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Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. »Einen Staatssekretär?« rief Martina Steiner fragend in den Telefonhörer, dann tippte sie sich an die Stirn, obwohl ihr Kollege am anderen Ende der Leitung das ja nicht sehen konnte. Allerdings faßte sie ihre eindeutige Geste gleich in Worte. »Du spinnst, Tommy!« »Martina, ich flehe dich an!« krächzte Thomas Strobl heiser. »Ich habe Fieber, eine Bronchitis, die sich gewaschen hat! Wahrscheinlich sogar eine Lungenentzündung. Es ist unmöglich, daß ich nach München fahre und dieses Interview mache.« Martina seufzte abgrundtief. »Tommy, das ist Wahnsinn! Ich bin Sportreporterin. Soll ich deinen Staatssekretär vielleicht fragen, wie er die Chancen der deutschen Davis-Cup-Mannschaft einschätzt?« »Unsinn!« Thomas' Stimme war durch das Telefon kaum noch zu verstehen. »Ich habe dir alle Fragen aufgeschrieben. Es kann überhaupt nichts schiefgehen.« »Sagst du!« konterte Martina. »Für mich wird das ein Hochseilakt ohne Netz und doppelten Boden. Ich kann zu keinem einzigen Punkt nachhaken, weil ich von Politik ungefähr so viel verstehe wie ein Elefant von Wirtschaftswissenschaft.« Thomas' Lachen endete in einem keuchenden Hustenanfall. Röchelnd rang er nach Atem. »Meine Güte, Tommy, du hörst dich ja wirklich schauderhaft an«, stellte Martina besorgt fest. »Warst du beim Arzt?« »Ich bin im Krankenhaus«, stellte Thomas krächzend klar. »Also, Martina, was ist nun? Machst du's?« Sie seufzte noch einmal. »Was bleibt mir schon anderes übrig.« Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens fügte sie hinzu: »Warum verschiebst du das Interview nicht einfach? Ich meine…« »Graf ist nur einen Tag in München«, fiel Thomas ihr ins Wort. »Das Interview muß morgen über die Bühne gehen, ansonsten ist es gelaufen – ein für allemal. Ich habe
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2017
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»Einen Staatssekretär?« rief Martina Steiner fragend in den Telefonhörer, dann tippte sie sich an die Stirn, obwohl ihr Kollege am anderen Ende der Leitung das ja nicht sehen konnte. Allerdings faßte sie ihre eindeutige Geste gleich in Worte. »Du spinnst, Tommy!«
»Martina, ich flehe dich an!« krächzte Thomas Strobl heiser. »Ich habe Fieber, eine Bronchitis, die sich gewaschen hat! Wahrscheinlich sogar eine Lungenentzündung. Es ist unmöglich, daß ich nach München fahre und dieses Interview mache.«
Martina seufzte abgrundtief. »Tommy, das ist Wahnsinn! Ich bin Sportreporterin. Soll ich deinen Staatssekretär vielleicht fragen, wie er die Chancen der deutschen Davis-Cup-Mannschaft einschätzt?«
»Unsinn!« Thomas’ Stimme war durch das Telefon kaum noch zu verstehen. »Ich habe dir alle Fragen aufgeschrieben. Es kann überhaupt nichts schiefgehen.«
»Sagst du!« konterte Martina. »Für mich wird das ein Hochseilakt ohne Netz und doppelten Boden. Ich kann zu keinem einzigen Punkt nachhaken, weil ich von Politik ungefähr so viel verstehe wie ein Elefant von Wirtschaftswissenschaft.«
Thomas’ Lachen endete in einem keuchenden Hustenanfall. Röchelnd rang er nach Atem.
