Gärten des Jahres 2021 - Konstanze Neubauer - E-Book

Gärten des Jahres 2021 E-Book

Konstanze Neubauer

0,0
39,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Einen einzigartigen Überblick über die schönsten Privatgärten der besten Gartenplaner im deutschsprachigen Raum bietet die Dokumentation zum Wettbewerb GÄRTEN DES JAHRES 2021. Landschaftsarchitekten, Gartengestalter sowie Garten- und Landschaftsbauer waren erneut aufgerufen, besonders gelungene, realisierte Privatgärten einzureichen, die von einer renommierten Jury ausgewählt und prämiert wurden. Gezeigt wird eine beeindruckende Vielfalt unterschiedlichster Privatgärten anhand inspirierender Farbabbildungen und aussagekräftiger Gartenpläne. Detaillierte Angaben zu Besonderheiten des Grundstücks, des Konzepts, der verwendeten Materialien und der Auswahl der Pflanzen runden die 50 Gartenporträts ab. Ein unverzichtbares Werk für alle Gartenplaner und Gartenbesitzer!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 261

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



PARTNER UND JUROREN

Wolfgang Bohlsen(Chefredakteur Mein schöner Garten)

Irene Burkhardt(Vizepräsidentin BDLA)

Claudia Feldhaus(Mitglied des Beirates der DGGL und im Vorstand des Landesverbandes Rheinland der DGGL)

Bernd Franzen(Gartenplus, Gewinner Gärten des Jahres 2020)

Dr. Folko Kullmann(Editor Gartenpraxis & GÄRTEN)

Tanja Gallenmüller(Editorial Manager Garten+ Landschaft und Topos)

Paul Saum(Vizepräsident des BGL aus Baden-Württemberg)

Konstanze Neubauer(Autorin und externe Projektleiterin)

GÄRTENDESJAHRES

Die50 schönstenPrivatgärten

HANNE ROTHKONSTANZE NEUBAUER

INHALT

Einleitung

1. Preis/Anerkennungen

1. Preis

Ein Teil der Pflanzenweltin der Nähe von Hannover, NiedersachsenPetra Pelz Design-natuerlich und GartenLandschaft Berg & Co. GmbH

Anerkennungen

Der feine Duft der MarianneReinbek, Schleswig-HolsteinSoeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Mehr als ein GartenMettmann, Nordrhein-WestfalenBüro Volker Püschel

Über den Dächern der StadtSchweizLustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Kleiner Garten der VielfaltFricktal, Kanton Aargau, SchweizHariyo Freiraumgestaltung GmbH

Projekte

Ein grünes GesamtkunstwerkKranzberg, BayernLATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung

Toskanisches Lebensgefühl an der BergstraßeRegion Bergstraße, Baden-WürttembergKEPOS Gartenarchitektur – Carola Dittrich

SeeblickePogeez, Schleswig-HolsteinHennings Gartenbau

Der Jahrhundert-GartenBergisches Land, Nordrhein-WestfalenIngo Sperling Exclusiv-Gestaltung

Wertvollen Lebensraum schaffenHavelland, BrandenburgStefanie IhnowPotsdamer Gartengestaltung GmbH

Dem Ideal einer Landschaft nachempfundenHeidenrod, HessenJürgen Kirchner Wasser + Garten

In der Tradition der klassischen GartenkunstMeerbusch, Nordrhein-WestfalenWKM Landschaftsarchitekten GmbH

Englische Gartenkultur am NiederrheinWesel am Rhein, Nordrhein-WestfalenWesser GmbH Gärten, Grün & Service

Aus dem richtigen Winkel betrachtetBerlinStrauchpoeten

Ein Pool-Garten für die ganze FamilieStuttgart, Baden-WürttembergOtto Arnold GmbH

Ein Patio-Garten in FrieslandStadt Jever, NiedersachsenJens Gerdes Garten- und Landschaftsbau GmbH

Komfort unter freiem HimmelRheinland, Nordrhein-WestfalenForster Garten- und Landschaftsbau GmbH

Blick in ein artenreiches BiotopNotzingen, Baden-WürttembergFahrion Garten- und Landschaftsbau GmbH

Ein Sommergarten-Traumbei Lüneburg, NiedersachsenZINSSER Garten & Poolbau

Im Großstadt-DschungelKöln, Nordrhein-WestfalenTerramanus Landschaftsarchitektur

Gartenerlebnis am HangLandshut, BayernMajuntke GmbH Gärtner von Eden

Schwimmen im bayrischen BauerngartenLandkreis Ebersberg, OberbayernHögl Garten GmbH Gärtner von Eden

Grünes Wohnzimmer statt HinterhofAachen, Nordrhein-WestfalenRichter Garten_Planung

Die andere WeltBochum, Nordrhein-WestfalenSOWATORINI Landschaft

Generationengarten zum GenießenArnsberg, Nordrhein-WestfalenKlute Gärtner von Eden

Das Fluidum des gewachsenen GartensSüdlicher Tegernsee, BayernKoch+Koch GartenArchitekten

Private ParkeinsichtenBad Homburg vor der Höhe, HessenSilke Blum & Claudia Scherer Studio für Gartendesign und Freiraumplanung

Eine uralte KulturtechnikRheinland, Nordrhein-WestfalenForster Garten- und Landschaftsbau GmbH

Lebendige Kontraste schaffenWuppertal, Nordrhein-WestfalenGärten von Eckhardt GmbH & Co. KG

Villengarten hoch über dem grünen FlussPullach, BayernFuchs baut Gärten GmbH, Gärtner von Eden

Das symmetrische OrdnungsprinzipMainz, Rheinland-Pfalzrheinblau2_objektdesign_kommunikation

