Geschichte Portugals - Winfried Kreutzer - E-Book

Geschichte Portugals E-Book

Winfried Kreutzer

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Beschreibung

Portugal kann als einer der ältesten europäischen Staaten gelten: seine Grenzen zu Spanien hin haben sich seit dem 13. Jahrhundert bis heute kaum verändert. Dieser Staat hat seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit immer wieder zu wahren gewusst und gelegentlichen Bestrebungen zu einer pan-iberischen Einigung immer widerstanden. Andererseits hat die Seefahrernation nicht nur ein Kolonialreich erobern können, das heute vollständig in die Selbständigkeit entlassen ist, sie hat auch gerade in Westeuropa immer enge internationale Kontakte gepflegt, besonders mit England und den Niederlanden. Dem maßgeblich die EU mitprägenden Gemeinschaftsmitglied widmet sich diese kurze, gleichwohl umfassende Nationalgeschichte.

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EPUB

Seitenzahl: 247

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Winfried Kreutzer

Geschichte Portugals

Reclam

Alle Rechte vorbehalten

© 2013 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

Umschlaggestaltung: Cornelia Feyll, Friedrich Forssman

Karten: Inka Grebner, Mainz

Gesamtherstellung: Reclam, Ditzingen.

Made in Germany 2013

RECLAM, UNIVERSAL-BIBLIOTHEK und

RECLAMS UNIVERSAL-BIBLIOTHEK sind eingetragene Marken der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN 978-3-15-960394-0

ISBN der Buchausgabe: 978-3-15-019143-9

www.reclam.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die iberische Halbinsel von der Altsteinzeit bis zum 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung

Epochenüberblick

Die Prähistorie

Von den Keltiberern zu den Westgoten

Portugal als Teil des islamischen und christlichen Spanien. Die Reconquista

Epochenüberblick

Al-Andalus – das islamische Spanien

Al-Garb al-Andalus

Die christlichen Königreiche des Nordens im 8. – 15. Jahrhundert

Portugal im Mittelalter: Die Entstehung des portugiesischen Staates und die Dynastie Burgund

Epochenüberblick

Die Staatsgründung, Dom Afonso Henriques und die Reconquista

Strukturen und kulturelle Ausdrucksformen des mittelalterlichen Portugal

Von Dom Dinis bis zum Ende der burgundischen Dynastie und dem Erscheinen der Dynastie von Avis

Die Dynastie Avis und das portugiesische Zeitalter der Entdeckungen

Epochenüberblick

Entdeckungen 1415–1498

Die innenpolitische Situation Portugals

Das portugiesische Reich und seine Expansion 1498–1580

Die Organisation des portugiesischen Machtbereichs

a) Das östliche Reich

b) Die Verbindung mit dem Mutterland

c) Der Indienhandel

Gründe der Übersee-Expansion

Gründe und Folgen des Niedergangs der portugiesischen Macht

Wissen und Ideologie der portugiesischen Entdeckerzeit – eine frühe Aufklärung?

Portugiesische Kartographie der Entdeckerzeit – Seekarten und Weltkarten

Portugal in Personalunion mit Spanien (1580–1640) und der Sebastianismo

Epochenüberblick

Der Anschluss an Spanien

Messianische Zukunftserwartungen: Sebastianismus und Quinto Império

Von der Restauration zum aufgeklärten Absolutismus. Das 17. und 18. Jahrhundert

Epochenüberblick

Von João IV. bis João V. (1640–1750)

Der aufgeklärte Absolutismus Pombals

Die politische und soziale Geschichte Portugals im 19. Jahrhundert bis 1910

Epochenüberblick

Portugal im napoleonischen Krieg

Liberalismus, monarchische Wirren, Kampf um Verfassungen, Entmachtung der Kirche

Von »Regeneration« und Fontismo zum Ende der Monarchie

Die Erste Republik (1910–1926) und der Estado Novo Salazars bis zur Nelkenrevolution (1974)

Epochenüberblick

Die ersten Schritte der Republik, Erfolge und Scheitern

Der Aufstieg Salazars und sein Estado Novo

Portugal nach der Nelkenrevolution

Epochenüberblick

Eine Phase des Übergangs: 1974–1976

Die Unabhängigkeit der portugiesischen Überseebesitzungen

Die konsolidierte Republik

Karten

Literaturhinweise

Personenregister

Hinweise zur E-Book-Ausgabe

Vorwort

Wenn die moderne Geschichtswissenschaft überwiegend der Überzeugung ist, dass es nicht sinnvoll ist, Nationalgeschichte im engeren Sinn zu schreiben, sondern dass die Historie der Völker, Nationen und Staaten immer nur im größeren Verbund verstanden und dargestellt werden kann, dann gilt dies auch und in besonders differenzierter Form für die Geschichte Portugals von seiner Formierung im Mittelalter an bis in unsere Zeit. Der portugiesische Historiker Pedro Oliveira Martins (1845–1894) hat schon in seiner umfassenden Reflexion über die Geschichte seines Landes die spezifische ›Sendung‹ Portugals innerhalb des iberischen Raums zu definieren versucht. Portugal präsentiert sich einerseits auf verschiedenen Ebenen als Variante einer iberischen Situation und Befindlichkeit, anderseits ist es unter politischer Perspektive wohl der älteste spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts bei kaum veränderten Grenzen existierende Staat Europas, der überdies mit bemerkenswertem Eigensinn seit seinen Anfängen seine Unabhängigkeit und Eigenständigkeit gegenüber seinem größeren Nachbarn Spanien zu wahren wusste. Anders als Spanien, das auf seinem Territorium mehrere Ethnien vereint, ist die Bevölkerung Portugals äußerst homogen. Tendenzen zu einer Vereinigung mit Spanien bzw. Kastilien existierten vor dem 17. Jahrhundert allenfalls in Adelskreisen und später als gedankliches Konzept (Iberismo) unter Intellektuellen, hatten aber angesichts starker Widerstände kaum Aussicht auf politische Wirksamkeit.

