9,99 €
Leidenschaft und Reflexion Nochmals radikaler als in seinen vorangegangenen Büchern geht Uwe Kolbe in seinen neuen Gedichten aufs Ganze unserer Existenz. Dass wir dieses Ganze als Widerspruch, Zweisamkeit als Entzweiung erleben, zeigen vor allem die so leidenschaftlichen wie reflektierten Liebesgedichte des Bandes. In immer neuen Anläufen zielen Kolbes ›Gegenreden‹ auf die Liebe als dem »Rätsel der fremdesten Nähe« und wechseln souverän zwischen hohem Ton und Ausgelassenheit ihre sprachlichen Register. Die Sprache selbst wird dabei zu einer Tür, die Leserinnen und Leser mit dem Zauberwort ihrer eigenen Erfahrung öffnen. Wer sich einlässt und liest, kommt, versprochen, als ein anderer aus diesen Gedichten heraus.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2015
Uwe Kolbe
Gedichte
Erschienen bei FISCHER E-Books
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015
Coverabbildung: Christian Hetzel
Covergestaltung: hissmann, heilmann, hamburg
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-400696-3
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
Dieses E-Book enthält möglicherweise Abbildungen. Der Verlag kann die korrekte Darstellung auf den unterschiedlichen E-Book-Readern nicht gewährleisten.
Wir empfehlen Ihnen, bei Bedarf das Format Ihres E-Book-Readers von Hoch- auf Querformat zu ändern. So werden insbesondere Abbildungen im Querformat optimal dargestellt.
Anleitungen finden sich i.d.R. auf den Hilfeseiten der Anbieter.
Widmung
I
Gnadenlos
Das Tagwerk
6. Februar
7. Februar
8. Februar
9. Februar
10. Februar
11. Februar
Gebunden
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
Aber
Vorhof
Andromeda
Schultern
Ganzen
Helden
Berenike
Pandora
Liebe
Grund
Projektion
Form
Brunnen
Hekate
Kleinen Mannes Lied von der großen Liebe
II
Vermögen
Duino I
Duino II
Padua
Wand
Segen
Laugharne
Küste
Furchen
Feld
Diachron
Synchron
Theater
Wunsch
Haut
Bange
Orion
Gericht
Unschuld
Kleeblatt
Sommer
Ithaka
Champagner
III
Wange
Knebel
Verpackt
Moos
Früh
Haar
Minne
Nimmst
Antrag
Zerhacken
Etwas
Labsal
Rot
Morgen
Oder
Geschlossene
Lachsack
Qualität
Sand
Episode
Oberlin
Herzen
Psalmen
IV
Transit
1 Kafka in Auckland
2 In Transition, Tolaga Bay, 6th June 2012
3 Venus
4 Frage
5 Sailor’s Time Tunnel
6 Whakapapa 2012
7 Den Kleiderknüpferinnen vom Te Papa Museum
8 Aus einem arroganten Land
9 Tupaia
Ideal
56. Kapitel
Unruhe
Naturwissenschaft
Kanon
Besprechung
Optionale
Händen
Matratzengruft
Déjà-vu
Sehnsucht
Blick
Orlando
1. Kapitel
2. Kapitel
Alltag
V
Märchen
Aristokratie
Gott
Bügeln
Pflicht
Glück
Nordkreuz-Hymne
Sänger
Stimmungen
Tür
Schnitte
Herbstgang
Reederei
Foto
Silbermann
Engel
Goldrute
Steindamm
Schleifen
Stadtbruch
Punkt
Limbus
Regen
VI
Sokrates
Recke
1. Kapitel
2. Kapitel
Flüsse
Anker
Land
Sicher
Briefe
Handarbeiten
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
Herbstlied
Arbeit
Bienen
Schwarzdrosselüberhang
Laute
Regenbogen
Dank
für Marion Wartumjan
In My Craft or Sullen Art.
Dylan Thomas
Oft bot sich mir die Liebe gnadenlos,
oft prallte ich darauf, trank bitteren Trunk,
oft nahm sich unerwartet Eisen an der Rosen
und schnitt sie auf den Strunk,
so dass sie wieder wuchsen mir vor Augen,
so dass auch wieder Lieder wurden, reifer, groß.
So war die eine Art des Handwerks, Schneiden
formt Gärten, sieht aus gnadenlos.
Die Welt war Eis, und Eis lag auf der Welt.
Ein Eisbrecher, Gott, er hatte sich vorn verstärkt
und warf sich in die Brust. Das Eis widerstand.
Die Spannung wuchs auf Unmaß für einen,
der handeln muss. Gott fasste das Eis ins Auge,
das sich vermaß des Widerstands und ihm
ein Jucken bereitete. Abermals warf er sich.