Ein Ort entspannter ZeitlosigkeitBudapest, UngarnBrigitte Röde – Planungsbüro Garten und Freiraum

Ein naturnaher Garten mit architektonischen ElementenUznach, Kanton St. Gallen, SchweizDietziker Gärten GmbH

Die große Kunst, einen kleinen Garten zu gestaltenMünsingen, Kanton Bern, SchweizGartenkultur AG

Nachhaltigkeit im Garten lebenGöttingen, NiedersachsenWette + Küneke Landschaftsarchitektur

Integraler Bestandteil der Gartenstadtbei München, BayernStephan Maria Lang Architektengesellschaft mbH

Eine gewachsene ParklandschaftErkelenz, Nordrhein-WestfalenWolfgang R. Mueller

Vielfalt im Garten – keine Frage der GrößeDenkendorf, BayernRobert Mißbichler – natur in form

Taktgeber der ArchitekturSteffisburg, Kanton Bern, SchweizGartenkultur AG

Ein Garten mit ZukunftNeufra, Baden-WürttembergThomann Garten- und Landschaftsbau GmbH & Co.

Inselgarten de luxeSylt, Schleswig-HolsteinJensen Landschaftsarchitekten

Landgarten zu einem RiegelhausKanton Zürich, SchweizLustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Die Leidenschaft fürs Gärtnern weitergebenOffenhausen, OberösterreichThe Heartgardener®

Polygonale VerbindungKanton Basel, SchweizLustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Ein dynamischer FamiliengartenSchweizer Mittelland, SchweizHariyo Freiraumgestaltung GmbH

Big is beautifulKanton Luzern, SchweizGartenkultur AG

Wohltuender PerspektivenwechselKanton Basel, SchweizLustenberger Schelling Landschaftsarchitektur

Wohngarten mit botanischem FlairHamburgAnke Mattern, Stauden-und Gartendesign, Steyerberg

Baden unter alten Birkenbei Sinsheim, Baden-WürttembergOtto Arnold GmbH

Naturgarten mit DesignLangendorf, Kanton Solothurn, SchweizGartenkultur AG

Lösungen des Jahres 2021

Unsere Unterstützer

Adressen

Pflanzenregister

Impressum/Bildnachweis

Lassen Sie sich inspirieren …

Ob Architektur, Fashion, Kochen & Backen, Wohnen oder Reisen:Callwey Bücher entführen Sie immer wieder aufs Neue in andere Welten.

Mit unserem NEWSLETTER tauchen Sie monatlich ein in unsere stilvolle Welt:köstliche Rezepte, Dekorations-Ideen und schöne Geschichten.Seien Sie als Erstes informiert über unsere Novitäten und Verlosungen!

https://www.callwey.de/newsletter/

Jetzt abonnieren

Natürlich finden Sie uns auch auf SOCIAL MEDIA.Folgen Sie uns schon?

@ Callwey

https://www.facebook.com/callwey

https://www.instagram.com/callwey

Callwey Bücher machen glücklich.Probieren Sie es doch mal aus.

EINLEITUNG

von Hanne Roth

Tatort Pflanzbeet

Pflanzenpotenzial

Pflanzen können viel, auch außerhalb der von Hansen beschriebenen Lebensbereiche. Untrennbar ist Professor Richard Hansen aus Weihenstephan mit der Zuordnung der Stauden in 7 Lebensbereiche und deren Übergänge verbunden. Herbstanemonen, die Sorten 'Septembercharme' oder 'Honorine Jobert', sind tatsächlich nur beispielhaft ausgewählt, weil ich mir sicher war, Sie alle kennen sie.

Beide Sorten sind schon bei Hansen erwähnt und eignen sich für den Lebensbereich „Gehölz und dessen Übergänge“, sie vertragen halbschattig und trocken, aber sie können bei feuchtem, humosem Boden auch sonnig stehen. Gleichzeitig wachsen sie ebenso auf völlig trockenen Plätzen. Je nach Standort verändern sie ihr Wuchsverhalten und ihr Aussehen. Es ergeben sich markante Unterschiede in der Wuchshöhe, in der Üppigkeit und der Ausbreitung. Dieses Verhalten trifft auf eine ganze Reihe Stauden, Gräser und Gehölze zu. Nur: Es steht nirgendwo zusammenhängend beschrieben. Darauf gehe ich später noch einmal ein. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass Pflanzen besonders viel können, wesentlich mehr, als wir ihnen zutrauen. Und genau dieser Grenzbereich hat mich schon immer fasziniert.

Kurz möchte ich Ihnen schildern, wie ich mich überhaupt dieser Thematik genähert habe. Die erste Gelegenheit, mich mehr mit Stauden vertraut zu machen, war, nach meiner Lehre im Garten- und Landschaftsbau, ein Aufenthalt in der Staudengärtnerei Demmel in Seeshaupt (Oberbayern). Hier hatte ich intensive Begegnungen mit Stauden, besonders beim Unkrautjäten. Was für die meisten großes Leid darstellte, war für mich Entspannungsübung. Egal, ob man die Töpfchen zum Verkauf richtete oder das Mutterstaudenquartier bearbeiten musste. Es war die Gelegenheit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was da wachsen sollte. Die Empfehlung von Landschaftsarchitekt Peter Leitzmann habe ich schließlich ernst genommen. Er lehnte meinen Wunsch, in seinem Büro ein studiumvorbereitendes Praktikum zu absolvieren, mit den Worten ab: „Lernen Sie erst mal Pflanzen kennen, Gehölze kennen Sie vielleicht schon, aber Stauden, die sind unser Handwerkszeug, und die unterscheiden uns vom Tiefbauer. Dann können Sie wiederkommen.“ Wie recht er doch hatte. Schlussendlich kam dann vieles anders, aber die Freude an Pflanzen war neben der angeborenen Neugier auf deren Eigenschaften ganz besonders angestoßen.

