Gartenzwerge küsst man nicht - Lene Sommer - E-Book

Gartenzwerge küsst man nicht E-Book

Lene Sommer

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Beschreibung

Eine erotische Kurzgeschichte von Erfolgsautorin Lene Sommer. Ella Stein steht als erfolgreiche Nageldesignerin mit Weltmeistertitel und eigener Schulungsakademie mit beiden Beinen im Leben. Das glaubt sie jedenfalls.... Denn Schmetterlinge im Bauch können einem ganz schön den Boden unter den Füßen wegziehen. Vor allem, wenn einem jemand diese Liebe nicht gönnt und alles daran setzt, sie zu zerstören. Stellt Ella sich ihrer Vergangenheit, um dieser Liebe eine Chance zu geben? Weitere romantische Geschichten von Lene Sommer: - Planschbecken mit Folgen - SECRET DESIRE - Gartenzwerge küsst man nicht ( vorher: Sometimes you have to fall before you can fly) - Love me again - Light - vermixt & zugenäht

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Seitenzahl: 203

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Lene Sommer

Gartenzwerge küsst man nicht

Vorher bekannt unter "Sometimes you have to fall before you can fly"

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

ELLA

TOM

ELLA

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

TOM

ELLA

Das Rezept für Ella Fans !

Secret Desire – Leseprobe

Planschbecken mit Folgen – Leseprobe

Impressum neobooks

Prolog

»Sabrina, wenn Du Dich wie immer nicht entscheiden kannst, dann nimm doch die blauen Pailletten, die passen perfekt zu deinen Augen, und zu dem weißen French passt sowieso alles«, versucht Ella ihrer besten Freundin Sabrina - eine ihrer treuesten Nageldesign-Kundinnen - gelassen eine Entscheidung abzuringen. Sabrina kann sich wie bei jedem Auffülltermin ihrer Gelnägel nur schwer entscheiden. Das ist eine der Eigenschaften, die Ella manchmal auf die Palme bringen. Trotz allem versucht sie, geschickt eine schnelle und tolle Lösung für sie zu finden. »Okay, du hast recht. Außerdem muss ich auch gleich zur Arbeit. Ich muss Angie heut eine Stunde eher ablösen, denn sie kränkelt etwas.« Ella verziert Sabrinas Ringfinger nun mit blauen Pailletten und versiegelt anschließend alle zehn modellierten Nägel noch einmal mit einer Glanzschicht. Als krönenden Abschluss bekommen noch alle Finger einen Tropfen Nagelöl auf die Nagelhaut, während der Rest der Hände mit einer gut riechenden Handpflegecreme verwöhnt wird. Sabrina betrachtet - wie jedes Mal - begeistert ihre Nägel. »Ella, du bist die Beste. Kein Wunder, dass du die Meisterschaft gewonnen hast.«

Ella winkt bescheiden ab. »Ach komm schon, dafür trägst du deine Nägel immer viel zu schlicht, als dass ich dadurch mein wahres Talent unter Beweis stellen könnte.« Sie zwinkert ihr zu. »Du bist immer so bescheiden. Sag mir bitte, was du bekommst, dann kann ich zur Arbeit düsen. Du hast ja sicherlich auch gleich die nächste Kundin.«

»Du weißt, bei dir wie immer der Sonderpreis. Da fällt mir ein, hast du eigentlich mal wieder diesen speziellen Kunden im Geschäft bedienen müssen?«, fragt Ella Sabrina frech grinsend. Sabrina lacht laut auf. »O ja, und zwar gestern. Er wollte natürlich wieder nur von mir bedient werden und alles von mir über Dildos wissen. Am Ende fragte er sogar, welchen ich bevorzugen würde. Da habe ich ihn ein wenig ausgebremst. Das hat er glaube gar nicht richtig gecheckt, denn zu guter Letzt hat er dann wohl zu seinem wahren Ich gefunden und wollte stotternd wissen, wie ich es fände, Gummischwänze zu lecken.« Ella bricht vor Lachen in Tränen aus. »Ich hau mich weg, den musst du unbedingt mal heimlich fotografieren. Erzähl mir bitte alle weiteren Details morgen Abend. Wann kommst Du überhaupt?« Sabrina gibt Ella die dreißig Euro und setzt zu einer Antwort an:

»Ich habe ab 19:00 Uhr Feierabend. Der Chef sperrt morgen das Geschäft zu, deshalb müsste ich eigentlich pünktlich rauskommen.« Ella umarmt ihre Freundin zum Abschied. »Dann sortiere morgen mal schneller deine Handschellen und Dessous, sonst bin ich verhungert, bis du da bist.« Im Gehen dreht sich Sabrina noch einmal zu ihrer Freundin um, die bereits an der Tür steht. »Okay, Ella-Bella!«, zwinkert sie ihr zu, geht ein paar Meter, steigt in ihr Auto und fährt davon.

Ella steht noch immer an der Haustür ihres Nagelstudios. Sie grinst vor sich hin, denn nur zu gut kann sie sich Sabrina mit dem, scheinbar an ihr besonders stark interessierten, Kunden vorstellen. Ihr Blick schweift zum Nachbargrundstück des Doppelhauses, vor dem ein grauer Pick-up parkt. Ob der wohl den neuen Eigentümern gehört? Gesehen habe ich jedenfalls noch niemanden. Nur den Baulärm habe ich bisher gehört. Na ja, die Familie werde ich sicher noch zu Gesicht bekommen, kreisen ihre Gedanken.

Vier Stunden sowie vier Kunden später reinigt Ella ihr Studio und geht nach oben in das Erdgeschoss ihrer Haushälfte. Das Haus ist an einen Hang gebaut. Ihr Nagelstudio hat sie sich im Erdgeschoss ihrer Haushälfte eingerichtet und es läuft fantastisch. Ihre Kundinnen kommen nicht nur aus der näher gelegenen Stadt Berlin, sondern auch von weiter her. Mit ihren neunundzwanzig Jahren ist Ella eine gefragte Nageldesignerin und hat sich in diesem Frühjahr auf der Kosmetikmesse einen Meisterschaftstitel in Gelmodellage erkämpft. Dadurch hat sie viele Anfragen für Weiterbildungen und ist immer ausgebucht.

Ella ist so gefragt, dass selbst andere erfahrene Nageldesignerinnen ihren Rat suchen und sogar Weiterbildungen bei ihr belegen.

Im ersten Obergeschoss befindet sich ein großes, helles Wohnzimmer, das mit einer beeindruckenden Glasfront, einem Kamin sowie einer riesigen Sofalandschaft zum Rumlümmeln ausgestattet ist. Der daran angrenzende Garten ist Ellas Herzstück und durch jene Glasfront offenbart sich ein traumhafter Blick. An das Wohnzimmer schließt sich außerdem mit einer halbhohen Mauer die Küche an. An dieser Mauer ist eine Theke mit vier modernen Barhockern angebracht. Die Küche ist topaktuell ausgestattet, da das Kochen neben dem Nägelmachen eine weitere Leidenschaft von Ella ist. Eine weitere Treppe führt in das geräumige Dachgeschoss. Dort befindet sich Ellas großes Schlafzimmer. Beide Seiten des Daches haben ausladende Fensterfronten, um jeden Sonnenauf- und –untergang mit seinem zauberhaften Lichtspiel genießen zu können und keinen davon zu verpassen. Ein Boxspringbett mit einem romantischen Himmel rundet dabei die träumerische Atmosphäre perfekt ab.

Sie entledigt sich nebenan im Badezimmer ihrer verstaubten Kleidung und zieht sich ihre Laufsachen an, um eine Runde zu joggen. Der perfekte Ausgleich für eine sitzende Tätigkeit. Die Ohrstöpsel ihres MP3-Players in die Ohren gesteckt, und los geht ihre tägliche Laufrunde von sechs Kilometern durch den angrenzenden Wald. Hier führt ein schöner breiter Weg hindurch und man trifft immer wieder Spaziergänger, Läufer, Reiter mit ihren Pferden und Mütter mit ihren Kinderwagen oder Hunde mit ihren Besitzern. Selbst spätabends, läuft dort jeder gern entlang, da der gesamte Pfad super beleuchtet ist.

