Geschichten des Ruheständlers Abdef Gilmop - Gero Holl - E-Book

Geschichten des Ruheständlers Abdef Gilmop E-Book

Gero Holl

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8,99 €

Beschreibung

Abdef Gilmop ist seit einigen Jahren im Ruhestand. Lange verheiratet mit Flori, seiner „Liebe auf den ersten Blick“. Als Ehemann, Vater und Großvater berichtet er über Häuslich-Familiäres, die Tücken der Technik, Gesellschaftlich-Wirtschaftliches auf dem Wochenmarkt, im Gasthaus oder Supermarkt, Gesundheitliches in der Mucki-Bude oder beim Arzt und nicht zuletzt Kulturelles in Film, Musical oder auch beim Kirchgang. Und immer stimmen Goethes Faust I und II darauf ein. Ja, sein Ruhestand ist alles andere als langweilig! Dabei kratzt er humorvoll an Stellen, an denen es unsere heutige Gesellschaft juckt - manchmal mit Lokalkolorit und stets leicht satirisch gewürzt. Perfekte Lektüre für Ruheständler zur Selbsterkenntnis oder auch zum Aufbegehren ebenso wie für solche, die erst auf dem Sprung in diesen Stand sind. Ein Büchlein mit bunten Facetten, das nicht zuletzt zeigt, dass Goethes Fäuste bis heute alltagstauglich sind, zumindest in Worten!

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Seitenzahl: 88

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Zusammenfassung

Der Weg zu Adonis

Radlerehrgeiz

Leberkäs mit Eins, Zwei, Drei

Ein schöner Darm

Stimmt was mit den Ohren nicht?

Eier und Co

Aldimanie und ähnliche Krankheiten

Irrung Parkhaus

Erste Kochschritte

Der Tropfen an der Flasche

Enkeln

Opa, kannst du geschwind …?

Die Sprechblase Blobb

Freibadspaß

Wanderers Lohn

Musical aufs Ohr

Popcornige Filmstille

Kaffeefahrt mit Hauptpreis

Haarschnitt ökonomisch

TÜV, eine Herausforderung

Bahn fahren, kein Problem

Oh heiliger Kirchgang

Handyritis und „Ei“phonitis

Was ist „PC“?

Eine AKW, bitte

Benutzte Literatur

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2016 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-95840-141-9

ISBN e-book: 978-3-95840-142-6

Lektorat: Marianne Günther

Umschlagfoto: Gero Holl

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag

Innenabbildungen: Gero Holl (6)

www.novumverlag.com

Zusammenfassung

In seiner Geburtsurkunde stehtAbcdef Ghijklmnop, amtlich. Doch er schreibt sich wie gesprochen, einfach ohne ein paar stumme Konsonanten:Abdef Gilmop. Besser alsAdolf HilteroderKarl Narx, meint Abdefs Wortschöpfer.

Häuslich Familiäres mit seiner Frau Flori oder seinen Enkeln, Technisches mit Herd, PC oder TÜV, Gesellschaftlich-Wirtschaftliches auf dem Wochenmarkt, im Gasthaus oder dem Supermarkt, Gesundheitliches in der Mucki-Bude, im Freibad oder beim Arzt und nicht zuletzt Kulturelles in Film, Musical oder auch beim Kirchgang sind dieArbeitsfelderdes Ruheständlers Abdef Gilmop.

Dabei wird humorig an Stellen gekratzt, wo es unsere Gesellschaft juckt. Manchmal etwas lokal coloriert. Alles leicht satirisch gewürzt und für den Einen oder Anderen vielleicht bedenkens- oder erbosenswert. Für den Schon-Ruheständler wie für den, der auf dem Sprung dazu ist.

Ein Buch gegen die Krimi-Verseuchung und tiefenpsychologische Verbohrung. Damit jedoch der literarischeTiefgangerhalten bleibt, leitet jedes Erlebnis Abdef Gilmops unser deutscher Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe ein. SeineFäuste I und IItreffen auch heute noch.

