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Viele Menschen, die ihre GFK-Kenntnisse festigen und vertiefen möchten, finden sich mit anderen in Übungsgruppen zusammen. Für solche Gruppen bietet Lucy Leus Buch (mehr als 10.000 verkaufte Exemplare) das notwendige Hintergrundwissen und viele Anregungen und Übungen für die Praxis. In seiner Kapitelstruktur folgt es dem Grundlagenwerk und enthält in der überarbeiteten Auflage auch praktische Anleitungen für das neu hinzugekommene Konfliktlösungskapitel.
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2016
Lucy LeuGewaltfreie Kommunikation: Das 14-Wochen-Übungsprogramm
Lernen Sie gesunde Beziehungen zu gestalten, die Ihr Leben verändern werden
Dieses Übungsbuch bietet Material für einen 14-wöchigen Lehrgang in Gewaltfreier Kommunikation (GFK). Es orientiert sich an Marshall B. Rosenbergs Grundlagenwerk Gewaltfreie Kommunikation. Das Übungsprogramm ist in erster Linie für das Lernen in Gruppen ausgelegt, kann aber auch im Selbststudium erarbeitet werden.
Wie beim Erlernen einer Fremdsprache müssen wir auch beim Erlernen der GFK zunächst gewisse Grundkonzepte begreifen – sozusagen die Grammatik. Diese solide Grundlage macht es uns schließlich möglich, souverän mit der Sprache umzugehen. GFK können wir überall und jederzeit mit jedermann sprechen. Anders als bei einer Fremdsprache braucht man kein Gegenüber, das ebenfalls die GFK beherrscht. Wir können mit unseren Eltern und Kindern üben, mit Mitarbeitern, Vorgesetzten, Freunden, Geliebten, Fremden, sogar mit uns selbst.
„Für alle Praktikerinnen und Praktiker der GFK sehr zu empfehlen.“ – Dr. Georg Singe, www.socialnet.de
Lucy Leu wurde nach einer persönlichen Begegnung mit Marshall B. Rosenberg GFK-Trainerin und war lange Zeit Vorsitzende des Beirats im Center for Nonviolent Communication. Sie hat das Freedom Project initiiert, in dessen Rahmen die GFK an Strafgefangene vermittelt wird, um ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu fördern.www.freedom-project.org
Copyright © der deutschen Ausgabe: Junfermann Verlag, Paderborn 2005
4., überarbeitete und erweiterte Auflage 2016
Translated from the book Nonviolent Communication Companion Workbook 2nd Edition, ISBN 13 / 10: 9781892005298 / 1892005298 by Lucy Leu. Copyright © Fall 2015 PuddleDancer Press, published by PuddleDancer Press. All rights reserved. Used with permission. For further information about Nonviolent Communication (TM) please visit the Center for Nonviolent Communication on the Web at: www.cnvc.org.
Übersetzung: Dr. Michael Dillo, Solothurn
Fachliche Begleitung der Übersetzung: Ingrid Holler, München
Coverfoto: © manu – Fotolia.com
Alle Rechte vorbehalten.
Erscheinungsdatum dieser eBook-Ausgabe: 2016
Satz & Digitalisierung: JUNFERMANN Druck & Service, Paderborn
ISBN der Printausgabe: 978-3-95571-574-8
ISBN dieses E-Books: 978-3-95571-587-8 (EPUB), 978-3-95571-589-2 (PDF), 978-3-95571-588-5 (MOBI).
Dieses Übungsbuch ist so angelegt, dass es in Verbindung mit der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage von Marshall B. Rosenbergs Buch Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens benutzt werden kann. Es beinhaltet einen Lehrgang zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK), der sich über 14 Wochen erstreckt. Es wäre sinnvoll, sich zunächst mit Marshall Rosenbergs Buch vertraut zu machen und dann mit der Bearbeitung dieses Lehrgangs zu beginnen.
In vielen Ländern ist Gewaltfreie Kommunikation unter dem Begriff „Giraffensprache“ allgemein bekannt geworden. Marshall wählte die Giraffe, das Landtier mit dem größten Herzen, als Symbol für die Gewaltfreie Kommunikation. Bei der GFK handelt sich um eine „Sprache“, die Mitgefühl und freudvolle Beziehungen in sämtlichen Bereichen des Lebens fördert. Ihre Größe ermöglicht der Giraffe einen weitreichenden Blick in die Ferne. Sie verfügt damit gleichsam über ein vergrößertes Bewusstsein für Ereignisse, die auf sie zukommen. Vergleichbar bietet uns GFK die Chance, Konsequenzen aus unseren Gedanken, Worten und Taten vorherzusehen. Als eine „Sprache“, die das Ausdrücken von Gefühlen und Bedürfnissen hervorhebt, lädt uns die GFK ein, unsere Verletzlichkeit zu zeigen und diese in Stärke umzuwandeln. Der lange Hals der Giraffe und die damit verbundene Unbeweglichkeit erinnern an die große Bedeutung der „Verletzlichkeit“.
