Gesichtlesen Face Reading - Eric Standop - E-Book

Gesichtlesen Face Reading E-Book

Eric Standop

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Beschreibung

Je mehr wir uns und andere verstehen, desto fester stehen wir im Leben. Wer in Gesichtern 'lesen' kann, versteht nicht nur das Wesen seiner Mitmenschen besser, sondern kann sogar Hinweise auf körperliche Beschwerden, Krankheit und Mangel entdecken. Eric Standop verbindet in seinem Praxisbuch das chinesische Siang Mien, ein Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Erkennen von Krankheiten in den Gesichtszügen eines Menschen, mit der europäischen Physiognomik, der Persönlichkeitsanalyse mithilfe des Körperbaus und des Antlitzes. Praxisnah und umfassend liefert der bekannte und erfahrene Gesichtsleser einen leicht verständlichen Überblick zum Thema. In zahlreichen Bildern werden die unterschiedlichen körperlichen Merkmale dargestellt und so erläutert, dass jeder Leser rasch von der Theorie zur Anwendung des neuen Wissens übergehen kann.

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Eric Standop

Gesichtlesen

Face Reading

Ich sehe dich – erkenne dich

Persönlichkeit und Charakter

Über den Autor

Eric Standop

Der examinierte Pädagoge begann seine berufliche Laufbahn in der Unterhaltungsbranche als Journalist und Radiomoderator. Schnell gelang ihm der Aufstieg ins höhere Management, und er arbeitete in vielen Unternehmen zuletzt im Bereich Computerspiele in leitenden Funktionen.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere veranlassten ihn Krankheiten und Oberflächlichkeit der Branche dazu, seine Laufbahn abrupt zu beenden.

Er fühlte sich unglücklich, stieg aus und beschäftigte sich zunächst aus persönlichem Interesse mit Ernährungstheorien, Entspannungstechniken und dem Gesichtlesen. Er bereiste die Welt und fand in einem ­alten geduldigen Gesichtlesemeister einen Mentor, der ihm die Gesichtlesetechnik jahrelang lehrte. Durch ihn lernte er, wie sich Gesundheit und Ernährung, aber auch Persönlichkeit und Talente im Gesicht eines ­jeden Menschen erkennen lassen. Dieses Wissen tauschte und komplettierte er auf ­seinen Reisen durch Südamerika und Asien, wo er weitere Gesichtleser traf und bei Meistern ihres Fachs hinzulernte. Seine Kenntnisse­ im Bereich Gesichtlesen vervollständigte er ­dabei um ­Themen wie Liebe und Sexualität, Lebensaufgaben und Schicksal und um das Entschlüsseln der Mimik zum Erkennen des emotionalen Zustandes eines Menschen.

Heute, viele Jahre später, berät Eric Standop­ als Gesichtleser Menschen in Europa und ­Asien. Er gründete die Academy of Face ­Reading und unterrichtet interessierte Menschen aller Berufszweige, jeden Alters und ­jeder Herkunft in sämtlichen Teilaspekten des Gesichtlesens.

Dabei nutzt er die in Europa bekannten Vorgehensweisen ebenso wie das Siang Mien, das chinesische Gesichtlesen. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er in Hongkong und in Thailand, doch auch in ­seiner Praxis in Deutschland und in der Schweiz wirkt der Gesichtleser. Zudem ist er Lehrbeauftragter für Entspannungstechniken an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe.

Termine und Ausbildungen unter:

www.readtheface.com

www.gesicht-lesen.de

www.facebook.com/readtheface

Dieses Buch enthält Verweise zu Webseiten, auf deren Inhalte der Verlag keinen Einfluss hat. Für diese Inhalte wird seitens des Verlags keine Gewähr übernommen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich.

ISBN 978-3-8434-6110-8

Eric Standop:Umschlag: Aileen Roloff, Schirner,Gesichtlesen – Face Readingunter Verwendung von #29423779Persönlichkeit und Charakter(mr.markin), www.fotolia.com© 2012 Schirner Verlag, DarmstadtRedaktion: Barbara Rave, SchirnerZeichnungen im Buch: Lars Eric StandopE-Book-Erstellung: HSB T&M, Altenmünster