Ella rennt die letzten Meter bis zu ihrem Hauseingang. Völlig entspannt und befreit erreicht sie ihre Haustür. Sie schließt auf und geht die Treppe hinauf, anschließend durch ihre Privaträume und hinaus in den Garten der an der Hangseite liegt. Das Stretching ist ein guter Abschluss für ihr Training und Ella erledigt es am liebsten in ihrer kleinen Oase.

Mit durchgestreckten Armen und Beinen beugt sie ihren Oberkörper nach unten, um mit ihren Fingerspitzen den Boden zu erreichen. Sie federt ein paarmal hoch und runter, doch bevor sie ihre Position ändern kann, erschrickt sie durch lautes Hundegebell. Kurz darauf schießt ein kleines, helles Fellknäuel an ihr vorbei, was sie ihr Gleichgewicht verlieren lässt. Als sie sich wieder fangen kann, hört sie auch schon wie Keramik zerbricht und zu Boden fällt. O nein, bitte keinen meiner Zwerge, schießt es ihr durch den Kopf.

Ella stellt sich aufrecht hin, dreht sich dem Geräusch zu und sieht einen kleinen und verängstigten weißen Labrador-Welpen, der mitten in den Scherben sitzt. Bei dem zuckersüßen Anblick, der sich Ella nun bietet, schmilzt sie sofort dahin und vergisst selbst ihre geliebten Keramikzwerge für einen Moment.

»Ach Gott, was bist du denn für ein kleiner, süßer Tollpatsch? Na, komm mal her, nicht dass du dich noch schneidest.« Ella geht auf ihn zu, greift nach ihm, hebt ihn aus dem Scherbenhaufen und nimmt den Welpen in ihre Arme. Nicht weit von ihr entfernt stehen ihre Strandkörbe. Mit dem Fellknäuel in den Armen setzt sie sich in einen davon und platziert den Welpen auf ihrem Schoß. Große Kulleraugen schauen sie reumütig an. Daraufhin muss Ella lachen und kuschelt sich an den Welpen. Dieser findet das sichtlich toll, denn er fängt an sie am Kinn und ihren Händen abzuschlecken, was Ella noch mehr zum Lachen bringt. »Bist du ein Süßer. Dir kann man ja gar nicht böse sein, auch wenn Herbert jetzt geköpft am Boden liegt.«

»Herbert?«, erklingt es nun gegenüber von Ella, woraufhin sie ihren Kopf hebt und einem hochgewachsenen, gut gebauten Mann in die Augen schaut, sodass es ihr prompt die Sprache verschlägt. Mit offenem Mund schaut sie ihr Gegenüber an. Ein wenig sprachlos trifft es auf den Punkt, zumal sie nicht einmal gehört hat, dass sich ihr jemand genähert hat. Der hübsche Fremde lächelt leicht verlegen und kratzt sich am Kopf. »Hallo, Joker und ich sind hier nebenan neu eingezogen und zeigen uns gleich von unserer besten Seite, wie es aussieht!«

Ella erhebt sich - mit dem Welpen auf dem Arm - aus ihrem Strandkorb und hält ihn sich vor ihr Gesicht. Joker schaut sie treuherzig an. »Soso, Joker heißt du süßer Fratz also.« Joker nutzt die Chance und schleckt erneut mit seiner kleinen Zunge über Ellas Nase. Ella kneift die Augen zusammen und lacht aus vollem Halse, senkt ihre Arme dann samt Joker und lächelt ihren Nachbarn offen an. »Hallo, ich bin Ella und das ist doch nicht so schlimm. Als ich mich nach dem Laufen eben ein wenig gedehnt hatte und plötzlich etwas an mir vorbeihuschte, habe ich mich einfach kurz erschrocken.« Nach dieser Ausführung lächeln sie beide aufrichtig an. Mit ausgestreckter Hand stellt sich der schöne Unbekannte jetzt richtig vor. »Hi, ich bin Tom. Freut mich, dich kennenzulernen. Für den Zwerg werden wir natürlich aufkommen.« Ella ergreift lächelnd Toms Hand und drückt sie. »Angenehm, Herr Nachbar!«