Anderseits hat Portugal, obwohl durch Spanien bzw. Kastilien vom Europa jenseits der Pyrenäen abgeschnitten, seit dem Mittelalter ständige Kontakte zu Mittel- und vor allem Westeuropa (besonders England) gepflegt. Soweit dies – trotz des Wirkens der Inquisition – möglich war, ist es auch auf geistigem Gebiet für Einflüsse und geistige Strömungen offen gewesen. Das Zeitalter der Entdeckungen wiederum eröffnete eine weltumspannende Perspektive, die auch nach dem weitgehenden Zerfall des Handels- und Kolonialimperiums in der Selbsteinschätzung der Portugiesen erhalten blieb. Im 20. Jahrhundert, nach der Beseitigung der Diktatur, wandte sich Portugal entschlossen Europa und der europäischen Gemeinschaft zu.

Eine Darstellung der Geschichte Portugals muss natürlich in den Anfängen, in denen noch kaum eine wie auch immer geartete »Lusitanität« greifbar wird, das entscheidende historische Moment der Romanisierung der iberischen Halbinsel, die sich auch und vor allem über das Christentum an Europa ›anschloss‹, notieren. Ein nicht weniger zu berücksichtigender und zu wägender Faktor ist die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Kulturbereich des Islam, der ihr eine bemerkenswerte kulturelle Entwicklung bescherte, aber auch die Formierung christlicher Staaten im Norden der iberischen Halbinsel und die von ihnen ausgehende Reconquista des Landes. Im Rahmen dieses Geschehens bildet sich der portugiesische Staat, der unter seinen mittelalterlichen Königen die Reconquista weitgehend eigenständig vorantreibt und sie eher als das benachbarte Kastilien beendet. Es ist weiter zu bemerken, dass in der Selbstreflexion Portugals, vor allem in der Frage nach seiner Lusitanität, die Auseinandersetzung mit der islamischen Vergangenheit bei weitem nicht das gleiche Gewicht hat wie in der Geschichtsreflexion Spaniens, wo etwa namhafte Historiker wie Américo Castro und Cláudio Sánchez Albornoz Extrempositionen markieren konnten, sei es, dass das muslimische Spanien als entscheidend prägender Faktor der Hispanität postuliert wird, sei es, dass es letztlich als Episode ohne tieferen Einfluss auf den Charakter des Landes gesehen wird. Möglicherweise war das Nebeneinander von Islam und Christentum auf dem Gebiet des späteren Portugal weniger konflikthaft als weiter östlich, oder aber die Reflexion über diesen Komplex wird durch die Konzentration auf das ›Problem Kastilien‹ und natürlich auf die epische Geschichte der Entdeckungen in den Hintergrund geschoben. Die Darstellung der portugiesischen Entdeckerzeit und des Aufbaus des überseeischen Machtbereichs muss neben der Chronologie der Einzelereignisse auch eine Analyse der Strukturen und Institutionen, ihrer Funktionen, Leistungen und Schwächen umfassen, und die Frage nach den konkreten Gründen des Scheiterns dieses imposanten politischen Baus zu beantworten versuchen. Ab der Zäsur der sechzigjährigen Verbindung in Personalunion mit Spanien folgt Portugal in großen Zügen den europäischen politischen Strömungen und Entwicklungen. Nicht fehlen sollte schließlich die wenigstens annäherungsweise Erkundung des Selbstverständnisses einer Nation, wie es sich etwa in seinen historischen Mythen kristallisiert.

Umfangreichere Darstellungen der Geschichte Portugals in deutscher Sprache liegen seit gut 150 Jahren vor. Den Anfang macht ein beeindruckendes und in seiner Zeit international anerkanntes Werk, das mit Respekt erwähnt zu werden verdient: Heinrich Schäfers voluminöse fünfbändige Geschichte von Portugal (Hamburg 1836–1854), die vor allem durch ihre Aufmerksamkeit für die Entwicklung der Institutionen des Landes trotz epochebedingter Beschränkungen und eventueller einzelner Irrtümer eine angesichts ihres Erscheinungszeitraums doch erstaunlich moderne und erhellende Perspektive bietet. Unter den einschlägigen Veröffentlichungen des letzten und dieses Jahrhunderts wären die leicht lesbare Geschichte Portugals von Walter G. Armando (Stuttgart u. a., 1966) und die Grundzüge der Geschichte Portugals und seiner Übersee-Provinzen (Darmstadt, 1969) von Ernst Gerhard Jacob, vor allem aber die in weiten Teilen auf der portugiesischen Breve História de Portugal (Lissabon, 1995) von António Henrique Oliveira Marques fußende deutsche Übersetzung Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs (Stuttgart, 2001) zu nennen. Eine konzise Darstellung auch und vor allem der neueren Geschichte Portugals ergibt sich aus den einschlägigen Artikeln des Bandes Portugal heute (1997) von Dietrich Briesemeister und Axel Schönberger.