Eigentlich waren es die Sämlinge von Kultur- und Nichtkulturstauden, die sich so beiläufig an Randsituationen ansiedelten, an den Wegrändern oder an den Ecken der Frühbeetkästen. Wie kann es sein, dass diese Pflanzen mit doch sehr reduzierten Lebensbedingungen zurechtkommen, wo sie doch im Topf mit aufgedüngten Substraten recht stattlich heranwachsen?

Diese Beobachtungen waren jedenfalls der Auslöser, einen Lkw mit Kies in meinen elterlichen Garten zu kippen. Der lag im Süden von München. Ein Gebiet, wo man über Staunässe nicht nachdenken muss. Die Münchner Schotterebene ist ein über drei Eiszeiten entstandener Sander, eine Art Schwemmkegel der alpinen Vorlandgletscher, mit der größten Schichtdicke von 100 m. Die klassisch gerade gewachsene Mohrrübe kommt nicht aus München. Holt man hier Material aus dem Boden, ist es Kies in der Körnung 0 – X. Immerhin hatte ich mich auf 0 – 36 mm beschränkt. Für mich ein Entgegenkommen, für meinen Vater als leidenschaftlichen Pflanzenliebhaber war das völlig unverständlich. Er war nun der Erste, mit dem ich lange über Sinn und Unsinn meiner geplanten Aktion diskutiert habe, vermutlich aber der Wichtigste. Sie können es sich schon denken, ich habe mich durchgesetzt. Mein Vater verstand die Welt nicht mehr. Da lässt man die Tochter eine Gärtnerlehre machen, und dafür schüttet sie das Federball-Areal mit Kies zu.

Aber ich wollte ganz einfach ausprobieren, wie weit Pflanzen aus verschiedenen Lebensbereichen mitgehen, wenn sie nicht so üppig versorgt werden. Was passiert mit ihnen? Gibt es doch auch im Gebirge so viele Überlebenskünstler, die kaum eine Bodenschicht zur Verfügung haben, die ihre Wurzeln manchmal direkt über den Fels stülpen.

Angefangen von Yucca filamentosa über Solidago caesia, die damals nur bei Dr. Simon, Marktheidenfeld, dem Staudenpapst schlechthin und Vorreiter beim Thema Präriepflanzungen in Europa, zu bekommen waren, über Salvia officinalis bis hin zu Teucrium chamaedrys, Centranthus ruber und noch viele andere mehr, kamen diese Pflanzen vom Torfkultursubstrat in reinen Münchner Kies. Sicher ein Schock für sie, aber es hat funktioniert. Beinahe alle haben den Versuch überlebt. Und nicht nur das. In mehr als 40 Jahren entstand ein Refugium für fliegende und kriechende Insekten, nicht laut, aber dafür üppig in Wuchs und Blüte. Selbst mein Vater erklärte nach ein paar Jahren vielen Menschen das Besondere dieser Pflanzung, nachdem er mich verstanden hatte.

Ich hatte allerdings nicht geahnt, dass mit dieser Aktion im Prinzip der Grundstein zu meinem experimentellen Umgang mit Pflanzen gelegt wurde. Heute ist mir dies selbstverständlich geworden. Dieses “Schaung ma moi, dann seng ma scho“, frei nach Franz Beckenbauer, unterstützt mit dem Wissen um die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen.

Der Boden

Beginne ich mit den Vorbereitungen für eine neue Pflanzung, besuche ich im Regelfall zunächst den Ort, sehe mir an, was dort von Natur aus wächst, betrachte den Boden, verstehe die Wünsche des Auftraggebers oder die Notwendigkeit der Situation. Der Boden ist das A und O, auch die Sonneneinstrahlung ist nicht unerheblich. Das vergessen wir Gärtner manchmal. Aber nicht jede Pflanze wächst an jedem Ort.

So schön beispielsweise die Rhododendronblüte auch sein mag, es ist äußerst mühsam, diese Gattung im Süden Deutschlands zu etablieren, selbst mit kalktoleranten Unterlagen. Es geht mit enormem Aufwand, mit Bodenaustausch und viel Torf, mit Bewässerungstechnik, mit viel Streicheln der Pflanzen. Selbst im Privatgarten ist das Ergebnis nicht immer ein Erfolg, aber auf mehr oder weniger öffentlichen Flächen ist der Einsatz schlichtweg unmöglich. Nichts gegen Rhododendren, wenn sie zum Standort passen. Außerdem haben wir uns heute häufig noch ganz anderen Herausforderungen zu stellen.

Bedingungen

Die warmen Temperaturen beginnen früher im Jahr, die Niederschläge sind unregelmäßig bis wenig oder gar nicht vorhanden und wenn, dann kann es auch mal schnell zu viel sein. Wie schaffen wir also zusammenhängende Pflanzflächen, die wenig Wasser und Nährstoffe brauchen, eigentlich von allem wenig. In letzter Konsequenz auch wenig Arbeitseinsatz. Soll doch der Garten mehr „Chill- und Grill-Areal“ sein als Arbeitsfläche.

Genau an diesem Punkt könnten wir aber doch auch darüber nachdenken, ob nicht der uneingeschränkte Einsatz von Blaukorn & Co., der Einsatz von aufgedüngten Pflanzsubstraten und nicht zuletzt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit dafür verantwortlich sind, dass unsere Pflanzen mehr Zuwendung benötigen. Üppiger-höher-fetter-dichter bedingt in der Folge auch mehr Arbeit. Ständig schneiden, aufbinden, stäben oder irgendwie sonst zusammenhalten. Das sind ganz sicher Arbeiten, die keiner braucht. Außer man zählt sich zu den Dahlien-Liebhabern, rammt für jede Kaktus- und Halskrausen-Dahlie einen Pfahl in die Erde, damit sie auch ja nicht umfallen kann.

Ganz nebenbei gäbe es auch hier einfach blühende Formen, die neben wunderschön auch bienenfreundlich sind. Sie sind wunderbar in jede Staudenpflanzung einzubinden, ohne Stab, ohne Pfahl und ohne Aufwand. Also, weniger ist wie so oft auch in diesem Fall mehr. Nährstoffe und Wasser im Boden haben Einfluss auf das Pflanzenwachstum. Das ist alte Gartenschule. Die Pflanzen bleiben kompakter, standfester, auch gesünder, haben sie von allem etwas weniger. In der Folge bescheren sie uns damit auch weniger Arbeit, dafür mehr Freude. Auf die richtige Auswahl kommt es an. Unbedingt ist die passende Gattung und Art der Pflanze auf den vorhandenen Boden abzustimmen. Hilfreich ist es manchmal, sich auf die natürliche Herkunft der Pflanze zu besinnen. Montbretien, selbst Geranien pflanze ich in nahezu reinen Kies, und sie belohnen mich mit reicher Blüte und leuchtenden Farben. Auch der Lavendel wächst üppiger und ist intensiver im Duft, findet er durchlässigen Boden vor, so meine Erfahrung.

Umsetzung

Entlang dieser Erkenntnisse habe ich vor gut zehn Jahren angefangen, Boden mit Kies, Splitt oder Schotter zu mischen, den Boden also abzumagern. Am Ende wird noch mindestens 10 cm Sand als Mulchschicht aufgetragen. Bei besser gefülltem Geldbeutel kann Lava verwendet werden. Auch eine reine Splittschicht ist erlaubt. Nur: Hier ist der Weg zur Verschotterung nicht weit, zumindest optisch, wenn auch nicht im Aufbau. Allerdings glauben viele nur, was sie sehen … Sie merken, meine Herkunft hat mich geprägt. Es stört mich nicht, dass so mancher beim Fertigstellen einer Pflanzung meint, da fehle ja nur noch der Strandkorb.

In diese Sandschicht wird dann gepflanzt, das Abdecken des gesamten Wurzelballens ist Voraussetzung für das Gelingen. Damit haben die Pflanzen, egal ob Gehölz, Staude oder Gras den klaren Auftrag, Wurzeln nach unten auszubilden, denn oben „gibt’s nix“. Nach der Pflanzung wird gut gewässert und je nachdem, in welchem Umfeld die Pflanzung liegt, bekommt sie einmal die Woche Wasser über ca. zwei Monate, je nach Jahreszeit. Hier sind wir gefordert, zu helfen, wollen wir den Grundstein für eine wunderbare Pflanzung legen. Dieses Zeitfenster ist der wichtigste Abschnitt, hier entscheidet sich, ob die Komposition wachsen kann und wird oder ob es eben nicht klappt.

An dieser Stelle schließt sich der Bogen von öffentlich zu privat. Mein Tun im öffentlichen und halböffentlichen Bereich funktioniert auch und natürlich besonders im privaten Bereich.

Anspruch pflegeleicht

Wie war das noch mit der Verschotterung der Vorgärten? Graben wir erst den Boden weg, legen wir Folie oder Bändchengewebe aus, schütten dann für viel Geld Schotter als gebrochenes Material in möglichst großer Körnung auf und freuen uns, wenn dann ein einsamer Buchs, eine Kugel-Catalpa oder ein gestreifter Miscanthus darin wachsen soll und scheitert.

Pflegeleicht! Das ist der ursprüngliche Anspruch an die einkörnigen Schotterflächen. Am Ende ist diese Art Schotterbeet doch nicht ganz so pflegeleicht! Der Wind trägt auch die Samenkörner vom Löwenzahn, Weidenröschen, von der Brennnessel oder anderen Pflanzen dorthin, wo der Schotter liegt. Vielleicht gerade dahin, weil diese Art Pflanzen mit extremen Bedingungen besonders gut zurechtkommen. Aber das möchte der Gartenbesitzer nicht! Einzig der Natur ist es egal. Aber was heißt denn pflegeleicht wirklich? Das Wort allein schon macht mich grantig. Das Adjektiv per se hält im Garten nicht stand. Denn was für mich pflegeleicht oder pflegearm ist, muss für den Gartenbesitzer noch lange nicht leicht zu pflegen sein. Also, wann ist eine Pflanzung pflegeleicht? Wenn ich mich nicht bücken muss? Oder wenn ich ganz einfach nicht schneiden, nicht stäben, nicht gießen, nicht graben, nicht Unkraut jäten, nicht das Laub aus dem Schotter blasen, nicht dies und nicht das tun muss? Zum Glück gibt es eine ganze Menge Menschen, die gerne von der Verschotterung wegwollen, die sich danach sehnen, eine funktionierende Pflanzengesellschaft in ihrem Vorgarten oder Garten zu haben, um die man sich eben nicht jeden Tag kümmern muss. Das Angebot für die Bienen inklusive. Schon gäbe es noch einen anderen Ansatz, solche Pflanzungen zu benennen. Naturhaft, natürlich oder so ähnlich, dann wäre auch noch die Arbeit aus dem Wort.

Spätestens hier könnte eine ausführliche Beratung hilfreich sein, vor allem für diejenigen, die noch nicht verstanden haben, dass Pflanzenwurzeln Boden mit Feinanteilen benötigen. Die meisten Pflanzen können sich mit losen Steinbrocken und Bändchengewebe nicht zufriedengeben. Das erinnert mich immer wieder an die Diskussion mit meinem Vater und an die Tatsache, dass Wissen in Verbindung mit Hartnäckigkeit zum Erfolg führen kann, meistens jedenfalls.

