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Die (un)heimliche Macht der elitären Netzwerke
Wundern Sie sich mitunter auch darüber, dass sich nach einem Regierungswechsel kaum etwas ändert - sieht man von den handelnden Personen einmal ab? Warum ist das so? Joseph Plummer hat die Antwort: Ausgetauscht werden nach jeder angeblichen »Wende« nur die willfährigen Lakaien. Die im Hintergrund agierenden mächtigen Netzwerke bleiben dieselben.
Rechtsstaatlichkeit? Freiheit? Demokratie? Alles Illusionen. Ebenso wie ein geschickter Magier verstehen es die Gaukler aus Politik und Wirtschaft, die Menschen mit Ablenkungsmanövern und Tricks zu täuschen.
Auf der Grundlage der bahnbrechenden Forschungen des angesehenen Historikers Prof. Carroll Quigley, zu dessen prominenten Schülern auch Bill Clinton gehörte, deckt Geheime Machtstrukturen ein unvorstellbar hinterhältiges politisches System auf, das geschickt von einer Handvoll Elitärer manipuliert wird.
Das Establishment nahm 1966 Prof. Quigleys Buch Tragödie und Hoffnung einfach vom Markt. Es war zu brisant. Plummer fasst Quigleys Enthüllungen über die Macht der Netzwerke zusammen, er interpretiert und ergänzt sie. Was Sie hier lesen, sagt Ihnen kein Politiker, schreibt kein Journalist, lehrt kein Pädagoge, postuliert kein Mainstream-Wissenschaftler.
Das Ziel derjenigen, die das System unter ihre Kontrolle gebracht haben, ist es, in ihren eigenen Worten, »alle bewohnbaren Gegenden der Welt« zu beherrschen.
Die in diesem Buch enthaltenen Informationen widersprechen fast allem, was Sie über Rechtsstaat, Freiheit und Demokratie zu wissen glaubten.
Allerdings bringen das Informationszeitalter und das Internet die Pläne der Elite langsam zu Fall. Die Unmoral ihres Systems und derjenigen, die ihm dienen, lässt sich kaum noch verbergen. Sie rückt zunehmend ins Bewusstsein, und der Widerstand dagegen wächst ... Die Tragödie birgt Hoffnung!
»Seien Sie gewarnt! Die Reise, die Sie antreten, wenn Sie dieses Buch lesen, ist nichts für Kleinmütige. Falls Sie mit den Illusionen, die zurzeit als politische Realität durchgehen, gut zurechtkommen, ist dieses Buch nichts für Sie. Denn wenn Sie einmal entdecken, wie die geheimen Machtstrukturen der Elite funktionieren, ist es mit der Bequemlichkeit des Nichtwissens vorbei. Hat die Glocke einmal geläutet, lässt sich das nicht mehr ungeschehen machen. Die Glocke beginnt auf der ersten Seite dieses Buches zu läuten.« G. Edward Griffin
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Zunächst möchte ich Ihnen herzlichst danken, dass Sie Ihre Zeit und Ihr Geld investieren, um Wirtschaftskriminalität und vom Staat verübte Verbrechen zu verstehen (und sich gegen sie zu wehren). Ohne Menschen wie Sie wäre die Welt ein sehr unschöner Ort.
Zudem möchte ich allen Autoren danken, die zu Erkenntnissen in diesem Bereich beigetragen haben. Von Quigley, Kissinger, Bernays und Russell bis zu Griffin, Ganser, Allen und Engdahl. Dieses Buch wäre ohne ihre Arbeit nicht möglich gewesen.
Schließlich möchte ich GoBerkey.com, MidasResources.com und Darol Johnson für ihre finanzielle Unterstützung dieses Projekts danken.
von G. Edward Griffin
Wenn Sie jemals einen Zauberer beim Vorführen von Close-up Magic beobachtet haben, dann kennen Sie die Macht der Ablenkung und der Taschenspielerei. Selbst in einem Raum voller argwöhnischer, aufmerksamer Zuschauer kann der Zauberer alle täuschen. Durch Ausnutzung bekannter menschlicher Schwächen und den Einsatz seines Handwerkzeugs wird er die Menge zum Narren halten, auch gegen ihren Willen.
Stellen Sie sich vor, was ein ebenso begabtes »Netzwerk« politischer Zauberer erreichen kann, wenn es seine Darbietungen vor einem Publikum von größtenteils vertrauensvollen und beiläufigen Beobachtern aufführt, die bekannten Schwächen des menschlichen Geistes ausnutzt und seine bewährten Werkzeuge einsetzt. Das Netzwerk wird sein Publikum täuschen, ob dieses nun betrogen werden will oder nicht.
Nachdem ich fast 60 Jahre meines Lebens damit verbracht habe, über die Zauberer, die unsere Welt kontrollieren, zu forschen und zu schreiben, kann ich ohne Einschränkungen sagen, dass Sie hier einige der am besten gehüteten Geheimnisse erfahren werden. Joe hat eine hervorragende Arbeit beim Durchkämmen von Carroll Quigleys Buch Tragedy and Hope(Tragödie und Hoffnung) geleistet. Er hat das Wesen dessen erfasst, was Quigley als »das Netzwerk« bezeichnete, und diese wichtigen Informationen normalen Menschen zugänglich gemacht, die einfach keine Zeit haben, ein 1300-seitiges Geschichtswerk zu lesen. Selbst für diejenigen, die den gesamten Band zu lesen beabsichtigen, hat Joe eine Einführung und einen Studienführer geschaffen, der dem ernsthaft Studierenden gute Dienste leisten wird.
Zu wissen, wer Carroll Quigley war und auf welche Täuschungen er hingewiesen hat, ist unerlässlich, um die Wirklichkeit der heutigen Welt zu verstehen. Quigleys enge Beziehung zum Netzwerk und seine Billigung von dessen Zielen ermöglichte es ihm als Insider, eine Analyse der Denkweise und Methoden der globalen Elite vorzulegen. Ohne dieses Wissen ergeben die Maßnahmen derer, die die US-Regierung und die westliche Welt beherrschen, keinen Sinn. Mit dieser Kenntnis fügt sich alles an seinen Platz.