Das nun hier vorgelegte Bändchen möchte dem Leser eine handliche Darstellung in großen Linien und eine gewisse Deutung und Kommentierung der Geschichte Portugals bis in unsere Tage bieten.

Die iberische Halbinsel von der Altsteinzeit bis zum 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung

Epochenüberblick

Die Anfänge der menschlichen Geschichte auf der iberischen Halbinsel dürften sich in ähnlicher Weise gestaltet haben wie im übrigen Europa. Spezifische Bedingungen mag der iberische Raum freilich dadurch geboten haben, dass hier die Geographie Ost-West-Wanderbewegungen in der Regel eine definitive Grenze setzte; sollte diese doch überwindbar gewesen sein, muss mit Beziehungen zu Nordafrika gerechnet werden. Als erste namentlich benannte Völker erscheinen die schon von den Griechen so benannten Keltiberer als ›Urbevölkerung‹, Phönizier und Griechen, schließlich Karthager als seefahrende Ankömmlinge aus dem Mittelmeerraum und schließlich, entscheidend prägend, die Römer. Spätestens ab dem Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts vollzieht sich ein trotz Widerständen intensiver politischer wie kultureller Durchdringungs- und Organisationsprozess, der spätestens um die Zeitenwende die iberische Halbinsel zu einem vollgültigen und bald bedeutenden Teil des Imperium Romanum macht. Mit den Römern kam das Christentum. Religion und eine auf dem Latein beruhende Sprache werden bleibende Faktoren einer sich formierenden Identität der Iberia werden. Mit dem Niedergang Roms wird die iberische Halbinsel Niederlassungs- oder Durchzugsgebiet germanischer Völker, von denen die Westgoten in teilweise bewusster Anlehnung an römische Herrschaftstradition bis zum zweiten Jahrzehnt des achten Jahrhunderts ein Reich errichten, das zumindest in der Erinnerung des Volkes, aber auch seiner politischen Eliten, seinen faktischen Untergang noch lange überleben wird.

Vor 1,2 Mio. Jahren

älteste Spuren menschlicher Tätigkeit auf der iberischen Halbinsel (Sierra de Atapuerca)

Vor 300.000 Jahren

(möglicherweise) älteste menschliche Spuren in Portugal bei Ribeira da Atalaia (Vila Nova da Barquinha)

18.000 v. Chr.

die Felszeichnungen von Foz Côa

5300 – 2500 v. Chr.

Megalithkultur (Dolmen im Alentejo und in den Tälern des Tejo und Sado)

Um 2000 v. Chr.

Beginn der Einwanderung der Iberer

Um 1200 v. Chr.

Gründung phönizischer Kolonien auf dem Gebiet des heutigen Portugal

Um 900 v. Chr.

Beginn der Einwanderung der Kelten. Vermischung mit den Iberern zu Keltiberern

Um 500 v. Chr.

Karthagische Präsenz in Portugal

Um 450 v. Chr.

Das Land wird von Karthago erobert.

218 – 202 v. Chr.

Zweiter Punischer Krieg: Karthago verliert die Iberische Halbinsel an Rom, das heutige Portugal wird Teil der römischen Provinz Hispania Ulterior.

197 – 179 v. Chr.

Keltiberischer Krieg. Erhebung der Einwohner des Landes gegen die römische Herrschaft. Rom verteidigt seine Provinz mit großer Härte.

150 v. Chr.

Niedermetzelung großer Teile des Stammes der Lusitaner durch die Römer

147 v. Chr.

Viriatus Führer der keltiberischen Lusitaner. Römische Niederlagen bei Baecula (143 v. Chr. und 140 v. Chr.)

139 v. Chr.

Ermordung des Viriatus

133 v. Chr.

Fall von Numantia. Ende des Spanischen Krieges

Ab 60 v. Chr.

Ab Caesar werden letzte Widerstandsaktionen der keltiberischen Stämme gegen Rom gebrochen.

27 v. Chr.

Verwaltungsreform des Kaisers Augustus. Einteilung der iberischen Halbinsel in die Provinzen Betica, Hispania Citerior und Lusitania

280

Verwaltungsreform des Diokletian: Aufteilung der Hispania Citerior in die Provinzen Hispania Cartaginensis und Gallaecia (Gebiet nördlich des Douro im heutigen Portugal und Galizien)

Ab 409

Zerstörung der römischen Provinz durch Alanen, Vandalen und Sueben im Zug der Völkerwanderung

410

Sueben, bekennen sich mehrheitlich zum arianischen Christentum

416

Einwanderung der Westgoten. Sie besiegen oder vertreiben die anderen Einwanderer außer den Sueben.

430–585

Reich der Sueben auf dem Gebiet von Gallaecia, Hauptstadt Bracara Augusta(Braga)

Um 550

Bekehrung der Sueben zum Katholizismus unter König Karriarich

554–620

Gebiet südlich des Tejo unter oströmischer Herrschaft

585

Sieg der Westgoten über die Sueben. Eingliederung ihres Reiches in das Westgotenreich

554–620

Gebiet südlich des Tejo unter oströmischer Herrschaft

587

Der Westgotenkönig Rekkared I. tritt in Braga vom arianischen zum katholischen Christentum über.

