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Richard Dehmels "Gesammelte Werke in drei Bänden (I)" ist ein herausragendes Zeugnis der deutschen Symbolik und Lyrik des späten 19. Jahrhunderts. In diesem ersten Band versammelt Dehmel eine Vielzahl von Gedichten und Essays, die durch einen eindringlichen, emotionalen Stil sowie eine umfassende thematische Bandbreite bestechen. Er thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen Mensch und Natur, die innere Zerrissenheit sowie die Herausforderungen des modernen Lebens, stets durchzogen von einer synthetischen Musikalität und einem tiefen existentialistischen Gedankengeflecht, das den Leser fesselt und zum Nachdenken anregt. Richard Dehmel, geboren 1863, war ein prägender Vertreter seiner Zeit, dessen Werk stark von der Suche nach Sinn und individueller Freiheit geprägt ist. Als literarischer Wegbereiter in einer Epoche des Umbruchs und des Wandels, beeinflussten seine persönlichen Erfahrungen und sein kritisches Engagement in der Gesellschaft seine Schreibweise. Dehmel war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein bedeutender Übersetzer und Herausgeber, der die Verbindung zwischen deutscher und europäischer Literatur hineinvermittelte. Dieses Werk empfiehlt sich nicht nur für Liebhaber der Lyrik, sondern auch für alle, die einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche und die kulturellen Strömungen des späten 19. Jahrhunderts gewinnen möchten. Dehmel führt den Leser auf eine emotionale Reise, die sowohl zeitlos als auch zeitgenössisch relevant ist, und lädt ein, die vielschichtigen Facetten der menschlichen Existenz in ihrer ganzen Tiefe zu erkunden. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Dieser erste Band der Gesammelten Werke in drei Bänden bietet einen konzentrierten Zugang zu Richard Dehmels dichterischem Kern. Die Auswahl folgt dem Ziel, die maßgeblichen lyrischen Sammlungen und programmatischen Textteile in ihrer gewachsenen Gestalt zusammenzuführen, ohne sie durch willkürliche Eingriffe zu zergliedern. Von der einleitenden Übersicht aus entfaltet sich eine dramaturgisch geordnete Folge, die Werkblöcke, Zyklen und einen rahmenden Leserhinweis zusammenbindet. Der Band richtet sich an Leserinnen und Leser, die Dehmels Stimme im Zusammenhang seiner eigenen Gliederungen erfahren möchten, und versammelt vornehmlich Gedichte, Sprüche und eine umfangreiche Rhapsodie, ergänzt um einen adressierten Hinweistext an den verehrten Leser.
Im Zentrum stehen lyrische Formen in großer Spannweite: knappe Sprüche neben weit ausschwingenden Gedichten, zyklisch gefasste Folgen neben einem rhapsodischen Großgedicht. Mit dem Denkzettel für den verehrten Leser findet sich zudem ein kurzer Prosatext, der als begleitende Ansprache die Lektüre kontextualisiert, ohne in eine wissenschaftliche Kommentierung zu münden. Romane oder Dramen sind in diesem Band nicht vertreten; der Akzent liegt auf der poetischen Sprache, ihrer Verdichtung und ihrem musikalischen Verlauf. Die Sammlung zeigt damit Dehmel als Lyriker und als Autor verdichteter Reflexionen, der Grenzen zwischen Gedicht und poetischer Prosa durchlässig macht, ohne die Eigenart der Gattungen einzuebnen.
Ein Schwerpunkt ist Erlösungen. Gedichte und Sprüche (Vierte Ausgabe). Diese Sammlung präsentiert Dehmels lyrische Spannweite in einer Abfolge, die vom lapidaren Spruch bis zum meditativ gefügten Gedicht reicht. Ihre innere Ordnung tritt in den drei Teilen Erster Abschnitt, Zweiter Abschnitt und Dritter Abschnitt hervor; sie bildet die Achse, an der Sprache, Bildraum und gedankliche Bewegung austariert werden. Der vorangestellte Denkzettel für den verehrten Leser bereitet diese Anlage vor, indem er die Aufmerksamkeit auf Haltung und Wahrnehmungsweise richtet. So wird Erlösungen nicht als bloßes Register, sondern als durchkomponierte Sequenz lesbar und gewinnt dabei spürbare innere Dramaturgie.
