Gebrannte Erde - Wolfram Letzner - E-Book

Gebrannte Erde E-Book

Wolfram Letzner

4,6

Beschreibung

Was vor den Scherben war Antike Keramik – nur bemalte Vasen oder ein Haufen Scherben hinter gläsernen Museumsvitrinen? Weit gefehlt. Die durch Formenvielfalt und Dekor bestechenden Gefäße waren keine bloßen Anschauungsobjekte, sondern erfüllten wichtige Funktionen. Nicht zuletzt als Leitfossil für die Datierung antiker Fundstätten. Vordergründig nur eine gigantische antike Müllhalde, in seinem Inneren ein Paradies für die Archäologie – der Monte Testaccio in Rom. Dort stapeln sich Meter hoch Scherben antiker Keramik, das Pendant zur Plastik unserer Zeit. Doch bevor die Zeugnisse antiker Lebensweise auf der Scherbenmülldeponie landeten, hatten sie bereits einen langen Weg von der Tongrube, über den Brennofen, bis zu ihren Besitzern hinter sich gebracht und die Haushalte der Römer mit Leben gefüllt. Aber wie genau sahen Herstellung und Handel der Waren aus, was wurde in ihnen transportiert oder von Tontellern verzehrt und welchen materiellen Wert hatten die Gefäße für die Menschen in der Antike? Exkurse zeigen, dass Keramik in Form von Ziegeln, Tonrohren und Baudekor auch Ihre Funktion im Bereich der Architektur hatte. Wolfram Letzners neues Buch beantwortet viele Fragen und behandelt sowohl römische als auch griechische Keramik. Neben einem fundierten Textteil überzeugt das Buch vor allem mit seinen zahlreichen Abbildungen und Karten, die den Titel zu einem gelungenen Nachschlagewerk für jeden Museumsbesucher und Studenten machen. Fragen, wie man eigentlich römische von griechischer Schwerkeramik unterscheidet und was genau nochmal Terra Sigillata ist, dürften mit dem vorliegenden Band also kein Problem mehr darstellen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 170

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
4,6 (16 Bewertungen)
9
7
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Wolfram Letzner

Gebrannte Erde

Antike Keramik – Herstellung, Formen und Verwendung

Impressum:

128 Seiten mit 67 Abbildungen

Titelbild:

Hintergrund:

Blick in einen Ausstellungsraum mit Amphoren im Museum in Histria (Rumänien)

Unten rechts:

Südgallisches Terra Sigillata-Gefäß Typ Dragendorff 11, Neuss, Clemens-Sels-Museum

Unten links:

Griechischer Teller mit floralen und geometrischen Motiven

Unten Mitte:

Griechische Oinochoe mit Malereien, Rhodos, Archäologisches Museum

Oben rechts:

Becher mit Barbotine-Dekoration, Köln, Römisch-Germanisches Museum

Oben links: Südgallische Terra Sigillata, Krefeld, Museum Burg Linn

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2015 Nünnerich-Asmus Verlag & Media, Mainz am Rhein

ISBN 978-3-945751-27-5

Gestaltung: Beltz Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza

Lektorat: Mascha Schnellbacher, Patrick Pütz

Gestaltung des Titelbildes: Sebastian Ristow

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten.

Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten.

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2015

Weitere Titel unseres Verlagsprogramms finden Sie unter: www.na-verlag.de

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Keramik – Der Siegeszug eines Verwitterungsprodukts