In einigen Ländern verwendete Marshall eine Wolf-Handpuppe, um den Teil in uns zu repräsentieren, der in einer Art und Weise denkt, redet oder handelt, der uns sowohl vom Bewusstsein über unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse als auch über diejenigen von anderen trennt und entfremdet. Das Wort „Giraffe“ wird gelegentlich als Synonym für GFK verwendet. Ebenso kann es sich auf Menschen beziehen, die GFK praktizieren. Um den Zusammenhang von „Giraffe“ und „Wolf“ zu verdeutlichen, kann man sich den Wolf als eine Giraffe vorstellen, die Schwierigkeiten hat, sich verständlich auszudrücken. Diese „Wolfssprache“ macht es für Menschen, die sich darin ausdrücken, sehr schwierig, die Qualität von Verbindung mit anderen Menschen zu erreichen, die sie sich wünschen. Ihr Leben wird dadurch viel weniger „wunderbar“, als es sein könnte. GFK zu praktizieren heißt auch, dass wir unseren inneren „Wolf“ erkennen, ihn in unser Bewusstsein einlassen und uns mit ihm anfreunden. Wir erlauben ihm, uns zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen zu führen. Wenn wir das so einfühlsam und so frei wie möglich von moralischen Urteilen tun, werden wir das Leben auf immer neuen, erfüllenden Wegen erfahren.
Vielen von uns hilft der Gebrauch von Puppen, um diese zwei Teile in uns (oder diese zwei Arten zu denken und zu sprechen) zu unterscheiden. Der Gebrauch von Giraffen- und Wolfspuppen hat sich als eine wirksame Lernhilfe erwiesen, die auf spielerische Art Klarheit in die Einübung und den Gebrauch der GFK bringt.
Hinweis: Der Gebrauch des Bildes bzw. des Begriffs „Giraffe“ durch das Center for Nonviolent Communication steht in keinem Zusammenhang mit dem Giraffen-Projekt, hinter dem eine vollkommen eigenständige Organisation steht, die ihre eigenen Trainings- und Unterrichtsmaterialien anbietet. In einigen Ländern werden von GFK-Trainerinnen und -Trainern anstelle von Giraffe und Wolf auch andere Tiere verwendet. „Giraffensprache“, „Einfühlende Kommunikation“ und „GFK“ werden gleichbedeutend mit „Gewaltfreier Kommunikation“ verwendet.
In früheren Ausgaben dieses Übungsbuchs wurden die Bezeichnungen „Giraffe“ und „Wolf“ durchgehend im ganzen Text verwendet. Weil sich der Gebrauch des Übungsbuchs mittlerweile über die ganze Welt erstreckt und sich die Bedeutungen hinter den beiden Begriffen nicht leicht übersetzen lassen (oder überhaupt nicht übersetzbar sind), wurden diese bildhaften Begriffe im Rest des Buchs durch sinngemäße Wortumschreibungen ersetzt.
Die Aufgaben in diesem Übungsbuch wurden ursprünglich von Menschen, die in Gefangenschaft leben, inspiriert und für sie geschaffen; für Menschen, die von anderen Trainingsmöglichkeiten ausgeschlossen sind und trotzdem den Wunsch haben, GFK hinter Gittern zu erlernen. Später wurden die Aufgaben in ein Übungsbuch eingefügt, um „selbst geleitete“ Übungsgruppen in einem ganz gewöhnlichen Umfeld zu unterstützen. Diese „selbst geleiteten“ Übungsgruppen praktizieren GFK in eigener Verantwortung, ohne Trainer oder feste Gruppenleiterin.
Ich möchte Marshall Rosenberg meine Dankbarkeit dafür ausdrücken, dass er die GFK zum Leben erweckt hat, für seinen Ansporn und sein Vertrauen, die er mir über viele Jahre hinweg geschenkt hat. Für mein persönliches Wachsen als Anwenderin von GFK bin ich insbesondere meinem Sohn Felix, meinem Mann Peter und den „Giraffen“-Freunden vom Puget Sound zu Dank verpflichtet. Sie machen mir das wunderbare Geschenk, in einer Gemeinschaft von „Giraffen“ leben und arbeiten zu können.
Die englische Sprache kennt die Unterscheidung zwischen „Du“ und „Sie“ nicht. Da die Autorin die Leserinnen und Leser immer wieder direkt „anspricht“, bestand die Notwendigkeit, sich bei der Übersetzung der Anrede zwischen „Du“ und „Sie“ zu entscheiden. Bei den Anleitungen und den Übungen in diesem Buch würde die Verwendung des „Sie“ einen irritierenden Bruch zwischen Sprache und Inhalt bedeuten. Außerdem zeigt sich insbesondere in Übungsgruppen immer wieder, dass ein persönlicher Umgangston von den Teilnehmenden gewünscht wird.
Als Übersetzer habe ich mich für die Form des „Du“ entschieden. Ich bitte die Leserinnen und Leser, bei denen diese Form unangenehme Gefühle auslöst, weil vielleicht ihr Bedürfnis nach Respekt nicht zufriedengestellt ist, mir über ihr Unwohlsein zu schreiben (via Junfermann Verlag). Ich werde mich gerne bemühen, gewaltfrei zu antworten.
Im Amerikanischen bzw. Englischen wird oftmals nicht zwischen einer weiblichen und männlichen Form unterschieden. In der nachfolgenden Übersetzung wird die weibliche und die männliche Form in „zufälliger“ Abfolge verwendet, da eine Schreibweise wie z. B. LeiterIn o. Ä. die Lesbarkeit des Textes beeinträchtigen würde.
