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DIE EINZIGARTIGEN AUFZEICHNUNGEN EINES INNSBRUCKER STUDENTEN, DER 1848 "FÜR GOTT, KAISER UND VATERLAND" INS FELD ZOG und seine einschneidenden Erfahrungen zu Revolution und Krieg festhielt.Während in Paris, Berlin oder Wien 1848 die Studenten auf die Barrikaden stiegen, zogen über 300 Innsbrucker Studierende "für Gott, Kaiser und Vaterland" ins Feld. Die anfängliche Begeisterung für die Revolution war hier rasch von einer reaktionär-radikalen Gesinnung abgelöst worden. Matthias Egger stellt die Aufzeichnungen eines Innsbrucker Jusstudenten vor, der als Mitglied der I. akademischen Kompanie ins Feld zog: Joseph Hundegger (1823-1896) begann am 18. März 1848, jenem Tag, an dem die neue Verfassung in Innsbruck kundgemacht wurde, ein Tagebuch zu führen. Vom 24. April bis zum 25. Juni beteiligte sich der junge Student an der Tiroler Landesverteidigung. Während dieser Zeit notierte er seine Erlebnisse in Briefen, die ebenfalls erhalten geblieben sind. Hundegger beschreibt einerseits Bewaffnung und Uniformierung der Schützen und schildert zahlreiche Patrouillengänge sowie Scharmützel mit "Freischärlern", andererseits reflektiert er seine Erfahrungen zu Krieg, Verwundung und Tod. Die edierten und kommentierten Dokumente halten die einschneidende Erfahrung von Revolution und Krieg durch einen unmittelbar Beteiligten fest und betten sie in das historische Umfeld ein.AUS DEM INHALT: BIOGRAPHISCHE SKIZZE: Dr. Joseph Hundegger (1823-1896)- Die Eltern- Kindheit und Schulzeit- Studienjahre in Innsbruck- Das Revolutionsjahr - Ein Exkurs- Praktikumsjahre- Am Ziel angelangt - Die Jahre als Advokat in Murau- Familienzuwachs, Städtereisen und ein Kopfgeld auf Bismarck - die 1860er Jahre- Rückkehr nach Tirol - Advokat in Meran- Der Advokat a. D. - die letzten Lebensjahre- Joseph Hundegger als Exponent des BürgertumsZahlreiche Briefe und Tagebucheintragungen aus den Jahren 1848/49
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Seitenzahl: 538
Veröffentlichungsjahr: 2014
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MATTHIAS EGGER
„FÜR GOTT, KAISER UND VATERLANDZU STEHEN ODER ZU FALLEN …“
DIE AUFZEICHNUNGEN JOSEPH HUNDEGGERSAUS DEM REVOLUTIONSJAHR 1848
Erfahren – Erinnern – Bewahren EEB
Schriftenreihe des Zentrums für
Erinnerungskultur und Geschichtsforschung,
herausgegeben von
Gunda Barth-Scalmani / Hermann J. W. Kuprian / Brigitte Mazohl
Band 1
Matthias Egger
Die Aufzeichnungen Joseph Hundeggersaus dem Revolutionsjahr 1848
© 2014 by Universitätsverlag Wagner Ges.m.b.H., Erlerstraße 10, A-6020 Innsbruck
E-Mail: [email protected]
Internet: www.uvw.at
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
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ISBN 978-3-7030-0908-2
Satz: Karin Berner
Umschlag: Roland Kubanda
Umschlagbild: Briefe von und an Joseph Hundegger aus dem Familienarchiv von Preu zu Korburg und Lusenegg/Hundegger (Privatbesitz); Fahne der I. Akademischen Kompanie (Leopold-Franzens-Universität Innsbruck)
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Der erste nun vorliegende Band der Reihe „Erfahren – Erinnern – Bewahren“ verdankt seine Veröffentlichung wie auch die nachfolgenden Bände einem für die Tiroler historische Forschungslandschaft glücklichen Umstand: Als im Jahre 1995 unter der Nachlassverwaltung von Rechtsanwalt Dr. Walter Heel der „Forschungsunterstützungsverein Schemfil (FUS), Viktor und Dr. Edith Schemfil – Verein zur Förderung der historischen Forschung in Tirol“ gegründet wurde, verfolgte er in erster Linie das Ziel, dem testamentarischen Wunsch der 1994 verstorbenen Tochter von Generalmajor Viktor Schemfil, Dr. Edith Schemfil, nachzukommen, die als pensionierte Ärztin im Seniorstudium ihre Faszination für das Fach Geschichte entdeckt hatte. Dem Testament zufolge sollten ein Teil ihres Vermögens sowie der Nachlass ihres Vaters dem Verein übertragen und dieser als Legatar zum einen dazu verpflichtet werden, den Nachlass zu ordnen, zu verwalten und für die wissenschaftliche Forschung nutzbar zu machen; zum anderen sollte die kurz vor dem Tod von Viktor Schemfil im Jahre 1959 fertig gestellte, aber bis dahin unveröffentlichte militärhistorische Abhandlung zu den so genannten Tiroler Freiheitskämpfen im Jahr 1809 ediert und in würdiger Form publiziert werden. Zur Durchführung bestimmte Dr. Schemfil damals Univ.-Prof. Dr. Johann Rainer, zum Zeitpunkt der schriftlichen Formulierung des Testaments Inhaber des Lehrstuhles für Österreichische Geschichte an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck, ebenso wie den Tiroler Landesarchivar Hofrat Dr. Fritz Steinegger zur wissenschaftlichen Begleitung der Drucklegung. Nach der Emeritierung von Johann Rainer übernahm dessen Nachfolgerin, Univ.-Prof. Dr. Brigitte Mazohl, die ehrenvolle Aufgabe, die Veröffentlichung des Manuskriptes und die Bearbeitung des Nachlasses zu veranlassen.
Mit Hilfe junger studentischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten die Ordnungsarbeiten am Nachlass und dessen EDV-technische Erschließung im Jahr 2003 abgeschlossen werden. Der Nachlass präsentiert sich heute in den Hauptgruppen „Nachlass Generalmajor Viktor Schemfil“ und „Kryptonachlass Dr. Edith Schemfil“ und umfasst ca. 12 Regalmeter Akten, eine Sammlung von militärhistorischen Realien und eine vom Nachlass getrennt gelagerte Handbibliothek von Viktor und Edith Schemfil. Unter den Akten befinden sich unter anderem Vorarbeiten und Manuskripte zu den zahlreichen militärhistorischen Studien von Viktor Schemfil, eine umfangreiche und wertvolle Sammlung von Bildmaterialien (darunter mehrere Hundert stereoskopischer Aufnahmen) zum Ersten Weltkrieg aus seiner eigenen Dienstzeit als Offizier und von Kameraden und anderen Beteiligten am Ersten Weltkrieg, mit denen er korrespondierte. Ebenso sind mehrere Dutzend Faszikel enthalten, die seine Tätigkeit als Mitglied im Kuratorium der Bergiselstiftung betreffen.
