Gesammelte Werke in drei Bänden (I) - Richard Dehmel - E-Book
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Gesammelte Werke in drei Bänden (I) E-Book

Richard Dehmel

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Beschreibung

Richard Dehmels "Gesammelte Werke in drei Bänden (I)" ist ein herausragendes Zeugnis der deutschen Symbolik und Lyrik des späten 19. Jahrhunderts. In diesem ersten Band versammelt Dehmel eine Vielzahl von Gedichten und Essays, die durch einen eindringlichen, emotionalen Stil sowie eine umfassende thematische Bandbreite bestechen. Er thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Natur, die innere Zerrissenheit sowie die Herausforderungen des modernen Lebens, stets durchzogen von einer synthetischen Musikalität und einem tiefen existentialistischen Gedankengeflecht, das den Leser fesselt und zum Nachdenken anregt. Richard Dehmel, geboren 1863, war ein prägender Vertreter seiner Zeit, dessen Werk stark von der Suche nach Sinn und individueller Freiheit geprägt ist. Als literarischer Wegbereiter in einer Epoche des Umbruchs und des Wandels, beeinflussten seine persönlichen Erfahrungen und sein kritisches Engagement in der Gesellschaft seine Schreibweise. Dehmel war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein bedeutender Übersetzer und Herausgeber, der die Verbindung zwischen deutscher und europäischer Literatur hineinvermittelte. Dieses Werk empfiehlt sich nicht nur für Liebhaber der Lyrik, sondern auch für alle, die einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche und die kulturellen Strömungen des späten 19. Jahrhunderts gewinnen möchten. Dehmel führt den Leser auf eine emotionale Reise, die sowohl zeitlos als auch zeitgenössisch relevant ist, und lädt ein, die vielschichtigen Facetten der menschlichen Existenz in ihrer ganzen Tiefe zu erkunden. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Richard Dehmel

Gesammelte Werke in drei Bänden (I)

Bereicherte Ausgabe. Einzigartige Vielfalt der deutschen Lyrik eines bedeutenden Dichters
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2022
EAN 4064066434298

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Gesammelte Werke in drei Bänden (I)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Dieser erste Band der Gesammelten Werke in drei Bänden bietet einen konzentrierten Zugang zu Richard Dehmels dichterischem Kern. Die Auswahl folgt dem Ziel, die maßgeblichen lyrischen Sammlungen und programmatischen Textteile in ihrer gewachsenen Gestalt zusammenzuführen, ohne sie durch willkürliche Eingriffe zu zergliedern. Von der einleitenden Übersicht aus entfaltet sich eine dramaturgisch geordnete Folge, die Werkblöcke, Zyklen und einen rahmenden Leserhinweis zusammenbindet. Der Band richtet sich an Leserinnen und Leser, die Dehmels Stimme im Zusammenhang seiner eigenen Gliederungen erfahren möchten, und versammelt vornehmlich Gedichte, Sprüche und eine umfangreiche Rhapsodie, ergänzt um einen adressierten Hinweistext an den verehrten Leser.

Im Zentrum stehen lyrische Formen in großer Spannweite: knappe Sprüche neben weit ausschwingenden Gedichten, zyklisch gefasste Folgen neben einem rhapsodischen Großgedicht. Mit dem Denkzettel für den verehrten Leser findet sich zudem ein kurzer Prosatext, der als begleitende Ansprache die Lektüre kontextualisiert, ohne in eine wissenschaftliche Kommentierung zu münden. Romane oder Dramen sind in diesem Band nicht vertreten; der Akzent liegt auf der poetischen Sprache, ihrer Verdichtung und ihrem musikalischen Verlauf. Die Sammlung zeigt damit Dehmel als Lyriker und als Autor verdichteter Reflexionen, der Grenzen zwischen Gedicht und poetischer Prosa durchlässig macht, ohne die Eigenart der Gattungen einzuebnen.