Seien Sie gewarnt! Die Reise, die Sie antreten, ist nichts für Kleinmütige. Falls Sie mit den Illusionen, die zurzeit als politische Realität durchgehen, gut zurechtkommen, ist dieses Buch nichts für Sie. Denn wenn Sie einmal entdecken, wie die Betrüger ihre Zauberei aufführen, ist es mit der Bequemlichkeit des Nichtwissens vorbei. Hat die Glocke einmal geläutet, lässt sich das nicht mehr ungeschehen machen.
Die Glocke beginnt auf der nächsten Seite zu läuten.
Kapitel 1
Demokratie
Haben Sie je gespürt, dass die Demokratie nur eine Illusion ist? Hatten Sie je den Verdacht, dass es sehr »mächtige Leute« gibt, die sich ein System geschaffen haben, das nur demokratisch zu sein scheint, tatsächlich aber die normalen Bürger vom politischen Entscheidungsprozess abhält? Haben Sie sich je gefragt: »Welche Leute betreiben das Ganze eigentlich, und was genau versuchen sie zu erreichen?« Wenn ja, dann sind Sie nicht allein.
Zum Glück schrieb ein in Harvard ausgebildeter Geschichtsprofessor namens Carroll Quigley einige Bücher, die diese und weitere Fragen beantworten. Leider sind die Antworten sehr beunruhigend, vor allem für diejenigen, die die üblichen Mythen über eine »demokratische Regierung« akzeptiert haben.
In Quigleys Arbeit entdecken wir, dass die nationalen Verfassungen regelmäßig von politischen Führern untergraben werden, die gewählt wurden, um sie zu verteidigen. Wir erfahren, dass »alle gesellschaftlichen Vorgänge dazu neigen, zu Institutionen zu werden«, und zwar unabhängig von ihrer ursprünglich gutwilligen Absicht. Und von dem Zeitpunkt an wird die Institution zum Vorteil derer betrieben, die sie kontrollieren (und zwar auf Kosten ihres ursprünglichen Zwecks). 1› Hinweis
Was wohl am beunruhigendsten ist: Quigley zeigt, dass die eigentliche Macht im Geheimen hinter den Kulissen arbeitet und von sogenannten demokratischen Wahlen wenig zu befürchten hat. Er beweist nicht nur, dass es wirklich Verschwörungen, Geheimgesellschaften und kleine, mächtige Netzwerke von Individuen gibt, sondern auch, dass sie beim Aufbau oder bei der Vernichtung ganzer Nationen und der Gestaltung der Welt insgesamt äußerst effektiv sind. Wir erfahren, dass eine »repräsentative Regierung« im besten Fall ein sorgfältig betriebener Schwindel ist.
Da diese beunruhigenden Wahrheiten fast allem widersprechen, was unsere Regierung, unser Bildungssystem und unsere Medien uns gelehrt haben, werden viele Leute sie sofort als Unsinn abtun. »Nur extremistische Verschwörungstheoretiker glauben solche Dinge«, werden sie sagen. Allerdings gibt es da ein großes Problem: Carroll Quigley war kein wildgewordener Verschwörungstheoretiker. Ganz im Gegenteil, er war ein anerkannter Historiker, der sich darauf spezialisiert hat, die Entwicklung von Kulturen sowie von Geheimgesellschaften zu erforschen. Er studierte Geschichte an der Harvard University, an der er seinen Bachelor-, Master- und PhD-Abschluss erworben hat, und lehrte an der Princeton University, an der Harvard University und an der School of Foreign Service (Hochschule für den Diplomatischen Dienst) der Georgetown University. Ebenso arbeitete er als Berater des US-Verteidigungsministeriums, der US-Marine und der Smithsonian Institution. 2› Hinweis
Kurzum, Carroll Quigley war ein gut vernetztes Mitglied der Wissenschaftselite mit besten Referenzen in der Gesellschaft. Aufgrund seiner eigenen Aussagen und seiner Ausbildung als Historiker war er anscheinend von Mitgliedern eines geheimen Netzwerks ausersehen worden, die wahre Geschichte ihres Aufstiegs zur Macht zu schreiben. Doch, wie Quigley später feststellte, haben diese Personen nicht erwartet oder beabsichtigt, dass er ihre Geheimnisse so aufdeckt, dass der Rest der Welt sie sehen kann.
Kurz nach Erscheinen von Tragedy and Hope(Tragödie und Hoffnung) im Jahr 1966 3› Hinweis hat »das Netzwerk« offenbar gegenüber Quigleys Verleger seinen Unmut kundgetan. Das Buch, an dem Quigley 20 Jahre lang geschrieben hatte, wurde vom Markt genommen. Quigley erinnert sich:
»Von der bei Macmillan 1966 erschienenen Originalausgabe wurden etwa 8800 Exemplare verkauft. Im Jahr 1968 zog der Absatz an, und der ›Vorrat versiegte‹, wie man mir sagte (aber als ich mich 1974 mit einem Anwalt an den Verlag wandte, sagte man mir, sie hätten die Druckplatten 1968 zerstört). Man hatte mich 6 Jahre lang belogen und mir gesagt, man würde eine zweite Auflage drucken, wenn 2000 Bestellungen eingegangen seien. Dazu konnte es nicht kommen, weil man jedem, der danach fragte, sagte, dass das Buch vergriffen sei und nicht mehr neu gedruckt werden würde. Sie stritten das ab, bis ich Xerox-Kopien solcher Antworten, die an Bibliotheken geschickt worden waren, vorlegte. Jetzt sagte man mir, es habe sich um einen Fehler eines Angestellten gehandelt. Mit anderen Worten, man belog mich und hinderte mich auf diese Weise daran, meine Veröffentlichungsrechte zurückzugewinnen. [Die Veröffentlichungsrechte kehren zum Inhaber des Copyrights zurück, wenn das Buch nicht mehr gedruckt wird, aber nicht, wenn es nur nicht mehr vorrätig ist.] … Mächtige Einflüsse in diesem Land wollten mich, oder zumindest meine Arbeit, unterdrückt halten.« 4› Hinweis
Wenn Sie sich entschließen, Tragödie und Hoffnung zu lesen, ist wahrscheinlich das Erste, was Sie bemerken, sein Umfang. Mit mehr als 1000 Seiten, über 600 000 Wörtern und einem Gewicht von über eineinhalb Kilogramm [der deutschen Ausgabe] lässt sich mit Sicherheit sagen, dass es nicht für den flüchtigen Leser geschrieben wurde. Auch war es nicht wie ein Roman mit skandalösen und interessanten konspirativen Pikanterien auf jeder Seite geschrieben worden. Vielmehr ist es, wie man es von einem Historiker einer US-Elitehochschule erwarten kann, ein langer und oft mühsamer Lesestoff, der zu 95 Prozent aus grundlegender Wirtschafts-, Politik- und Diplomatiegeschichte besteht. Doch innerhalb der restlichen 5 Prozent werden Sie auf einige wirklich erstaunliche Eingeständnisse über die Existenz, die Art und Wirksamkeit der verdeckten Macht stoßen.
