem Arm hinunter bis zum Handgelenk und legten sich dann um seine Bierflasche. Sie nahm sie ihm aus der Hand, legte ihre Lippen um die Öffnung und trank sie leer.

Woraufhin sein Verstand die Arbeit einstellte.

Er drehte sich um, als sie ins Haus ging. Bisher hatte er noch keine Beleuchtung eingeschaltet, und sie tat es ebenfalls nicht, sondern ging im Licht der untergehenden Sonne zur Kücheninsel. Einen Augenblick später zündete sie eine Kerze an. Die Einrichtung des Hauses war im nautischen Stil gehalten, und passend dazu standen überall mit Muscheln besetzte Kerzenleuchter herum.

»Ich hatte ganz vergessen, wie schön es hier ist«, rief sie ihm zu.

Jack überlegte noch, ob es wirklich klug wäre, zu ihr ins Haus zu gehen, da er seine Gier nach ihr schon jetzt kaum zügeln konnte. »Damit habe ich nichts zu tun. Das ist alles nur dazu da, damit es den Leuten, die hier Urlaub machen, gefällt.«

»Ich wünschte, du wärst öfter hier.« Sie zündete eine weitere Kerze an. »Wir würden dich wirklich gern häufiger sehen.«

»Ich werde es mir überlegen.« Da es langsam lächerlich wurde, sich so anzuschreien, ging Jack ins Wohnzimmer. »Jetzt, da Riley älter ist, würde ich gern mehr Zeit mit ihm verbringen.«

»Das würde ihm sicher sehr gefallen.« Sie hatte ihm den Rücken zugewandt und die Türen des Geschirrschrankes geöffnet.

»Die Teller sind links neben dem Kühlschrank«, half er ihr aus. Als sie die Arme nach oben ausstreckte, stellte er fest, dass ihr Rock noch einige quälende Zentimeter mehr von ihren Beinen freigab. Da er sich wie ein Lustmolch vorkam, wandte er den Blick ab, musste dann aber doch wieder hinsehen. »Was hast du mir mitgebracht?«

Sie sah ihn über die Schulter lächelnd an. »›Besser als Sex‹-Kuchen.«

Jack versuchte, einen Hinweis darauf zu finden, dass das ein Witz gewesen war. »Wer hat sich denn den Namen einfallen lassen? Der kommt wohl nicht oft vor die Tür.«

Ihr Lachen traf ihn wie ein Schlag in die Magengrube. Er hatte es schon immer geliebt, und es sagte so viel über sie aus. Sie hatte ihm per E-Mail häufiger Geschichten über seltsame Vorfälle mit ihren Kunden geschickt und ihn so auch zum Lachen gebracht. Nicht nur einmal hatte er seine Kollegen dadurch erschreckt, dass er wegen etwas, das sie ihm geschrieben hatte, laut auflachen musste. Sie brachte Licht in sein Leben, was ihm nur umso deutlicher bewusst machte, welche Dunkelheit er in ihr Leben bringen konnte.

Irgendwie war es typisch für ihn, dass er sich in eine Frau verliebt hatte, die überhaupt nicht zu ihm passte.

Sie zog ihre Sandalen aus und kam mit einem Teller in der Hand auf ihn zu. »Ich habe eine kleine Version davon im Laden. Das ist einer meiner beliebtesten Cupcakes.«

»Alles, was du machst, ist beliebt. Du bist eine hervorragende Köchin.«

»Danke. Aber ich kann nicht grillen, darum musst du dich morgen um die Hotdogs und Hamburger kümmern.«

»Sag mir einfach, was ich machen soll. Das ist einer der Gründe, warum ich hier bin.«

Sie zog eine dunkelblonde Augenbraue hoch und sah ihn keck an. »Aber beschwer dich hinterher nicht, wenn ich dich beim Wort nehme.«

Da war wieder dieser vielsagende Unterton in ihrer Stimme. Er zwang sich, den Blick abzuwenden und den Kuchen anzuschauen, der mit Karamellsirup beträufelt zu sein schien. Am liebsten hätte er ihren ganzen Körper mit Karamellsirup übergossen, um ihn dann langsam abzulecken. Sie endlos zu liebkosen und zu guter Letzt zwischen ihren Schenkeln zu landen.

»Probier mal.« Sie stach mit der Gabel ein Stück Kuchen ab und hielt es ihm an die Lippen.

Er machte den Mund auf. Der Kuchen war zwar ziemlich mächtig, aber sehr lecker. »Sehr gut«, lobte er und freute sich, als sie rot wurde. »Aber er ist nicht besser als Sex.«

Jetzt funkelten ihre blauen Augen amüsiert. »Beweise es.«

3

Die Anspannung, die Jack bei ihrer mutigen Herausforderung überkommen hatte, war fast greifbar. Rachel wartete mit angehaltenem Atem, und ihr Herz setzte beinahe aus, als er sie mit den Augen verschlang. Diese scharfe, konzentrierte Intensität hatte sie früher nie aushalten können.

Allmächtiger … Er war so hinreißend. Unglaublich sexy, wie er da nur mit seiner Jeans, deren oberster Knopf geöffnet war, vor ihr stand. Er war schlanker, als sie ihn in Erinnerung hatte, und seine Gesichtszüge wirkten kantiger. Sie vermutete, dass er nicht gut auf sich aufpasste. Wahrscheinlich arbeitete er zu viel und aß nicht genug. Er schien nicht ein Gramm Fett zu viel an seinem Körper zu haben. Jeder Muskel an seinen Armen, seiner Brust und seinem Bauch war deutlich sichtbar.