www.schirner.com

1. E-Book-Auflage 2014

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks vorbehalten

Inhalt

Über den Autor

Vorwort

Anmerkung zur Neuauflage

Einleitung

Mein Weg zum Gesichtleser

Gesichtlesen in der Geschichte

Theorie

Begriffsdefinitionen

Augen

Sclera

Pupille

Augenfarbe

Augenabstand

Augenposition

Augenbrauen

Augenwimpern

Mund

Größe

Fülle

Proportionen

Mundwinkel

Nase

Größe

Profil

Nasenspitze

Polsterung

Nasenlöcher

Philtrum

Ohren

Härte der Ohren

Ohrengröße

Ohrenposition

Ohrenwinkel

Ohrenränder

Ohrläppchen

Wangen

Wangenpolster

Position der Wangenknochen

Proportionen der Wangen

Grübchen

Kinn

Kinnwölbung

Kinnlänge

Kinnbreite

Kinnform

Kiefer

Stirn

Stirnform

Stirnfalten

Winkel der Stirn

Kontur der Stirn

Haar

Haarstruktur

Haaransatz

Bärte

Zähne

Zustand der Zähne

Form der Zähne

Zahnstand

Zahnfleisch

Körperschmuck

Piercing

Tattoo

Praxis

Verhaltensregeln für Gesichtleser

Anwendung von Wissen

Schluss

Danke

Bildnachweis

Vorwort

Wir alle tun es – und das vermutlich schon seit Anbeginn der Menschheit. Wir tun es unbewusst mit dem Ziel, mehr über uns selbst und­ ­natürlich die anderen zu erfahren. Wir möchten über unsere Mitmenschen mehr wissen, als uns ihre Worte verraten können. Gesichtlesen, Face Reading, Siang Mien, Lectura del rostro – die Technik dazu hat viele Namen. Sie ist eine uralte Kunst, die sich in allen Kulturkreisen, auch in noch so entlegenen Flecken unseres Planeten, herausgebildet hat. Dafür gibt es gute Gründe: Gesichtlesen ist effektiv und unbestechlich. Diese Methode benötigt keine Hilfsmittel, und sie ist unabhängig von Sprache oder Begabungen.

»Dein Gesicht spricht Bände«, sagen wir, wenn unser Gegenüber sich über eine Situation oder einen Umstand gar nicht mehr äußern muss, weil sein Antlitz mehr verrät als der mögliche Inhalt seiner noch unausgesprochenen Worte. Unabhängig von heutiger systematischer, wissenschaftlicher Forschung und empirischen Studien untersuchten die Menschen schon seit Jahrtausenden aufmerksam ihre Umwelt und leiteten aus ihren Beobachtungen Weisheiten und Theorien ab. So festigte sich nach und nach auch das Wissen um das Erkennen der Persönlichkeit, den seelischen Zustand oder die Gesundheit eines Menschen anhand seiner Gesichtsmerkmale. In den Redewendungen und Sprichwörtern vieler Völker finden sich Verweise auf die dabei gewonnenen Erkenntnisse wieder.

Aus dem Gesicht eines Menschen lässt sich viel über seine Persönlichkeit, seinen Charakter und auch seine Geschichte ablesen. Zum Erlernen dieser Möglichkeit, mehr über seine Mitmenschen zu erfahren, soll dieses Buch Ihnen als Unterstützung dienen.

Ein Gesicht liefert uns eine Vielzahl an Informationen. Deshalb steckt viel Wahrheit in dem folgenden Satz, den wir gern zu einem Mitmenschen sagen, wenn er seine Gefühle nicht mehr mit Worten zum ­Ausdruck bringen muss: »Das sieht man dir an.«

Wir müssen nur lernen,­ die ­Hinweise, die ich gern auch als »Vokabeln des Angesichts« bezeichne,­ zu erkennen und zu übersetzen. Dann können wir bald eine weitere Sprache sprechen, eine Sprache, die überall gesprochen wird, die international ist: die Sprache des Gesichts.

Anmerkung zur Neuauflage

Eine Neuauflage ist für jeden Autor immer ein Grund zur Freude, zeigt sie doch, dass sein Anliegen, sein Herzensthema, nicht auf taube Ohren oder »desinteressierte Augen« stößt.

Der Erfolg eines Buches ist eng verknüpft mit seinen Lesern. Diese enge Verbindung darf ich sehr häufig erleben. In vielen Unterhaltungen, Begegnungen auf Messen und Kontakten per Email bin ich den Lesern, und damit den Menschen, noch näher, als es das Gesichtlesen ohnehin schon ermöglicht. Es ist eine Quelle der Inspiration, der Motivation und fortwährender Freude.