Sowohl in Tragödie und Hoffnung als auch in seinem Werk The Anglo-American Establishment(Das Anglo-Amerikanische Establishment)5› Hinweis deckt Quigley die Existenz eines geheimen Netzwerks auf, das sich gebildet hat, um »alle bewohnbaren Teile der Welt« unter seine Kontrolle zu bringen. 6› Hinweis
»Ich kenne die Arbeitsweisen dieses Netzwerks, weil ich es 20 Jahre lang erforscht habe und es mir Anfang der 1960er-Jahre zwei Jahre lang erlaubt war, seine Unterlagen und geheimen Aufzeichnungen zu studieren. Ich habe keine Abneigung gegen das Netzwerk oder die meisten seiner Ziele und stand ihm und vielen seiner Vorgehensweisen während des Großteils meines Lebens nahe. Ich lehnte einige seiner politischen Einstellungen in der Vergangenheit und bis vor Kurzem ab. … Doch im Allgemeinen besteht meine Hauptmeinungsverschiedenheit darin, dass es unerkannt bleiben will, und ich meine, seine Rolle in der Geschichte ist wichtig genug, um bekannt zu sein.« 7› Hinweis
Quigley informiert uns darüber, dass dieses wohlhabende »anglophile Netzwerk« mit jeder Gruppe zusammenarbeitet, die dazu beitragen kann, sein Ziel zu erreichen. 8› Hinweis (Das gilt auch für Kommunisten, die oberflächlich betrachtet die eingeschworenen Feinde der superreichen kapitalistischen Verschwörer zu sein scheinen.) Er zeichnet chronologisch nach, wie das Netzwerk in England Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde und sofort damit begann, vorgeschobene Gruppen zu gründen. 1919 hat es das Royal Institute of International Affairs (Königliches Institut für internationale Angelegenheiten, RIIA, auch als »Chatham House« bekannt) geschaffen und dann innerhalb »der wichtigsten britischen Dominien und in den Vereinigten Staaten« weitere extrem mächtige Institute eingerichtet. 9› Hinweis Hinter solchen vorgeschobenen Gruppen versteckt, begann das Netzwerk, im Geheimen seine Macht auszuüben.
In den Vereinigten Staaten hieß das Hauptinstitut »Council on Foreign Relations« (Rat für außenpolitische Angelegenheiten, CFR). Quigley beschrieb das CFR als »eine Frontorganisation für J. P. Morgan & Co« 10› Hinweis.
Schon nach kurzer Zeit weitete das Netzwerk seine Aktivitäten aus, es verbreitete sich wie Krebs an unseren Universitäten, in den Medien und vor allem in der »Außenpolitik« der Regierung.
»Auf dieser Grundlage, die ursprünglich eine finanzielle war und auf George Peabody zurückging, 11› Hinweis bildete sich im 20. Jahrhundert das Machtgefüge zwischen London und New York, das stark das Universitätsleben, die Presse und die außenpolitische Praxis durchdrungen hat. In England bildete die Round-Table-Gruppe das Zentrum, während dies in den Vereinigten Staaten JP Morgan & Co. oder seine Filialen in Boston, Philadelphia und Cleveland waren. …
Die amerikanische Filiale dieses »Englischen Establishments« übte ihren Einfluss vorwiegend über fünf amerikanische Zeitungen aus (die New York Times, die New York Herald Tribune, den Christian Science Monitor, die Washington Post und die inzwischen eingestellte Boston Evening Transcript). …
Man sollte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass die Existenz dieser angloamerikanischen Achse der Wall Street ganz offensichtlich wird, wenn man einmal darauf hingewiesen wurde.« 12› Hinweis
Wenn die Vorstellung, dass mächtige Insider der Wall Street einem geheimen ausländischen Netzwerk beigetreten sind, um die Herrschaft »über alle bewohnbaren Teile der Welt« zu erringen und erfolgreich »das Universitätsleben, die Presse und die praktische Außenpolitik« zu durchdringen, für Sie wie etwas klingt, von dem Sie eigentlich schon gehört haben sollten, dann haben Sie recht.
Doch vom Geheimnis, weshalb Sie davon noch nichts gehört haben, handelt diese Geschichte auch. (Die erfolgreiche »Durchdringung« von Universitäten, Presse und Regierung hat sich für diejenigen als recht nützlich erwiesen, die »unbekannt bleiben wollen«.)
