Gegenreden - Uwe Kolbe - E-Book

Gegenreden E-Book

Uwe Kolbe

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Beschreibung

Leidenschaft und Reflexion Nochmals radikaler als in seinen vorangegangenen Büchern geht Uwe Kolbe in seinen neuen Gedichten aufs Ganze unserer Existenz. Dass wir dieses Ganze als Widerspruch, Zweisamkeit als Entzweiung erleben, zeigen vor allem die so leidenschaftlichen wie reflektierten Liebesgedichte des Bandes. In immer neuen Anläufen zielen Kolbes ›Gegenreden‹ auf die Liebe als dem »Rätsel der fremdesten Nähe« und wechseln souverän zwischen hohem Ton und Ausgelassenheit ihre sprachlichen Register. Die Sprache selbst wird dabei zu einer Tür, die Leserinnen und Leser mit dem Zauberwort ihrer eigenen Erfahrung öffnen. Wer sich einlässt und liest, kommt, versprochen, als ein anderer aus diesen Gedichten heraus.

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Seitenzahl: 69

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Uwe Kolbe

Gegenreden

Gedichte

 

 

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015

 

Coverabbildung: Christian Hetzel

Covergestaltung: hissmann, heilmann, hamburg

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-400696-3

 

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Inhalt

Widmung

I

Gnadenlos

Das Tagwerk

6. Februar

7. Februar

8. Februar

9. Februar

10. Februar

11. Februar

Gebunden

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

Aber

Vorhof

Andromeda

Schultern

Ganzen

Helden

Berenike

Pandora

Liebe

Grund

Projektion

Form

Brunnen

Hekate

Kleinen Mannes Lied von der großen Liebe

II

Vermögen

Duino I

Duino II

Padua

Wand

Segen

Laugharne

Küste

Furchen

Feld

Diachron

Synchron

Theater

Wunsch

Haut

Bange

Orion

Gericht

Unschuld

Kleeblatt

Sommer

Ithaka

Champagner

III

Wange

Knebel

Verpackt

Moos

Früh

Haar

Minne

Nimmst

Antrag

Zerhacken

Etwas

Labsal

Rot

Morgen

Oder

Geschlossene

Lachsack

Qualität

Sand

Episode

Oberlin

Herzen

Psalmen

IV

Transit

1 Kafka in Auckland

2 In Transition, Tolaga Bay, 6th June 2012

3 Venus

4 Frage

5 Sailor’s Time Tunnel

6 Whakapapa 2012

7 Den Kleiderknüpferinnen vom Te Papa Museum

8 Aus einem arroganten Land

9 Tupaia

Ideal

56. Kapitel

Unruhe

Naturwissenschaft

Kanon

Besprechung

Optionale

Händen

Matratzengruft

Déjà-vu

Sehnsucht

Blick

Orlando

1. Kapitel

2. Kapitel

Alltag

V

Märchen

Aristokratie

Gott

Bügeln

Pflicht

Glück

Nordkreuz-Hymne

Sänger

Stimmungen

Tür

Schnitte

Herbstgang

Reederei

Foto

Silbermann

Engel

Goldrute

Steindamm

Schleifen

Stadtbruch

Punkt

Limbus

Regen

VI

Sokrates

Recke

1. Kapitel

2. Kapitel

Flüsse

Anker

Land

Sicher

Briefe

Handarbeiten

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

Herbstlied

Arbeit

Bienen

Schwarzdrosselüberhang

Laute

Regenbogen

Dank

für Marion Wartumjan

I

Gnadenlos

In My Craft or Sullen Art.

Dylan Thomas

Oft bot sich mir die Liebe gnadenlos,

oft prallte ich darauf, trank bitteren Trunk,

oft nahm sich unerwartet Eisen an der Rosen

und schnitt sie auf den Strunk,

so dass sie wieder wuchsen mir vor Augen,

so dass auch wieder Lieder wurden, reifer, groß.

So war die eine Art des Handwerks, Schneiden

formt Gärten, sieht aus gnadenlos.

Das Tagwerk

6. Februar

Die Welt war Eis, und Eis lag auf der Welt.

Ein Eisbrecher, Gott, er hatte sich vorn verstärkt

und warf sich in die Brust. Das Eis widerstand.

Die Spannung wuchs auf Unmaß für einen,

der handeln muss. Gott fasste das Eis ins Auge,

das sich vermaß des Widerstands und ihm

ein Jucken bereitete. Abermals warf er sich.

Doch war aus der Spannung schon etwas geworden,

das nicht zu leugnen war vor denen, die immer

da sind und sehen und sagen, Freunde. Gott wusste,

das war nicht Schöpfung, nur kalter Widerspruch,

doch hielt er den Mund und segnete es.

