Ganz anderscht - Wilfried Hueber - E-Book

Ganz anderscht E-Book

Wilfried Hueber

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Beschreibung

Humorvolle Kurzgeschichten eines Tirolers über die Jagd und sein Leben im Oberösterreichischen Innviertel

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Impressum

Einleitung

Sacherl gesucht

Möbel für Samerskirchen

Wasser ist wichtig!

Jungjägerprüfung

Mein erster Bock

Rehschlögel a’la Magdalena

Zwei für einen Spießer

Die Fuchsjagd

Schwarzer Hase

Schwarzer Hase

Der schnelle Fuchs

Wintergartenbau in Samerskirchen

Mit dem Schlauchboot nach Schärding

Richtige Tiroler Jäger

Der geile Auerhahn

Mein erstes Auto

Mein erster Abschuss

Hirschjagd in Ungarn

Wildsau

Der Willi trifft doch immer.

Treibjagd in St. Marienkirchen (Gruberjagd)

Einleitung

Ich wurde zu diesem Büchlein 2014 inspiriert oder ermahnt in Anbetracht meiner Vergesslichkeit in beruflichen wie in privaten Angelegenheiten. Nicht dass ich mich vor der Krankheit Alzheimer mehr Sorge als andere, aber irgendwann müssen wir alle diese Bühne, die wir Leben nennen, verlassen – die einen früher die anderen später, aber irgendwann trifft es alle. Deshalb möchte ich doch einige Anekdoten die mein Leben zu dem machten was es ist oder später einmal war – besonders für jene die mir nahestehen – hinterlassen.

Es soll aber keine Abrechnung mit Tirol und seinen Bewohnern und auch kein Anbiedern bei den Innviertlern sein.

Nein, ich habe von Anfang an im Innviertel das Gefühl von Vertrautheit gespürt. Ein Gefühl, das ich in dem Tirol von heute schmerzlich vermisse. Tourismus und Wohlstand sind uns vermutlich nicht allzu gut bekommen. Wenn ich nach Samerskirchen fahre habe ich immer das Gefühl zurückzukehren zu einem Ort den man ungerne verlassen hat. Ganz anders ist es wenn ich nach Oberperfuss in Tirol fahre, das ist ein müssen, nicht ein wollen. Aber eines Tages werde ich nach Samerskirchen – meiner Wahlheimat – fahren um dort zu bleiben. Darauf freue ich mich schon heute und dieses Wissen gibt mir Kraft und Hoffnung für meine Zukunft.

Aber dieses Büchlein, das ich mit Hilfe von meiner Familie und meinem Freund Josef Koller und dessen Frau Magdalena, die mir einige Wild-Kochrezepte überlassen hat, geschrieben habe, soll einfach nur unterhalten oder zum Nachkochen anregen.

Wilfried Hueber

Sacherl gesucht

Mein älterer Bruder Pepi ist mit der Klaudia verheiratet und die kommt ursprünglich aus St. Martin im Innkreis, in Oberösterreich. Sie ist eine nette und umgängliche Person, die Klaudia erzählte immer wieder davon wie günstig und preiswert die Grundstücke und Häuser in Oberösterreich sind. Von der guten Lebensqualität braucht sie gar nicht zu reden. Überall in Österreich ist es preiswerter ein Haus oder Grundstück zu erwerben als in Tirol.

Es gibt da im Osten das sogenannte „Sacherl“ also ein kleines Haus mit einem kleinen Garten, zu wirklich vernünftigen Preisen.

Da ich in jungen Jahren einmal mit drei Freunden von Innsbruck mit dem Schlauchboot bis Schärding gefahren bin, das war ein Abenteuer, kenne ich die Gegend ein wenig und mit den Menschen hatte ich sowieso die besten Erfahrungen gemacht.

Also streckten wir, das heißt meine Inge und ich unsere Fühler aus um eventuell, mit unserem hart Ersparten ein solches Sacherl zu erwerben um dort den Urlaub und vielleicht später Teile der Pension zu verbringen. Wir haben keine großen Ansprüche, man wird schon sehen was kommt, es soll einfach nur passen.

Es verging schon geraume Zeit ohne das wir mit unserem Unternehmung Sacherl einen sichtbaren Erfolge hatten, die Suche wurde eher dem Zufall überlassen, irgendwann wird schon was passen, so verging die Zeit.

Ursprünglicher Zustand

Da ich bei der ÖBB (Österreichischen Bundesbahn) als Leiter der Anlagendokumentation für Westösterreich tätig bin komme ich beruflich viel in Österreich herum und auch regelmäßig nach Wien. Bei einem dieser beruflichen Meetings traf ich Ing. Thomas Zeilbauer, ein guter Kollege und Leiter für den Anlagenverkauf der ÖBB.

