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Hamburger Hafen: Das Kreuzfahrtschiff Insula Paradisa Futura legt ab zur Reise in die Südsee. Unter den Gästen befinden sich viele Betrüger, die von Axiana und ihrer besten Freundin Elektra in eine Falle gelockt werden. Schon nach einigen Tagen des Luxus, ahnen die Passagiere, dass die Traumreise in einem Alptraum endet. Das Schiff steuert eine einsame Insel in der Südsee an. Werden sie überleben und wird es für alle Passagiere eine Rückkehr geben?
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Seitenzahl: 185
Veröffentlichungsjahr: 2020
Die Autorin Christine Kramm – eine gebürtige Hamburgerin – war im Schuldienst tätig. Bisher hat sie aufgrund ihrer umfassenden künstlerischen Ausbildung mit ihren erfolgreichen Gemäldeausstellungen auf sich aufmerksam gemacht.
Die seit Jahren immer neuen Berichte in den Medien über Finanzskandale und Betrügereien, bei denen die Täter oft gar nicht bestraft werden oder mit sehr geringen Strafen davonkommen, hat sie zu diesem Buch motiviert.
Das Cover wurde nach einem Aquarell der Autorin gedruckt.
Für meinen Sohn Sebastian
und
meinen Freund Hans
Prolog
Kapitel Die Einladung
Kapitel Die Opfer
Kapitel Auszug aus dem Gutshaus
Kapitel Roberto
Kapitel Der Plan
Kapitel Die Täter
Kapitel Vorbereitungen zur Party
Kapitel Die Party
Kapitel Die Crew
Kapitel Der Plan nimmt Gestalt an
Kapitel Ein interessanter Abend
Kapitel Wichtiges Personal
Kapitel Planung Stapellauf
Kapitel Schiffstaufe
Kapitel Letzte Vorbereitungen
Kapitel Die Gäste
Kapitel Im Restaurant
Kapitel Service ohne Ende
Kapitel Ein Telefongespräch
Kapitel Nur noch zwei Monate
Kapitel Auf den Fidschiinseln
Kapitel Erste Abenteuer
Kapitel Beim Schamanen
Kapitel Wieder zu Hause
Kapitel Der Count Down läuft
Kapitel Endlich an Bord
Kapitel Ein besonderer Passagier
Kapitel Böse Überraschungen
Kapitel Die Überprüfung
Kapitel Der Überfall
Kapitel Die Einteilung
Kapitel Land in Sicht
Kapitel Die erste Insel
Kapitel Die zweite Insel
Kapitel Zurück nach Suva
Nachwort
Ausblick
Jede Woche liest man in der Zeitung oder erscheinen in den Medien lange Berichte über Menschen in Führungspositionen ob bei Banken oder Finanzgesellschaften oder über Manager beim Fußball, Olympia oder Weltmeisterschaften. Sie stehen im Verdacht, im großen Stil Gelder veruntreut zu haben oder Gelder- oft viele Millionen- am Finanzamt vorbeigeschleust, ins Ausland transferiert haben, meist über Briefkastenfirmen. Ebenso werden immer wieder reiche Geschäftsleute bei windigen Geschäften erwischt. Nicht selten haben viele dieser Halunken rücksichtslos andere vor allem kleine Leute betrogen, die ihr mühsam erspartes Geld investiert und auf eine kleine Altersversorgung gehofft haben oder ihr Geld in eine versprochene aber niemals erhaltene oder völlig desolate Immobilie investiert haben. Nach außen hin mimen sie in ihren maßgeschneiderten Anzügen den Saubermann, der in der Gesellschaft hochgeachtet wird. Man hat den Eindruck, dass die meisten dieser Gauner davonkommen, da ihnen nichts zu beweisen ist. Meist handelt es sich um Herren in den höchsten Positionen. Sollte es doch mal zur Anklage kommen, so verstehen sie es sich gegenseitig zu decken und Ehrenzeugnisse auszustellen. Natürlich steht ihnen auch ein Heer von gewieften Anwälten zur Seite. Auch unter Politikern gab es hin und wieder Skandale wegen Bestechlichkeit oder wegen sogenannter Vetternwirtschaft, d.h. sie schanzten Freunden und Verwandten Ämter zu. Aber ebenso haben einige Damen in der Wirtschaft den Herren einiges abgeguckt. Da gab es z.B. einen Fall, dass eine Person in hoher Position als Direktorin einer Briefkastenfirma Gelder an der Steuer vorbei geschleust hatte. Andere haben öffentliche Ämter bekleidet, für die ihnen der Sachverstand fehlt. Leider haben sie aus Eitelkeit, um sich zu profilieren, nicht immer auf ihre mit der Materie vertrauten Berater gehört.
