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Dieses E-Book enthält komplexe Grafiken und Tabellen, welche nur auf E-Readern gut lesbar sind, auf denen sich Bilder vergrössern lassen. Die Geschichte der Kapverdischen Inseln ist einzigartig und durch verschiedenste Einflüsse geprägt. Von deren Entdeckung über die Entwicklungen im Rahmen des Kolonialismus sowie des Sklavinnen- und Sklavenhandels bis hin zu den Herausforderungen der jungen Republik nach der Unabhängigkeit legt dieses Buch die faszinierende Historie des Archipels erstmals in deutscher Sprache dar. Historisch interessierte Leserinnen und Leser können sich hier ein umfassendes Bild von der Entwicklung des Landes machen.
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Seitenzahl: 503
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Daniel V. Moser-Léchot
Geschichte der Kapverdischen Inseln
Vom 15. Jahrhundert bis heute
ISBN Print: 978-3-0355-1922-8
ISBN E-Book: 978-3-0355-1923-5
Umschlagbild: Ansicht von Praia. Aquatinta von Thomas Medland, nach John Barrow: A Voyage to Cochinchina in The Years 1792 & 1793. London 1806, Tafel 4.
1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© 2021 hep Verlag AG, Bern
hep-verlag.ch
Inhalt
Vorwort
Teil I: Allgemeine Geschichte des Archipels unter besonderer Berücksichtigung der Insel Santiago
1. Die Entdeckungsgeschichte der Kapverdischen Inseln im 15. Jahrhundert
1.1. Die portugiesischen Entdeckungsfahrten an der westafrikanischen Küste
1.2. Die Kapverdischen Inseln vor der portugiesischen Entdeckung
1.3. Die Entdeckungsberichte
Anmerkungen
2. Die Entwicklung der Kapverdischen Inseln im «Goldenen Zeitalter» des Sklavenhandels (1460–1650)
2.1. Die Anfänge der portugiesischen Verwaltung
2.2. Das Herkommen der frühen Bevölkerung auf Cabo Verde
2.3. Soziale Klassen auf Santiago im 16. Jahrhundert
2.4. Sklaven- und Warenhandel mit der Guineaküste
2.5. Der Handel mit Europa
2.6. Cabo Verde im atlantischen Schiffsverkehr, Piraten und Korsaren
2.7. Die innere Entwicklung von Cabo Verde
2.8. Das Crioulo als Befehls- und Missionssprache
2.9. Die Entwicklung von Ribeira Grande de Santiago
2.10. Die Rolle der Kirche
Anmerkungen
3. Die Zeit der Krisen im 17. und 18. Jahrhundert
3.1. Konflikte zwischen den europäischen Mächten und Cabo Verde
3.2. Die Piraten- und Korsarenüberfälle und ihre Folgen
3.3. Zur Bevölkerungsentwicklung auf Cabo Verde
3.4. Die Sklavenwirtschaft
3.5. Die Entwicklung der oberen Klassen in der Gesellschaft Cabo Verdes
3.6. Änderung der Handelsrouten und Monopolgesellschaften
3.7. Die politischen Institutionen
3.8. Ab- und Aufstieg der Städte auf Santiago
3.9. Klimatische Veränderungen
3.10. Die Krise der Sklavenwirtschaft
3.11. Probleme der Verwaltung
3.12. Die Landbevölkerung
3.13. Die Entwicklung der Kirche auf Cabo Verde
3.14. Hungersnöte des 18. Jahrhunderts
Anmerkungen
4. Die Zeit der politischen Umwälzungen (1800–1914)
4.1. Revolution und Bürgerkriege in Portugal, Unabhängigkeit Brasiliens – die Folgen für Cabo Verde
4.2. Die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei
4.3. Hungersnöte im 19. Jahrhundert und Bevölkerungsentwicklung
4.4. Die kulturelle Situation in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
4.5. Zur wirtschaftlichen Situation Cabo Verdes
4.6. Soziale Verhältnisse und Epidemien auf Cabo Verde
4.7. Die Revolte der Pächter von Engenhos 1822 und ihre Hintergründe
4.8. Die portugiesische liberale Revolution von 1821 und ihre Auswirkungen auf Cabo Verde
4.9. Die Revolte der Pächter auf der Achada Falcão 1841
4.10. Die Revolte von Ribeirão Manuel 1910
4.11. Schlusserwägungen
Anmerkungen
5. Die Endphase des Kolonialismus auf Cabo Verde 1914–1975
5.1. Hungersnöte
5.2. Regen, Dürren und Krankheiten
5.3. Emigration nach Nordamerika
5.4. Emigration nach Westafrika
5.5. Die Zwangsemigration nach São Tomé
5.6. Zwangsarbeit im internationalen Vergleich
5.7. Emigration nach 1930
5.8. Zur Deportation von Portugiesen und Portugiesinnen nach Cabo Verde
5.9. Zur Bevölkerungsentwicklung im 20. Jahrhundert
5.10. Zur Entwicklung des Ackerbaus
5.11. Viehzucht und Fischerei
5.12. Zum Alltag der ländlichen Bevölkerung
5.13. Die Stadt Praia im 20. Jahrhundert
5.14. Postulate zur Entwicklung
5.15. Amílcar Cabral, die Gründung des PAIGC und der Kampf für die Unabhängigkeit
5.16. Der spätkoloniale Staat auf Cabo Verde
5.17. Von der Kolonie zum unabhängigen Staat Cabo Verde
Anmerkungen
6. Cabo Verde auf dem Weg zum unabhängigen Staat
6.1. Diskussionen um die Unabhängigkeit im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
6.2. Crioulo und Portugiesisch
6.3. Zum Verhältnis Cabo Verde – Portugal im 20. Jahrhundert
6.4. Die Diktatur Salazars, der «Estado Novo» und Cabo Verde
6.5. Die Moderne und der koloniale Staat
6.6. Vom Einparteien- zum Mehrparteienstaat
6.7. Die Agrarreform von 1981/1982
6.8. Die Wahlen zur «Assembleia Nacional Popular» 1975–2016
6.9. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit
6.10. Die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten
Anmerkungen
Teil II: Die Inseln des Barlavento und des Sotavento
7. Die Barlavento-Inseln
7.1. São Vicente
7.2. Santo Antão
7.3. São Nicolau
7.4. Sal
7.5. Boa Vista
Anmerkungen
8. Die Sotavento-Inseln
8.1. Fogo
8.2. Brava
8.3. Maio
Anmerkungen
9. Literatur
9.1. Gedruckte Quellen
9.2. Wörterbücher, Bibliografien
9.3. Allgemeine Darstellungen
9.4. Thematische Einzelstudien
9.5. Publikationen zu einzelnen Inseln
9.6. Zeitschriftenartikel
10. Bildnachweis
Vorwort
Dieses Buch zur Geschichte der Kapverdischen Inseln ist im Zusammenhang mit meiner Arbeit in der Stiftung «Bildung für Kinder in Afrika» (heute «Cabo Verde Stiftung für Bildung») entstanden. Neben der eigentlichen Projektarbeit bot sich mir bei den zahlreichen Besuchen des Archipels auch immer wieder Gelegenheit, mich mit der Geschichte dieses Landes auseinanderzusetzen. Eine besondere Faszination ging von der Tatsache aus, dass sich diese Geschichte in jeder Hinsicht von der mitteleuropäischen Geschichte unterscheidet und damit den Weg zu völlig neuen Sichtweisen öffnet und ungewohnte Zusammenhänge aufzuzeigen vermag. Cabo Verde war – um den von Jürgen Osterhammel geprägten Begriffen zu folgen – sowohl eine frühe Siedlungskolonie mit vorerst durchaus mittelalterlichen politischen Strukturen wie auch eine Stützpunktkolonie, die vor allem dem Sklavinnen- und Sklavenhandel diente.