Einst wählte mich mein erster Gesichtlesemeister gerade aus diesem Grund als Schüler: »Eric, du wirst Bücher über das Gesichtlesen schrei­ben. Die Menschen dürfen erfahren, welch wunderbares Kommunikationsmittel unser Gesicht doch ist, was es uns alles zu erzählen, vermitteln und mitzuteilen weiß, selbst wenn wir uns nur allzu oft und gerne hinter einer Maske verstecken!«

Es hat Jahre gedauert, bis ich meinem damaligem Versprechen wirklich nachgekommen bin. Und jetzt, da bereits einiges von dem Wissen zu Papier und unter die Menschen gebracht wurde, begeistert mich das rege Interesse.

Auf die Erstausgabe erhielt ich eine Unmenge an Rückmeldungen. Alle waren fast ausnahmslos positiver Art. Doch es kamen noch mehr Fragen auf. Noch mehr Merkmale stießen auf Neugierde. Die Neuauflage trägt ihr ein wenig Rechnung. Sie ist deshalb auch eine erweiterte Auflage. So habe ich fünfzehn weitere Merkmale beschrieben und erklärt. Diese wurden am häufigsten nachgefragt und gerieten deshalb in meinen Fokus. Besonders der Bereich um die Augen schien die Leser noch mehr zu interessieren. Kein Wunder, sind diese doch unser »Tor zur Seele«. Neben den Augen, der Sclera, den Wimpern und Augenbrauen habe ich noch Merkmale der Stirn, ein weiteres Grübchen und zwei neue, oft nachgefragte, Bärte hinzugefügt.

Mir ist klar, dass ich damit nicht den gesamten Wissensdurst der Inte­ressierten zu stillen vermag. Bereits jetzt möchte ich deshalb eine Frage vorab beantworten, die womöglich schnell auftauchen wird: »Sind das nun alle Merkmale zum Thema Persönlichkeit und Charakter, die wir, mithilfe der Physiognomik, kennen? Oder gibt es gar mehr?«

Die Wahrheit ist, es gibt viele weitere. Meine Lehrzeit füllte handgeschriebene Blöcke, die ich in den kommenden Jahren aufbereiten werde. Es soll nichts verborgen bleiben und darf nichts unter den Tisch fallen.

In meinen Ausbildungen erhalten die Schüler Einsicht in die Komplexität, die das Gesichtlesen offenbart. Diese Fülle stellt eine enorme Menge an uraltem Wissen dar. Ein Buch ist natürlich ein begrenzter Raum, der jedoch eine hervorragende Grundlage darstellt. Ein, wenn der Leser so möchte, Reiseführer für ein bisher unbekanntes und fremdsprachiges Land.

Gesichtlesen lernen ist wie Vokabeln »büffeln«. Eine neue Sprache erfordert dies einfach. Selbst wenn Sie alle Vokabeln beherrschen, kann es sein, dass sich die Kombination zweier Begriffe als sehr verwirrend herausstellt. Ich nehme hierzu gerne den Beispielsatz: »Hals über Kopf«. Sie können als fremdsprachiger Mensch die Worte »Hals«, »Kopf« und »über« gelernt haben, dennoch erschließt sich Ihnen der genannte Satz nicht sofort. Ähnlich ist es hin und wieder mit dem Gesichtlesen. Die Kombination verschiedener Merkmale, teilweise auch sich widersprechender, kann durchaus für Verwirrung sorgen. Davon sollte sich aber niemand entmutigen lassen, denn die permanente Übung löst den »Nebel des Unverständnisses« auf.

Wer die älteste Sprache, die ursprünglichste Kommunikationsform der Menschheit lernt, blickt bald hinter diese Wand von Worten und zahllosen Masken, die wir uns überziehen.

Ich bedanke mich für Ihr Interesse am Buch und am Menschen.

Einleitung

Mein Weg zum Gesichtleser

»Du bist also hier der große Meister, der jeden Menschen in- und auswendig kennen will? Na, dann zeige mir doch mal, was du so drauf hast!« Heute noch, so viele Jahre später, höre ich mich selbst diese Worte sprechen. In einem herablassenden Tonfall voller Sarkasmus fordere ich den Mann mit den leicht abgetragenen Kleidern auf, mir seine »Kunst« zu beweisen. Er steht ein wenig verloren an der Bar, doch für ein paar Gläser Bier sagt er überaus bereitwillig, was er im Gesicht eines Menschen sieht. »Ein Face Reader! Was für ein Unsinn!«, denke ich. Dabei habe ich zu diesem Zeitpunkt allen Grund, offener durch die Welt zu gehen. Gerade hat ein zweites Burn-out meine ansehnliche Karriere in der Unterhaltungsindustrie gestoppt, und trotz einer monatelangen Auszeit bin ich gesundheitlich immer noch in einem äußerst bedenklichen Zustand. Die herausfordernde und überhebliche Art des Managers, der über Personal- und Budgetverantwortung verfügt, ist aber immer noch ein Teil von mir. Daran haben auch die Krankheit und die Karrierepause nichts geändert.