7. Februar

Nacht, es war Nacht, die Mutter der Nächte,

Abstand von allem, das Abernichts, nichtend,

so eine philosophische Nacht aber auch!

Liebende flehten an die Titanen, deren Gesicht,

bleich, wie es pflichtgemäß war, Maske der Erde,

sagte aus nichts, Schweigen behütend. Gottheiten

deuten stechenden Fingers? Sie entblödeten sich

nicht, galt es den Aufstand der Engel, Lichtträger,

trocken wie Stroh, knisterndes, dass jene Nacht

hell war und blutselig, Showdown & Cheers.

Ächzen und Lecken, Honig der Atzung am Jordan.

Nichts, wir verstehen nichts, Schwärze.

8. Februar

Der Baum, der still in der Mitte der Stadt wurzelt.

Der Traum, über den sich das Herz nicht beruhigt.

Die Sage, die alles mischt, ihr Wort war geraten

und aufgeschlossen. Und ausging ein Garn

zum Netz, das die stillen Bewohner der Gegend

als Wohnung sich nahmen im Baum in der Höhe

bei prachtvoller Vögel Höhlen, riesigen Tauben,

dem Specht an der Arbeit mit rotem Barett,

dem glänzenden Raben. Die Sage von Flügel

und Träne und Baum: Sein Rauschen sein Lied,

sie zierte den Saum des Gewands eines Wetters,

sein Schwingen kündet das Nahen des Retters.

9. Februar

Der Retter, Kopfabschläger, Pan Thanatos, der

Balance auf der Schildkröte findet und häutet

das Krokodil, das zu lange die Sonne verbarg,

den Stern, der zwischen den Hörnern der Kuh

nun strahlt überm Land. Wie die Saat aufgeht

und Mahd wird. Der Held, nichts geht ohne ihn:

Zack, Kopf ab, und Zwack, Schwanz schlapp,

erst gelbe Flecken im Schnee vom Großen Hund,

dann rote von der letzten Bärin der Gegend.

Ex oriente dagegen: An Flechten von Haar herab

floss Ganga, Shiva hatte die Bitte erhört

nach nur tausend Jahren. Sanft kam der Fluss.

10. Februar

Dem Meer nicht zu geben, was wahrhaft des Meeres,

begeistert als erster Mensch an den Stränden,

dem Tanzenden tanzend, wie sonst, sich zu nahen?

Am ersten sprühenden Morgen aus Gischt nicht

Furor aufzuführen, nicht Freund zu sein der Delphine?

Er geht und er bückt sich, löst Seepocken ab

mit dem Obsidian und erntet Meerfenchel, der erste

Genießer. Das Salz von der Haut der Göttin,

er leckt es, sie kommt aus dem schäumenden Meer,

er kennt sie an dem Gewürz, der Jäger und Koch,

der wilde Mann, rotbäckig, grob, sicher, und wenn sie

sich lieben, so lang wie es währt, ist sie Mensch.

11. Februar

Im Anfang war Zeit, schrieb der Schreiber,

des Schreibens mächtig wie machtlos in dem Gehäus.

Der Engel in Löwengestalt, der Wächter, das Plüschtier,

der war aus dem Sand aufgetaucht in den Dünen,

in denen der Schreiber die Zeit begriff und ihr Maß.

Er schrieb vor der Sanduhr, schrieb vor dem Sand,

er schrieb um den Korb, der herabgelassen wurde

von Wesen, die er nicht kannte, höheren, Bauern

und Müllern und Bäckern, darin fand er Brot und Wein.

Die Wiederkehr dessen, sie war die Vollendung,

sie war als das Vorrecht der vielen, die kämen

wie er, begründet, Zeitmaß für Werke und Tage.

Gebunden

1

Das erste Mal die Schnürsenkel

selbständig, es war Sensation.

Mehr Stolz war nie auf dem Trottoir

des Vororts. Unwiederholbar.

2

Dann, wie es noch weh tat, lässig

getan, das erste, das bleibende Mal.

Den Satz aller Sätze probiert, Gefühle

(die hat man), Fahrtenmesser benutzt.

3

Er sitzt in seinem Schaukelstuhl, nackt,

die sieben Schals halten ihn fest.

Es sind nur äußerst begrenzte

Bewegungen, örtliche, möglich.

Aber

Aber wenn der, dem in die Augen

du sankst damals, als alles noch wirr war,

die Welt jung erschien, wenn auch nur euch,

dem du an Scheidewegen nachsahst

wie dir immer er, und ihr gabt acht,

dass ähnlich die Art eurer Wege sei,

wenn fern auch und abgewandt oft,

obwohl es nicht in eurer Hand lag,

ein Größeres, dessen Namen die Alten

noch nannten, schien euch geneigt