Der Weg zu Adonis

„Er sprach: ‚So ist man recht gesinnt!

Wer überwindet, der gewinnt!‘“

J. W. v. Goethe, Faust I

Spätestens nach seinem letzten Arbeitstag fragt sich Abdef Gilmop als verantwortungsbewusster Neuruheständler: wie fit bin ich? Bisher war ihm das nicht wichtig. Das Motto aller IgnorantenSport ist Mordsorgte dafür. Der Blick in den Spiegel, nackt oder mit Hose, offenbart jedoch zuverlässig seinen frohwüchsigen Leib und damit den wahrscheinlichen Fitnesszustand. Die Gürtelschnalle ist von vorne nicht mehr als solche erkennbar. Der schwabbelige Überwurf verdeckt sie. Da nützt auch der Body-Maß-Index BMI nichts mehr. Sein Leibesumfang, über dem Bauchnabel gemessen, geht forsch auf die 120 Zentimeter zu, statt sich an die 94 zu halten. Sein flotter Gang in den zweiten Stock zum Büro bewirkt kurze, hektische Atmung, galoppierenden Puls, stolpernden Herzrhythmus und kochroten Kopf. Noch eine halbe Stunde später am Schreibtisch zucken und krampfen die Waden. Es ist schon toll, die völlig sinnlose Arbeit, das unkoordinierte Spiel dieser Muskelpartien zu beobachten. Aber irgendwie auch beunruhigend. „Wenn das nur nicht meine Waden wären!“, stöhnt Abdef.

Doch das sind wichtige diagnostische Hilfen für seinen Medizinmann Dr. Victor Freudvoll. Sein Rat: ab zur kontrollierten Stärkung der vernachlässigten und brachliegenden Körperteile und Organe. Eigentlich alles bei Abdef Gilmop, vom Kopf abwärts. Ausgenommen seine Unterarme mit ihrer Zehn-Finger-Tipp- und Schreibmuskulatur. DerBody-Parcsoll es richten. Diese Institution verspricht: Dank modernster Technik wird dein Körper von oben bis unten restauriert und runderneuert. Spätestens nach zehn Wochen steigst du dann wie Phönix aus der jämmerlichen Hülle und verlässt alsAdonis,von den Blicken aller Frauen verfolgt, den Body-Tempel. Mehr kann man nicht versprechen, oder? –

Abdef wagt sich zu verwandeln und taucht ein in die Sphäre der Frequenzen- und Kalorienfron. Treten, crossern, rudern, stemmen, laufen, beugen, strecken gegen weniger oder mehr äußere und vor allem innere Widerstände. Das alles erzwingen Automaten. Stöhnen, Schweiß, Kalorien sind ihre hör-, riech- und zählbaren Maßstäbe. Arbeiten muss Abdef Gilmop jedoch selbst, und das im Ruhestand. Dabei schwitzt er. Und wie! Nach wenigen Minuten schwimmen ihm die Mineralstoffe pfundweise aus den Poren. Er schmeckt salzig wie ein gepökelter Hering. Beachtet er diesen Mineralstoffverlust nicht, kippt er irgendwann vom Laufband oder dem Ergometer-Radl. Am wenigsten verletzen kann er sich beim Rudern, wegen der Fallhöhe. Nur die exakt berechnete Elektrolytzufuhr bewahrt ihn also vor dem Zusammenbruch. Diesen zu vermeiden, hat Abdef seiner Flori versprochen. Das geht auch. Für fünf Euro extra. Denn der eigene häusliche Saftmix ist parc-politisch nicht erlaubt. Außerdem würde man sich durch die unkontrollierte Zusammensetzung des eigenen Hausgetränkes gesundheitlich gefährden. Selbst wenn die Apfelschorle nur von mäßig oder nicht gespritztem Streuobst stammt.