Bei einer Pause unterhielten wir uns privat über dies und das, dabei kam ich auf den langgehegten Wunsch dem Erwerb von einem Sacherl zu sprechen. Da meinte der Thomas nur, kauf dir doch ein Bahnwächterhaus, wir (die ÖBB) verkaufen gerade eines in der Nähe von Schärding.

„Ich will was fürs Gemüt, eine Insel der Erholung und nicht so einen Krawall den ein Zug verursacht“. Er meinte nur dort wo das Häuschen steht fährt nur fünfmal am Tag eine kleine Bahn, die hörst du nicht mal. Doch das konnte ich nun wirklich nicht glauben, er meinte nur ich schicke dir ein paar Unterlagen schau es dir doch wenigstens an, dabei verblieben wir.

So sieht’s jetzt aus.

Tatsächlich – zurück in Tirol kam nach einiger Zeit das besagte Mail vom Thomas, mit Foto und Verkaufsmappe und allem Drum und Dran. Am Abend besprach ich das ganze mit meiner besseren Hälfte und sie meinte nur – anschauen kostet nichts. Ich beschloss darüber zu schlafen, denn da sieht man es meist klarer.

Am nächsten Tag nahm ich den Kontakt zu dem zuständigen Sachbearbeiter in Linz auf, ich konnte mit ihm einen Besichtigungstermin auf nächste Woche vereinbaren. Zum vereinbarten Termin fuhr ich mit dem Zug nach Wels und von dort nach Schärding, von da wurde ich vom zuständigen Objektbetreuer Hr. Haderer abgeholt und mit dem Auto zum Bahnwächterhaus gefahren.

Während der Fahrt erzählte mir der Siegfried, wie der Objektbetreuer Haderer mit Vornamen hieß, dass sie das Haus schon dreimal vergeblich versuchten per Annonce in allen möglichen Tageszeitungen zu verkaufen. Anschauen kommen viele aber wenn sie es sehen, ist es gleich vorbei mit dem Interesse, meinte er recht vielsagend. Mir schwante Übles und es wurde mir schon recht mulmig zumute, aber jetzt war ich schon bald da und da wollte ich mir doch selbst ein Bild davon machen. Nach einiger Fahrzeit, hinter einer Bahnunterführung bog der Siegfried links ab und wir fuhren eine Schotterstraße hoch und da stand das kleine verwahrloste Häuschen, neben einem zusammengefallenen großen Schuppen. Wir machten eine Besichtigungstour durch das Haus und innen, man glaubt es kaum, war es noch schäbiger als draußen, drei Mieter und fünf Jahre unbewohnt hinterließen ihre Spuren. Die Sanitäranlagen mit Frostschäden, die Fenster kaputt, zusammenfassend: der Zustand war erbärmlich.

Ich als gelernter Maurer versuchte das abzuschätzen, aber da steckte noch eine ganze Menge an Arbeit darin und auch die Materialkosten waren nicht unerheblich.

Aber um ehrlich zu sein es war Liebe auf den ersten Blick, das Häuschen wollte ich unbedingt haben. Als ich zurück in Tirol war nahm ich Kontakt mit dem zuständigen Verkäufer auf und versuchte so gut es ging den Preis zu drücken, ich bemängelte, kritisierte und jammerte auf einem hohen Niveau, doch der Verkäufer ein Hr. Meier meinte nur „wir arbeiten doch nicht in einem Basar“ und ich müsste es ja nicht kaufen und könnte es mir ja noch überlegen. Ich versuchte zwecks weiterer Vorgangsweise noch Rat beim Thomas einzuholen, der meinte, ich soll doch ein schriftliches Angebot machen mit einem zeitlichen Rahmen, dann müssten sie reagieren, so oder so.

Zuerst mussten wir, Inge und ich uns einen genauen Preis überlegen den wir noch zu bezahlen bereit wären, nach einigem hin und her war es soweit, wir gaben unser Angebot ab, gültig für drei Wochen. Kaum dass ich das Angebot gesendet hatte, reagierte der zuständige Verkäufer Hr. Mayr rasch und wie mir schien leicht verärgert. Ich bestätigte ihm die Ernsthaftigkeit meines Angebotes und wartete auf eine Antwort von seitens des Verkäufers.