Der Face Reader beginnt und erzählt mir über meine Persönlichkeit und meinen Charakter. Ich verbuche seine zutreffenden Aussagen ­unter ­guter Menschenkenntnis. Er spricht über Liebe, Beruf und Berufung. »Reine Zufallstreffer«, finde ich. Zuletzt »liest« er jedoch meine komplette Krankheitsgeschichte aus meinem Gesicht ab, und ich bin sprachlos. Ich habe keine Ausreden mehr. So viele Zufälle in Folge kann es nicht geben. Ich frage mich: »Wie kann das sein? Woher kommt all dieses Wissen? Warum sollte all dies über mich in meinem Gesicht zu lesen sein?«

Jetzt ist mir klar: Irgendetwas Wahres ist dran am Face Reading, dem Gesichtlesen. Ich bin wild entschlossen, dieses Wissen ebenfalls zu ­erlangen und anschließend zu nutzen. Zurück in Deutschland begebe ich mich auf die Suche nach einem Lehrer, mit dem Ziel, möglichst schnell selbst in der Lage zu sein, mein Umfeld genau so prägnant zu analysieren. Mit diesem Wissen – da bin ich mir ganz sicher – erreiche ich meine Ziele noch sehr viel schneller und effektiver. Zu diesem Zeitpunkt denke ich auch bereits an den Nutzen dieses Wissens in der Wirtschaft. Doch: Einen Lehrer dafür zu finden, erweist sich als nicht so einfach.

Mein Weg führt mich zunächst an eine Heilpraktikerschule zu einer Schulung für Ernährungsberatung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits gelernt, dass der Schlüssel zu jeglicher Art von Heilung auch über die Ernährung führt. »Welch bahnbrechende Erkenntnis!«, mache ich mich bereits ein wenig über mich selbst lustig. Doch wiederum hilft mir der »Zufall«, und ich erhalte einen Hinweis zu einem erfahrenen Gesichtlesemeister. Kurz entschlossen fahre ich zu einem anberaumten Treffen. Dort bin ich umgeben von »Pseudo-Spirituellen«, Esoterikern und Naturheilfreunden. Ich ziehe mich zurück und beobachte nur. Selten habe ich so viel Unsinn und Unglaubwürdiges in so kurzer Zeit gehört. Ich bleibe und warte auf die angekündigte Koryphäe. Befremdet lerne ich nach einigen Geduldsproben endlich den Menschen kennen, den ich fortan für Jahre begleiten darf. Ich werde ausgewählt als einer seiner letzten Schüler, bevor er sich mit über 80 – dabei aber 20 Jahre jünger wirkend – zurückziehen möchte. Er feuert meine Leidenschaft für das Gesichtlesen weiter an, füttert mich mit Wissen, aber auch mit Lebenserfahrung und Weisheit. Er fordert mich auf, das Gelernte weiterzutragen, zu lehren und darüber zu schreiben, so, wie es meinen Talenten und Lebensaufgaben entspricht.

Daher beschließe ich nach einiger Zeit, einen völlig neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Zunächst berate ich zaghaft Menschen »nur« in Ernährungs-, Fitness- und Gesundheitsfragen. Doch wo Leidenschaft herrscht, fließt Energie, und so lerne ich auf meinen Reisen nach Südamerika und Asien »zufällig« mehr und mehr Gesichtleser kennen, mit denen ich zu einem gegenseitig befruchtenden Austausch gelange.

In Hongkong schließlich treffe ich auf einen chinesischen Siang Mien-Meister, durch den ich mein Wissen erweitern und um die chinesische Gesichtleselehre komplettieren kann. Eine nahezu vollkommen neue Welt eröffnet sich mir, denn sie erweitert meine Kenntnisse in allen Teildisziplinen des Face Readings. Hinzu kommen völlig neue Aspekte wie die Elementelehre, das Wissen um Chi und um die grundlegende Bedeutung von Energie, Lebensaufgaben und Schicksal – keine leichte Unterrichtseinheit für einen Menschen aus meiner Erfahrungswelt.