Dieses Übungsbuch ist so konzipiert, dass es in Verbindung mit der überarbeiteten und erweiterten Neuauflage von Marshall B. Rosenbergs Buch Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens benutzt werden kann. Es ist gedacht für:
Menschen, die sich erstmals mit
Gewaltfreier Kommunikation
befassen und einen umfassenden Leitfaden suchen, um die grundlegenden Ideen der GFK zu erlernen und anwenden zu können, entweder allein oder im Rahmen einer Übungsgruppe. GFK erfordert die Entwicklung und Einübung in neue Denk- und Redegewohnheiten. Wie sehr wir auch immer von den Konzepten der GFK beeindruckt sein mögen, verändern können wir unser Leben nur durch ständiges Üben und Anwenden. Dieser Leitfaden unterstützt die Leserin über 14 Wochen beim Lernen und in der weitergehenden Praxis – sei es als individuell Lernende oder innerhalb eines Gruppenprozesses. Das Buch bietet auch die Möglichkeit, über 14 weitere Monate vertieft zu üben. Die Übungen, die für die Bearbeitung während einer Woche vorgeschlagen wurden, werden dann über die Dauer von einem Monat bearbeitet. Diejenigen, die das Übungsbuch auf dieser nächsthöheren Stufe der Selbstverpflichtung anwenden, werden sich an einer immer weitergehenderen Vertiefung ihrer Gewandtheit und ihrer Fähigkeit, sich zu verbinden, erfreuen.
Menschen, die sich in regelmäßiger Gruppenarbeit engagieren wollen. Dazu bietet diese Übungsbuch Folgendes an:
Anleitung zum Aufbau einer Übungsgruppe;
Inhalt und Struktur für 14 Gruppentreffen;
Vorschläge, um eine „selbst geleitete“ Übungsgruppe zu bilden, sowie Vorschläge für Übungsgruppen, die weitergehen wollen;
Unterstützung beim Erkennen und Benennen von Herausforderungen, denen GFK-Übungsgruppen häufiger begegnen.
Bitte beachtet, dass die Abschnitte, die sich auf Gruppenarbeiten und -übungen beziehen, in dieser Ausgabe des Übungsbuchs so angepasst wurden, dass sie auch das individuelle Selbststudium unterstützen. Diese Hinweise werden durch das -Symbol gekennzeichnet.
Personen, deren eigenes Leben durch GFK bereichert und verändert wurde und die dieses Geschenk weitergeben möchten. Gruppenleiter und Lehrer können diesen Leitfaden als ein Sprungbrett benutzen, um ihre eigenen Kurse zu entwickeln.
Es gibt in diesem Lehrbuch 14 Aufgabeneinheiten, die inhaltlich mit den 14 Kapiteln des Buchs von Marshall B. Rosenberg Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens übereinstimmen. Das Buch beinhaltet seinerseits umfassendes Lehrmaterial zu den Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation. Falls jede Woche ein Kapitel bearbeitet wird, ergibt sich eine Regelmäßigkeit, und es bleibt genug Zeit, neuen Stoff aufzunehmen. Andererseits wird die Zeit nicht so lang, dass bereits erlernter Stoff wieder verloren geht.
Beachte bitte, dass in diesem Übungsbuch die Worte „Marshall“ sowie „das Buch“ auf Marshall B. Rosenberg und sein Buch Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens verweisen. Weil die verschiedenen Auflagen des Buchs nicht die gleiche Anzahl an Kapiteln und identische Seitenzahlen aufweisen, wird hier nicht auf Seitenzahlen Bezug genommen. Stattdessen wird auf Kapitelnummern und Untertitel verwiesen, um Bezüge zu bestimmten Abschnitten des Buchs herzustellen.
Lies zuerst das entsprechende Kapitel im Buch.
Beschäftige dich dann mit dem jeweiligen Abschnitt „Individuelle Aufgaben“ in
Teil IV
dieses Übungsbuchs. Jede Aufgabe besteht aus zwei Teilen:
Verständnisüberprüfung: Sie beinhaltet eine Anzahl von direkten Fragen, die sich unmittelbar auf den Inhalt des Kapitels beziehen. Dieser Rückblick kann dir dazu dienen, dein Verständnis zu überprüfen oder dir den Inhalt in Erinnerung zu rufen. Die meisten Leser lesen zuerst das Kapitel zu Ende. Sie benutzen die Fragen als eine Art Selbsttest und trainieren ihr Gedächtnis anhand des Gelernten. Andere beantworten die Fragen während des Lesens, um die wichtigen Punkte hervorzuheben und den Inhalt besser zu behalten. Probiere aus, ob du diese Fragen verwenden willst oder nicht, sodass du einen Weg findest, der dein eigenes Lernen bestmöglich fördert.
Individuelles Üben: Dieser Teil besteht aus Übungen und Anwendungen, um das Gelesene umzusetzen. Das kann Selbstbeobachtungen, Reflexionen, praktische Übungen und Rollenspiele umfassen. Die meisten können unmittelbar ausgeführt werden, einige erfordern aber mehr Zeit, z. B. die Dauer einer ganzen Woche. Wenn du eine Aufgabe abgeschlossen hast, solltest du rasch die Aufgabe für die kommende Woche nach Übungen durchsehen, die eine mehrtägige Einübung erfordern.