Der kleine Bürger muss alles offenlegen, wird für sein monatliches Einkommen steuerlich veranlagt. Dann ärgert er sich aber am Ende des Jahres, wenn er die Abrechnung für seine Steuererklärung vom Finanzamt zurückbekommt, häufig über hohe Nachforderungen. Außerdem wird jede kleine sogenannte Kapitalanlage steuerlich geprüft, so dass der Anleger für sein bereits Versteuertes noch einmal zur Kasse gebeten wird. Und wofür wird der größte Teil der Steuern ausgegeben? Hat nicht der Staat eine Fürsorgepflicht für den Bürger? Davon merkt man immer weniger, wenn man an die schlecht ausgestatteten Schulen, maroden Straßen, geschlossene Schwimmbäder oder an die Kürzungen bei sozialen Einrichtungen denkt. Dafür wachsen aber z.B. die Ausgaben für die Rüstung von Jahr zu Jahr. Laut dem Friedensforschungsinstitut SIPRI wurde der deutsche Verteidigungshaushalt auf etwa 49,3 Mrd. US-Dollar angehoben. Deutschland steht in der Liste der weltweiten Verteidigungsausgaben auf Platz 8. Auch diese Summe ist noch zu wenig. Sie beträgt etwa 1.2 % des BIP (Bruttoinlandsproduktes). Laut NATO soll der Rüstungsetat auf 2,5 % des BIP, zumindest laut unserer neuen Verteidigungsministerin auf 2% angehoben werden.
Seit Jahren müssen wir abends vor der Tagesschau den Börsenbericht über uns ergehen lassen. Wieviel Prozent der Bürger interessiert das schon? Die Personen, die es angeht, haben doch genug Möglichkeiten, jederzeit die aktuellen Informationen im Internet abzurufen. Das Kapital regiert uns, also auch den Inhalt der öffentlichrechtlichen Fernsehsender. Die Einschaltquoten würden sprunghaft in die Höhe gehen, wenn zu dieser Hauptsendezeit alle Betrüger aufgelistet und die Bevölkerung vor deren Machenschaften und Tricks gewarnt würden. Betrüger, die eigentlich im Gefängnis sitzen müssten, jedoch immer wieder mit Geldstrafen davonkommen, wenn sie überhaupt belangt werden können.
Wie schön wäre es, all die bösen skrupellosen Subjekte in unserer Gesellschaft zur Rechenschaft zu ziehen, sie mit ihren eigenen Waffen zu bestrafen. Dabei auf ihre Gier zu setzen, immer mehr Geld, Aktien, und Werte anzuhäufen, mit denen sie vor Ihresgleichen protzen können. Man müsste sie in eine Falle locken. Dann sollte ihnen Hören und Sehen vergehen. Nur durch die Läuterung zu einem sozialen für die Gesellschaft nützlichem Menschen sollte ihnen schrittweise eine Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht werden. Wie sagte doch mein Freund und Berater, man sollte ihnen Paschundik (Pommerscher Ausdruck) beibringen oder wie mein Vater meinte, ihnen die Hammelbeine lang ziehen¨.
In diesem Buch wird eine nicht ganz ernst gemeinte fiktive Geschichte erzählt, wie diese verirrten Schäfchen der Gesellschaft auf den rechten Pfad zurückgebracht werden könnten. Selbstverständlich sind die Namen frei erfunden und etwaige Ähnlichkeiten mit Personen rein zufällig. Eine junge Frau, die um ihr Erbe betrogen wurde, heckt zusammen mit anderen Opfern von Betrügern einen Plan aus, wie die Täter bestraft werden könnten. Allerdings möchten sie diesen bösen Personen auch die Möglichkeit zur Resozialisierung geben, als reuiger Mensch in die Gesellschaft zurückzukehren. Zu diesem Zweck werden die Betrüger und Gauner mit großartigen Versprechungen auf eine Reise in die Südsee gelockt. Wird der Plan aufgehen?