Wir »Westler« leben primär in einer materiellen Welt, an einem Ort, den wir verstehen und beherrschen möchten. Worte wie Schicksal­ oder Lebensaufgabe lehnen wir gern ab, veralbern diese oder ­besetzen sie negativ. Die ganze Bedeutung dieser Begriffe erschließt sich uns nur, wenn wir neben unserer materiellen Sichtweise auch dem Unbekannten,­ anfänglich Unerklärbaren, vielleicht Unfassbaren, seinen Raum lassen und wir uns tolerant und neugierig dieser Seite unseres Daseins öffnen.

Worte waren schon immer meine Freunde, meine Brücke zum Fremden. Worte können verbinden, aber auch manipulieren, trennen und zerstören. Worte waren immer Teil meiner Arbeit. Doch ich hatte sie zu oft inhaltslos gehört. Als Gesichtleser erkannte ich schließlich, dass der Zauber eines Lächelns stärker ist als Worte. Dem wortlosen Gesicht entspringt eine große Magie. Es spricht seine eigene, natürliche Sprache.

Spätestens seit ich Gesichtleser bin, sind es meine Passion und mein Ansinnen, hinter den Vorhang, den Nebel der Worte eines jeden Menschen zu schauen, um auf diese Weise das wahre Gesicht eines Menschen zu erblicken, die authentische Seite, ja, vielleicht die Seele zu erkennen, und zu sehen, was wirklich ist.

Gesichtlesen in der Geschichte

Das Gesichtlesen ist wahrscheinlich so alt wie die zivilisierte Menschheit selbst. Die Gesichtlesekunst entwickelte sich vermutlich an vielen ­Orten gleichzeitig. Die verschiedenen Methoden unterscheiden sich heute noch in ihrem thematischen Bezug und in ihrer Herangehensweise. Sie wurden schließlich seit jeher kulturell bedingt unterschiedlich geprägt. Die verschiedensten Techniken und Einsatzgebiete erlebten im Laufe der Geschichte immer wieder Höhen und Tiefen. Dennoch hat sich diese Kunst letztlich bis in die heutige Zeit erhalten. Gesichtlesen fasziniert die Menschen heute noch, sodass es sich auch in unserer modernen Gesellschaft weiter etablieren und entwickeln kann.

Die Wurzeln der Gesichtlesekunst gehen zurück bis ins zweite Jahrtausend vor Christus. Bereits im alten China wurde das Wissen um das Erkennen von Mangel, Krankheit, Persönlichkeit und Schicksal im Gesicht mündlich weitergegeben. Der Begriff »Siang Mien« bedeutet in etwa so viel wie »Gesichter lesen«, und nichts anderes praktizierten die Meister, die dieser Form der Analyse nachgingen.

Ihre teils geheim gehaltenen Kenntnisse ­gaben die Siang Mien-Meister nur mündlich an ihre Schüler weiter. Das uralte Wissen überdauerte dennoch bis in unsere Zeit. So ist das Lesen im Gesicht des Mitmenschen in China noch heute weit verbreitet und ein fester Bestandteil der chinesischen Medizin. Siang Mien dient aber auch als Mittel, um den Charakter und die Persönlichkeit eines anderen Menschen zu ergründen. Schon der große Philosoph Konfuzius (551–479 v. Chr.) war vermutlich mit dieser Lehre vertraut. Von ihm ist diesbezüglich der Ausspruch überliefert: »Ein Kind kann nichts für sein Gesicht, jedoch ist der Erwachsene verantwortlich für seine Erscheinung.«

Es ist anzunehmen, dass neben den Chinesen­ auch andere alte und große Kulturen die Technik des Gesichtlesens nutzten. Hinweise­ darauf finden sich bei den Ägyptern und ­besonders auch bei den Griechen. Einer der bedeutendsten Ärzte der Antike, Hippokrates­ von Kos (460–370 v. Chr.), verfasste diesbezüglich Aufzeichnungen. Unter diesen finden sich unter anderem auch beeindruckende ­Beobachtungen von den Gesichtern ­Sterbender. Die Medizin nutzt dieses Wissen heute noch und bezeichnet die entsprechenden antlitzdiagnostischen Merkmale als ­»Facies Hippocratica«. Ebenso sah Hippokrates aber auch einen Zusammenhang ­zwischen dem Körperbau und dem Charakter eines ­Menschen.