Ein Schwerpunkt ist Erlösungen. Gedichte und Sprüche (Vierte Ausgabe). Diese Sammlung präsentiert Dehmels lyrische Spannweite in einer Abfolge, die vom lapidaren Spruch bis zum meditativ gefügten Gedicht reicht. Ihre innere Ordnung tritt in den drei Teilen Erster Abschnitt, Zweiter Abschnitt und Dritter Abschnitt hervor; sie bildet die Achse, an der Sprache, Bildraum und gedankliche Bewegung austariert werden. Der vorangestellte Denkzettel für den verehrten Leser bereitet diese Anlage vor, indem er die Aufmerksamkeit auf Haltung und Wahrnehmungsweise richtet. So wird Erlösungen nicht als bloßes Register, sondern als durchkomponierte Sequenz lesbar und gewinnt dabei spürbare innere Dramaturgie.

Im Anschluss entfaltet Aber die Liebe. Zwei Folgen. Gedichte (Dritte Ausgabe) einen thematisch konzentrierten Zyklus. Die eröffnende Hieroglyphe fungiert als Schwelle, an der die Zeichen der Liebe, ihre Deutbarkeit und ihr Geheimnis markiert werden. Darauf folgen die streng gefasste Erste Folge und die weitergespannte Zweite Folge, die die Motivik variieren und vertiefen. Die Sammlung belässt den Gedichten ihre offene Mehrdeutigkeit, legt jedoch zugleich eine Leselinie nahe: Liebe erscheint als Prüfstein von Sprache, Leib, Erinnerung und Bindung. So entsteht eine poetische Topographie, in der Nähe und Ferne, Geständnis und Formdisziplin miteinander ins Gespräch treten.

Den Abschluss des Bandes prägt Die Verwandlungen der Venus. Erotische Rhapsodie mit einer moralischen Ouvertüre (Zweite Ausgabe). Diese groß angelegte Konzeption führt die Spannung von Trieb, Haltung und Sinn in einem fortlaufenden, musikalisch geführten Duktus vor. Die moralische Ouvertüre rahmt die nachfolgenden Teile, zu denen Das entschleierte Schwesternpaar und der abschließende Abschnitt Die Verwandlungen der Venus gehören. Nicht eine Erzählhandlung steht hier im Vordergrund, sondern eine Abfolge lyrischer Zustände, die sich zu einem rhapsodischen Bogen fügen. Der Band bewahrt die überlieferte Gliederung und lässt die Bewegung der Stimme als Einheit erfahrbar werden.

Über die einzelnen Werkgruppen hinweg verbinden sich bestimmte Themen und Verfahren. Liebe, Naturerfahrung, soziale Anmutung und die Frage nach persönlicher Freiheit gegenüber Normen werden wiederaufgenommen, verschoben und gegeneinander gespiegelt. Stilistisch prägen musikalische Perioden, synkopierte Rhythmen und bildkräftige Metaphern das Sprechen; das Spektrum reicht von aphoristischer Kürze bis zu weiträumiger, rhapsodischer Entfaltung. Dabei begegnen sich suggestive Symbolik und direkte Ansprache, ohne sich gegenseitig aufzuheben. Die Sammlung macht sichtbar, wie Dehmel Formen und Tonlagen gegeneinander schärft, um Affekt und Einsicht zugleich zu mobilisieren, und wie seine Gedichte aus der Spannung zwischen Intimität, Öffentlichkeit und Ethos ihre Energie beziehen.

Die anhaltende Bedeutung dieses Werks liegt in seiner Fähigkeit, existentielle Erfahrungen in eine moderne, bewegliche Verssprache zu übersetzen, die Leserinnen und Leser bis heute anspricht. Dieser Band bietet dafür eine verlässliche Lektürereinheit: Er folgt den vom Autor etablierten Zusammenstellungen und bewahrt deren erkennbare Gliederung, sodass die Eigenrhythmen der Zyklen zur Geltung kommen. Zugleich lädt er zu vergleichender Lektüre zwischen Spruch, Gedichtfolge und Rhapsodie ein und öffnet den Blick auf die Spannweiten von Motiv, Ton und Form. So positioniert sich Band I als Fundament der dreibändigen Ausgabe und als Einladung, Dehmel in seiner Vielfalt neu zu entdecken.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Die in Band I versammelten frühen Lyrik- und Prosastücke Richard Dehmels entstanden überwiegend im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, im wilhelminischen Kaiserreich, das von rasanter Industrialisierung, Urbanisierung und sozialer Mobilität geprägt war. Berlin und Hamburg, Dehmels wichtigste Lebensstationen, wurden zu Laboratorien der Moderne: elektrisches Licht, neue Freizeitkulturen und ein boomender Buchmarkt veränderten Wahrnehmung und Moral. In diesem Spannungsfeld profilierte sich Dehmel als Stimme des fin de siècle, die subjektive Leidenschaft, Naturbilder und soziale Erfahrung verschränkte. Sammlungen wie „Erlösungen“ oder die Liebeszyklen reagieren auf den Konflikt zwischen bürgerlicher Norm und individueller Sinnsuche, den viele Zeitgenossen als epochale Krise empfanden.

