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Eier von eigenen glücklichen Hühnern – diesen Traum erfüllte sich die Autorin mit anfangs vier Hennen. Man sagte ihr: „Du musst einfach nur die Eier aus dem Stall holen …“, das klang unkompliziert, selbst für einen Neuling in der Hühnerhaltung. Doch das Landleben mit den Damen gestaltete sich ganz anders als erwartet. Die Hühner sind inzwischen zu Familienmitgliedern geworden, die Eierproduktion steht längst nicht mehr im Vordergrund. Im täglichen Umgang mit den Hühnern versucht die Autorin, ihnen ein adäquater Körnerlieferant zu sein und all ihre Wünsche zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen. Das ist nicht immer so einfach. Doch lesen Sie selbst vom humorvollen Für- und Miteinander mit dem Federvieh.
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2020
Für Oma und Papa – wo auch immer Ihr seid, ich weiß, Ihr lest mit …
Impressum
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-95894-142-7 (Print) / 978-3-95894-143-4 (E-Book)
© Copyright: Omnino Verlag, Berlin / 2020
Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.
E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH
Was vorneweg …
Möge die Macht mit dir sein!
Hasta la vista, Baby!
Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel …
Nobody’s perfect!
Houston, wir haben ein Problem!
Morgen ist auch noch ein Tag!
Yippie-ya-yeah, Schweinebacke!
Ich das nicht haben will so!
Und täglich kräht das Hahnentier
Zurück in die Zukunft? Oder in die Vergangenheit? Oder wohin jetzt?
Es kann nur eine geben!
Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft!
Was vorneweg …
Aufs Huhn gekommen bin ich im Herbst 2018. Ursprünglich geplant waren drei bis vier Hennen, diese Eierproduktion schien mir ausreichend.
Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass diese Miniraptoren so wunderbar eigenwillige und selbstständige Kerlchen sind. Jedes hat seinen eigenen Charakter und der wird auch ausgiebig ausgelebt. Sie haben ihren Tagesablauf, machen gerne hier und da ein Nickerchen (am liebsten vor der Haustür, sodass wir weder rein-noch rauskönnen), sind erfindungsreich, unglaublich verfressen, manche verschmust, andere nicht, zum Teil sehr anhänglich (oder – wie böse Zungen behaupten – einfach nur in ständiger Erwartungshaltung auf Leckereien) und rundherum liebenswert.
Aus den maximal vier Hennen sind mittlerweile neun Hennen und ein Hahn geworden. Meine Hühner haben Namen, sind vollwertige Familienmitglieder und ich möchte unser tägliches Miteinander nicht mehr missen.
Ich hoffe, Ihr habt Spaß an den Hühnergeschichten, ich habe versucht, sie so originalgetreu wie möglich wiederzugeben.
Myriam Hoffmann lebt seit 2018 mit Kind, vier Katern und zehn Hühnern in ihrer Wahlheimat Schleswig-Holstein auf dem Land.
Ähnlichkeiten mit lebenden Hühnern sind durchaus beabsichtigt.
Möge die Macht mit dir sein!
Pippi: „Also los, Mädels, wer macht heute was?“
Horst: „Ähämmm!“
Pippi (die Augen verdrehend): „Mädels und HORST!“
Bärli: „Ich bin mal wieder dran mit Beet umgraben. Das vor der Haustür. Das sieht viel zu ordentlich aus.“
Pippi: „O. k., vergiss die frisch eingepflanzten Christrosen nicht. Alle drei.“
Bärli: „Wird erledigt!“
Freya: „Ich verjage die Spatzen. Und die blöde fette Elster. Die hat schon wieder so geschaut! Die schaut immer so!“
Pippi: „Schauen geht gar nicht!“
Roswitha: „Ich helf dir später dabei! Ich hab Zeit, ich leg heute nicht.“
Pippi: „O. k. Weitere Vorschläge?“
Freya: „Vor der Haustür ist frisch gekehrt und gewischt.“
Pippi: „Wunderbar! Wer hat alles Joghurt gegessen? Freya, Adele, Roswitha?“
Roswitha (hampelnd): „Könnt ich gleich erledigen.“
Freya: „Möge die Macht mit dir sein!“
Pippi: „Sehr gut! Wer versteckt heute seine Eier? Adele?“
Adele: „Mache ich! Hab schon sieben im Nest unter der Stachelbeere und sie finden es nicht.“
Alle kichern.
Horst: „Heute Nacht war bis drei Uhr Licht. Ich könnte dann zur Mittagsschläfchenzeit ordentlich vor dem Schlafzimmerfenster krähen. Und auch einen Beitrag zur Joghurtabteilung leisten.“
Pippi: „Alles klar. Wer fehlt noch? Wer mit seinen Aufgaben fertig ist, bitte zum Gänsestall kommen. Den drehen wir auf links. Nächstes Treffen gegen Mittag im Graben auf der Pferdekoppel! Los geht’s, Mädels!“
Horst: „ÄHÄMM!“
Pippi: „Und HOOORST!“
Hasta la vista, Baby!