654

Lex Visigotorum

711

Maurische Invasion. Tod König Roderichs. Ende des Westgotenreichs

Die Prähistorie

Die ältesten Spuren menschlicher Tätigkeit auf der iberischen Halbinsel – bearbeitete Steine, die in der Sierra de Atapuerca (Provinz Burgos) gefunden wurden – sind ca. 1,2 Millionen Jahre alt. Das Gebiet des heutigen Portugal zeigt für die Altsteinzeit das Vorhandensein all der Kulturen, die auch im übrigen Westeuropa nachgewiesen sind, wobei an die Verbreitung durch Wanderbewegungen aus dem Osten, aber auch Afrika gedacht werden kann. Entsprechende Spuren wurden am Oberlauf des Tejo (Ribeira da Atalaia) und an anderen Orten gefunden. Bemerkenswert sind die in Felswände am Fluss Côa (Distrikt Guarda) geritzten Tierzeichnungen, deren älteste möglicherweise mehr als 25.000 Jahre alt sind. Im Neolithikum (ca. 5300 – 2500 v. Chr.), entwickelt sich, wohl nicht zuletzt im Zusammenhang mit merklicher Erwärmung des Klimas und dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, wie auch in anderen Gegenden Europas, eine Megalithkultur (Dolmen vor allem im Alentejo und in den Tälern des Tejo und Sado). Es erscheinen künstlerische Darstellungen und Hinweise auf die religiösen Vorstellungen dieser »Urportugiesen«.

Von den Keltiberern zu den Westgoten

In der darauffolgenden Bronze- und Eisenzeit treten zum ersten Mal Völkernamen aus der Anonymität der Vorzeit: vor allem die Iberer und die Kelten – letztere dürften das Eisen auf die Iberische Halbinsel gebracht haben –, die sich in einer heute nur schwer bestimmbaren Weise gemischt haben dürften und schon in griechischen Quellen als keltiberoi erscheinen, deren Kultur schon eine gewisse Verfeinerung zeigt und bald Elemente der Kultur der Phönizier, Griechen und Karthager übernimmt, die seit dem zwölften Jahrhundert v. Chr. auf der Suche nach Metallen, Handelsplätzen und Kolonien auf die iberische Halbinsel kamen. Vor allem die Karthager gelangten zu einer gewissen Durchdringung des südlichen Teils der Halbinsel.

Unter den in der Antike bekannten keltiberischen Völkern sehen die Portugiesen spätestens seit Camões mit Vorliebe die Lusitaner als ihre Vorfahren. Wer waren diese Lusitaner? Der römische Autor Strabo nennt sie »das mächtigste der iberischen Völker«. Von relativ hohem Kulturstand, bewohnten sie wohl zunächst die Meseta, dann den Westen der Halbinsel. Sie brachten die Kultur der »Castros« zur Blüte, runder, auf Hügeln erbauter und mit gewaltigen Steinmauern umgebener kleiner Städte oder Lager, die jeweils von einem Clan bewohnt waren (z. B. Citânia de Briteiros). Man betrieb Ackerbau, Viehzucht, kannte rudimentäre Werkmethoden und betrieb Totenkult. Die antiken Quellen zeichnen das Bild eines frugalen, einfachen, dabei sehr kriegerischen und zäh seinem Boden verhafteten Volkes, das auch für die römischen Legionen ein nicht zu unterschätzender Gegner wurde.

Eine entscheidende Richtung erhielt das Schicksal der Iberischen Halbinsel durch die Herrschaft Roms. Mit dem Ende des Zweiten Punischen Krieges (218 – 201 v. Chr.) gelangte Rom in den durch keine äußere Macht mehr bestrittenen Besitz der iberischen Halbinsel, die es nun, von Osten und Süden aus, militärisch und kulturell zu durchdringen begann. Je weiter Rom allerdings nach Westen gelangte, umso erbitterter wurde der Widerstand der keltiberischen Völkerschaften, vor allem der Lusitaner. Länger als eineinhalb Jahrhunderte dauerte die Befriedung des Landes, die erst 19 v. Chr. durch Augustus endgültig abgeschlossen wurde. In diesem Krieg taucht zum ersten Mal der Name eines lusitanischen Führers (147 – 139 v. Chr.) auf, Viriatus, der für die Portugiesen etwa das bedeutet, was den Franzosen Vercingetorix und den Deutschen Arminius war, und der schließlich durch Verrat unterlag.

Lange vor der römischen Eroberung hatte eine intensive zivilisatorische Durchdringung der iberischen Halbinsel durch Rom begonnen. Der Anschluss an das Römische Reich brachte neben den üblichen schmerzhaften Folgen für die Besiegten ihren Eintritt in ein ›weltumspannendes‹ politisches und kulturelles System mit einigermaßen einheitlich und durchschaubar organisierter Verwaltung und Rechtsprechung, gesetzlich geregelten Rechten und Pflichten des Bürgers und einer Sprache, der lateinischen, die sie hinfort für immer an das römische Erbe binden sollte. Ein gut ausgebautes Straßennetz begann das Land zu durchziehen und für das reiche kulturelle Leben sprechen die Namen zahlreicher für die Kultur Roms und des Reiches bedeutender Persönlichkeiten. Neben dem Gouverneurssitz Emerita Augusta, dem heutigen spanischen Mérida, konnten sich Städte wie Béja, Santarém und Braga durchaus mit anderen Zentren des Reiches messen. Reste römischer Bauten sind heute in Portugal allerdings relativ selten; ihre Qualität lassen aber der Dianatempel von Évora und die Ruinen und Mosaiken von Conímbriga ahnen.

