Gesammelte Werke in drei Bänden (II) - Richard Dehmel - E-Book
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Gesammelte Werke in drei Bänden (II) E-Book

Richard Dehmel

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Beschreibung

Das zweite Band der "Gesammelten Werke" von Richard Dehmel bietet einen tiefen Einblick in die Werke eines der markantesten Dichter der deutschen Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Dehmel kombiniert in seinen Gedichten und Prosa eine eindringliche Subjektivität mit einem feinen Gespür für die Schönheit der Natur und der menschlichen Emotion. Dieser Band erfasst die vielfältigen Themen seiner Schaffensperiode, darunter Liebe, Trauer und die gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Zeit, präsentiert in einem lyrischen Stil, der sowohl musikalisch als auch philosophisch anmutet, und zeichnet sich durch seine innovative Formgebung aus, die den Jugendstil spiegelt. Richard Dehmel (1863-1920) war nicht nur ein bedeutender Lyriker, sondern auch ein kritischer Denker und Wegbereiter moderner Literatur. Geprägt von den literarischen Strömungen seiner Zeit sowie persönlichen Erlebnissen, เช่น den Verlusten und Enttäuschungen, die das Leben ihm bereitete, formulierte er seine Ansichten über die menschliche Existenz mit unerschöpflicher Kreativität. Sein Engagement für soziale Themen und die Entwicklung der Individualpsychologie fanden ihren Niederschlag in seinem Werk. Dieses Buch ist für jeden Leser zu empfehlen, der sich für die tiefgreifenden Fragen des Lebens interessiert und die Wandelbarkeit der menschlichen Erfahrung nachvollziehen möchte. Dehmel bietet nicht nur poetische Schönheit, sondern auch eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Herausforderungen seiner Zeit, die zum Nachdenken anregt. Die "Gesammelten Werke" sind somit ein unverzichtbarer Bestandteil jeder literarischen Sammlung. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Richard Dehmel

Gesammelte Werke in drei Bänden (II)

Bereicherte Ausgabe. Eine Reise durch die Tiefen der menschlichen Seele und der Romantik
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Einführung, Studien und Kommentare von Leif Dean
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2022
EAN 4064066434304

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Gesammelte Werke in drei Bänden (II)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Dieser Band versammelt zentrale Texte Richard Dehmels unter dem Titel Gesammelte Werke in drei Bänden (II) und führt exemplarisch durch seine literarische Spannweite. Er enthält den Gedichtband Weib und Welt in vier Teilen, das Romanwerk Zwei Menschen. Roman in Romanzen mit Leitlied, drei Umkreisen und einem Ausgang sowie die Auswahl Der Kindergarten mit Gedichten, Spielen und Geschichten. Ziel der Zusammenstellung ist es, die poetische und formale Vielfalt des Autors in ihrer charakteristischen Ausprägung sichtbar zu machen: von der reifen Lyrik über eine erzählerische Großform in Versen bis hin zu Kindergedichten und kleinen Erzählungen, die eine andere, spielerischere Seite seiner Poetik zeigen.

Im Umfang präsentiert der Band keine vollständige Gesamtausgabe, sondern eine bewusst gewählte Konstellation wesentlicher Werkkomplexe. Sie dokumentiert unterschiedliche Arbeitsfelder Dehmels und spiegelt zugleich seine kompositorische Disziplin, indem ganze Zyklen und strukturierte Teile vorliegen. Weib und Welt erscheint als Ein Buch Gedichte in vier Teilen; Zwei Menschen als Roman in Romanzen mit klar ausgewiesenem Aufbau; Der Kindergarten als Auswahl aus Gedichten, Spielen und Geschichten. Die in der Sammlung genannten Ausgaben – etwa die vierte Ausgabe des Gedichtbandes und die dritte Ausgabe des Romans – verweisen auf die editorische Sorgfalt und die fortlaufende Autorüberarbeitung, deren Spuren hier mitgelesen werden können.

Die enthaltenen Genres und Textsorten bilden ein weites Spektrum ab. Lyrik steht mit Weib und Welt im Zentrum, einem Band, der Gedichte unterschiedlicher Tonlage und Struktur vereint. Mit Zwei Menschen tritt eine erzählerische Großform hinzu, die als Roman in Romanzen die Grenze zwischen Dichtung und Narration produktiv verwischt. Der Kindergarten ergänzt diese beiden Säulen durch kindnahe Formen: Gedichte, die zum Sprechen und Spielen einladen, kleine Geschichten und märchenhafte Einfälle. Damit vereinigt der Band klassische Lyrik, eine experimentelle Erzählform in Versen und pädagogisch sensibilisierte Kleinformen, ohne die Eigenart jeder Gattung zu nivellieren.

Was diese Werke verbindet, ist ein ausgeprägter Sinn für Rhythmus, Klang und kompositorische Geschlossenheit sowie die wiederkehrende Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Welt. Liebe, Naturerfahrung, Körperlichkeit und seelische Wandlung treten in der Lyrik ebenso hervor wie in der erzählerisch gebundenen Dichtung. Die Sprache arbeitet mit Verdichtung, Wiederholung und motivischen Rückbezügen; sie sucht Intensität ohne ornamentale Überfülle. Gleichzeitig zeigt sich eine ethische und existenzielle Neugier: Gefühle werden nicht nur beklagt oder gefeiert, sondern geprüft, durchlaufen Stationen, geraten unter Spannung. So entsteht eine poetische Dramaturgie, die das Einzelgedicht und den Zyklus gleichermaßen trägt.

Zwei Menschen entfaltet diese Dramaturgie in der Form eines Romanes in Romanzen. Ein Leitlied eröffnet den Zyklus; drei Umkreise – Die Erkenntnis, Die Seligkeit, Die Klarheit – strukturieren die Bewegung, die in einem Ausgang mündet. Die Konstellation greift eine Liebesgeschichte auf, doch der Fokus liegt auf den inneren Schichten der Erfahrung: Annäherung, Vergewisserung, Klärung. Durch die Folge von Romanzen erhält die Erzählung eine musikalische Textur; Motive kehren wieder, Stimmungen verschieben sich, der Erzählbogen entsteht aus der Summe der Gedichte. Der Band lässt diese Architektur in ihrer Geschlossenheit nachvollziehen, ohne die Offenheit einzelner Bilder zu beschneiden.