Freya: „Besetzt!“
Ich: „Aber ich will doch nur kurz –“
Freya: „Nein!“
Ich: „Aber ich –“
Freya: „NEIN!!!“
Ich trete den Rückzug an. Freya sitzt in einer der drei Legeboxen, genauer gesagt, in DER Legebox. Die linke Box ist tabu, da schläft nachts die Brahmadame Bärli drin. Die in der Mitte muss verseucht sein und nur unter Todesstrafe betretbar. Da hat meines Wissens noch nie ein Huhn irgendetwas drin gemacht. Und nur in der rechten Box ist es erlaubt zu legen. Wenn sie es nicht wieder furchtbar witzig finden, mich unter stacheligen Büschen nach ihren versteckten Eiern suchen zu lassen, dann wird der Reihe nach (manchmal auch zu zweit oder zu dritt aufeinandergestapelt) in dieser Box gelegt.
Unter Freyas missbilligenden Blicken traute ich mich nicht mal, im Stall Ordnung zu machen. Vor dem überdachten Auslauf reche ich noch das verschmähte Gemüse von gestern zusammen, kehre den Weg zum Haus, da kommt Freya endlich raus.
Freya: „Ich hab es schon hundert Mal, ach was, TAUSEND Mal gesagt! WENN ich meinen Erledigungen nachgehe, möchte ich nicht gestört werden. Ich habe hier eine wichtige unaufschiebbare Mission zu erfüllen. Muss ja schließlich alles seine Ordnung haben. Und du? Kommst hereingetrampelt! Ohne jeeeeegliche Rücksicht!“
Ich: „Aber ich wollte doch nur –“
Freya (die Brust gebläht wie ein Kampfhahn): „Ich habe ein prachtvolles Ei gelegt. Das schönste Ei, das je ein Huhn auf dieser Erde gelegt hat. Das Ei aller Eier! Tataaaaaaaaaaaaa!“
Ich: „Gratuliere. Aber echt jetzt, ich wollte –“
Freya schüttelt das Gefieder auf, kackt auf den frisch gekehrten Weg und lässt mich stehen. Ich stelle den Besen weg und gehe ins Haus, wo ich mich daran erinnere, dass ich ja eigentlich Eier holen wollte. Also zurück in den Stall. Beim Griff in die rechte Legebox greife ich in warmes plüschiges Gefieder. Ich bücke mich und schau nach. Platt wie ein Pfannkuchen füllt Bärli die gesamte Box aus. Sie erinnert mich in ihrer Sanftheit immer an ein Hausmütterchen. Fehlen nur die gefältelte Spitzenhaube und die gestärkte weiße Schürze. Immer lieb, bedächtig, leise. Auch jetzt werde ich nur sanft gerügt.
Bärli: „Weißt du, es ist nicht immer einfach, so eine Aufgabe richtig zu erledigen. Ich muss mich da konzentrieren. Ich will es ja richtig machen. Und – mal unter uns – wer hat nicht Angst vor Legedarment-zündung oder Schichteiern? Da könnte ich dir Geschichten erzählen …“
Ich (kleinlaut): „Entschuldigung.“
Bärli: „Nun ja, ein bisschen Rücksichtnahme erwarte ich schon. In zehn Minuten ist Roswitha an der Reihe. Ich stehe unter Druck. Wie soll ich denn so arbeiten?“
Ich (seufzend): „Ich gehe ja schon.“
Bärli (belehrend): „Ich meine ja nur. Du findest es ja auch nicht gut, wenn man dir dabei zuschaut, oder? Findest du das etwa gut?“
Ich: „Aber das hält euch nicht davon ab, euch auf die hintere Veranda auf die Bank zu setzen und ins Badezimmerfenster zu schauen.“
Bärli (entrüstet): „Ich nicht!“
Ich: „Ja, stimmt, du nicht.“
Aber nur, weil sie zu behäbig ist, um auf die Bank-lehne zu flattern, sonst säße sie mit Sicherheit auch bei den anderen. Aber da ich ihre Gefühle nicht verletzen will, weise ich sie nicht darauf hin. Bin ja schon froh, dass Hühner keine Smartphones bedienen können, sonst würde ich mit Sicherheit Fotos von mir im Bad im Internet betrachten können.
Bärli (mich rauswinkend): „So entschuldige mich jetzt bitte, ich hab zu tun. Hasta la vista!“
Also gehe ich ohne Eier wieder ins Haus. Auf dem Weg höre ich die Hühnis noch immer leise vor sich hin brebeln, ich weiß gar nicht, ob sie mitbekommen hat, dass ich nicht mehr da bin. Roswitha kommt mir eiligen Schrittes entgegen.
Ich: „Bärli ist noch nicht fertig.“
Roswitha (im Vorbeieilen): „Das ist ja mal wieder typisch. Hier hält sich kein Huhn an die Regeln. Wofür losen wir das denn jeden Tag aufs Neue aus? Hm? Ich bin jetzt dran! Ich habe mich extra auf den Termin vorbereitet!“
