Geschichte im Blick - Andreas Sanfilippo - E-Book

Geschichte im Blick E-Book

Andreas Sanfilippo

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Beschreibung

Der zweite Band von Geschichte im Blick befasst sich hauptsächlich mit der deutschen Geschichte zwischen 1945 und 1990, nimmt dabei auch den Kalten Krieg in den Blickpunkt, der auf die Politik gegenüber und in der BRD und DDR seinen Einfluss hatte. So werden die folgenden 5 Kapitel im Buch behandelt: - Deutschland zwischen 1945 und 1949 - Der Kalte Krieg 1945-1990/91 - Die Geschichte der BRD 1949-1989 - Die Geschichte der DDR 1949-1989 - Die deutsche Wiedervereinigung 1989-1990 Wie schon der erste Band spricht auch dieser Teil in erster Linie Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe an, die auf der Suche nach einem Überblickswerk oder einem Buch zur Prüfungsvorbereitung sind. Ebenso richtet sich dieses Buch erneut auch an Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer. Aber natürlich steht das Werk auch Geschichtsinteressierten offen.

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Seitenzahl: 200

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Vorwort zur 1. Auflage

Da ist er nun – der 2. Teil ist da. Dieses Mal dreht sich alles um die Zeit nach 1945. Hauptsächlich wird dabei die Geschichte Deutschlands vom Ende des 2. Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung betrachtet, doch geht das 2. Kapitel auf den Kalten Krieg ein, der sich zur gleichen Zeit abspielte und immer wieder auch Einfluss auf die BRD und die DDR hatte.

Wie schon Band 1 richtet sich dieses Buch in erster Linie an Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe, die durch dieses Buch wieder einen Begleiter für ihren Geschichtsunterricht erhalten. Das Buch kann zum Nachschlagen, vertiefendem Lesen oder/und zur Vorbereitung von Klausuren und dem Abitur genutzt werden und bietet alle wesentlichen Informationen, die man wissen sollte (und noch mehr).

Natürlich kann es auch interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Unterrichtsvorbereitung oder generell als Ergänzung zu ihrem Unterrichtsmaterial dienen.

Und wenn man weder Schüler noch Lehrer ist, heißt das nicht, dass das Buch nichts für einen ist. Auch der an den Themen Interessierte wird dieses Buch zu nutzen wissen.

An dieser Stelle sei ein besonderes Dankeschön an Odin Haller gerichtet, der bereits beim ersten Teil beim Korrekturlesen mitgewirkt hat, und auch dieses Mal wieder Teile des Buches gelesen und korrigiert hat.

Bestimmt verstecken sich noch irgendwelche Fehler(chen) im Text. Gerne können diese bei mir ([email protected]) gemeldet werden. Auch Feedback und Kritik werden gerne angenommen.

Noch ein Anmerkung in eigener Sache: Auf meinem YouTube-Channel Latiniculus finden sich zur deutschen Geschichte zwischen 1945 und 1949 sowie zu ein paar wenigen Dingen des Kalten Kriegs auch Videos.

Abschließend wünsche ich allen viel Freude beim Lesen und hoffe, dass das Buch Gefallen findet.

Euer/Ihr Andreas Sanfilippo im September 2020

Inhaltsverzeichnis

Deutschland zwischen 1945 und 1949

1.1 Morgenthau-Plan und Weltkriegskonferenzen 1943-1945

1.2 Die Denazifizierung in den Besatzungszonen

1.3 Die Demontage in den Besatzungszonen

1.4 Heimatvertriebene

1.5 Der Weg zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD)

1.6 Der Weg zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)

Der Kalte Krieg 1945-1990/1

2.1 Der Kalte Krieg bis zum Ende des Koreakriegs 1945-1953

2.2 Vom Ende des Koreakrieges zum Ende der Kubakrise 1953-1962

2.3 Vom Ende der Kubakrise über den Vietnamkrieg zur KSZE-Schlussakte 1962-1975

2.4 Die letzte Phase des Kalten Krieges 1975-1990/1

Die Geschichte der BRD 1949-1989

3.1 Die BRD unter Bundeskanzler Konrad Adenauer 1949-1963

3.2 Die BRD unter Bundeskanzler Ludwig Erhard 1963-1966

3.3 Die BRD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 1966-1969

3.4 Die BRD unter Bundeskanzler Willy Brandt 1969-1974

3.5 Die BRD unter Bundeskanzler Helmut Schmidt 1974-1982

3.6 Die BRD unter Bundeskanzler Helmut Kohl bis 1989

Die Geschichte der DDR 1949-1989

4.1 Die Verfassung von 1949, Organisation der SED und die erste Volkskammerwahl 1950

4.2 Die ersten Jahre der DDR und der Volksaufstand vom 17.06.1953

4.3 Vom Volksaufstand vom 17.06.1953 zum Bau der Mauer im August 1961

4.4 Vom Bau der Mauer zum Sturz Ulbrichts 1961-1971

4.5 Die DDR unter Honecker in den 70er-Jahren (1971-1980)

4.6 Die DDR in den 80er-Jahren bis zum Ende Honeckers (1980-Okt. 1989)

Die deutsche Wiedervereinigung 1989-1990

1 Deutschland zwischen 1945 und 1949

1.1 Morgenthau-Plan und Weltkriegskonferenzen 1943-1945

Nicht erst mit der deutschen Kapitulation am 08.05.1945 stellte sich den Alliierten die Frage, was aus dem Deutschen Reich nach dem Zweiten Weltkrieg werden sollte. Vielmehr diskutierten die USA, das Vereinigte Königreich und die Sowjetunion schon während des Krieges darüber.

Auf der Konferenz von Teheran (28.11.-01.12.1943) beispielsweise wurden erste Ideen genannt. In Teheran trafen sich einst der britische Premierminister Winston Churchill, der amtierende US-Präsident Franklin Delano Roosevelt sowie der Staatschef der Sowjetunion Josef Stalin. Ohne dass konkrete Beschlüsse und Pläne bezüglich eines deutschen Staates nach dem Krieg gefasst worden sind, bevorzugte Churchill ein in zwei Teile zerteiltes Deutschland – einen Nordstaat mit den Gebieten, die Preußen etwa im 19. Jhdt. besaß, und einen Südstaat mit Baden-Württemberg, Bayern, der Pfalz sowie Österreich und Ungarn. Roosevelt auf der anderen Seite bevorzugte ein in mehr Teilstaaten aufgeteiltes Deutschland (insgesamt fünf Staaten1). Zugleich sollten der Westen um das Ruhrgebiet, das Saarland sowie die Städte Hamburg und Kiel zu internationalen Zonen werden, damit Deutschland wichtige industrielle Zentren verliere. Roosevelts Idee wurde von Stalin unterstützt.

Dies waren aber nur erste Ideen, die letztlich nicht umgesetzt wurden. Tatsächlich war einer der besprochenen Hauptpunkte das Einrichten einer weiteren Front gegen das Deutsche Reich im Westen durch die USA und das Vereinigte Königreich. Zugleich wurde unter Vorbehalt einer Westverschiebung der sowjetischen Grenzen zur sogenannten Curzon-Linie zugestimmt, womit auch eine Westverschiebung Polens angedacht wurde. Die Curzon-Linie entsprach im Wesentlichen der Teilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion im Hitler-Stalin-Pakt.

Wie dem auch sei: Noch war der Krieg gegen das nationalsozialistische deutsche Reich nicht beendet und im Laufe der Zeit entwickelten sich andere Ideen über das Nachkriegsdeutschland. Durchaus berühmt geworden, aber nie weiter umgesetzt, ist der Morgenthau-Plan. Er wurde im August 1944 vom US-Außenminister Henry Morgenthau entwickelt. In insgesamt 14 Punkten formulierte er seine Vorstellung von der deutschen Zukunft. Demzufolge solle Deutschland völlig demilitarisiert werden. Weite Teile des Westens sollen zudem demontiert werden, d. h. die Industrieanlagen sollen abgebaut werden. Deutschland solle in einen Nordstaat und Südstaat aufgeteilt werden, wobei erstens Oberschlesien und Ostpreußen nicht mehr zu Deutschland gehören würden und zweitens der Westen Deutschlands zu einer internationalen Zone werden und damit keinem der beiden deutschen Teilstaaten angehören würde. Zugleich solle das deutsche Gebiet nur noch agrarisch geprägt sein.