Quigley liefert viele Beispiele für die Infiltration und Manipulation des Netzwerks. Zum Beispiel zählt er auf den Seiten 109 und 715 von Tragödie und Hoffnung noch eine weitere »vorgeschobene Gruppe« auf: das Institute of Pacific Relations (Institut für Pazifische Beziehungen, IPR). Da das Institut unschätzbare Einblicke in die trügerische Natur und die tatsächliche Macht des Netzwerks bietet, werden wir es hier kurz behandeln. Beginnen wir mit dem Abschlussbericht einer Untersuchung des IPR seitens des US-Senats. Dort heißt es unter anderem:
»Das IPR wurde von der amerikanischen Kommunistischen Partei und von sowjetischen Beamten als Instrument der kommunistischen Politik, Propaganda und des militärischen Nachrichtendienstes betrachtet. Das IPR verbreitete falsche Informationen, darunter solche, die aus sowjetischen und kommunistischen Quellen stammten, und war bestrebt, sie allgemein bekannt zu machen … Das IPR war ein Instrument der Kommunisten, um die amerikanische Fernost-Politik auf kommunistische Ziele hin zu orientieren.« 13› Hinweis
Für einen normalen Menschen klingt die Annahme verrückt, ein Netzwerk superreicher Kapitalisten würde heimlich konspirieren, um die Weltherrschaft zu gewinnen. Doch klingt es noch verrückter, den gleichen superreichen Kapitalisten vorzuwerfen, sie würden ihren enormen Reichtum und ihre Macht benutzen, um ein Regierungssystem (den Kommunismus) populär zu machen, das – wenigstens der Theorie nach – zur Vernichtung all ihrer Macht und ihres Reichtums führen würde. Wenn eine solch unglaubliche Geschichte wahr wäre, dann hätte die freie Presse dies mit Sicherheit an die große Glocke gehängt … nicht wahr? Nein, falsch. Greifen wir kurz vor und schauen wir, wie Quigley beschreibt, wie die vom Netzwerk geleiteten Medien die Untersuchung des Senats vertuschten:
»Schnell stellte sich heraus, dass die Leute mit dem immensen Reichtum recht unglücklich werden würden, wenn die Untersuchung zu weit gedieh, und dass die ›angesehensten‹ Zeitungen des Landes, die eng mit diesen reichen Personen liiert waren, nicht über solche Enthüllungen so begeistert wären, dass sich ihre Veröffentlichung in Bezug auf Stimmen oder Wahlkampfspenden lohnen würde.« 14› Hinweis
Daran zeigt sich, dass das Netzwerk voll und ganz versteht, wie wichtig die Kontrolle über die öffentliche Meinung ist. Das Zitat bietet auch einen Einblick, wie diese Kontrolle ausgeübt werden kann. (Wenn eine beunruhigende Tatsache durch ein »anerkanntes« Nachrichtenmedium nicht berichtet wird, dürfte sie so gut wie nichtexistent sein. Die überwiegende Mehrheit der Bürger wird niemals davon erfahren.) Darüber hinaus würde in diesem speziellen Fall jeder Senator, der darauf bestanden hätte, die Untersuchung »zu weit« zu treiben, sicherlich eine Verleumdungskampagne durch die gleiche Presse erleben, die die IPR-Geschichte übergangen hat. Man kann damit rechnen, dass »die immens reichen Leute«, die die Hetzkampagne bestellt haben, kurz danach auch finanziell zurückschlagen werden und künftig ihre Wahlkampfunterstützung einem willfährigeren Kandidaten zukommen lassen.
Man braucht nicht eigens zu erwähnen, wie sehr sich diese Art Einflussnahme auf die Aufmerksamkeit auswirkt, die ein Thema in den Medien erhält. Verdienst und Bedeutung einer Geschichte werden nach den Wünschen derer, die die Macht haben, sie unauffällig zu halten, oft in den Hintergrund gedrängt. Noch wichtiger ist, dass sich eine ähnliche Taktik der Kontrolle auch auf andere Bereiche anwenden lässt. Denken Sie daran, wenn Sie die folgende kurze Zusammenfassung der Aktivitäten des IPR lesen, weil sich das Vorgehen, nach dem Wahrnehmung und Politik gelenkt werden, nicht geändert hat.
»1951 versuchte der Unterausschuss für Innere Sicherheit im Justizausschuss des Senats, das sogenannte McCarran-Komitee, zu zeigen, dass China durch die vorsätzlichen Aktivitäten einer Gruppe von Hochschulexperten für den Fernen Osten und kommunistischen Mitläufern an die Kommunisten verloren wurde, dass die dahingehende Arbeit dieser Gruppe das Institute of Pacific Relations (IPR) kontrolliere und koordiniere. Der Einfluss der Kommunisten im IPR ist gut belegt, doch die Schirmherrschaft der Wall Street ist weniger bekannt.
Das IPR war ein privater Verein von zehn unabhängigen nationalen Räten in zehn mit Angelegenheiten im Pazifik befassten Ländern. Die Hauptsitze des IPR und des American Council of IPR lagen beide in New York und waren eng miteinander verbunden und verzahnt. Jede Organisation gab in dem Vierteljahrhundert von 1925 bis 1950 rund 2,5 Millionen US-Dollar aus, wovon etwa die Hälfte jeweils von der Carnegie- und der Rockefeller-Stiftung getragen wurde (diese waren selbst verschwisterte Gruppen, die durch ein Bündnis der Morgan- und Rockefeller-Interessen an der Wall Street gelenkt wurden). Den Rest, insbesondere für den American Council, steuerten zum größten Teil Unternehmen bei, die eng mit diesen beiden Interessengruppen an der Wall Street liiert sind, wie Standard Oil, International Telephone and Telegraph, International General Electric, die National City Bank und die Chase National Bank.« 15› Hinweis
Über den Einfluss des Netzwerks auf die Politik im Fernen Osten:
»Es ist viel dran an der Behauptung …, dass die amerikanischen China-Experten in einer einzigen zusammenhängenden Gruppe mit einer allgemeinen übereinstimmenden linken Ausrichtung organisiert waren. Es ist richtig, dass diese Gruppe aufgrund ihrer Kontrolle über Finanzen, wissenschaftliche Empfehlungen und Forschungs- oder Publikationsmöglichkeiten Personen begünstigen konnte, die den bestehenden Konsens übernommen hatten, während andere, die das nicht getan hatten, in finanzieller Hinsicht oder in ihrer beruflichen Karriere beeinträchtigt werden konnten. Es ist auch richtig, dass diese eingeführte Gruppe durch ihren Einfluss auf Buchbesprechungen in der New York Times, der Herald Tribune, der Saturday Review, in ein paar Zeitschriften, darunter in den ›liberalen Wochenblättern‹ und in Fachzeitschriften, die Karriere von Spezialisten fördern oder behindern konnten. Es ist darüber hinaus richtig, dass so etwas in den Vereinigten Staaten in Bezug auf den Fernen Osten vom Institute of Pacific Relations (IPR) getan wurde, dass diese Organisation von Kommunisten und von kommunistischen Sympathisanten unterwandert war und dass sich ihr großer Einfluss aus ihrem Zugriff auf und ihrer Kontrolle über den Geldfluss aus finanziellen Stiftungen für wissenschaftliche Aktivitäten ergeben hat.« 16› Hinweis
»Die meisten dieser Zuwendungen für die Arbeit auf dem fernöstlichen Gebiet verlangten die Zustimmung oder Empfehlung von Mitgliedern des IPR. Darüber hinaus erforderten der Zugang zu Publikationen und die Empfehlungen für akademische Stellen an den wenigen großen amerikanischen Universitäten, die sich mit dem Fernen Osten beschäftigten, eine ähnliche Förderung. Und schließlich beschränkten sich zweifellos Beraterstellen für fernöstliche Angelegenheiten im Außenministerium oder bei anderen Regierungsbehörden weitgehend auf Personen, die vom IPR geführt und anerkannt wurden. Nur Personen, die die IPR-Linie duldeten, konnten veröffentlichen, bekamen Geld, fanden Arbeit, wurden konsultiert und zwischendurch mit Regierungsaufträgen betraut.« 17› Hinweis
Erstaunlicherweise kommt Quigley, nachdem er all dies zugegeben hat, irgendwie zu dem Schluss:
»Allerdings stimmt an den Vorwürfen der China-Lobby, die in den 1950er-Jahren von den Neoisolationisten und in den 1960er-Jahren von der radikalen Rechten übernommen und verbreitet wurden, nicht, dass China wegen dieser Gruppe »verloren« gegangen war oder dass die Mitglieder dieser Gruppe den Vereinigten Staaten gegenüber nicht loyal waren, an Spionage mitwirkten oder bewusst an einem Komplott beteiligt waren oder dass die ganze Gruppe von Sowjetagenten oder gar Kommunisten kontrolliert wurde.« 18› Hinweis
Zu Quigleys Verteidigung war der letzte Teil seiner Aussage offensichtlich akkurat: Die Gruppe wurde in der Tat nicht von »Sowjetagenten oder gar Kommunisten« kontrolliert. Die Gruppe wurde nach Quigleys eigenen Aussagen eher von dem geheimen Netzwerk jener Einzelpersonen gesteuert, die »keine Scheu hatten, mit den Kommunisten oder einer anderen Gruppe zusammenzuarbeiten, und dies häufig getan hatten«. 19› Hinweis Aber entbindet sie diese Tatsache irgendwie von dem Vorwurf der »Illoyalität«? Ändert es etwas an der Art ihres »bewussten Komplotts«, einen »Konsens« in der US-Politik gegenüber China zu schmieden? Verringert es letztlich ihren Einfluss auf das Schicksal Chinas? Nein!
Dies ist einer von vielen Fällen, in denen Quigley eine klare Voreingenommenheit gegenüber dem Netzwerk und dessen Instrumentarium zum Ausdruck bringt. Offensichtlich hat dieses Vorurteil sein Urteil vernebelt. So beschreibt er zum Beispiel immer wieder, wie das Netzwerk andere methodisch täuschte, fragte sich aber anscheinend nie, ob nicht auch er getäuscht worden sein könnte. Er beschreibt die Massaker ihrer »falschen« Politik, nimmt aber immer ohne Hintergedanken an, sie hätten gute Absichten verfolgt.
Verbindet man seine begünstigende Voreingenommenheit mit seiner Verachtung der »radikalen Rechten« und der »Neoisolationisten«, dann sind seine schlecht begründeten Schlussfolgerungen fast unvermeidlich. Seine gelegentliche Entlastung der Rolle des IPR in Bezug auf das Schicksal Chinas bietet dafür ein leuchtendes Beispiel. Dass Quigley zugeben kann, dass das IPR über enorme finanzielle und politische Macht und eine spezifische Agenda verfügte und seine Ziele tatsächlich erreicht hat, aber dann den Aufstieg von Mao Tse-tung allein auf die »Inkompetenz und Korruption des Chiang-Kai-Shek- Regimes« zurückführt, ist schwer zu erklären. 20› Hinweis
Nebenbemerkung: Es ist erwähnenswert, dass kurz nach der Gründung des IPR im Jahre 1925 zufällig auch der Bürgerkrieg in China begann. Einen möglichen Grund (eine Vermutung), weshalb das Netzwerk ein kommunistisches Regime in China bevorzugt haben könnte, findet man in der folgenden Erklärung:
»In breitester Sicht war die Situation die folgende: Die Rivalität zwischen den beiden Supermächten [den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion] konnte nur ausgeglichen und ihre Spannungen verringert werden, wenn sich auf der Landmasse Eurasiens eine andere Großmacht bildete. Dafür gab es drei Möglichkeiten: ein föderatives und wohlhabendes Westeuropa, Indien oder China. Ersteres wäre entscheidend; eine der beiden anderen höchst wünschenswert. Möglicherweise waren alle drei realisierbar. Doch in keinem Fall war es für die neue Großmacht notwendig oder sogar wünschenswert, mit den Vereinigten Staaten verbündet zu sein. …Wenn die Sowjetunion von Verbündeten der Vereinigten Staaten eingezwängt war, würde sie sich einerseits von den Vereinigten Staaten bedroht fühlen und ihre Sicherheit durch intensivere Ausbeutung der Ressourcen in einer militärischen Richtung suchen. Das würde natürlich die Spannungen in der Welt vermehren. Wenn andererseits die Sowjetunion von mindestens zwei großen neutralen Mächten eingeengt würde, könnte sie von einer großflächigen Expansion abgehalten werden: 1) durch die ursprüngliche Stärke dieser Großmächte und 2) durch die Möglichkeit, dass diese Mächte sich mit den Vereinigten Staaten verbünden würden, falls die Sowjetunion auf sie Druck ausübte.« 21› Hinweis
Das »Große Spiel«, eine Seite gegen die andere auszuspielen, sich auf eine Politik des Gleichgewichts der Mächte einzulassen, wird in Quigleys Buch viele Male erörtert. Ich habe obigen Beleg nur aufgenommen, weil er ein möglicherweise logisches Motiv (logisch zumindest im realpolitischen Sinne des Wortes) für die Politik des Netzwerks gegenüber China bietet.
