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Jagdgeschichten aus Europa und Asien, erlebt und erzählt von Wilfried Hueber. Ein Tiroler der auf diese Weise Geschichten zu Papier bringt. Die Erlebnisse sind in der Zeit von 2018-2020 passiert und auch so geschehen! Dieses Buch ist das Dritte aus der erfolgreichen Reihe.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2021
Gedanken zum Buch
Murmeljagd im Lechtal
Steinbockjagd in Kasachstan
Hahnenjagd in Kurgan
Hochalpinjagd mit Problemen
Lappjagd auf Wölfe
Der guate Anblick
Ich habe mich entschlossen doch noch ein Jagdbuch zu verfassen. Das Interesse an der Jagd und auch meine Begeisterung zur Schreiberei sind schuld daran. Ich möchte anregen und erklären was für mich die Jagd bedeutet. Ich bin kein Schriftsteller, sondern nur ein Geschichtenerzähler der seine Geschichten zu Papier gebracht hat.
Bei der Jagd ist nicht die Größe der Trophäe ausschlaggebend, sondern das Erleben und Erreichen einer solchen Erinnerung.
Die Jagd ist so verschieden wie wir Menschen es auch sind. Das Jagdglück oder Pech hängt von so vielen Faktoren ab, (Wetter, Pirschführer, Wind usw.) das nicht immer der Jäger selbst was daran ändern kann. Aber genau das, das nicht vorhersehbare macht den Reiz der Jagd wahrscheinlich aus. Auch der Umgang mit anderen Menschen mit derselben Leidenschaft, ist ein großer Anreiz dafür. Denn das Wichtigste dabei sind doch bei aller Liebe zur Natur die Menschen die einen auf der Jagd begleiten. Mit denen man sich gemütlich zusammensetzen kann und über die Jagd austauschen kann. Die Jagdkameraden/in, viele davon gibt es schon nicht mehr aber neue gilt es zu finden. In diesem Sinne viel Spaß und Vergnügen wünsche ich euch mit diesem Büchlein.
Euer Weidkamerad
Wilfried Hueber
An einem schönen, viel zu warmen Septembertag, rief mich mein Arbeitskollege und Jagdfreund Bernhard aus Vorarlberg an. Er fragte ob ich an einer Mankei Jagd bei ihm im Revier interessiert wäre. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme für die bevorstehende Jagd in den Bergen des Arlbergs. Hochgebirgsjagden verbinde ich automatisch mit einem Abenteuer, denn alleine der Anstieg wird meist beschwerlich und nicht ungefährlich. Dazu leben Murmeltiere meist über 2000 Meter Seehöhe. Ende September sollte es losgehen. Wir, Inge meine Frau, und ich fuhren mit dem Auto von Oberperfuss die Autobahn bis Landeck, anschließend die Schnellstraße nach St. Anton, von dort nach St. Christoph, weiter über die Lechtalstraße bis Lech. Von dort überquerten wir den Lech Richtung Zug zum Parkplatz vom Fischerwirt, wo wir vom Bernhard erwartet wurden. Der Bernhard war in diesem Jagdgebiet schon über 20 Jahre Jagdaufseher. Es war ein herrlicher Herbsttag wie aus dem Bilderbuch. Das Lechtal war schon in den herbstlichen Farben gelb, orange und rot. Dazwischen die grünen Nadelbäume und der blaue Lech, der noch unverbaut und frei seines Weges ziehen darf. Der Norbert B. - ein Jagdfreund vom Gastgeber - und seine Frau Ruth kamen wenig später zum Parkplatz. Es war eigentlich noch recht frisch aber auf dieser Höhe ist das für diese Jahreszeit eher noch zu warm. Wir fuhren mit zwei Autos. Ich mit Bernhard im kleinen Land-Rover der stattliche 31 cm Bodenfreiheit hatte und natürlich mit Allradantrieb ausgestattet war, der Norbert in seinem Jeep und den beiden Frauen fuhren hinter uns her. Das Lechtal im Herbst muss man gesehen haben. Mir fehlt dazu leider die Gabe um es so zu beschreiben wie angebracht wäre bei all der Schönheit die einen umgab. Dazu müsste man ein begnadeter Philosoph sein. Immer höher ging die Fahrt, es war aber eine gut ausgebaute Bergstrecke. Dann kamen wir zu einer großen Anhöhe und fuhren um den Spullersee - einen Kraftwerksspeicherteichder ÖBB, wie mir Bernhard erklärte herum.
