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Tücken und Freuden des Alltags. Ein Bericht in Poesie und Prosa.
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Seitenzahl: 81
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort
Teil 1 Gedichte
Fitness
Oschtere
Österliche Gedanken eines alten Hofhundes
Gewissenserforschung am Abend
Storch Adebar Ciconia
Schpotsummer
Der Floh
Zauberstunde
Das Sägewerk
Vom Anschnallen
Bim Dokter
Ansichtssache
Teil 2 Texte
Heimweg
Feuerzeichen
Also sprach Zarathustra
Probebeichten
Durchtreten
Telefonzentrale
Diphterie
Boskoop
Fräulein Alder
Das Duell
Umsteigen
Deckspiele
Hundeliebe – ein Monolog
Hochamt
Protokoll
Leise rieselt der Schnee
Die Gehhilfe
Vom Loslassen
Brief, statt eines Nachworts
Sag niemals nie! – Ein literarischer Rückfall.
Mit dem vierten Buch Von Paukersdorf nach Dingsda dachte ich die Reihe über Dingsda zu beenden. Aber Dingsda liess mich nicht los.
Das neue Buch gliedert sich in zwei Teile. Der erste enthält Gedichte, in Mundart und Schriftsprache: „Gschribe sinds für Chind und Grossi, wo’s chli blibe sind.“
Der zweite enthält Prosatexte. Oft sind es Jugenderinnerungen. Nur geht es mir dabei nicht so sehr um die biographische Wahrheit. Die Erinnerung liefert den Kern, aus dem heraus sich Geschichten und Gedichte entwickeln. Sie berichten von der Fragilität unseres Lebens, bald heiter, bald ernst. Mit einem versöhnlichen Grundton.
Ich danke allen, die mich beim Entstehen des Bändchens unterstützt haben. Vor allem meinem Sohn Benno, der Cover und Texte für den Druck eingerichtet hat. Und Simone Rufli fürs Gegenlesen.
Herbst 2018
Heinz Picard
In der lauen Frühlingssonne
wälzt sich unser Hund mit Wonne
auf der frisch gemähten Wiese.
„Strecken!“ lautet die Devise.
Schnellt jetzt hoch und schüttelt sich,
wendet sich dann kurz an mich:
„Du denkst viel und wenn, mit Schrecken
denkst du immer gleich an Zecken.
Doch im Gras, auf allen Vieren,
lässt sich trefflich exerzieren.
Respekt verdient ein alter Mann,
der auch noch aufrecht gehen kann.
Wir üben uns zunächst im Strecken,
und wie gesagt: Vergiss die Zecken.“
Leit er s’letschte Ei is Näschtli,
hoppled jede Haas as Fäschtli,
wo‘s nach dere schtränge Zit
no en frohe Abschluss git.
Unterwägs isch Päuli Häsli.
Dänkt: „Ich chlopf no schnäll bim Bäsli,
öb’s mi nid begleite wötti,
ich bi schliesslich eim Chind Götti.“
Dänkt a säb, a dis und das,
mümmlet i sim Lieblingsgras.
Ghört vo färn här Gloggeglüt,
frogt sich: Was isch au für Zit?
Gseht, dass mir nur wägem Frässe
alles andere vergässe.
Leit jetz loos wie s‘Bisiwätter,
grootet plötzlich in a Plätter,
dänkt, was sind doch d‘Chüe für Lüt,
die schiniere sich vor nüt.
Äntlich stoht er vor em Huus.
Chlopft – denn chunt er nümme druus.
Jo, s’verschlot ihm glatt de Schnuuf,
denn der Samichlaus macht uuf.
Grüseli isch Paul verschrocke,
s‘Sprochzentrum het afo bocke:
„Tschu-Tschuldigung“, seit euses Häsli,
„ha-ha doch gmeint, i chlopf bim Bä-Bä-Bäsli,
Tschuldigung, Herr Samichlaus,
dass ich klopft am falschen Haus.“
Meint de Chlaus: „Das si mer Sache“,
doch er muess es bitzli lache,
„ha um die Zit suscht mi Rueh,
und jetz han i plötzlich ztue.
Geschter scho, mehr glaubtis chuum,
stoht s‘erscht Eseli im Ruum.
S‘ wöll en Päckli-Dienscht betriibe.
Öb ich nid würd underschriibe,
dass fürs Säck- und Rueteträge,
es bi mir chönnt agschtellt wärde. -
Der Samichlaus setzt d‘Brülle uuf:
Grossi Auge, schwere Schnuuf:
„Bisch du nid de Häsli Päuli?