Um die Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zu verstehen, bildete die Lektüre der «História Geral de Cabo Verde» eine hervorragende Grundlage. Sie ist ein Musterbeispiel für eine moderne und differenzierte Historiografie eines afrikanischen Landes. Mit grösseren Schwierigkeiten war die Darstellung der Geschichte des Archipels im 19. und 20. Jahrhundert verbunden: Neben den auf Kap Verde und in Portugal eingekauften Publikationen erleichterte die Tatsache, dass viele neuere historische Dissertationen in Portugal über das Internet zugänglich sind, die Arbeiten an diesem Buch sehr. Der nationale und internationale Leihverkehr der Bibliotheken war zusätzlich eine grosse Hilfe. Auf Cabo Verde haben mich immer wieder Leute wie Victor Borges (früherer Koordinator der Schweizer Entwicklungsprojekte, Aussenminister des Landes 2004–2008) und António Leão Correia e Silva (Rektor der Universität Praia 2006–2010, Minister für höhere Bildung und Wissenschaft 2011–2016) bei der Recherche unterstützt, herzlichen Dank.
Ständige Begleiter beim Schreiben dieses Buches waren die positiven Erinnerungen an die vielen erfreulichen Begegnungen mit den Menschen auf Cabo Verde und in der Arbeit im Stiftungsrat in den letzten dreissig Jahren. Ich hoffe, das Buch vermöge zu einem vertieften Verständnis der Menschen auf dieser Inselgruppe beitragen.
Teil I: Allgemeine Geschichtedes Archipels unter besonderer Berücksichtigung der Insel Santiago
1.Die Entdeckungsgeschichte der Kapverdischen Inseln im 15. Jahrhundert
1.1.Die portugiesischen Entdeckungsfahrten an der westafrikanischen Küste
Die Geschichte der Kapverdischen Inseln ist eng mit der Geschichte der Expansion Portugals verknüpft; nach dem heutigen Stand der Forschung war der Archipel vor den portugiesischen Entdeckungen nicht besiedelt. Es ist daher wichtig, kurz auf die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe der portugiesischen Entdeckungs- und Handelsfahrten entlang der westafrikanischen Küste einzugehen.
Im Fernhandel zwischen den wichtigen Wirtschaftszentren Oberitalien und den Niederlanden spielte Portugal während des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich (1339–1453) eine zunehmend wichtigere Rolle. Die Kriegshandlungen führten zu einer Verlagerung des Fernhandels vom Land- auf den Seeweg. Für die Galeeren und Rundschiffe der führenden Handelsstädte Venedig und Genua waren die portugiesischen Häfen wichtige Zwischenstationen auf dem langen Weg vom Mittelmeer zur Nordsee.
Um 1400 war Portugal ein für die damalige Zeit «moderner» Territorialstaat mit starken zentralistischen Tendenzen. Zwischen dem handeltreibenden städtischen Bürgertum und dem Adel bestanden keine grossen Gegensätze, beide waren in der Ständeversammlung (Cortes) vertreten. Die muslimischen Herrscher spielten in Portugal seit der Eroberung der Algarve um 1250 keine Rolle mehr – ganz im Gegensatz zu Spanien, wo die Herrschaft des Kalifats Granada erst 1492 endete. Die Erbmonarchie des Hauses Avis (1383–1580) sorgte für Stabilität an der Spitze des Staates, nicht zuletzt dank der engen politischen Zusammenarbeit der Angehörigen des Königshauses. Portugal verfügte über eine Verwaltung, ein Rechts- und ein Finanzwesen auf schriftlicher Grundlage. Königliche Kommissare kontrollierten die städtischen oder adeligen Gerichte. Das Steuerwesen war zentralisiert, ein neuer Amtsadel stützte das Königshaus.1
Der Friede von Alcácovas 1479 bereinigte die dynastischen und wirtschaftspolitischen Differenzen zwischen Kastilien und Portugal und legte die Staatsgrenzen für Jahrhunderte fest. Portugal erhielt dadurch einen weiten Spielraum für seine maritime Expansion.
Venezianische, genuesische und portugiesische Kaufleute beteiligten sich in den nordafrikanischen Häfen von Tunis, Bone, Alger, Oran, Ceuta, Tanger, Massa und Saffi am Handel mit dem Gold des Sudans, mit Gewürzen, sowie mit Sklavinnen und Sklaven aus Schwarzafrika. Zwei Drittel des europäischen Goldbedarfs wurden durch die Produktion im Sudan gedeckt. Die jährlichen Goldexporte von Afrika nach Europa betrugen etwa 6000 Kilogramm, während aus Südamerika später nur etwa 4000 Kilogramm stammten.
Neben Gold, Gewürzen, Sklavinnen und Sklaven war die Bekämpfung der Piraterie ein weiteres Motiv zur Eroberung der Hafenstadt Ceuta.2 Die Eroberung von Ceuta 1415 stellte den ersten Versuch Portugals dar, direkten Anschluss an den afrikanischen Goldhandel zu gewinnen. Wegen eines marokkanischen Bürgerkrieges war die militärische Lage günstig. An der Eroberung war auch Prinz Heinrich der Seefahrer beteiligt – eine der wenigen Seefahrten, die der Seefahrer tatsächlich unternommen hat. Neben Ceuta eroberten die Portugiesen später weitere Orte in Marokko, so Alcacer Ceguer (1458–1550), Arzila (1471–1550), Tanger (1471–1661) und im Süden Mazagão (1514–1769, arabisch El Jadida). Anfangs des 16. Jahrhunderts kamen noch fünf weitere Orte für wenige Jahrzehnte dazu.3
Die Anfänge der portugiesischen Eroberungen in Afrika gehen also nicht auf den Versuch zurück, einen Seeweg nach Indien zu finden – wie dies häufig in Schulbüchern dargestellt wird. Es ging um den Anschluss an den afrikanischen Goldhandel.