Hinweis für Einzelpersonen und Gruppenmitglieder: Es kann hilfreich sein, sich ein Notizbuch oder einen Kleincomputer zuzulegen, um Antworten zu den Übungen aufzuzeichnen. Dies gilt auch für irgendwelche Einfälle, Gefühle und Bedürfnisse, die im Lauf der Bearbeitung dieses Buchs auftauchen.
Wenn du mit einer Gruppe übst, wirst du die Übungen, die in den Abschnitten „Hinweise zur Anleitung der Übungsgruppe“ aufgeführt sind, bei euren Zusammenkünften bearbeiten. Bevor du damit beginnst, solltest du die Kapitel A–F in
Teil III
(GFK in der Übungsgruppe) lesen. Dort ist beschrieben, wie eine Übungsgruppe aufgebaut und eine Struktur entwickelt werden kann, wie wir uns unsere Absichten in Erinnerung bringen, wie wir die Übungsgruppe leiten, Regeln einführen und Feedback erhalten. Lese auch die
Abschnitte G
–
K
, weil die entsprechenden Themen während des 14-wöchigen Kurses immer wieder einfließen werden. Die in diesen Abschnitten behandelten Themen können in der Übungsgruppe aufkommen. Es werden einige Ideen vorgestellt, wie in der Übungsgruppe mit „konkurrierenden Bedürfnissen“ umgegangen werden kann und wie man dabei mit dem Geist des GFK-Prozesses in Verbindung bleibt.
Wenn du für dich allein übst, schau dir die Abschnitte „Hinweise zur Anleitung der Übungsgruppe“ und „Antwortbeispiele zu ausgewählten Übungen“ an, die jeweils zu den Kapiteln und Aufgaben gehören, die du gerade beendet hast. Übungen oder Aktivitäten sind geringfügig für den individuellen Gebrauch angepasst, ebenso Beispiele, wie damit gearbeitet werden kann. Wenn du die Übungen ausgeführt hast, kannst du deine Antwort mit den „Antwortbeispielen zu ausgewählten Übungen“ vergleichen, die am Ende jedes Kapitels dem Abschnitt „Hinweise zur Anleitung der Übungsgruppe“ folgen.
GFK zu erlernen ist der Erfahrung vergleichbar, eine Fremdsprache zu erlernen. Wir müssen zunächst gewisse Grundkonzepte begreifen – sozusagen die Grammatik erlernen. Erst dann können wir anfangen, auf dieser soliden Grundlage mit der Sprache umzugehen. Glücklicherweise kann GFK, im Unterschied zu einer Fremdsprache, an jedem Ort mit jeder Person angewendet werden. Wir brauchen kein Gegenüber, das GFK beherrscht: Wir können üben, wenn wir einen Scheck bei der Bank einlösen, wenn wieder mal ein Telefonwerber uns beim Mittagessen stört, wenn wir Wahlkampfreden am Fernsehschirm verfolgen, wenn ein Polizist unser Auto anhält ... Wir können mit unseren Eltern und Kindern üben, mit Mitarbeitern, Vorgesetzten, Freunden, Geliebten, Fremden, sogar mit unseren Feinden und, was vielleicht am wichtigsten ist, mit uns selbst.
Die meisten von uns führen ein ziemlich geschäftiges und ausgefülltes Leben. Da ist es eine große Herausforderung, Zeit und Energie zu finden und dann auch bis zum Ende durchzuhalten. Dieses Übungsbuch bietet dir Unterrichtsmaterial an, um deine ersten Schritte in der GFK zu machen. Es hilft dir, einen 14-wöchigen Lehrgang zu strukturieren. Wenn du die Lektüre des Übungsbuchs und die Aufgaben abgeschlossen hast, wirst du hoffentlich ausreichend Vertrauen in dein Verständnis der Ideen der GFK gewonnen haben und dich mit genügend praktischen Übungsbeispielen beschäftigt haben, um dann selbst in der Lage zu sein, ein individuelles Übungsprogramm zu entwickeln und für dich umzusetzen.
Wenn du einmal den Weg eines Selbststudiums oder des individuellen Übens eingeschlagen hast, ist es hilfreich, dir über einige Konsequenzen Klarheit zu verschaffen: Welchen Nutzen erhoffst du dir? Welche Verpflichtungen bist du bereit einzugehen? Wie viel Zeit bist du gewillt zu investieren? Wie regelmäßig möchtest du üben? Um einen erfolgreichen Ausgang sicherzustellen, wenn du allein eine 14-wöchige Lehrzeit in Angriff nimmst, kann es dir helfen, dir Zeit zu nehmen, um deine Ziele zu klären und bestimmte Übungszeiten von vornherein festzulegen. Deine Ziele und selbst gewählten Übungsverpflichtungen aufzuschreiben und die regelmäßige Reflexion deiner Fortschritte können bis zu einem gewissen Grad die Unterstützung ersetzen, die du durch das Üben in der Gruppe bekommen würdest. Dort sind es die anderen, die dich darin unterstützen, deine Verpflichtungen einzuhalten. Viele allein Lernende haben dieses Übungsbuch erfolgreich benutzt, um ein tieferes Verständnis für die Konzepte der GFK zu erlangen und eine größere Gewandtheit in der Anwendung zu erwerben. Daraus resultiert die wachsende Fähigkeit, empathische und ehrliche Verbindungen zu sich selbst und zu anderen aufnehmen zu können.