Literarisch stand Dehmel an einer Schnittstelle von Naturalismus, Symbolismus und Jugendstil. Während naturalistische Milieuschilderung noch nachwirkte, suchten Dichter um 1890 nach musikalischer Bildsprache und konzentrierter Metapher. Dehmel verband starke Rhythmik, sinnliche Metaphorik und aphoristische Verdichtung, wie sie in „Aber die Liebe“ oder den „Sprüchen“ sichtbar wird. Parallel formierte sich in Berlin und München eine kunstgewerbliche Moderne; Zeitschriften wie Pan und Jugend propagierten neue Typographie, Ornamentik und Synästhesie. Diese Atmosphäre der ästhetischen Erneuerung begünstigte die Idee lyrischer „Hieroglyphen“: verdichtete Zeichen, die Welt- und Selbsterfahrung zugleich chiffrieren und den Leser als Mitdeuter moderner Empfindungen einbeziehen.

Die Wilhelminische Ära war zugleich von verschärfter Sittenpolitik bestimmt. Dehmel geriet wegen erotischer Gedichte in Prozesse; 1897/98 wurde sein Band „Weib und Welt“ teilweise verboten, eine Zensurwelle, die mit der späteren „Lex Heinze“ (1900) kulturpolitisch verfestigt wurde. Auch wenn Band I andere Titel versammelt, prägte jene Debatte seine Wahrnehmung: Erotik als dichterische Energie galt schnell als Provokation gegen staatlich gestützte Moral. Titel wie „Die Verwandlungen der Venus“ und eine „moralische Ouvertüre“ signalisieren das Bewusstsein für diese Konfliktlage. Der Skandal erzeugte Widerstände, kurbelte aber zugleich Auflagen, Lesungen und Kritik an, wodurch Dehmel als zentrale Figur einer „modernen“ Lyrik sichtbar blieb.

Die enge Verschränkung von Lyrik und Musik prägte Dehmels Wirkungsgeschichte. Komponisten der Spätromantik und frühen Moderne vertonten seine Verse; paradigmatisch steht Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ (1899) nach Dehmel, aber auch Richard Strauss und Hans Pfitzner griffen Texte des Autors auf. Konzerte in Berlin und Wien transportierten Dehmels Bilderwelten in neue Öffentlichkeiten, wo sinnliche Intensität und psychologische Innenspannung als musikalische Dramatik erfahrbar wurden. Für Leser der Sammlung hieß das: Die Gedichte bewegten sich bereits in einem Netz klanglicher Assoziationen, das ihre Themen Liebe, Schuld, Läuterung und Naturkraft über die Grenzen des Buches hinaus zu verstärken schien.

Die Jahrhundertwende brachte lebhafte Debatten um Geschlechterordnung, Ehe und sexuelle Reform. Publizistische Foren und Vereine – später etwa der von Helene Stöcker initiierte Bund für Mutterschutz – verschoben Diskurse über weibliche Selbstbestimmung und Mütterlichkeit. In Hamburg und Berlin unterstützte Dehmels zweite Frau Ida Dehmel Künstlerinnen und betrieb kulturpolitische Vernetzung; solche Kreise sensibilisierten für weibliche Perspektiven. Dehmels poetische Venus-Gestalten oszillieren zwischen Verehrung, Sinnlichkeit und moralischer Prüfung. Diese Ambivalenz erklärt, warum die Rezeption zwischen Befreiungsversprechen und Vorwurf der Entgrenzung schwankte: Die Texte spiegeln Versuche, Eros als schöpferische, aber gesellschaftlich umkämpfte Energie zu denken.