Auch der Sklavenhandel spielte eine gewisse Rolle: Die Sklaverei war in Europa bis ins Spätmittelalter nie ganz verschwunden. Sklavinnen und Sklaven arbeiteten in den Hafenstädten Venedig und Genua in den Haushalten; in der Algarve, in Südspanien, in Süditalien und auf Sizilien auch in der Landwirtschaft, vor allem auf den Zuckerrohrplantagen.4
Bereits nach 1422 begann Heinrich der Seefahrer Schiffe an die marokkanische Küste auszusenden und erreichte vorerst das Cabo Não (südlich des heutigen Agadir), 1434 das wegen seiner Untiefen, Strömungen und Stürmen gefürchtete Kap Bojador. Dies wurde erst mit vertieften Kenntnissen der Windsysteme und Strömungen zwischen dem afrikanischen Festland und den Kanarischen Inseln möglich. Zudem wurde in Portugal der Schiffstypus der Karavelle weiterentwickelt: Mit dem Lateinsegel konnte auch gegen den Wind gesegelt werden und das Steuerruder in der Mitte des Hecks erleichterte das Lenken des Schiffes. Da an der Atlantikküste des nördlichen Afrikas häufig ein Nordostpassat weht, waren diese technischen Voraussetzungen vor allem für die Rückfahrt nach Portugal wichtig.
1441 umfuhr Nuno Tristão das Cabo Branco (im heutigen Mauretanien, an der Grenze zur Westsahara) und nahm die ersten schwarzen Sklavinnen und Sklaven gefangen. 1444 erreichte er die Mündung des Senegalflusses.
Gomes Eanes de Azurara nannte 1448 in seiner «Chronik der Entdeckung und Eroberung von Guinea» fünf Gründe für die Entdeckungsfahrten der Portugiesen entlang der westafrikanischen Küste:
1) Um Kenntnisse über das Land hinter den Kanarischen Inseln und hinter Kap Bojador zu gewinnen;
2) um Handelsware aus diesen Ländern nach Portugal und Waren aus Portugal in jene Länder zu bringen, was den Bürgerinnen und Bürgern von Portugal grossen Gewinn bringen würde;
3) um Kenntnisse über die Stärke des Feindes zu gewinnen und zu erkunden, wie weit sein Einfluss ginge;
4) um Christen zu finden, die helfen würden, gegen den Feind zu kämpfen, wie auch
5) um den richtigen Glauben auszubreiten und Seelen zu retten.5
Azurara betonte bereits an zweiter Stelle die Chancen des Handels mit den neu entdeckten Ländern und ging erst an fünfter Stelle auf die christliche Mission ein. Bis zur Personalunion mit Spanien (1580–1640) waren für Portugal die Handelsbeziehungen stets wichtiger als die Mission.
Mit Punkt 4 nahm Azurara eine Idee auf, die seit der Zeit der Kreuzzüge durch das christliche Europa geisterte: In Afrika den sagenhaften Priesterkönig Johannes zu finden, um gemeinsam gegen die Muslime zu kämpfen.6
Um 1455 entstand in Arguim (arabisch Arguin, im heutigen Mauretanien) eine erste Festung mit einer Handelsfaktorei. Neben den Sklavinnen und Sklaven waren die Malagueta (eine Pfefferschote), Elfenbein, Moschus und Papageien wichtige Handelsgüter. In den nächsten Jahren fuhren Schiffskonvois der westafrikanischen Küste entlang nach Süden. 1444 entdeckte Dinis Dias die Insel Gorée beim heutigen Dakar. 1471 fuhren die Portugiesen bis zur Goldküste (heute Ghana) und errichteten 1482 die Festung São Jorge Elmina; damit hatten sie direkten Zugang zu den Goldminen der Ashanti.7
Die portugiesischen Entdeckungs- und Eroberungsfahrten entlang der westafrikanischen Küste sind in einem Gesamtzusammenhang zu sehen (s. Abb. 1).
Abb. 1:
2.Die Entwicklung der Kapverdischen Inseln im «Goldenen Zeitalter» des Sklavenhandels (1460–1650)
2.1.Die Anfänge der portugiesischen Verwaltung
Nach der Entdeckung der Kapverdischen Inseln durch italienische und portugiesische Seefahrer ergriff das Königreich Portugal vom Archipel Besitz; offenbar erkannte man früh den Wert der Inselgruppe als Basis für den Ausbau des Handels mit Westafrika. Zur Bedeutung von Cabo Verde mögen auch die Meeresströmungen beigetragen haben: Die Fahrt von Portugal nach Süden wurde durch den Kanarenstrom und den Nordostpassat erleichtert, auf der Rückfahrt nach Portugal erleichterte der Golfstrom die Reise, was ein Ausholen nach Nordwesten notwendig machte.
Die Urkunde vom 3. Dezember 1460 des portugiesischen Königs Afonso V an seinen Bruder, den Infanten Fernando, übertrug diesem Machtbefugnisse als doação régia (wörtlich übersetzt eine königliche Schenkung, in der auch Abgaben an den König vorgesehen sind, also eigentlich ein Lehensvertrag) für die Inseln Madeira und Porto Santo, für die Inselgruppe der Azoren und für Cabo Verde für die Inseln Santiago (im Text der Urkunde als S. Jacobo nach dem Entdeckungstag benannt), São Filipe, Maio (Maias), Boa Vista (São Cristóvão) und Sal (Lhana).1 Die erst 1462 entdeckten Inseln Santo Antão, São Vicente und São Nicolau wurden in diesem Dokument nicht erwähnt. Die Übertragung des Lehens war verbunden mit dem Auftrag, das Gebiet zu verwalten, zu kolonisieren und die Ressourcen zu nutzen. In vielen Fällen wurde die doação erblich.
Dom Fernando trat damit das Erbe seines Onkels Dom Henrique o Navegador (Heinrich der Seefahrer) an, der am 13. November 1460 gestorben war.2 Mit der Schenkung übergab Dom Afonso V seinem Bruder die Rechte auf alle Flüsse, Ankerplätze, Wälder, Fischgründe, Korallen, Färberpflanzen, Mineralien und Muscheln der Gebiete. Ferner verfügte dieser damit über die Straf- und Zivilgerichtsbarkeit und zog die Abgaben der Bewohnerinnen und Bewohner des Archipels für den König ein. Dom Fernando besass also umfassende Wirtschafts-, Verwaltungs-, Gerichts- und Fiskalkompetenzen.3 Einzig die Todesstrafe blieb den königlichen Gerichten vorbehalten. Als Vorbild für diese Vorgehensweise dienten die Erfahrungen in der Besiedlung, Kolonisation und Administration der Azoren sowie von Madeira und Porto Santo.
Die Kapverdischen Inseln waren offensichtlich zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung unbewohnt. Zur ökonomischen Inwertsetzung des Archipels war deshalb ihre Besiedlung das vordringlichste Problem. Es war nun die Aufgabe Dom Fernandos, diesen Prozess zu finanzieren, das heisst Karavellen, Haustiere, Saatgut und Werkzeuge für den Hausbau und die Landwirtschaft zugunsten der Siedlerinnen und Siedler zu beschaffen.
Im Falle von Cabo Verde zeigten sich früh einige Schwierigkeiten der Kolonisation: Der Archipel lag geografisch wesentlich weiter weg von Portugal als Madeira oder die Azoren, das Klima unterschied sich vom Klima Portugals und der nördlicheren Inseln wesentlich, was die Kultivierung anderer landwirtschaftlicher Produkte erforderte.