Parallel zur Bearbeitung des Nachlasses begann der Verein mit dem systematischen Aufbau der so genannten „Schemfil-Sammlung“. Dieser Bestand besteht vorwiegend aus privaten Vor- und Nachlässen, Feldpostkarten, Briefen, Autographen, Kriegstagebüchern, Erinnerungsliteratur zum Ersten Weltkrieg, militärhistorischen Realien und Lehrbehelfen der Militärbehörden aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Die Sammlung wird laufend zeitlich wie inhaltlich erweitert und ist inzwischen zu einem ansehnlichen Bestand angewachsen, der allerdings noch einer umfassenden wissenschaftlichen Auswertung bedarf. Über die testamentarische Verpflichtung hinaus muss daher der einzigartige Nachlass von Viktor Schemfil weiter bearbeitet und die Sammlung, deren Schwerpunkte auf „Selbstzeugnissen“ aus dem Raum des historischen Tirol und „Bilddokumentationen zum Ersten Weltkrieg“ liegen, historisch nutzbar gemacht werden. Mittelfristig wurden und werden dazu Kooperationen angestrebt, die Synergien nutzen, welche der Geschichtswissenschaft im Allgemeinen und der Erforschung der Tiroler Landesgeschichte im Speziellen dienlich sind.
Ein wichtiger Schritt erfolgte mit der Veröffentlichung des Manuskripts von Viktor Schemfil im Jahre 2007 als Band 335 der Reihe „Schlern-Schriften“ unter dem Titel „Der Tiroler Freiheitskrieg 1809. Eine militärhistorische Darstellung“, dem aufwändige Literatur- und Archivrecherchen sowie eine umfangreiche redaktionelle Bearbeitung vorausgegangen waren. Mag. Bernhard Mertelseder hat diese mühevolle Arbeit dankenswerterweise auf sich genommen und das umfangreiche Manuskript samt den beigefügten Karten für den Druck vorbereitet und ediert.
Nachdem damit ein wesentlicher Teil des testamentarischen Auftrags erfüllt war, verschrieb sich der Verein der Aufgabe, Forschungs- und Lehrgebiete zur österreichischen Geschichte der Neuzeit, im Besonderen zur Geschichte Tirols, zu erschließen und damit verbunden Publikationen, Dokumentationen und Forschungsprojekte durchzuführen. Um den Dialog zwischen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Institutionen und Gruppen zu verbessern, wurde im Jahre 2005 das vom obgenannten Verein getragene „Zentrum für Erinnerungskultur und Geschichtsforschung (ZEG)“ als ein Forum für alle an der Tiroler Landesgeschichte Interessierten gegründet, das sich als Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit versteht.
Ausgehend von der universitären wissenschaftlichen Forschung wird im Rahmen des „Zentrums“ der Dialog mit der historisch interessierten Öffentlichkeit gesucht, um einerseits die eigenen Forschungsergebnisse auch außerhalb des universitären Bereichs bekannt zu machen, und andererseits die Öffentlichkeit in den Forschungsprozess mit einzubinden. Als Ort einer solchen öffentlichen Diskussion behandelt das Zentrum Fragen der kollektiven und individuellen Identität(en), der öffentlichen und privaten Geschichtskultur, des gegenwärtigen und vergangenen Umgangs mit Geschichte. Der Schwerpunkt liegt demgemäß nicht nur auf der Analyse der Vergangenheit selbst, sondern auch auf der Art und Weise von deren Tradition und Vermittlung, d. h. auf Fragen des jeweiligen zeit- und milieuspezifischen kollektiven und individuellen Gedächtnisses. Das Bewusstsein für die sehr konkrete und reale Bedeutung von historischer Erinnerung für die Geschichtskultur und das Geschichtsdenken der Gegenwart soll dadurch geschärft werden. Dem Beitrag von individuell „Erfahrenem“, das auch von wissenschaftlich nicht ausgebildeten Erinnerungsträgerinnen und Erinnerungsträgern beigebracht werden kann, kommt daher größte Bedeutung zu. Umgekehrt gewährleistet die räumliche und inhaltliche Nähe zum Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck den Austausch mit der universitären Geschichtsforschung. Zur Information für eine breitere Öffentlichkeit wurde zudem eine eigene Homepage des ZEG eingerichtet: http://www.zeg-ibk.at/
Um den angestrebten Dialog zwischen Öffentlichkeit und Geschichtswissenschaft auch konkret umzusetzen, schien dem wissenschaftlichen Vorstand des Zentrums die Gründung einer Buchreihe der geeignetste Weg. Dr. Mercedes Blaas vom Universitätsverlag Wagner hat sich dankenswerterweise zur Realisierung dieses Vorhabens bereit erklärt. Der Titel der Reihe „Erfahren – Erinnern – Bewahren“ sollte dabei die Beweggründe und Zielsetzungen schlagwortartig verdichten: Individuen unterschiedlichster sozialer Milieus erleben, erleiden (und gestalten) tagtäglich mehr oder weniger bewusst Geschichte; in Zeiten besonders intensiver Ausgesetztheit einem Geschehen gegenüber, das scheinbar nicht zu steuern ist, drängen Zeiterfahrungen solcher Art oft ihrerseits nach Ausdruck. Je nach Schichtzugehörigkeit, Bildung und Gelegenheit im Moment des Erlebens haben Menschen ihre Erlebnisse daher immer wieder aufgezeichnet. Unabhängig davon, ob dieses schriftliche Erinnern zeitlich nahe am Erleben steht oder erst mit einem zeitlichen Abstand im Nachhinein erfolgt, findet allein schon durch das Medium, mit dem Erinnerung festgehalten wird, durch die Sprache, eine Überformung des Erfahrenen statt. Die direkte Erfahrung, das unmittelbare Erleben ist mit dem nächsten Sandkorn, das durchs Stundenglas rieselt, schon verloren. Aber ihr Abdruck im sprachlich geformten Erinnern bleibt erhalten. Geschlechts- und schichtenspezifische Prägungen beeinflussen diese sprachliche Darstellung ebenso wie kulturelle Muster, die durch Erziehung, Bildung und besondere Zeitumstände im Moment des Erinnerns und Schreibens wirksam werden.
Das Verschriftlichen von Erfahrenem und Erlebtem erfolgt aus unterschiedlichen Motiven: Ein historisches Subjekt will sich z. B. Rechenschaft über das Erlebte geben und es aufbewahren, für die familiäre Mitwelt, die zeitgenössische Umwelt oder eine heterogene Nachwelt, die es zwar nie kennenlernen wird, für die es aber das Erlebte erhalten und bewahren will. So haben Frauen und Männer immer wieder an persönlichen Wendepunkten oder in Zeitlagen, die sie als außergewöhnlich empfunden haben, ihre Erfahrungen schriftlich festgehalten. Die Geschichtswissenschaft bezeichnet solche Aufzeichnungen von Individuen als Selbstzeugnisse. Tagzettel oder Notata der frühen Neuzeit, Tagebücher oder Briefe, Memoiren oder Autobiographien sowie Reiseberichte gehören dazu und sind dadurch als Quellengattung miteinander verbunden, dass sich ein schreibendes Ich entweder mit voller Absicht oder nichtintentional an einen wie immer gearteten Rezipienten wendet. In Abgrenzung davon werden nach Wilfried Schulze, der diesen Begriff von holländischen Historikern entlehnt hat, „Ego-Dokumente“ in einem weiteren Sinn unterschieden. Dazu zählt man Quellen, in denen auch Äußerungen von Individuen fassbar werden, die diese im Rahmen eines administrativen Vorgangs, etwa einer Strafverhandlung, in Gnadengesuchen oder in Steuerverhören getätigt haben und die von anderen aufgezeichnet wurden.