Doch war aus der Spannung schon etwas geworden,
das nicht zu leugnen war vor denen, die immer
da sind und sehen und sagen, Freunde. Gott wusste,
das war nicht Schöpfung, nur kalter Widerspruch,
doch hielt er den Mund und segnete es.
Nacht, es war Nacht, die Mutter der Nächte,
Abstand von allem, das Abernichts, nichtend,
so eine philosophische Nacht aber auch!
Liebende flehten an die Titanen, deren Gesicht,
bleich, wie es pflichtgemäß war, Maske der Erde,
sagte aus nichts, Schweigen behütend. Gottheiten
deuten stechenden Fingers? Sie entblödeten sich
nicht, galt es den Aufstand der Engel, Lichtträger,
trocken wie Stroh, knisterndes, dass jene Nacht
hell war und blutselig, Showdown & Cheers.
Ächzen und Lecken, Honig der Atzung am Jordan.
Nichts, wir verstehen nichts, Schwärze.
Der Baum, der still in der Mitte der Stadt wurzelt.
Der Traum, über den sich das Herz nicht beruhigt.
Die Sage, die alles mischt, ihr Wort war geraten
und aufgeschlossen. Und ausging ein Garn
zum Netz, das die stillen Bewohner der Gegend
als Wohnung sich nahmen im Baum in der Höhe
bei prachtvoller Vögel Höhlen, riesigen Tauben,
dem Specht an der Arbeit mit rotem Barett,
dem glänzenden Raben. Die Sage von Flügel
und Träne und Baum: Sein Rauschen sein Lied,
sie zierte den Saum des Gewands eines Wetters,
sein Schwingen kündet das Nahen des Retters.
Der Retter, Kopfabschläger, Pan Thanatos, der
Balance auf der Schildkröte findet und häutet
das Krokodil, das zu lange die Sonne verbarg,
den Stern, der zwischen den Hörnern der Kuh
nun strahlt überm Land. Wie die Saat aufgeht
und Mahd wird. Der Held, nichts geht ohne ihn:
Zack, Kopf ab, und Zwack, Schwanz schlapp,
erst gelbe Flecken im Schnee vom Großen Hund,
dann rote von der letzten Bärin der Gegend.
Ex oriente dagegen: An Flechten von Haar herab
floss Ganga, Shiva hatte die Bitte erhört
nach nur tausend Jahren. Sanft kam der Fluss.
Dem Meer nicht zu geben, was wahrhaft des Meeres,
begeistert als erster Mensch an den Stränden,
dem Tanzenden tanzend, wie sonst, sich zu nahen?
Am ersten sprühenden Morgen aus Gischt nicht
Furor aufzuführen, nicht Freund zu sein der Delphine?
Er geht und er bückt sich, löst Seepocken ab
mit dem Obsidian und erntet Meerfenchel, der erste
Genießer. Das Salz von der Haut der Göttin,
er leckt es, sie kommt aus dem schäumenden Meer,
er kennt sie an dem Gewürz, der Jäger und Koch,
der wilde Mann, rotbäckig, grob, sicher, und wenn sie
sich lieben, so lang wie es währt, ist sie Mensch.
Im Anfang war Zeit, schrieb der Schreiber,
des Schreibens mächtig wie machtlos in dem Gehäus.
Der Engel in Löwengestalt, der Wächter, das Plüschtier,
der war aus dem Sand aufgetaucht in den Dünen,
in denen der Schreiber die Zeit begriff und ihr Maß.
Er schrieb vor der Sanduhr, schrieb vor dem Sand,
er schrieb um den Korb, der herabgelassen wurde
von Wesen, die er nicht kannte, höheren, Bauern
und Müllern und Bäckern, darin fand er Brot und Wein.
Die Wiederkehr dessen, sie war die Vollendung,
sie war als das Vorrecht der vielen, die kämen
wie er, begründet, Zeitmaß für Werke und Tage.
Das erste Mal die Schnürsenkel
selbständig, es war Sensation.
Mehr Stolz war nie auf dem Trottoir
des Vororts. Unwiederholbar.
Dann, wie es noch weh tat, lässig
getan, das erste, das bleibende Mal.
Den Satz aller Sätze probiert, Gefühle
(die hat man), Fahrtenmesser benutzt.
Er sitzt in seinem Schaukelstuhl, nackt,
die sieben Schals halten ihn fest.
Es sind nur äußerst begrenzte
Bewegungen, örtliche, möglich.
Aber wenn der, dem in die Augen
du sankst damals, als alles noch wirr war,
die Welt jung erschien, wenn auch nur euch,
dem du an Scheidewegen nachsahst
wie dir immer er, und ihr gabt acht,
dass ähnlich die Art eurer Wege sei,
wenn fern auch und abgewandt oft,
obwohl es nicht in eurer Hand lag,
ein Größeres, dessen Namen die Alten
noch nannten, schien euch geneigt