Die königliche Urkunde vom 19. September 1462 bestätigte Dom Fernandos Privilegien von 1460 und teilte die Insel Santiago in zwei Kapitanate (capitanerias) auf.4 In dieser Urkunde wurden nun auch die Inseln São Nicolau, São Vicente und Santo Antão sowie Brava erwähnt.5 Für König Afonso V waren weniger die Inseln selbst von Bedeutung als vielmehr ihre geografische Position gegenüber der westafrikanischen Küste. Die Urkunde von 1462 ging jedoch sehr viel weiter als diejenige von 1460 und spiegelte die Schwierigkeiten der Portugiesen in der Besiedlung der Inseln wider. Dom Fernando erklärte denn auch im selben Jahr, dass er nicht fähig sei, die Inseln zu besiedeln.
König Afonso V stattete die Bewohnerinnen und Bewohner Cabo Verdes bereits 1466 mit neuen Privilegien aus, so mit einer Zehnten- und Zollbefreiung – eine wichtige Erleichterung. Der Archipel gewann dadurch an Attraktivität für die Siedlerinnen und Siedler.6 Die Urkunde von 1466 sicherte ihnen weiter den freien Handel mit der westafrikanischen Küste (ohne den portugiesischen Handelsstützpunkt Arguim an der mauretanischen Küste) sowie den Export nach Europa zu. Zu diesem Handel gehörte ausdrücklich auch der Sklavenhandel, für den die Verkürzung des Transportweges zur See – von der afrikanischen Küste nach Cabo Verde sind es rund 500 Kilometer, nach Portugal rund 3000 Kilometer – eine wesentliche Kosteneinsparung war. Die Privilegien für die Siedlerinnen und Siedler zeigen, mit welchen Schwierigkeiten die Besiedlung in den ersten Jahren nach der Entdeckung verbunden war. In der erwähnten Urkunde wird ausdrücklich erwähnt, dass die Gerichtsbarkeit für alle gelte, also für Mauren, Schwarze und Weisse. Folglich musste es bereits in den ersten Jahren der Besiedlung der Inseln afrikanische Sklaven und Sklavinnen gegeben haben.
Ein Viertel der Handelswaren ging an den König. 1472 erfolgte dann eine schwerwiegende Einschränkung: Das Handelsprivileg mit der afrikanischen Westküste galt nur noch für die Produkte aus Cabo Verde.7 Wie bereits erwähnt, wurde die Insel Santiago in zwei Kapitanate eingeteilt, eines davon im Süden mit der Hauptstadt Ribeira Grande (heute Ribeira Grande de Santiago, zur Unterscheidung von Ribeira Grande auf Santo Antão, in der älteren Literatur auch Cidade Velha genannt). Der Genuese Antonio da Noli, der den Anspruch erhob, zusammen mit Diogo Gomes die Inseln 1460 entdeckt zu haben, erhielt dieses Kapitanat, zusammen mit seinem Bruder Bartolomeus und seinem Neffen Rafael.8 Das Kapitanat von Alcatrazes im Norden lag in der heutigen Kirchgemeinde Maria da Luz, in der Gemeinde São Domingo im Zentrum der Insel. Es wurde Diogo Afonso zugesprochen, der zuvor die Steuern auf der Insel Madeira eingezogen hatte. Alcatrazes war durch die gotische Kirchenruine Nossa Senhora da Luz aus dem Jahre 1472 bekannt; erste Ausgrabungen fanden nach 2011 statt. Etwa 1000 Tote wurden in der Kirche beerdigt, sowohl Afrikaner wie auch Europäer. Die Grabbeigaben bestanden aus Perlen, Glasscherben, unglasierten Tonscherben und portugiesische Münzen aus den Jahren 1481 bis 1495. Pollenanalysen zeigten Spuren von Gras und Klee, aber nicht von Bäumen – entgegen den Entdeckungsberichten, die von Wäldern sprachen. Die Leute von Alcatrazes zogen um 1500 nach Praia.9
Die Verwaltung von Cabo Verde richtete sich an den Erfahrungen aus Madeira und den Azoren aus; die atlantischen Inseln wurden in mittelalterlicher Art und Weise vom König als Lehen an verdiente Adelige vergeben.10 Der capitão-donatário (der Empfänger eines Lehens) verfügte über das Mühlen- und Backofenrecht, das Salzmonopol, den Zehnten der landwirtschaftlichen Produktion, über Zuckermühlen, das Recht, zwei Bretter wöchentlich aus den Sägereien zu beziehen, und das Recht, Land zu verteilen.11
Unter König Manuel I (Regierungszeit 1495–1521) gingen die verschiedenen Inseln als Lehen an bestimmte Familien, so beispielsweise die Insel Santo Antão an João da Fonseca, Fogo an Fernão Gomes und Sal, Brava sowie die heute unbesiedelten Inseln Santa Luzia, Branco und Raso an Francisco da Fonseca und seine Nachfolger. Die Fonseca hatten sich in den Kriegen in Marokko und als Festungskommandanten in Diu (Indien) ausgezeichnet.12 An die Krone hatten sie den Zehnten des Ertrages der Ausfuhr von Ziegenhäuten, Seife und Fleisch abzugeben.
1550 ernannte König João III einen Kapitän für Santiago, der die administrativen Funktionen der bisherigen Lehens-Kapitäne übernahm. Unter König Philipp I. von Portugal (1580–1598; identisch mit König Philipp II. von Spanien) entstand auf Cabo Verde der Posten eines Generalkapitäns, der sowohl im zivilen wie im militärischen Bereich über alle Inseln regierte. Er leitete auch die Justiz, selbst über die Lehensherren. 1600 wurde schliesslich der erste Generalgouverneur der Inseln ernannt. Es zeigt sich hier deutlich, wie sich der portugiesische Staat aus der mittelalterlichen Tradition zum Absolutismus und modernen Verwaltungsstaat entwickelt hat.
2.2.Das Herkommen der frühen Bevölkerung auf Cabo Verde
Mit den ersten Entdeckern kamen auch die ersten Siedlerinnen und Siedler auf die Inseln, so mit Antonio da Noli Genuesinnen und Genuesen, mit Diogo Gomes Leute aus Nordportugal und Kastilien. Den Leuten aus Kastilien war an sich der Zutritt zu den Inseln verboten, doch fragte angesichts der zögerlichen Besiedlung der Inseln kaum jemand nach der Herkunft.13 Es handelte sich dabei mehrheitlich um Männer, sowohl Fidalgos (Ritter, vor allem zweitgeborene ohne Erbansprüche in Portugal) wie auch kleine Händler, Handwerker, niedrige Beamte und Matrosen. Über die Herkunft des afrikanischen Bevölkerungsanteils der Sklavinnen und Sklaven im 15. Jahrhundert ist wenig bekannt. Die meisten dürften von der Guineaküste gestammt haben, die sich nach den damaligen geografischen Begriffen vom heutigen Senegal bis nach Sierra Leone erstreckte.