Er konnte eine Frau verrückt machen, vor allem, da ihn stets ein Hauch von Gefahr umgab. Wenn man ihn nur ansah, wusste man schon, dass es nur wenig gab, wovor er im Notfall zurückschreckte. Er hatte am ganzen Körper Narben, eine von einer Schusswunde an der Schulter, einige von Stichwunden auf dem Bauch, eine alte Brandwunde am Unterarm und noch viele mehr.

Seitdem Rachel ihn kannte, lebte er ein Leben auf Messers Schneide, zuerst als U.S. Army Ranger und jetzt als Deputy Marshal. Eine Frau, die ihn liebte, musste damit leben, dass sein Job gefährlich war und immer im Vordergrund stehen würde. Er würde ihn mitten in der Nacht aus dem Bett seiner Frau wegholen und in tödliche Gefahr bringen, während der Duft ihres Liebesspiels noch auf ihrer Haut lag.

Rachel hätte nie gedacht, dass sie sich je für einen Mann wie ihn interessieren würde, aber sie hatte ihre Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern, unterschätzt. Nach ihrer ersten Begegnung hatte sie eine wunderbare, acht Jahre andauernde Ehe geführt. Sie hatte eine Bauchhöhlenschwangerschaft und den Tod ihrer Mutter und ihres geliebten Mannes überstanden, ein kleines Geschäft eröffnet und auf harte Weise lernen müssen, wie man sich als alleinerziehende Mutter durchschlägt.

Sie war nicht mehr die Frau, die Steve Tse geheiratet hatte. Jetzt war sie die Frau, die ihn überlebt hatte, und diese beiden unterschieden sich stark voneinander.

Die Frau, die sie heute war, konnte es mit einer Herausforderung wie Jack Killigrew aufnehmen. Und genau das hatte sie auch vor.

Endlich brachte er wieder einen Ton heraus. »Was hast du gerade gesagt?«

Rachel fragte sich, ob ihm überhaupt bewusst war, wie seine tiefe, rauchige Stimme auf Frauen wirkte. »Mein letztes Mal ist verdammt lange her, Jack.«

»Großer Gott.« Er machte einen Schritt nach hinten. Dann fuhr er sich mit den Händen durch sein kurzes dunkles Haar und wandte ihr den Rücken zu. »Du hättest das Bier nicht trinken sollen.«

Allmächtiger. Seine Bewegungen und seine Art zu sprechen waren unfassbar sinnlich. Sie fand es schon erotisch, wie er die Muskeln anspannte.

Jetzt, da sich seine ganze Männlichkeit auf sie konzentrierte, war sie umso entschlossener. »Ich muss mir keinen Mut antrinken, um mit dir zu flirten.«

Er sah sie über die Schulter hinweg an. »So bist du doch gar nicht.«

»Jetzt schon. Wir haben uns zwei Jahre nicht gesehen. In dieser Zeit hat sich einiges geändert.«

Daraufhin drehte er sich wieder zu ihr um. »Ich dachte, die Tses hätten sich nach Steves Tod um dich gekümmert, daher habe ich mich lieber von dir ferngehalten.«

Rachel legte Teller und Gabel beiseite. »Dann weiß ich ja endlich, warum du so auf Distanz geblieben bist. Ich dachte schon, es läge an mir.«

Er spannte den Kiefer an, und sie wusste, dass sie ins Schwarze getroffen hatte. Diese Bestätigung schmerzte mehr, als sie vermutet hatte.

»Ich hätte dich ganz sicher hergebeten«, fuhr sie fort, »wenn ich dich gebraucht hätte. Das wäre kein Problem für mich gewesen. Ich wusste schon früher, schon vor Steves Tod, dass ich mich immer auf dich verlassen kann.«

Er schnaubte. »Du hast dich doch nie wirklich an mich gewöhnt.«

»Du bist auch überlebensgroß, Jack. Ich habe noch nie einen Menschen wie dich kennengelernt.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Anziehungskraft und seine unglaubliche Sinnlichkeit, die einst zu viel für sie gewesen waren, ließen nun ihre Lust aufleben. Erst seitdem sie wieder mit Männern ausging, war ihr aufgefallen, dass sie sie immer mit Jack verglich und dass ihm keiner das Wasser reichen konnte. »Du scheinst dich in meiner Gegenwart ja auch nicht gerade wohlzufühlen«, schoss sie zurück.

»Warum tust du es dann? Warum bittest du mich um so etwas?«

Rachel war verwirrt. Seine Blicke ließen vermuten, dass er sie am liebsten an Ort und Stelle genommen hätte, aber seine Stimme klang, als wäre Sex mit ihr das Letzte, was ihn interessierte. »Hast du in letzter Zeit mal in einen Spiegel gesehen? Hörst du den Klang deiner Stimme, die so unglaublich rau und sexy ist? Ist dir überhaupt klar, was für eine Ausstrahlung du hast? Ich bin jedenfalls weder blind noch taub.«

Jacks Blick war messerscharf. Er zog die Brauen zusammen und starrte sie finster an, aber sie ließ sich nicht einschüchtern. Sie hatte schon öfter bemerkt, dass er grimmig wurde, wenn er kurz davor war, die Fassung zu verlieren. Was wiederum bedeutete, dass sie ihm auf irgendeine Weise unter die Haut ging.