Teil IV des Übungsbuchs besteht aus drei Teilen: „Individuelle Aufgaben“, „Hinweise zur Anleitung der Übungsgruppe“ und „Antwortbeispiele zu ausgewählten Übungen“.
Die Individuellen Aufgaben beinhalten eine „Verständnisüberprüfung“ zum jeweiligen Kapitel und eine Einheit „Individuelles Üben“. Jede der darin enthaltenen Aufgaben und Übungen eignet sich gleichermaßen für Einzelne wie auch für das Üben in Gruppen.
Hinweise zur Anleitung der Übungsgruppe und Antwortbeispiele zu ausgewählten Übungen wurden für die Übung in Gruppen konzipiert. Gleichwohl lassen sich diese Abschnitte leicht für den individuellen Gebrauch anpassen. Überall in diesen Teilen sind HINWEISE eingefügt, denen das Symbol vorangestellt ist. Sie sollen dir helfen, dich „auf eigene Faust“ durch die Übungen hindurchzuarbeiten. Zusätzlich schlagen wir dir vor, innezuhalten, sobald du die zu jedem Abschnitt gehörenden Arbeitsanweisungen gelesen hast. Nutze diese Pause, um dem dann folgenden „inneren Dialog“ zuzuhören.
Denke darüber nach, einen Zeitplan aufzustellen und diesen zu befolgen, wenn du den größtmöglichen Vorteil aus den Übungen in diesem Buch erzielen möchtest. Manchmal werden die besten Vorsätze durch eine Zeitplanung vereitelt, die so flexibel ist, dass sie eigentlich keine Zeitplanung mehr ist. Vielleicht möchtest du auch:
einen Raum schaffen, der deinen GFK-Übungen gewidmet ist. Wähle einen Ort, der dir das Maß an Ruhe und Ordnung gewährt, das du brauchst, um dich auf die Übungen konzentrieren zu können. Der Ort soll dir ermöglichen, deinen selbst gewählten täglichen oder wöchentlichen Übungsvereinbarungen nachzukommen. Vielleicht suchst du dir auch einen Platz draußen, wo du dich besonders friedvoll und bewusst wahrnimmst. Oder gestalte einen speziellen Ort in deinem Lebensumfeld, wo du Dinge wie Gedichte, Bilder oder Kerzen bewahren kannst – einfach alles, was dir dabei hilft, mit der kreativen und leidenschaftlichen Seite in dir in Kontakt zu bleiben, der Seite, die motiviert ist, diese Arbeit zu tun.
Papier, ein Diktiergerät oder einen Taschencomputer bereithalten, während du in deiner alltäglichen Umgebung agierst. Nimm dir immer mal wieder einen Augenblick Zeit, um ein paar Worte zu notieren. Diese können dir als Gedankenstützen dienen und dir dabei helfen, dich an Gedanken, Gespräche oder Kontakte zu erinnern, über die du gerne zu einem späteren Zeitpunkt nachdenken möchtest.
Wenn du dich einer GFK-Übungsgruppe anschließen oder selber eine Übungsgruppe gründen willst, ist es sinnvoll, dir vorher darüber klar zu werden, was du selbst dir erhoffst, aber auch, was du von dir selbst aus zu geben bereit bist. Die meisten GFK-Übungsgruppen setzen sich verschiedene Ziele. Es ist aber auch möglich, sich nur auf ein Ziel zu konzentrieren, z. B. den Prozess möglichst fließend anwenden zu können. Eine Übungsgruppe kann mehr Gewicht auf das Gemeinschaftsgefühl legen, das durch den Geist der GFK ausgelöst wird. Ebenso kann es auch einzelne Teilnehmerinnen geben, die sich zeitlich und emotional begrenzt engagieren möchten, während die Übungsgruppe von anderen als ein wesentliches Engagement in ihrem Leben betrachtet wird. Solche unterschiedlichen Interessen sind zu verkraften und mögliche Auslöser von Verwirrung und Konflikten. Sie wirken jedoch weniger problematisch, wenn die Teilnehmerinnen, einzeln oder als Gesamtgruppe, klar und ehrlich ihre Bedürfnisse offenlegen und diese in Beziehung zu ihren eigenen Erwartungen setzen können.
Einige der häufig genannten Motivationen für die Teilnahme an einer Übungsgruppe sind:
die Ideen der GFK zu erlernen oder aufzufrischen;
Gewandtheit in der Anwendung zu entwickeln;
durch die Zugehörigkeit zu einer gleich gesinnten Gemeinschaft Unterstützung für das eigene Üben und das eigene Engagement zu finden;
Bedürfnisse nach Einfühlung und Verbindung zu befriedigen;
Freundschaften zu schließen, die in den Ideen der GFK verwurzelt sind;
von den Zielen und vom Bewusstsein der GFK inspiriert und daran erinnert zu werden;
dem Leben zu dienen und durch die Weitergabe der GFK als Lehrer oder in Führungspositionen einen Dienst für die Gemeinschaft zu leisten.