Der Kindergarten zeigt eine andere, doch konsequente Seite von Dehmels Kunst. Die Auswahl bündelt Gedichte, Spiele und Geschichten, die Sprache als Bewegung, Rhythmus und Einladung zum Mitmachen begreifen. Märchenhafte Miniaturen und kurze Erzählungen – darunter Stücke wie Knecht Ruprecht und die Christfee, Das Dichterspiel oder Das Märchen vom Maulwurf – verbinden Fantasie mit Alltagserfahrung und geben Kindern zugleich Klang, Bild und Handlung an die Hand. Pädagogischer Impuls und ästhetischer Anspruch treten nicht auseinander: Die formale Sorgfalt bleibt spürbar, während die Bildwelt zugänglich, humorvoll und freundlich bleibt. So ergänzt der Band die ernste Tonlage durch Leichtigkeit und Spiel.

In ihrer Gesamtheit bezeugen diese Werke die Spannkraft von Dehmels poetischer Moderne: eine Literatur, die Gefühl und Form gleichermaßen ernst nimmt, Gattungsgrenzen erprobt und doch auf Verständlichkeit zielt. Der Band macht sichtbar, wie lyrische Verdichtung erzählerische Weite erzeugen kann und wie umgekehrt erzählerische Ordnung das einzelne Gedicht hebt. Er zeigt einen Autor, der zwischen künstlerischer Kühnheit und kommunikativer Nähe vermittelt, und dessen Themen – Liebe, Natur, Selbstprüfung, Gemeinschaft – ihre Gültigkeit behalten. Als Ensemble gelesen, wird die Entwicklung eines Tons hörbar, der sich wandelt und dennoch erkennbar bleibt: ein poetischer Atem, der Vielfalt zu Einheit fügt.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Richard Dehmel (1863–1920) wurde in Wendisch-Hermsdorf in der Mark Brandenburg geboren und studierte Nationalökonomie in Berlin und Leipzig, bevor er in den 1880er Jahren nach Hamburg und Mitte der 1890er Jahre nach Berlin ging. Seine produktivste Phase fällt in das wilhelminische Kaiserreich unter Wilhelm II. (1888–1918), geprägt von rasanter Urbanisierung, sozialer Frage und einem expandierenden Buchmarkt. Die literarische Moderne in Deutschland nahm zwischen etwa 1890 und 1914 Fahrt auf; Dehmels Werk verwebt in dieser Umbruchzeit Natur- und Liebesmetaphorik mit Großstadterfahrung und intellektuellen Debatten. Die in Band II versammelten Dichtungen und poetischen Prosaformen tragen die Signatur dieses gesellschaftlichen und kulturellen Transformationsprozesses.

Dehmels Laufbahn steht an einer Schnittstelle von Naturalismus, Symbolismus und Jugendstil. In Berlin verkehrte er in Kreisen der frühen Moderne, etwa im Umfeld des Friedrichshagener Dichterkreises um Wilhelm Bölsche und Bruno Wille in den 1890er Jahren. Der Einfluss Friedrich Nietzsches und des Monismus Ernst Haeckels ist vielfach spürbar, etwa in der Aufwertung des Eros als Natur- und Kulturprinzip. Gleichzeitig reagiert sein Ton auf impressionistische und symbolistische Stilmittel, wie sie in Zeitschriftenkulturen der Jahrhundertwende verbreitet wurden. Dieses Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem Weltbild, modernem Empfindungsstil und sozialkritischer Beobachtung bildet die ideelle Klammer zahlreicher Texte, die in der Sammlung repräsentiert sind.

Ein zentraler historischer Kontext ist die Moral- und Zensurdebatte der 1890er Jahre. Die verschärfte Sittengesetzgebung, kulminierend in der sogenannten Lex Heinze (1899), zielte auf „Unzucht“ und „Schund“. Dehmel geriet 1897/98 wegen angeblich unsittlicher Passagen vor Gericht; Teile seiner erotisch geprägten Lyrik wurden eingezogen und er zu einer Geldstrafe verurteilt. Diese Auseinandersetzungen prägten seine öffentliche Rolle als moderner Autor, dessen Werk den Konflikt zwischen bürgerlicher Moral und künstlerischer Autonomie exemplarisch austrug. Die Prozesse berührten nicht nur einzelne Gedichte, sondern die Grundhaltung seines Œuvres, das Körperlichkeit, Liebesethik und Sprachintensität programmatisch verband.

Die internationale Ausstrahlung von Dehmels Dichtung zeigt sich besonders in der Musik. Arnold Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“, op. 4 (Wien 1899), basiert auf einem Dehmel-Gedicht und markiert einen Schlüsseltext der musikalischen Moderne. Richard Strauss vertonte Dehmel unter anderem mit „Befreit“, op. 39/4 (1898/99). Alexander Zemlinsky und Alma Mahler („Die stille Stadt“, 1901) griffen ebenfalls auf seine Texte zurück. Diese Vertonungen verankern Dehmels Bild- und Gefühlswelten in einem grenzüberschreitenden Netzwerk von Künsten, Verlagen und Konzertsälen. Sie betreffen nicht bloß singuläre Stücke, sondern bezeugen die generelle musikalische Affinität seiner Sprache und ihre Bedeutung für die Ästhetik um 1900.

Der Buch- und Zeitschriftenmarkt der Jahrhundertwende bildete den Resonanzraum für Dehmels Veröffentlichungen. Berliner und Münchner Periodika wie „Pan“ (ab 1895), „Jugend“ (ab 1896) oder „Die Insel“ (ab 1899) prägten Typografie, Buchschmuck und Debatten, in denen sich seine Texte bewegten. S. Fischer in Berlin etablierte seit den 1890er Jahren die moderne Autorenedition und trug zur Kanonisierung der Gegenwartsliteratur bei; in den 1910er Jahren setzten sich Sammelausgaben als Form der Selbstdarstellung durch. Die visuelle Kultur des Jugendstils, mit dekorativer Gestaltung und emphatischer Buchästhetik, korrespondiert mit Dehmels oft zyklisch angelegten Werkkompositionen und ihrer adressierten, literarisch gebildeten urbanen Leserschaft.