Um nun zu Quigleys Charakterisierung des IPR-Skandals zurückzukehren und auf das entsprechende Ausbleiben der Berichterstattung in den Medien, auf das wir oben verwiesen haben: Als Folge des anhaltenden Drucks, den die »radikale Rechte« anfeuerte, wurde das Netzwerk bald Gegenstand zweier weiterer Kongressuntersuchungen. Quigley beschreibt die zweite dieser Untersuchungen, das Reece-Komitee, wie folgt:
»Ein Kongressausschuss, der ihre Quellen zurückverfolgte, die von eingestandenen Kommunisten wie Whittaker Chambers über Alger Hiss, über die Carnegie-Stiftung bis zu Thomas Lamont und zur Morgan Bank reichten, [stieß] auf das komplizierte Netzwerk der ineinander verzahnten gemeinnützigen Stiftungen. Der 83. Kongress berief im Juli 1953 einen Sonderausschuss unter dem Vorsitzenden B. Carroll Reece aus Tennessee ein, um die steuerbefreiten Stiftungen zu untersuchen. Schnell stellte sich heraus, dass die Leute mit dem immensen Reichtum recht unglücklich werden würden, wenn die Untersuchung zu weit gedieh, und dass die ›angesehensten‹ Zeitungen des Landes, die eng mit diesen reichen Personen liiert waren, nicht über solche Enthüllungen so begeistert wären, dass sich ihre Veröffentlichung in Bezug auf Stimmen oder Wahlkampfspenden lohnen würde. Ein interessanter Bericht über die ineinandergreifenden Verknüpfungen linker Vereinigungen mit den steuerbefreiten Stiftungen wurde 1954 eher unauffällig veröffentlicht. Vier Jahre später schrieb der Rechtsberater des Reece-Ausschusses, René A. Wormser, ein schockiertes, aber nicht schockierendes Buch mit dem Titel ›Foundations: Their Power and Influence‹ (zu Deutsch: ›Stiftungen, ihre Macht und ihr Einfluss‹).« 22› Hinweis
Quigley schließt dieses Kapitel über das Netzwerk mit dem folgenden Hinweis:
»Die Finanzkreise von London und diejenigen im Osten der Vereinigten Staaten … lassen einen der mächtigsten Einflüsse auf die amerikanische Geschichte und die Weltgeschichte im 20. Jahrhundert erkennen … Die beiden Enden dieser englischsprachigen Achse wurden manchmal, vielleicht scherzhaft, das ›anglo-amerikanische Establishment‹ genannt. Allerdings gibt es ein erhebliches Maß an Wahrheit hinter diesem Scherz, eine Wahrheit, die ein sehr reales Machtgefüge wiedergibt. Die radikale Rechte in den Vereinigten Staaten hat dieses Machtgefüge seit Jahren in dem Glauben angegriffen, eigentlich gegen Kommunisten vorzugehen.« 23› Hinweis
Wiederum ist dieses Machtgefüge, auf das Quigley verweist, weder dem Kommunismus noch dem Sozialismus noch dem Faschismus oder Kapitalismus gegenüber loyal. Das Netzwerk ist sehr wohl damit einverstanden, die Rhetorik jeder Bewegung oder Ideologie auszunützen, jeden Diktator oder Tyrannen aufzubauen und jedes wirtschaftliche oder politische Leitbild zu unterstützen, sofern es nur seinem übergeordneten Ziel dient. Jenes Ziel, »alle bewohnbaren Gebiete der Welt unter seine Kontrolle« zu bringen, ist so alt wie die Machtgier selbst. Die Todesfälle und das Leid, die seine Politik bei der Verfolgung dieses Ziels bereits verursacht hat, sind nicht zu zählen. Wenn man ihm erlaubt, wie bisher fortzufahren, wird das nur zu mehr vom Gleichen führen. W. Cleon Skousen erklärt es in The Naked Capitalist (1970, »Der nackte Kapitalist«, bisher nicht auf Deutsch erschienen) so:
»Ich sehe es so: Der großartige Beitrag, den Dr. Carroll Quigley unbeabsichtigt mit der Schrift Tragedy and Hope geleistet hat, bestand darin, dass er dem einfachen Amerikaner die äußerste Verachtung zu erkennen half, die die Führer des Netzwerks normalen Menschen entgegenbringen. Menschen werden massenhaft als hilflose Figuren auf einem internationalen Schachbrett betrachtet, auf dem die Giganten der wirtschaftlichen und politischen Macht sie Kriegen, Revolutionen, Bürgerkriegen, der Beschlagnahmung, Subversion, Indoktrination, Manipulation und Täuschung aussetzen.«
Skousen traf den Nagel auf den Kopf. Tragödie und Hoffnung deckt etwas auf, das sogar noch wichtiger ist, als »einen der stärksten Einflüsse auf die amerikanische Geschichte und die Weltgeschichte im 20. Jahrhunderts« zu nehmen. Das Buch offenbart versehentlich die Denkweise jener, die solche Macht ausüben. Es stellt die erstaunliche Arroganz und Heuchelei derer dar, die glauben, sie hätten das Recht, über Milliarden andere Menschen zu regieren.
Wenn dieses Buch ein Ziel hat, dann die Haltung und die inhärente Natur derer zu entlarven, die versuchen, andere zu dominieren. Machen Sie sich keine Mühe, sich all die Daten und Namen zu merken, die hier aufgeführt werden. Sorgen Sie sich nicht darum, sich alle spezifischen Ereignisse zu merken. (Alle diese Informationen werden immer hier vorliegen, wenn Sie sie finden müssen.) Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, das Folgende zu überprüfen: Es gibt keine Lüge, die diese Männer nicht aussprechen. Es gibt kein Verbrechen, das sie nicht begehen würden. In ihrer Sicht ist das einzige Maß für »richtig« und »falsch«, ob ihre Taktiken Erfolg haben oder scheitern. Das mag jetzt wie eine Übertreibung klingen, doch gegen Ende dieses kurzen Buches werden Sie die Wahrheit dieser Behauptung verstehen. (Das Spiel des Netzwerks wird von denen gewonnen, die richtig kalkulieren und die bei ihren Berechnungen von moralischen Erwägungen nur behindert werden würden.)
Henry Kissinger verkörpert das Wesen der Denkweise des Netzwerks. In seinem Buch Diplomacy führt er seine Leser in das amoralische Konzept der Raison d’État (übersetzt: »Staatsräson« oder »Interessen des Staates«) und der Realpolitik ein. Die Grundlage beider Konzepte, erklärt Kissinger, besteht darin, dass einzelne Menschen aus moralischen Gründen negativ beurteilt werden können, aber nicht Regierungen. Im Fall von Regierungsmaßnahmen gilt als einzige geeignete Bewertung, ob die Regierung ihre Ziele erreicht oder nicht. 24› Hinweis Im gesamten Buch lobt Kissinger diejenigen, die klug genug sind, nach diesem Konzept zu regieren, und verhöhnt praktisch diejenigen, die aus sogenannten »moralischen« Gründen widersprechen.
