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Benjamin Scott ist ein guter Mann und ein furchtloser Kapitän, aber sein Herz ist gebrochen. Vor einiger Zeit, während einer erbitterten Schlacht vor den Westindischen Inseln, war er Zeuge des Todes seines loyalsten Offiziers, Jack Hughes. Er stürzte ins Meer, bevor Ben die Gelegen-heit hatte, ihm seine Liebe zu gestehen. In Gibraltar trifft er zufällig auf einen Fremden, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit seiner verlorenen Liebe hat. Zwischen den beiden Männern entsteht eine Freund-schaft, aus der bald Liebe wird. Findet Benjamin diesmal den Mut, seine Liebe zu bekennen, bevor er auch John verliert?
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Seitenzahl: 73
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Cristina Bruni
Aus dem Englischen von Lena Seidel
© dead soft verlag, Mettingen 2018
http://www.deadsoft.de
© the author
Originaltitel: Gibraltar
Übersetzung: Lena Seidel
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© the artofphoto – fotolia.com
© Carlos – fotolia.com
1. Auflage
ISBN 9783960892052
ISBN 9783960892069 (epub)
Benjamin Scott ist ein guter Mann und ein furchtloser Kapitän, aber sein Herz ist gebrochen. Vor einiger Zeit, während einer erbitterten Schlacht vor den Westindischen Inseln, war er Zeuge des Todes seines loyalsten Offiziers, Jack Hughes. Er stürzte ins Meer, bevor Ben die Gelegenheit hatte, ihm seine Liebe zu gestehen.
In Gibraltar trifft er zufällig auf einen Fremden, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit seiner verlorenen Liebe hat.
„Ich dachte, wir hatten eine Vereinbarung.“ Dimmock legte eine Pause ein. „Ben?“
Captain Benjamin Scott von der Royal Navy war so in den Brief, den er las, vertieft, dass er kaum hörte, was sein Erster Offizier, Charles Dimmock, sagte. Tief in Gedanken versunken, lehnte er sich in seinem Sessel zurück. Der Lärm der Straße sickerte durch das Fenster in sein Zimmer, das im zweiten Stock des Mayflower Hotels lag.
Er rührte sich. „Wenn ich jetzt abreisen würde: Wie viele Tage könnte ich in Portsmouth bleiben, bis ich wieder hier sein muss?“
„Mit allem gebotenen Respekt, Benjamin, du hast gehört, was der Werftmeister gesagt hat. Die Reparaturen an der Sunrise werden über einen Monat dauern.“
„Nun, es spielt keine Rolle, Charles. Ich habe entschieden, dass ich nicht gehen will“, antwortete Benjamin mit einem Lächeln. „In Zeiten wie diesen muss ein Captain in der Nähe seines Schiffes bleiben.“
Er sprach mit Leidenschaft, vielleicht mehr um sich selbst als Dimmock zu überzeugen, der das Rascheln der Strohhalme, nach denen Captain Scott suchte, bestimmt hören konnte.
Komm schon, Ben, das kannst du besser! Du hast schon wesentlich kreativere Ausreden als diese gefunden.
„Es ist nicht so, als würde ich dir nicht vertrauen, alter Freund“, fügte Benjamin mit einem schiefen Lächeln an.
„Was wäre, wenn wir Mrs. Scott bäten, hierher zu kommen? Captain Maitland von der Warwick hat nach Lady Maitland geschickt, damit sie ihm diese Woche Gesellschaft leistet.“ Dimmock war ein hartnäckiger Mann.
Benjamin unterbrach ihn mit einem Handwink. „Genug, Charles. Ich habe mich entschieden. Ich glaube, dass die Sunrise lange vor der Warwick fertig sein wird, trotz der überfüllten Werften in Gibraltar und der unglaublich langsamen Wartungsarbeiten. Außerdem kenne ich Irene zu gut. Sie wird niemals eine solche Reise unternehmen.“ Eine Pause entstand. „Mr. Randall!“, rief Benjamin.
Randall, Benjamins Steward, tauchte aus dem angrenzenden Raum auf und blieb schweigend stehen, auf die Befehle seines Masters wartend. Benjamin übergab ihm den Brief, zusammen mit seinen Anweisungen. Dann lächelte er Dimmock an und knöpfte seine Weste zu. „Sollen wir jetzt zum Hafen fahren?“
***
Das Mayflower Hotel, in dem Benjamin wohnte, befand sich in der Nähe eines Klosters, weit weg vom Hafen. Wie auch immer, dieser Morgen war wie gemacht für einen langen Spaziergang. Die frische Luft zauberte einen Hauch von Rot auf Benjamins Wangen und brachte sein dunkles, lockiges Haar durcheinander. Gibraltars Straßen waren wie immer laut und chaotisch. Kleine Gruppen von Einheimischen tanzten an den Straßenecken zu lebhafter Geigen- und Gitarrenmusik.
Aber Benjamin schien die muntere, fröhliche Atmosphäre nicht zu bemerken. Seine Stirn war gerunzelt, sein Blick wachsam, grau und leblos. Diesen Ausdruck hatte er seit Monaten – oder waren es bereits Jahre?
Wie viel Zeit war seit den Tagen in Westindien vergangen?
Je mehr er sich zu erinnern versuchte, desto schwerer fiel es ihm. Mit der Zeit wurden seine Erinnerungen verworren und seine Gefühle flach und langweilig. Er schob eine verirrte Haarsträhne aus seiner Stirn, als könnte diese trotzige Geste seine Gedanken vertreiben.
***
Die Arbeiten an der Sunrise gingen langsam, aber effizient voran. Wenn es so weiterlief, konnten sie davon ausgehen, am Ende des Monats die Segel setzen zu können, dachte Benjamin, während er die Seitenwände des Holzgerüsts betrachtete.