Gewisse Sklavinnen und Sklaven blieben nur für kurze Zeit auf der Insel und wurden dann weiter verschifft, vorerst nach Sevilla, später direkt in die Karibik. Andere blieben auf den Inseln. Die meisten dieser Sklavinnen und Sklaven waren in der Landwirtschaft tätig, aber man fand sie auch in anderen Sektoren der Wirtschaft, so im Handwerk und im Handel. Der Haussklave beziehungsweise die Haussklavin war in der Regel in einer besseren Position als der Landwirtschaftssklave. Es war möglich, dass ein Haussklave für seinen Herrn nach Guinea zum Einkauf von Sklaven und Sklavinnen ging, was er mittels seiner afrikanischen Sprache gut erledigen konnte, zumindest aber begleitete er seinen Herrn in diesem Geschäft. Schon vor 1500 bildeten die schwarzen Sklavinnen und Sklaven die Bevölkerungsmehrheit auf Cabo Verde.14
Zwischen den weissen Freien und den Sklavinnen und Sklaven gab es die Gruppe der Freigelassenen. Unter den Freigelassenen fanden sich wenige Schwarze und zahlreiche Mestizen und Mestizinnen, Kinder von weissen Vätern und schwarzen Müttern. Häufig wurden sie nach den Testamenten ihrer Väter freigelassen, ja legitimiert. Das betraf aber längst nicht alle Mestizinnen und Mestizen, viele blieben Sklavinnen und Sklaven.
Der Handel mit der Guineaküste lag in den Händen einer schmalen Oberschicht. Von den 70 Grosskaufleuten der Insel Santiago nach 1500 gehörten 22 dem hohen und niedrigen Adel an. Wie in anderen Monarchien war an sich auch dem portugiesischen Adel die Arbeit im Handel verboten, was aber nie durchgesetzt wurde. Für Fidalgos und Cavaleiros (Edelleute und Ritter) bestanden auf Cabo Verde in dieser Zeit durchaus Chancen, reich zu werden. Im Portugal des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit waren die Übergänge zwischen dem Dritten Stand (Bürgertum) und dem Zweiten Stand (Adel) fliessend. In der portugiesischen Ständevertretung, den Cortes, wurden die escudeiros (Knappen) zusammen mit den Kaufleuten zu einer Kategorie zusammengefasst.15
António Carreira unterscheidet drei Phasen der Bevölkerungsentwicklung auf Cabo Verde: In einer ersten Phase im 15. Jahrhundert wurden die Inseln Santiago und Fogo von einer geringen Zahl von Leuten aus Portugal, Spanien, Genua und anderen europäischen Ländern besiedelt, es gab kaum Mestizen und Mestizinnen.
In einer zweiten Phase im 16. Jahrhundert blieb es bei einer geringen Zahl von Europäerinnen und Europäern, wobei es sich sowohl um freie wie erzwungene Migration handelte. Dazu kam eine kleine Zahl von nicht identifizierten europäischen Einwanderinnen und Einwanderern. Nun gab es auch Weisse, die auf der Insel geboren worden waren, sowie Mestizen und Mestizinnen als Söhne und Töchter aus Beziehungen zwischen europäischen Männern und freien oder unfreien afrikanischen Frauen. Es kamen nur wenige weisse Frauen auf die Inseln. Die freien und unfreien Schwarzen und Mestizen waren bald zahlreicher als die Weissen. Die Zahl der auf Cabo Verde lebenden Adeligen nahm ab.
In einer dritten Phase im 17. und 18. Jahrhundert nahm die Zahl der freiwilligen weissen Einwanderinnen und Einwanderer weiter ab, während diejenige der deportierten Weissen, der auf der Insel geborenen Weissen, der Mestizen und der Schwarzen zunahm. Die freien Mulattinnen und Mulatten und die freien Schwarzen waren nun zahlreicher als die Sklavinnen und Sklaven. Im 18. und 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Freien, der Freigelassenen und der Entflohenen immer stärker an, während diejenige der Sklaven und Sklavinnen weiter sank. Mit dem Verbot des Sklavenhandels nördlich des Äquators 1815 sank auch die Zahl der eingeführten Sklaven und Sklavinnen, obwohl der illegale Sklavenhandel noch einige Jahrzehnte weiterging.16
Iva Cabral unterscheidet in der Frühgeschichte von Cabo Verde zwei Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung: Eine erste Phase des prosperierenden Handels mit der Guineaküste zwischen 1473 und 1549 und eine zweite Phase der beginnenden Krise zwischen 1549 und 1599, bedingt durch die immer stärker werdende Konkurrenz von Frankreich, England und den Niederlanden sowie deren Korsaren. Die Autorin beschreibt detailliert die Zusammensetzung der Elite von Santiago im 15. und 16. Jahrhundert und stellt fest, dass sich die Adeligen allmählich aus dem Handel mit der Guineaküste zurückzogen und vermehrt in der intensiven Landwirtschaft aktiv wurden.17
Bereits im 16. Jahrhundert flohen viele Sklavinnen und Sklaven in die schwer zugänglichen Gebirgsregionen der Serra Malagueta auf der Insel Santiago oder in die höheren Regionen der Insel Fogo. Sie lebten am Rande der Gesellschaft, rechtlich gesehen waren sie nach wie vor versklavt, faktisch aber frei. Sie waren den anderen Klassen der Gesellschaft feindlich gesinnt und unternahmen immer wieder Überfälle auf die Höfe der Gutsherren. Das Refugium der Serra war für sie relativ sicher.18
Die Lançados waren meist ursprünglich Männer aus Portugal, die nach Cabo Verde verbannt wurden (sie wurden auch tangomaos genannt, weil sie sich afrikanische Tattoos anbringen liessen). Sie spielten in Guinea in der Vermittlung von Handelsbeziehungen zwischen Portugal und den Einheimischen eine wichtige Rolle, obwohl sie dazu keine königliche Erlaubnis besassen. Für die Zeitgenossen galten die Lançados als Abenteurer und Halbwilde, die unter den Afrikanerinnen und Afrikanern wohnten, sich mit afrikanischen Frauen verbanden und eigene Dörfer gründeten. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Santiago trieben ebenfalls Handel mit den Lançados. Die portugiesischen Könige versuchten, die Tätigkeiten dieser unkontrollierbaren Männer zu verhindern, da sie den königlichen Handel und den Handel der königlichen Vertragspartner (contratadores) in Guinea konkurrenzierten.19 Im 17. Jahrhundert wurden die Lançados immer stärker von der Geistlichkeit kritisiert: Sie würden Götzen anbeten und Fetische verehren, seien Mörder, Verräter, Leute ohne Recht mit Appetit auf die Hölle, so Padre Manuel Álvares von der Societas Jesu 1609.20
2.3.Soziale Klassen auf Santiago im 16. Jahrhundert