Geschlaucht, aber tröstlich für Abdef ist das gemeinschaftliche verbissene Leiden um ihn herum. Es ist das gesammelte Leiden der 80 Prozent Ruheständler im Body-Parc. Auch Frauen lassen sich von dieser Quälerei nicht abhalten. „Vielleicht isterja schon fit und kocht heute!?“ –, denkt sich wohl manche Sportsmaus. Um von der Kasteinis abzulenken, läuft von der ersten Minute an der Fernseher. Wie könnte Abdef beim Anblick des Strandlebens von Bay Watch vorzeitig aufgeben und vom Gerät steigen, auch wenn das Filmchen noch so gealtert ist? Er stemmt und strampelt eisern, bis der Wecker das Arbeitsende signalisiert oder das Busenwunder vom Strand mit der blauen Flagge den aberwitzigen, abgesoffenen Einfach-Los-Schwimmer erfolgreich wiederbelebt hat.

EinfertigerAbdef Gilmop duscht und beginnt seinen Körper als etwas Veränderbares zu begreifen. Leider ist er einNachschwitzer. So wird seine Schlappheit auf dem Heimweg buchstäblich ertränkt. Er halluziniert vom kühlen Hefeweizen, seinem Lieblingsbier, und einem saftigen Schweinebraten mit Pommes und Salat. Er kann doch die vielen Kaloriechen nicht einfach den Automaten überlassen, oder? Schließlich ist er als Ruheständler auch noch Mensch und hat Anspruch auf ein bisschen Lebensqualität. Aber, seine Flori lenkt den Abtrünnigen zu Hause wieder auf den Weg der Fitnesstugend: Es gibt vegetarische Maultaschen in der Brühe – und kein einziges Fettauge blinzelt ihm zu.

Radlerehrgeiz

„Was bin ich denn, wenn es nicht möglich ist,

Der Menschheit Krone zu erringen,

Nach der sich alle Sinne dringen?

Du bist am Ende – was du bist!“

J. W. v. Goethe, Faust I

Abdef trifft Rudi im Einkaufszentrum. „So, auch Eier auf dem Zettel!“ „Klar, man muss doch ein wenigDampfmachen in unserem Stand, oder?“ Abdef: „Ja, wie bei der Tour de France. Wenn da einer von 20 auf 100 explodiert und die Konkurrenz am Mont Ventoux stehen lässt, dann ist doch was faul! Dann hat der garantiert gedopt. Mit Blut oder Epo oder so. Rudi: „Bier-Doping wäre mit lieber!“ „Ach was, Alkohol macht schlapp. Das hat schon vor Jahren ein renommierter Fußballtrainer seinen Jungs eingehämmert. Nein, die Hormone sind’s!“ Abdef klärt Rudi auf. „Ohne Testosteron geht gar nichts. Das ist nämlich ein Hyperhormon, weil es arterhaltend ist. Das ist gut für alles, was der Mensch als Mann und überhaupt braucht. Und der will siegen, normalerweise. Draußen wie drinnen, oder? Du etwa nicht? Sag bloß, du bist ein Looser?“ Rudi: „Ha, ha, Looser!“ Für beide ist die Sachlage klar: Doping ist unfair, unmoralisch und verwerflich. Dazu noch gesundheitsschädlich. Außerdem wird die ganze Solidargemeinschaft, nicht nur die aller Radler, geschädigt und die Krankenkassenbeiträge steigen. Rudi: „Richtig! Deshalb muss mehr kontrolliert und weniger vertraut werden. Auf Unschuldsbezeugungen gebe ich keinen Pfifferling!“ „Gott sei Dank finden die Chemiefuzzies der Fahndersogar heraus, ob das Testosteron dein eigenes oder ob es künstlich ist. Super!“ Rudi: „Fahren wir nächste Woche vom Club aus die 120er Tour?“ „Logisch.“ Er hat Lust dazu – aber die Kondition? Rudi ist schon länger nicht mal 60 Kilometer am Stück geradelt und meint zögerlich: „Vielleicht hole ich mir in der Adler-Apotheke doch mal so ein T-Pflästerchen. Ich kann ja mal mit zwei Quadratzentimetern anfangen, an jedem Oberschenkel. So ein bisschenTestoist für unsereins sicher noch rezeptfrei. Und, meine Emma hat bestimmt auch nichts gegen ein ‚Betthupferl‘ von der Radlerzunft. Man weiß ja nie, was bei uns Ruheständlern alles ins Wanken gerät. Was meinst du, Abdef?“ „Hmmm. Kannst mir ja dann berichten.“ Vielleicht ist es doch auch beim Doping wie bei den Giften: Die Dosis macht’s … Und kanndasSünde sein? –