Die Idee, aus Deutschland einen bzw. mehrere Agrarstaaten zu machen, fand zunächst auf der 2. Quebec-Konferenz (11.-19.09.1944) bei Roosevelt und Churchill Zustimmung, doch das britische Parlament lehnte dies ab. Zudem wurde der Plan durch eine (oder mehrere) undichte Stelle(n) dem US-amerikanischen Volk mitgeteilt, das davon nichts hielt. So kehrten Roosevelt und Churchill von diesem Vorhaben ab. Sehr wichtig für die Zukunft Deutschlands wurde die Jalta-Konferenz, die zwischen dem 04. und 11.02.1945 stattfand, und zu der erneut Churchill, Roosevelt und Stalin zusammenkamen. Mittlerweile war der Sieg über das Deutsche Reich nur noch Formsache und so drängte sich die Frage nach dem Umgang mit dem besiegten Deutschland auf. Worauf man sich final einigte, war die Schaffung von 4 Besatzungszonen (s. M12). Dazu wurde Frankreich von den USA und dem Vereinigten Königreich in den Rang einer Besatzungsmacht erhoben. Stalin war darüber nicht erfreut, stimmte dem aber unter der Bedingung zu, dass die französische Besatzungszone einzig aus den Besatzungszonen der Briten und der USA gebildet werden würde (was auch letztlich umgesetzt worden ist). Frankreich wurde ebenso in den Alliierten Kontrollrat, der bei allgemeinen Fragen der Besatzungsmächte Entscheidungen treffen sollte, aufgenommen und erhielt einen Teil von Berlin zur Verwaltung. Man beschloss auch eine Demilitarisierung und Denazifizierung Deutschlands, aber in einem Punkt konnte keine Einigung erzielt werden, nämlich in der Frage danach, wie die staatliche Zukunft Deutschlands aussehen solle. Während Stalin eine Zerstückelung in viele Staaten bevorzugte, präferierte Roosevelt die von ihm entwickelte Fünfteilung Deutschlands, Churchill dagegen wollte keine große Zerstückelung, weil er darin ein Unruhepotential erkannte und der Ansicht war, dass die wirtschaftliche Erholung Europas verlangsamt werden würde.

M1 Besatzungszonen Deutschlands nach der Jalta-Konferenz

Einig wurde man sich indes bezüglich der Ostgrenze Polens. In der Tat gewährte man der Sowjetunion eine Erweiterung ihres Staatsgebietes nach Westen im Wesentlichen nach dem Verlauf der Curzon-Linie. Dafür musste allerdings Stalin zustimmen, dass im neuen polnischen Staat nicht nur Kommunisten in der Regierung sein werden, sondern auch die ehemalige polnische Regierung wieder amtieren werde und es zu freien Wahlen kommen werde. Die Westgrenze Polens blieb jedoch ungeklärt. Die Oder-Neiße-Grenze wurde noch nicht beschlossen. Mit diesen Beschlüssen wurde das besiegte Deutsche Reich nach der Kapitulation am 08.05.1945 besetzt. Nichtsdestotrotz war in Sachen Deutschland nicht das letzte Wort gesprochen worden. Vom 17.07. bis zum 02.08.1945 fand die Potsdamer Konferenz statt, an deren Ende bezüglich Deutschlands das Potsdamer Abkommen und bezüglich Japans die Potsdamer Erklärung stehen. Diese Konferenz war die längste der drei Weltkriegskonferenzen, auf denen sich die Staats- und Regierungschefs der USA, des Vereinigten Königreichs und der Sowjetunion trafen. Anders als in Teheran und Jalta war die Besetzung ein wenig anders. In den USA war nach dem Tod von Roosevelt der ehemalige Vizepräsident Harry S. Truman zum Präsidenten erhoben worden. Churchill war nur bis zum 25.07. Konferenzteilnehmer. Durch die Wahlniederlage der Conservatives wurde er durch den neuen Premierminister Clement Atlee (Labour Party) ersetzt. Somit war die einzige Konstante Josef Stalin.