»Du fühlst dich zu mir hingezogen«, stellte sie fest und forderte ihn mit einem kecken Blick auf, ihr doch zu widersprechen. »Wo ist dann das Problem?«

Er ahmte ihre Pose nach, verschränkte ebenfalls die Arme und stellte so seinen imposanten Bizeps zur Schau. »Ich fühle mich geschmeichelt, aber wir schleppen einfach zu viel Ballast mit uns herum, und wir müssen uns um Riley kümmern. Gelegenheitssex ist nichts für uns.«

Warum sollte Gelegenheitssex etwas mit Ballast zu tun haben?

Sie wandte den Blick ab und versuchte, ihn nicht merken zu lassen, dass sie Hoffnung schöpfte. Jack wusste ganz genau, dass die sexuelle Anspannung zwischen ihnen etwas Dauerhaftes war, und das löste Angst in ihm aus. Natürlich war er nicht der erste gut aussehende Mann, der mit Bindungsängsten zu kämpfen hatte. In all den Jahren, die sie ihn kannte, hatte er nicht eine einzige feste Beziehung gehabt. Wenn er für eine Veranstaltung eine Begleiterin brauchte, dann brachte er eine mit, aber Rachel hatte ihn nie zweimal mit derselben Frau gesehen.

Da sie nachdenken musste, brachte sie den Teller in die Küche. Sie aß etwas Kuchen und überlegte, was sie als Nächstes tun sollte. Das war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie versuchte, einen Mann zu verführen, und sie hatte keinen Plan B. Aber Aufgeben war auf keinen Fall eine Option.

»Rachel?«, fragte Jack mit sanfter Stimme.

Sie aß noch einen Bissen. »Hm?«

»Du bist so still.«

»Ich denke nach.«

Er stieß die Luft aus und legte den Kopf in den Nacken, sodass er die weiße Holzdecke vor sich hatte. »Wenn du mal mit einigen Männern ausgehen würdest, lernst du bestimmt einen kennen, den du magst.«

»Ich mag aber dich«, sagte sie mit vollem Mund. Sie hatte seine unerschütterliche Loyalität schon immer bewundert, aber in den zwei Jahren nach Steves Tod hatte sie Jack viel besser kennengelernt, da er Rileys Patenonkel war. Er telefonierte mit ihrem Sohn und schrieb ihm E-Mails, und auf diese Weise hatte sie herausgefunden, dass Jack durchaus dazu fähig war, jemanden zu lieben, dass er Geduld aufbrachte und dass er aufgeschlossen und unvoreingenommen war. Außerdem konnte sie gar nicht in Worte fassen, wie sie allein der Klang seiner Stimme erregte. »Und im Übrigen bin ich schon mit anderen Männern ausgegangen.«

Sein Kopf schnellte herum. »Mit wem? Kenne ich diese Kerle?«

»Interessiert dich das etwa?«

»Natürlich interessiert mich das. Ich möchte, dass es dir und Riley gut geht.«

Rachel sah ihm direkt in die Augen. »Ich würde Riley nie in Gefahr bringen.«

»So habe ich das auch nicht gemeint.«

Sie musterte ihn skeptisch und bemerkte, dass er angespannt wirkte, während sie selbst erstaunlich ruhig war. Bei ihm fühlte sie sich sicher genug, um mutig zu sein. Noch wusste er nicht, wie wichtig das für sie war, aber sie hatte vor, es ihm zu zeigen.

Jack ging auf die offene Verandatür zu. »Das, was Steve und du hattet, das war etwas Besonderes.«

»Es war einmalig«, stimmte sie ihm zu. Sie waren zu dieser Zeit füreinander bestimmt gewesen. Und genau so dachte sie jetzt über Jack. Sie war davon überzeugt, dass sie beide den jeweils anderen brauchten, daran bestand für sie überhaupt kein Zweifel. Wenn er ihr nur eine Chance gäbe, dann erkannte er vielleicht, was in seinem Leben noch fehlte. Falls es darauf hinauslief, dass sie in der Beziehung die Person war, die den anderen mehr liebte, dann würde sie schon irgendwie damit klarkommen.

»Du musst dir einfach Zeit lassen und mit offenen Augen durchs Leben gehen.«

»Du lieber Himmel.« Sie legte die Gabel auf den Tisch. »Gibst du mir hier tatsächlich gerade Tipps für die Suche nach dem richtigen Partner? Nichts für ungut, aber was weißt du denn schon über feste Beziehungen?«

Jack lehnte sich mit dem Rücken gegen den Türrahmen und steckte die Hände in die Hosentaschen, sodass sie seine langen Beine und festen Brustmuskeln bewundern konnte. »Nicht das Geringste. Ich weiß nur, dass jeder Mann es nach Steve schwer haben muss. Du wirst Kompromisse eingehen müssen, um wieder glücklich zu werden, aber du kannst einen Mann finden, der gut zu dir passt.«

»Willst du damit sagen, ich müsste mich mit weniger zufriedengeben?« Sie streckte sich, schob den Teller zurück und unterdrückte den Drang, ihn wegzuräumen. Wenn sie gewinnen wollte, dann musste sie auch schmutzige Tricks einsetzen. »Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie mit dem falschen Mann zufriedengegeben, und ich werde jetzt ganz bestimmt nicht damit anfangen.«

»Was zum Teufel machst du dann hier?«, fragte er kalt.