Die neue Reihe will nun Selbstzeugnisse solcher Art bewahren, indem sie diese für ein historisch interessiertes Lesepublikum zur Verfügung stellt. Mit dem Band von Matthias Egger über die Aufzeichnungen Josef Hundeggers aus dem Jahr 1848 wird die Reihe eröffnet. Weitere Bände sind geplant. Es wird sich dabei vorwiegend um Texte handeln, die nicht von Personen stammen, die in der ersten Reihe politischer Bedeutsamkeit standen oder sich selbst als entscheidend für den Gang der Geschichte wahrnahmen. Den geographischen Rahmen bildet in erster Linie der Raum der historischen Grafschaft Tirol, d. h. das gegenwärtige Bundesland Tirol und Südtirol sowie das Trentino, darüber hinaus werden aber auch andere Regionen vormals habsburgischer Herrschaftsgebiete erfasst.
Die Lektüre von Selbstzeugnissen ermöglicht interessierten Nachgeborenen, die Welt- und Selbsterfahrungen von Menschen vergangener Zeiten und damit immer auch ihre Selbst- und Weltdeutungen im Brennglas ihrer sprachlichen Verarbeitung zu fassen. Nur so kann ein Dialog und damit eine Auseinandersetzung zwischen den Zeiten, zwischen Gegenwart und Vergangenheit entstehen und fruchtbar gemacht werden.
GUNDA BARTH-SCALMANIHERMANN J. W. KUPRIANBRIGITTE MAZOHL
Es passiert nicht oft, aber infolge glücklicher Zufälle doch immer wieder, dass privat vorhandene Quellen so umfangreich sind, dass sie zum Ausgang einer akademischen Qualifikationsarbeit werden. Matthias Egger hatte das Glück, einen solchen Bestand vorzufinden, ja von diesem eigentlich seit Beginn seines historischen Interesses zu wissen. Diese heterogenen Materialien aus mehreren Jahrhunderten in einem kommentierten Inventar wissenschaftlich zu erfassen, war sein Anliegen, als er mich 2006 um die Betreuung der Diplomarbeit ersuchte.
Bald nach Beginn des ersten systematischen Begutachtens widerfuhr ihm etwas, wovon fast jeder Forscher träumt. In einem Kuvert mit der Bezeichnung „Feldpost“ steckten nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, Briefe aus dem Ersten Weltkrieg – die der damalige Diplomand aufgrund seines speziellen Interesses sicher gern gefunden hätte –, sondern Korrespondenzen seines Ur-Ur-Urgroßvaters Joseph Hundegger aus dem Jahre 1848. Als Mitglied der I. Akademischen Kompanie der Universität Innsbruck hatte er diese zwischen März und Juni 1848 zu Papier gebracht und an Mitglieder der eigenen Familie sowie der Familie Riccabona, bei der er als Hauslehrer und Hofmeister während seines Studiums fungiert hatte, versandt.
Aus einer undatierten Aufzeichnung des Diplomanden über ein Gespräch mit seiner Betreuerin – von ihm besser archiviert als von ihr – geht hervor, dass ihm jene geraten habe, bei der Erstellung des Inventars zum Familienarchiv schon ein Auge darauf zu haben, ob sich manche Bestände ggf. für die Themenfindung einer Dissertation eignen würden. Nun hatte er so eine trächtige Ader gefunden! Aber warten bis zur Dissertation? Das ging nicht gut, denn eigentlich hatte er dafür schon bestimmte, thematisch und zeitlich anders gelagerte Pläne. Dies war der Betreuerin zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht so ganz klar, ihre Aufgabe bestand rollengemäß ja auch darin, vernunftbestimmte Ratschläge zu erteilen. Hingegen dürften die Gedanken des Diplomanden damals wohl eher in Richtung „lieber gleich Nägel mit Köpfen machen“ gegangen sein, und so weitete Egger mit ungestüm jugendlicher Energie seine Diplomarbeit einfach aus, indem er dem kommentierten Bestandsverzeichnis in einem zweiten Band die Edition eben jener Briefe gewissermaßen „nachschob“.
Ich gestehe heute, dass ich ihn damals nicht gebremst habe! Das Betreuen von wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten schließt oft auch das Miterleben des Recherchevorganges ein. Der Betreuer oder die Betreuerin gehören schon ein bisschen länger als die Diplomanden der gleichen Zunft an, sind dadurch befähigt, einige Anregungen zu geben und nehmen jenseits dieser Rollenkonstellation meist persönlich Anteil an dem Thema der entstehenden Abschlussarbeit. So war auch ich selbst nach den ersten Einsichtnahmen in ausgewählte Quellenstellen neugierig geworden. Welcher historisch interessierte Mensch kann sich dem Sog von historischen Dokumenten, die den Leser unmittelbar und dicht in ein Geschehen hineinführen, entziehen?
Außerdem war nach Einblick in die ersten transkribierten Briefe klar, dass diese Dokumente zum Mosaikbild 1848 einige Steine anfügen würden. Zwar gibt es einige publizierte Erinnerungen von Studenten in Wien, aber nur wenige zu den Vorgängen in den Universitätsstädten der Peripherie, geschweige denn zum militärischen Einsatz der Innsbrucker Studenten in den südlichen Teilen Alttirols.
Die Edition der Hundegger-Briefe ermöglicht damit eine genauere Beleuchtung der Vorgänge von 1848 an der Universität Innsbruck. „1848“ ist auch eine Chiffre für den politischen Frühling einer ganzen Generation. Das Pathos der Bedeutungsschwere, von dem die jungen Männer erfüllt waren, das Gefühl, Aufbruch und Zeitenwende zu erleben, wird in diesen Dokumenten unmittelbar greifbar. Vom Überschwang der ersten Waffenübungen bis zu den unmittelbaren Erfahrungen militärischer Auseinandersetzungen, von den politischen Idealen jener „Generation 1848“, ihrem Spannungsfeld zwischen deutschem Patriotismus in einem vor-nationalstaatlichen Sinn und Loyalität zur Dynastie und von anklingenden Enttäuschungen geben die Briefe Zeugnis. Damit werden zugleich auch die politischen Erfahrungen und Prägungen jener Generation greifbar, die im Kontext der sechziger und achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts politisch in verschiedenen Lagern dann ihren Ort fand. Die Briefe Hundeggers sind darüber hinaus auch als Emotionsgeschichte politischen Erlebens und Teilhabens einer bestimmten Alterskohorte männlicher Jugendlicher lesbar und sie sind so verstanden auch Dokumente von Männergeschichte mit interessanten thematischen Verdichtungen und Leerstellen.
Lassen Sie sich hineinziehen in die Erlebnisse eines jungen Mannes im Frühjahr und Frühsommer des Jahres 1848!
GUNDA BARTH-SCALMANI
Erfahren – Erinnern – Bewahren.