Rezeptur

Wie beim Kochen gibt es bei der Pflanzplanung vergleichbare Strukturen, was die Vorbereitung betrifft. Kreativität, Improvisationstalent und fundiertes Fachwissen versprechen am Ende Erfolg. Unabdingbar ist jedoch in beiden Fällen Grundwissen zur Thematik: Man nehme die Fläche, die es zu gestalten gilt, prüfe den Boden, mische ihn unter Umständen mit etwas Kies, Splitt oder Schotter ab, um ihn durchlässiger zu machen. Zu achten ist auf die Exposition der Fläche, auf die besondere Lage hinsichtlich Beschattung durch benachbarte Pflanzen oder Gebäude. Gibt es eine bestimmte Funktion, die zu erfüllen ist, wie Sichtschutz oder Windschutz? Oder gibt es noch andere funktionale Anforderungen, wie die freie Trennung zweier benachbarter Grundstücke ohne Zaun, auch das wäre ja denkbar. Was möchte ich mit meiner Pflanzung erreichen? Was muss ich erreichen? Ist also geklärt, wie die Pflanzung wo zu gestalten ist, kommt der Moment, an dem sich viele Geister scheiden. Neben den fachlichen Anforderungen kommen Stil und Ästhetik hinzu.

Kompositionen

Entsprechend dieser Fragen beginne ich die Auswahl festzulegen. Aktuell, aber auch schon die letzten vier Jahre, beschäftige ich mich mit eher mageren Standorten, im Besonderen mit Versickerungsmulden. In früheren Zeiten war das ein sicherer wechselfeuchter Standort. Mittlerweile wählen wir Arten aus, die eher mit wechseltrockenen Bedingungen leben können. Wie viel Trockenheit und Hitze vertragen die Pflanzen, wie kommen sie mit plötzlicher Überflutung zurecht?

Was wir also brauchen, sind Überlebenskünstler: Gehölze, baum- oder strauchartig, dazu Stauden und Gräser, die langlebig und/oder kurzlebig sind, sommergrün oder gerne immergrün. Des Weiteren ist über folgende Eigenschaften nachzudenken:

•Welches Wurzelsystem haben die Pflanzen,

•wie vertragen sich die einzelnen Arten untereinander,

•welchem Wurzeldruck halten sie stand,

•welchen Ausbreitungsdrang haben sie,

•wie standfest sind die Pflanzen,

•welche Strukturen ergeben das Wuchsbild,

•welche der abgeblühten Blütenstiele liefern eine Struktur für das Winterbild,

•wie gestaltet sich der Austrieb,

•wie und wann setzt die Blüte ein,

•wie und welche Früchte werden ausgebildet,

•wann kommt der Laubaustrieb,

•wie färben sich die Blätter oder färben sie sich überhaupt?

Ich trage die Pflanzen zusammen, von denen ich überzeugt bin, dass sie zusammenpassen, sich im Idealfall ergänzen. Ein weiteres, spezielles und sehr wichtiges Auswahlkriterium sind die Farben von Blüten und Blättern. In jedem Fall müssen die Pflanzen „sich mögen“. Das ist wie bei uns Menschen, wenn wir im Team zusammenspielen sollen. Wollen wir etwas erreichen, dann müssen wir zusammenspielen. Macht jeder, was er will, dann funktioniert es nicht. Egal, was wir angehen. Diese Erkenntnis ist ohne Einschränkung auf die Pflanzenwelt übertragbar.

Steht dann Sedum telephium bei Euphorbia segueriana, haben Anthemis, Sesleria heufleriana und Liatris den richtigen Abstand? Ergeben Euphorbia und Aster x frikartii ein markantes Bild von allen Seiten, und haben die Wildastern genügend Platz, sich auszubreiten? Sind die verschiedenen Gräser entsprechend ihrer Höhe positioniert und stehen die Gehölze im spannungsreichen Abstand zueinander? Kann sich die Beschattung der vorgesehenen Bäume auswirken? Stehen alle Lichthungrigen in der vollen Sonne, und ist eine Art dabei, welche die gesamte Komposition sprengen könnte? Sind die Kurzlebigen so platziert, dass sie weichen können, ohne Löcher zu hinterlassen? Ist an alles gedacht?

Diese letzte Frage kann ich eindeutig mit NEIN beantworten. Viel Wissen, viele Eindrücke, viel Wollen kann manches Mal dazu führen, dass das Transparent auf meinem Zeichentisch lange da liegt und leer bleibt. Erst das Loslassen, alles perfekt und richtig zu gestalten, lässt meine Farbstifte glühen. Erst, wenn alles aufgeschrieben ist, erscheint die Pflanzung vor meinem geistigen Auge, und dann kann ich versuchen, meine Fragen zu beantworten.

Am Ende gibt es noch eine ganz besondere Prise obendrauf, und das sind die Geophyten. Sie komplettieren das Werk. Tatsächlich wachsen selbst unter den schon genannten schwierigen Bodenbedingungen Crocus ancyrensis, kleinblumige Narzissen, diverse Allium-Sorten wie 'Globemaster', 'Purple Sensation', 'Forelock', 'Mount Everest' und Arten wie macleanii oder senescens subsp. montanum richtig gut. Sie vermehren sich wunderbar und ergänzen die mögliche Vielfalt auf extremen Standorten.