Um 1900 verdichteten sich naturwissenschaftliche und psychologische Diskurse, die Dehmels Themenfeld erweiterten: Charles Darwins Evolutionstheorie wirkte nach, Ernst Haeckels Monismus popularisierte Weltdeutungen, und Sigmund Freuds „Traumdeutung“ (1900) beschleunigte die Psychologisierung des Ich. Die Debatten um „freie Liebe“, Ehe- und Sexualreform – getragen etwa vom 1905 in Berlin gegründeten Bund für Mutterschutz und Sexualreform um Helene Stöcker – verschoben Normen. Dehmels Literatur antwortet darauf mit einer poetischen Anthropologie von Begehren, Schuld, Versöhnung und Naturverbundenheit. Diese Konstellation – zwischen moderner Psychologie, Ethik und Sinnlichkeit – trägt viele seiner lyrischen Zyklen und erzählenden Versformen, die in der Sammlung präsent sind.

Parallel zur Großstadtkultur gewann um 1900 die Reformpädagogik an Gewicht. Friedrich Fröbels Kindergarten-Idee (19. Jahrhundert) erlebte eine nachhaltige Popularisierung; kinderliterarische Gattungen, Sprachspiele und Naturerfahrung wurden pädagogisch neu gerahmt. In diesem Milieu entwickelten Richard und Paula Dehmel (geb. Oppenheimer, 1862–1918) gemeinsam Beiträge zur Kinder- und Familienliteratur, die bürgerliche Festkultur, Jahreszeitenbräuche und spielerische Sprachbildung reflektieren. Solche Arbeiten verbinden Volksgut, urbane Lebensform und literarische Formbewusstheit. Sie stehen nicht isoliert, sondern dialogisieren mit Dehmels übriger Produktion, in der Naturbilder, Rhythmusbewusstsein und eine elementare Ethik der Nähe über die Gattungsgrenzen hinweg leitmotivisch erscheinen.

Der Erste Weltkrieg (1914–1918) veränderte Tonlage und Rezeption. Dehmel, der 1914/15 als älterer Freiwilliger diente, veröffentlichte patriotische und später nachdenklichere Texte; der Wandel spiegelt eine allgemeine Ernüchterung der Moderne. 1911/12 entstand in Hamburg-Blankenese das Dehmelhaus, ein kulturgeschichtlicher Ort bürgerlicher Künstlersozialität; dort starb er am 8. Februar 1920. In den 1910er Jahren festigten gesammelte Ausgaben in Berlin seine Stellung im Kanon. Zugleich wirkte seine emphatische Bildsprache auf die nachfolgende Generation bis in den Expressionismus hinein. Die in Band II vereinten Werke gewinnen so Profil als Dokumente einer Epoche, die zwischen Aufbruchspathos und Zivilisationskrise oszillierte.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Weib und Welt (Ein Buch Gedichte, Vierte Ausgabe)

Programmatische Lyriksammlung des Fin de Siècle, in der Dehmel Liebe, Leiblichkeit, Natur und Geist spannungsvoll verschränkt. Die vier Teile zeichnen eine Bewegung von sinnlicher Erweckung über Konflikt bis zu einer vorläufigen Versöhnung von Trieb und Idee.

Zwei Menschen (Roman in Romanzen, Dritte Ausgabe)

Lyrisch erzählte Liebesgeschichte zweier Erwachsener, die zwischen gesellschaftlicher Bindung und persönlicher Freiheit reift und geprüft wird. Die konzentrischen Umkreise (Erkenntnis, Seligkeit, Klarheit) führen vom ersten Erkennen über ekstatische Erhebung zur nüchternen Selbstprüfung und einem entschiedenen Ausgang.

Der Kindergarten (Gedichte, Spiele und Geschichten – Auswahl)

Sammlung kindnaher Verse, Spiele und Erzählungen, die Festfreude, Alltagsbeobachtungen und Tierfabeln mit spielerischer Pädagogik verbindet. Der Ton ist heiter und anschaulich; einfache Situationen regen Fantasie, Sprachgefühl und Mitgefühl an.

Der Kindergarten – Fest- und Weihnachtsstück (Knecht Ruprecht und die Christfee)

Weihnachtliche Szenerie, in der Erwartung, Beschenktwerden und moralische Selbsteinschätzung in märchenhaften Bildern gebündelt werden.

Der Kindergarten – Spiele und Rollpoesie (Das Dichterspiel)

Leicht aufführbares Sprech- und Bewegungsspiel, das zum Reimen, Nachahmen und gemeinsamen Vortragen animiert und so Spiellust mit Sprachbewusstsein verbindet.

Der Kindergarten – Kleinkindergeschichten

Kurze Episoden aus der Lebenswelt der Jüngsten, in denen kleine Missgeschicke, Entdeckungen und Trost-Momente zu behutsamen Lern- und Herzensgeschichten werden.

Der Kindergarten – Tier- und Märchenstücke (Das Märchen vom Maulwurf; Die bekümmerte Löwenkröte)

Fabelhafte Erzählungen mit tierischen Figuren, die menschliche Regungen spiegeln und spielerisch Achtsamkeit, Neugier und Trost vermitteln.

Der Kindergarten – Dorf- und Weggeschichte (Die Geschichte vom alten Wodtke und Michel Krist oder: Der Weg über den Balken)

Rustikale Lehrgeschichte um Mut, Vertrauen und Geschick, in der ein einfacher Übergang zur Probe und zum Sinnbild des Erwachsenwerdens wird.