Das portugiesische Recht unterschied zwischen morador (Bewohner) und vizinho (Nachbar). Der Morador war ein Einwohner, der mindestens vier Jahre am selben Ort wohnte, der Vizinho war ein Morador, der ein Haus und ein Grundstück besass. In Ribeira Grande (Santiago), Alcatrazes und in São Filipe auf Fogo wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts die ersten Gemeinden (câmaras) mit den Institutionen eines Gemeinderates und einer Gemeindeversammlung gebildet – wobei sich diese Gremien nicht im Sinne einer Gewaltentrennung unterschieden. Der Morador hatte das Recht, an der Gemeindeversammlung teilzunehmen und sich an den Wahlen der lokalen Behörden zu beteiligen. Die vizinhos negros – freie Schwarze – erhielten diese politischen Rechte erst nach 1546.21 Die Munizipalisierung des politischen Raumes neben dem König und dem Adel war ein neues Element. Gleichzeitig fand in Portugal eine weitgehende Verschriftlichung der Verwaltung statt, unter anderem auch mit genauen Regelungen der Kompetenzen der Gemeinden.22
Vor allem reiche Vizinhos profitierten vom Handel mit Guinea, da sie die nötigen finanziellen Mittel für die Investitionen besassen. Die Gruppe der Schiffsreeder und Kaufleute (armadores-mercadores) beherrschte die Câmara (Verwaltung) von Ribeira Grande, leitete die sozial wichtigen religiösen Bruderschaften, bildete unter sich geschäftliche Partnerschaften (auch mit ausländischen Kaufleuten), baute mehrstöckige Häuser (sobrados) aus Stein und Kalk, unterhielt Obst- und Gemüsegärten. Sie verfügte über Tausende von Sklavinnen und Sklaven für die Arbeiten in der Landwirtschaft und der Viehzucht. Als Reeder und Grossgrundbesitzer bildeten sie die wirtschaftliche und politische Elite von Cabo Verde, die meisten gehörten dem niedrigen Adel (Fidalgos) an. Wer keine Schiffe hatte, wurde von den Ämtern ausgeschlossen. Zuweilen betrieb die Elite auch Piraterie und Schmuggel, beispielsweise der Reeder, Abenteurer und Ritter des Königshauses Fernão de Melo. Er machte weite Handelsfahrten bis zum Kongo und wurde später Kapitän der Insel São Tomé. Seine Frau Dona Brígida Gouveia führte unterdessen die Landwirtschaft in São Martinho (Santiago) weiter und betätigte sich ebenfalls als Reederin. In der Kirche von Santa Maria do Rósario in Ribeira Grande (Santiago) liegt der reich geschmückte Grabstein von Fernão de Melo.23
Die «filhos da terra»: Mestizen und Mestizinnen und Freigelassene
Die Mestizenkinder hatten einen unterschiedlichen Status: Wenn der weisse Vater das Kind der schwarzen Mutter anerkannte, wurde es frei gelassen, wenn nicht, blieb es Sklave oder Sklavin. Die Legitimierung der Kinder war eine der wenigen Chancen für den sozialen Aufstieg, um beispielsweise in Ämter oder in Klöster zu gelangen.24 Die Mehrzahl der illegitimen Kinder wurde indes nicht anerkannt und blieb folglich Sklave oder Sklavin. In den Quellen tauchen die freigelassenen Mestizen und Mestizinnen selten auf, da sie nicht im Verkehr mit der Verwaltung standen und deshalb in den Registern nicht genannt wurden. Sie zahlten keine Steuern und besassen kein ländliches Eigentum. Die Lage der Freigelassenen war oft schwierig, da es kaum freie Lohnarbeit gab.
Im Verkehr zwischen Cabo Verde und Guinea wurden die Freigelassenen als Matrosen und Übersetzer eingesetzt. Schwarze waren auch im Sklavenhandel tätig, sei es selbstständig oder im Auftrag eines Herrn. Nach 1546 konnten Schwarze und Mestizen in die Verwaltung eintreten. Da unter den Portugiesen eine Versetzung nach Cabo Verde nicht besonders beliebt war, erhielten Freigelassene mit der Zeit Aufstiegsmöglichkeiten in der Verwaltung.
In Ribeira Grande gab es auch eine Reihe von Ausländerinnen und Ausländern (forasteiros), die sich nur für eine bestimmte Zeit auf Cabo Verde aufhielten.
Über die Bewohnerinnen Ribeira Grandes ist wenig bekannt: In den Berichten der portugiesischen Verwalter wurden zwar die alleinstehenden Frauen erwähnt, nicht aber die Verheirateten und die Witwen. In den Akten erscheinen einzelne Frauen im Zusammenhang mit Straffällen und Beziehungsgeschichten.
Für die Sklavinnen und Sklaven war die Ankunft auf Cabo Verde traumatisch. Es lassen sich hierbei drei Gruppen unterscheiden:
•Die Mehrzahl wurde in den Häfen der Insel ausgeladen und wartete auf den Transport nach Amerika. In den Urkunden erschienen sie als peças (Stücke). Sie trugen keine Namen.
•Die zweite Gruppe bildeten diejenigen, die auf der Insel für landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt werden sollten. Auch sie trugen vorerst keine Namen.
•Die dritte Gruppe bildeten die Haussklavinnen und -sklaven sowie Spezialisten und Spezialistinnen des Handwerks. In den Urkunden trugen sie Namen, im Gegensatz zu den peças.25
Haussklavinnen und -sklaven hatten am ehesten Chancen, nach den Testamenten des Sklavenhalters freigelassen zu werden. Ihre Lage war aber prekär: Bei Ungehorsam konnten sie auf die Landgüter gebracht oder im Hafen verkauft werden.
Es war wohl eher selten, dass Sklaven als Handwerker in Ribeira Grande lebten. Die wenigen weissen Handwerker auf der Insel begannen, Sklaven in handwerklichen Berufen auszubilden; Sklaven mit handwerklichen Fähigkeiten erzielten auf dem Markt hohe Preise. Die wichtigsten Sklaven waren, wie bereits erwähnt, die Händler-Sklaven: Sie reisten selbstständig an die afrikanische Küste, kauften Sklavinnen und Sklaven ein und brachten sie nach Cabo Verde.26
Die Verbannten
Verschiedene Begnadigungsurkunden zeigen, dass die Kapverdischen Inseln offenbar schon ab 1472 als Verbannungsort benutzt wurden. Seit dem 17. Jahrhundert stieg die Zahl der Deportierten stark an, im 18. und 19. Jahrhundert noch in höherem Ausmasse. Auch Sinti und Roma sowie Menschen jüdischer Herkunft gehörten häufig zu den Verbannten. Diese Praxis der Verbannung war unter den Kolonialmächten Grossbritannien, Frankreich und Spanien allgemein üblich.
Zwischen 1802 und 1882 wurden 2433 Männer und 81 Frauen nach Cabo Verde verbannt, also durchschnittlich etwa 38 Personen pro Jahr. Die Gouverneure versuchten, die Verbannten auf alle Inseln zu verteilen, doch lebten viele auf Santiago. Da es sich bei den Verbannten vor allem um Männer handelte, stieg die Zahl der Mestizen und Mestizinnen an.27
2.4.Sklaven- und Warenhandel mit der Guineaküste
Der Grund für das Interesse von Portugal am Archipel von Cabo Verde beruhte im 15. und 16. Jahrhundert in erster Linie auf dessen geografischer Lage: Die Inseln bildeten eine günstige Ausgangsposition für den Handel mit der rund 500 Kilometer entfernten Guineaküste – eine sichere Distanz zu den afrikanischen Königreichen Wolof, Cayor, Baol, Sine, Saloum und weiteren.28 Nach 1500 wurde Cabo Verde zur Zwischenstation für den Indienhandel und für den europäischen Handel mit Südamerika.