Es dauerte so an die vier Wochen bis ich wieder was hörte. Er, der Hr. Mayr werde mein Angebot nach Wien schicken, mehr kann er jetzt nicht tun. Die Zeit verging bis ich Nachricht aus Wien erhielt, aber die war positiv, sie werden mein Angebot akzeptieren und alles weitere soll mein Notar mit der Immo-Gesellschaft regeln. Ich möchte das ganze hier abkürzen aber es verging ein Jahr bis alles unter Dach und Fach war. Dank des guten Rates von unseren Freund Thomas Zeilbauer waren wir jetzt stolze Besitzer von einem sogenannten Sacherl in St. Marienkirchen im Bezirk Schärding, Oberösterreich.

Möbel für Samerskirchen

Als wir uns in Oberösterreich ein Sacherl kauften hatte wir eigens für die Fahrten nach Samerskirchen einen alten Skoda Felicia von einem Bekannten gekauft, da dieses Auto doch über einen großen Kofferraum verfügt und dennoch recht sparsam in der Anschaffung sowie im Verbrauch war.

Wir wollten am Wochenende – Freitag war ein Feiertag – Möbel, das heißt die Leder-Sitzcouch und Ledersessel und so weiter nach Samerskirchen bringen und haben uns zu diesem Zwecke den großen Autoanhänger vom Schwager Walter ausgeborgt. Wir packten Auto sowie den Hänger voll bis über den Rand und am Freitag in aller Frühe wollten wir starten, da war sicher nicht viel Verkehr auf der Autobahn, dachten wir.

So war es dann auch, wir fuhren zügig die Inntalautobahn hinunter Richtung Kufstein, als uns auf der Höhe Münster eine Autobahnsperre in einen Rastplatz umlenkte und eine große Anzahl an Polizisten alle Autos kontrollierten. Als dann wir an der Reihe waren, fragte mich der Polizist ob ich auswandern will oder ein Möbelhaus ausgeräumt habe, aber in einem freundlichen, neckischen Ton. Ich schilderte in kurzen Sätzen was wir mit den Möbeln vorhaben, der Polizist lachte und wünschte uns eine gute Reise.

Wir setzten also unsere Reise fort und ab Kufstein wollte das Auto das in unserer Familie den Spitznamen Horsti hatte, (nach dem Vorbesitzer) nicht mehr so recht.

Unsere Ledercouch

Die Leistung ging besorgniserregend zurück, und das ist bei einem 50 PS Auto schon gravierend. Als ich über das „Deutsche Eck“ nicht mal mehr 80 km/h fahren konnte, beschloss ich am Walserberg stehen zu bleiben und einen Mechaniker meines Vertrauens zu konsultieren. Ich habe meinen Schwager Walter angerufen – der ist Automechaniker. Ich konnte ihn aber nicht erreichen und mein Freund und Hausmechaniker der Ronny war an einem Sonntagvormittag sowieso nicht zu erreichen.

Die Inge machte den Vorschlag gehen wir erst mal frühstücken, später erreichen wir eher jemand Kompetenten fürs Auto.

Nach einem ausgiebigen Frühstück an der Raststätte gingen wir zurück zum Auto und da standen schon einige Interessierte um unseren Autoanhänger herum, vielleicht dachten sie es wäre ein Flohmarkt oder so. Auf jeden Fall wollte ich jetzt selbst mal unter der Kühlerhaube nachsehen und so sagte ich zur Inge sie soll doch mal die Entriegelung aufmachen.

Die Inge beugte sich unter das Lenkrad, um den Griff zu suchen der die Haube entriegelte, da begann sie zu lachen und sagte: „Schau was da unter dem Gaspedal klemmt.“

Da steckte so ein WC-Duftspender unter dem Pedal und ich konnte so nicht mehr das Gaspedal durchdrücken. Der WC-Duftspender war notwendig da der Vorbesitzer Horst ein starker Raucher war und das Auto immer noch nach Zigaretten stank. Das Plastikteil muss unter den Sitz gerutscht und vermutlich bei jedem Bremsvorgang weiter nach vorne gerutscht sein, um dann auf der Autobahn unter dem Gaspedal steckenzubleiben.

Erleichtert grinste ich übers ganze Gesicht und sagte noch zur Inge, zu niemanden ein Wort davon, das glaubt dir sowieso keiner. Jetzt konnten wir unsere Reise nach Samerskirchen bei guter Laune ungehindert fortsetzen.

Wasser ist wichtig!

Beim Umbau unseres neuen Ferien-Domiziles sind wir, meine Inge und ich immer wieder an unsere Grenzen gestoßen, körperlich und auch geistig.

Aber wir versuchten zu improvisieren und alles ging irgend wie immer weiter. Doch eines Tages bekamen wir unerwartete Probleme mit dem Strom und damit hatten wir, durch den Ausfall der Pumpe auch kein Wasser mehr. Ein lieber Nachbar der Schneebauer Karli, hat uns dann mit Wasser in einem großen Fass, das er mit dem Traktor zu uns herzog, ausgeholfen. Er meinte auch der Charly, ein dorfbekannter Alleskönner, kennt sich da sicher aus und er werde ihn bei uns vorbeischicken.