Nachdenklich schaut Ella über ihre Schulter zu dem geköpften Zwerg. »Hm, um Herbert ist es wirklich schade, aber ich versuche ihn einfach wieder zu kleben.« Joker bejaht dies mit einem Bellen. Amüsiert fragt Tom nach: »Warte, dein Gartenzwerg hat wirklich einen Namen?« Ella entgleiten ihre Gesichtszüge, denn sobald es um ihre heiß geliebten Zwerge geht, versteht sie keinen Spaß mehr, und damit drückt sie Joker Tom in die Hände. Trotzig antwortet sie: »Ja, genau wie dein Hund einen Namen hat.« Tom merkt gleich, dass er in ein Fettnäpfchen getreten ist. »Entschuldige, ich wollte mich nicht darüber lustig machen. Aber erlaubst du mir eine Frage?«, erwidert er neugierig. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem skeptischen Ausdruck im Gesicht antwortet Ella: »Kommt auf die Frage an.« Mit seinem Arm zeigt er in Ellas Garten, in dem ganz viele skurrile, große und kleine Gartenzwerge stehen. »Haben die alle Namen?«

Ella verschränkt ihre Arme vor ihrer Brust. »Und wenn es so wäre?«

Tom lacht und antwortet: »Dann fände ich es äußerst erfrischend. Darf ich dich morgen Abend zum Grillen einladen? Als Wiedergutmachung für unseren bescheidenen Start?«

Versöhnlich antwortet Ella. »Morgen Abend kommt meine beste Freundin Sabrina zum Essen.« Da sie gemerkt hat, dass Tom sich wirklich nicht über sie lustig machen wollte, entspannt sie sich wieder.

»Na, das trifft sich doch super. Mein Kumpel Phil kommt morgen Abend ebenfalls. Es würde mich freuen, wenn ihr beide zum Grillen kommen würdet.«

Ellas Augen beginnen zu funkeln, und sie schaut an Tom vorbei in seinen Garten. »Das klingt toll und wir kommen gern. Doch Essen können wir hier bei mir. Du hast ja noch gar keine Gartenmöbel, wie es aussieht.«

Als Ella dies ausspricht, fällt es Tom auch wieder ein. »Stimmt, das wäre nett, danke!«

Die beiden machen für den nächsten Abend noch eine Uhrzeit aus und einigen sich darauf, was jeder noch zu besorgen hat. Sie beschließen, dass Ella die Salate machen und Tom sich um das Fleisch kümmern wird. Danach verabschieden sie sich voneinander.

ELLA

Ich schaue Ton hinterher, der mit Joker im Schlepptau bereits wieder in seine Gartenhälfte marschiert ist. Ich warte bis die beiden aus meinem Blickfeld verschwunden sind, erst dann atme ich tief ein und wieder aus. Ich versuche mich wieder zu sammeln und beende mein begonnenes Stretching. Wow, was war das denn? Da habe ich nach Monaten endlich wieder neue Nachbarn und dann auch gleich noch einen Mann, der verboten gut aussieht? Ich Glückspilz! Und dann sehe ich ihn auch noch ganz bald wieder. Das muss ich sofort Sabrina erzählen, das darf nicht warten rast es durch meine Gedanken! Ich renne ins Haus und schnappe mir mein Handy vom Esstisch, suche in den WhatsApp-Verläufen nach Sabrinas Kontakt und schreibe ihr.

Ella: Oh mein Gott, du wirst nicht glauben, wer gerade nebenan eingezogen ist.