Im 15. Jahrhundert waren die wichtigsten Handelsgüter im Export Gold, Sklavinnen und Sklaven, Elfenbein, Malagueta (eine rote Pfefferschote), Hirse und Reis (für die Ernährung der Sklavinnen und Sklaven) – also Handelswaren, die bereits früher für den portugiesischen Afrikahandel von Bedeutung gewesen waren. Nach Schätzungen gelangten jährlich etwa 1400 Sklavinnen und Sklaven von der westafrikanischen Küste nach Cabo Verde. Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts stiegen ihre Preise stark an.29
1473 bewilligte König Afonso V in einer Urkunde ausdrücklich das Privileg, auf den Inseln Sklavinnen und Sklaven («escravos, escravas, machos e fêmeas») zu halten. Die Urkunde sicherte zudem die Rechte der Einwohnerinnen und Einwohner (moradores) zum Sklavinnen- und Sklavenhandel gegenüber den Lançados. Dieser Handel bildete die wichtigste Einnahmequelle der Bewohnerinnen und Bewohner von Cabo Verde. Für den König hatte der Handel mit dem afrikanischen Kontinent Priorität, nicht die Entwicklung der Landwirtschaft auf den Inseln.
Portugiesische Kaufleute besassen im Handel mit der Guineaküste dank Verträgen mit dem portugiesischen König eine zeitlich befristete Monopolstellung. Sie kamen in Konflikt mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Cabo Verde, die ihren bisherigen Handelsverkehr fortsetzten.30
Um den Sklavenhandel zwischen Guinea, den Inseln von Cabo Verde und Portugal entwickelte sich nach 1512 ein weiterer Konflikt: Der König befahl, dass die Sklavinnen und Sklaven direkt von Guinea nach Lissabon gebracht würden, also kein Zwischenhalt auf den Inseln stattfinden sollte – zum Schaden der Siedler und Siedlerinnen auf Cabo Verde. Diese verdächtigten unter anderem die cristãos novos (neu zum Christentum konvertierte Juden und Jüdinnen), das Königshaus schlecht informiert zu haben. König Manuel I verfolgte die jüdische Gemeinschaft im gesamten portugiesischen Herrschaftsgebiet seit 1496, verbot aber die Diskriminierung der cristãos novos 1512. 1536 setzte mit der päpstlichen Bulle «Cum ad nihil magis» der Kampf der Inquisition gegen die Juden und Jüdinnen in Spanien und Portugal ein.31
Von der Massnahme des direkten Transports waren viele Händler, Escudeiros, Cavaleiros und Fidalgos betroffen. Schliesslich wurden die direkten Sklaventransporte von Guinea nach Portugal (und nicht indirekt über die Kapverdischen Inseln) doch nicht durchgeführt, nicht zuletzt auch wegen der Gefährdung des Schiffsverkehrs zwischen Guinea und Portugal durch Stürme und französische Piraten.
Portugiesische Händler beklagten sich über die hohen Preise – vor allem für Brot und Wein sowie für Tuch und Eisen auf Cabo Verde.
Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts veränderte sich der portugiesische Handel mit der Guineaküste. Mit der Erschliessung von Spanischamerika stieg der Bedarf an Arbeitskräften, das heisst von Sklavinnen und Sklaven aus Afrika, entsprechend erhöhten die Sklavenhändler die Preise und ihre Gewinne stiegen. Die Sklavinnen und Sklaven wurden in erster Linie auf die Insel Santo Domingo gebracht, später nach Honduras und Peru.32
Die Mehrzahl der Sklavinnen und Sklaven auf Cabo Verde stammten von der Guineaküste, verwaltungsmässig waren Häfen in Guinea wie Cacheu und Bissau den Kapitanaten in Cabo Verde unterstellt– eine administrative Trennung erfolgte erst im Jahre 1879.
Da sich die Franzosen in Senegal immer stärker durchsetzten, verschob sich der portugiesische Sklavenhandel weiter nach Süden. Andere Exportgüter von der Guineaküste blieben Hirse, Reis und Wachs sowie Elfenbein, das nach Europa weitertransportiert wurde.33
Der Erwerb von Sklavinnen und Sklaven
Die Portugiesen unternahmen bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts Sklavenjagden unter der einheimischen Bevölkerung in Nordafrika, so auf den Kanaren unter den Guanches und auf Arguim unter den Mauren. Heinrich der Seefahrer erkannte früh, dass die Sklavenjagden für die Entwicklung des Handels an der afrikanischen Küste schädlich waren und die guten Beziehungen zu den afrikanischen Völkern störten. Anstatt Raub schlug er Warentausch vor; zeitweise fanden offenbar beide Methoden nebeneinander Anwendung. Nach 1470 setzte sich der Warentausch durch: Waren aus Europa und Asien (wie Textilien aus Indien) gegen Sklaven und Sklavinnen, Gold und Elfenbein sowie Bernstein (ambar) und Wachs. Nur sporadisch spielte Geld als direktes Zahlungsmittel eine Rolle. Silbermünzen wurden erst sehr spät angenommen, und zwar eher als Schmuck denn als Geld, da Silber in Afrika rar war. Als Währung galten bis ins 19. Jahrhundert auch die Gehäuse der Kaurischnecken aus dem Indischen Ozean.34
Der Warentausch fand meist auf Märkten in bekannten Ortschaften statt; dasselbe Verfahren des Handels wird auch von Cadamosto und von Fernandes beschrieben (in Wolof, Cantor, Gambia und Guinea). Zwischen 1484 und 1562 waren es etwa hundert Bewohnerinnen und Bewohner von Cabo Verde, die Schiffe nach Guinea ausrüsteten, ein Teil davon beteiligte sich aktiv als Kapitäne an den Reisen. Vor der Abfahrt nach Guinea erhielten die Reeder üblicherweise die Bestellungen der Bewohner und Bewohnerinnen von Santiago: Sklaven und Sklavinnen, Reis, Hirse, Elfenbein, Wachs. João Vidão rüstete zusammen mit Dona Brígida de Gouveia zwei Schiffe aus: Zum einen die «Santa Maria do Cabo», die am 13. Oktober 1513 in Santiago ankam, mit 13 Sklaven an Bord, die an die Besteller gingen. Im Februar 1514 traf die «Santa Maria de Vitória» ein, mit 168 Sklavinnen und Sklaven sowie mit Hirse. Der gleiche Unternehmer transportierte 1528 auf der «São Marçal» 144 Sklaven, zusammen mit Hirse und 1335 Kilogramm Elfenbein. Später brachte er mit dem gleichen Schiff weitere 34 Sklaven. Im selben Jahr legte die «Santa Maria do Pardal» mit 75 Sklaven sowie mit Hirse und Elfenbein an.