Et voilà: Fertig ist eine bienen- und insektenfreundliche Pflanzenkomposition, in der von Januar bis Dezember geblüht wird, die über das ganze Jahr in ansprechendem Zustand ist. Zumindest aus meiner Sicht. Hätte ich jetzt fertig gekocht, könnte ich guten Appetit wünschen. Habe ich eine Pflanzung fertig gestellt, kann ich sagen: Genießen Sie und haben Sie Geduld, idealerweise mit sich und den Pflanzen. Lassen Sie die Pflanzen den Lauf der Natur finden, schneiden Sie nicht gleich jeden abgeblühten Halm ab. Und vor allem: Lassen Sie das ganze Werk über den Winter gehen, haben Sie so viel Mut, sich gegen den herbstlich organisierten kommunalen Grünabtransport zu stellen. Nach dem Motto, ich bin NICHT dabei.

Pflegearbeiten

Gegossen wird direkt nach der Pflanzung. Sind die Wurzelballen nicht abgedeckt, muss nachgearbeitet werden. Keinesfalls aber darf zu tief gepflanzt werden. Das ist der sichere Tod bei den Gehölzen.

Im Pflanzjahr gibt es regelmäßige Wassergaben, damit die Wurzeln sich entwickeln können. Schon nach zwei Monaten kann man feststellen, dass die Pflanzen Wachstumszuwachs zeigen. Je nach Pflanztermin gebe ich dann nur noch Wasser, wenn es über einen längeren Zeitraum keinen natürlichen Niederschlag gibt.

Ab dem zweiten Entwicklungsjahr gieße ich Staudenpflanzungen nicht mehr, es sei denn, es sind drei Wochen knapp 40° Celsius. Bei den Großgehölzen ist etwas mehr Sorgfalt zu üben. Hier dauert es mindestens eine ganze Vegetationsperiode, bis die neue Wurzelbildung über den Ballen hinausgeht.

Rückschnitt gibt es nur einmal, und der ist im Frühjahr, Februar/März, je nach Blütezeit der eingebrachten Geophyten.

Gestäbt wird bei mir grundsätzlich nicht, Luxuskrankheiten wie Mehltau gibt es kaum zu beklagen. Bei meinen Pflanzungen ist entscheidend, wie widerstandsfähig die Auswahl der Pflanzen ist, wie hitzetolerant die einzelnen Arten sind, wenn sie zwischen befestigten Parkplätzen, Randsteinen und Betonfundamenten zu bestehen haben, wenn sie zwischen Asphalt und Fahrradweg eine Entwässerungsmulde begrünen sollen. Kaum zu glauben, oder?

Gehen wir nochmals zur Rezeptur: Wichtig ist eine vielfältige Kombination aus Gehölzen, baum- oder strauchartig und/oder Stauden und Gräsern. Die Kombination ist es, die es ausmacht und die für relativ schnellen Bodenschluss sorgt. Ich möchte nach dem ersten Jahr keinen Boden mehr sehen. Weder Erde, noch Kies, noch Schotter. Die Pflanzungen sollen nicht nur müssen, sondern können dürfen. Eine Pflanzung soll sich mit der Natur entwickeln, nicht gegen die Natur. Gelingt es, die Pflanzen zu lassen, dann helfen auch Sämlinge, den Bodenschluss schnell zu erreichen. Phlomis russeliana, das Brandkraut, ist ein solcher Vertreter und will hier unbedingt genannt sein. Lassen wir doch auch das eine oder andere Wildkraut zu. Nicht dass Sie denken, ich würde meine Pflanzungen dem Zufall überlassen. Aber ich bin großzügig, wenn es darum geht, die einzelnen Gattungen und Arten sich verweben zu lassen, damit ein Gesamtensemble entsteht. Die ausgesuchten Pflanzen sollen sich entwickeln und tun dies umso mehr, je wohler sie sich an diesem Standort fühlen.

Je besser die Pflanzung letztlich funktioniert, umso schneller und wunderbarer wachsen die verwendeten Pflanzen zu einer Gemeinschaft zusammen. Christian Kress nennt es Blackbox Gardening. Selbst Richard Hansen beschrieb diese Art der Pflanzenentwicklung bereits, wenngleich nur ansatzweise und nur in seinem Vorwort.

Neue Erfahrungen und Chancen

Manchmal passiert auch Unvorhersehbares, vergleichbar mit so manchem Kochvorgang. Hat man eine Zutat, die nicht bestellt war, die gar nicht vorgesehen war und die eigentlich auch gar nicht passt, dann aber doch Verwendung finden soll, ist man herausgefordert.

Dazu habe ich eine besondere Geschichte parat. Eine Rose 'Westerland' in Solitärqualität kam in meine Hände, nicht bestellt und schon gar nicht vorgesehen. 'Westerland' gehört nicht zu meinen Lieblingsrosen, ich könnte auch sagen, ich mag sie gar nicht. Neutral gesehen aber war das Exemplar richtig schön. Mein großes Pflanzenherz ließ es nicht zu, sie dem Komposthaufen anzuvertrauen. So kam der Gedanke auf: Zeig mal, was du kannst! Ich habe sie in meine erste Entwässerungsmulde, also in meine Versuchsmulde gepflanzt und dachte mir, wenn du da überlebst, dann darfst du bleiben und hast den schönsten Platz. Sie ist umgeben von Parkplatzreihen und einer Zufahrtsstraße zu einem Logistikzentrum, die täglich von Lkws und Pkws intensiv befahren wird. Aber dafür wird sie von jedem gesehen!