Im Potsdamer Abkommen wurden folgende Beschlüsse gefasst: Es wurde festgehalten, dass die Oberbefehlshaber in den deutschen Besatzungszonen die höchste Regierungsgewalt innehaben sollen. Der Alliierte Kontrollrat fungierte als Beschlussorgan bei allgemeinen Fragen. Gleichzeitig beschloss man für Deutschland die 4D bzw. 5D3. Diese lauten: Denazifizierung (Säuberung von Politik, Presse, Kultur und der Gesetze vom Nationalsozialismus), Demilitarisierung (völliger Abbau der deutschen Armee, Abschaffung der deutschen Rüstungsindustrie), Demokratisierung (Erlaubnis zur Gründung von demokratischen Parteien und Gewerkschaften in den Besatzungszonen), Dezentralisierung (Stärkung des Föderalismus) sowie die nicht direkt genannte Demontage (Abbau von Maschinen und Industrieanlagen). Zugleich stimmten die Konferenzteilnehmer darüber überein, Deutschland als wirtschaftliche Einheit zu sehen und die Wirtschaft in den notwendigen Grenzen zu kontrollieren.

Auch bzgl. der Reparationen gab es Bestimmungen, wenngleich keine konkrete Höhe festgelegt worden ist: Gegenüber der Sowjetunion musste Deutschland territoriale und finanzielle Entschädigungen erbringen. Die USA und das Vereinigte Königreich durften sich Reparationen aus ihren Zonen holen, wie auch die Sowjetunion, die darüber hinaus auch technische Instrumente aus den anderen Besatzungszonen erhalten durfte. Weiterhin beschloss man, Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen und sie somit zur Verantwortung für ihre Taten zu ziehen.

Kontrovers wurde derweil die Ostgrenze Deutschlands bzw. Westgrenze Polens diskutiert. Durch die neue Westgrenze der Sowjetunion wurde eine Westverschiebung Polens nötig, aber unklar war, bis wohin. Stalin forderte die Oder-Neiße-Grenze als neue Westgrenze Polens, was Truman zunächst mit dem Verweis auf den deutschen Charakter der Gebiete ablehnte. Churchill sprach sich lediglich für eine Umsiedlungen von so vielen Deutschen aus den Gebieten östlich der vorgeschlagenen Linie aus, wie Polen durch die neue Grenzziehung im Osten umgesiedelt werden müssten. Die Sowjetunion hatte aber in der Zwischenzeit mit der Vertreibung von Deutschen begonnen, um ihre Zahl zu senken. Am Ende konnte sich Stalin durchsetzen: Die USA und das Vereinigte Königreich stimmten provisorisch doch der vorgeschlagenen Westgrenze zu, wollte aber eine finale Entscheidung erst in einem Friedensvertrag mit Deutschland treffen. Bis dahin solle zumindest eine geordnete Umsiedlung durchgeführt werden. In Wirklichkeit kam es jedoch zu einer Massenflucht und Vertreibung in diesem Gebiet.

Zuletzt sei noch genannt, dass durch das Potsdamer Abkommen ein Rat der Außenminister gebildet werden solle, dessen Aufgabe die Ausarbeitung von Friedensverträgen zur Vorlage bei den Vereinten Nationen war. Zugleich sollte dieser Rat die internationale Nachkriegsordnung definieren. Von Anfang an gab es mit dem Rat Probleme. Die USA und das Vereinigte Königreich nahmen Frankreich und National-China gegen den Willen der Sowjetunion in den Rat auf. In der Folge zeigte sich dieser Rat als kaum handlungsfähig.

Die Konferenz von Potsdam sollte dann auch die letzte Konferenz der drei Staatschefs bleiben. Durch den beginnenden Kalten Krieg änderte sich auch die Bedeutung der Besatzungszonen für die USA und die Sowjetunion. An deren Ende stehen die Gründung der BRD und DDR 1949.