Gesammelte Werke in drei Bänden (II)

Hauptinhaltsverzeichnis
Weib und Welt Ein Buch Gedichte Vierte Ausgabe
Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Zwei Menschen Roman in Romanzen Dritte Ausgabe
Leitlied
Erster Umkreis – Die Erkenntnis –
Zweiter Umkreis – Die Seligkeit –
Dritter Umkreis – Die Klarheit –
Ausgang
Der Kindergarten Gedichte, Spiele und Geschichten Auswahl
Knecht Ruprecht und die Christfee
Das Dichterspiel
Kleinkindergeschichten
Das Märchen vom Maulwurf
Die bekümmerte Löwenkröte
Die Geschichte vom alten Wodtke und Michel Krist oder der Weg über den Balken

Weib und WeltEin Buch GedichteVierte Ausgabe

Inhaltsverzeichnis

Erster Teil

Inhaltsverzeichnis

*

Ins Weite

Die du mir näher bist, als Sinne ahnen können,
meine Erfüllerin,
schlummernde:
o träume dich ein in meine schmachtenden Adern,
und fühle mein Herz aus meinen Augen brennen,
und sieh die Sterne sich über mir verdoppeln,
und schmecke das Mannah dieser grenzenlosen Nacht,
die Düfte der Sehnsucht von Wiese zu Wald zu Wolke,
und höre den Weltraum mein heiliges Lied mitatmen,
mein Echo du! —

Die Erweckung des Herrschers

Psychische Szene

Ein Geist im Schlaf:

Da thront sie wieder; thront, als ob sie warte.
Was willst du, Traumbild, immer noch von mir
mit deinem Gnadenblick? du bist doch tot!
Zu oft bin ich von diesem Blick erwacht;
ich fühls, ich träume nur! Was quälst du jetzt
mit täuschender Erhörung meine Nächte
und blicktest nie zuvor, zu keiner Stunde
— o doch: in einer, einer Stunde doch:
in deiner Sterbestunde — so mich an!
Willst du den Mann, der ich in Schmerzen ward,
durch deinen Hingang ward, noch büßen lassen,
was dir der unbedachte Jüngling tat?
Wars denn so schlechte Tat? Wars nicht Verehrung,
daß ich mit meiner Lust an Ruhm und Rang
auch Dir zu schmeicheln dachte? Warb ich nicht
mit höchster Hoffahrt um dein stolzes Herz?
Aus deiner stillen Welt, die mir nicht würdig
genug für deine holde Würde schien,
wollt ich ein klingend Sphärenspiel gestalten!
Hab ich dich nicht gefeiert? Schmückt ich nicht
dein jungfräuliches Haupt mit einer Krone?
mit stetem Festglanz unsern Thron! Und gabst mir
kaum eine Gunst dafür, kaum ganz ein Lächeln,
nie einen vollen, seelenvollen Dank,
nie —

Antwort einer Seele:

Ich liebte dich —[1q]

Der Geist:

Du? liebtest? mich? — Und zeigtest mir das nie?!
Und ließest mich, wenn deine sanfte Hand
sich meiner ungestümen streng entzog,
mich, der zu Füßen dir getaumelt wäre
für nur den scheuesten Wink, ließest mich haltlos
mit falschen Freunden dann von Rausch zu Rausch
die irren Wege meines Unmuts gehn!
Mußt ich nicht meinen, du verabscheust mich,
du seist enttäuscht, sinnst Rache? Bis ich endlich,
so immer werbend, immer unbelohnt
und immer wieder auf Erhörung pochend,
endlich den einen einzigen Gnadenblick,
mit dem dein Auge brach, empfing und nun
vor deinem starr gewordnen Antlitz mich
in grausigem Zweifel fragte: galt er mir?
mir? oder sahst du Sterbende ein Wesen,
das Du nur sahst, mit diesem Dankblick an,
weil’s dich von mir befreite?! Sprachst du doch
kein letztes Wort zu mir! O warum starbst du
so stumm?

Die Seele:

Ich liebte dich —

Der Geist:

Und quälst mich immer noch?! O deute mirs,
du Unfaßbare: was bedrängst du mich?
Ich sinne selbst am hellen Tag dir nach;
du weißt, ich will das nicht, will nicht mehr träumen,
ich ward zu klar dazu, dank deiner Drangsal,
ich litt genug an dir, ich will nicht leiden,
mir ziemt die Tat, drum lernt ich mich beherrschen,
und will auch Dich, auch Dich beherrschen, denn
ich bin ein Herrscher — und das ist, du weißt es,
ein schwacher Mensch, der tausend fremde Kräfte
unter ein starkes Werk einsammeln soll.
Was also störst du meinen kurzen Schlaf?
was gönnst du mir nicht Rast, mich selbst zu sammeln?
was stachelst du mich in dem Lichtstrahl noch,
der Mittags in mein halbgeschlossenes Auge
sich eindrängt und an deinen letzten Blick mich
gemahnt?

Die Seele:

Ich liebe dich —

Der Geist:

Dann laß dich fassen! dann erhöre mich!
bei deiner Seligkeit beschwor ich dich:
laß mich vollkommen in dir ruhn!
So will ich nicht mehr eitel mit dir ringen,
will mein Gezweifel vollends niederzwingen,
dir freudig deinen Willen tun!
So wirst auch Du endlich zur Ruhe kommen,
wirst stolz von meinen Kräften hingenommen
erkennen, daß du mich nicht länger schreckst!
So wird aus unserm Traumbund im Geheimen
stark eine neue Seele keimen,
durch die du mich
schutzmütterlich
zu immer stolzerem Tagwerk weckst, gern weckst —
und so —

Die Seele:

So lieb’ ich dich — —

Der Geist des Herrschers erwachend:

Und lebst mir so — und wirst mir nie mehr sterben.
Und all mein Volk wird unsre Liebe erben.

Das Ideal

Doch hab ich meine Sehnsucht stets gebüßt;
ich ging nach Liebe aus auf allen Wegen,
auf allen kam die Liebe mir entgegen,
drum hab ich meine Sehnsucht stets gebüßt.
Es stand ein Baum in einem Zaubergarten,
mit tausend Blüten gab er Duft und Schein,
und eine leuchtete vor allen rein;
es stand ein Baum in einem Zaubergarten.
Und aus den tausend pflückte ich die eine,
sie war noch schöner mir in meinen Händen,
sodaß ich kniete, Dank dem Baum zu spenden,
von dem aus tausend ich gepflückt die eine.
Ich hob die Augen zu dem Zauberbaume,
und wieder schien vor allen Eine licht,
und meine welkte schon — ich dankte nicht;
ich hob die Augen zu dem Zauberbaume.
Doch hab ich meine Sehnsucht nie verlernt;
ich ging nach Liebe aus auf allen Wegen,
auf jedem glänzte mir ein andrer Segen,
drum hab ich meine Sehnsucht nie verlernt.