Sabrina: Hast du ein Glück das gerade niemand im Geschäft ist. Also erzähl endlich, und lass dir nicht alles aus der Nase ziehen!!!

Ella: Tom: groß, sportlich schlank, breite Schultern, dunkelblond, karamellfarbene Augen und ein Lächeln zum Dahinschmelzen.

Sabrina: Das klingt echt heiß. Darf ich morgen zum Sonnenbaden vorbeikommen???

Ella: Vergiss es! Aber morgen Abend sind wir zwei zum Essen eingeladen. Sein Kumpel kommt auch ;)

Sabrina: Wohooo, ich hoffe das sind auch beides Singles? Was

ziehen wir an?

Ella: So weit war ich noch nicht. Hi, hi. Ich muss das jetzt erst mal verdauen. Komm morgen ja nicht zu spät!

Sabrina: Morgen komme ich freiwillig extra früh. Kuss, du Nuss.

Typisch Sabrina, doch wenn die Jungs Sabrina sehen, bin ich sowieso erst mal abgeschrieben. Bei Sabrina fangen alle Männer an zu sabbern. Sie ist groß, hat lange blonde Haare, ein Gestell wie ein Modell, einen tollen Busen und ein engelsgleiches Gesicht. Ich bin da eher der nette Kumpel von nebenan, durchschnittliche 1,68 m groß, habe dunkelbraunes und langes Haar mit Stirnfransen, ein halbrundes Gesicht, das mich nervt, und braune Augen, die eher ausdruckslos wirken. Ich bin zwar nicht unsicher, was meinen Körper angeht, doch im Vergleich zu Sabrina wirke ich wirklich langweilig.

TOM

Ich packe gerade den letzten Bücherkarton aus, da höre ich Joker bellen und sehe ihn gerade noch aufgeregt in den Garten rennen. Etwas fällt um und geht dabei laut zu Bruch. Das ist dann wohl mein Zeichen, nach dem Rechten zu schauen. Ich trete aus der Terrassentür in meinen Garten hinaus, schaue mich nach Joker um und sehe ihn rechts von mir - im Nachbargarten - auf dem Schoß einer jungen Frau sitzen.

Sie lacht und schmust mit ihm. Erstaunt beobachte ich die beiden, ich glaube das ist die gut aussehende Läuferin, die ich schon drei Tage zuvor, seitdem ich hier wohne, gesehen habe. Nicht weit von den beiden entfernt, liegt ein kaputter Gartenzwerg. Dem ist dann wahrscheinlich das Scheppern zuzuordnen. Als ich zu den beiden zurückschaue, fällt mir auf, wie schlank die hübsche Braunhaarige ist. Ihre langen Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, und ihr Pony klebt ihr an der Stirn. Sie trägt Laufkleidung. Eine eng anliegende, kurze schwarze Sporthose, welche ihre trainierten Beine noch mehr zur Geltung bringt, und ein pinkfarbenes, ärmelloses Trainingsshirt.

Joker schleckt ihr über das Kinn, was sie laut auflachen lässt. In diesem Moment trifft mich ihr süßes Lachen mitten ins Herz. Es klingt herzlich, locker und keineswegs gekünstelt. Sie redet mit Joker, dass man ihm ja gar nicht böse sein kann, auch wenn es schade um Herbert ist. Als ich höre, dass der zerstörte Gartenzwerg einen Namen besitzt, muss ich mir ein Lachen verkneifen. Diese Situation nutze ich, um auf mich aufmerksam zu machen.

»Herbert?«, werfe ich ein, gehe auf die beiden zu, und merke wie die Schöne mit dem engelsgleichen Lachen aus der Kuscheleinheit mit Joker gerissen wird. Sie schaut mich an und bekommt ihren Mund nicht mehr zu. Diesen Augenblick nutze ich, um ihr Gesicht genauer zu betrachten.