1.2 Die Denazifizierung in den Besatzungszonen

Wie bereits erwähnt, sollte es in den Besatzungszonen zur Denazifizierung kommen. Schon kurz nach der Potsdamer Konferenz wurde mit dem Londoner Statut am 08.08.1945 festgehalten, dass gegen Kriegsverbrecher vorgegangen werden sollte. In der Tat dauerte es nicht lange, bis es zu den berühmt gewordenen Nürnberger Prozessen kam. Diese dauerten vom 20.11.1945 bis zum 14.04.1949 an, umfassten aber verschiedene Prozessphasen. In der ersten Prozessphase bis zum 01.10.1946 hatten sich 24 Angeklagte im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zu stellen. Unter diesen Angeklagten befanden sich der ehemalige Reichsluftfahrtminister Hermann Göring, der ehemalige Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, der ehemalige Vizekanzler Franz von Papen und der ehemalige Oberbefehlshaber der Marine Karl Dönitz, der zudem die letzte Regierung im Dritten Reich nach Hitlers Tod anführte. Am Ende der Prozesse standen 12 Todesurteile, von denen 10 am 16.10.1946 ausgeführt worden sind. Die anderen beiden Todesurteile mussten nicht umgesetzt werden, da Göring tags zuvor Selbstmord begangen hatte und Martin Bormann, von dem man nicht wusste, wo er sich befand, tatsächlich schon tot war (auch hier Suizid; seine Leiche wurde 1972 bei Bauarbeiten entdeckt). Neben den Todesurteilen wurden 3 lebenslange Haftstrafen verhängt. Zwei Angeklagte mussten zudem für 20 Jahre ins Gefängnis, einer für 15 Jahre und ein weiterer für 10 Jahre. In drei Fällen kam es zum Freispruch, in einem wurde das Verfahren aus Gesundheitsgründen eingestellt und ein weiterer Angeklagter beging Suizid.

Während der ersten Prozessphase wurde vom Alliierten Kontrollrat im Januar 1946 die Kontrollratsdirektive Nr. 24 erlassen, durch allgemeine Richtlinien bzgl. der Denazifizierung festgehalten worden sind.

Nennenswert im Zuge der Denazifizierung ist außerdem das am 05.03.1946 in der amerikanischen Besatzung beschlossene Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus. Hiernach musste jeder Bürger über 18 Jahre einen Bogen ausfüllen und angeben, inwieweit er/sie in die NSDAP und die Machenschaften des Nationalsozialismus verwickelt war. Am Ende wurde man in eine der folgenden fünf Gruppen zugeordnet: 1 Hauptschuldiger (= Kriegsverbrecher), 2 Belastete, 3 Minderbelastete, 4 Mitläufer, 5 Entlastete (z. B. Widerstandskämpfer). Je nach Einstufung konnte man strafrechtlich verurteilt werden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass in jeder Besatzungszone die Denazifizierung unterschiedlich stark durchgeführt worden ist. Vor allen Dingen in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ging man sehr stark gegen ehemalige Nationalsozialisten vor, was die folgende Tabelle illustrieren soll4:

bis 1947 verhaftet

davon entlassen

amerikanische Zone

95250

44244

britische Zone

64500

34000

französische Zone

18963

8040

sowjetische Zone

67179

8214

Im Zuge der Denazifizierung verloren zudem in der SBZ rund 500000 Nationalsozialisten ihre Anstellung.5 Dies betraf 80 % aller Richter und mehr als 50 % aller Lehrer.6 Als erste Besatzungszone jedoch erklärte die SBZ mit dem Befehl Nr. 35 im Februar 1948 die Denazifizierung für beendet. Nichtsdestotrotz kam es in der Folge zu weiteren Prozessen und im Zuge der Waldheimer Prozesse 1950 waren noch einmal 3442 Personen angeklagt.7 Hierbei handelte es sich um Personen, die von der Sowjetunion an die DDR ausgeliefert worden waren und die sich aufgrund möglicher nationalsozialistischer Verbrechen zu verantworten hatten. Letztlich kam es zu 3324 Verurteilungen8. 32 Angeklagte erhielten ein Todesurteil9, von denen 24 am 04.11.1950 ausgeführt worden sind.10 Trotz allem gab es auch zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten, die auch in der DDR Karriere gemacht haben, wenn sie der NS-Ideologie abgeschworen hatten.