An dieser Stelle möchte ich aber ehrenhalber darauf hinweisen, dass die allermeisten Menschen in unserer Gesellschaft, die auf ehrliche Weise zu Geld oder gar Reichtum gekommen sind, als gute Staatsbürger brav ihre Steuern bezahlen. Viele von ihnen spenden große Summen für soziale Projekte.
Was sollte das bedeuten, fragten sich einige prominente schwerreiche Personen, die auf der ganzen Welt jedermann aus der Klatschpresse kannte. Die Sekretärin oder in manchen Fällen der Diener kam mit einem großen Holzkasten mit den Maßen 60 x 80 cm zu ihrem Chef. „Das ist eben für Sie angekommen. Es steht ¨persönlich¨ drauf. Der Bote wartet vor der Tür und bittet um Ihre Empfangsbestätigung.“ Der wurde hereingebeten. Welches Erstaunen, als der Bote in einer prächtigen Livree erschien. Auf die Frage: „Wer schickt Sie?“, kam als Antwort: „Das darf ich nicht sagen. Bitte quittieren Sie mir den Empfang. Alles Weitere finden Sie im Paket. Aber wenn Sie möchten, bleibe ich hier, bis Sie den Kasten geöffnet haben. Falls Sie denken, es sei eine Bombe darin. Aus den Bodyguards vor der Tür ersehe ich, dass Sie gefährlich leben.¨ Der Empfänger oder die Empfängerin winkten dem Diener oder der Sekretärin, sie möchten den Raum verlassen. Neugierig wurde das Paket geöffnet. Auf einer aus Mahagoniholz gefertigten Tafel war in großen goldenen Lettern zu lesen: „Einladung¨. Dann kam der auf Bütten handgeschriebene Inhalt zum Vorschein. Beruhigt und voller Spannung entließ der Empfänger bzw. die Empfängerin den Boten, nicht ohne ihn mit einem fürstlichen Trinkgeld entlohnt zu haben. Folgende Einladung erhielten z.B. ein Fußballkönig, dann verschiedene Manager von großen Banken, ebenso gewisse Vorstände großer Firmen, aber auch Reeder, Filmstars und viele andere.
Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr ….
Sie suchen ständig nach neuen Gewinn bringenden Anlagemöglichkeiten. Sie ärgern sich sicher auch über die schon üblichen Negativzinsen. Wir haben für Sie ein Angebot, dass Ihr Vermögen um ein Vielfaches vermehren wird. Aber nicht nur das, Sie werden in der illustren Gesellschaft Ihresgleichen eine Reise erleben mit unvergesslichen Eindrücken. Sie werden Anteileigner unserer Gesellschaft. Wir suchen finanzkräftige Partner wie Sie, die mit uns ein Kreuzfahrtschiff von nie dagewesener Größe, Komfort und Luxus bauen. Je mehr Personen Teilhaber unserer Gesellschaft werden, desto schneller wird unser exklusives Traumschiff gebaut sein.
Dieses Schiff ist aber nur der Vorgeschmack für all das, was Sie erwartet und Sie sich in Ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Unser Reiseziel wird eine Insel in der Südsee sein, die wir für Sie gekauft haben. Dort erwartet Sie ein Steuerparadies ohnegleichen. Es gibt dort etliche Briefkastenfirmen, die wir für Sie eingerichtet haben, damit Sie dorthin schon große Summen am Fiskus vorbei transferieren können.
Wir bitten sie in diesem Jahr Anfang Mai zu einer Party ins Hotel Grand Palace. Dort werden Sie über weitere Details informiert. Unsere Anwälte beraten Sie über die für Sie in Frage kommenden lukrativsten Angebote. Vor Ort haben Sie Einblick in einen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Vertrag, den Sie auch sofort abschließen sollten, da es sehr viele Interessenten gibt. Sollten Sie außerdem auf der Reise eine Begleitperson zur Seite haben wollen, so gilt diese Einladung selbstverständlich auch für diese Dame oder diesen Herren.