Beichtgang

Ich war der Herr der Welt vor dir,
im Traum;
wie eine Sonne warst du mir,
im Traum.
Ich schmückte dich mit allen guten
Glücksehnsuchtsgluten
in diesem Traum,
und hieß dich leuchten, ließ dich schweben.
Und habe mich in den Staub gebogen
vor dir, im Traum,
und dich belogen und betrogen
im Staub, im Traum —
komm, laß uns leben!

Narzissen

Weißt du noch, wie weiß, wie bleich
in den Maiendämmerungen,
wenn ich lag, von dir umschlungen,
dir zu Füßen hingerissen,
um uns schwankten die Narzissen?
Weißt du noch, wie heiß, wie weich
in den blauen Juninächten,
wenn wir, müde von den Küssen,
um uns flochten deine Flechten,
Düfte hauchten die Narzissen?
Wieder leuchten dir zu Füßen,
wenn die Dämmerungen sinken,
wenn die blauen Nächte blinken,
wieder duften die Narzissen.
Weißt du noch, wie heiß? wie bleich?

Drei Ringe

Elegie

Ihr Ringe, drei Ringe, um Einen Finger,
und jeder ein toter, gebrochener Schwur;
und seid mir so heilig, ihr flimmernden Dinger,
seid mir ein treuer,
still wachsender, neuer,
einziger, willig gesprochener Schwur.
Was glühst du, Rubin, von versunkenen Stunden?
Was blickst du, Perle, so bleich im Gold?
Du Reif dazwischen, schlicht gewunden,
was schimmerst du so scheu und hold?
Ach! immer die Treue treuwillig versprochen,
und immer treuwillig die Treue gebrochen.
So hat es das Leben, das Leben gewollt.
Ihr Ringe, drei Ringe, an meiner Linken,
und dennoch ein neuer dämmernder Schwur?
O Abendsonne, wie trüb dein Blinken,
und Nebel winken,
bald wirst du sinken.
Du blasse Perle, wie wars doch nur?

*

War wohl ein Morgen, frühlingsmild;
die alte Kirche stand voll Glanz.
Blaß flammte ums Erlöserbild
der Osterkerzen weißer Kranz.
Der Orgel Hallelujah quoll;
uns war das Herz von Gott so voll,
das Kinderherz, voll Bebens.
O Schwur des Glaubens! O Gebot:
nun seid getreu bis in den Tod,
dann wird euch die Krone des Lebens,
die ewige Krone des Lebens.
Und mit der Mutter still durchs Feld;
wie glänzte weit, wie glänzte grün
und war ein Sonntag all die Welt!
Die Weidenbüsche wollten blühn;
ein Zweiglein brach der Knabe.
Doch feierlich im leeren Land
als wie ein Kreuz die Mühle stand;
und sinnend weiter still feldein.
O Försterhaus am Eichenhain!
O Vaterwort-und-Gabe!
O Gartenzaun am Eichenhain!
da nahm mein Vater meine Hand
und legte einen Ring hinein,
der hatte einen schwarzen Stein,
drin eine goldne Krone stand,
und sprach zu seinem Sohne,
und all sein Blick war Ein Gebot:
Nun sei dir treu bis in den Tod,
dann wird dir die Krone zum Lohne,
des Lebens Siegeskrone!

*

Ihr Ringe, drei Ringe, an meiner Linken,
und jeder ein neuer, ein toter Schwur;
was wird so zitternd euer Blinken? —
Du trübe Sonne, laß dein Winken.
O weite Flur!
Die Nebel gleißen wie blutende Wunden;
ich habe die Freiheit, die Freiheit gewollt!
O Sonnenblut. O gleißend Gold.
Was glühst du, Rubin, von versunkenen Stunden?

*

Es war ein Mittag, frühlingswild.
Von der Bergeskrone, rot zuckend, kroch
die Wolkenschlange ins Gefild.
Der Donner jagte von Joch zu Joch.
Stürmisch weinte das Dunkel, ein stürzendes Meer.
Triefend sausten die Bäume; und grell und spitz,
Licht schleudernd, über uns, um uns her
— mein bebendes Mädchen, weißt du noch? —
flocht flatternde Netze Blitz auf Blitz.
Und die Bäume bogen und schlugen sich,
blendend nieder krachte der steile Strahl
und warf im Taumel irr dich und mich
zu Boden, glutschwer, ein flackernder Wall;
und da lag im Taumel irr Brust an Brust,
jung hing und glutschwer Mund an Mund
und Auge in Auge im Moose, und
rauschend schluchzte der Regen in unsre Lust,
stumm lohte der feuergetaufte Bund.
Und dann auf! Oh, standest du bleich und bang.
Und da hab ich den Donner des Himmels bedroht,
von der Faust mir peitschend das Wasser sprang,
durch die sausenden Bäume mein Lachen klang:
o lauter, mein Bruder, dein wild Gebot!
Und riß mir vom Finger den Knabenring:
ich bin mir selbst mein Herr und Gott!
und nahm deine zitternde Hand, dran hing
im Blitzlicht funkelnd der rote Rubin,
und vom Himmel gebadet, vom Himmel umloht
— ich fühlte dich weinen, ich sah dich glühn —
schwur ich: gib her! sei treu! nimm hin!

*

Ihr Ringe, drei Ringe, um Einen Finger,
und jeder ein doppelt gebrochener Schwur.
Wie der Nebel raucht! ein brennender Zwinger
vermauert die fliehende Sonnenspur.
Noch glänzt ein stiller Streifen Gold;
ich habe freiwillig die Freiheit verschworen.
Was glimmst du schlichter Reif so hold?
Die Freiheit verschworen, die Freiheit verloren.
So hat es die Liebe, die Liebe gewollt.