In den Westzonen flachte die Denazifizierung im Laufe des Jahres 1948 ab und am 13.05.1951 wurde sie von der BRD für beendet erklärt.

1.3 Die Demontage in den Besatzungszonen

In den Besatzungszonen kam es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Demontage. Jede Besatzungsmacht war dabei berechtigt, Industrieanlagen und Maschinen in ihrer Zone abzubauen und in ihr eigenes Land zu überführen. Somit war die Demontage eine Form der Reparationsleistung. Vor allen Dingen die Sowjetunion war an der Demontage interessiert und so verwundert es nicht, dass von allen Besatzungszonen die SBZ am stärksten demontiert worden ist. Zugleich erhielt die Sowjetunion sogar 10 % aller demontierten Anlagen aus den Anderen Zonen.11 Letztlich lag der Wert der demontierten Anlagen im Osten bei 2,6 Mrd. $, während in den Westzonen der Gesamtwert deutlich niedriger bei 0,6 Mrd. $ lag.12 Die starke Demontage in der SBZ wurde durch die (von der SMAD eingesetzte) Deutsche Wirtschaftskommission überwacht, wobei die Wirtschaftskraft in der sowjetischen Besatzungszone durch den Abbau von Anlagen massiv eingeschränkt worden ist. In den Westzonen nahm die Demontage dagegen bald spürbar ab, weil die USA ihre Zone wieder stärken wollte. Gerade auch hinsichtlich des beginnenden Kalten Krieges lag der Gedanke fern, Deutschland ultimativ zu schwächen.

1.4 Heimatvertriebene

Ein Problem, mit dem sich jede Besatzungszone zu befassen hatte, war die große Zahl an Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die im Zuge der Westverschiebung Polens aus ihrer alten Heimat vertrieben worden waren und in einer der vier Besatzungszonen ein neues Zuhause gesucht hatten. Bis zu 14 Mio. Menschen strömten auf diese Weise nach Deutschland.13 Die Vertriebenen verteilten sich dabei wie folgt auf die einzelnen Zonen (Stand: Dezember 1947)14:

Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in Mio.

Anteil an der Gesamtbevölkerung

amerikanische Zone

2,957

17,7 %

britische Zone

3,320

14,5 %

französische Zone

0,060

1,0 %

sowjetische Zone

4,379

24,3 %

Wie sich zeigt, nahmen alle Besatzungsmächte außer Frankreich eine große Zahl an Flüchtlingen auf. Dies machte aber die Versorgungslage nur noch komplizierter. Schon generell war eine Sicherstellung der Nahrungsversorgung schwierig gewesen. Mit den nun Millionen an Flüchtlingen – und es kamen zudem noch Millionen an ehemaligen Kriegsgefangenen zurück – kam es zu einer regelrechten Krise und eisige Winter taten ihr Übriges.

Heimatvertriebene hatten es zudem nicht leicht an ihren neuen Wohnorten. Man ließ nicht nur das alte Leben zurück, sondern musste auch in der neuen Heimat Fuß fassen. Zugleich gab es viele Ressentiments in der heimischen Bevölkerung gegenüber den Neuankömmlingen, die Integration der Neuen war kein Selbstläufer.

1.5 Der Weg zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD)

Auch wenn schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa von den Alliierten überlegt worden war, wie es mit Deutschland nach der bedingungslosen Kapitulation weitergehen solle, war keinesfalls klar gewesen, wann und in welcher Form wieder ein oder mehrere deutsche/r Staat/en entstehen sollte/n. Insofern sind die Gründungen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) erst Produkte aus der Entwicklung der Nachkriegszeit gewesen und nicht schon bei Kriegsende geplant gewesen. In diesem Unterkapitel soll der Weg zur Gründung der BRD dargestellt werden, im folgenden Unterkapitel soll auf die Gründung der DDR geblickt werden.

Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 08.05.1945 war der Krieg in Europa endgültig und offiziell zu Gunsten der Alliierten entschieden. Am 05.06.1945 wurde mit der Berliner Erklärung die Übernahme der obersten Regierungsgewalt durch die Alliierten bekannt gegeben. Für die vier Besatzungszonen wurde ein gemeinsamer Alliierter Kontrollrat geschaffen, der – wie in 1.1 erläutert – allgemeine Fragen zwischen den Zonen klärte, und in Berlin, das in 4 Sektoren aufgeteilt worden ist, wurde als Pendant die Alliierte Kommandantur gebildet. Bis Anfang Juli zogen sich dann die Briten und US-Soldaten, die noch in der SBZ waren, aus der sowjetischen Zone zurück, am 10.07.1945 besetzten die Franzosen das Saarland. Während in der SBZ schon seit dem 10.06.1945 wieder politische Parteien zugelassen worden waren, die demokratisch-antifaschistisch sein mussten, und Anfang Juli Länder gebildet wurden15, dauerte es in den Westzonen ein paar Monate mehr, bis es auch dort zur Demokratisierung kam. Neben der KPD, die die erste Partei im Osten war, und auch im Westen zugelassen worden ist, bildeten sich im Laufe der Zeit die folgenden größtenteils für die BRD bedeutenden Parteien:

Vom 05.-08.10.1945 wurden im Zuge der Wennigser Konferenz die SPD im Westen unter Kurt Schumacher wiedergegründet. Kurt Schumacher war ein Gegner des Marxismus und der KPD und so kam es, dass die SPD im Westen die SPD im Osten nicht anerkannte, die nämlich offen mit der KPD zusammenarbeitete und mit ihr später zwangsvereinigt wurde.

Im liberalen Parteienspektrum entstand am 20.09.1945 die Partei Freier Demokraten (PFD) in Hamburg. Im Januar 1946 kam es zur Wiedergründung der Demokratischen Volkspartei (DVP) im Südwesten Deutschlands. Die erste gesamtdeutsche (d. h. tatsächlich für alle 4 Zonen gebildete) liberale Partei entstand am 17.03.1947 in Rothenburg ob der Tauber und firmierte unter dem Namen Demokratische Partei Deutschlands (DPD). Es kam bald schon zum Zerwürfnis mit der ostdeutschen LDPD (Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands), die Teil der DPD war, und so wurde für die Westzonen die Freie Demokratische Partei (FDP) unter Führung von Theodor Heuss in Heppenheim am 12.12.1948 gegründet.

Was die Christdemokraten betraf, sah es wie folgt aus: Schon vor dem Kriegsende gab es Überlegungen zu einer christdemokratischen Partei und nach dem Kriegsende gab es viele christdemokratische Gruppen, die sich gegründet haben. In Bayern kam es am 08.01.1946 zur Gründung der CSU in Gesamtbayern. (Bereits zuvor gab es CSU-Gründungen in einzelnen Städten und schon vorher gab es christsoziale Bewegungen.) Vorsitzender der CSU war Josef Müller. Für die CDU ist der 22.01.1946 ein bedeutendes Datum. An jenem Tag fusionierten die 8 Landesverbände der britischen Besatzungszone in Herford und wählten Konrad Adenauer zu ihrem Vorsitzenden. Eine Fusion mit den Verbänden in der amerikanischen und französischen Besatzungszone wurde allerdings von den dortigen Machthabern untersagt. Somit konnte sich die CDU als einheitliche Bundespartei tatsächlich erst nach der Gründung der BRD am 11.05.1950 konstituieren. Der erste Bundesparteitag fand am 21.12.1950 in Goslar statt.

1945-1946 gründeten sich nicht nur Parteien in den Westzonen, sondern – wie auch schon im Juli 1945 in der SBZ – entstanden Länder. Dieser Prozess der Ländergründung verlief aber nicht überall gleichzeitig. Selbst innerhalb der Zonen wurden nicht alle Länder sofort gegründet. Von der Gründung der ersten beiden Länder, nämlich Hessen und Württemberg-Baden, am 19.09.1945 in der US-Zone bis zur Gründung des letzten Landes Württemberg-Hohenzollern am 18.07.1947 vergingen knapp 22 Monate.

Wie dem auch sei: Hoffnung auf einen deutschen Staat kam durch eine Rede des damaligen US-Außenministers James F. Byrnes am 06.09.1946 in Stuttgart auf. In dieser so bezeichneten „Rede der Hoffnung“ führte er aus, dass die USA letztlich daran interessiert seien, dass eine deutsche Regierung eine Verfassung ausarbeiten solle – allerdings dauerte es noch länger, bis es zur ersten deutschen Nachkriegsregierung kommen sollte.