Die Rosenliebhaber unter Ihnen werden jetzt aufschreien: Gepflanzt wurde sie in eine Bodenmischung von annähernd 70 % Kalksplitt und 30 % Oberboden, auf Rigolen, ohne Lehmanteil und Dünger, nur im Pflanzjahr mit Wassergaben versorgt. Dazu kommt noch, dass sie jedes Frühjahr wie eine Polyantharose behandelt und mit den Stauden auf knapp 10 cm zurückgeschnitten wird. Sie bedankt sich seit vier Jahren mit einer überreichen Blüte, mit einem glänzenden, dunkelgrünen Blatt, ohne Laus und ohne Mehltau. Sie erreicht eine Höhe von nahezu 160 cm und ist ab September reich mit Hagebutten besetzt, die über den Winter auch noch Vogelnahrung bieten. Selbst Rosenzüchter staunen bei dieser meiner Berichterstattung, können es kaum fassen. Denn auch in deren Schaugärten erfahren die einzelnen Rosensorten viel Zuneigung, eigentlich zu viel von allem. Beinahe wie in jedem Hausgarten werden sie gehegt und gepflegt, gedüngt und mit allem Möglichen gegen saugende und beißende Insekten behandelt, gegen Pilzkrankheiten teils schon vorbeugend gespritzt. Unerfahrene Gartenbesitzer winken gerne ab, wenn es um das Thema Rosen geht. Zu viel Arbeit!! Da sind wir wieder beim Thema.

Ich möchte nicht generell dazu raten, Strauchrosen wie Polyantharosen zu behandeln und Rosen einfach ins Kiesbeet zu pflanzen. Ganz sicher werden Strauchrosen ohne diesen Radikalschnitt zu wunderschönen Gestalten. Aber auf Extremstandorten kann mit der richtigen Auswahl der Sorten gelingen, worüber man noch nicht nachgedacht hat. Die Wildformen der Rosen sind grundsätzlich anspruchslos, besiedeln zum Teil Ruderalstandorte. Warum sollen nicht zumindest die einfach blühenden Sorten anspruchslos sein können? Sie sind Dauerblüher in jeder Art von Beet, sogar mit Fruchtschmuck. Welches Gehölz kann das schon von sich behaupten.

Von dieser Erfahrung wiederum animiert, habe ich begonnen, Persica-Hybriden mit in diese Art Pflanzungen einzubinden. Leuchtende Farben, ungefüllte Blüten, gesundes Laub, das mich, außer zur Zeit des Austriebs, eigentlich gar nicht wirklich interessiert. Benötige ich doch nur die Blüten zu meinen Stauden, zu den Gräsern, die zum Teil schon blühen, wenn die Rosenblüte einsetzt. Finde ich dann noch Sorten, die das Beet mit leuchtender Herbstfärbung, Blüten und Hagebutten gleichzeitig aufpeppen, dann sehe ich mich von Mutter Natur für meine Ideen belohnt.

An dieser Stelle noch eine amüsante Geschichte. Nicht immer klappt alles! Zum Beispiel meine besondere Erfahrung mit Amorpha canescens, Bleibusch oder auch Bastardindigo genannt. In verschiedenen Pflanzungen habe ich ihn wahrgenommen, üppig gewachsen, spät blühend, mit goldgelber Herbstfärbung. Also mit allen Eigenschaften einer Pflanze, die exzellent in mein schon bewährtes Pflanzengefüge passt. Leider ist die Art im Topf völlig unterrepräsentiert, meist ziemlich klein und unscheinbar beim Kauf. Die kleinen Fiederblätter ähneln sehr dem Blatt der Robinie. Diese Eigenschaft hatte leider zur Folge, dass ich über drei Jahre keine Amorpha im Beet hatte. Zwar wurde sie jedes Jahr neu gepflanzt, aber auch jedes Jahr herausgepflegt. Nun zum vierten Mal gepflanzt – die Hoffnung stirbt zuletzt!

In jedem Fall wünsche ich mir, viele andere Seelen mit meinem Schaffen zu berühren und zur Nachahmung anzuregen. Und ich mache dabei keine Diskussion auf, hinsichtlich heimisch oder nicht heimisch. Der Begriff darf sowieso nicht mehr verwendet werden, weil er politisch ist. Wenn dann einheimisch, also indigen. Naturgärtner verwenden indigene, aber auch archäo- und neophytische Arten. Aber nur, wenn sie nicht invasiv sind. Ein spannendes Thema. Den Insekten jedenfalls ist es egal, woher sie ihren Nahrungsbedarf decken. Hauptsache, das Angebot ist üppig über das ganze Jahr verteilt. Einheimisch oder fremd spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Verehrte Garten- und Pflanzenliebhaber, jetzt sind Sie an der Reihe: Haben Sie Freude bei der Umsetzung von gewöhnlichen und außergewöhnlichen Pflanzenkombinationen, seien Sie mutig! Mutig im Zusammenspiel der Pflanzen, mutig im Ausprobieren. Nehmen Sie in Kauf, dass nicht jede Pflanze will wie Sie. Zudem wird die Veränderung der klimatischen Verhältnisse die Verwendung von Pflanzen nachhaltig beeinflussen und dabei auch die Chance für neue Kompositionen ermöglichen. Die Suche gilt denen, die an dem von uns gewählten Ort und Umständen können und wollen. Dann gelingt Garten von ganz alleine. Das Schönste wäre, wenn meine Pflanzungen die Leser motivieren könnten, sich auf den Weg zu machen.

Hanne Roth

1. Preis Anerkennungen

Petra Pelz und Peter Berg

1. PREIS

Ein Teil der Pflanzenwelt

Geborgen wie in einem Nest fühlt man sich im von Stauden und Gräsern umgebenen Holzhaus.

Man kann den Auftraggebern nur dazu gratulieren, dass sie sich für diese naturnahe Gestaltung entschieden haben, die einen lebendigen Garten entstehen ließ, der diesen Namen auch verdient. Stauden, Gräser, Gehölze und Natursteine harmonieren mit dem ungewöhnlichen eingeschossigen Holzhaus, betten es in den Hanggarten und lassen es eins werden mit dem nahen Wald.

