Geschichtsspuren - Frank Schoof - E-Book

Geschichtsspuren E-Book

Frank Schoof

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Beschreibung

Eine Darstellung der NATO-Einheiten in Borgholzhausen von der Planung der Anlagen bis hin zum heutigen Zustand. Von der Präsenz der niederländischen und amerikanischen Soldaten in Borgholzhausen, über die Friedensmärsche, den Abzug der Truppen und der heutigen Nutzung.

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Seitenzahl: 50

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Widmung

Gewidmet meiner wundervollen Familie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1 Wie kam ich auf die Idee zu diesem Buch?

Borgholzhausen

2.1 Evangelische Pfarrkirche

2.2 Schloss Brincke

2.3 Burg Ravensberg

2.4 Industrie und Handel

Streitkräfte

3.1 Nach dem 2. Weltkrieg

3.1.1 Luftverteidigungsgürtel

3.1.2 120 SQN

3.2 USAAD 509th

Aufbau NIKE-Stellungen

4.1 Bereiche

4.1.1 IFC

4.1.2 LA

4.2 IFC-generell

4.3 LA-generell

Nike Hercules Technik

5.1 Antrieb

5.2 Sprengköpfe

5.2.1 Konventionell

5.2.2 Atomar

5.3 Technische Daten

5.4 Verwendung

NIKE Stellung Borgholzhausen

6.1 IFC-Borgholzhausen

6.2 LA-Borgholzhausen

6.3 Planung

6.4 Wachgebäude (Torhaus)

6.5 Mannschaftsgebäude

6.6 Hundeunterkunft

6.7 Assembly-Gebäude

6.8 Generator Gebäude Mannschaft

6.9 Feuerleitstand

6.10 Warhead-Gebäude

6.11 Schützenlöcher

6.12 Sektion Charly

6.12.1 Generatorgebäude

6.12.2 Schutzbunker

6.12.3 Raketenlagerhalle

6.12.4 Abschussrampe

6.13 Wachgebäude USAAD/Tor Sektionen Alpha/Bravo

6.14 Wachtürme

6.15 Alpha und Bravo Sektion

Kaserne

7.1 Wachgebäude

7.1.1 Luchtmacht Beveiliging

7.2 Bürogebäude

7.3 Custodian Gebäude (USAAD)

7.4 Offiziersgebäude

7.5 Wirtschaftsgebäude

7.6 Unteroffiziersgebäude

7.7 Mannschaftsgebäude

7.8 KFZ-Werkstatt/Kesselhaus

7.9 Tankstelle

7.10 Munition/Lagerung

7.11 H.W. Huson-School

Friedensmarsch

Abzug

9.1 Abzug Atomsprengköpfe

9.2 Wachtürme

Nutzung nach Abzug

10.1 IFC

10.1.1 IFC RSU (Radio Signal Unit)

10.1.2 IFC Abbruch/Manöver

10.2 Kaserne/Schule

10.3 Jugendheim

10.4 LA

Heutiger Zustand

11.1 IFC

11.1.1 Wachgebäudereste

11.1.2 Tor

11.1.3 Schutzbunker

11.1.4 Zufahrt hinter dem Tor

11.1.5 Zufahrt zu dem Radarbereich

11.1.6 Radarbereich (von innen gesehen)

11.1.7 Radarbereich (von außerhalb des Zaunes gesehen)

11.1.8 Hubschrauberlandeplatz

11.1.9 Prüfmast

11.1.10 Rund um das IFC

11.1.11 Generatorgebäude

11.1.12 Plätze (Intercon/HIPAR/Mannschaft)

11.1.13 Fundstücke

11.2 Kaserne

11.3 LA

11.3.1 Wachgebäude/Tor

11.3.2 Mannschaftsgebäude

11.3.3 Auffahrt zu den Sektionen

11.3.4 Sektion Charly Einfahrt

11.3.5 Charly Generatorgebäude

11.3.6 Zuleitungen Charly

11.3.7 Schutzbunker Charly Rückseite

11.3.8 Schutzbunker Charly Abschussrampenseite

11.3.9 Abschussrampe Charly

11.3.10 Raketenhalle Charly Vorderseite

11.3.11 Raketenhalle Charly Rückseite

11.3.12 Straße Richtung Warhead Gebäude

11.3.13 Schützenloch Charly Sektion

11.3.14 Warhead Sektion

11.3.15 Parkplatz/Assembly Gebäude/Feuerleitstand

11.3.16 Generatorgebäude Mannschaftsgebäude/Assembly

11.3.17 Wachtürme

11.3.18 Alpha/Bravo Wachgebäude/Tor

11.3.19 Alpha Sektion Halle und Abschussrampe

11.3.20 Alpha Schutzbunker

11.3.21 Alpha Generatorgebäude

11.3.22 Zuwegung Bravo

11.3.23 Bravo Sektion Generatorgebäude

11.3.24 Bravo Schutzbunker/Wall

11.3.25 Bravo Abschussrampe/Halle

11.3.26 Bravo Scheinwerferkäfige

11.3.27 Bravo Weg zum Tor

11.3.28 Bravo Gebäude neben Tor

Gehört auch dazu

12.1 Sprengschächte

12.2 Strahlung und Umgang mit toxischen Mitteln

12.2.1 Strahlung

12.2.2 Toxische Mittel

Nachwort

Danksagung

Quellenverzeichnis

Frank Schoof, Melle

P. Schräder, Borgholzhausen

S. Ihde, Borgholzhausen

P. Schouten, Haarlem-NL

P. Stipdonk, Borgholzhausen