Die Hoffnung jedoch war da, und am 02.12.1946 unterzeichneten Byrnes und sein britischer Amtskollege Ernest Bevin in New York ein Dokument, mit dem zum 01.01.1947 die Bizone geschaffen worden ist. Die USA und das Vereinigte Königreich vereinigten ihre Zonen also in wirtschaftlicher Hinsicht, was für beide vorteilhaft war (in der britischen Zone lag das Ruhrgebiet, in der amerikanischen befanden sich viele landwirtschaftliche Betriebe und das weiterführende Gewerbe). Die Franzosen und die Sowjetunion schlossen sich aber nicht der Bizone an.

In der Bizone wurde zum 27.05.1947 der 1. Wirtschaftsrat gebildet, in dem sich 52 Mitglieder aus den Landesregierungen befanden und der von 5 Direktoren (3 CSU, 2 CDU) angeführt worden ist. Das Ziel des Wirtschaftsrates war es, die Versorgungslage zu verbessern und die Versorgung insgesamt zu koordinieren. Daran scheiterte der Rat – auch aufgrund einer Hungerkrise 1947-48. Er löste sich im Februar 1948 auf, doch wurde ein 2. Wirtschaftsrat mit 104 Mitgliedern am 10.03.1948 ins Leben gerufen (5 der 6 Direktoren stammten von der CDU/CSU, der sechste Direktor Ludwig Erhard war offiziell parteilos). Dieser Rat, der sich erst nach der Gründung der BRD am 07.09.1949 auflöste, war erfolgreicher gewesen. Zudem erhielten die Westzonen durch den Marshall-Plan (offiziell: European Recovery Program) eine große finanzielle Zuwendung, durch die die deutsche Wirtschaft deutlich gefördert wurde.

Zwischen dem 25.11. und dem 15.12.1947 fand derweil die Londoner Außenministerkonferenz statt. Hier wurde die Deutschlandfrage diskutiert und erneut sprachen sich Frankreich und die Sowjetunion gegen eine Zusammenlegung aller Zonen aus. Insbesondere die Differenzen zwischen den USA und der Sowjetunion waren so groß, dass die Konferenz abgebrochen worden ist. Als dann am 23.02.1948 die Londoner Sechsmächtekonferenz begann, die bis zum 02.06.1948 andauerte, wurde die Sowjetunion erst gar nicht eingeladen. Es kam zum Protest der Sowjetunion und der ihr politisch nahe liegenden Staaten und am 20.03.1948 verließ die Sowjetunion offiziell den Alliierten Kontrollrat.

Ein Wort zu den Teilnehmern in London: Neben den USA, dem Vereinigten Königreich und Frankreich waren Vertreter aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden eingeladen. Im Ergebnis kam man dazu, dass die Grundlagen für einen föderalistischen und demokratischen deutschen Staat geschaffen werden sollen, Frankreich stimmte der Bildung der Trizone zum 08.04.1949 zu. Der Sowjetunion teilte man diese Ergebnisse nicht mit.

Am 01.07.1948 wurden den Ministerpräsidenten und Bürgermeistern der Westzonen die Frankfurter Dokumente überreicht. In ihnen wurde den Deutschen erlaubt, eine Verfassungsgebende Versammlung bis zum 01.09.1948 zu bilden. Zudem sollten die Ministerpräsidenten die Grenzen der Bundesländer festlegen. Der Außenhandel und die Außenpolitik sollten aber in der Hand der Alliierten verbleiben.

Die Ministerpräsidenten diskutierten die Frankfurter Dokumente bald darauf auf der Rittersturz-Konferenz (08.-10.07.1948) und erklärten sich bereit, einen deutschen Staat zu gründen. Allerdings wollten sie statt einer Verfassungsgebenden Versammlung einen parlamentarischen Rat bilden und statt einer Verfassung ein Grundgesetz ausarbeiten. Der Parlamentarische Rat kam am 01.09.1948 erstmals zusammen.