Im Hintergrund wirkten naturwissenschaftliche und weltanschauliche Strömungen. Der Darwinismus und Haeckels Monismus lieferten Modelle, Naturtrieb, Entwicklung und Einheit der Kräfte zusammenzudenken; zugleich prägten Nietzsche-Rezeption und Lebensphilosophie eine Ethik der Steigerung. Dehmels Gedichte und „Denkzettel“ binden solche Ideen an urbane Erfahrung: Großstadtverkehr, Hafen- und Eisenbahnräume Hamburgs, elektrische Nächte Berlins werden zu Kulissen eines vitalistischen Erfahrungsstils. Das Leitmotiv der „Erlösung“ erhält dadurch eine säkular-poetische Färbung, in der Liebe als Energie der Selbst- und Weltverwandlung erscheint. Leser wurden aufgefordert, Sinn nicht in Dogmen, sondern in der Intensität gelebter Beziehungen und symbolischer Zeichen zu suchen.

Die literarische Öffentlichkeit der 1890er lebte von Zeitschriftennetzen, Lesebühnen und aufstrebenden Verlagen. Häuser wie S. Fischer professionalisierten den Markt für moderne Lyrik; Foren wie Die Gesellschaft bündelten Polemiken und Programmschriften. Dehmel stand in Austausch mit Detlev von Liliencron, Otto Julius Bierbaum und Otto Erich Hartleben; jüngere Autoren, darunter Rainer Maria Rilke, beobachteten seine Rhythmik und Pathosmodelle. Diese Netzwerke beschleunigten die Verbreitung, verschärften aber auch Konflikte zwischen Traditionalisten und Erneuerern. Mehrfache Auflagen und Umstellungen, die Band I vermerkt, zeigen, wie Paratexte, Vorworte und Reihenfolgen als Mittel dienten, die öffentliche Debatte um Sinn und Anstößigkeit mitzugestalten.

Obwohl viele Texte vor 1900 entstehen, veränderten Kriegserfahrung und Nachkriegsumbruch ihre Lektüre. Dehmel engagierte sich 1914 zunächst patriotisch, wurde später nachdenklicher; nach 1918 las man seine frühere Erotologie vor dem Hintergrund von Verlust, Ernüchterung und der Suche nach neuer Ordnung. Der Tod des Autors 1920 in Hamburg-Blankenese und die Pflege seines Nachlasses durch Ida Dehmel befestigten den Kanonstatus. Band I einer dreibändigen Ausgabe bewahrt so nicht nur einzelne Gedichte, sondern ein Dokument der deutschsprachigen Moderne: ein Archiv jener Spannung, in der Eros, Kunstglaube und gesellschaftliche Disziplinierung das Selbstverständnis eines ganzen Jahrzehnts verhandelten.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Übersicht

Eine knappe Orientierung über Aufbau und Leitmotive des Bandes, die die Spannweite von Liebes- und Erlösungsdichtung bis zur erotischen Rhapsodie absteckt.

Sie rahmt die Texte programmatisch und lenkt den Blick auf das Wechselspiel von Sinnlichkeit, Moral und Verwandlung.

Erlösungen – Gedichte und Sprüche (inkl. Denkzettel, Erster, Zweiter, Dritter Abschnitt)

Ein aus Gedichten und Sprüchen gefügter Zyklus, der innere Spannung, gesellschaftliche Selbstprüfung und die Suche nach Befreiung verdichtet.

Bildkräftige Natur- und Sinnbilder, aphoristische Zuspitzungen und ein drängender Ton markieren die Bewegung von der Ermahnung zur inneren Klärung.

Aber die Liebe – Zwei Folgen (inkl. Hieroglyphe, Erste Folge, Zweite Folge)

Variationen der Liebe zwischen Leib und Ideal, in denen Begehren, Zärtlichkeit und Konflikt in wechselnden Szenen ausgelotet werden.

Musikalische Wiederholungsfiguren und symbolische Leitwörter bündeln eine oft provokante, zugleich zart modulierte Liebespoetik, die das Motiv der Wandlung durchspielt.

Die Verwandlungen der Venus – Erotische Rhapsodie mit einer moralischen Ouvertüre (inkl. Das entschleierte Schwesternpaar; Die Verwandlungen der Venus)

Eine rhapsodische, mythologisch getönte Erkundung der Erotik, deren moralische Ouvertüre den Rahmen und die Reibungsfläche setzt.