*

Es kam ein Abend, frühlingsmild;
bang steht, in Schleiern, bleich, die Braut.
Ernst rauschen die Geigen; herb duftend schwillt
der Myrte grünes, weißblühendes Kraut.
Und Andacht wird, und Schweigen; nur
durchs Fenster flüsterte der Mai.
Und nun: nun will ich stolz und frei
uns segnen — da: voll Bebens,
horch, die Stimmen der Freunde — o Lied, o Schwur,
o ihr rauschenden Geigen, o Gebot
— blaß zuckten die Kerzen im Abendrot —:
Nun seid getreu bis in den Tod,
dann wird euch die Krone des Lebens!
Da flocht ich ihr still vom Haupt den Kranz,
still küßte ich ihr dunkles Haar;
glutüberhaucht vom fernen Glanz
hielt ihre Hand ein Rosenpaar,
still zitterten die Blüten.
Und hoch ins schweigende Gemach
hob ich den goldnen Ring und sprach
und sprach — wie war das Herz mir weit,
von Glauben weit und Seligkeit —:
Nun will ich Dein sein alle Zeit,
Ein Leib, Eine Seele, in Glück und Leid
dein Gott, meine Welt, dich hüten.
Und draußen wiegte ein Lindenbaum
goldgrün sein jung Gefieder;
sanft glühte der Rosen rot schwellender Saum,
und durch den Schimmer, den Duft, den Traum
rauschten die Geigen wieder.
Da gab sie mir an meine Hand,
an meine Rechte zurück mein Pfand,
den Ring mit der leuchtenden Krone.
Stumm bat ihr Blick voll seliger Not:
nun sei mir treu bis in den Tod,
dann wird uns die Krone zum Lohne,
des Lebens Friedenskrone.

*

Ihr Ringe, drei Ringe, an meiner Linken:
was blickst du, Perle, so trüb im Gold?
O Sonne, du müde, nun magst du sinken;
o schwere Pflicht, wie schienst du hold!
Gelb taucht ins Moor der letzte Funken,
das Land wird fahl, der Nebel rollt.
Ich habe die Wahrheit, Klarheit gewollt.
Ich war der Liebe so satt — so trunken —

*

Und eine Nacht kam, frühlingswild,
kam schwül. Ums Licht der Lampe lag,
vom lauten Regen dunstverhüllt,
das Dunkel dumpf und dufterfüllt;
hohl scholl und hart das Laubendach
Es klang so einsam, was ich sprach
von meinem großen Überdruß;
es klang so bang, als ob ich log,
als ich mich flüsternd zu ihr bog.
Und ich hielt ihre Hand. Weißt du wohl noch,
du blasse Andre?! Wolltest du’s?
Wie war die Hand von Arbeit rauh!
Wie saßest du so scheu und still
mit deinen Augen groß und grau,
als horchtest du dem Tropfentau,
der durch die Epheublätter fiel.
Und ich hielt deine Hand. Und es war so schwül.
Was ließest du es denn geschehn?!
Ich wollte dir nur ins Innre sehn,
in diese Augen stolz und stumm.
Du aber —? Und wir sanken um.
Die Epheublätter zitterten.
Ich nahm dein einziges Eigentum.
Und dann: im dunkeln Grase hing
und flimmerte etwas wie Gold.
Das war dein lieber Perlenring,
der war dir in den Sand gerollt.
Und da hast du trotzig aufgelacht,
von deinem Vater war auch er;
blaß langtest du ihn zu mir her,
aus deinen Augen sah die Nacht,
und nahmst meine Hand — besudelt glomm
der Kronring dran — und während hohl
der Regen rauschte wie ein Strom,
sprachst du: vergiß! nimm! gieb! leb wohl!

*

Ihr Ringe, drei Ringe, und doch der neue,
aus scheuer Seele bang dämmernde Schwur?
Dahin der Glaube, dahin die Treue;
o dunkle Flur.
Starr durch die kahlen Pappeln schauen
die Sterne ins verhüllte Feld.
Klarheit?? Im Moor die Nebel brauen.
O ja: die Erde ist voll Grauen.
Doch — voll von Sonnen steht die Welt!
Raum! Raum! brich Bahnen, wilde Brust!
Ich fühls und staune jede Nacht,
daß nicht blos Eine Sonne lacht;
das Leben ist des Lebens Lust!
Hinein, hinein mit blinden Händen,
du hast noch nie das Ziel gewußt;
zehntausend Sterne, aller Enden,
zehntausend Sonnen stehn und spenden
uns ihre Strahlen in die Brust!
Uns in die Brust ... Was willst du, Schweigen,
du graue Erde, immer noch?
Und ich sehe die Krone, die eine, steigen
— ihr Ringe, drei Ringe, wie war es doch? —
die Krone steigen, die Krone sinken,
wie eine Sonne sinken, winken:
mir nach! nichts ist vergebens!
fest steht mein flammendes Gebot:
aus Abendrot wächst Morgenrot!
dem bist du treu bis in den Tod,
du trägst die Krone des Lebens:
die Schöpferkrone des Lebens!

Entrückung

O nein, mir wird es nicht zur Qual,
so sehr es Dich und Andre quält,
wenn du ins Grenzenlose blickst;
ich bin wie du ein schlanker Stahl,
und der sich immer strahlender stählt,
je mehr du ihn durch Kämpfe schickst.
Aus deines Auges innerm Ring
flimmert ein sternglutweißes Licht
durch Schwarz und Grau, du arge Frau;
dies Licht, das mich seit je umfing,
sieh, das entrückt mir dein Gesicht
in mein geliebtes ewiges Blau.

Himmelfahrt

Schwebst du nieder aus den Weiten,
Nacht mit deinem Silberkranz?
Hebt in deine Ewigkeiten
mich des Dunkels milder Glanz?
Als ob Augen liebend winken:
alle Liebe sei enthüllt!
als ob Arme sehnend sinken:
alle Sehnsucht sei erfüllt —
strahlt ein Stern mir aus den Weiten,
alle Ängste fallen ab,
seligste Versunkenheiten,
strahlt und strahlt und will herab.
Und es treiben mich Gewalten
ihm entgegen, und er sinkt —
und ein Quellen, ein Entfalten
seines Scheines nimmt und bringt
und erlöst mich in die Zeiten,
da noch keine Menschen sahn,
wie durch Nächte Sterne gleiten,
wie den Seelen Rätsel nahn.