Importe nach der Guineaküste
Die bereits erwähnten Einschränkungen der Handelsprivilegien im königlichen Brief vom 8. Februar 147235 führten unter anderem zu einem verstärkten illegalen Handel. Die Krone beanspruchte in gewissen Bereichen ein Monopol, so im Handel mit Malagueta und anderen Gewürzen, mit Zibetkatzen (ihr Sekret der Perianaldrüsen, das Zibet, wurde zur Herstellung von Parfum verwendet), Elfenbein, Edelsteinen und Siegellack. Wer gegen die königlichen Vorschriften verstiess, dessen Schiffsladung und beweglichen Güter wurden beschlagnahmt. Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts erweiterte die Krone sukzessive die Liste der Waren, die nicht frei gehandelt werden durften. Später kamen zum Beispiel besondere Muscheln dazu, die es auf Cabo Verde gab und die an der afrikanischen Küste besonders gefragt waren. Am 13. September 1497 hielt ein königlicher Brief fest, dass der Handel mit Eisen ebenfalls zum königlichen Monopol gehöre. Dies wurde damit begründet, dass sich die Mauren und die Schwarzen damit Waffen schmieden würden. Zu direkten Handelswaren von Europa nach Afrika (also ohne Zwischenhalt auf Cabo Verde) gehörten seit 1497 auch Tücher aus Indien, Brokat aus Flandern, Seidenhemden, rote und gelbe Tücher, Kupferwaren, Zinn und Edelsteine.
Wer gegen die königlichen Handelsbeschränkungen verstiess, wurde für fünf Jahre nach São Tomé (seit 1493 portugiesisch) oder Sankt Helena (1502–1600 portugiesisch) verbannt. Die Verbote wurden immer wieder erneuert, offenbar wurden sie kaum beachtet.
Bereits 1481 schickte König João II einen Gesandten nach Cabo Verde, der das Problem des illegalen Handels untersuchen und die Schuldigen bestrafen sollte – ohne grossen Erfolg.
Die Bewohner und Bewohnerinnen von Cabo Verde handelten sowohl in verbotenen Gebieten (wie dem heutigen Sierra Leone) wie auch mit verbotenen Produkten. Es sind zahlreiche Fälle von illegalem Handel dokumentiert.36 Grundsätzlich war mit illegalem Handel wesentlich mehr Geld zu verdienen als mit legalem. König Manuel I versuchte 1517 erneut, mit strengeren Strafandrohungen den illegalen Handel zu unterdrücken – wiederum mit wenig Erfolg.
Zu den aus Cabo Verde nach dem afrikanischen Kontinent exportierten Waren gehörten unter anderem Tücher (panos), die aus der auf Cabo Verde angepflanzten Baumwolle (seit 1517 nachgewiesen) hergestellt wurden. Sie bestanden aus Streifen von 12 bis 15 Zentimetern Breite, die zusammengenäht wurden.
Abb. 3:Beispiel eines «panos» (20. Jahrhundert).
Auf dem afrikanischen Kontinent waren ausserdem Pferde aus Cabo Verde besonders begehrt, da sie als Zeichen eines hohen gesellschaftlichen Standes galten.37 Die Bewohnerinnen und Bewohner der Inseln hatten gegenüber den Kaufleuten mit Vertrag aus Lissabon oder auch aus Spanien den Vorteil, dass sie die Guineaküste viel häufiger besuchen konnten, da sie wesentlich kürzere Schifffahrtswege zurückzulegen hatten. Schliesslich wurde auch Salz von den Inseln Maio, Boa Vista und Sal an die afrikanische Küste exportiert, da es als besonders sauber galt.
Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts verschoben sich die Gewichte der Güter, die an die afrikanische Küste exportiert wurden: Während die Baumwolle und die Baumwolltücher wichtiger wurden, nahm die Zahl der exportierten Pferde ab.38
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Cabo Verde gegen den königlichen Handel und die Monopolgesellschaften
Die «Casa de Guiné» war eine erste Monopolgesellschaft unter der Leitung von Heinrich dem Seefahrer mit Sitz in Lagos, später in Lissabon. 1482 bis 1483 hiess sie «Casa de Guiné e da Mina» (Elmina im heutigen Ghana), dann «Casa da Índia e da Guiné» (1499) und schliesslich nur noch «Casa da Índia», blieb aber in Guinea tätig. Die Veränderungen im Namen zeigen deutlich den Wechsel der Destinationen und deren Bedeutung im portugiesischen Überseehandel.
Der portugiesische König Afonso V schloss bereits 1469 mit dem Kaufmann und Ritter Fernão Gomes aus Lissabon einen Vertrag über fünf Jahre ab, worin dieser für den Handel mit Guinea und Sierra Leone ein Monopol erhielt und dafür neben Geldzahlungen an die Krone auch die Pflicht hatte, jährlich 100 Meilen afrikanische Küste zu erforschen. Schliesslich wurde im Vertrag festgelegt, dass dem König alles Elfenbein zukomme. Dieses spielte in der sakralen Kunst in Europa eine wichtige Rolle.39 Solche Monopolverträge wurden in den folgenden Jahrzehnten üblich und schmälerten die Handelsrechte der Siedler auf Cabo Verde.
Zum Sklavenhandel gibt ein 1510 auf drei Jahre abgeschlossener Vertrag zwischen dem portugiesischen König Manuel I und António Rodrigues Mascarenhas Auskunft. Mascarenhas hatte für dieses Privileg Sklavinnen und Sklaven im Wert von 900 000 Réis an das Königshaus abzugeben, was ungefähr 130 Sklavinnen und Sklaven entsprach.40
Der hohe Justizbeamte (corregedor) und Finanzverwalter (contador) der Krone auf Santiago, Rui Gomes, stellte 1517 fest, dass Bewohnerinnen und Bewohner der Insel Santiago mit Sierra Leone Handel trieben, namentlich mit Elfenbein, Wachs, Eisen und anderen verbotenen Waren. Sklavinnen und Sklaven konnten die Bewohner und Bewohnerinnen der Insel nur zum eigenen Gebrauch erwerben. Schliesslich wurde angedroht, dass bei Übertretung dieser Verbote die Schiffe der Handelnden beschlagnahmt würden. Zudem klagte Rui Gomes 1518 über die geringen Gewinne aus dem Guineahandel.41 Im selben Jahr hob der portugiesische König alle Privilegien und Monopole im Guineahandel auf und erklärte diesen als Sache des Königs. Die Lançados wurden aufgefordert, ihre Niederlassungen an den Flüssen Guineas aufzugeben und an den König zu transferieren, was indessen kaum erfolgte. Der Schwarzhandel mit Sklavinnen und Sklaven von der Küste nach den Inseln dauerte offensichtlich an. Der Handel mit der auf den Inseln Santiago und Fogo produzierten Baumwolle ging an die königliche Monopolgesellschaft der «Casa Real». Der König vergab auch später zeitlich beschränkte Handelsmonopole an einzelne Herren, so 1560 und 1566 an António Gonçalves de Gumão bis 1574. Konflikte mit den Kaufleuten von Santiago waren vorprogrammiert. Der Guineahandel lief nun nicht mehr von Guinea nach Santiago und von dort nach Lissabon, sondern vermehrt von Guinea direkt nach Lissabon.