Bitte richten Sie Ihre Teilnahme an folgende Adresse: Axiana von Geldersleben
Postfach 40555
20595 Hamburg
Sie werden Ihre Zusage nicht bereuen. Sie werden viele namhafte Persönlichkeiten treffen und mit Ihnen einen Abend mit etlichen Überraschungen und Genüssen erleben.
In Vorfreude auf Ihr Kommen verbleibe ich hochachtungsvoll
Axiana von Geldersleben
Wer steckte hinter diesen verlockenden Einladungen? Axiana von Geldersleben heißt in Wirklichkeit Sandra Von und zu Stein. Sie stammt aus einer wohlhabenden Gutsherrenfamilie. Ihre Eltern kamen, als sie noch ein Kind war, bei einem Autounfall ums Leben. Es war zwar ein schrecklicher Schicksalsschlag für sie. Aber auf liebevolle Weise half ihr ihre einzige nahestehende Verwandte, ihre geliebte Tante Franziska darüber hinweg, so gut die es vermochte. Zum Glück wohnte bei ihnen auch Axianas beste Freundin Elektra mit ihrer Mutter. Der Vater hatte auf dem Gut gearbeitet und die beiden schon lange verlassen. Zunächst lebten die beiden Frauen mit den Mädchen weiter wie bisher im Gutshaus. Elektra konnte sich an ihren Vater gar nicht mehr erinnern. Axiana vermisste zwar sehr ihre Eltern, aber der Schmerz über den Verlust ließ nach, und die Sehnsucht nach den Eltern wurde vom Alltag überdeckt. Das geerbte Vermögen reichte für ein einfaches glückliches Leben. Die Mädchen wurden weiter von Elektras Mutter, die schon immer ihre Hauslehrerin gewesen war, unterrichtet, bis sie alt genug waren, auf einer Privatschule Abitur zu machen.
Wann immer sie Zeit hatten, ritten sie mit ihrer Stute aus. Das Gut besaß einen großen Reitstall mit etlichen edlen Reitpferden. Die Tante kümmerte sich nicht um die Verwaltung des Gutes im vollen Vertrauen auf den Verwalter mit Namen Fendt, den Axianas Vater vor Jahren eingestellt hatte. Er wohnte in einem kleinen Haus auf dem Gelände des Gutes. Außer einigen Klatschgeschichten über seine Affären mit dem weiblichen Personal war ihnen nie etwas Negatives zu Ohren gekommen. Der Vater war wohl mit seiner Arbeit zufrieden gewesen. Wegen seiner plumpen Versuche sich anzubiedern und vor allem wegen seiner anzüglichen Bemerkungen konnten weder die Mädchen noch die Frauen ihn leiden, ja sie hassten ihn geradezu und gingen ihm in all den Jahren aus dem Weg.
Als sie eines Tages von der Schule nach Hause kamen, hörten sie, wie Axianas Tante und Elektras Mutter laut und erregt mit dem Verwalter in der Küche stritten. Es ging wohl darum, das Gut sei hochverschuldet und der Verwalter hatte begonnen, die Pferde zu verkaufen. Bestürzt liefen sie zur Weide nach draußen. Und wirklich ihre beiden geliebten Fuchsstuten und all die anderen Reitpferde waren nicht mehr zu sehen. Weinend gingen sie zur Küche zurück. Der Verwalter war nicht mehr da, nur die beiden Frauen saßen niedergeschlagen am Tisch. Die Mädchen erfuhren, wie schlimm es um die Finanzen stand. Der Verwalter hatte die Abrechnungen vorgelegt und danach waren sie hochverschuldet. Es blieb ihnen keine andere Wahl, als das Gut zu verkaufen und die Hypotheken zu bezahlen und die Gläubiger mit dem Geld aus dem Erlös zufriedenzustellen. Schweren Herzens wickelten die Frauen alles mit Hilfe des Verwalters ab. Zum Glück kannte der auch einen Interessenten, der den Gutshof kaufte.