Wenn du von dir aus eine Übungsgruppe ins Leben rufen willst, kannst du versuchen, einige Menschen zusammenzubringen und ihnen ein GFK-Video, z. B. Marshall Rosenbergs „Making Live Wonderful“, vorzuführen* (siehe die Liste weiterer GFK-Hilfsmittel in Anhang 9). Erzähle der Gruppe, was dein eigenes Interesse an GFK ist und warum du eine Übungsgruppe gründen möchtest. Stelle das Buch und diesen Leitfaden als Materialien vor, mit deren Hilfe die Übungsgruppe in Eigenarbeit die im Video demonstrierten Fähigkeiten erlernen kann.
Es gibt sicherlich so viele Arten, eine Übungsgruppe zu organisieren, wie es Menschen gibt, die den Wunsch haben, das GFK-Wissen und -Bewusstsein zu fördern und zu üben. Die Vorschläge, die in diesem Abschnitt und in den „Hinweisen zur Anleitung der Übungsgruppe“ gemacht werden, sollen dich darin unterstützen, mit der Struktur der Übungsgruppentreffen zu experimentieren. Die Bereitschaft von dem „Weg, den wir in der Vergangenheit aus alter Gewohnheit schon immer eingeschlagen haben“, abzuweichen, könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, in einem größeren Umfang die Bedürfnisse der Einzelnen und deiner eigenen Übungsgruppe mit ihren Besonderheiten zu erfüllen. Dabei könnt ihr auch übereinkommen, Diskussionen und Unstimmigkeiten über die Organisation und die Struktur der Übungsgruppentreffen als eine Gelegenheit zur Einübung des Prozesses zu nutzen. Für einige Übungsgruppen waren gerade diese inneren Prozesse eine bedeutende Quelle ihres Lernens. Dabei haben sie auch festgestellt, dass die Fähigkeit der Gruppe anwächst, gemeinsam einen für alle erfreulichen Ausgang zustande zu bringen, je versierter die Übungsgruppe ist, mit den Grundideen der GFK in Verbindung zu bleiben und das „GFK-Handwerkszeug“ zu beherrschen.
Um das in diesem Übungsbuch ausgeführte Lernprogramm umsetzen zu können, sollte deine Übungsgruppe 5–8 Mitglieder umfassen. Die Gruppe trifft sich wöchentlich für zweieinhalb Stunden über die Dauer von wenigstens 14 Wochen. Vielleicht möchtest du ein Informationstreffen veranstalten. Bei diesem Treffen können sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen untereinander kennenlernen und sich über die grundlegenden Strukturen, die Abläufe und die Materialien des Kurses (Buch und Übungsbuch) verständigen. Bei diesem ersten Treffen kann es sinnvoll sein, gemeinsam Teil I (Mit dem Übungsbuch arbeiten) und die Abschnitte A–F von Teil III (GFK in der Übungsgruppe) durchzugehen.
Es wäre besser, wenn das ganze Programm 22 Wochen dauern würde. Es stünden dann zusätzlich acht Wochen als Übungszeit zur Verfügung, nachdem die Übungsgruppe die Grundlagen des Übungsstoffs durchgearbeitet hat. Es sei noch angemerkt, dass es erfolgreich arbeitende Übungsgruppen mit vier wie mit zwölf Teilnehmerinnen gegeben hat. Manche haben sich zweimal in der Woche und manche auch nur für jeweils zwei Stunden getroffen.
Eine empfehlenswerte Form, um mit dem Übungsbuch zu arbeiten, könnte als „selbst geleiteter Übungskreis“ bezeichnet werden. Dieser Kreis lässt uns ein Eingebunden-Sein, eine ausgewogene Beteiligung und Gemeinschaft erleben. Die Leitung der Übungsgruppe kann im Rotationsverfahren wechseln. So hat jede Teilnehmerin die Möglichkeit, etwas zum Gelingen des Gruppenprozesses beizusteuern und sich darin zu üben, den Kreis zu instruieren, zu unterrichten und zu leiten. Alle Anwesenden sind Leiter, indem jeder Verantwortung für das Wohlergehen des ganzen Kreises mit übernimmt. Zweck und Ausrichtung des Kreises festzulegen und umzusetzen ist somit die Aufgabe eines jeden.
In Regionen, in denen GFK-Trainer verfügbar sind, können solche „selbst geleiteten Übungskreise“ davon profitieren, einen Trainer einzuladen, damit dieser spezielle Abschnitte der Treffen anleitet. Auf diese Weise werden die Teilnehmer den Kreis weiterhin in eigener Verantwortung leiten und die Gesamtleitung rotieren lassen, während sie gleichzeitig gefordert sind, sich darin zu üben, klare Bitten an die Gasttrainer zu richten.
* A. d. Ü.: Es stehen mittlerweile auch verschiedene Videos von Workshops zur Verfügung, bei denen Marshall Rosenbergs Ausführungen ins Deutsche übersetzt werden, siehe http://www.gewaltfrei.de.