Leberkäs mit Eins, Zwei, Drei

„Leb mit dem Vieh als Vieh

und acht es nicht für Raub,

Den Acker, den du erntest, selbst zu düngen!

Das ist das beste Mittel, glaub,

Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen!“

J. W. v. Goethe, Faust I

DerGrüne Baum, Mittwochstreff der Ruheständler Abdef, Rudi und Karl zum Skat. Nebenher kritisieren sie so mancherlei. „Einen Leberkäs mit Spiegelei, aber ohne Zwiebeln und mit viel Soße, bitte!“ Für Bedienung Babette, fast im gleichen Alter wie Abdef, kein Problem. Dafür aber für Abdefs Kumpel Karl, dem Ex-Steuerfahnder. Sonderwünsche und Verständnis!? „Bis auf die Zwiebeln hättest du dir eigentlich alles sparen können, dennLeberkäse ist das sowieso nicht! Und der wäre sogarnochungesünder als Fleischkäse! Alle Innereien sind ja nur so vollgestopft mit Nummern und Buchstaben!“ Tatsächlich bezeugt die Speisekarte eine Menge Chemie. Ganz unten rechts. Abdef stutzt. Da steigt schon beim Lesen der Choli-, also Cholesterinspiegel, und der Infarkt klopft an die Herzwand. Meist oben links. Aber, das kann man sich nicht aussuchen. „Wir sind ja beide Staatsbeamte und unser Ziel ist doch klar, oder? – Durchhalten, so lange wie möglich!“, meint Abdef. Beide kommen zum Ergebnis: Solange unser Staat nicht mehr als vier Billionen Euro Schulden macht, reicht es für beider Pensionen allemal. An mehr Defizit will keiner denken. „Du glaubst also, dein Gemischter Salat-Teller wäre gesünder als mein Leberkäs? Also,denmöchte ich nicht essen!“, meint Abdef. Wo der herkommt, wird alles totgespritzt und so zugedüngt, dass die Salatköpfe vor lauter Pestiziden und Nitrat fast platzen!“

Bevor die Küche auf Intervention solcher Menschenschützer diese Naturalien alsGefahrguteinstuft und mangels geeigneten Grünzeugs aushungert, schaltet sich Rudi, der Ex-Rasenpfleger, ein. Umweltschutzbeauftragter und auch Staatsdiener. „Mir reicht ein Viertele Trollinger mit Lemberger vom Albernen Sauhag: super Lage, gedüngt, gespritzt und von der Sonne verwöhnt. Ein bisschen Kupfer ist nämlich gar nicht so schlecht. Das brauchen die Enzyme in uns. Und ohne die ist nix mit Stoffwechsel und so, in den Zellen, vom Kopf bis zu den Füßen! Und das zum Beißen kocht meine Hanni daheim. Die weiß, wo es herkommt und was mir guttut. Das Fleisch oder die Kartoffeln und die Bohnen. Da kann ich mich hundertprozentig darauf verlassen, denn auf meine Pension will sie so schnell nicht verzichten!“ Abdef nickt und denkt an die außergewöhnlichen Kochkünste seiner Flori zu Hause. Kann denn mit so viel Liebe Gekochtes ein tägliches Vergehen sein? Womöglich mit tödlichem Ausgang? Vielleicht sollte er doch auch besser aufökoachten. Aber, ob sich in demSchnitzel natur