Gsesch us wie nes chliises Säuli.
So chasch nid as Hasefäschtli.
Ab id Duschi, links vom Chäschtli,
niemer täti das verstoh,
wenn so under d‘Lüt würdsch go.
Und wenn schnäll machsch, chliine Maa,
chasch de nu es Ruebli ha.“
Und so isch der Päuli no
zitig zu sim Fäschtli cho.
„Was war zuerst, Huhn oder Ei?“ –
Das ist mir völlig einerlei.
Hab vier Beine, hab vier Pfoten.
Schwarz das Fell und kraus das Haar.
Schulabgang mit guten Noten
und im Kopf noch völlig klar.
Glaub, wie alte Hunde sind,
bin noch schneller als der Wind.
Nur, so will es die Natur:
Von Eier legen keine Spur.
So wie ich das Tierreich kenne,
legt die Eier meist die Henne.
In der österlichen Phase
kann dies auch der Osterhase.
Nur: Charäkter sind hienieden
bei Verschiedenen verschieden.
Leider lernt ich Hasen kennen
– Namen will ich hier nicht nennen –,
die statt eigner Legepflege
schlüpften dreist in das Gehege,
wo sie Hennen fies beklauten,
liessen allenorts verlauten:
„Gelegte Eier ha‘n wir gern,
Produzieren liegt uns fern.
Und wenn Eier wir erwerben,
geht’s uns primär nur ums Färben.“
Weil er all‘s verfolgen kunnt,
knurrte nun der alte Hund:
„Ja, sag ich, das kommt von das:
Denn der Hahn mit Seelenruh
drückte beide Augen zu.
Dachte sich wohl nichts dabei,
ihm war alles einerlei.“
Jetzt mischt sich der Autor ein,
denn was ist, das muss auch sein:
„Unser Hund, der arme Tropf,
ist heut wieder wirr im Kopf.
Spinnt sich Räuberstories aus,
spielt verrückt im ganzen Haus.
Was doch das Alter dann und wann
mit einem Tier anstellen kann!“
Ich vergass die Müllabfuhr.
Post? – Liegt noch im Ablegfach.
Wo ist nur die Armbanduhr?
Das tut weiter nichts zur Sach.
Waschen kann ich auch noch morgen.
Alles keine echten Sorgen.
Eigentrost wird hier zur Pflicht.
Mach dir keinen Kummer nicht!
Goht dr Summer langsam z‘änd,
flüüge Störch, wo’s wärmer wänd,
zämme Richtig Afrika,
d‘Winter si vil milder da.
Mänge Storch het Tag und Nacht
wägem Flug sich Sorge gmacht:
„Find ich znacht es ruehigs Näscht?“ –
„Groot ich ines Mugge-Fäscht? „–
„Het’s gnueg Frösche underwägs?
Bruuch pro Mahlzit vier bis sächs.“ –
Grüsli Bammel het do gha
Storch Adebar Ciconia.
Der Heiler Chrütli, s’isch zum Lache,
seit: „Muesch d‘Grippeimpfig mache.“ –
„Bländwerk“, meint sie, „Tüüfelszüüg.
Das hilft nüt bi Langzitflüüg.“
Goht zum Meischter Theo Pfändler
(isch vo Bruef en Velohändler),
seit: „Ich muess es Velo chaufe.
Nei, es isch nid wägem Laufe.
I has schrecklich i de Flügel.
Euse Husarzt Noldi Gügel
het mir gseit: „Ciconia,
das längt nümm uf Afrika.“
Pfändler tritt paar Schritt zurück,
prüft den Fall mit Kennerblick:
„Jo, me gseht do allerlei.
Erschtens händ Sie langi Bei,
zweutens fehle schtrammi Wädli.
S‘bruucht Motor und groossi Rädli.
Frau, wenn ich für Sie müesst wähle,
würd ich s‘E-Bike dört empfähle.“
Rüeft e Stimm: „Ciconia,
mir sammle eus für Afrika.
Däne uf der grosse Matte
goht de Start scho bald vostatte.“
Adebar riibt sich churz d‘Auge,
dänkt, ich cha das gar nid glaube.
Doch es holt si d‘Wohret ii:
S‘E-Bike isch es Träumli gsii.
Schüttlet chräftig s‘wiisse Gfiider
und meint: „S’nächscht Johr chumm i wiider,
falls mi d‘Flügel denn no träge.
Meh chann i dezue nid …“ – „Ciconia!