Sie hat große braune Kulleraugen, perfekt geschwungene Augenbrauen, lange Wimpern, volle Lippen, rosige Wangen und einen Mund, der die Fantasie zum Überschäumen bringt. Sie steht auf und kommt, mit Joker auf den Armen, auf mich zu. Da unsere Gärten keine Begrenzungen haben, stehen wir uns auf dem gepflegten Rasen gegenüber. Sie erzählt mir, wie es zu diesem Malheur gekommen ist. Als ich sie danach frage, ob der Gartenzwerg wirklich einen Namen hat, drückt sie mir Joker trotzig in die Hände. Sofort merke ich, dass sie bei diesem Thema keinen Spaß versteht.

Die Situation lockere ich auf, indem ich klarstelle, dass ich mich nicht über sie lustig mache. Als Wiedergutmachung und zum Einstand, lade ich sie für den morgigen Abend zum Grillen ein. Als sie bejaht und anbietet, dass wir in ihrem Garten essen könnten, da ich noch gar keine Gartenmöbel besitze, nehme ich dieses Angebot dankbar an. Mir wird jetzt erst bewusst, wie sie ihren Garten gestaltet hat. Sie hat zwei große Strandkörbe an ihrer Hausmauer stehen.

Diese Sitzecke sieht sehr gemütlich aus. Vor den Körben steht ein Tisch und kleine Laternen sind im ganzen Garten verteilt, genauso wie viele große und skurrile Gartenzwerge. Sie passen wirklich gut in ihren Garten, denn sie versprühen einen ganz eigenen Charme. Ein kleiner Kiesweg führt bis weit in das Grün hinein, bis er schließlich an einem Apfelbaum endet. Daneben gesellt sich ein kleiner und rundlicher sowie himmelblauer Wohnwagen.

Er sieht alt, aber gepflegt aus und ist mit kleinen Pflanzen verziert. Davor laden zwei Gartenstühle mit einem roten Sonnenschirm, auf dem weiße Tupfen tanzen zu scheinen, zum Entspannen ein. Der ganze Garten wirkt einerseits wirklich originell und witzig und andererseits so gar nicht albern.

Alles ist leicht kitschig, aber doch zum Wohlfühlen gemacht, und man merkt, dass viel Liebe in der Gestaltung steckt.

Das macht mir meine neue Nachbarin Ella sofort sympathisch. Wir verabschieden uns mit den Worten »Bis morgen Abend!«

Allerdings erst nachdem sie angeboten hat, Salate für morgen zu machen.

Mit Joker auf den Armen gehe ich wieder zurück ins Haus. Ich merke, dass sie uns nachsieht, denn Ihr Blick prickelt in meinem Rücken. Ich setze mich mit Joker auf die Couch und knuddele ihn. »Na, Kleiner, magst du sie? Sie sieht wirklich gut aus und du scheinst bei ihr jetzt schon einen Stein im Brett zu haben. Doch wir müssen ihr einen neuen Gartenzwerg besorgen, am besten gleich bis morgen.« Bei dem Wort Gartenzwerg springt Joker von der Couch und bellt wie ein Verrückter. Das bringt mich zum Lachen. »Mit denen wirst du schon noch warm werden, das sind jetzt deine neuen bunten und lustigen Gartennachbarn.«

Als hätte Phil Signale empfangen, dass es um eine Frau geht, klingelt mein Handy. Lächelnd nehme ich den Anruf entgegen, weil mir das Kennenlernen mit Ella und Herbert nicht aus dem Kopf geht.

»Hey, Alter, was geht ab?«, meldet sich Phil, ohne dass ich zu Wort gekommen bin.

»Hallo, Phil, alles klar bei mir. Bleibt es bei morgen Abend?«, begrüße ich meinen langjährigen und besten Freund. Phil und ich kennen uns schon seit der Grundschule. Er ist einer meiner langjährigsten Freunde, die ich hier in Berlin habe.