Schlussendlich sogar noch über die Staumauer, um an die andere Seite zu gelangen. Jetzt ging es steil bergauf, vorbei an der Ravensburger Hütte, hinein bis zur Almhütte, die vom Senner sowie von den Jägern genutzt wird. Almhütte ist eine Untertreibung die dieser Baulichkeit nicht gerecht wird. Es war ein stattliches Haus mit einem steilen Dach. Im „Jagdhaus“ angekommen erwartete uns schon Eveline, die Frau vom Bernhard, der gute Geist von der Hütte. Nach einer herzlichen Begrüßung mit einem zweiten Frühstück begannen wir unsere Jagdausrüstung herzurichten und in den Rucksack zu packen. Wir sollten noch zum Eingewöhnen mit dem Gewehr, einer .22 Hornet, einen Probeschuss abfeuern. Bernhard stellte eine Tafel mit Zielscheibe genau auf 100 Meter Entfernung auf, aber mit dem Gewehr vertraut machen war nicht so einfach. Die geborgte .22 Hornet hatte einen Zielstachel im Zielfernrohr. Wer so einen Zielstachel nicht gewohnt ist, das ist schon eine große Umstellung. Ein Zielstachel ist ein breiter stehender Pfeil bis zur Mitte des Glases und links und rechts zwei sehr dünne Seitenbalken. Ich hätte lieber meine 5,6x50 genommen aber Bernhard hielt das Gewehr für ein zu großes Kaliber umso kleine Nager zu erlegen. Der erste Schuss war in der Mitte aber ca. 4 cm zu tief. Da ich Richtung Südosten schoss und die Sonne mir genau ins Gesicht schien war die Spitze des Zielstachels schwer zu erkennen. Mein zweiter Schuss war immer noch zu tief aber jetzt auch leicht rechts. Der Bernhard meinte, Norbert solle mir einen Sonnenschutz geben mit einem Schirm. Jetzt passte die Höhe aber immer noch ganz leicht rechts, das war sicher meine Schuld. Ich habe die Angewohnheit beim Abdrücken ein wenig zu drücken, das muss man bei der Schussabgabe mit einberechnen. Norbert machte auch einen Probeschuss, er hatte schon öfter mit der .22 Hornet geschossen und sein Schuss saß perfekt. Jetzt konnte es losgehen. Wir - mein Jagdführer Bernhard und ich gingen voraus. Norbert folgte später mit Ruth und Inge, sie waren mit Ferngläsern bewaffnet, um von der Ferne zuzusehen. Evelin blieb in der Hütte, sie wollte für das Mittagessen sorgen. Beim Aufstieg Richtung Alpsee erklärte mir Bernhard worauf ich bei einem Murmeltier achten müsse. Ein weißer Ring um den Äser deutet schon auf ein fortgeschrittenes Alter des Murmel-Bären hin. Der Schuss muss genau hinter dem Ohr und dem Schulterblatt auf dem kurzen Träger liegen, damit das Murmele nicht mehr die Möglichkeit bekam um in die Höhle einzufahren. Mir war jetzt klar der Schuss muss sitzen den so ein Murmele- Träger (Hals) ist nicht lang und auch nicht breit. An einem Südwesthang sahen wir etliche Murmelhöhlen, das sind Löcher mit einem Schotterplatz als eine Art Sonnenterrasse. Als wir uns vorsichtig näherpirschten erschallte ein schriller Pfiff und alle waren im Bruchteil einer Sekunde verschwunden. Wir robbten uns zu einer Mulde unterhalb der Höhlen und ich legte meinen Rucksack ab. Ich richtete mich ein so gut es ging, ich lag inmitten eines Strauches von Almrosen. Mit dem Gewehr auf dem Rucksack liegend warteten wir, während Bernhard mit dem Fernglas die Gegend absuchte. Steil oberhalb, ca. 80 Meter vor uns, kam nach etwa 10 Minuten der Kopf von einem ansehnlichen Mankei zum Vorschein. Es blickte vorsichtig aber aufgeweckt die Runde um sich nach einiger Zeit gemütlich in die Sonne zu legen. Das Mankei war kaum mehr sichtbar nur der obere Teil des Kopfes ragte über den Rand des Sonnenplatzes. Bernhard meinte der würde passen, „wenn es den Kopf hebt kannst du es versuchen“. Natürlich alles in seinem unvergleichlichen Vorarlberger Dialekt. So jetzt lag es an mir. Der Bär, Bernhard hat es als ein männliches Murmel angesprochen, lag zu flach als das ich schießen hätte können. Bernhard meinte:
„Richt dich her, ich pfeife es an“. Aber dazu kam es nicht mehr, der Bär muss uns gehört haben, hob den Kopf und ich ließ die Kugel fliegen. Der Kugelschlag war gut zu hören und der Mankei lag. „Weidmannsheil, guat gmacht. Iatzt kannst ihn holen, nimm aber vorsichtshalbe den Bergstock mit“. Bernhard grinste zufrieden übers ganze Gesicht. Ich stieg zum Bär hoch, da lag er vor dem Bau, ca. zwei cm hinter dem Ohr lag mein Schuss, ein sauberer Treffer. Als ich ihn hochhob sah ich unterhalb am Talboden den Norbert mit den zwei Damen. Sie winkten mir zu, ich hob nicht wenig stolz den Bären in die Höhe, ja der Bernhard hat ihn durch seine jahrelange Erfahrung richtig angesprochen. Leichten Fußes marschierten wir jetzt zu den Anderen hinunter, nach dem Weidmannsheil-Glückwünschen wanderten wir gemeinsam weiter Richtung Alpsee. Oberhalb des Sees liegt ein großer flacher Felsen, da wollten wir den Bären aufbrechen. Das musste mit viel Sorgfalt geschehen da das Murmeltierfett als sehr kostbar gilt. Es enthält ein natürliches Kortison das verwendet man bei Gelenksbeschwerden. Ich legte den Bären am Stein ab, der Norbert meinte er werde jetzt auch sein Glück versuchen und auf ein Murmeltier Weidwerken. Er stieg hinunter Richtung Talboden, taleinwerts wusste der Bernhard noch einige Bauten mit alten Bären und Katzen. Die Bezeichnung in der Weidmannssprache der Jäger für Männchen und Weibchen der Murmeltiere, die jungen werden als Affen bezeichnet. So zog Norbert alleine los und wir haben den erlegten Bären aufgebrochen, das Fett herausgelöst und in einem mitgebrachten Plastikbeutel sorgsam gesammelt. Ich schätze so ca. 500 Gramm Murmeltierfett sind es schon gewesen. Aus diesem Fett machte Bernhard später eine Heilsalbe. Jetzt war Norbert bis hinten ans Ende des Tals gewandert, dort wo die Felswände steil nach oben stiegen, richtet er sich einen Bodensitz her und wartet. Wir beobachteten ihn mit unseren Ferngläsern. Nach einiger Zeit richtete er sich das Gewehr am Rucksack zurecht und nur kurzer Zeit später brach der Schuss. In einer Entfernung von etwa achtzig Metern lag ein Murmeltier vor dem Bau. Wir winkten ihm zu als er sein Murmeltier hochhob. Das war ein guter Jagdtag in dieser herrlichen Herbstlandschaft der Lechtaler Alpen. Nachdem auch das Murmeltier von Norbert versorgt war ging es wieder zurück zur Almhütte. Da wurden wir schon von Eveline mit einer Runde selbstangesetzten Zirbenschnaps in Empfang genommen. Nachdem wir uns zugeprostet und auf ein Weidmannsheil angestoßen hatten ging es zum Mittagstisch. Eveline hat sich selbst übertroffen, es schmeckte ausgezeichnet. Am Nachmittag machten wir erstmal eine Pause, wir saßen in der Herbstsonne und genossen es richtig in dieser überragenden Landschaft. Nach dem Nachmittagskaffee meinte Bernhard, er habe noch zu wenig Fett für seine Salben und im hinteren Teil des Jagdrevieres, Richtung Stierlochtal, weiß er noch einen alten Bären der erlegt werden sollte. Also alles wieder zusammengepackt und auf ging’s zum Stierlochpass. Der Aufstieg war rasch gemacht und schon deutete mir Bernhard ich soll mich auf einer Almrauschstaude einrichten. Der Platz war nicht ideal, es waren hohe Büsche dieser Almrosen auf denen wollte der Rucksack nicht ruhig liegenbleiben. Kaum hatte ich es geschafft doch eine stabile Auflage herzurichten, das Gewehr lag jetzt gut auf dem Rucksack, da bekam ich schon Probleme mit meiner Schulter denn ich lag ganz verdreht. Doch zum Glück musste ich so nicht lange ausharren. Denn bald zeigte sich ein alter Bär auf dem kleinen Schotterplatz vor seiner Höhle. Er war an die siebzig Meter entfernt, ich versuchte den Bären zu erfassen aber mit der kleinen Optik vom Zielfernglas 4X40 konnte ich seinen kleinen grauen Kopf nicht finden. Er war zu gut getarnt ganz seiner Umgebung angepasst, in dem ebenfalls grauen Steingeröll. Immer wieder bin ich mit der Optik darüber hinweg gefahren. Doch dann sah ich das kleine Haupt und als er sich drehte und ich das Ohr sah, habe ich eingestochen und abgedrückt. Der Schuss brach, es knallte und der Kugelschlag war wieder gut zu vernehmen, der Murmel lag im Schuss. „Weidmannsheil, passt, iatzt kunnst ihn holen, nimm aber wieder den Bergstock mit“. Eiligen Schrittes stieg ich den Steilhang hinauf und fasste den Bären bei den Füssen und hielt ihn Richtung Tal damit die anderen aus unserer Gruppe den Bären auch sahen. Sie winkten mir zu, beim Abstieg gingen wir gemeinsam zurück zum Jagdhaus. Eveline empfing uns mit einem von mir aus Samerskirchen mitgebrachten „Sauheidenen Schnaps“ vom Weber aus Holzleithen. Der Obstler wurde allgemein gelobt und wir nahmen Platz auf der Terrasse um unsere Erlebnisse vom Tag nochmal Revue passieren zu lassen. Nach dem wir den dritten Murmele Bären versorgt hatten war das ausgezeichnete Abendessen schon zum Verzehr hergerichtet. Es ging noch bis