Spiegelungen, Enthüllungen und metamorphotische Szenen treiben das Thema der Verwandlung voran, in einem theatralischen Ton zwischen Hymnus, Ironie und Ethik.

Gesammelte Werke in drei Bänden (I)

Hauptinhaltsverzeichnis
Übersicht
Erlösungen Gedichte und Sprüche Vierte Ausgabe
Denkzettel für den verehrten Leser
Erster Abschnitt
Zweiter Abschnitt
Dritter Abschnitt
Aber die Liebe Zwei Folgen Gedichte Dritte Ausgabe
Hieroglyphe
Erste Folge
Zweite Folge
Die Verwandlungen der Venus Erotische Rhapsodie mit einer moralischen Ouvertüre Zweite Ausgabe
Das entschleierte Schwesternpaar
Die Verwandlungen der Venus

Erster Band

S. Fischer, Verlag, Berlin

22. bis 24. Tausend

Übersicht

Inhaltsverzeichnis

(Die mit * bezeichneten Stücke sind neu aufgenommen)

Seite
Erlösungen
Denkzettel
7
*Freudenruf
9
*Deutsches Lied
9
An mein Volk
10
Auf den Weg
11
*Antrieb
11
Welt und Zeit
11
Bekenntnis
11
Grundsatz
12
Selbstzucht
12
Wen’s trifft
13
Die geflügelte Fackel
13
*Die Glocke im Meer
14
Der Pirat
15
An die Ersehnte
19
Im Fluge
19
*Entzückung
20
Durch die Blume
20
Entbietung
21
Ihr Wunsch
21
Die Umworbene
22
Der Rächer
23
Die Tochter der Sonne
25
Wollust
28
Ein Brandbrief
29
Die zwölf sittsamen Gastwirte
32
Eine gantz neu Schelmweys
34
Novemberfahrt
35
Der brave Strubel
36
Frecher Bengel
37
Fräulein Leichtfuß
38
Zuspruch
38
Epitaph
38
Ermutigung
39
Nächtliche Frage
39
Vorgefühl
39
Mädchenfrühling
40
Leises Lied
40
*Ständchen
41
Überraschung
41
Herrliches Pärchen
43
Empfang
44
Nicht doch
44
Das alte Lied
45
Die Heimkehr
46
Zuflucht
47
Sommerabend
48
Morgenandacht
48
Im Regen
49
Einkehr
50
Lied Kaspar Hausers
50
Heimat
51
Tief von fern
52
Der Herr der Liebe
52
Läuterung
53
Pfingstlied
53
Jetzt und immer
54
Allgegenwart
54
Waldseligkeit
55
Die Getrennten
56
In Sehnsucht
56
Deine Nähe
57
Der Bräutigam
58
Ansturm
58
Nachtgebet der Braut
59
Ballnacht
59
Entweihung
60
Landung
61
Die Illusion
62
Gebet an die Geliebte
62
Der Wunschgeist
63
Dante guidante
68
Rückkehr
68
Verheißung
69
An meine Königin
70
Wahrspruch
71
Lobgesang
71
Blick ins Licht
72
Fernhin
73
Erste Hoffnung
73
Am Storchsee
74
Wiegenlied für meinen Jungen
75
Lied der Mutter
76
Indianischer Wiegengesang
77
Adlerschrei
80
Eröffnung
81
Weihspruch
82
Nachruf an Nietzsche
82
Glockenklänge an Bismarck
84
Vor Sonnenaufgang
87
Humane Epistel auf deutsche Art
88
*Kampfspruch
90
Werkspruch
90
*Sprüche vom Glück
90
Menschenrecht
90
Machtsprüche
91
Das Spiel der Welt
91
In Summa
92
Lohngesetz
93
Ungleiche Schätzung
93
*Reinertrag
93
*Ewiges Ziel
93
Zwecksprüche
94
Allerlei Menschliches
94
Quintessenz
95
Heldentümliches
95
Humaner Konflikt
96
*Mann und Weib
96
Sprüche der Liebe
96
Spruch in die Ehe
97
*Sprüche der Treue
97
*Einziger Grund
98
*Die ewige Sehnsucht
98
Sprüche der Zeit
98
Sprüche zur Kunst
99