»Meine Güte, Tommy, du hörst dich ja wirklich schauderhaft an«, stellte Martina besorgt fest. »Warst du beim Arzt?«
»Ich bin im Krankenhaus«, stellte Thomas krächzend klar. »Also, Martina, was ist nun? Machst du’s?«
Sie seufzte noch einmal. »Was bleibt mir schon anderes übrig.« Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens fügte sie hinzu: »Warum verschiebst du das Interview nicht einfach? Ich meine…«
»Graf ist nur einen Tag in München«, fiel Thomas ihr ins Wort. »Das Interview muß morgen über die Bühne gehen, ansonsten ist es gelaufen – ein für allemal. Ich habe mit Engelszungen auf den Kerl eingeredet, damit er mir überhaupt Rede und Antwort steht. Die derzeitige Lage ist für seine Partei schlecht genug, da drückt er sich natürlich vor unangenehmen Fragen.« Er hustete und räusperte sich, aber es war zwecklos. Seine Stimme wurde nicht besser. »Graf gehört zum Kabinett von…«
»Verschone mich!« unterbrach Martina ihn. »Das sind für mich alles böhmische Dörfer. Also, der Kerl heißt Graf. Hat er auch einen Vornamen?«
»Gerhard«, antwortete Thomas. »Er wird dich im Hilton treffen. Morgen nachmittag, vierzehn Uhr.« Er schwieg kurz. »Martina, ich flehe dich an, sei um Himmels willen pünktlich. Graf ist ein Pedant sondergleichen. Wenn du nur eine Minute zu spät kommst, wird er weg sein, hast du verstanden?«
»Ja«, seufzte Martina und bereute schon, sich darauf eingelassen zu haben. »Du kannst dich auf mich verlassen. Wann bekomme ich die Fragen, die ich ihm stellen soll?«
»Ich habe sie meinem Bruder mitgegeben. Er wird sie dir heute noch faxen.«
»In Ordnung.« Martina verabschiedete sich von Thomas, wünschte ihm gute Besserung und legte schließlich auf. Nachdenklich lehnte sie sich auf ihrem Sessel zurück und drehte eine ihrer blonden Locken um den Kugelschreiber, den sie in der Hand hielt.
»Fax für dich!«
Ihre Kollegin Dagmar legte drei beschriebene DIN-A 4 Bögen vor sie hin.
»Dagi«, hielt Martina sie zurück. »Kennst du den Staatssekretär Gerhard Graf?«
Dagmar verzog das Gesicht. »Flüchtig. Ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse. Arrogant, pingelig… ein richtiger Kotzbrocken.«
Martina seufzte wieder. »Da hat mir Tommy aber echt ein Ei gelegt. Ich soll den Kerl morgen interviewen.«
»Viel Vergnügen«, wünschte Dagmar sarkastisch. »Sei bloß pünktlich.«
Martina zog eine Grimasse. »Das hat mir Tommy auch schon gesagt.« Sie griff nach dem Telefonhörer und buchte einen Flug nach München, dann legte sie auf, hob aber gleich wieder ab und wählte eine weitere Nummer. Wenn sie schon mal in München war, wollte sie das auch ausnützen, um einen Verwandtschaftsbesuch zu machen.
Martina lächelte ein wenig. Es war lange her, seit sie ihren Onkel zum letzten Mal gesehen hatte. Sie freute sich auf ihn und seine Frau, auf ihre Cousins und Cousinen, von denen sie zwei noch gar nicht kannte. Seit ihrem letzten Besuch waren immerhin fast drei Jahre vergangen.
»Daniel«, meldete sich am anderen Ende der Leitung eine sympathische männliche Stimme.
»Halle, Stefan, hier ist Martina«, begrüßte sie ihren Cousin.
»Martina, das nenne ich aber eine Überraschung«, erwiderte Stefan, und sein Tonfall machte deutlich, wie sehr er sich über ihren Anruf freute. »Du solltest dich viel öfter melden.«
»Die Verbindung Hamburg-Steinhausen würde auch umgekehrt funktionieren«, hielt Martina dagegen.
Stefan seufzte. »Da hast du natürlich auch wieder recht. Und? Wie geht’s meiner Lieblingscousine?«
Martina mußte lachen. »Du alter Filou. Ich bin schließlich deine einzige Cousine.« Sie schwieg kurz. »Ist Onkel Robert in der Nähe?«
»Nein, leider nicht«, antwortete Stefan bedauernd. »Er mußte dringend zu einem Hausbesuch. Kann ich ihm etwas ausrichten, oder soll er zurückrufen«
»Nein, Stefan, ein Rückruf ist nicht nötig«, wehrte Martina ab. »Ich wollte nur ankündigen, daß ich morgen auf einen Sprung vorbeikomme, wenn es euch recht ist.«
»Also, hör mal, Martina, was soll denn der Nachsatz?« fragte Stefan energisch. »Du weißt genau, daß du uns immer herzlich willkommen bist. Hast du beruflich hier zu tun, oder ist es eine Vergnügungsreise?«
»Leider beruflich. Ich muß für einen erkrankten Kollegen ein Interview in München übernehmen. Deshalb kann ich auch noch nicht sicher sagen, bis wann ich bei euch sein kann.«
»Kein Problem«, urteilte Stefan. »Wenn wir wissen, daß du kommst, werden wir jedenfalls da sein. Du kannst auch hier übernachten, wenn du möchtest. Seit der Hochzeit meiner Schwester steht ein Zimmer leer.«
Martina seufzte. »Schade, daß ich nicht dabeisein konnte, als Karina und Jeff geheiratet haben.« Sie lächelte ein wenig. »Ich freue mich, euch alle wiederzusehen.«
»Tessa und Gerrit kennst du ja noch gar nicht«, fiel es Stefan auf einmal ein.