Zum Lob von Kardinal Richelieu (einem französischen Staatsmann des 17. Jahrhunderts) schreibt Kissinger:
»Obwohl Richelieu selbst religiös war, betrachtete er seine Pflichten als Minister gänzlich nach weltlichen Maßstäben. Erlösung könne sein persönliches Ziel sein, aber für Richelieu den Staatsmann sei sie nicht relevant. ›Der Mensch ist unsterblich, sein Heil folgt ihm nach‹, sagte er einmal. ›Der Staat besitzt keine Unsterblichkeit, sein Heil findet jetzt oder nie statt.‹ Mit anderen Worten, Staaten werden in keiner Welt danach für das belohnt, was recht ist; sie werden nur dafür belohnt, dass sie stark genug sind, um das zu tun, was notwendig ist.« 25› Hinweis
»Als erster Minister des Königs unterstellte Richelieu sowohl die Religion als auch die Moral der Staatsräson seinem Leitbild.« 26› Hinweis
»Richelieu war tatsächlich der so beschriebene Manipulator und benutzte die Religion als Manipulationsmittel. Er würde ohne Zweifel entgegnet haben, er habe die Welt nur so analysiert, wie sie ist, wie es auch Machiavelli getan habe. Wie Machiavelli könnte er auch eine Welt verfeinerter moralischer Befindlichkeiten bevorzugt haben, doch war er überzeugt, die Geschichte würde seine Fähigkeit als Staatsmann danach beurteilen, wie gut er die Bedingungen und Faktoren, die ihm zur Verfügung standen, genutzt hatte.« 27› Hinweis
Um es klarzustellen: Nach Vorstellungen von Staatsmännern wie Kissinger gelten die moralischen und juristischen Gesetze, die die Aktivitäten der einfachen Menschen in Schranken halten, nicht für einige wenige Auserwählte. Um ihrer Verantwortlichkeit zu entkommen, muss sich die herrschende Klasse nur auf den Staat berufen. Die gleiche Einstellung haben natürlich die Herrscher in der Vergangenheit vertreten, die ebenso Diebstahl, Betrug, Folter, Sklaverei und Massaker im Namen Gottes gerechtfertigt haben. Die Taktik wurde lediglich modernisiert. Unsere neuen Machthaber haben Gott durch »den Staat« ersetzt. Und bequemerweise sind sie selbst der Staat … und nicht nur einfach irgendein Staat; sie sind der aufkommende, allmächtige Weltstaat.
Obwohl die Bürger darauf konditioniert worden sind, zu glauben, ihre Staatsmänner und das Regierungsinstrumentarium seien dazu da, ihnen zu dienen, kann nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein. Sowohl ihr Instrumentarium als auch die Staatsmänner selbst sind Teil eines institutionellen Apparats, der zum Wohle derer da ist, die ihn kontrollieren.
Anders ausgedrückt: Der Staat ist nichts anderes als eine Auswahl an Männern und Frauen, die die Ressourcen und die Politik der Regierung steuern. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich um eine Institution, die um ihrer selbst willen da ist, um ihr eigenes »Heil« zu gewährleisten und alles am Aufstieg zu hindern, was ihre Macht infrage stellen könnte.
Dies ist die harte Realität. Manche werden sicherlich einwenden, dass sich der moderne Staat davon unterscheidet. Immerhin ist er auf der Zustimmung der Menschen errichtet worden. Demokratische Wahlen erlauben es den Bürgern, sich ihre Führungspersönlichkeiten zu wählen. Sie können sie unter den Republikanern oder den Demokraten auswählen. Sie können beide aus dem Amt werfen, wenn sie ihre Wahlversprechen brechen.
Doch was ist, wenn sich unsere sogenannte repräsentative Regierung als eine sorgfältig gestaltete Illusion herausstellt? Was ist, wenn das Netzwerk die Kandidaten auswählt, für die wir stimmen dürfen? Was ist, wenn die »Experten« des Netzwerks und nicht die Galionsfiguren in den offiziellen Machtpositionen letztlich die Regierungspolitik bestimmen? Was, wenn beide politischen Parteien, die Rechten und die Linken, von genau den gleichen Leuten kontrolliert werden? Quigley bringt auch zu diesem Thema etwas Licht ins Dunkel:
»Das Argument, das die beiden Parteien vortrugen, widerstrebte zum einen den Idealen und der Politik der Rechten oder zum anderen den diesbezüglichen Auffassungen der Linken. Es bestand aus dümmlichen Vorstellungen, die nur für doktrinäre und akademische Denker annehmbar sind. Stattdessen sollten die beiden Parteien nahezu identisch sein, sodass die amerikanische Bevölkerung bei jeder Wahl ›die Gauner rauswerfen kann‹, ohne dass es zu einer tief greifenden oder umfassenden Veränderung in der Politik kommt.« 28› Hinweis
Quigley geht sogar noch weiter, wenn er das System beschreibt, das sich jetzt herausbildet:
»Es wird immer deutlicher, dass im 20. Jahrhundert Experten … die demokratischen Wähler von der Kontrolle des politischen Systems verdrängen werden … Hoffentlich können dabei Elemente der Wahl und der Freiheit insoweit bestehen bleiben, dass das normale Individuum frei zwischen zwei gegnerischen Fraktionen wählen kann (auch wenn diesen Gruppen innerhalb der von den Experten vorgegebenen politischen Parametern wenig politischer Entscheidungsspielraum bleibt) … Doch wird seine [des Individuums] Freiheit und Wahlmöglichkeit zwischen sehr engen Alternativen … festgelegt sein.« 29› Hinweis
Versetzt Sie diese Aussage in Alarm? Hoffentlich ist das der Fall.
Anhand von Quigleys Arbeit wird dieses Buch als Ausgangspunkt hervorheben, wie eine kleine Gruppe dominanter Männer in der Lage war, sich die Kontrolle über die lokale, nationale, kontinentale und sogar globale Politik zu sichern. Auch wenn die Macht dieses Netzwerks nicht allumfassend ist, so bewegt es sich doch unausweichlich in diese Richtung. Ohne gesteigertes Bewusstsein (und entsprechenden Widerstand) wird sein nicht gewählter und verantwortungsloser Welteinheitsstaat Realität werden.
Auch wenn die Illusion nationaler Souveränität aufrechterhalten werden dürfte, wird die Freiheit der Weltbürgerschaft »auf sehr enge Alternativen festgelegt sein«.
Bevor wir zum nächsten Kapitel übergehen, hier einige der wichtigsten Erkenntnisse, die wir in diesem Buch behandeln werden:
■ Wirkliche Machthaber werden nicht gewählt. Die Politik ändert sich, aber nicht die Machtstruktur. Das Netzwerk arbeitet hinter den Kulissen zum eigenen Vorteil, ohne jemals diejenigen zu befragen, die von ihren Entscheidungen betroffen sind.