Laudatio

Ein Vorzeigeprojekt für Biodiversität und Nachhaltigkeit in unserer Branche. Pflanz- und Pflanzenexpertin Petra Pelz und die Gartendesign-Firma GartenLandschaft Berg & Co. haben gemeinsam eindrucksvoll den naturnahen Garten als landschaftsarchitektonisches und -gärtnerisches Gesamtkonzept umgesetzt: eine einstimmige Wahl der Jury.

Auf 1.900 begrünten Quadratmetern wirkt alles naturnah, und doch wurde nichts dem Zufall überlassen: Hier haben die Experten einen Rückzugsort für die Bewohner des Holz-Bungalows geschaffen, in dem sie sich erholen und Natur als Teil ihres Zuhauses erleben können. Verschiedene Bäume und Gehölze fassen den Garten schützend ein und spenden an heißen Tagen Schatten. Die Baumaterialien stammen aus der Region.

Der Garten ist eine wahr gewordene Vision: Sie zeigt eindrucksvoll, was die naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung heute schon für den Natur- und Artenschutz leisten kann. Hier wurde konsequent alles bepflanzt, inklusive der Dächer, die sogar begehbar sind und sich so harmonisch als zusätzlicher Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen in die Gartenlandschaft einfügen.

Aus dem Panoramafenster des glänzenden Baumhaus-Kubus erblickt man den gesamten Naturgarten. Durch bodentiefe Fenster, Glastüren und einen ebenerdigen Zugang gehen Wohnraum und Garten des Bungalows eine nahtlose Verbindung ein. Ein durchdachter Mix aus verschiedenen Pflanzenarten und -bereichen sorgt übers Jahr dafür, dass Insekten und andere Tiere möglichst lange Nahrung finden. Hier wirken ästhetisches Verständnis, Handwerkskunst, jahrzehntelange Erfahrung und ausgewiesene Pflanzen- und Pflanzexpertise mit Kreativität und einem visionären Blick auf das Thema Landschafts- und Gartengestaltung zusammen – und schaffen ein naturnahes Refugium für Menschen, Flora und Fauna.

Paul Saum

Weite Blicke: Vom Baumhaus kann man bis Hannover sehen. Die ungewöhnliche Stahlkonstruktion steht auf eigenen Füßen und beeinträchtigt die benachbarte Eiche nicht.

Wunderbare Welt der Stauden: Kerzen-Knöterich 'Blackfield' (Polygonum amplexicaule) mit kräftig dunkelroten Blütenähren, dazu filigrane Gräser und das zarte Violett der Großblütigen Schönaster (Kalimeris incisa 'Madiva').

Terrassen im klassischen Stil gibt es nicht – die Flächen sind mit trittfesten Bodendeckern oder Stauden bepflanzt.

Das Haus wird zu einem Teil der Pflanzenwelt.

Eine Felsentreppe führt durch die Stauden- und Gräserpflanzung hinauf zum Baumhaus am Waldrand.

Alles ist bepflanzt, sogar das Dach des eingeschossigen Holzhauses.

Pflanzen dürfen nicht nur bis an die bodentiefen Fenster des Hauses wachsen, sie dürfen das komplette Flachdach besiedeln und das Gebäude zu einem Teil der Pflanzenwelt machen. Terrassen im klassischen Stil gibt es nicht, sondern teppichartige Flächen mit trittfesten Bodendeckern und Stauden wie Fiederpolster (Cotula im Halbschatten) und Thymian (Thymus in der Sonne). So liegt das Haus, als Teil der Natur völlig von Pflanzen umgeben, geschützt in seiner Mulde.

Im Haus blickt man von allen Seiten in die von Stauden und Gräsern belebte Felsenlandschaft. Auf dem Flachdach siedeln Sedum-Arten (Sedum telephium, Sedum spectabile), Gräser und kleine Nelken. Über einen Rundweg aus großen Grauwacke-Blöcken gelangt man vom unteren Teil des Grundstückes durch den Garten auf das Dach. „Da das Dach des Wohnhauses von hinten begehbar ist, nimmt der Besucher im ersten Moment nicht wahr, dass er sich über das Haus bewegt“, erklärt Peter Berg. Der Gartendesigner, bekannt für die Gestaltung von Hanggärten mit Natursteinen, arbeitete bei diesem ungewöhnlichen Projekt mit der Landschaftsarchitektin Petra Pelz zusammen. Die Zusammenarbeit mit der Expertin für Pflanzenkonzepte zahlte sich aus, denn kaum jemand versteht es besser, Stauden und Gräser so harmonisch miteinander zu kombinieren, dass solch naturnahe Pflanzenbilder entstehen.

Da der Garten auf einer Seite ein Niveauunterschied von vier Metern aufweist, musste der steile Hang abgefangen werden. Peter Berg modellierte mit seinem Team das Gelände, entwickelte eine Höhenstaffelung und befestigte den Hang mit Quadern, Brocken und Blöcken aus gelblich-warmer Grauwacke. Diese Gestaltung gefiel den Bauherren so gut, dass die Steinstruktur auf den ganzen Garten ausgedehnt wurde. So entstand ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Stein und Pflanze. „Ich pflanze gerne in höheren Gruppen, immer sehr üppig. Die Wirkung der Steine durfte dabei aber nicht verloren gehen, daher ist die Pflanzung in der Mitte flacher und nur an den Rändern höher. Mittels Drohne konnten wir die Lage und Form der Steine so ermitteln, das wir zu einem exakten Pflanzplan kamen“, berichtet Petra Pelz. Dort, wo die Felsentreppe durch die Stauden- und Gräserpflanzung zum Baumhaus am Waldrand hinaufführt, pflanzte sie vor allem Blaugras (Sesleria autumnalis), mischte kleine Staudengrüppchen (u. a. Salvia nemorosa 'Serenade', 'Mainacht') darunter und verwob sie miteinander. Schönaster (Kalimeris incisa) und Blaue Färberhülse (Baptisia australis