Auch das Christentum war im zweiten und dritten Jahrhundert vermutlich mit römischen Legionären ins Land gekommen. Die ersten Zonen der Verbreitung in Portugal dürften Lissabon und der Algarve gewesen sein. Die zunehmende Organisation der Kirche orientierte sich weitgehend an römischen Verwaltungsstrukturen. Trotz Verfolgungen erstarkte das Christentum und sollte, wie in anderen Teilen des Reiches, beim Niedergang der politischen Macht Roms wichtige Kultur- und Ordnungsfunktionen im Land übernehmen. Eine Sonderentwicklung, die vor allem Galizien und den Norden des heutigen Portugal betraf, war die sich seit dem letzten Viertel des vierten Jahrhunderts entwickelnde Bewegung des Priszillianismus, der, zwischen asketischem Reformstreben und manichäischer Heterodoxie schwankend, erhebliche Unruhe in der hispanischen Kirche erzeugte und auch nach dem Konzil von Toledo (400), bei dem der Bischof von Braga, Paternus, der Häresie abschwor, noch bis ins sechste Jahrhundert weiterlebte.

Im Jahre 411 kamen im Zuge der Völkerwanderung große Kontingente von Sueben, Wandalen und Alanen, 416 dann die Westgoten ins Land. Letztere, zum Teil schon romanisiert, vor allem im Süden Frankreichs ansässig (Toulouse) und vom römischen Kaiser als Verbündete gerufen, machten kurzen Prozess mit den Alanen; die Wandalen zogen nach Afrika weiter. Es hielt sich zunächst nur das Reich der Sueben, das sich vom heutigen Galizien südlich bis an den Tejo erstreckte. Seine Hauptstadt war Braga. Dieses suebische Reich bestand fast 180 Jahre. Es geht schließlich im Westgotenreich auf, dessen Könige sich dann als »Könige der Westgoten und der Sueben« bezeichnen. Das Gebiet südlich des Tejo befindet sich zwischen 554 und 620 unter oströmischer Herrschaft.

Das westgotische Reich empfand sich als Fortsetzung oder Nachfolgestaat Roms und seiner imperialen Tradition. In diesem Rahmen ist auch die Aufgabe des ursprünglichen arianischen Bekenntnisses und der Annahme des Katholizismus als allgemeines Bekenntnis (Übertritt Rekkareds zum Katholizismus 589) sowie die Einführung eines einheitlichen Gesetzbuches, der Lex Visigotorum (654), das die nach dem Niedergang der römischen Zentralmacht ausgebrochene Rechtsunsicherheit zumindest tendenziell beendete und Goten wie hispanoromanische Einheimische unter das gleiche Gesetz stellte, zu verstehen. Auch in Sachen Heirat und Wehrdienst waren die beiden Gruppen gleichberechtigt. Neben der westgotischen Wahlmonarchie standen, aus kirchlicher Tradition hervorgegangen und germanischen Gewohnheiten durchaus entsprechend, die concilia, aus Adeligen und Klerikern bestehende Parlamente, die an der Regierung erheblichen Anteil nahmen.

Reste der Kunst dieser Epoche sind noch heute erhalten, vor allem Schmuck wie Kronen, Ringe, Fibeln. In der Architektur der Westgotenzeit mischen sich lateinische, romanische und byzantinische Bauelemente. Kennzeichnend ist der halbrunde Bogen (arco de ferradura). Ein Beispiel für die westgotische Architektur in Portugal ist das Kirchlein S. Frutuoso bei Braga.

Das intellektuelle Leben der Provinz Hispanien lag in den Händen der Kirche. Nachdem sie noch in römischer Zeit gelehrte Männer wie Paulus Orosius (ca. 383–418), den Verfasser der ersten, natürlich heilsgeschichtlich ausgerichteten Weltgeschichte, hervorgebracht hatte, entsprossen ihr weiterhin bedeutende Gelehrte wie Isidor von Sevilla (560–636), Verfasser einer umfangreichen Enzyklopädie zeitgenössischen Wissens (Etymologiae), einer ersten Summa, und auf portugiesischem Territorium der hl. Martin von Braga, Moralist, Theologe, Kirchenrechtler, Übersetzer aus dem Griechischen und geistlicher Führer des Königshofes.

Portugal als Teil des islamischen und christlichen Spanien. Die Reconquista

Epochenüberblick

Als ab 711 arabisch-berberische muslimische Heere nach Spanien übersetzten, in kurzer Zeit das Westgotenreich zerschlugen und sich fast der gesamten Halbinsel bemächtigten und eine neue politische Struktur, Religion und Kultur instituierten, scheint die vorgezeichnete Entwicklung einer christlich-lateinischen Iberia zu ihrem Ende gekommen zu sein. Das nun islamisch beherrschte Spanien unter der Bezeichnung Al-Andalus bestand zunächst als Provinz des Kalifats von Damaskus, war ab 756 ein politisch weitgehend unabhängiges Emirat mit der Hauptstadt Córdoba und von 929 bis 1031 unabhängiges Kalifat, das in der Folge in eine größere Zahl von Kleinkönigreichen und weitgehend selbständigen Herrschaftsgebieten (»Taifas«) zerfiel.