Inhalt der Kunst
99
Maßstäbe
100
*Gesichtspunkte
100
Kunstgenuß
100
Einem und jedem Schöpfer
100
*Den Empfänglichen
101
Den Querköpfen
101
*Den Auslegern
101
*Dichtersprache
102
*Dichterschicksal
102
*Der geduldige Dichter
103
Guter Rat
103
*Den Kennern
104
Den Herren Kritikern
104
Kumpaney
104
Laufbahn
105
*Der Hahnenkampf
105
*Die neue Würde
106
Die verunglückte Göttin
109
*Der Feuergeist
115
Das erlösende Wort
116
Aber die Liebe
Hieroglyphe
118
Der befreite Prometheus
119
Gethsemane
124
Tragische Erscheinung
127
Einsamkeiten
127
Bergpsalm
129
Lied an meinen Sohn
131
Ausschau bei Nacht
132
Weihnachtsglocken
133
Jesus der Künstler
134
Zu eng
137
Vergißmeinnicht
142
Die Magd
143
Die Armen
144
Vierter Klasse
145
Auf einem Dorfweg
150
Der tote Hund
151
Ein Märtyrer
151
Anno Domini 1812
154
*Ballade vom Volk
156
Drohende Aussicht
157
Dichters Arbeitslied
158
Die stille Stadt
158
Der Arbeitsmann
159
Predigt ans Großstadtvolk
160
Ein Freiheitslied
160
*Märzlied
161
Maifeierlied
161
*Bergarbeiterlied
162
Erntelied
163
*Sturmbild
163
*Die Hafenfeier
164
Drei Blicke
170
Ein Heine-Denkmal
171
Landstreichers Lobgesang
176
Hohes Lied
178
*Ruf an die Kühnsten
179
*Vogel Greif
181
*Die Musik des Mont Blanc
182
*Gebet im Flugschiff
189
Jesus und Psyche
190
Bann
196
Unsre Stunde
196
Ohnmacht
197
Büßende Liebe
198
Stromüber
199
Bitte
200
Gastgeschenk
200
Gottes Wille
200
Übermacht
201
Bestürmung
202
Antwort
202
Und dennoch
203
Nur
204
Nächtliche Scheu
205
Menschliche Botschaft
205
Entführung
206
Der Brand
207
Abschied ohn End
208
Dann
209
Bleiche Nacht
209
Trübes Lied
211
*Dahin
211
Lebewohl
212
Ein Stelldichein
213
Chinesisches Trinklied
213
Der Dritte im Bunde
215
Frühlingsrausch
215
Mein Trinklied
216
*Erklärung
218
*Äonische Stunde
218
*Zechers Nachtfeier
218
Fromme Wünsche
219
Lied des vogelfreien Dichters
220
Lied der Gehenkten
221
Rettung zu Gott
222
Mirakel
232
*Stimme von oben
233
Bach’sche Fuge
234
Rembrandts Gebet
234
*Die Schöpferhand
235
*Der letzte Traum
235
Ruhe
236
Ecce Poeta
237
Die ferne Laute
237
Notturno
238
Ein Ewiger
241
Loke der Lästerer
242
Um Ibsens Schatten
247
*Götterhochzeit
249
*Schöpfungsfeier
250
Die Verwandlungen der Venus
Das entschleierte Schwesternpaar
255
Anfang der Verwandlungen
272
Venus Anadyomene
274
„   Primitiva
276
„   Pandemos
278
„   Socia
282
„   Excelsior
283
„   Creatrix
285
„   Urania
287
„   Religio
291
„   Madonna
293
„   Mater
294
„   Mamma
295
„   Natura
296
„   Bestia
297
Amor modernus domesticus
301
Venus Adultera
304
„   Maculata
306
„   Perversa
307
„   Mystica
309
„   Idealis
311
„   Metaphysica
315
„   Occulta
323
„   Vita
326
„   Mors
328
„   Homo
330
„   Sapiens
332
„   Fantasia
334
„   Regina
335
„   Consolatrix
343
„   Universa
346
„   Heroica
348
„   Mea
350
Schluß der Verwandlungen
351