»Offensichtlich mit fliegenden Fahnen untergehen.« Sie griff gleichzeitig nach beiden Spaghettiträgern ihres Kleides. Wenn er glauben wollte, dass sie mit einem belanglosen One-Night-Stand fertig wurde, dann würde sie ihn in diesem Glauben lassen. Danach konnte sie ihn immer noch weiter bearbeiten. Aber sie musste irgendwo anfangen, und wenn sie sich nur auf den entgegengesetzten Seiten eines Zimmers gegenüberstanden, erreichte sie gar nichts. »Aber wenn es so enden soll, dann will ich hinterher wenigstens sagen können, dass ich alles versucht habe.«

Rachel ließ die dünnen Träger hinunterrutschen und hielt den Atem an. Ihr Kleid glitt über ihre Haut und fiel zu Boden.

4

Jack erstarrte, als Rachel ihr Kleid fallen ließ. Er fluchte. Er bekam weiche Knie, war betäubt und voller Sehnsucht. Und er war dankbar, dass er am Türrahmen lehnte. Sie stand splitternackt vor ihm. Sie trug keinen BH, was er ja geahnt hatte, und auch keinen Slip, der ihren enthaarten Venushügel bedeckt hätte. Er war froh, dass er das erst jetzt wusste, sonst hätte er sie schon längst auf dem kürzesten Weg ins Schlafzimmer befördert.

Während er nach Luft schnappte, als wäre er kilometerweit gerannt, verschlang er jeden Zentimeter ihres blassen Körpers mit seinen gierigen Blicken: die zarten Knochen an den Wangen und Schultern, ihre kleinen, aber prallen Brüste, ihren flachen Bauch und ihre endlosen Beine. Sie drehte sich mit ausgestreckten Armen um sich selbst und zeigte ihm ihren elegant geschwungenen Rücken und ihr kleines, wohlproportioniertes Hinterteil.

»Deine letzte Gelegenheit«, sagte sie, als sie ihn wieder anschaute. »Wenn das nicht dein Interesse weckt, dann gehe ich. Den Kuchen kannst du behalten.«

Himmel, sie war keck und mutig. Jack hatte keine Ahnung, wer die Frau war, die da vor ihm stand. Es war auf jeden Fall nicht die Rachel, an die er sich erinnerte, die Frau, die wegen ihrer gemeinen Tante abends so lange wie möglich von zu Hause wegblieb und aus diesem Grund mit sechzehn überfallen worden war. Steve hatte sich hierzu nie näher geäußert, und Jack hatte nie nachgefragt. Dieses wenige Wissen hatte ihm aber schon gereicht.

Die Wände schienen auf ihn zuzukommen. Er schwitzte, und der Knoten in seinem Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Zu der alten Rachel hätte er Nein sagen können, aber dieser neuen gegenüber war er machtlos.

Diese Verführung war die schlimmste Form der Folter. Er hatte eine Heidenangst, alles zu vermasseln und dadurch Rachel und Riley vor den Kopf zu stoßen, die einzigen Menschen, die er wirklich als seine Familie ansah. Die er zu Feiertagen anrief und denen er Geschenke schickte. An die er dachte, wenn es hart auf hart ging und er einen Grund brauchte, um seinen Kopf noch einmal aus der Schlinge zu ziehen. Wenn er sie verlor, dann hatte er gar nichts mehr. Er würde sich ewig Sorgen machen, dass sie in Schwierigkeiten stecken oder etwas brauchen könnten, seine Hilfe jedoch ablehnen würden.

»Du bringst mich um den Verstand«, stieß er hervor.

»Tja, das ist nur fair.« Sie ließ die Arme sinken. »Ich bin verrückt nach dir.«

Er richtete sich auf. Er würde sie einfach fragen, warum sie hier war, und wenn Steves Name fiel, dann würde er zum Strand gehen und erst wieder stehen bleiben, wenn die Sonne aufging. Wenn sie ihn jedoch nicht erwähnte … Dann konnte er sie nicht wegschicken. Er würde mit ihr ins Bett gehen und versuchen, es gut über die Bühne zu bringen. Dabei würde er so wenig wie möglich sagen, tun, was er tun konnte, und irgendwie einen Weg finden, wie sie am nächsten Morgen so miteinander umgehen konnten, als hätte sich zwischen ihnen nichts geändert. Er konnte nur hoffen, dass ihr Umgang in Zukunft dann weiterhin unbeschwert sein würde. Außerdem wusste er dann endlich, dass sie ihre Vergangenheit mit Steve hinter sich gelassen hatte und unbeschwert in die Zukunft blickte. Damit konnte er leben, solange er nichts darüber erfahren musste.

»Warum ich?«, stieß er hervor.

Sie sah ihm fest in die Augen. »Weil ich mit jemandem zusammen sein möchte, dem ich mich verbunden fühle. Jemandem, der nicht nur große Töne spuckt und mich am Ende hängen lässt. Mit einem Mann, der mit dem Körper einer Frau umzugehen weiß und dem ich nicht erst sagen muss, was ich will.«

Das war es. Diese Worte gaben ihm den Rest.

Jack näherte sich Rachel langsam und wandte den Blick nicht von ihr ab. Ihm war nur zu deutlich bewusst, wie wenig Zeit ihm mit ihr zur Verfügung stand. Der Rest seines Lebens hätte nicht ausgereicht, aber er bekam gerade einmal ein paar Stunden mit ihr.

Als er vor ihr stand, bemerkte er, dass sie zitterte, aber sie sah ihn weiterhin fest an. Er umfing ihre Taille und hob sie hoch, woraufhin sie erschrocken aufkeuchte, aber sie wehrte sich nicht. Stattdessen legte sie die Arme um seinen Hals und vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter. Seine Haut war schweißbedeckt, aber das schien sie nicht zu stören. Sie drückte sich an ihn und leckte über seine Kehle. Erstaunt stellte er fest, dass sein Schwanz noch steifer zu werden schien. Er war so hart, dass es schon wehtat, und pochte in seiner Hose und flehte um Erlösung.