Keramik – Herkunft des Begriffs

Das Material

Die Herstellung der Keramik – von der Tongrube bis zum Endprodukt

Die Quellenlage

Die Gewinnung des Tons

Die Aufbereitung des Tons

Die Gefäßproduktion

Wulsttechnik

Plattentechnik

Auf der Töpferscheibe gedrehte Keramik

Dekorationstechniken

Vasenmalerei

Applikationstechnik

Barbotine-Technik

Glasuren

Das Brennmaterial und der Brand

Der griechische Töpferofen – das typische Beispiel für einen einfacheren Ofen

Organisation der Werkstätten

Griechische Keramik – Reichtum an Formen, Farben und Themen

Eine kurze Übersicht

Gefäßformen und Gefäßtypen

Amphoren

Kannen und Hydrien

Kratere und Kessel

Trinkgefäße

Salbgefäße

Sondergefäße

Glanztonkeramik

Absatzmärkte und Vertrieb

Unteritalische Vasen – ein Exkurs

Römische Keramik

Quellen zur römischen Keramik

Bezeichnungen römischer Gefäße

Terra Sigillata

Forschungsgeschichte

Was ist Terra Sigillata?

Seit wann gab es Terra Sigillata und woher kam sie?

Voraussetzungen und Herstellungsmethoden

Übersicht der Herstellungszentren

Italische Werkstätten

Die südgallischen Töpfereien

Die mittelgallischen Töpfereien

Die ostgallischen und obergermanischen Töpfereien

Das Ende der Terra Sigillata

Andere Feinkeramik – sog. Belgische Ware

Nordafrikanische Sigillata

Die Organisation der Töpferbetriebe

Vertrieb

Tafelgeschirr und Nutzung

Sonstige Keramik

Antike Schwerkeramik – trägt oft kostbaren Inhalt

Griechische Schwerkeramik

Römische Schwerkeramik

Die Amphore – das Universalgefäß bei Griechen und Römern

Der Monte Testaccio – eine wohlorganisierte Müllhalde

Dolia

Dolia als Lagergefäße

Dolia als Transportgefäße

Dolia in anderer Funktion

Lampen – Licht und mehr

Baukeramik – Ziegel u. a. – praktisch und von zeitlosem Wert

Vorsicht Fälschungen!

Die Keramik als Leitfossil der Datierung

Auswahlliteratur

Glossar

Abbildungsnachweis

Weitere Bücher

In den meisten Museen der Welt gehört die Keramik zu den am häufigsten vertretenen Materialien. Der Besucher begegnet Formen aller Art und über alle Zeiten. Dies liegt daran, dass Keramik – also gebrannter Ton – zwar zu Bruch gehen kann, aber aufgrund seines geringen Materialwertes – im Gegensatz zu Metall – nicht oder nur in sehr geringem Maße wieder verwertet wurde. So haben sich gewaltige Mengen dieses Materials in den Museen angesammelt, die zumeist nicht einmal in der Lage sind, alle Objekte in ihren Schausammlungen auszustellen. So schätzt man die Zahl der erhaltenen griechischen Vasen auf über 100.000 und die Menge römischer Terra Sigillata zahlenmäßig zu erfassen, ist kaum möglich.

Der Umfang des keramischen Materials ist so groß, dass die Archäologen dieses schwerlich bewältigen können, sofern es sich um Alltagskeramik handelt.

Das Spektrum der Keramik ist sehr breit. Es reicht von einfachen, unverzierten Haushaltswaren – darunter fallen etwa Kochtöpfe oder Vorratsgefäße – bis hin zur aufwendig gestalteten Luxuskeramik, die oft genug auch für den Export bestimmt war.

Aber was bringt die Keramik – abgesehen von ihrer künstlerischen oder kunsthandwerklichen Qualität – für den Archäologen? Aufgrund der großen Menge, die erhalten ist, können die Fachleute lückenlos den Formen- und Stilwandel für einzelne Gebiete und Epochen dokumentieren, daraus eine Chronologie entwickeln und so Befunde unterschiedlichster Art datieren.

Aufgrund ihrer charakteristischen Eigenschaften erlaubt es die Keramik aber auch, Rückschlüsse auf Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen zu gewinnen. Handels- und Transportwege lassen sich nachvollziehen.

Besonders für die griechische Keramik ergeben sich aber noch andere Aspekte, weil viele, vor allem hochwertige Gefäße, bemalt waren und Szenen aus dem täglichen Leben zeigen. Dazu gehören Darstellungen, die etwa Frauen beim Wasserholen am Brunnen oder Werkstattszenen zeigen. Daneben vermitteln sie tiefe Einblicke in Glaubenswelten, die dazu beitragen können, andere Befunde zu deuten und literarische Quellen zu ergänzen.