Der Stieglitz

Die Sonne sticht; ein Distelfeld
blitzt durch die stille Mittagswelt.
Im starrgezackten Blättermeer
glühn purpurlockig kreuz und quer
die Blütenköpfe.
Und durch den eisengrauen Busch:
ein bunter Vogel, hupp, hup husch,
hüpft durch das wilde Staudenheer,
als ob es ohne Stacheln wär:
ein junger Stieglitz.
Wie wirr! wie wunderlich geschweift!
Ein leichtes Lüftchen kommt und greift
von Blütenspeer zu Blütenspeer
und wirft die Schatten hin und her;
weg ist der Stieglitz.
Nun will ich stille weitergehn
und mir die sonnige Welt besehn,
und durch das Leben kreuz und quer,
als ob es ohne Stacheln wär;
das liebe Leben.

Sinnige Fahrt

An kleinen ruhigen Dörfern vorbei,
durch eilende Felder und Leutegeschrei.
Die Axen dröhnen; ich denke still
an Eine, die mir treu sein will.
Sie denkt wohl auch: was wohl die Welt
so im stillen zusammenhält?
Und plötzlich seh ich zwei Schafe stehn,
die dem rollenden Zug nachsehn.

So im Wandern

Ein silbern klein Herze,
von Gold einen Ring,
die gab sie mir, als ich
wandern ging,
und tat in das Herze
ihr Bild hinein;
so einsam der Morgen,
bin nicht allein.
Arme Padde im Gleise,
zerquetscht liegst du!
Ich wandre meine Straße
und wandre immer zu.
Schon teilt sich der Nebel,
nun schimmert die Welt;
im Sonnenschein glitzert
das Ährenfeld.
Die Hummeln summen,
die Lerchen klingen;
die Birken wehen,
die Zweige schwingen.
Die Pappeln, die schütteln
die Blätter im Wind;
sie flüstern mir Grüße,
die voll Erinnrung sind.
Das Herzelein nehm ich
vom seidenen Band
und leg’s in das Ringlein
in meiner Hand,
so schreit ich und schau
als ein Zeichen mir’s an:
so will ich in Treuen
ohne Ende Dich umfahn! —
Was rennst, Meister Lampe?
heut jag’ich nicht.
Ich wandre, ich schreite;
die Sonne sticht.
In Dorfes Mitten,
wo sich der Friedhof hebt:
wie wirds gar kühl sich ruhen,
wenn man mich einst begräbt:
zwei weiße Rosen biegen
ums Grabkreuz die Äst,
drauf steht mein Nam geschrieben,
bis der Regen ihn löscht.
Hinterm Kirchlein die Schenke
heißt „Zu den drei Linden“;
da wird sich wohl auch noch
ein Ruheplätzchen finden.
Ei Tausend, mein Schätzchen,
so schmuck, und allein?
Ei komm doch, rück näher;
trink mit, schenk ein!
Es sitzen zwei Spatzen
im Lindenbaum;
sie schnäbeln, sie schwatzen,
es ist wie Traum.
Auf’m Kirchhof stehn Kreuze,
mehr als hundert, schwarz und weiß;
aber Du hast zwei Lippen,
die sind rot und heiß!
Na Mädel, was weinst denn?
Ja, die Welt ist hohl.
Die Welt ist ein Weinfaß:
trink aus — leb wohl! —
Was wackelt der Pfahl da?
der ist wohl betrunken!
Ich wandre, ich schreite,
in Sinnen versunken.
Sie saß ja so alleine;
und die Liebste wohnt weit!
Ich will ihr Alles schreiben,
bis sie mir verzeiht.
Und am End meiner Reise
steht mein elterlich Haus,
da schaut mein lieb Mutterherz
am Fenster nach mir aus;
und drinnen sitzt mein Vater,
wie’n König auf sei’m Thron,
und wills nicht verraten,
daß er wart’t auf sein’n Sohn.
Nun will ich nicht sinnen,
ob man glücklich kann werden;
der Himmel ist hoch,
und wir leben auf Erden!
Sela! —

Schutzengel

Nicht vom Kirchhof will ich Epheu pflücken,
glänzt das ganze Dörfchen doch von Epheu;
davon will ich pflücken
für mein Kämmerchen!
spricht der junge, junge Jägersmann.
Guten Tag, du schönes, schönes Mädchen,
gieb mir doch dein liebes, liebes Händchen!
Weißt, ich suche Epheu
für mein Kämmerchen;
darf ich wohl von deinem Epheu pflücken?
Komm herein, du schöner, schöner Jäger;
will dir vielen, vielen Epheu geben.
Hinten um mein Fenster,
um mein Kämmerchen,
schlingt sich dicht der dunkle, dunkle Epheu.
Kommt das kleine Brüderchen gelaufen:
Schwesterchen, was will der große Jäger?!
Und ich küßt es auf die scheue Stirne
und ging still nach Hause
in mein Kämmerchen —
ich, der junge, junge Jägersmann.

Begegnung

Ich sah dich schon.
Im Sonnenschein
beim Roggenfeld am Wiesenrain
stand wilder Mohn;
die Kelche blühten blutrot breit,
den Schooß voll blauer Dunkelheit,
und jäh aus einer Knospe quoll
ihr glühendes Seelchen, unruhvoll.
So sah ich Dich, du knospiges Kind, erglühn,
gestern im Feld am stillen Fichtenhain,
als im Vorübergehn mein Blick dich küßte;
mit allen Adern schienst du aufzublühn,
so scheu und rein,
als ob ich um Verzeihung bitten müßte.
War’s ein Erglühn? War’s nur ein Widerschein?
das Rot des roten Sommerkleids um dich?
das Abendrot, das fern verglomm im Tann?
War’s ein Erglühn, das erste war es dann,
das deine jungen Schläfen so beschlich;
so bang, so schwer sahst du mich an,
so fast voll Angst zurück nach mir,
als du verschwandest sacht im dichten
Gewühl der silbergrünen Fichten.
Doch meine Seele folgte dir,
dein blautief Auge blieb in mir.
Ich sah dich schon,
du flüchtendes Kind:
heiß durch den Roggen strich der Wind
und bebend neigte sich der Mohn.
Ich hab eine rote Blüte verwehn,
zwischen den Halmen zerflattern sehn,
und habe den Blättern nachgeträumt;
und immer ist mir noch, ich schaue
in ihren Kelch, der glutumsäumt
sich jäh vertieft ins Dunkle, Blaue ...