Jack ging durch den Flur in Richtung Schlafzimmer und hielt sie ein wenig auf Abstand, damit er es überhaupt noch bis dahin schaffen konnte.

Aber Rachel schien andere Pläne zu haben. Sie stützte sich mit den Armen ab und schlang die Beine um seine Taille. Als ihre seidenweiche Scham seinen Bauch berührte, geriet Jack ins Wanken. Er steuerte auf die nächstbeste Wand zu und streckte die Hand aus, um Rachel nicht direkt dagegenzudrücken.

»Oh Gott«, hauchte sie in sein Ohr. »Du machst mich so heiß.«

»Rachel!« Er drückte seine Schläfe an ihre und schloss die Augen, während er verzweifelt versuchte, nicht die Kontrolle zu verlieren. Seine Brust hob und senkte sich schnell, wodurch ihm nur umso deutlicher bewusst wurde, dass sie ihre Brüste dagegenpresste.

Sie fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar und zog daran, bis er den Kopf hob. Dann drückte sie ihren weichen Mund auf seinen und hielt ihn so fest. Als er die Lippen öffnete, um nach Luft zu schnappen, nutzte sie dies zu ihrem Vorteil und ließ ihre Zunge in seinen Mund schnellen, um ihren Kuss zu intensivieren.

Jack stöhnte und gab jegliche Zurückhaltung auf. Sie gab alles, spannte die Beine an seinen Hüften an und drückte den Oberkörper gegen seine Brust. Wenn er sie nicht so sehr begehrt hätte, wäre es sexuelle Belästigung gewesen. Oder gar Misshandlung. Aber ihre Leidenschaft erregte ihn so sehr, dass er beinahe in der Hose kam. Dass sie ihm nach allem, was sie in ihrer Jugend erlebt hatte, genug vertraute, um so offen und fordernd zu sein, erweckte seinen Beschützerinstinkt. Er hatte sie zwar schon vorher geliebt, aber das war nichts im Vergleich zu dem, was er jetzt für sie empfand.

Er entzog ihr seinen Mund. »Rachel … Süße … Langsamer. Lass mich kurz Luft holen.«

»Nein«, stieß sie stöhnend aus und küsste sein mit Bartstoppeln bedecktes Gesicht, bis sie ihm ins Ohr raunte: »Beeil dich. Wenn du nicht bald in mir bist, gehe ich noch in Flammen auf. Oder komme ohne dich. Diese Neandertalernummer ist so unglaublich sexy.«

Er hätte gelacht, wenn er es gekonnt hätte. Sie hatte ja keine Ahnung, was sie da von ihm verlangte, aber sie würde es gleich zu spüren bekommen.

Rachel biss Jack ins Ohrläppchen und zog an seinen Haaren. Der dunkle, exotische Geruch seiner warmen Haut machte sie wild und hemmungslos. Und seine angestrengte Stimme, die Beherrschung, die sich darin widerspiegelte, und die Angespanntheit seines Körpers stachelten sie dazu an, ihn bis zum Äußersten zu treiben.

So weit er zu gehen bereit war, und noch ein Stück weiter …

Sie war sich durchaus der offen stehenden Verandatür und des öffentlichen Strandes dahinter bewusst. In der Ferne konnte sie Stimmen und Musik hören. Wären die Lampen im Haus an gewesen, dann hätte man Jack und sie deutlich erkennen können. Doch so verbarg sie die Dunkelheit, während draußen ein blasser Mond aufging. Dennoch war die Gefahr einer möglichen Entdeckung überaus aufregend.

Jack stützte sich mit einem Knie an der Wand ab, um das Gewicht ihrer ineinander verschlungenen Körper abzufangen. Er strich Rachel mit einer Hand über das Hinterteil und drückte und knetete es, sodass sie heilfroh war, als Vorbereitung auf diese Nacht viel trainiert zu haben. Sie hatte sich darauf wie auf einen Marathon vorbereitet, da sie schon vermutet hatte, dass eine Nacht in Jacks Bett ähnlich anstrengend sein würde.

Himmel, sie konnte es kaum noch erwarten, war jedoch auch ein wenig verunsichert. Es war zwölf Jahre her, dass sie mit einem anderen Mann als Steve geschlafen hatte, und Jack war so völlig anders als er. Seine Berührung hatte nichts Beruhigendes oder Vertrautes an sich, und doch war sie genau das, wonach Rachel es jetzt verlangte. Das, was sie wollte. Sie hatte das Gefühl, dass seine Hände genau da hingehörten, wo sie sich befanden. Und zwar nicht, weil er so selbstsicher auftrat, sondern weil es einfach das Richtige war.

Als die eine Hand tiefer glitt, erstarrte sie und spannte jeden Muskel an, weil sie wusste, dass er sie gleich dort berühren würde, wo sie sich am meisten nach seiner Berührung sehnte. Alles geschah so schnell, aber auch wieder nicht schnell genug.

»Schsch«, beruhigte er sie und küsste sie hinter das Ohr. Er spreizte die Finger und griff ihr von hinten zwischen die gespreizten Beine.

Rachel spürte, wie sich etwas in ihm veränderte. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm, wenn die Temperatur anstieg, der Wind sich legte und die Luft zum Schneiden dick wurde. Sie erschauerte, da sie derart erregt war, dass sie befürchtete, bei der kleinsten Berührung zu kommen. Ihre Haut fühlte sich an, als wäre sie ihr zu eng geworden, und brannte, und ihre Brust schien sich zusammenzuschnüren.