Nach der Bezahlung aller Verbindlichkeiten blieb Axianas Tante gerade so viel, dass sie mit ihrer Nichte eine kleine Wohnung beziehen und sehr bescheiden leben konnte. Zum Glück vermochte sie ihr Hobby das Nähen zu Geld zu machen. Ihr Können auf diesem Gebiet sprach sich bald herum, so dass sie nicht nur Änderungsaufträge ausführte, sondern auch Kleider schneiderte. So hatten sie wenigstens etwas mehr Geld zur Verfügung. Dadurch konnten sie sich auch Bücher kaufen und ab und zu einen Theater- oder Konzertbesuch leisten. Ebenso fanden Elektra und ihre Mutter eine günstige kleine Wohnung. Elektras Mutter gab weiter Hausunterricht bei wohl situierten Leuten, meistens Kindern von Geschäftsleuten. So waren einige Jahre vergangen. Die Mädchen waren erwachsen geworden und zu schönen jungen Damen herangewachsen. Zum Felten hatten sie keinen Kontakt mehr. Die beiden Mädchen hatten mit Bravour ihr Abitur gemacht. Jetzt überlegten sie, wie ihr Lebensweg weitergehen sollte. Auf jeden Fall wollten sie studieren. Bis zum Semesterbeginn blieb ihnen noch einige Zeit. Sie trafen sich oft zu Unternehmungen wie Wanderungen und Fahrradausflügen. Eines Abends kamen sie von einem Ausflug zurück. Axiana lud ihre Freundin noch zum Abendessen ein. Im Wechsel taten sie das öfter. Meist waren auch Axianas Tante und Elektras Mutter zugegen. Es wurde dann viel geschwatzt und gelacht. Als sie an diesem Abend die Wohnung betraten, vernahmen sie die erregten Stimmen der Frauen. „So ein mieser Kerl, “ meinte Axianas Tante, „uns so zu betrügen.“ Was war geschehen? Manchmal unterhielt sich Elektras Mutter mit ihren Schülern und Schülerinnen auch privat. Sie sprachen z.B. über die Hobbys der Kinder. Interessiert fragte sie an diesem Tag die kleine Karina: „Ach du reitest? Wo hast du denn Reitunterricht?“ „Ja, beim Felten. Der hat doch einen großen Reiterhof.“ Alarmiert hörte sie zu und fragte Näheres.
Empört berichtete sie ihren Zuhörerinnen, was sie über das Gut und den Reiterhof in Erfahrung gebracht hatte. Offenbar besaß der Felten sowohl das Gestüt als auch den Gutshof. Der Mann, dem sie alles verkauft hatten, war sicher nur ein Strohmann gewesen, damit der Betrug des Felten nicht erkennbar wurde. Dabei hatte er sich angeblich noch ihnen als behilflich erwiesen bei der Abwicklung des Verkaufs. Sie waren ihm sogar damals dankbar gewesen, dass er so schnell einen solventen Käufer gefunden hatte. Die beiden Frauen und die jungen Mädchen diskutierten über dieses unerhörte Unrecht. „Ja, und das schönste ist, der wohnt in unserem Gutshaus“, schimpfte die Tante wütend. „Der Felten hat uns nach Strich und Faden betrogen.“ „Das wird nur schwer zu beweisen sein, “ meinte Elektras Mutter, Frau Angerich, und sie fuhr fort: „Der hat doch alles, was ihn belasten könnte, vernichtet und Dokumente bestimmt zu seinen Gunsten gefälscht.“ „Wer wohl das Gut angeblich gekauft hat?“ fragte Axiana. „Das war bestimmt einer seiner sauberen Freunde, der als Strohmann diente, “ mischte sich ihre Freundin Elektra ein. Diese meinte auch: „Alles Nähere bekommen wir heraus. Ich brauche nur Roberto zu fragen. Der vertritt doch viele dieser Gauner und hat schon etliche herausgehauen.