■ Das Netzwerk setzt sich aus Personen zusammen, die die Anonymität bevorzugen. Sie »geben sich eher damit zufrieden, die Macht real zu besitzen als nur dem äußeren Anschein nach« 30› Hinweis. Die Vorgehensweise der heimlichen Machtausübung ist im Laufe der gesamten Geschichte verbreitet, weil dies die Verschwörer vor den Folgen ihrer Handlungen schützt.
■ Die primäre Taktik, die öffentliche Meinung und die »Regierungspolitik« zu lenken, besteht darin, willfährige Lakaien in Führungspositionen vertrauenswürdiger Institutionen unterzubringen (in Medien, Universitäten, Behörden, Stiftungen etc.). Wenn es jemals zu einem größeren Rückschlag gegen eine bestimmte Politik kommen sollte, lässt sich der Lakai ersetzen. Dies lässt sowohl die Institution als auch die Personen, die tatsächlich die Macht ausüben, unversehrt.
■ Historisch gesehen sind diejenigen, die hochkomplexe Herrschaftssysteme etablieren, nicht nur sehr intelligent, sie sind äußerst betrügerisch und rücksichtslos. Sie ignorieren völlig die ethischen Barrieren, die das Verhalten eines normalen Menschen regeln. Sie glauben nicht, dass die moralischen und juristischen Gesetze, deren Befolgung von anderen erwartet wird, für sie gelten. Dies verleiht ihnen einen enormen Vorteil gegenüber den Massen, die sich ihre Denkweise nicht leicht vorstellen können.
■ Technologische Fortschritte haben es den modernen Herrschenden ermöglicht, immer größere Gebiete der Erde zu beherrschen. 31› Hinweis Als Folge davon wurde die Substanz der nationalen Souveränität bereits zersetzt. Was immer von ihrer äußeren Schale übrig geblieben ist, wird gerade so schnell wie möglich abgebaut. Das neue System, das sie aufbauen (auf das sie sich selbst als »Die Neue Weltordnung« beziehen), wird die bestehende Illusion einer demokratisch ausgerichteten Regierung gegen die seit Langem angestrebte, von »Experten gelenkte« autoritäre Technokratie eintauschen. 32› Hinweis
Sicherlich ist es schwierig, diese Aussagen hinzunehmen, wenn man sie zum ersten Mal hört. Sie fordern unsere Weltsicht heraus und zwingen uns, all das zu überdenken, was man uns zu glauben gelehrt hat. Viel einfacher ist es, diese Tatsachen ohne weitere Untersuchung zurückzuweisen; es ist einfacher, tröstende Lügen hinzunehmen, die unsere Ängste beruhigen. Doch das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was getan werden muss. Wenn wir zulassen, manipuliert zu werden, stärken wir das Netzwerk auf unsere Kosten.
Edward Bernays hat vielleicht mehr als jeder andere dazu beigetragen, das moderne System der öffentlichen Manipulation zu etablieren. Auf den psychoanalytischen Techniken seines Onkels Sigmund Freud aufbauend, wurde Bernays als »Vater der Propaganda« bekannt. 33› Hinweis Seine geringe Meinung über die Massen drückt sich am besten in seinen eigenen Worten aus. Die folgenden Zitate sind seinem Buch Propaganda entnommen:
»Kein ernsthafter Soziologe glaubt noch, dass die Stimme des Volkes irgendeine göttliche oder besonders weise und erhabene Idee zum Ausdruck bringt. Die Stimme des Volkes drückt den Geist des Volkes aus, und dieser Geist wird von den Führern der Gruppen ausgearbeitet … von den Personen, die die Manipulation der öffentlichen Meinung beherrschen.
Wenn wir den Mechanismus und die Motive des Gruppengeistes verstehen, sollte es dann nicht möglich sein, die Massen zu kontrollieren und sie nach unserem Willen zu reglementieren, ohne dass sie davon erfahren?
Welche Einstellung auch immer einer unter dieser Bedingung wählen mag … wir werden von einer geringen Anzahl von Personen beherrscht, von Leuten, die die mentalen Prozesse der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen, die öffentliche Meinung steuern und neue Wege ersinnen, um die Welt zu führen.
Politische Kampagnen sind heute alle nur Nebenschauplätze … Ein Präsidentschaftskandidat mag in Reaktion auf das ›überwältigende öffentliche Verlangen‹ hin ›aufgestellt werden‹, doch ist wohl bekannt, dass über seinen Namen ein halbes Dutzend Männer, die um einen Tisch in einem Hotelzimmer herum sitzen, entschieden haben dürften.
Die bewusste Manipulation der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft handhaben, bilden eine unsichtbare Regierung, die die eigentliche Macht unseres Landes darstellt.«
Bertrand Russell, der Historiker, Philosoph, Mathematiker, Mitbegründer der analytischen Philosophie 34› Hinweis und ein Experte in der »wissenschaftlichen Methode« der Manipulation von Menschen, beschreibt die globale »Gesellschaft von Experten« wie folgt:
»Die Gesellschaft der Experten wird die Propaganda und die Erziehung leiten. Sie wird Loyalität gegenüber der Weltregierung lehren und Nationalismus zu Hochverrat werden lassen.
Die Regierung, die eine Oligarchie ist, wird der großen Masse der Bevölkerung Unterwürfigkeit einflößen … Es ist möglich, dass sie möglicherweise geniale Methoden erfindet, um ihre eigene Macht zu verbergen, und dabei die Formen der Demokratie intakt hält und es den Plutokraten oder Politikern ermöglicht, sich vorzustellen, dass sie diese Formen geschickt lenken … was auch immer die äußeren Formen sein mögen, alle wirkliche Macht wird sich allmählich in den Händen derer konzentrieren, die die Kunst wissenschaftlicher Manipulation verstehen.« 35› Hinweis
Die Lieferanten der demokratischen Illusion versichern uns, dass es raffinierte Verschwörungen und mächtige Geheimgesellschaften nur in den Köpfen von Paranoikern und Extremisten gibt. Ihre Versicherungen sind eine Lüge. Unter Quigleys Führung werden wir die Ursprünge und Maßnahmen des Netzwerks verfolgen, das versucht, indem es »seine eigene Macht verbirgt«, insgeheim unsere Welt zu beherrschen.