Im Gegensatz dazu steht die römische Keramik: Bemalung gehört nicht zu den herausragenden Charakteristika; andere Fertigungs- und Dekorationstechniken bestimmen hier den Aussagewert.

Es wäre sicherlich zu kurz gegriffen, wenn man sich bei der Keramik nur auf Gefäße konzentrieren würde. Bereits in der Antike fanden Produkte aus Ton in Bereichen Anwendung, die sich unter Begriffen wie Baukeramik (z.B. Dachziegel oder Leitungsrohre aller Art) zusammenfassen lassen. Auch diese werden in einem Exkurs behandelt. Gleiches gilt auch für Plastiken, die aus Ton geformt wurden.

Begriffe und Namen, die mehrfach im Text erscheinen oder von zentraler Bedeutung sind, finden sich im Glossar. Im Text sind sie durch eine veränderte Typografie (Kapitälchen) gekennzeichnet.

Mein besonderer Dank gilt dem Archäologischen Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Dr.H.-Helge Nieswandt, Prof.Dr.Dieter Salzmann) und Dr.Dietmar Jordan für die großzügige Bereitstellung von Bildmaterial und die Publikationsgenehmigung.

Hamm, im Dezember 2014

Wolfram Letzner

Ein multifunktionaler Werkstoff und seine Produkte – Das Material ist das Geheimrezept. Woher aber kommt die Bezeichnung Keramik?

In der heutigen Zeit wird der Begriff Keramik für sehr viele Gegenstände mit unterschiedlichen Funktionen genutzt. Schaut man in die einschlägige Literatur, so erscheinen Bezeichnungen wie Tonkeramik, technische Keramik, Glaskeramik oder auch Verbundkeramik. Dabei sind die beiden zuletzt genannten Begriffe in unserer Betrachtung nicht relevant, weil sie Produkte des 20. Jhs. sind.

Daneben wird der Begriff Keramik auch für einzelne Produkte genutzt, sei es die Gefäßkeramik, Baukeramik oder Sanitärkeramik. In dem hier zu behandelnden Zusammenhang sind vor allem die Gefäßkeramik und die Baukeramik von Bedeutung. Die Sanitärkeramik hingegen – man denke dabei vorzugsweise an Toilettenschüsseln oder Waschbecken – hat in der Antike keine Rolle gespielt. Römische Latrinen etwa verfügten über hölzerne oder steinerne Sitze. Einen Keramikbezug hatte einzig der Nachttopf in seinen verschiedenen Ausformungen, der in den Massenquartieren der antiken Großstädte eine Rolle spielte, aber auch in anderen Kontexten in Erscheinung trat.

Eine Sonderrolle im Bereich der Keramik stellen sicherlich Großplastiken aus Ton dar. Es ist die Frage, ob sie in den Bereich der Baukeramik gehören, weil sie zumeist als Bauschmuck in Erscheinung treten.

Keramik – Herkunft des Begriffs

Der Ursprung des uns so geläufigen Begriffes „Keramik“ liegt unbestritten in der griechischen Sprache und ist zu einer Zeit entstanden, als die Menschheit schon lange gebrannte Gegenstände aus Ton herstellte. Lateinische Begriffe, die die Produkte aus Ton oder deren Herstellung bezeichnen, basieren auf einer Wortgruppe, der etwa figulinus oder figulus angehören. Sie haben keinen Eingang in die deutsche Sprache gefunden.