ErlösungenGedichte und SprücheVierte Ausgabe

Inhaltsverzeichnis

Denkzettel für den verehrten Leser

Inhaltsverzeichnis
Verehrter Leser! Mensch! ich beschwör dich:
lies mich richtig, Mensch, oder scher dich!
Nämlich das Lesen von Gedichten
ist zwar sehr einfach zu verrichten,
aber gerade die einfachen Sachen
pflegt bekanntlich der Mensch sich schwer zu machen.
Vor allem: such keinen „Grundgedanken“!
sonst kommen deine paar Sinne ins Wanken.
Will ich dir meine Gedanken reichen,
schreib ich Sprüche, Aufsätze und dergleichen.
Gedichte sind keine Abhandlungen;
meine Gedichte sind Seelenwandlungen.
Selbe vollziehen sich aus Gefühlen,
die den ganzen Menschen aufwühlen.
Solch ein Gefühl, das steigt dann zu Kopfe,
sträubt mir manchmal die Haare vom Schopfe,
setzt mir meine paar Sinne in Schrecken,
daß sie plötzliche Luftbilder hecken;
die greifen einander in buntem Lauf,
jagen wohl auch Gedanken mit auf,
die dann über dem Grunde schaukeln,
etwa wie Schmetterlinge gaukeln
um eine große glühende Blume
über dem Brodem der Ackerkrume,
und so fang ich sie auf im Nu,
weiß wohl wie, weiß nicht wozu,
ist eine planvoll zwecklose Geschichte,
kurz — ich erlebe meine Gedichte.
Und, merk dirs, kein Erleben geschieht aus Gedanken;
ach, die Gedanken sind nur Ranken,
die wir arabeskenhaft flechten
um Manifeste von grundlosen Mächten.
Denn das Leben hat kein Gehirn,
verwirrt dir höchstens Dein Gehirn,
wird dir nur mit Schmerz oder Lust
als ein beseelender Wille bewußt,
der dich unsinnig treibt und lockt,
und den zu verdauen, Mensch, unverstockt,
mit unsern paar Sinnen, für Heid wie Christ
die wahre Seelenseligkeit ist.
Drum, verehrter Leser, Mensch, ich beschwör dich:
verdau mich ebenso! sonst scher dich!
Und verwirrt dich doch mal mein Gewühl,
so schieb’s nur, bitte, aufs Grundgefühl!
Wie ich auch hier nur, möglichst hold,
einem törichten Ingrimm Luft machen wollt.

Erster Abschnitt

Inhaltsverzeichnis

*

Freudenruf

O freu dich, Mensch: Deine Welt erschallt!
Überall ist Frühling, wo dein Herz nachtigallt![1q]
Menschenlieder, ihr schwanken
Meer- und Himmels-Gedanken,
Berg-, Fluß-, Fluren-Träume,
Wolken- und Wellen-Schäume,
Waldversunkenheiten,
Sternentrunkenheiten,
Wein- und Blumen-Gelüste,
schwellende Lippen und Brüste
bis hinauf zur Sonne —
ja: ihr wiegt uns in Wonne!

Deutsches Lied

Mich drängt zu singen
deutschen Geistes Kraft.
Erde nimmt Himmelschwingen,
wenn er dich, Volk, aufrafft.
Über die Eichenkronen
stürmt er zugvogeldreist
in alle Zonen,
wenns ihn zur Tat hinreißt.
Welten schweben nieder,
wenn er träumen will;
Himmel nimmt Erdgefieder,
heimatstill.
Mag er zu schlafen scheinen,
wenn er ruht:
plötzlich durch all die Seinen
zuckt Morgenglut.
Mit einem Märchenlachen
heller Verwegenheit
hörst du, Volk, ihn erwachen.
O Geist der Herrlichkeit!

An mein Volk

Ich möchte wohl geliebt von Vielen sein,
und auch geehrt; ich weiß es wohl.
Aber niemals soll
mein Stolz und Wert mir drum gemein
mit hunderttausend Andern sein.
Ich hab ein großes Vaterland:
zehn Völkern schuldet meine Stirn
ihr bißchen Hirn.
Ich habe nie das Volk gekannt,
aus dem mein reinster Wert entstand.
In meiner Heimat steht ein Baum,
den liebe ich, der steht sehr stolz
mitten im Mittelholz.
Da träumt ich manchen jungen Traum;
er wurzelt tief, der hohe Baum.
Da träumt ich, daß der Mensch allein
dem hunderttausendfachen Bann
entwachsen kann:
bis auch die Völker sich befrein
zum Volk! — mein Volk, wann wirst du sein?