P. Buch, Bielefeld

B. Breiter, Werther

F. Rappange,Heikant-NL

R. Dorenbos, Culenborg-NL

NMIH, Niederlande

Bundesarchiv, Koblenz

Ed-Thelen, USA

Der Krieg macht mehr böse Menschen, als er deren wegnimmt.

Anitstehnes, ca. 400 v. Chr.

Borgholzhausen und der Kalte Krieg. Einleitende Betrachtungen

von Rolf Westheider. Stadtarchivar Borgholzhausen

Als Ende 1959 in Borgholzhausen erste Kundschafter den Wald auf dem stadtnahen Sundern durchstreiften, um das Gelände hinsichtlich seiner Tauglichkeit für eine NATO-Raketenstellung zu prüfen, ahnte niemand, dass der damals noch etwas verträumte Ort Borgholzhausen mit seiner reizvollen Umgebung zu einem Hotspot des sich verschärfenden Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion werden würde. Nach anfänglicher Unruhe, großen Ängsten und vielen Gerüchten fügte sich der Ort in sein Schicksal, das aufgrund der verteidigungspolitischen Verpflichtungen des noch jungen NATO-Mitglieds Bundesrepublik Deutschland unabwendbar schien. Aber schon bald nach dem Beginn der Bauarbeiten schlug die Verunsicherung in Zustimmung um, schien man doch von einem bislang beispiellosen Konjunkturprogramm zu profitieren, das die bis 1964 aus dem Boden gestampfte militärische Infrastruktur letztlich bedeutete.

Die strategisch exponierte Lage Borgholzhausens in einem Pass des Teutoburger Waldes schien selbst für einen Atomkrieg noch von Bedeutung zu sein. Schon Hermann von Calvelage hatte sie erkannt, als er um 1180 hier die Ravensburg als Stammsitz der späteren Grafschaft Ravensberg erbaute. Seit 1958 hieß die moderne Kampfwaffe Nike Hercules, eine Langstrecken-Luftabwehrrakete, die in den USA in mehr als 25.000 Exemplaren hergestellt wurde. Mit Atomsprengköpfen bestückt, hätte sie im Konfliktfall auch von Borgholzhausen aus sowjetische strategische Atombomber in großen Höhen angreifen sollen – mit der Konsequenz, dass Mitteleuropa nahezu ausgelöscht worden wäre. Die kleine US-Einheit, die die Atombomben bewachte, überließ die Übungseinsätze ihren niederländischen Verbündeten, wohl wissend, dass sich diese einer Strahlenbelastung aussetzen würden, die vielen auf Dauer Gesundheit und Leben kosten sollte.

Solche Szenarien schienen die Menschen vor Ort nicht zu beunruhigen – die Gefahren waren ihnen schlechterdings nicht bewusst. Der strengsten militärischen Geheimhaltung folgten keinerlei Bürgerproteste. Schon gar nicht, als bekannt wurde, dass eine niederländische Einheit die Nike-Hercules-Raketenbasis unterhalten würde. Mit den Familienangehörigen des militärischen Personals wuchs die Kleinstadt um annähernd 800 Personen, Kaufkraft und Wohlstand stiegen spürbar an. Die kulturelle Nähe zu den Angehörigen des Nachbarlandes ließ keinerlei Integrationsprobleme aufkommen. Mehr noch, die Niederländer importierten den Karneval, der dem mehrheitlich protestantischen Borgholzhausen bis dahin fremd war. Freundschaftliche Verbindungen, ein hohes Maß an gemeinsamer Geselligkeit und die anhaltend positiven wirtschaftlichen Impulse führten zu einer uneingeschränkten Akzeptanz des niederländischen Militärs und damit auch ihres Auftrags. Entsprechend groß war das Bedauern, als 1984 die Zeit des Einsatzes der niederländischen 120. Schwadron nach 20 Jahren beendet wurde.

Erst in der Folge des sogenannten NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 flammten mit der sich formierenden Friedensbewegung auch in Borgholzhausen die Proteste gegen ein Wettrüsten auf, das sich wieder zu beschleunigen drohte. Einen ersten Höhepunkt erlebten die Proteste, als am 16. Mai 1981 annähernd 8.000 Menschen in einem vier Kilometer langen Friedensmarsch von Werther nach Borgholzhausen zogen. Begleitet wurden die Bürgerproteste von einem politischen Dauerstreit zwischen dem CDU-Staatssekretär Dr. Otfried Hennig und der SPD-Bundestagsabgeordneten Katrin Fuchs.