Unterm jungen Birnbaum

Unterm jungen Birnbaum standest du.
An die ersten kleinen grünen Früchte
rührtest du entzückt mit zartem Finger;
letzte Blüten wehten um dich nieder.
Unterm jungen Birnbaum stand auch ich.
Meine harten Hände rührten nicht
an die kleinen grünen ersten Früchte;
letzte Blüten wehten um mich nieder.

Emporsturz

Einmal, Erde, wollt ich dich küssen:
ein Weib in Armen, jach Schooß an Schooß,
zu Boden stürzend in rasendem Tanz.
Da winkte ein Mädchen mir zum Reigen,
einen weißen Mantel um die Hüften,
in den tiefblauen Augen einsamen Glanz.
Glanz aus fern aufsteigenden Räumen,
Glanz aus längst versunkener Zeit,
Glanz des Mondes im stillen Meere,
Glanz der Sterne über der Wüste:
Lauterkeit.
Und da lag ich im Staub und hüllte
meine grauen Haare in ihr Gewand,
wie einst Josef hin vor Miriam kniete,
als er den heiligen Geist empfand.

Verkündigung

Du tatest mir die Tür auf,
ernstes Kind.
Ich sah mich um in deinem kleinen Himmel,
lächelnde Jungfrau.
Du sollst einst einen großen Himmel hüten,
Mutter mit dem Kind.
Ich tu die Tür mit ernstem Lächeln zu.

Einst

Ich ruhe; helle Wolken fliehn;
mein Herz rauscht wie das weite Feld.
Flügel leuchten —
und über die Wolken steigt ein Lied:
Einst brauchst du keinen Menschen mehr,
du Herz der Welt! —

Stimme des Abends

Die Flur will ruhn.
In Halmen, Zweigen
ein leises Neigen.
Dir ist, als hörst du
die Nebel steigen.
Du horchst — und nun:
dir wird, als störst du
mit deinen Schuhn
ihr Schweigen.

Feierabend

Geh nur, lieber Tag,
freue dich der Nacht.
Nichts bleibt unvollbracht;
deines Lichtes Macht
keimt im dunkeln Grund.
Einst wird alles kund,
hell von Mund zu Mund,
was uns heut im Traum erst dämmern mag.

Manche Nacht

Wenn die Felder sich verdunkeln,
fühl ich, wird mein Auge heller;
schon versucht ein Stern zu funkeln,
und die Grillen wispern schneller.
Jeder Laut wird bilderreicher,
das Gewohnte sonderbarer,
hinterm Wald der Himmel bleicher,
jeder Wipfel hebt sich klarer.
Und du merkst es nicht im Schreiten,
wie das Licht verhundertfältigt
sich entringt den Dunkelheiten.
Plötzlich stehst du überwältigt.

Aus banger Brust

Die Rosen leuchten immer noch,
die dunkeln Blätter zittern sacht;
ich bin im Grase aufgewacht,
o kämst du doch,
es ist so tiefe Mitternacht.
Den Mond verdeckt das Gartentor,
sein Licht fließt über in den See,
die Weiden schwellen still empor,
mein Nacken wühlt im feuchten Klee;
so liebt ich dich noch nie zuvor!
So hab ich es noch nie gewußt,
so oft ich deinen Hals umschloß
und blind dein Innerstes genoß,
warum du so aus banger Brust
aufstöhntest, wenn ich überfloß.
O jetzt, o hättest du gesehn,
wie dort das Glühwurmpärchen kroch!
Ich will nie wieder von dir gehn!
O kämst du doch!
Die Rosen leuchten immer noch.

Helle Nacht

Weich küßt die Zweige
der weiße Mond.
Ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh:
Geliebte du —
Der Weiher ruht, und
die Weide schimmert.
Ihr Schatten flimmert
in seiner Flut, und
der Wind weint in den Bäumen:
wir träumen — träumen —
Die Weiten leuchten
Beruhigung.
Die Niederung
hebt bleich den feuchten
Schleier hin zum Himmelssaum:
o hin — o Traum — —

Aufstieg

Als Engel durch die Finsternis,
so wollten wir zu höhern Sonnen;
doch hab ich dich erst ganz gewonnen,
als Gott uns aus dem Traume riß.
Blau fuhr sein Blitzstrahl durch die Weiten
und zwang uns zur Hinunterschau;
da lag die Erde grell und grau
mit allen ihren Wirklichkeiten.
Wie lachte Satan auf zu mir,
als du mich zu verlieren meintest.
Wie schrie er selig, als du weintest:
Sie träumt nicht mehr, sie lebt mit dir!

Drückende Luft

Der Himmel dunkelte noch immer;
ich fühlte tief bis in mein Zimmer
der fahlen Wolken vollen Schooß.
Die Esche drüben drehte schwer
die hohe Krone um sich her;
zwei Blätter trieben wirbelnd los.
Laut tickte durch die schwüle Stube,
wie durch die stille Totengrube
der Holzwurm ticken mag, die Uhr.
Und durch die Türe hinter mir
klang dünn und schüchtern ein Klavier
über den Flur.
Der Himmel lastete wie Schiefer;
ihr Spiel klang immer trauertiefer,
ich sah sie wohl.
Dumpf rang der Wind im Eschenlaub,
die Luft war grau von Glut und Staub
und seufzte hohl.
Und blasser tönten durch die Wände
die tastenden verweinten Hände,
sie saß und sang;
sang sich das Lied, in sich gebückt,
mit dem sie mich als Braut entzückt;
ich fühlte, wie ihr Atem rang.
Die Wolken wurden immer dumpfer,
die wunden Töne immer stumpfer,
wie Messer stumpf, wie Messer spitz;
und aus dem alten Liebeslied
klagten zwei Kinderstimmen mit —
da fiel der erste Blitz.

Aufblick

Über unsre Liebe hängt
eine tiefe Trauerweide.
Nacht und Schatten um uns beide.
Unsre Stirnen sind gesenkt.
Wortlos sitzen wir im Dunkeln.
Einstmals rauschte hier ein Strom,
einstmals sahn wir Sterne funkeln.
Ist denn Alles tot und trübe?
Horch —: ein ferner Mund —: vom Dom —:
Glockenchöre ... Nacht ... Und Liebe ...

Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.