“ Elektras Freund Roberto war Wirtschaftsanwalt und vertrat mit Erfolg so manchen Geschäftsmann, dem windige Geschäfte und Betrug vorgeworfen wurden. „Ja, meinst du denn, der würde uns Einzelheiten über seine Klienten anvertrauen? Das ist doch sein Geschäft und unterliegt der Schweigepflicht, “ Axiana war skeptisch. Sie kannte Roberto auch gut und traute ihm nicht so recht, zumal er ihr gegenüber schon mal Annäherungsversuche gemacht hatte. Das verschwieg sie ihrer Freundin natürlich. Sie hatte ihn abblitzen lassen und ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass sie niemals ihre Freundschaft mit Elektra aufs Spiel setzen würde. Sie waren zusammen aufgewachsen und wie Schwestern zueinander. Elektra antwortete: „In diesem Fall kann man sagen, der Zweck heiligt die Mittel. Ich werde Roberto schon überzeugen, dass man solchen kriminellen Betrügern nur mit ähnlichen Mitteln beikommen kann.“ Axiana wusste von Elektra, dass Roberto so manchen Steuerbetrüger vor Gericht verteidigt hatte. Meistens gelang es ihm, seine Klienten frei zu bekommen oder dass sie wenigstens mit geradezu lächerlichen Strafen davonkamen. „Und von so einem erwartest du Hilfe? So oft wie der schon Betrüger erfolgreich verteidigt hat, so dass sie entweder freigesprochen wurden aus Mangel an Beweisen oder sie mussten nur eine geringe Geldstrafe zahlen, während deren Opfer um ihre Existenz gebracht worden waren,“ fragte Axiana ungläubig. „Ich kümmere mich darum¨, antwortete Elektra. „Wenn er hört, wie der Felten uns betrogen hat, wird er sich für uns einsetzen. Glaub mir das!“ „Das wäre zu schön, wenn da juristisch noch etwas zu machen wäre und er uns zu unserem Recht verhelfen könnte“, sagte Axiana.
An den nächsten Abenden trafen sie sich öfter zu fünft. Roberto hatte sofort seine Akten untersucht und im Internet geforscht. Tatsächlich hatte er schon mal den Käufer des Gutes unter seinen Klienten gehabt. Wie angenommen gehörte er zu den engen Freunden vom Felten. Als Roberto ihre Geschichte von Elektra gehört hatte, war er genauso empört darüber gewesen wie die Frauen. Bei ähnlichen Fällen hatte ihn das Unglück anderer nicht sehr betroffen gemacht, jetzt jedoch war seine Freundin Opfer übler Machenschaften geworden. Deshalb war er sofort bereit, Nachforschungen zu betreiben. Sehr bald teilte er den Frauen mit, was er herausgefunden hatte. Tatsächlich war der Felten jetzt der Besitzer laut Grundbucheintrag. Offenbar stimmte es, dass das Gut und die Pferde zunächst an einen Strohmann, einen seiner Freunde, verkauft worden waren. Sicher hatte der für diese Gefälligkeit einen Geldbetrag bekommen. Später hatte dann der Felten alles zurückgekauft. In all den Jahren hatte der betrügerische Verwalter die meisten Einnahmen in seine eigene Tasche gewirtschaftet. Somit konnte er locker den viel zu niedrigen Kaufpreis für das Gut und das Gestüt von dem ergaunerten Geld bezahlen. Axiana und ihre Tante mussten davon die angeblichen Schulden bezahlen. Hinter den Gläubigern, die laut Abrechnungsunterlagen ihr Geld für nicht bezahlte Rechnungen forderten, steckten ganz bestimmt ebenfalls Freunde vom Felten. Das alles war ein abgekartetes Spiel. Als Axianas Eltern noch lebten, hatte der Vater allein die Finanzen in der Hand. Axiana erinnerte sich, dass er immer stolz darauf war, dass er mit dem Anwesen so viel Gewinn gemacht hatte. Ihre Tante klagte: „Hätte ich mich nur mehr um das Gut gekümmert! Aber dein Vater war zufrieden mit dem Felten. Daher kam ich gar nicht auf die Idee, ihm zu misstrauen. Dabei habe ich leider nicht bedacht, dass dein Vater das Geschäftliche selbst regelte. Wenn der Felten für das Gut Waren einkaufte, musste er stets ihm die Abrechnung vorlegen. Das habe ich in all den Jahren versäumt.“ Roberto hatte die Unterlagen auf die Echtheit prüfen lassen, jedoch waren die Abrechnungen so gut manipuliert, dass sie echt zu sein schienen. Zu den Frauen gewandt meinte Roberto: „Da ist wohl nicht viel zu machen. Kaufvertrag und Grundbucheintrag scheinen in Ordnung zu sein. Möglicherweise hat er Mittelsmänner in Ämtern bestochen oder unter Druck gesetzt. Ohne Beweise könnt ihr nichts gegen ihn unternehmen. Außerdem sind eure Ansprüche vielleicht schon verjährt.“ Während die Mütter resigniert seufzten, meinten die jungen Frauen: „Man müsste doch irgendetwas gegen solche Schweine tun können.“