»Logisch, ich bringe Bier mit. Hast du deinen geilen Grill schon aus deiner vollgestopften Garage geholt? Wenn du noch Hilfe beim Ausräumen brauchst, sag Bescheid.«

»Danke für das Angebot, aber ich habe heut schon viel geschafft. Die halbe Garage ist bereits leer. Ich möchte ja auch etwas in meinem Urlaub erledigen.«

»Wow, Respekt. Da hast du echt rangeklotzt«, gibt er erstaunt von sich. Meine Garage war bis zum Rand voll mit Umzugskartons und allem, was eben noch so anfällt.

»Phil, ich wollte dir sagen, dass wir morgen beim Grillen nicht allein sein werden. Ich habe soeben meine neue Nachbarin kennengelernt. Ich habe sie gleich eingeladen - sie bringt auch ihre Freundin mit.«

»Das klingt interessant! Ich bin um sechs Uhr bei dir, dann können wir vorher noch in Ruhe ein Bierchen zischen.«

»Gut, dann bis morgen in alter Frische! Tschau«, verabschiede ich mich von Phil.

»Tschau, Alter. Bis morgen.«

Ich hoffe morgen Abend wird es entspannt zugehen. Phil wird nichts anbrennen lassen, wie ich ihn kenne. Ich werde einfach alles auf mich zukommen lassen müssen. Ella ist wirklich süß. Ob sie vergeben ist? Dann wäre sicher ihr Freund morgen Abend auch dabei. Aber bisher habe ich immer nur sie gesehen. Ich werde jetzt noch einiges ausräumen, damit es bei mir wohnlicher wird. Das ist die beste Möglichkeit, die Kleine aus meinem Kopf zu bekommen, schießt es mir durch den Kopf.

ELLA

Ich sitze mit einem Glas Weißwein an meiner Küchentheke. Draußen dämmert es bereits und ich bin dabei, meine Einkaufsliste für morgen fertigzustellen. Ich möchte gleich frühmorgens in das große Einkaufscenter fahren und den Supermarkt leer kaufen. Damit ich auch nichts vergesse aufzuschreiben, gehe ich den Nudelsalat in Gedanken noch einmal durch und notiere, welche Zutaten ich dafür brauche:

-Nudeln

-Gewürzgurken

-Paprika

-Fleischsalat

Für meinen grünen Salat benötige ich noch:

-Rucola

-Cocktailtomaten

-Schafskäse

-Oliven

-Lauch

Die Männer werden, wie Tom schon meinte, Bier trinken, dann ist eine Himbeer-Holunder Bowle genau das Richtige für uns Frauen:

-500 ml Apfelsaft

-2 Beutel Pfefferminztee

-500 ml Wasser

-3 EL Sirup (Holundersirup)

-300 g Himbeeren

-1 Limette

-500 ml prickelndes Mineralwasser

-frische Minze

Und natürlich darf ich den Prosecco nicht vergessen!

Ich gehe die Rezepte zur Sicherheit noch einmal durch und schreibe alles sorgfältig auf meinen Einkaufszettel. Super, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Meinen Kugelschreiber lege ich gerade auf der Tischplatte ab, als mein Handy beginnt zu klingeln. Sabrina. Grinsend nehme ich mein Handy in die Hand und wische darüber, bevor ich es an mein rechtes Ohr halte.

»Hallo«, sage ich.

»Oh, Ella, heute ist vielleicht ein Prachtexemplar von Mann im Geschäft gewesen. Ich sage es dir, puh! Den beschreib ich dir mit nur drei Wörtern. Sex auf zwei Beinen.«

»Das sind vier Wörter, gebe ich lachend zurück. Sabrina ist Verkäuferin in einem Spielzeuggeschäft für Erwachsene, genauer gesagt in einem Sexshop namens ‚secret desire´.