In der Zwischenzeit hatten sich im Norden, vor allem im Cantábrico und in den Pyrenäen, Gebieten, die nie von den Moslems besetzt worden waren, aus noch existierenden Grafschaften und Widerstandsnestern christliche Königreiche formiert (Asturien-León, Navarra, Kastilien, Aragón), die zwar durch fast ständige dynastische Streitereien und Verschiebungen in sich keine einheitliche politische oder militärische Macht darstellten, zeitweilig sogar vom islamischen Al-Andalus mehr oder weniger abhängig waren, aber doch zunehmend Druck auf den islamischen Raum ausübten und ihren Machtbereich militärisch, auch unter Ausnutzung von Konflikten im islamischen Bereich und unter Zuhilfenahme bewusster Bevölkerungs- und Siedlungspolitik, besonders in der Epoche der Taifas, nach Süden ausdehnten (reconquista, Rückeroberung). Spektakuläre Rückschläge, aber auch zwei fundamentalistische Wellen aus Nordafrika (Almoraviden, Almohaden), die die islamische Herrschaft und Rechtgläubigkeit zu festigen suchten und spürbare Einschnitte in der Geschichte von Al-Andalus darstellten, konnten das Vorrücken der christlichen Königreiche (definitiver Wendepunkt 1212 Sieg bei Las Navas de Tolosa) nicht entscheidend hemmen. Die Reconquista kann mit der Eroberung Murcias 1265 durch Kastilien als praktisch abgeschlossen betrachtet werden. Als islamischer Vasallenstaat Kastiliens konnte sich nur das Emirat Granada bis 1492 halten.

Die Diskussion, warum die islamische Herrschaft in Spanien trotz militärischer Erfolge, trotz überlegener materieller Kultur und geistiger Blüte, trotz eines zweifellosen jahrhundertelangen Einflusses dieser Kultur auf das Bewusstsein der hispanoromanischen Bevölkerungsmehrheit, zumindest aber der sozialen Eliten, und einer doch wohl intensiven gegenseitigen Berührung der Gruppen, schließlich scheiterte, ist zum Teil unter ideologischen Vorgaben und äußerst kontrovers lange geführt worden. Entscheidende Gründe waren wohl die Heterogenität, auch unter den Eroberern selbst, die weitgehende demographische Übermacht der Hispanoromanen, die letztliche wie auch immer zu bestimmende Unvereinbarkeit – von Ausnahmen abgesehen – von Islam und etabliertem Christentum, die beide unterschiedliche Welt- und damit politische, soziale etc. Konzepte entwickelten, und das Fehlen eines irgendwie politisch aktiven oder aktivierbaren Einheitsbewusstseins, eines gemeinsamen ›Mythos‹ o.ä. Die Stärke der christlichen Königreiche beruhte zumindest am Anfang wohl nicht zuletzt auf dem jederzeit möglichen Rückgriff auf Unterstützung durch das weite christlich-europäische ›Hinterland‹. In diesem Rahmen formierte sich auch der Staat Portugal.

711–756

Al-Andalus Provinz des Omayaden-Kalifats von Damaskus

718 (722?)

Sieg Don Pelayos bei Covadonga. Beginn der Reconquista

739–757

Alfonso I. Begründer des Reiches Asturien-León

756–929

Al-Andalus weitgehend unabhängiges Emirat. Hauptstadt Córdoba

822–852

Abd-ar-Rahman II. Verwaltungsreform

866–910

Alfonso III. von Asturien-León. Konsolidierung der Duero-Grenze

866

Eroberung Coimbras

912–961

Abd-ar-Rahman III. Endgültiger Bruch mit Damaskus 929. Annahme des Kalifen-Titels

929–1031

Kalifat von Córdoba

931–951

Ramiro II. von Asturien-León. Sieg über Abd-ar-Rahman III. bei Simancas 939

978–1002

Almanzor, hachib (erster Minister) unter dem Kalifen Hischam II., Vordringen mit erfolgreichen militärischen Einfällen bis in die Kernzonen christlicher Gebiete

943

Erster Versuch der Abtrennung Kastiliens von Asturien durch Rebellion des Conde Fernán González

1005–1035

Sancho III. von Navarra. Glanzepoche des Königreichs Navarra

1029

Vorübergehender Anschluss Kastiliens an Navarra (bis 1035)

Ab 1031

Taifa-Königreiche

1085

Eroberung des Taifa-Königreichs von Toledo durch Alfonso VI.

1086–1147

Al-Andalus Teil des Reiches der Almoraviden (Berberdynastie in Nordafrika)

1086

Niederlage Alfonsos VI. von Kastilien-León bei Zalaca

1104–1134

Alfonso I. von Aragón. Vordringen ins Ebro-Tal

1147

Eroberung Lissabons durch Afonso Henriques und ein Kreuzfahrerheer

1148–1232

Al-Andalus unter der Almohaden-Dynastie. Hauptstadt Sevilla

1195

Niederlage Alfonsos VIII. von Asturien-León bei Alarcos

1212

Entscheidender Sieg einer Allianz christlicher Könige bei Las Navas de Tolosa

1230–1265

Große territoriale Verluste der Moslems

1249

Ende der Reconquista für Portugal

1232–1492

Nasriden-Emirat und Königreich von Granada

Al-Andalus – das islamische Spanien

Das in der historischen Erinnerung der iberischen Halbinsel überwiegend glanzvoll erscheinende und positiv beurteilte, aber de facto offenbar doch von inneren Konflikten und zunehmenden Verfallserscheinungen gezeichnete Reich der Westgoten fand mit dem Einfall islamischer Araber und Berber ein jähes Ende. 711 landeten Tariq Ibn Ziyad und im folgenden Jahr Musa Ibn Nusayr, der muslimische Statthalter Nordafrikas, bei Gibraltar (»Berg des Tariq«). Sie vernichteten in der Schlacht bei Jérez die westgotische Monarchie und bemächtigten sich in wenigen Jahren der iberischen Halbinsel mit Ausnahme eines relativ schmalen Streifens der gebirgigen kantabrischen Küste (Asturien) und der Pyrenäen.

Unter der Bezeichnung Al-Andalus war das eroberte Spanien nunmehr eine Provinz des Omayaden-Kalifats, das sein Zentrum in Damaskus hatte und sich über Nordafrika und den Nahen Osten bis nach Zentralasien erstreckte. Es existieren relativ wenige Dokumente über die ersten vierzig Jahre der islamischen Präsenz in Spanien. Obwohl die neue Herrschaft sich rasch etablierte und auf der Grundlage der westgotischen Strukturen eine Verwaltung aufbaute, deutet doch die Zahl von 23 Gouverneuren, die, zum Teil dem Gouverneur von Kairouan (Tunis) unterstellt, bis 756 das Land verwalteten, auf eine gewisse politische Bewegtheit hin, die aber wohl im wesentlichen auf Konflikte innerhalb der neuen herrschenden Klasse und weniger auf Widerstand der beherrschten Hispanoromanen und Westgoten zurückging.

Nach 750 brach die Herrschaft der Familie Omeya in Damaskus zusammen und nahezu alle ihre Mitglieder wurden ermordet. Ein Überlebender gelangte nach Spanien und errichtete dort, gestützt auf den Legitimitätsanspruch der Omayaden, als Abd-ar-Rahman I. (756–788) seine Herrschaft als praktisch unabhängiges Emirat mit der Hauptstadt Córdoba (756–929). Anerkannt wurde noch die geistliche Autorität des Kalifen.

Unter seinem dritten Nachfolger, Abd-ar-Rahman II. (822–852), brachte eine Verwaltungsreform die absolute Herrschaft des Souveräns auf den Weg, konnte aber immer wieder ausbrechende innere Konflikte, wie die zeitweise Entstehung halb unabhängiger kleiner Herrschaften (z. B. Sevilla, 890) oder Rebellionen in den Marken, weitgehend menschenleeren Gebieten, die der Sicherung dichter besiedelter Zonen dienen sollten (die bedeutendste, als Grenzmark gegen den Norden das Duero-Tal, daneben Marken von Zaragoza und Toledo), nicht verhindern.

Abd-ar-Rahman III. (912–961) bricht endgültig mit Damaskus, wo sich die Dynastie der Abasiden etabliert hatte, und nimmt selbst den Kalifen-Titel an (929). Es beginnt die glanzvollste Epoche von Al-Andalus. Die militärische Überlegenheit über die christlichen Königreiche des Nordens, die sich gebildet und merklich ausgedehnt und Al-Andalus in zunehmendem Maße zugesetzt hatten, wurde wieder hergestellt und machte diese sogar tributpflichtig. Die Glanzzeit setzt sich auch noch fort unter dem Kalifen Hischam II. und seinem ersten Minister (hachib) Almanzor (Muhammed Ibn Abi Amir), der in Córdoba eine Art Diktatur errichtet (978–1002) und durch militärische Einfälle bis in die Kernzonen der christlichen Gebiete vordringt (Barcelona, Santiago de Compostela). Nach seinem Tod begann ein rascher Zerfall des Kalifats durch nur noch schwer beherrschbare innere Konflikte. Der letzte Kalif, Hischam III. (1029–1031), versuchte erfolglos eine Konsolidierung seines Reiches, wurde durch eine Verschwörung entmachtet und eingekerkert, konnte aber fliehen und starb 1036 im Exil in Lérida.

Mit Hischam III. endete das Kalifat von Córdoba; es begann die Zeit der Taifa-Königreiche (1031), zuerst über dreißig, dann zwanzig, die länger bestanden. In ihnen dominierte jeweils eine der ethnischen oder sozialen Gruppen von Al-Andalus. Einige waren beherrscht von Arabern oder zum Islam konvertierten ehemaligen Christen (muladíes, so Sevilla, Zaragoza, Toledo), andere von Berbern (Granada), einige an der levantinischen Küste sogar von ehemaligen slawischen Sklaven oder Soldaten. Die Taifas waren politisch und militärisch schwach, besaßen aber noch weitgehend eine blühende Kultur.

Nach der Eroberung des Taifa-Königreichs von Toledo (1085) durch Alfonso VI., König von León und Kastilien, rief Motamid, der König von Sevilla, eine Berberdynastie der Westsahara (heute Mauretanien), die Almoraviden, zur Hilfe. Diese landeten mit ihren Truppen 1086 und besiegten Alfonso VI. bei Zalaca (1086). Sie annektierten die übrigen Taifas (außer Zaragoza sowie Valencia, wo der Cid saß) und etablierten ihre Herrschaft über das islamische Spanien. Die Almoraviden, an einfache und frugale Lebensweise gewöhnt, errichteten, unterstützt von islamischen Predigern und Rechtsgelehrten, eine Herrschaft strenger bis fanatischer religiöser Observanz (1086–1144) und schufen ein Klima religiöser Intoleranz, die zur Auswanderung vieler Christen (moçárabes genannt) führten. Freilich erlagen auch sie bald den Verlockungen der Kultur und Lebensart von Al-Andalus. Mit dem Niedergang ihrer Herrschaft nahm der Druck der Christen wieder zu.