Versuche, die Herkunft zu erklären, hat es schon in der Antike gegeben. Der im 2. Jh. n. Chr. tätige Reiseschriftsteller Pausanias liefert uns in seiner Beschreibung Griechenlands einen Hinweis (1, 3, 1). In seinen Ausführungen zu Athen zeichnet er ein Bild des im Nordwesten der Stadt gelegenen Bezirks Kerameikos mit seinen vielen Töpfereien. In diesem Zusammenhang schreibt er, die Örtlichkeit habe ihren Namen von dem Heros Keramos erhalten, der ein Sohn des Dionysos und der Ariadne gewesen sein solle. Pausanias lässt aber die Frage unbeantwortet, ob dieser Heros hier schon vor der Ansiedlung der Töpfereien verehrt wurde oder ob sein Kult nicht erst danach erfunden wurde.

Das Material

Bevor man sich mit der antiken Keramik selbst beschäftigt, ist es sinnvoll, sich mit dem Grundmaterial, dem Ton, auseinanderzusetzen. Wir nehmen zwar Gegenstände aus diesem Werkstoff als alltägliche Dinge hin, ohne uns aber darüber bewusst zu sein, wo der Ton herkommt und wie er aufbereitet wird. Schaut man in die entsprechende Literatur, so wird schnell klar, dass es nicht nur einen Ton gibt. Aber an dieser Stelle ist es nicht möglich, in die Tiefen der Geologie einzudringen.

Der Ton ist grundsätzlich ein Verwitterungsprodukt der Erde. Durch Regen oder Quellen wird dieses Material in tiefere Erdschichten eingeschwemmt und bildet dort mehr oder weniger große Tonbänke aus. In der Forschung wird zwischen einer „primären“ und einer „sekundären“ Tonerde unterschieden. Unter einer primären Tonerde versteht man Tone, deren Ausgangsmaterial aus reinem Feldspat besteht. Dabei handelt es sich um das weiße Kaolin, welches in der Porzellanherstellung eine wichtige Rolle spielt. Die sekundäre Tonerde entsteht auf einem ganz anderen Weg: Das Schwemmwasser transportiert das Verwitterungsmaterial durch sehr unterschiedliche Erdschichten, die ihre ganz speziellen chemischen Zusammensetzungen haben. Diese sind letztendlich dafür verantwortlich, dass die fertigen Tone graue, bräunliche oder rote Farben aufweisen, die sich später beim Brand wiederfinden.

Aufgrund der Tonfarben lässt sich oft auch die Herkunft der Keramik feststellen, ohne große naturwissenschaftliche Untersuchungen durchführen zu müssen. In der Literatur wird etwa darauf hingewiesen, dass korinthische Ware eine gelblich-grüne Färbung zeige, während etwa attische einen auffallend rötlichen Charakter besäße.

Vergleichbares lässt sich auch für römische Keramik feststellen. So kann man etwa südgallische Terra Sigillata aufgrund ihrer Tonfarbe oder Struktur – weiße und gelbe Einsprengsel – auch an kleinsten Scherben erkennen. Und gewiss darf man dies auch auf andere Herstellungszentren übertragen, weil dort ebenso lokale Tone mit ihren ganz bestimmten Eigenschaften verarbeitet wurden.

Geht man in der Zeitachse noch einen Schritt weiter, so gilt diese Aussage noch für das Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Erst die moderne industrielle Produktion greift auf Rohstoffe zurück, die nicht zwangsläufig aus der Region kommen und jeweils für das herzustellende Produkt die richtigen Grundeigenschaften besitzen.

Lehm – ein anderes Material als Ton

Im alltäglichen Leben werden die Begriffe Lehm und Ton oft gleichgesetzt. Jedoch gibt es Unterschiede. Zwar ist Lehm auch ein Verwitterungsprodukt, besteht jedoch aus einer Mischung aus Sand, Schluff (Silt) und Ton.

Abb. 1: „Arbeiter am Ziegelbrennofen“.

Handwerkliches Geschick, Erfahrung und Glück treffen aufeinander, wenn Töpfer aus mühsam gewonnenem und aufbereitetem Ton anmutige Gefäße formen. Künstlerisches Empfinden drückt sich in vielfältigen Dekorationen aus und dann folgt der Brand, der alles entscheidet: Mögen die Götter die Mühen belohnen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!