Vorwort der Herausgeberinnen und des Herausgebers der Reihe
Zum Geleit
Danksagung
1.Einleitung
2.Biographische Skizze: Dr. Joseph Hundegger (1823–1896)
2.1Die Eltern
2.2Kindheit und Schulzeit
2.3Studienjahre in Innsbruck
2.4Das Revolutionsjahr – Ein Exkurs
2.4.1Wünsche, Forderungen und das Element der Nationalität
2.4.2Märztage in Wien
2.4.3März- und Apriltage in Innsbruck
2.4.4Die Tiroler Landesverteidigung 1848 und die Aufstellung der Akademischen Kompanien
2.4.5Der Zug in die Valsugana
2.4.6Exkurs: Kriegsbegeisterung
2.4.7Die Herbeiführung der Entscheidung in der Valsugana
2.4.8Das Ende der Dienstzeit und die Auflösung der Kompanie
2.5Praktikumsjahre
2.6Am Ziel angelangt – Die Jahre als Advokat in Murau
2.7Familienzuwachs, Städtereisen und ein Kopfgeld auf Bismarck – die 1860er Jahre
2.8Rückkehr nach Tirol – Advokat in Meran
2.9Der Advokat a. D. – Die letzten Lebensjahre
2.10 Joseph Hundegger als Exponent des Bürgertums
3.Überlegungen zum Quellenwert
4.Editionsrichtlinien
5.Edition
Tagebucheintrag vom 18. März 1848
Brief Joseph Hundegger an seine Familie vom 19. März 1848
Tagebucheinträge vom 20. März bis zum 13./14. April 1848
Brief Joseph Hundegger an seine Familie vom 14. April 1848
Tagebucheinträge vom 15./16. April bis zum 20. April 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 30. April 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 1. bis 6. Mai 1848
Brief Angelica v. Riccabona an Joseph Hundegger vom 11. Mai 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 13. Mai 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 15. Mai 1848
Brief Joseph Hundegger an Julius v. Riccabona vom 15. bis 18. Mai 1848
Brief Anton und Fani an Joseph und Leopold Hundegger vom 22. Mai 1848
Brief Gabriele und Julius v. Riccabona an Joseph Hundegger vom 23. Mai 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 19. bis 26. Mai 1848
Brief Ernst v. Riccabona an Joseph Hundegger vom 30. Mai 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 26. Mai bis 1. Juni 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 2. bis 8. Juni 1848
Brief Joseph und Leopold an Theresia Hundegger vom 6. Juni 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 8. Juni bis 10. Juni 1848
Brief Joseph Hundegger an Angelica v. Riccabona vom 11. Juni bis 30. August 1848
Brief Joseph Hundegger an seine Familie vom 9. Juli 1848
Tagebucheinträge vom 31. Dezember 1848 bis 7. Oktober 1849
Selbstzeugnis Joseph Hundeggers über seinen Anteil an der Landesverteidigung 1848
Dienst-Zeugnis für Joseph Hundegger vom 26. Juni 1848
Dienst-Zeugnis für Joseph Hundegger vom 30. Juni 1848
6.Anhang
6.1Quellenkritische Standesliste der I. Akademischen Kompanie
6.2Brief von Erich Purtscher an Joseph Hundegger, Wien, 8. Mai 1849
6.3Flugblätter, Proklamationen und Aufrufe
6.3.1Flugblatt für die ausrückenden Studenten anlässlich der Fahnenweihe
6.3.2Anrede des Feldkaplans des Akademischen Corps bei der Fahnenweihe
6.3.3An die Wiener
6.3.4Proklamation Kaiser Franz Josephs I. vom 10. Jänner 1849
6.3.5Flugblätter-Faksimiles
6.4„Hochverdiente des tirolischen Gränzkrieges 1848“
Abkürzungsverzeichnis
Quellen und Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Mehr als vier Jahre sind vergangen, seitdem ich zum ersten Mal die Briefe meines Ur-Ur-Urgroßvaters Joseph Hundegger in Händen hielt. Mich haben seine Aufzeichnungen sofort in ihren Bann gezogen, denn Hundeggers Schilderungen sind so lebhaft und dicht, dass man unversehens in das geschichtsträchtige Frühjahr 1848 eintaucht und die damaligen Ereignisse vor dem geistigen Auge wiedererstehen. Seine Aufzeichnungen über die März- und Apriltage atmen die Aufbruchsstimmung jener Wochen und lassen uns heute unvermittelt an die jüngsten Ereignisse im arabischen Raum denken. Nachdem ich die ersten Passagen aus Hundeggers Briefen gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich diesen faszinierenden Quellenbestand unbedingt bearbeiten möchte, und das Ergebnis dieser Bestrebung halten Sie nun in Händen.
Allerdings wäre es mir ohne die Unterstützung von verschiedenen Seiten nicht möglich gewesen dieses Buch fertigzustellen. Daher möchte ich die Gelegenheit nützen und an dieser Stelle den Menschen, die mich in den vergangen Jahren und insbesondere bei der Erstellung dieser Publikation unterstützt, beraten und begleitet haben, meinen Dank aussprechen. Zuallererst sind in diesem Zusammenhang meine Eltern Karin und Georg Egger zu nennen. Ihnen gebührt der größte Dank! Sie haben meine Interessen stets gefördert und mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Des Weiteren gilt mein Dank allen Familienmitgliedern, die regen Anteil am Fortschritt dieser Arbeit genommen haben, insbesondere Georg und Helga Hundegger, die mir uneingeschränkten Zugang zum Familienarchiv und optimale Arbeitsbedingungen gewährten.
Weiters gilt mein besonderer Dank den Herausgeberinnen und dem Herausgeber dieser Reihe, o. Univ.-Prof. Brigitte Mazohl, ao. Univ.-Prof. Gunda Barth-Scalmani und Ass.-Prof. Hermann J. W. Kuprian, welche mir die ehrenvolle Aufgabe übertragen haben, den ersten Band zu gestalten. Das vorliegende Buch ist aus meiner Diplomarbeit, welche von ao. Univ.-Prof. Gunda Barth-Scalmani betreut wurde, hervorgegangen. Ihre Unterstützung bei der Abfassung der Diplomarbeit sowie bei der Vorbereitung dieser Publikation hat mir wertvolle Hilfestellungen geboten. Weiters ist es mir ein großes Anliegen, an dieser Stelle allen Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen zu danken, die mir mit Kritik und Anregungen stets zur Seite standen.
Dr. Mercedes Blaas vom Universitätsverlag Wagner bin ich für die ausgezeichnete Betreuung dieser Publikation zu Dank verpflichtet. Martina Sölkner hat freundlicherweise das Lektorat des Manuskripts übernommen und ich möchte mich vielmals für ihre hilfreichen Anmerkungen und Korrekturen bedanken. Bei der Erstellung der Fotos der Studentenfahne waren mir Mag. Uwe Steger und Martin Leitner vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck behilflich. Mag. Gottfried Kompatscher vom Tyrolia-Verlag verdanke die freundliche Genehmigung, das Bildnis Angelicas von Riccabona-Reichenfels abzudrucken.
Die Recherchen für dieses Buch führten mich in mehrere Archive, in denen ich stets freundlich aufgenommen wurde. Ich möchte mich hierfür besonders bei Univ.-Doz. Dr. Peter Goller (Universitätsarchiv Innsbruck), Mag. Roland Kubanda (Stadtarchiv Innsbruck), bei den Damen der Tiroler Matrikelstiftung (einstmals Tiroler Adelsmatrikel), Hofrat Dr. Christoph Tepperberg und Frau Amtsdirektorin Renate Domnanich (Kriegsarchiv Wien) und dem Personal der Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum bedanken.