In Nordafrika hatte sich seit 1121 (Ibn Tumart) eine gegen die Almoraviden gerichtete Bewegung unter der Berberdynastie der Almohaden entwickelt, die ebenso streng und asketisch orientiert war wie einst die Almoraviden, die die Almoraviden-Dynastie erfolgreich bekriegte und sich bis 1160 des gesamten Westens der islamischen Welt bemächtigte. In Al-Andalus übernahmen sie gewissermaßen als zweite fundamentalistische Welle 1148 die Macht (1148–1232). Sie installierten ihre Hauptstadt in Sevilla. Ihre Intoleranz richtete sich diesmal auch gegen die Juden. Viele konvertierten zum Islam, auch nur zum Schein, oder wanderten aus, zum Teil auch in christliche Gebiete. Unter dem Zeichen des Heiligen Kriegs errangen die Almohaden sogar den letzten namhaften Sieg gegen Kastilien unter Alfonso VIII. bei Alarcos 1195. Der schließlich das Schicksal von Al-Andalus entscheidende Gegenschlag durch ein Bündnis aus Kastilien, Aragón und León unter Alfonso VIII. von Kastilien erfolgte spätestens 1212 in der Schlacht von Las Navas de Tolosa (Jaén), von dem sich das muslimische Spanien nicht mehr erholte. Zwischen 1230 und 1265 erlitt es im Süden große Territorialverluste (Córdoba 1236, Sevilla 1248, Cádiz 1261). Es blieb nur noch Granada, das sich unter der Dynastie der Nasriden und in Anerkennung der kastilischen Oberhoheit bis 1492 halten konnte. So umfasst die islamische Präsenz als politische Größe auf der iberischen Halbinsel einen Zeitraum von insgesamt fast acht Jahrhunderten.

Ein wesentliches Problem, das Al-Andalus seit 711 bis zu seinem schließlichen Ende begleitete, war – auch in den Phasen seiner politischen Einheit, dem Emirat (756–929) und dem Kalifat (929–1031) – der heterogene Charakter seiner Ethnien, seiner Religionen und seiner sozialen Strukturen, die auch der Islam offenbar nie zu einer wirklich belastbaren Einheit bringen konnte, zumal dieser selbst sich in Strömungen teilte. Die Randlage von Al-Andalus, d. h. die relativ große Entfernung von den Kerngebieten der islamischen Welt, mag ebenfalls eine Rolle gespielt haben, obwohl die genannte Heterogenität auch dort bestand und zum Teil von dort auf die iberische Halbinsel importiert wurde; im übrigen bestand fast immer eine Verbindung zum Norden Afrikas.

Die demographischen Verhältnisse wie auch die Formen des Nebeneinanders der einzelnen Gruppen waren gewissen Veränderungen unterworfen. Die eigentliche Führungsschicht stellten die muslimischen Araber dar, die die wichtigen Positionen innehatten, aber zahlenmäßig eine Minderheit darstellten, wobei es auch unter ihnen Fraktionen gab (z. B. die Yemeníes und die Quaysíes). Das Gros der Erobererheere und der sich ansiedelnden Moslems waren nordafrikanische Berber, die in einem spürbaren ethnischen Gegensatz zu den Arabern standen und sich in der Regel benachteiligt sahen. Dann waren da natürlich die zum Islam übergetretenen einheimischen Spanier (muladíes), die eine weitere Interessengruppe darstellten. Die arabisch akkulturierten Christen (mozárabes,moçárabes) bildeten zeitweilig, besonders anfangs, wohl die große Masse der Bevölkerung, die als dimmíes zwar höher besteuert waren, aber doch relative Freiheit, auch in der Ausübung ihrer Religion, genossen, soweit das islamische Gesetz diese vorsah. Die Juden wiederum hatten einen eigenen Status.

Die ungeheuren Leistungen der Araber auf zivilisatorischem und kulturellem Gebiet sind so bekannt, dass sie hier nicht näher ausgeführt werden müssen. Schwer durchschaubar ist, wie weit die kulturelle Durchdringung, etwa auf dem flachen Land, tatsächlich stattfand. So setzt etwa die Entwicklung einer leistungsfähigen Kleinlandwirtschaft dank der von den Arabern eingeführten neuen Bewässerungstechniken und der Wassermühlen einen relativ engen Kontakt der ländlichen Bevölkerung mit der fremden Kultur voraus; auf eine nur wenig intensive Durchdringung des ländlichen Raums deuten hingegen die nach dem Verschwinden der westgotischen Grundherrschaft sich in einem möglichen politischen Leerraum selbst organisierenden Dorf- und kleineren Regionalgemeinschaften (conventus publici vicinorum).

Sprachlich ist der arabische Anteil im Spanischen wie im Portugiesischen unübersehbar. Sprachwissenschaftler haben freilich darauf hingewiesen, dass sich der sprachliche Einfluss auf das Vokabular beschränkt (keine nennenswerten Spuren in der Syntax) und dort überwiegend auf genau umgrenzbare fachspezifische Wortfelder. Anderseits lebt die Erinnerung an die Zeit der arabischen Herrschaft in Toponymen (in Portugal »Alfama«, »Mouraria«, »Arco da Medina« etc.), in baulichen Resten (z. B. der Maurenburg von Sintra) und Architekturformen, die zum Teil in nacharabischer Zeit weitergepflegt wurden (arte mudéjar), fort. Volkslegende und Ballade (romance