Viele Tage überlegten sie, was sie dem Felten antun könnten und wie sie sich rächen würden. Elektra schlug vor: „Wir könnten ihm die Autoreifen von seinem tollen Sportwagen zerstechen. Dann ärgert der sich gewaltig.“ Axiana meinte: „Nein, das ist zu wenig. Er muss richtig selbst leiden, am besten zur Arbeit gezwungen werden. Unser bisheriges Leben hat er zerstört. So sollte es ihm auch ergehen.“ „Wie willst du das anstellen?“ fragte die Freundin. Auch die beiden Frauen und Roberto überlegten hin und her. Schließlich entwickelten sie alle einen Plan. Axiana hatte die zündende Idee: „Wisst ihr, wir sind nicht die einzigen, denen übel mitgespielt wurde. Wie wäre es, wenn wir über Annoncen oder über Facebook viele Opfer sammeln. Die müssen alle mitwirken, diese Halunken, natürlich auch den Felten, in eine Falle zu locken. Es gibt doch so viele Menschen, die durch Kredithaie, oder andere Betrüger um ihr Vermögen gebracht wurden oder auf andere Weise ins Unglück gestürzt wurden. Denkt mal an die vielen armen Menschen, deren einfache Wohnung luxussaniert wurde. Die konnten dann die viel teurere Miete nicht mehr bezahlen und wurden im schlimmsten Fall obdachlos.“ Alle waren von Axianas Vorschlag begeistert. Sofort riefen sie in Annoncen und in den digitalen Medien Facebook und Twitter dazu auf, Opfer von Betrügern sollten sich bei ihnen melden. Erstaunlich, wie viele Antworten sie bekamen. Sie hätten nicht gedacht, dass sie ein solches Echo auf ihren Aufruf erhalten würden. Auch verfolgten sie über Monate Berichte in der Klatschpresse, bei Facebook und Twitter und in anderen Medien, welche schillernden Persönlichkeiten in Frage kamen. Eingeweiht für dieses Vorhaben waren nur die 5 Personen, Axiana, ihre Tante, ihre Freundin mit Mutter und jetzt auch Elektras Freund Roberto. So vielen Menschen war durch Betrug übel mitgespielt worden. Ihr Plan nahm nach einigen Treffen und Diskussionen Gestalt an. Zunächst wollten sie alle Täter, deren sie habhaft werden konnten, zu einer rauschenden Party mit verlockenden Aussichten einladen. Dafür hatten sie diese vielversprechende noble Einladung durch einen Boten den Übeltätern persönlich zukommen lassen. Das sollte aber erst der Anfang ihres Planes sein. Dann sollten die Halunken – ohne dass sie es merkten, sondern durch verlockende finanzielle Aussichten - auf einem Schiff entführt werden. Wer dann erst mal auf dem Schiff war, für den gab es kein Entkommen. Der saß in der Falle.
Roberto versprach: „Das Geld, das ich für die erfolgreiche Verteidigung von Betrügern bekommen habe, stelle ich für die Ausrichtung der Party zur Verfügung. Außerdem kenne ich viele Namen, sowohl der Opfer, als auch die der Betrüger. Zwar unterliegt mein Wissen der Schweigepflicht, aber ich gebe euch entsprechende Hinweise, ohne die Namen zu nennen.“ Jetzt war auch Axiana total von Robertos guten Absichten überzeugt. Er versuchte auch nicht mehr, sich ihr irgendwie sexuell zu nähern, sondern respektierte sie und verhielt sich freundlich, höflich und zurückhaltend. Allerdings entging ihr nicht, mit welchem Verlangen im Blick er sie trotzdem manchmal anschaute. Zum Glück bemerkte Elektra nichts davon.