Indem wir eine Gemeinschaft als einen geschützten Rahmen zum Lernen auswählen, öffnen wir uns nicht nur der Schönheit und Kraft menschlicher Beziehungen, sondern genauso den schmerzhaften Erfahrungen unerfüllter Bedürfnisse, die durch die Interaktionen untereinander ausgelöst werden. Um beides, die Freude und den Schmerz, vollständig schätzen zu können und durch sie während unserer gemeinsamen Zeit miteinander zu wachsen, solltet ihr versuchen:
Zum Beispiel könnt ihr klar Zeit und Raum, die ihr gemeinsam teilen wollt, abgrenzen:
Eröffnet und schließt jede Zusammenkunft bewusst mit einer Lesung, mit Kerzen, mit Musik, mit einer Geschichte, mit Ruhe, mit einer Glocke usw.
Kreiert einen „Mittelpunkt“ (mit einem Bild, mit Blumen, einem Gedicht usw.) als eine Erinnerungshilfe. Dieser „Mittelpunkt“ soll den Ort unbegrenzten Mitgefühls in uns symbolisieren, einen Ort, an dem es keine Trennung von „mir“ und „dir“ gibt.
Ihr könnt auch häufiger Gelegenheiten einräumen, Dankbarkeit und Wertschätzung (für sich selbst, für das Leben, für andere, für uns gegenseitig, für die Gruppe usw.) auszudrücken, sowie Zeit zum Feiern (von großen und kleinen Wundern und Erfolgen) vorsehen.
Denkt immer wieder daran, euch Zeit zu nehmen.
Sobald wir beginnen, die Sprache unseres Herzens zu sprechen, werden wir unsere Lebensgewohnheiten verändern. Sind wir in der Lage, unser eigenes Stottern und Stolpern, wie das der anderen, und auch die Stille willkommen zu heißen, als Zeichen dafür, dass wir unseren „Autopiloten“ ausschalten und ihn durch ein bewusstes Sprechen ersetzen? Wenn wir beginnen, uns Fragen wie die folgenden zu stellen, könnten wir in der Tat mehr Zeit benötigen, um Worte und Sätze zu finden:
„Worauf reagiere ich hier eigentlich wirklich?“
„Was ist die Absicht, wenn ich jetzt meinen Mund aufmache?“
„Welche Gefühle sind gerade in diesem Moment in mir lebendig?“
„Was ist das Bedürfnis hinter meinem augenblicklichen Verlangen?“
„Spreche ich gerade eine für jeden klar verständliche Bitte aus?
Wir könnten zu einem langsameren Tempo in unseren Zusammenkünften ermuntern, z. B. durch:
Momente der Ruhe
, die angesetzt werden, um Zeit einzuräumen, wieder zu sich selbst zu finden.
Weitergeben eines „Sprech-Holzes“
(oder eines anderen Gegenstands) während einzelner Abschnitte des Zusammenseins. Die Person mit dem Holzstück erhält von allen im Kreis ein Geschenk in Form von aufmerksamer Ruhe. Sie steht nicht unter Druck, sich zu beeilen. Grundsätzlich wird das Holzstück in einer Richtung weitergegeben, ohne Unterbrechungen oder Kommentare von anderen. Jede mag selbst entscheiden, ob sie sprechen, das Holz in Stille halten oder es, ohne zu sprechen, sofort weitergeben möchte.
Wiederholden, Umschreiben oder in GFK übersetzen
, was eine Person gesagt hat, bevor die nächste Person spricht. Das kann besonders dann hilfreich sein, wenn mehr als eine Person in der Übungsgruppe gerade einen sehr intensiven emotionalen Zustand erlebt. Um zu üben, könnte die Gruppe eine bestimmte Zeit während eines Treffens reservieren, um auf diese Weise zu arbeiten. Dies kann gleichzeitig ein sehr effektiver Weg sein, unsere Fähigkeit des Zuhörens zu verbessern.
Zwei tiefe Atemzüge nehmen
, nachdem die vorhergehende Person geendet hat zu sprechen und bevor man selber beginnen möchte.
Was können allein Lernende machen?
Als Teil deiner Absicht zu üben ist es für dich genauso wichtig, dich auf deine Ziele zurückzubesinnen und dir Zeit zu nehmen, wie es das für das Üben einer Gruppe ist. Übe dich darin, dir Zeit zu nehmen, wenn du mit Menschen in deiner Familie, bei der Arbeit oder mit Freunden sprichst.
Jedes Mitglied erhält Gelegenheit, der Übungsgruppe zu dienen und sich selbst auszudrücken, wenn es der Gruppe seinen ganz persönlichen Weg vorschlägt, das Treffen zu leiten. Weil die Gruppenleitung rotiert, ist es kein so großes Risiko, unterschiedliche Arten der Gruppenleitung zu erproben. Die Neigung der einen Leiterin zur Strenge und die Ungezwungenheit eines anderen können zusammen eine Möglichkeit für die Übungsgruppe sein, im Lauf der Zeit Ausgeglichenheit und Abwechslung zu erleben.
Sie behalten das Ziel des Kreises im Auge, indem sie ein entsprechendes Umfeld schaffen, daran erinnern, das Tempo zu drosseln, und Gelegenheiten eröffnen, Anerkennung auszudrücken usw.
Sie überblicken die sachlichen und logistischen Bedürfnisse der Übungsgruppe.
Sie planen die Struktur (Zeitplan der Aktivitäten usw.) und führen die Übungsgruppe durch den Prozess.