„Schön, Mr. Dimmock“, sagte Ben, als sie alleine waren. „Sollen wir uns als nächstes die Crew ansehen?“
„Die übliche Inspektion?“
„Genau. Und die herkömmliche kleine Ruderbootexkursion in die Bucht, um unsere Männer fit zu halten.“
***
Es war später Nachmittag, als Benjamin zum Mayflower zurückkehrte. Er schloss die Tür hinter sich ab und blieb einen Moment stehen. Er fühlte sich unruhig, als wollte er etwas tun, wusste aber nicht was. Nichts interessierte ihn, er wünschte sich nur, so schnell wie möglich wieder zu segeln. Er war nur glücklich, wenn er auf seinem Schiff draußen auf See war. Ein Schiff zu befehligen, war eine Vollzeitbeschäftigung, etwas, das ihm nie wirklich eine Pause erlaubte. Einer der größten Vorteile ständig beschäftigt zu sein, war, dass es nicht viel Zeit zum Nachdenken gab.
Nachdenken, ja, das ist dein Problem, Ben. Du musst aufhören nachzudenken. Über ihn.
Er setzte sich an den Tisch, nahm seinen Zweispitz ab und schenkte sich ein Glas Wein aus der Karaffe ein, die ihm Randall auf den Tisch gestellt hatte. Er sah zu dem Bücherregal und lächelte. Gott, Jack hatte diese Bücher geliebt!
Du denkst immer noch an ihn, du Idiot.
Er fand Vinnys kleine Buchhandlung zauberhaft. Seit seiner Ankunft in Gibraltar war Benjamin dort Stammkunde geworden. Er hatte mehrere Bücher gekauft, ging sonst nur zwischen den Regalen umher und genoss Vinnys angenehme Gesellschaft. Heute konnte er nichts Interessantes finden.
Gedichte, Gedichte … Und noch mehr Gedichte! „Wenn ich herausfinden könnte, was dieses Zeug bedeutet, würde ich mich für einen versierten Mann halten“, grummelte er. Er legte ein Buch zurück, überflog einige Titel und griff nach einem abgenutzten, ledergebundenen Band, um ihn sich genauer anzusehen.
Dann passierte es.
Sein Atem stockte und sein Herz setzte einen Schlag lang aus. Er trat einen Schritt zurück, erschrocken über das, was er auf der anderen Seite des Regals erblickt hatte. Dieser Schopf aus aschblonden Haaren, die blauen Augen, die aussahen wie Saphire, eingerahmt von kleinen Fältchen, verursacht durch zu viel Lächeln… Das gleiche Lächeln, das Benjamins Herz nicht vergessen konnte.
Das kann nicht sein …
Bamm!
Das Buch fiel auf den Boden. Benjamin bückte sich, um es aufzuheben, sein Herz raste und seine Hände zitterten. Er stand auf und ließ das Buch prompt wieder fallen. In seinem Kopf drehte sich alles und er fühlte sich völlig desorientiert. Er hielt den Atem an und schaute noch einmal hin – wen immer er gesehen hatte, er war verschwunden.
Du weißt, dass es unmöglich ist …
Vinny stand gerade hinter der Theke, als die Klingel über der Tür ertönte.
„Wer ist gerade gegangen?“
„Ich bitte um Verzeihung, Sir?“
„Ich habe gefragt, ob du den Mann gesehen hast, der gerade gegangen ist“, sagte Benjamin und hob seine Stimme dabei.
„Ja, ein junger, blonder Mann. Er ist dort entlang gegangen.“
Benjamin rannte auf die Straße, schaute in die Richtung, in die Vinny gedeutet hatte, und sah einen blonden Mann in Richtung des Felsens gehen.
Dir ist klar, dass es nicht sein kann …
Unaufmerksam durch seine Eile stieß er mit einer kleinen, molligen Frau zusammen. „Hallo! Pass auf, wohin du gehst!“, schimpfte sie.
„Verzeihen Sie, Ma’am“, murmelte Ben, ohne auch nur langsamer zu werden. Es war, als würde ihn etwas oder jemand rufen.
Du machst dich lächerlich, Ben, sagte er sich.Du folgst irgendeinem blonden Mann durch die Straßen von Gibraltar. Erbärmlich!
Er sah ihn Westin’s Inn betreten. Er erstarrte und fühlte sich verloren wie ein Kind, das seine ersten Schritte machte. Sein Herz pochte wild in seiner Brust, in seinem Kopf hörte er eine leise Stimme.
Idiot, Idiot, du weißt, dass er das nicht ist!
Obwohl einige Jahre vergangen waren, lebte der Schmerz weiter unter der Oberfläche, als wäre alles am Tag zuvor geschehen. Und sein dummer Versuch, seinen Verlust zu begraben, machte es nur noch unerträglicher.
Damals warst du dumm und hast dich geweigert zu glauben, dass eure Liebe echt war. Und jetzt bist du noch dümmer und denkst, Gott würde dir eine zweite Chance geben.
Auf der anderen Straßenseite gab es eine Taverne. Er machte es sich draußen an einem Tisch gegenüber des Westin bequem und bestellte ein Bier. Ihm war klar, dass er das Ganze besser vergessen sollte, aber er konnte es nicht. Wartend starrte er auf die Fassade des Gasthauses, bis die Läden eines Fensters im zweiten Stock geöffnet wurden.
„Jack“, murmelte er. Er stand auf und bezahlte das rote Bier, von dem er noch keinen Schluck getrunken hatte. Es musste das zweite Zimmer auf der linken Seite des zweiten Stocks sein. Nach weniger als zwei Minuten fand er die Tür.