»Ah, ist doch egal. Auf jeden Fall hänge ich gerade über den Bestellungen, da räuspert sich jemand vor mir. Leicht genervt schaue ich dann in diese Augen, ich sage es dir. Zum Sabbern hätte nicht mehr viel gefehlt, und dieser heiße Körper dazu. Als meine Augen höher wanderten, habe ich bemerkt, wie seine Augen zwischen meinen beiden Freundinnen hängen geblieben sind. Du kennst mich ja…«

Leicht schockiert frage ich: »Warte, du willst jetzt nicht sagen, dass euer erster Satz von deinen Brüsten gehandelt hat.«

»Natürlich! Ich habe ihn gefragt, ob ihm gefällt, was er sieht. Er hat sich tatsächlich seine Lippen geleckt und gesagt: ‚Ja ausgezeichnet!‘«, gibt sie überzeugt von sich.

»Ich fasse es nicht!«, bringe ich überrascht, aber lachend heraus. Das ist Sabrina - niemals um einen Spruch verlegen.

»Der ist aber auch nicht schüchtern. Mit einem Augenzwinkern fragte er mich daraufhin, ob ich ihn beraten könnte. Er bräuchte ein Geburtstagsgeschenk für seinen Kumpel und ich könnte ihm sicher verraten, was Männern so gefällt. Das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und bin um meinen Tresen gestöckelt, mit vollem Körpereinsatz versteht sich. Gott, bin ich froh, dass ich diesen geilen Rock und die schwarzen Pumps heute anhatte. Natürlich war ich auf seine Reaktion gespannt, ein wenig testen wollte ich ihn ja schon. Also blieb ich vor einem Verkaufsaufsteller stehen, den wir erst aufgebaut hatten, denn das sind die Verkaufsschlager zurzeit. Mit souveräner und von Professionalität zeugender Haltung entgegnete ich ihm dann:

›Die Lustmuschis sind der totale Renner momentan.‹«

Bei diesem Satz verschlucke ich mich an meinem letzten Schluck Weißwein. Als ich mich wieder von meiner Hustenattacke erholt habe, antworte ich nur noch krächzend vor Lachen: »Das ist nicht dein Ernst. Ich geh kaputt. Du wolltest ihm eine Gummimuschi andrehen?«

»Hey, wir haben neue bekommen, die zucken sogar. Du glaubst gar nicht, wie gut die verkauft werden. Seine Selbstsicherheit hat er dann mit Müh und Not versucht zusammenzuhalten. Ich habe ihm dann augenzwinkernd versprochen, dass sein Freund es ihm danken wird, sobald er sie auch nur einmal benutzt hat. Tja, und somit war die Muschi verkauft. Ich habe sie ihm sogar noch hübsch verpackt, du kennst doch unsere tollen schwarzen Geschenkverpackungen. Er wollte mich dann für morgen Abend auf einen Drink einladen, denn zwischen uns hat es schon heftig geknistert, das sage ich dir. Ich habe ihm dann abgesagt und dass ich da leider schon verabredet bin. Aber glaub mir, wenn sich die Gelegenheit bietet, würde ich ihn nicht von der Bettkante stoßen.«

»Du kannst ruhig mit ihm was ausmachen, das ist doch kein Problem.«

»Ach Quatsch, Süße! Wir feiern doch jedes Jahr in deinen Geburtstag rein. Ich habe ihm meine Nummer gegeben und wir treffen uns einfach nächste Woche. Da fällt mir ein, hat sich George bei Dir gemeldet?«

»Du bist süß, danke! Aber versprich mir, dass du morgen Abend kein Wort darüber verlieren wirst, dass ich am Sonntag Geburtstag habe! Und ja, George hat mir gestern eine SMS geschickt, dass sie den Besuch verlegen müssen. Seine Mum ist gestürzt und sie braucht seine Unterstützung im Haus. Du weißt doch, sie hat die Pension in London.«

»Na klar, du kennst mich doch. Dass George nicht kommen kann, ist schade, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Dann bis morgen. Kuss.«

Wir beenden unser Gespräch und ich muss unweigerlich an George denken. Ich hätte mich sehr über einen Besuch von meinem guten Freund aus London gefreut. Viel zu selten sehen wir uns noch. Aber das ist verständlich, ich habe jetzt mein Leben hier in Berlin und er seines mit seinem Liebsten in London.