Im Anschluss entfaltet Aber die Liebe. Zwei Folgen. Gedichte (Dritte Ausgabe) einen thematisch konzentrierten Zyklus. Die eröffnende Hieroglyphe fungiert als Schwelle, an der die Zeichen der Liebe, ihre Deutbarkeit und ihr Geheimnis markiert werden. Darauf folgen die streng gefasste Erste Folge und die weitergespannte Zweite Folge, die die Motivik variieren und vertiefen. Die Sammlung belässt den Gedichten ihre offene Mehrdeutigkeit, legt jedoch zugleich eine Leselinie nahe: Liebe erscheint als Prüfstein von Sprache, Leib, Erinnerung und Bindung. So entsteht eine poetische Topographie, in der Nähe und Ferne, Geständnis und Formdisziplin miteinander ins Gespräch treten.
Den Abschluss des Bandes prägt Die Verwandlungen der Venus. Erotische Rhapsodie mit einer moralischen Ouvertüre (Zweite Ausgabe). Diese groß angelegte Konzeption führt die Spannung von Trieb, Haltung und Sinn in einem fortlaufenden, musikalisch geführten Duktus vor. Die moralische Ouvertüre rahmt die nachfolgenden Teile, zu denen Das entschleierte Schwesternpaar und der abschließende Abschnitt Die Verwandlungen der Venus gehören. Nicht eine Erzählhandlung steht hier im Vordergrund, sondern eine Abfolge lyrischer Zustände, die sich zu einem rhapsodischen Bogen fügen. Der Band bewahrt die überlieferte Gliederung und lässt die Bewegung der Stimme als Einheit erfahrbar werden.
Über die einzelnen Werkgruppen hinweg verbinden sich bestimmte Themen und Verfahren. Liebe, Naturerfahrung, soziale Anmutung und die Frage nach persönlicher Freiheit gegenüber Normen werden wiederaufgenommen, verschoben und gegeneinander gespiegelt. Stilistisch prägen musikalische Perioden, synkopierte Rhythmen und bildkräftige Metaphern das Sprechen; das Spektrum reicht von aphoristischer Kürze bis zu weiträumiger, rhapsodischer Entfaltung. Dabei begegnen sich suggestive Symbolik und direkte Ansprache, ohne sich gegenseitig aufzuheben. Die Sammlung macht sichtbar, wie Dehmel Formen und Tonlagen gegeneinander schärft, um Affekt und Einsicht zugleich zu mobilisieren, und wie seine Gedichte aus der Spannung zwischen Intimität, Öffentlichkeit und Ethos ihre Energie beziehen.
Die anhaltende Bedeutung dieses Werks liegt in seiner Fähigkeit, existentielle Erfahrungen in eine moderne, bewegliche Verssprache zu übersetzen, die Leserinnen und Leser bis heute anspricht. Dieser Band bietet dafür eine verlässliche Lektürereinheit: Er folgt den vom Autor etablierten Zusammenstellungen und bewahrt deren erkennbare Gliederung, sodass die Eigenrhythmen der Zyklen zur Geltung kommen. Zugleich lädt er zu vergleichender Lektüre zwischen Spruch, Gedichtfolge und Rhapsodie ein und öffnet den Blick auf die Spannweiten von Motiv, Ton und Form. So positioniert sich Band I als Fundament der dreibändigen Ausgabe und als Einladung, Dehmel in seiner Vielfalt neu zu entdecken.
Die in Band I versammelten frühen Lyrik- und Prosastücke Richard Dehmels entstanden überwiegend im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, im wilhelminischen Kaiserreich, das von rasanter Industrialisierung, Urbanisierung und sozialer Mobilität geprägt war. Berlin und Hamburg, Dehmels wichtigste Lebensstationen, wurden zu Laboratorien der Moderne: elektrisches Licht, neue Freizeitkulturen und ein boomender Buchmarkt veränderten Wahrnehmung und Moral. In diesem Spannungsfeld profilierte sich Dehmel als Stimme des fin de siècle, die subjektive Leidenschaft, Naturbilder und soziale Erfahrung verschränkte. Sammlungen wie „Erlösungen“ oder die Liebeszyklen reagieren auf den Konflikt zwischen bürgerlicher Norm und individueller Sinnsuche, den viele Zeitgenossen als epochale Krise empfanden.
Literarisch stand Dehmel an einer Schnittstelle von Naturalismus, Symbolismus und Jugendstil. Während naturalistische Milieuschilderung noch nachwirkte, suchten Dichter um 1890 nach musikalischer Bildsprache und konzentrierter Metapher. Dehmel verband starke Rhythmik, sinnliche Metaphorik und aphoristische Verdichtung, wie sie in „Aber die Liebe“ oder den „Sprüchen“ sichtbar wird. Parallel formierte sich in Berlin und München eine kunstgewerbliche Moderne; Zeitschriften wie Pan und Jugend propagierten neue Typographie, Ornamentik und Synästhesie. Diese Atmosphäre der ästhetischen Erneuerung begünstigte die Idee lyrischer „Hieroglyphen“: verdichtete Zeichen, die Welt- und Selbsterfahrung zugleich chiffrieren und den Leser als Mitdeuter moderner Empfindungen einbeziehen.
Die Wilhelminische Ära war zugleich von verschärfter Sittenpolitik bestimmt. Dehmel geriet wegen erotischer Gedichte in Prozesse; 1897/98 wurde sein Band „Weib und Welt“ teilweise verboten, eine Zensurwelle, die mit der späteren „Lex Heinze“ (1900) kulturpolitisch verfestigt wurde. Auch wenn Band I andere Titel versammelt, prägte jene Debatte seine Wahrnehmung: Erotik als dichterische Energie galt schnell als Provokation gegen staatlich gestützte Moral. Titel wie „Die Verwandlungen der Venus“ und eine „moralische Ouvertüre“ signalisieren das Bewusstsein für diese Konfliktlage. Der Skandal erzeugte Widerstände, kurbelte aber zugleich Auflagen, Lesungen und Kritik an, wodurch Dehmel als zentrale Figur einer „modernen“ Lyrik sichtbar blieb.
Die enge Verschränkung von Lyrik und Musik prägte Dehmels Wirkungsgeschichte. Komponisten der Spätromantik und frühen Moderne vertonten seine Verse; paradigmatisch steht Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ (1899) nach Dehmel, aber auch Richard Strauss und Hans Pfitzner griffen Texte des Autors auf. Konzerte in Berlin und Wien transportierten Dehmels Bilderwelten in neue Öffentlichkeiten, wo sinnliche Intensität und psychologische Innenspannung als musikalische Dramatik erfahrbar wurden. Für Leser der Sammlung hieß das: Die Gedichte bewegten sich bereits in einem Netz klanglicher Assoziationen, das ihre Themen Liebe, Schuld, Läuterung und Naturkraft über die Grenzen des Buches hinaus zu verstärken schien.
Die Jahrhundertwende brachte lebhafte Debatten um Geschlechterordnung, Ehe und sexuelle Reform. Publizistische Foren und Vereine – später etwa der von Helene Stöcker initiierte Bund für Mutterschutz – verschoben Diskurse über weibliche Selbstbestimmung und Mütterlichkeit. In Hamburg und Berlin unterstützte Dehmels zweite Frau Ida Dehmel Künstlerinnen und betrieb kulturpolitische Vernetzung; solche Kreise sensibilisierten für weibliche Perspektiven. Dehmels poetische Venus-Gestalten oszillieren zwischen Verehrung, Sinnlichkeit und moralischer Prüfung. Diese Ambivalenz erklärt, warum die Rezeption zwischen Befreiungsversprechen und Vorwurf der Entgrenzung schwankte: Die Texte spiegeln Versuche, Eros als schöpferische, aber gesellschaftlich umkämpfte Energie zu denken.
Im Hintergrund wirkten naturwissenschaftliche und weltanschauliche Strömungen. Der Darwinismus und Haeckels Monismus lieferten Modelle, Naturtrieb, Entwicklung und Einheit der Kräfte zusammenzudenken; zugleich prägten Nietzsche-Rezeption und Lebensphilosophie eine Ethik der Steigerung. Dehmels Gedichte und „Denkzettel“ binden solche Ideen an urbane Erfahrung: Großstadtverkehr, Hafen- und Eisenbahnräume Hamburgs, elektrische Nächte Berlins werden zu Kulissen eines vitalistischen Erfahrungsstils. Das Leitmotiv der „Erlösung“ erhält dadurch eine säkular-poetische Färbung, in der Liebe als Energie der Selbst- und Weltverwandlung erscheint. Leser wurden aufgefordert, Sinn nicht in Dogmen, sondern in der Intensität gelebter Beziehungen und symbolischer Zeichen zu suchen.
Die literarische Öffentlichkeit der 1890er lebte von Zeitschriftennetzen, Lesebühnen und aufstrebenden Verlagen. Häuser wie S. Fischer professionalisierten den Markt für moderne Lyrik; Foren wie Die Gesellschaft bündelten Polemiken und Programmschriften. Dehmel stand in Austausch mit Detlev von Liliencron, Otto Julius Bierbaum und Otto Erich Hartleben; jüngere Autoren, darunter Rainer Maria Rilke, beobachteten seine Rhythmik und Pathosmodelle. Diese Netzwerke beschleunigten die Verbreitung, verschärften aber auch Konflikte zwischen Traditionalisten und Erneuerern. Mehrfache Auflagen und Umstellungen, die Band I vermerkt, zeigen, wie Paratexte, Vorworte und Reihenfolgen als Mittel dienten, die öffentliche Debatte um Sinn und Anstößigkeit mitzugestalten.
Obwohl viele Texte vor 1900 entstehen, veränderten Kriegserfahrung und Nachkriegsumbruch ihre Lektüre. Dehmel engagierte sich 1914 zunächst patriotisch, wurde später nachdenklicher; nach 1918 las man seine frühere Erotologie vor dem Hintergrund von Verlust, Ernüchterung und der Suche nach neuer Ordnung. Der Tod des Autors 1920 in Hamburg-Blankenese und die Pflege seines Nachlasses durch Ida Dehmel befestigten den Kanonstatus. Band I einer dreibändigen Ausgabe bewahrt so nicht nur einzelne Gedichte, sondern ein Dokument der deutschsprachigen Moderne: ein Archiv jener Spannung, in der Eros, Kunstglaube und gesellschaftliche Disziplinierung das Selbstverständnis eines ganzen Jahrzehnts verhandelten.
Eine knappe Orientierung über Aufbau und Leitmotive des Bandes, die die Spannweite von Liebes- und Erlösungsdichtung bis zur erotischen Rhapsodie absteckt.
Sie rahmt die Texte programmatisch und lenkt den Blick auf das Wechselspiel von Sinnlichkeit, Moral und Verwandlung.
Ein aus Gedichten und Sprüchen gefügter Zyklus, der innere Spannung, gesellschaftliche Selbstprüfung und die Suche nach Befreiung verdichtet.
Bildkräftige Natur- und Sinnbilder, aphoristische Zuspitzungen und ein drängender Ton markieren die Bewegung von der Ermahnung zur inneren Klärung.
Variationen der Liebe zwischen Leib und Ideal, in denen Begehren, Zärtlichkeit und Konflikt in wechselnden Szenen ausgelotet werden.
Musikalische Wiederholungsfiguren und symbolische Leitwörter bündeln eine oft provokante, zugleich zart modulierte Liebespoetik, die das Motiv der Wandlung durchspielt.
Eine rhapsodische, mythologisch getönte Erkundung der Erotik, deren moralische Ouvertüre den Rahmen und die Reibungsfläche setzt.
Spiegelungen, Enthüllungen und metamorphotische Szenen treiben das Thema der Verwandlung voran, in einem theatralischen Ton zwischen Hymnus, Ironie und Ethik.
Erster Band
S. Fischer, Verlag, Berlin
22. bis 24. Tausend
(Die mit * bezeichneten Stücke sind neu aufgenommen)
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