Am Abend, es war an einem milden Frühlingstag, kam der Charly dann auch tatsächlich und nach kurzer Zeit funktionierte das meiste auch wieder, nur eben die Wasserpumpe, die förderte immer noch kein Wasser. „Da ist sicher der Brunnen ausgetrocknet“, meinte der Charly. Wir öffneten den Deckel des Brunnens, der immerhin ca. 15 Meter tief ist und sahen hinunter aber da sah man nicht viel, denn dazu war es schon zu dunkel und auch zu tief, aber es sah eher trocken aus. Nachdem er einige Steinchen hinunter fallen ließ, schüttelte er nur den Kopf.

Der Charly ist ein Mann für alle Fälle, der konnte auch Wasser mittels Rute aufspüren. Die holte er auch sogleich vom Auto herbei, schloss die Augen und lief kreuz und quer durch unseren Garten. Da unter dem Platz, wo der Brunnen ist, verläuft eine ergiebige Wasserader aber sicher an die 50–60 Meter tief, war dem Charly sein Kommentar.

Da muss man einen neuen Brunnen bohren, er kennt da wem, den könnte man fragen. Sprach es und holte sein Handy heraus. Er rief einen Mann namens „Heizinger“ an, der wie Charly uns anschließend erklärte, solche Brunnen bohren konnte. Der Heizinger kommt in Kürze vorbei und schaut sich das Ganze an.

Ich fragte noch ob man nicht besser morgen den Brunnen hinuntersteigen um sich dort Vorort bei Tageslicht ein Bild zu machen. Charly meinte nur „du bist doch noch jung, wieso willst du dein Leben wegschmeißen, dort unten ist sicher Grubengas und da kommst du nicht mehr hoch.“

Kurze Zeit später erschien der erwähnte Brunnenfachmann Heizinger und die beiden, er und der Charly waren schon am planen und am ausmachen wann das Bohren beginnen konnte. In drei Wochen hätte er einen Termin frei und da könnte es losgehen, ich fragte noch was so eine Bohrung kostet, ein Freundschaftspreis zwischen 3000,- und 5000,- Euro. Da schluckte ich erst mal und sagte nur das muss ich mir noch überlegen. Der Heizinger ließ mir seine Nummer da und so schnell wie er kam war er auch schon wieder verschwunden. Wir haben, als auch der Charly seines Weges gegangen ist, noch darüber beraten was wir machen sollten und gingen dann ins Bett.

Am nächsten Morgen, über jedes Problem sollte man eine Nacht schlafen, das ist keine leere Redewendung, sondern eine Lebensweisheit. Ich holte eine Fackel und einen langen Strick, als die Inge das sah fragte sie was machst du mit den Sachen? Ich steige in den Brunnen und wenn es das letzte ist was ich mache, Grubengas hin oder her.

Gesagt, getan, oben befestigte ich den Strick am Baum und ich hängte mich daran, mit so einer Art Brustgeschirr, wie ich es in der Jugend beim Bundesheer gelernt hatte. Ich stieg Ring für Ring in den Brunnen und dachte mir, wenn der Sauerstoff knapp wird geht sicher die Fackel aus und dann versuche ich noch schnell hochzuklettern. Die Fackel hielt ich soweit möglich immer unter mir, und stieg langsam in die Tiefe. Mir war schon recht mulmig zumute, aber nach geraumer Zeit stand ich am Boden des Brunnens und da war kein Gas aber auch kein Wasser, aber ein dickes Eisenrohr das in die Tiefe zeigte und in diesen ging die Elektroleitung und das 5/4 Zoll Rohr von der Pumpe hinunter. Ich steckte die Fackel in den Boden und stieg wieder hoch, holte mir einen Eisenspieß, der noch von einer Absperrung herumlag, befestigte ihn an einer langen Schnur und ließ das Ganze in das Eisenrohr hinunter. Die Schnur war an die 40 Meter lang und als ich sie herauszog der ganzen Länge nach nass. Also am Wassermangel liegt es nicht, dachte ich erleichtert, es muss die Pumpe kaputt sein.

Wieder oben, haben wir beraten was wir machen sollten und wir kamen zu dem Entschluss das Einfachste wäre (dachten wir) die Pumpe auszubauen und eine neue zu kaufen. Aber das war leichter gesagt als getan, denn in dem 5/4 Zoll Eisenrohr ist alles Wasser und das in Kombination mit der Pumpe hat ein recht großes Gewicht.