Sie setzen sich selbst besonders gründlich mit dem Inhalt des wöchentlichen Kapitels aus dem Übungsbuch (oder anderen Texten und Inhalten, die behandelt werden sollen) auseinander, um sich damit vertraut zu machen. So können sie denjenigen, die sich mit dem Material noch nicht so eingehend beschäftigt haben, Auskunft geben und als Quelle neuer Ideen dienen.
Die Möglichkeiten für die Übungsgruppenleiterinnen, mit diesen vier Formen zu spielen oder zu arbeiten, sind ungezählt. Erfahrene Leiterinnen werden hoffentlich aus dem vollen Schatz ihrer Erfahrungen schöpfen, sodass der Kreis von ihren Fähigkeiten, Einsichten und vergangenen Fehlern lernen kann. Denjenigen, die in der Anleitung und Förderung von Übungsgruppen noch unerfahren sind, kann der folgende Abschnitt „Vorschläge und Gliederungsbeispiel zur Anleitung eines Übungskreises“ als Richtschnur dienen, um damit zu experimentieren. Dabei sind wir uns bewusst, dass unser Handeln von Bedürfnissen geleitet wird, weshalb es keinen „richtigen Weg“ gibt, eine Übungsgruppe anzuleiten, und also auch keinen falschen Weg. Es gibt ausschließlich: meinen Weg (jetzt, letzten Monat), deinen Weg (letzte Woche, letztes Jahr), erfüllte Bedürfnisse, unerfüllte Bedürfnisse ...
Der folgende Abschnitt beinhaltet Vorschläge und ein Gliederungsbeispiel für die Anleitung eines Übungskreises, der sich für die Dauer von zweieinhalb Stunden zusammenfindet.
Vielleicht möchtest du für das erste Treffen, das du leitest, die folgenden Anregungen übernehmen. Notiere dir auf einem gesonderten Blatt Papier:
die vorgeschlagenen Aufgaben; hake sie ab, sobald sie erledigt sind;
alternative Ideen, wie du auch noch vorgehen kannst, um die angestrebten Ziele zu erreichen;
stichwortartig, was du der Übungsgruppe zu einem bestimmten Punkt sagen willst;
oder wie du das Treffen nach deinen eigenen Vorstellungen organisieren kannst.
Lies das Kapitel und vervollständige die schriftliche Aufgabe oder das Material, an dem die Übungsgruppe arbeiten möchte.
Entwirf einen Plan für das Treffen – was, wann und wie passieren soll – oder benutze das nachfolgend skizzierte Gliederungsbeispiel.
Bereite den Raum für das Treffen vor:
Finde dich 15 Minuten vor dem angesetzten Zeitpunkt ein und arrangiere die Stühle zu einem Kreis, sodass alle Anwesenden einander sehen können. Wenn Getränke und Verpflegung angeboten werden, stelle Tassen, Tee usw. rechtzeitig vor Beginn bereit. Arrangiere den „Mittelpunkt“, Flipchart usw., sofern du diese vorgesehen hast. Eine gut sichtbare Uhr kann hilfreich sein.
Begrüßung:
Begrüße jede eintreffende Person.
Verbinde dich mit dir selbst:
Wenn du eigentlich schon bereit wärst zu beginnen, nimm dir noch 30 Sekunden Zeit, um innerlich eine Verbindung mit dir selbst aufzunehmen: „Was fühle ich gerade, was für Bedürfnisse habe ich in diesem Augenblick?“ Stelle eine Verbindung zu der Motivation her, aus der heraus du der Übungsgruppe etwas anbietest. Sei für einen Moment vollständig präsent.
Besinnung:
Wenn die Übungsgruppe zusammengekommen ist, besinnt euch für einen Moment darauf, wer ihr seid und warum ihr überhaupt zusammengekommen seid. Fokussiere die Aufmerksamkeit auf etwas, das dich inspiriert, die Verbindung mit dem „Netzwerk des Lebens“ zu spüren, sei es der Wechsel der Jahreszeiten oder seien es Bombenangriffe auf Menschen irgendwo auf der Welt.
Eröffnung des Gruppengesprächs:
Lade die Anwesenden dazu ein, „einzuchecken“, indem sie mitteilen, was gerade in diesem Moment in ihnen lebendig ist. Oder stelle Fragen wie diese: „Welche Art von Einsichten und Erlebnissen, die einen Zusammenhang mit GFK haben, hattet ihr in der vergangenen Woche?“ Oder: „Möchtet ihr etwas mit den anderen teilen, das ihr in dieser Woche gefeiert habt?“ Lass die Fragen von der Übungsgruppe beantworten. Gib vorher bekannt, wie viel Zeit du für diese Runde eingeplant hast, und äußere dann noch eine ungefähre Vorstellung, wie viel Zeit du gerne jeder Person für die Antwort einräumen würdest. Gehe in einer Richtung vor (im Uhrzeigersinn oder im Gegenuhrzeigersinn). Gib der Gruppe die Möglichkeit, die ganze Aufmerksamkeit auf jede Person, die an der Reihe ist, zu fokussieren. Reiche entweder einen Gegenstand („Sprech-Holz“) herum oder schlage ein bestimmtes Wort, einen Klang oder eine Geste vor, das den Einzelnen die Möglichkeit gibt anzuzeigen, dass sie fertig sind, bevor die nächste Person zu sprechen beginnt. Erinnere die Teilnehmer daran, sich, während sie sprechen, immer wieder mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden.
Beispiel:
