Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Dieses Buch über die Jagd ist die humorvolle Aufarbeitung einer spät entdeckten Leidenschaft des Autors. Er versucht hier, seine Erlebnisse mit der Jagd im In- und Ausland wiederzugeben und für den Leser erfassbar zu machen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 87
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Einleitung
Der Oanser Bock
Wildschadensbekämpfung
A Fuchsansitz im Winter
Jagdweisheit
Mei Muffelwidder
Fuchsjagern isch nit mei Spezialität
Der Sauriegler in der Tschechei
Gamsjagern im Gasteinertal
Bärenjagd in Rumänien
Zwei auf einen Streich
Damhirschjagd in Ungarn
Treibjagd in Samerskirchen
Wieder amol an „Sauriegler“
Nachwort
Nach meinem Buch Ganz anderscht* hat mich eine Schreibleidenschaft ergriffen, eine Art Exipizionismus, Andere an meinem Leben teilhaben zulassen. Da zurzeit die Jagd einen großen Teil meines Lebens einnimmt, beschloss ich ein Jagdbuch zu schreiben. Da geht es nicht um Ratschläge oder Tipps, es geht in der Hauptsache um Jagderlebnisse im In- und Ausland, ohne allzu großen tierischen Ernst. Ich versuche in einfachen Worten auch für Nichtjäger geeignet zu schreiben. Meine Eindrücke in der Natur, mit seinen Geschöpfen wiederzugeben. Dieses Buch soll einfach nur unterhalten und den einen oder anderen „Schmunzler“ hervorzulocken.
Wilfried Hueber, 2018
Im vorigen Jahr, bei einem gemütlichen „Jagerhoangert“ im Weber seiner Stuben, da hat mein Mentor und Jagdfreund der Koller Sepp, mir aus heiterem Himmel einen Oanser Bock zugesagt. Die einzige Bedingung die er daran knüpfte war, dass die Trophäe in Samerskirchen OÖ, bleiben sollte.
Den ganzen Winter über versorgte mich der Sepp, via E-Mail mit Bildern aus seiner Wildkamera, um mich in Tirol über den Stand des Wildes, vor allem der Böcke auch im Bilde zu halten, im wahrsten Sinne des Wortes.
Es waren kapitale Böcke die ich da zu sehen bekam, zwar noch im Bast, aber schon erahnen ließ wie gut sich die Krickeln noch ausbilden würden.
Als endlich Frühling wurde und wir zum ersten Mal im neuen Jahr, gemeinsam in sein Revier aufbrachen, bestätigte mir der Sepp sein Vorhaben vom Vorjahr und meinte nur: „Die Schmidbauerhöh gehört heuer dir, aber wendst an “Roten“ schiasst, kann ich a nichts dafür, alles auf deine Verantwortung“. Mit einem „Roten“ meinte er einen Bock der von der Bewertungskommission des Oberösterreichischen Jägerverbandes mit rot bewertet wird, da er nicht das Alter für einen reifen Erntebock hat.
Meine Freude war riesig, dass der Sepp so viel Vertrauen in mich setzte und mir noch dazu einen „Oanser Bock“ überließ. Das konnte ich kaum fassen. Es wurde ein herrliches Frühjahr, jede freie Zeit verbrachte ich auf oder um der Schmidbauerhöh um ja den Wildwechsel genau zu beobachten. Der Sepp hat ein gut gepflegtes Revier und dementsprechend stark war auch das Rehwildaufkommen.
Als im Mai die Jährlinge zum Abschuss freigegeben wurden, habe ich dann einen mit nur einer Stange von der Huberkanzel aus geschossen. Den habe ich auf ca. 150 Meter mit einem gezielten Trägerschuss niedergestreckt. Das beflügelte mich und auch mein Selbstvertrauen in meine Schießkünste wuchs. Als ich dann einige Wochen später einen starken Jährling, den ich für einen schwachen 2-Jährigen hielt erlegte, war mein Selbstvertrauen wieder auf ein gesundes Maß gesunken, der Sepp meinte nur, das kann, sollte aber nicht passieren, Hauptsache der Schuss hat gepasst. Einige Tage später erlegte ich noch einen passenden Jährling und ich konnte es kaum erwarten, dass der August kam und mit ihm die Schusszeit auf meinen „Oanser- Bock“.
In der Zwischenzeit stellten wir noch im „Kettel Gellert“, meinem Ausgang in Samerskirchen, einen Jagdhochsitz aus Metall auf. Mein Hauptaugenmerk aber war die Schmidbauerhöh, wo ich immer wieder den besagten von mir auserkorenen „Onser“ sah. Einmal zog er nur ca. 50 Meter an der Kanzel vorbei, ich konnte ihn sogar mit dem Handy fotografieren, so nah war er. Ein kapitaler Bock mit gut ausgebildeten, hohen Krucken. Die Temperaturen waren Ende Juli hoch sogar in der Nacht kühlte es nicht richtig ab. Am 31. Juli fragte der Gruber Karl, den ich zufällig auf der „Sunnbank“ beim Weber traf, ob ich bei ihm auf einen Fuchs ansitzen will, da ein Weizenfeld bei seiner Kanzel heute gedroschen wurde und gleichzeitig heute Nacht Vollmond ist. Das ergibt einen guten hellen Kontrast beim Anblick. Bis Mitternacht hab ich dann gesessen aber von einem Fuchs war weit und breit nichts zu sehen. Doch die Böcke in seinem Revier waren voll in der Brunft und sie trieben, dass es nur so eine Freude war.
Ich fuhr um Mitternacht nach Haus und legte mich noch schwache vier Stunden aufs Ohr, ohne dabei wirklich zu schlafen, ich war einfach zu aufgedreht. Dann ging es hinauf auf die Schmidbauerhöh. Sicherheitshalber habe ich im Rucksack eine Jause mitgenommen, denn Entfernungsmesser, Fernglas und Büchse gehören ja sowieso zur Standartausrüstung eines jeden Weidmannes. Leise stieg ich zur Kanzel empor und richtete mich so gut es ging lautlos ein, öffnete die Fenster und blickte in die noch dunkle Wiese hinab. Als der Morgen anbrach und am Horizont die Sonne langsam empor kroch, stieg auch meine Anspannung. Aus dem entfernten Maisfeld kamen einige Rehe recht vorsichtig ins zarte Sonnenlicht, aber kein Bock. Es war ein schöner fast wolkenloser Morgen mit noch angenehmen milden Temperaturen. Nach etlichen Stunden des Wartens ohne den Bock zu sehen, beschloss ich zum Mittagessen nach Hause zu fahren und danach ein kleines Mittagsschläfchen zu machen, da meine Augenlider schwer nach unten zogen. Zuhause angekommen war die erste Frage meiner Inge „und host wos gschossen“? „Nah so schnell geht’s a wieder nit“. „Dafür isch des Essen fertig“ meinte sie lachend.
Am Nachmittag, der Mittagsschlaf hielt mich nicht lange auf der „Soaf“ begab ich mich schon wieder in Richtung Schmidbauerhöh, aber es war wie verhext außer einem jungen Bock der vergeblich versuchte eine Schmalgeiß zu beschlagen, war nichts los. Aber da ich noch keinen Schuss hörte hatten meine Jagdkollegen auch nicht mehr Glück. Gegen Abend zog in der Ferne ein Gewitter auf und das war’s für diesen Tag. In der Nacht brach ein heftiges Sommergewitter los und als ich gegen 4:30 aufwachte nieselte es ganz leicht und am Horizont zeichnete sich schon besseres Wetter ab. Durch den nächtlichen Regen waren die Gemüter der Böcke erhitzter geworden. Die Brunft war jetzt im vollem Gange auch „meinen Bock“ konnte ich ausmachen aber viel zu weit entfernt. Überhaupt spielte sich das ganze Brunftgeschehen mehr Richtung Huberkanzel ab wie mir schien. An diesen Morgen hörte ich auch schon einige Schüsse aus der Ferne zu mir herauf schallen. Mittags fuhr ich heim zu meiner Inge und wir gingen wie es bei uns Brauch ist an einem Sonntag zum Kurti essen, in die Tausendjährige Linde in Samerskirchen. Der Kurti - selbst ein Jäger - fragte beim Eintreten augenblicklich ob ich schon was geschossen hätte. Als ich verneinte grinste er nur und bediente uns. „A gespritzter Most und a Surbratl“ lassen einen die Welt gleich viel schöner erscheinen. Danach einen guten Kaffee und man fühlt sich wie neu geboren. Ich rief den Koller Sepp an ob es in Ordnung wäre wenn ich am nachmittags auf die Huberkanzel wechseln würde. Aber natürlich meinte er, den Schlüssel hast du ja und „an guaten Anblick und Weidmannsheil“ wünschte er mir noch. Ich fuhr zum Ortsteil „Hub“ hoch und ging zum Hochsitz. Am frühen Nachmittag saß ich also schon wieder in freudiger erwartung auf mein Jagdglück. Ich richtete mich ein, mittels Entfernungsmesser merkte ich mir einige markante Punkte in der Landschaft, um später die Entfernung leichter abschätzen zu können. Doch vorerst passierte gar nichts und die Stunden vergingen, es wehte eine leichte warme Brise, aber genau auf mich zu, was günstig war für mich, da Rehe auch sehr gut „winden“ können.
Plötzlich ging es Schlag auf Schlag, ein guter junger vielleicht zweijähriger Bock trieb eine Schmalgeiß aus dem Maisfeld in Richtung zu mir, sie waren in kürzester Zeit im Wald verschwunden. Aber nach heftigem geraschel von Laub und Zweigen im Wald floh er, gefolgt von einem älteren Bock, wieder Richtung Maisfeld zurück. Ich hatte inzwischen mein Gewehr zum Anschlag gebracht und beobachtete das ganze Treiben nun durch mein Zielfernrohr. Ein stattlicher Bursche, nicht „mein Bock“ sondern ein Fremder den ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Nach meinem Ansprechen, abgesetzter Träger, lange Lauscherhaare, heruntergeneigte Rosen alles natürlich in einigen wenigen Sekunden registriert und verarbeitet dachte ich mir, der passt. Ich beschloss ihn zu erlegen, besser den Spatz in der Hand als die Taube, eh schon wissen. Ich zielte aufs Blatt, ein wenig höher, da ich die Entfernung auf 140 Meter schätzte und meine 30-06er auf 100 Meter eingeschossen ist und drückte ab. Der Schuss brach, der Bock zeichnete stark und sprang ab, er flüchtete zurück in Richtung Wald.
Jetzt begann die schlimmste Zeit bei der Jagd, das Warten und Überlegen. Habe ich ihn auch gut und richtig getroffen, brauche ich einen Hund zur Nachsuche und vor allem, passte er? Das sind Fragen über Fragen die mir und wahrscheinlich allen anderen nicht so erfahrenen Jägern durch den Kopf gehen. Das sind immer die Augenblicke der Unsicherheit und Zweifel. Ich packte meine Jagdutensilien zusammen und beschloss nach 5 Minuten, länger hielt ich es nicht mehr aus, die Nachsuche zu beginnen. Man sollte 10 bis 15 Minuten warten um dem erlegten Tier ein ruhiges Dahinscheiden zu ermöglichen.
Am Anschusspunkt war ein großer Fleck dunklen Schweißes zu sehen, aber weit und breit kein Bock. Ich ging in die Richtung in der ich ihn vermutete, denn im kniehohen Gras fand ich keine weiteren Spuren. Am Waldrand angekommen, lag der Bock im Gebüsch genau dort wo ich ihn vermutete. Jetzt hatte ich Zeit ihn mir genau anzusehen, alle Zeichen deuteten auf einen passenden Bock hin. Jetzt war die Freude groß bei mir ich rief meinen Gönner den Sepp an, damit er auf der anderen Seite mit seinem Geländewagen herauffuhr. Andernfalls müsste ich, ihn die ganze Strecke bis Hub hinaufschleppen. Ich steckte dem Bock andächtig seinen letzten Bissen in den Äser, da hörte ich auch schon den Geländewagen vom Sepp den Hügel herauffahren. Es dauerte nicht lange und der Sepp kam schon um die Waldbiegung gefahren. Als er ausgestiegen war und den Bock vor mir liegen sah meinte er nur „Weidmannsheil“ und überreichte mir ganz traditionell den Schützenbruch. „Weidmannsdank und moansch er