Er lehnte den Kopf nach hinten und sah sie unter schweren Augenlidern unverwandt an. Dann schob er zwei Finger in sie hinein.

Ein begieriges Stöhnen drang über ihre Lippen. Ihre innersten Muskeln zogen sich zusammen und saugten seine beiden kräftigen Finger bis zu den Knöcheln ein. Die Anspannung war kaum noch zu ertragen, und sie erschlaffte, als die Lust durch ihren Körper strömte.

»Du bist so eng.« Seine Stimme war rau wie Sandpapier. Er zog die Finger wieder heraus, nur um sie im nächsten Moment tief in sie hineinzustoßen. Ihre zitternden Oberschenkel verloren den Halt auf seinen Hüften.

Sofort ließ Jack von ihrer bebenden Spalte ab und umfing ihre Beine, um sich dann vorzubeugen, damit sie sich vor ihn stellen konnte. Sie drückte den Rücken mit geschlossenen Augen an die Wand, stemmte die Handflächen gegen die Holzvertäfelung und atmete schwer.

Er umfing ihr Gesicht mit beiden Händen und küsste sie, eroberte ihren Mund mit einer Wildheit, die er zuvor noch gezügelt hatte. Jeder Widerstand in ihm schien sich in nichts aufgelöst zu haben, und an seine Stelle trat eine hochkonzentrierte Entschlossenheit, bei der ihr Herz noch schneller schlug.

Sie hatte sich geirrt. Auf das hier hätte sie sich unmöglich vorbereiten können. Als sein Mund über ihre Wange und zu ihrer Kehle wanderte, an ihrer zarten Haut saugte und knabberte, hatte sie das Gefühl, sich aufzulösen. All die Stabilität und Kraft, die sie aufgebracht hatte, schmolzen unter der sengenden Hitze von Jacks zielstrebigem Verlangen dahin. Er zögerte nicht, legte keine Zaghaftigkeit an den Tag und eroberte ihren Körper mit hemmungsloser Begierde.

Seine Hände wanderten auf ihre Schultern und über ihre Arme. Während sein heißer Mund eine pralle, bebende Brustwarze umfing, zog er sie an sich, wobei er sie nach hinten drückte, sodass sich ihm ihre Brüste wie ein Geschenk darboten.

Sie riss die Augen auf und starrte zur Decke hinauf. Das Gefühl, Jacks Zunge auf ihrer Brust zu spüren, war so wunderbar, dass sie schon glaubte, ihrem Höhepunkt ganz nah zu sein. Ihr Bauch bebte, und ihre Hüften zuckten. Ihre Klitoris pulsierte vor Verlangen.

»Saug daran«, flehte sie ihn an, da sie den Orgasmus brauchte, um ihre Lust etwas unter Kontrolle zu bekommen.

Er tat, wonach sie verlangt hatte, aber nicht so, wie sie es haben wollte. Nicht schnell und nicht zärtlich. Jedes heiße Saugen schien sich in ihrem Körper nach unten auszubreiten und die Gier, die sie umfangen hielt, nur noch weiter anzustacheln. Das Kribbeln ihrer Brüste setzte sich in ihrem Unterleib fort, der sich schnell und rhythmisch zusammenzog. Das steigerte ihren Drang zu kommen nur noch weiter und machte sie fast verrückt.

»Schneller.«

Sein Mund wanderte auf die andere Seite, wo er mit den Zähnen über die Brustspitze schabte und dann die Zunge darüberschnellen ließ.

»Jack. Bitte.« Ihr Kopf fiel zur Seite, und sie drückte ihre erhitzte Wange an die kühle Wand. »Mehr.«

»Wunderschön«, murmelte er. »Süß und weich. Zu süß, um sie zu schnell zu kosten.«

»Ich weiß, dass du auf größere Brüste stehst«, keuchte sie.

Daraufhin saugte er so fest, dass die Lust schon fast an Schmerz grenzte. Rachel wimmerte und bohrte sich die Fingernägel in die Handflächen. Er saugte ein weiteres Mal fest an ihr und linderte das Pochen dann, indem er sanft darüberleckte.

»Ich stehe nur auf dich.« Er bewegte die Hände im Gegensatz zu seinem immer wilder werdenden Mund sanft und zärtlich unter ihren Brüsten. Auf diese Weise offenbarten sich ihr zwei Seiten desselben Mannes: die eine vorsichtig und ehrfürchtig, die andere rau und wild. »Auf jeden Zentimeter deines Körpers.«

Er drückte sie gegen die Wand und ließ die Hände auf ihre Hüften gleiten, während er in die Knie ging und sie zwischen ihre Brüste küsste. »Insbesondere auf diese hier.«

Sein Mund bewegte sich weiter nach unten, er leckte über ihren Bauch, um die Zunge in ihren Bauchnabel zu stoßen. »Und diesen hier.«

Dann nahm er ihre Pobacken in die Hände und zog ihre Hüften nach vorne, woraufhin ein Stromstoß durch ihren Körper zu jagen schien. Er drückte den Mund gegen ihren Venushügel. »Und vor allem auf den hier.«

»Jack …« Sie wusste nicht, wie sie es überstehen sollte, wenn er sie dort mit dem Mund berührte, aber wenn er es nicht tat, würde sie ebenso vergehen.

»Spreiz deine Schamlippen«, ordnete er mit heiserer Stimme an. »Lass mich dich sehen.«

Sie sah ihm in die Augen. Sein Tonfall war zwar gebieterisch, aber sein Blick war umso zärtlicher und verhinderte, dass sie schüchtern wurde oder auch nur darüber nachdachte, was er verlangte. Sie holte tief Luft und entblößte ihre Vulva vor ihm … und damit viel mehr von sich, als er hätte ahnen können.

5

»So schön.«

Die Bewunderung in Jacks Stimme ließ eine wohlige Wärme in Rachel aufsteigen. Als sie seinen warmen, zärtlichen Atem spürte, wimmerte sie leise.

»Und so empfindlich«, murmelte er. »Deine Klit steht schon vor, dieses freche kleine Ding.«

»Hör auf, mich zu quälen«, erwiderte sie.

»Keine Sorge, ich lasse gleich Taten folgen.« Er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und beugte sich vor. »Ich werde dich dazu bringen, so laut zu kommen, dass die Nachbarn dich hören.«

Eine endlose Sekunde lang hockte er da und ließ sie warten. Als sie schon kurz davor war, laut loszuschreien, strich er mit der Zunge über ihre Spalte. Rachel unterdrückte einen Schrei und konnte nur noch mit Mühe aufrecht stehen bleiben. Ihre Hände zitterten, als sie weiterhin die Schamlippen spreizte, und ihre Knie drohten nachzugeben.

»Öffne dich mir weiterhin so schön«, verlangte er und tauchte zwischen ihre Schenkel.

Mit der Zungenspitze umkreiste Jack ihre geschwollene Klitoris und züngelte leicht darüber. Rachel kam. Sofort. Mit leisem Stöhnen, und der Orgasmus flutete mit einer Gewalt durch ihren Körper, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte. Sie erschauerte heftig und krümmte die Zehen auf dem festen Holzboden.

Doch er ließ nicht von ihr ab. Stattdessen legte er die Hände nur noch fester um ihr Gesäß und bewegte die Zunge wie ein Besessener, während sein hungriges Stöhnen sie direkt und ohne Umschweife zum nächsten Höhepunkt brachte. Angestachelt von seiner Wildheit packte sie seine schweißnassen Haare und ritt seinen wilden Mund. Sie nahm sich, was sie brauchte, und wand sich auf seiner geschickten Zunge. In ihrem Verlangen verlor sie jegliche Scham, und es war ihr egal, wer sie hören oder sehen konnte. Wichtig waren nur Jack und das, was er mit ihr machte.

Als die Erregung verflog, schien auch ihre Kraft zu schwinden. Sie sackte gegen die Wand, rang nach Luft und zitterte am ganzen Körper.

Jack stand auf, hob sie hoch und trug sie zur Couch. Wenn sie endlich wieder einen Ton herausbringen konnte, dann musste sie ihm sagen, wie seine Neandertalerart sie anmachte. Oder vielleicht zeigte sie es ihm gleich …

Er setzte sie auf der Armlehne ab und stellte sich zwischen ihre Knie. Während er sie mit einer Hand am Kopf stützte, ließ er sie langsam nach hinten sinken, bis ihr Oberkörper über den Kissen schwebte.

Rachel war völlig ermattet und konnte nur willenlos das hinnehmen, was er ihr gab, wie seine Zunge neckend über ihre Schamlippen strich … wie er an ihrem Kinn knabberte … wie seine Finger sie vorsichtig spreizten und sich in ihre überempfindliche Spalte schoben …

»Jack.« Rachel packte die Gürtelschlaufen seiner Jeans und zuckte hilflos in seinen Armen.

Er krümmte die Finger in ihr, streichelte, suchte. Sie wand sich und hatte die Bauchmuskeln so stark angespannt, dass sie sich verkrampften. Es war schon qualvoll für sie, auf das zu warten, was gleich kommen würde, und auch die Gewissheit, dass sie jeder sehen konnte, kam ihr wieder zu Bewusstsein. Die Couch stand direkt vor der Glastür, und man hatte von dort einen guten Blick auf das Meer. Das Mondlicht fiel bis an die Kante der Sitzfläche und war nur wenige Zentimeter von der Stelle entfernt, an der Jack sie mit den Fingern eroberte.

»Da ist er ja.« Er lächelte, als er ihren G-Punkt gefunden hatte. »Ich bin gespannt, was zuerst passiert: Kommst du noch einmal, oder ziehst du mir die Hose aus?«

Rachel wollte diesen Wettstreit gewinnen. Sie musste wissen, wie er aussah, wie er sich anfühlte. Aber sie war emotional und körperlich völlig aufgewühlt, und er hatte den entscheidenden Vorteil, dass er sie schon nackt und bereit vor sich hatte. Sie nestelte an seiner Hose herum, während er sie mit seinen rauen Fingerspitzen streichelte und liebkoste. Diese Fingerspitzen, die sein ganzes Gewicht beim Klettern halten konnten, waren dennoch unglaublich sanft, wenn sie Rachel berührten.

Sie hatte seinen Schwanz gerade erst aus der Jeans befreit, als sie ein weiteres Mal kam. Stöhnend versuchte sie instinktiv, sich von der übermächtigen Woge der Empfindungen nicht mitreißen zu lassen, aber er hielt sie fest und zwang sie, sie zu ertragen. Während sie am ganzen Körper bebte, beugte er sich über sie und flüsterte ihr sanfte Worte ins Ohr, die sie kaum verstehen konnte, da ihr das Blut in den Adern rauschte. Lass dich gehen … Ich halte dich fest … Bei mir bist du sicher … Seine Hand zuckte und rieb zwischen ihren Beinen, und ihre Gnadenlosigkeit bildete einen starken Kontrast zu seinem zärtlichen Gemurmel. Es kam ihr fast so vor wie eine wilde Form der Eroberung, als würde er ihr sein Zeichen aufdrücken und fordern, dass sie sich ihm völlig unterwarf.

Dieser Mann wird sich nie mit weniger als einhundert Prozent der Seele einer Frau zufriedengeben, hatte ihre sehr viel weisere Schwiegermutter einmal gesagt. Rachel hatte sich immer gefragt, wie eine Frau so stark sein konnte, derart viel von sich preiszugeben, wie sie es gerade getan hatte. Jetzt wusste sie es. Sie erschlaffte in seinen Armen, schwankte nicht in ihrem neu gewonnenen Mut und überließ sich ganz Jacks leidenschaftlicher Seite, wie sie es sich erträumt hatte.

»Rachel«, murmelte er und sprach dieses Wort unglaublich zärtlich aus, während er langsam die Finger aus ihr herauszog.

Sie stieß hörbar die Luft aus. »Ich will dich in mir spüren.«

»Ich habe keine Kondome da.«

»Das ist schon okay. Ich nehme seit zwei Monaten wieder die Pille. Seit dem Tag, an dem du gesagt hast, dass du herkommen würdest.«

Er schnaufte.

Rachel legte ihm eine Hand an die Wange. »Du hattest nie eine Chance.«

Daraufhin küsste er sie so wild und leidenschaftlich, und in diesem Kuss lag weitaus mehr als nur Lust und Begierde. Sie klammerte sich an ihn und saugte diesen Schwall an Emotionen auf, den man bei einem derart reservierten und ernsten Mann kaum erwartet hätte. Aus genau diesem Grund konnte sie um seinetwillen über sich hinauswachsen, furchtlos und verwegen sein. Auf gewisse Weise waren sie sich sehr ähnlich, da sie beide weitaus tiefgründiger waren als viele andere Menschen.

Schwer atmend löste Jack die Lippen von ihren. Mit zitternden Händen drehte er sie um, sodass sie wie hingegossen auf der Armlehne lag und ihm den Rücken zuwandte.

Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie sich emotional so aufgewühlt und so verletzlich gefühlt. Als sie hörte, wie er die Jeans hinunterschob, ballte sie die Fäuste neben ihrem Kopf. Sie starrte zur offen stehenden Verandatür, ohne wirklich etwas zu erkennen, und spürte, wie die kühle Abendluft über ihre schweißnasse Haut strich. In ihr war keine Anspannung mehr, kein Widerstand, keine Wildheit. Jack legte die Hände an die Innenseiten ihrer Oberschenkel, und sie spreizte von sich aus die Beine und sehnte sich nach einer tieferen Vereinigung mit ihm.

Er fuhr ihr sanft mit der Hand über den Rücken. »Alles okay?«

Rachel nickte benommen.

Dann strich er ihr das verschwitzte Haar aus der Stirn und küsste ihre Schulter. »Kannst du noch?«

Sie streckte eine Hand nach hinten aus, um sein Bein zu sich heranzuziehen. Als sie den Jeansstoff spürte, begriff sie, dass er die Hose gerade mal so weit nach unten geschoben hatte, wie es unbedingt erforderlich war, um das zu tun, was er vorhatte. Vor ihrem inneren Auge sah sie es förmlich vor sich, wie sie willenlos und nackt auf dem Sofa lag und er angespannt und noch halb angezogen hinter ihr stand, und dieses Bild ließ ihre Erregung erneut auflodern. »Ja.«

Jack richtete sich auf, und nur einen Herzschlag später spürte sie, wie er die breite, glatte Eichel zwischen ihre Schamlippen schob. Er war so heiß und hart wie Stahl. Als sie ihn endlich fühlte, biss sie sich auf die Lippen, und beim ersten Stoß krallte sie ihre Finger in den weißen Sofabezug.

»Ganz ruhig.« Er legte die Hände fest, aber zugleich zärtlich um ihre Hüften. »Entspann dich einfach. Lass es geschehen.«

Er hatte ja keine Ahnung, was er da von ihr verlangte. Als er sich langsam immer weiter in sie hineinschob, wurde sie von dem intensiven Gefühl überwältigt, dass er sie gerade in Besitz nahm.

»Oh Gott …«, stieß sie hervor, und jedes Nervenende schien durch seine sanften Stöße, mit denen er tiefer und immer tiefer in sie eindrang, in Flammen aufzugehen.

Rachel bezweifelte, dass sie es ertragen hätte, wenn sie nicht derart ermattet gewesen wäre. Er dehnte sie derart stark aus, dass sie beinahe glaubte, jede Sehne und jede Ader ebenso sehr wie seinen Herzschlag zu spüren. So etwas hatte sie noch nie zuvor erlebt. Sie war froh darüber, ihn nicht ansehen zu müssen und die ungefilterten Emotionen, die sich auf ihrem Gesicht abzeichnen mussten, so vor ihm verbergen zu können. Sie durfte ihn jetzt nicht verschrecken. Nicht nach all dem, was bereits passiert war.

Jack ging ein wenig in die Knie und schob sich die letzten Zentimeter in sie hinein. Sie vergrub ihr Gesicht in den Sofakissen und unterdrückte ihr klagendes Stöhnen. Er war so dick und hart. Mit jedem zitternden Atemzug spürte sie, wie tief er in sie eingedrungen war.

Dann spürte sie seine Zunge auf ihrem Rücken, und er biss sie besitzergreifend in die Schulter.