Sammelplatz nach Afrika! Ciconia! – Ciconiaaa ...!“
Churz bevor’s zum Start ichs choo,
het sich d‘Gmeind no blicke lo.
D’Bloosmusik Euphonia
het en flotte Uftritt gha.
Und der Ammann Kari Bieder
rief: „Im Frühling sehen wir uns wieder!“
Und nach einem tollen Tusch
zitierte er noch Wilhelm Busch:
„Wo kriegten wir die Kinder her,
wenn Meister Klapperstorch nicht wär!“
Der Summer het sich numol bsunne:
Blaue Himmel, luter Sunne.
D‘Nacht isch chüel, me cha guet pfuuse.
Luegsch am Morge churz veruuse,
leisch di a und pfiisch im Hund.
Und scho machsch e Wunderfund:
Uf de Matte, jetz muesch loose,
findsch die erste Herbschtzitloose
Und denn rüefe chlini Meitle :
„Dörfe mir Sie churz begleite,
mir gönd scho i Chindergarte.“ –
„Chömme Sie, mir chönd nid warte.“ –
„Isch das Ihre Hund.“ – „Wie heisst er?“ –
„Kann ich streicheln oder beisst er?“ –
Do schreckt eim der Klingelton.
D‘Tochter isch a ihrem Phone:
„Stell dir vor und säg‘s der Mueter,
plötzlich, jawohl, jetze tueter.
Jo, dr Benjamin cha laufe.
Settig Täg, die chasch nid chaufe.
D‘Suhr bi Aarau läbt e Floh,
de lauft e soo:
Fuess rächts vor,
Fuess rächts zrugg.
Fuess links vor,
Fuess links zrugg.
Fuess rächts vor … *
Langsam chunt de Floh is Schwitze,
seit, er müess es bitzeli sitze.
Und fot grüsli afo schimpfe
(gege Dummheit chasch nid impfe):
„Schimmelbrot und Müüseschpäck,
chume eifach nid vom Fläck.
Ich mach öppis falsch derbii,
weisch du, was es chönnti sii?“
*Variante :
Fuess rächts vor,
Fuess links zrugg.
Fuess rächts zrugg,
Fuss links vor.
Fuess rächts vor …
Enkel, hört die frohe Kunde,
jetzt ist wieder Zauberstunde.
Heut mit Lore Brausewind.
Freunde, die nun mal so sind,
nennen sie ganz einfach Lörchen,
mit Bezug auf jene Röhrchen,
wo Ap’theker seit iks Jahren
Braus’tabletten aufbewahren.
Ruf nach alter Zaubrersitte:
„Fräulein Brausewind, ich bitte.
Dies Glas mit Wasser jederzeit
ist für Ihren Sprung bereit.“
Enkel, etwas Spass darf sein,
werft doch Lore einfach rein!“
Und sie schäumt und braust und zischt,
macht noch kurz mal ‚winke-winke‘,
bis sie fast verschwunden ist,
schreit im Abgang: „Prost, man trinke!“
Die Mittel eignen sich für Chind,
die älter als zwölf Jahre sind.
Und mancher Mummelgreis, der fragt sich,
ob’s noch etwas bringt mit achtzich.
„Grossvati, halt dich bereit,
heut ist wieder Sägezeit.
Dorten in der Ecken
steht ein alter Stecken.
Hol die dürre Jammerfichte,
während ich den Sägbock richte.“ –
„Enkel“, sag ich, “dieser Stecken,
ja, der dorten in der Ecken,
war, ich weiss, man glaubt es kaum,
einst ein schmucker Weihnachtsbaum.
Hat, auch wenn er ausgedient,
doch ein bessres End verdient:
Wir sägen ihn in gleiche Teile,
glätten nach mit einer Feile.
Irdisches hat nicht Bestand,
wird im Cheminée dann verbrannt.
Bleibt die Asche.“ – „Ja und diese?“ –
„Die verstreun wir auf der Wiese.“
Vom Enkel keine Gegenwehr.
Ihm gefällt der Ablauf sehr.
Holt sich gleich das fromme Pflöckchen,
legt es sanft aufs Sägeböckchen.
Wenn ich’s richtig nun erwäge,
reicht die kleine Bügelsäge.
„Enkel“, ruf ich, „Position!“
Und da kratzt das Sägblatt schon
jene Kerbe in das Holz,
die den Säger füllt mit Stolz.
Und er sagt in tiefer Rührung:
Nichts geht über sichre Führung,
Los nun! Ritze-ratze-ritze-ratze-
ritze-ratze-ritze-spritze …