Innsbruck, November 2011
MATTHIAS EGGER
Den Jubel sollten Sie sehen, der hier allgemein herrscht, allüberall Vivat, allüberall Bänder und allüberall ungetrübte Freude. Die Studenten und wir ihnen Befreundete sind zu den Waffen gerufen. Wollen Sie sich die Sache aber nicht fürchterlich vorstellen. Außer der Bürgergarde hat sich ein Studentencorps gebildet, [dieses] wählt sich seinen Commandanten, ihm ist die Sicherheit der Stadt vorzüglich anvertraut. Es war Gefahr vorhanden, jetzt ist aber keine mehr übrig. Die Bauern waren sehr aufgeregt gewesen und das Gassengesindel, aber ich glaube nicht, daß es noch zu etwas kommt, Jung und Alt aus allen Ständen hat sich zum Waffendienst bereit erklärt. Die Studenten schreiten erst ein, wenn nichts mehr hilft, aber dann desto kräftiger. […] Der 15. März, an dem vor 1892 Jahren Caesar der Tirann geendet, vor 1613 Jahren der Tiran Alexander Severus ermordet ward und vor 1395 Attila, die tiranische ‚Geisel Gottes‘, erstickte, [brachte] uns 1848 die Befreiung vor [sic!] Druck und Joch – befreit auf ewige Zeiten. Was man 30 Jahre gehofft, aber nicht so vollendet zu hoffen gewagt, das hat der 15. März gebracht. Seit Freitag ist Vakanz und bis Freitag werden die Studien schwerlich beginnen. Morgen ist großer Fackelzug u. allgemeine Stadtbeleuchtung.1
Mit diesen Worten schilderte der Doktorand Joseph Hundegger seiner Mutter die Vorgänge in Innsbruck und seine Begeisterung über die neue politische Ordnung tritt deutlich hervor. Wenn auch Tirol 1848 kein Zentrum der Revolution war, so stand es keineswegs abseits der Ereignisse. Zum einen war Tirol auf Grund seiner geographischen Lage zwischen der Schweiz, Oberitalien und dem süddeutschen Raum nahe an Revolutionszentren gelegen2 und die Bewohner der deutschsprachigen Städte Tirols begrüßten – zumindest anfänglich – durchaus die politischen Errungenschaften der Märzrevolution.3 Zum anderen wurde Innsbruck nach der Flucht der kaiserlichen Familie aus Wien für rund zwei Monate zur provisorischen Hauptstadt der Habsburgermonarchie und damit auch zum Sammelpunkt der politischen und militärischen Reaktion.4 Trotz dieser hier nur angedeuteten Komplexität der Ereignisse in Tirol hat sich die historische Forschung – wie noch zu zeigen sein wird – bislang nur ansatzweise mit den Ereignissen in Alttirol auseinandergesetzt. Dieses Desinteresse steht im krassen Gegensatz zu den internationalen Entwicklungen. Auf europäischer und insbesondere auch auf der Ebene der Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie wurde und wird der Erforschung von Ursachen, Verlauf und Nachwirkungen des Revolutionsjahres große Aufmerksamkeit gewidmet.5 Die ungebrochene Popularität der Thematik führte dazu, dass sich eine schier unüberblickbare Anzahl von einschlägigen Publikationen finden lässt.6 Im Gegensatz dazu nimmt sich der Forschungsstand zu den Vorgängen in Alttirol recht bescheiden aus. Hans Heiss und Thomas Götz begannen ihr Standardwerk über Tirol in den Jahren 1848/49 mit der treffenden Feststellung, dass „1848 […] nicht zu jenen Ereignissen und Prozessen des 19. Jahrhunderts [zählt], die unter deutschsprachigen Landeshistorikern Tirols verstärkte Beachtung und im historischen Bewusstsein des Landes einen festen Platz fanden“.7 Schon während des Neoabsolutismus setzte die Verdrängung aus dem kollektiven Gedächtnis ein8 und bis heute lassen sich kaum deutschsprachige Arbeiten finden, die sich mit den Vorgängen des Revolutionsjahres in Tirol auseinandersetzen.9 Oswald Gschließer hat 1938 die – bis zum Erscheinen der Publikation von Heiss und Götz – einzige Überblicksdarstellung vorgelegt.10 Wenngleich Gschließer auch zahlreiche Primärquellen herangezogen hat, so weist seine Darstellung dennoch erhebliche Defizite auf. Erstens werden die Vorgänge in Welschtirol bzw. die Forderungen der italienischsprachigen Bevölkerung kaum objektiv untersucht, sondern aus dem Blickwickel des Verlustes Südtirols betrachtet; etwa wenn er den nationalbewussten Kreisen des Trentinos unterstellt, eine „richtige Irredenta“ gebildet zu haben, „[…] deren letztes Ziel die Einverleibung ganz Südtirols bis zum Brenner war“.11 Diese Formulierung ist maßlos übertrieben, zumal es in einem Aufruf der provisorischen Zentralregierung der Lombardei an die Deutschtiroler [sic!] vom 17. April 1848 hieß: „Trient ist wälsch und soll wälsch sein. Botzen ist deutsch und wird immer deutsch bleiben […].“12 Zweitens werden die Ereignisse des Revolutionsjahres umgedeutet und lassen die Tiroler des Jahres 1848 regelrecht als Vorkämpfer eines „vereinigten Deutschland“ erscheinen, wie es durch den „Anschluss“ von 1938 verwirklicht wurde.13 Eine anti-italienische bzw. deutschnationale Haltung, wie sie bei Gschließer zum Ausdruck kommt, kennzeichnet auch die übrigen deutschsprachigen Publikationen zur Thematik bis 1945. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand kaum eine Auseinandersetzung deutschsprachiger Historiker mit 1848 statt.14 Erst seit rund zehn Jahren wird dem Verlauf des Revolutionsjahres in Tirol eine etwas stärkere Beachtung geschenkt. Diese Entwicklung dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass Hans Heiss und Thomas Götz 1998 ihre bemerkenswerte Überblicksdarstellung vorgelegt haben.15 Diese beruht auf umfassenden Quellen- und Literaturstudien und bietet zum ersten Mal eine ausgewogene Betrachtung der politischen Einstellungen, Forderungen und Hoffnungen der deutsch- und italienischsprachigen Tiroler Bevölkerung. Weiters haben Heiss und Götz sich in Aufsätzen mit verschiedensten Aspekten des Revolutionsgeschehens auseinandergesetzt und somit den Forschungsstand wesentlich vorangetrieben.16 Ungeachtet dieser wichtigen Publikationen haben – abgesehen von ein paar Diplomanden17 – bislang kaum andere Historiker diesen Faden aufgenommen, so dass immer noch Raum für weiterführende Untersuchungen bleibt.
Dieser Befund trifft auch auf die Geschichte der Landesverteidigung im Revolutionsjahr zu, die im Gegensatz zu jener der Jahre 1703, 1796/97, 1809 und 1915 fast in Vergessenheit geraten ist. Während es unzählige Werke über die Landesdefension in den obgenannten Jahren gibt, fand die „48er“-Landesverteidigung bis heute kaum Beachtung in der Geschichtswissenschaft. Die bislang einzige Monographie, „Die Tyroler Landesverteidigung im Jahre 1848“, wurde 1904 (!) von Alexander Freiherr von Helfert vorgelegt.18 Helfert versucht zwar eine umfassende Darstellung zu bieten, seine Ausführungen sind aber stellenweise patriotisch bzw. verklärend19 und entsprechen daher nur bedingt wissenschaftlichen Ansprüchen. Darüber hinaus beruht das Werk im Wesentlichen auf Sekundärquellen. Diesen Mangel kann man dem 119 Seiten starken Kapitel über die Landesverteidigung 1848 in Alois Luggins Dissertation aus dem Jahre 1979 wahrlich nicht vorwerfen. Der Verfasser hat dafür zahlreiche Primärquellen aus dem Tiroler Landesarchiv und der Bibliothek des Ferdinandeums herangezogen und bietet einen Überblick über die militärischen Operationen im Rahmen der Landesverteidigung. Allerdings kommt er über eine rein deskriptive Darstellung kaum hinaus. Einzig in der rund zehn Seiten umfassenden „Schlussbetrachtung“ versucht Luggin einige Aspekte zu analysieren. Seine Ausführungen zur Kriegsführung 1848 erscheinen aber zumindest hinterfragenswert. So schreibt Luggin:
Verhielten sich schon die Soldaten der Bevölkerung in den Tiroler Tälern gegenüber verhältnismäßig fair, wenn man dies mit der Situation in anderen Gegenden, z. B. in der Lombardei, vergleicht, so muß man von den Schützen sagen, daß sie sich mustergültig der italienischen Bevölkerung gegenüber benommen […].20
Diese Einschätzung ist für die Vorgänge im Valsugana nicht haltbar. Hier wurden im Juni 1848 mehrere Ortschaften von der österreichischen Soldateska geplündert bzw. niedergebrannt und zumindest an den Plünderungen beteiligten sich auch Mitglieder der I. Akademischen Kompanie.21 Darüber hinaus lassen sich in der zeitgenössischen Literatur Indizien finden, die dafür sprechen, dass auch in anderen Talschaften Militär und Schützen wenig behutsam mit dem Besitzstand der einheimischen Bevölkerung umgegangen sind. Adolf Pichler etwa berichtet über massive Plünderungen der Ortschaft Caffaro und des Schlosses Lodron durch österreichische Soldaten und Schützen.22 Insgesamt bietet Luggins Dissertation zwar eine deskriptive Operationsgeschichte, die zur Orientierung über die militärischen Vorgänge hilfreich sein kann, aber keine analytisch-kritische Auseinandersetzung mit der Tiroler Landesverteidigung 1848.
Neben den zwei erwähnten Werken lassen sich einige wenige kursorische Überblicksdarstellungen finden, die als Einstieg in die Thematik nützlich sein können, aber kaum über die Erkenntnisse Helferts bzw. Luggins hinausreichen.23 Folglich fehlt es immer noch an einer erschöpfenden Untersuchung der Vorgänge an den tirolischen Grenzen im Revolutionsjahr. Auf den ersten Blick mag dieses Desinteresse der Historiker wenig verwunderlich erscheinen, kann doch diese Episode der Tiroler Geschichte mit keinen „spektakulären“ militärischen Siegen, mit keinen „großen“ Ereignissen, mit keinem charismatischen Anführer à la Andreas Hofer aufwarten. Dieser oberflächlichen Betrachtung wäre entgegenzuhalten, dass sich auf den zweiten Blick überaus bemerkenswerte Erkenntnisse gewinnen lassen. Da zeigt sich etwa, dass der überwältigende Teil der männlichen Bevölkerung anfangs alles andere als geneigt war, dem Aufruf der Landesschutz-Deputation zu folgen, denn für den Schutz der Landesgrenze erachtete man die Armee als zuständig. Eine Haltung, die dem oft bemühten Topos des „wehrhaften Tirolers“ widerspricht. Aber nicht nur aus militärhistorischer, sondern auch aus sozialgeschichtlicher Perspektive lassen sich erstaunliche Erkenntnisse gewinnen, beispielsweise hinsichtlich des Nationalitätenkonfliktes in Alttirol, der im Revolutionsjahr erstmals gewaltsam hervorbrach und das Konfliktpotential zwischen deutsch- und italienischsprachiger Bevölkerung deutlich machte. Die Vorgänge rund um die I. Akademische Kompanie zeigen exemplarisch die aufkeimenden nationalen Spannungen und das daraus resultierende Konfliktpotential zwischen den beiden Sprachgruppen, welche bis zum Zusammenbruch der Monarchie politisch nicht gelöst werden konnen.
Besonders interessant sind auch die Vorgänge innerhalb der Innsbrucker Studentenschaft, zeigen sie doch die Vielschichtigkeit der Ereignisse des Jahres 1848 deutlich auf. Während die Hochschüler in Paris, Frankfurt, Berlin, Wien und anderen europäischen Metropolen auf die Barrikaden stiegen, zogen über 300 Innsbrucker Studenten in zwei Kompanien für „Gott, Kaiser und Vaterland“ ins Feld. Die anfängliche Begeisterung für die Revolution wich – wie noch zu zeigen sein wird – rasch einer reaktionär-nationalen Gesinnung. Das landläufige Bild der 1848er-Revolution wird dadurch geradezu auf den Kopf gestellt. Trotz dieses äußerst spannenden Befundes gibt es bislang keine größere Untersuchung zum Verhalten der Innsbrucker Studentenschaft in diesem Jahr. Darüber hinaus existiert bislang keine Edition von Selbstzeugnissen Innsbrucker Hochschüler aus dieser Zeit, die modernen geschichtswissenschaftlichen Anforderungen entspricht. Dieses Buch betritt daher gleich in zweifacher Hinsicht Neuland. Erstens wird ein umfangreicher Bestand an Egodokumenten der Fachwelt sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und somit ein Ausgangspunkt für weitere Auseinandersetzungen mit der Thematik geschaffen. Zweitens bietet die vorliegende Publikation die erste umfangreiche Darstellung der Vorgänge unter den Innsbrucker Hochschülern in den März- und Apriltagen des Revolutionsjahres. Der Verfasser hofft auf diese Weise einen Anstoß für weiterführende Bearbeitungen dieser Thematik zu liefern.
Im Mittelpunkt steht dabei die kommentierte Edition der Aufzeichnungen des Südtirolers Joseph Hundegger (1823–1896) aus dem Jahre 1848. Seit 1843 studierte er an der Leopold-Franzens-Universität und die turbulenten Ereignisse des Revolutionsjahres erlebte Hundegger als Doktorand der Rechtswissenschaften. Ergänzt wird die Edition durch historisch-biographische Erläuterungen sowie einen umfangreichen Anhang. Im folgenden Kapitel findet sich eine Einführung zur Person Hundeggers und seiner Zeit. Dieser einleitende Abschnitt versucht die in diesem Buch edierten Egodokumente in einen größeren (historischen) Kontext zu stellen und so die Einschätzung und Einordnung der vorliegenden Quellen zu erleichtern. Im Vordergrund steht dabei eine biographische Annäherung an Joseph Hundegger und dessen Verortung in der Gesellschaft der Habsburgermonarchie des 19. Jahrhunderts. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Frage gelegt werden, inwiefern er als ein Vertreter des (Tiroler) Bürgertums erscheint beziehungsweise inwieweit seine Lebenswelt als „bürgerlich“ bezeichnet werden kann. Als Quellen für die biographische Annäherung dienen seine persönlichen Aufzeichnungen und Notizen – Hundegger neigte dazu, viele persönliche Ereignisse und Begebenheiten in Kalendern oder Heften zu vermerken –, diverse Dokumente (Zeugnisse, Taufschein und dergleichen mehr) sowie der umfangreiche Nachlass an Korrespondenzen aus dem Familienarchiv derer von Preu zu Korburg und Lusenegg/Hundegger. Wie bei einem Puzzle fügte sich bei der Durchsicht dieser Unterlagen ein Hinweis an den nächsten und so entstand nach und nach ein Bild Hundeggers und seines Werdegangs. Gleichwohl fehlen diesem – um in der Metapher zu bleiben – Puzzle leider manche Teile, da sich anhand der überlieferten Dokumente nicht alle Fragen restlos klären lassen. Zudem ist die Quellenlage für die einzelnen Lebensabschnitte nicht homogen. Während zu seiner Studienzeit und insbesondere zu seinen Erlebnissen im Revolutionsjahr 1848 zahlreiche Dokumente erhalten geblieben sind, finden sich zu seiner Kinder- und Jugendzeit sowie über seine Betätigungen im Ruhestand vergleichsweise wenig Informationen. Dies hat sich wiederum negativ auf die Ausgewogenheit der einzelnen Unterkapitel ausgewirkt. Nichtsdestotrotz vermögen die Quellen in der Zusammenschau einen interessanten Einblick in die bürgerliche Lebenswelt des Hauptprotagonisten dieses Buches zu bieten. Darüber hinaus werden die Ereignisse des Revolutionsjahres einen besonderen Schwerpunkt bilden. Ausgehend von einer kurzen Analyse der Verhältnisse auf der Makroebene (Habsburgermonarchie) werden über einen kurzen Umweg (Wien) die Vorgänge auf der Mikroebene (Innsbruck) untersucht. Hierbei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Entstehung der I. Akademischen Kompanie und deren Teilnahme an der Landesverteidigung. Durch diese Vorgangsweise soll die Einordnung der Vorgänge in Tirol in einen größeren Kontext, und in weiterer Folge eine angemessene Verortung der edierten Quellen, ermöglicht werden.
Im dritten Kapitel folgen einige Gedanken und Überlegungen zum Quellenwert von Hundeggers Aufzeichnungen. Diese erheben keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr soll auf besonders bemerkenswerte Aspekte aufmerksam gemacht werden, die auch als Anstoß für neue Forschungen – beispielsweise im Rahmen der „Neuen Militärgeschichte“ – dienen könnten. Im vierten Abschnitt werden die Editionsrichtlinien dargelegt. Nach diesen Vorbemerkungen folgt schließlich der Hauptteil dieses Buches: die Aufbereitung der Egodokumente aus der Feder Joseph Hundeggers aus dem Revolutionsjahr. Diese umfassen ein Tagebuch und 14 Briefe und behandeln hauptsächlich den Zeitraum zwischen dem 18. März und dem 30. August 1848. Der besondere Quellenwert der Feldpostbriefe liegt darin, dass sie wie ein Tagebuch geführt wurden, d. h. Hundegger verzeichnete die Ereignisse beinahe täglich auf Briefbögen, und erst wenn diese vollgeschrieben waren, gelangten sie zur Absendung. Daher vermögen diese Dokumente einen umfassenden Einblick in die Vorgänge rund um die I. Akademische Kompanie zu geben. Zusätzlich zu den von Hundegger verfassten Schriftstücken haben sich auch vier Briefe an den ausgerückten Landesverteidiger erhalten. Diese wurden ebenfalls – an der chronologisch passenden Stelle – in die Edition aufgenommen. Ein umfangreicher Anhang rundet dieses Buch ab. Hier finden sich nicht nur ergänzende Dokumente, wie beispielsweise zeitgenössische Flugschriften und Proklamationen, sondern auch ein quellenkritisches Verzeichnis aller Mitglieder der I. Akademischen Kompanie. Zusammengenommen tragen diese Dokumente zum besseren Verständnis der Ereignisse des Jahres 1848 bei. Schließlich befindet sich am Ende dieser Arbeit ein umfangreiches Personen-, Orts- und Abkürzungsverzeichnis.
1Brief Joseph Hundegger an seine Familie [Innsbruck], 19. März 1848, Fasz. Hundegger Briefe vorwiegend von Joseph und Leopold an Mama, Fani und Anton (1843–1858), Familienarchiv derer von Preu zu Korburg und Lusenegg/Hundegger (künftig FA Preu/Hundegger).
2Vgl.: Hans Heiss und Thomas Götz, Am Rand der Revolution. Tirol 1848/49 (Wien, Bozen: Folio Verlag, 1998), 54.
3Vgl.: Ebenda, 63.
4Vgl.: Ebenda, 131f.
5Vgl. zur historiographischen Entwicklung in den Räumen der ehemaligen Habsburgermonarchie den kursorischen Überblick von Robert J. W. Evans, „1848 in Mitteleuropa. Ereignis und Erinnerung“, in: 1848. Ereignis und Erinnerung in den politischen Kulturen Mitteleuropas, hrsg. von Barbara Haider und Hans Peter Hye, Zentraleuropa-Studien (Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2003), 31–55.
6Um hier nur einige anzuführen: Barbara Haider und Hans Peter Hye, Hrsg., 1848. Ereignisse und Erinnerung in den politischen Kulturen Mitteleuropas, Zentraleuropa-Studien (Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2003); Pieter M. Judson, Wien brennt! Die Revolution von 1848 und ihr liberales Erbe (Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1998); Priscilla Robertson, „Students on the Barricades. Germany and Austria 1848“, Political Science Quarterly 84, Nr. 2 (1969); Walter Grab, Hrsg., Die Revolution 1848/49. Eine Dokumentation, Universal-Bibliothek (Stuttgart: Philipp Reclam Jun., 1998); Paul Ginsborg, „Peasants and Revolutionaries in Venice and the Veneto, 1848“, The Historical Journal 17, Nr. 3 (1974); Emil Niederhauser, 1848. Sturm im Habsburgerreich (Wien: Verlag Kremayr & Scheriau, 1990); Dieter Dowe, Heinz-Gerhard Haupt und Dieter Langewiesche, Hrsg., Europa 1848. Revolution und Reform, Politik- und Gesellschaftsgeschichte (Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger, 1998); James F. Harris, „Rethinking the Categories of German Revolution of 1848. The Emergence of Popular Conservatism in Bavaria“, Central European History 25, Nr. 2 (1992); Heinz-Gerhard Haupt, „Revolution und Reform. 1848 als Wendepunkt auf dem ‚Französischen Weg in die Moderne‘“, Historische Zeitschrift. Beihefte, Neue Reihe 29 (2000); Wolfram Siemann, 1848/49 in Deutschland und Europa. Ereignis, Bewältigung, Erinnerung (Paderborn, u. a.: Ferdinand Schöningh, 2006); Frank Engehausen, Die Revolution von 1848/49 (Paderborn, u. a.: UTB/Schöningh, 2007); Mike Rapport, 1848 – Year of Revolution (London: Little Brown, 2008); Antonio Monti, Il 1848 e le cinque giornate di Milano dalle memorie inedite dei combattenti sulle barricate (Genua: Frilli, 2004); Helmut Reinalter, Hrsg., Die europäische Revolution 1848/49 in Polen und Österreich und ihre Folgen, Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle „Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770–1850“ (Frankfurt am Main: Peter Lang, 2001).
7Heiss und Götz, Am Rand der Revolution. Tirol 1848/49, 7.
8Vgl.: Ebenda, 7.
9Vgl.: Ebenda, 9f.
10Oswald Gschließer, Die nationale Einheitsbewegung in Deutschtirol im Jahre 1848, hrsg. von R. v. Klebelsberg, Schlern-Schriften (Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 1938).
11Gschließer, Die nationale Einheitsbewegung in Deutschtirol im Jahre 1848, 91.
12Adolf Pichler, Aus dem wälsch-tirolischen Kriege (Wien: Druck und Verlag von Jos. Keck & Sohn, 1849), 22f.
13Vgl.: Heiss und Götz, Am Rand der Revolution. Tirol 1848/49, 9. Gschließers Darstellung endet mit der Feststellung: „Neun Jahrzehnte mußten vergehen, bis diese Zeit wirklich gekommen war: Im Lenz 1938 hat das deutsche Volk an Inn und Donau, im Verein mit allen anderen Deutschen bis hinauf zu Maas und Memel, seine Osterlieder aus übervollem Herzen gesungen.“ Gschließer, Die nationale Einheitsbewegung in Deutschtirol im Jahre 1848, 168.
14Eine Ausnahme bildet die Dissertation von Brigitte Mazohl zu den Autonomiebestrebungen im Trentino. Brigitte Mazohl, „Autonomiebestrebungen im Trentino 1848/49“ (Universität Salzburg, 1971).
15Heiss und Götz, Am Rand der Revolution. Tirol 1848/49.
16Thomas Götz, „Vom Nutzen und den Nachteilen historischer Erinnerung an den Rändern der Revolutionen 1848/1849“, Geschichte und Region/Storia e Regione 7, achtundvierzig/achtundsechzig (1998), 13–34; Hans Heiss, „Am Rand der Erinnerung. Zur Verarbeitung und Deutung von 1848 in Tirol“, in: „Dürfen’s denn das?“ Die fortdauernde Frage zum Jahr 1848, hrsg. von Sigurd Paul Scheichl und Emil Brix, Civil Society der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (Wien: Passagen Verlag, 1999), 151–168; und: Hans Heiss, „Das ‚Sturmjahr‘. Tirol in den europäischen Revolutionen 1848/49“, Tiroler Heimat 63 (1999), 235–249.
17Ivan Miribung, „Die Revolution von 1848 und ihre Auswirkungen am Beispiel von Bruneck und Umgebung“ (Universität Innsbruck, 1999); Helga Öhler, „Die Nationale Frage in Tirol um 1848“ (Universität Innsbruck, 2000); Renate Telser, „Sichtbar und politisch. ‚Politisches‘ Engagement von Frauen im Revolutionsjahr 1848 im Spiegel der Tiroler Presse“ (Universität Innsbruck, 2001); Matthias Egger, „ ‚Für Gott, Kaiser und Vaterland zu Stehen oder zu Fallen …‘ Die Aufzeichnungen des Joseph Hundeggers, Mitglieder der I. Akademischen Kompanie der Universität Innsbruck aus dem Jahr 1848. Nebst einem Verzeichnis sämtlicher Dokumente des Familienarchivs derer von Preu zu Korburg und Lusenegg/Hundegger“ (Universität Innsbruck, 2009).
18Alexander Freiherr von Helfert, Die Tyroler Landesvertheidigung im Jahre 1848 (Wien und Leipzig: Wilhelm Braumüller k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhändler, 1904).
19Am stärksten tritt diese Färbung in der Schlussbetrachtung hervor. So heißt es hier beispielsweise: „Alles in Allem waren es 144 Compagnien und 16.653 Mann, die auf diesem Wege ihren historischen Patriotismus aufs neue bewährt hatten. Was die Leistungen der Landesschützen während des Feldzuges betrifft, so ist schon angedeutet worden, dass selbe nicht überall gleich waren, dass man mitunter über mangelnden Muth und Eifer zu klagen hatte. Allein Fälle solcher Art mußten als Ausnahme gelten, die der Regel keinen Abbruch thaten, so dass die Rechnung im großen Ganzen entschieden zum hochverdienten Lob des Landesschützenwesens ausfiel.“ Helfert, Die Tyroler Landesvertheidigung im Jahre 1848, 145.
20Alois Adolf Luggin, „Beiträge zu Geschichte Tirols im Jahre 1848 unter besonderer Berücksichtigung der Landesverteidigung“ (Universität Innsbruck, 1979), 185.
21Vgl.: Brief Joseph Hundegger an Angelica von Riccabona, 8. bis 10. Juni 1848, Fasz. Feldpostbrief Joseph Hundegger (1848), FA Preu/Hundegger. Selbst Helfert schildert diese Vorgänge, macht aber einzig die polnischen Soldaten des Regiments Haynau für die Verwüstungen verantwortlich. Vgl.: Helfert, Die Tyroler Landesvertheidigung im Jahre 1848, 116f.
22Vgl.: Pichler, Aus dem wälsch-tirolischen Kriege, 36f.
23So z. B. in: Erich Egg und Wolfgang Pfaundler, Das Grosse Tiroler Schützenbuch mit Ehrentafel der Tiroler Schützen (Wien, München, Zürich: Verlag Fritz Molden, 1976), 138–149; und: Josef Fontana, „Von der Restauration bis zur Revolution (1814–1848)“, in: Geschichte des Landes Tirol, hrsg. von Josef Fontana et al. (Innsbruck, Wien: Tyrolia Verlag, 1987), 698–706.
In der Fremd- und Eigenwahrnehmung dominiert auch heute noch das „bäuerliche Element“ das Tirolbild. Dabei wird ausgeblendet, dass im Tiroler Raum durchaus ein altes Stadt- und Handelsbürgertum existierte und sich im beginnenden 19. Jahrhundert erste Anzeichen für die Formierung eines „modernen“ Bürgertums finden lassen. Allerdings wurde die Ausbildung dieses „Standes“ in Tirol durch die Koalitionskriege und deren Folgen stark gebremst.1 „Die rapide Verarmung Tirols in der napoleonischen Ära, die Säkularisation der Hochstifte und schließlich die ‚Heimsagung‘ zahlreicher Patrimonialgerichte […]“2 hatten zur Folge, dass Beamte und deren Söhne vielfach ihre Aufstiegschancen und Einkommen einbüßten und führten in weiterer Folge zu einer hohen Mobilität unter dem bürgerlichen (Beamten-) Nachwuchs. Diesen Widrigkeiten zum Trotz formierte sich langsam ein Tiroler Bürgertum – gebildet durch Ärzte, Juristen und Beamte3 –, welches sich im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schließlich in allen bedeutenden Städten Tirols etablieren konnte.4 Die Biographie Joseph Hundeggers vermag einen weiteren Beleg für diese Entwicklung zu liefern, denn sie weist ihn – wie zu zeigen sein wird – als typischen Vertreter des (Bildungs-)Bürgertums aus. Doch was ist eigentlich unter dem Begriff „Bürgertum“ zu verstehen? Die Beantwortung dieser Frage wird vor allem durch die Tatsache erschwert, dass das Konzept des „Bürgertums“ manche Unschärfe aufweist. Allerdings lassen sich einige zentrale Merkmale herausarbeiten, die diese soziale Gruppe im 19. Jahrhundert auszeichneten. Dazu zählten die Zugehörigkeit zu gewissen Berufsgruppen (Ärzte, Advokaten, Beamte, Wissenschafter, Bankiers, Unternehmer, Fabrikanten etc.), ein eigenes – auf persönliche Liebe und Zuneigung bauendes – Familienideal, die aktive Betätigung in Vereinen und eine rege Reisetätigkeit, um den eigenen Horizont zu erweitern oder sich zu erholen, um hier nur vier zentrale Charakeristika zu nennen. In diesem Sinn wird im Folgenden unter dem Begriff „Bürgertum“ eine gesellschaftliche Schicht verstanden, die sich durch gemeinsame Wertvorstellungen, Ideale, Interessen und Lebensführung von der Aristokratie, der Geistlichkeit und der Arbeiterschaft abgrenzte.
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