Martina nickte, obgleich ihr Cousin das nicht sehen konnte. »Bei der Hochzeit deines Vaters konnte ich ja ebenfalls nicht dabeisein. Da war ich gerade bei den French Open. Aus diesem Grund habe ich leider auch die Adoption der kleinen Tessa verpaßt, aber nach allem, was ich erfahren habe, muß sie ein rechter Goldschatz sein.«
»Stimmt«, gab Stefan zu, und an seiner Stimme konnte sie hören, daß er lächelte. »Tessa ist unser kleiner Sonnenschein. Gerrit natürlich auch. Papa ist ganz vernarrt in sein Nesthäkchen, und Manon ist überglücklich, weil sie gar nicht mehr damit gerechnet hatte, jemals ein eigenes Kind zu bekommen.«
»Und wie fühlst du dich dabei?« wollte Martina wissen. »Ich meine, bisher warst du der einzige Sohn und nun hast du auf einmal Konkurrenz bekommen.«
»Gerrit ist keine Konkurrenz«, entgegnete Stefan ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. »Das einzige, was mir an seiner Geburt zu schafften machte, war…« Er stockte, und Martina hätte sich ohrfeigen mögen, weil sie nun eine Wunde wieder aufgerissen hatte, die wohl gerade am Verheilen war. Sie wußte schließlich, daß Stefans Verlobte beim Brand der Waldsee-Klinik ums Leben gekommen war. Zu jenem Zeitpunkt war sie schwanger gewesen.
»Es tut mir leid, Stefan«, murmelte Martina betreten.
»Schon gut«, meinte er mit etwas gepreßter Stimme, dann zwang er sich zu einem munteren Ton. »Also, wir freuen uns auf dich. Vielleicht läßt es sich ja einrichten, daß du ein paar Tage bleibst. Morgen ist Donnerstag. Du könntest also ein verlängertes Wochenende hier verbringen.«
Aber Martina wollte sich nicht festlegen. »Mal sehen, Stefan. Grüße inzwischen schon mal alle von mir.«
»Wird gemacht, Martina. Bis morgen!«
Sie verabschiedeten sich, dann legte die junge Frau auf. Ja, sie freute sich wirklich auf dieses Wiedersehen… auf ein Gespräch mit ihrem einfühlsamen, verständnisvollen Onkel. Seltsam – mit ihm hatte sie meistens viel besser sprechen können, als mit ihren Eltern. Onkel Robert wußte auch mehr über sie, obgleich sie ihn wesentlich seltener sah.
Martina zwang sich, die Fragen durchzulesen, die sie morgen an den Staatssekretär stellen mußte, aber in Gedanken war sie schon viel weiter… sie war in Steinhausen.
*
Dr. Robert Daniel kam wieder reichlich spät aus der Praxis, so daß seine Familie schon einträchtig beim Abendbrot saß.
»Oh, ein seltener Gast«, scherzte seine Frau Manon und legte noch ein Gedeck auf.
Dr. Daniel zog eine Grimasse. »Vielen Dank, geliebtes Eheweib.«
Manon mußte lachen und schlang ihre Arme um seinen Nacken, dann küßte sie ihn zärtlich.
»Du mußt aber zugeben, daß wir dich beim Abendessen nur selten dabeihaben«, meinte sie. »Mein kleiner Scherz hatte also durchaus seine Berechtigung.«
Dr. Daniel seufzte abgrundtief. »Ich kann ja auch nichts dafür. Irgendwie schaffe ich es einfach nicht, pünktlich Feierabend zu machen.«
»Morgen solltest du es zumindest versuchen«, wandte sein Sohn Stefan ein.
Nachdenklich runzelte Dr. Daniel die Stirn. »Morgen? Ist da etwas Besonderes? Hochzeitstag, Geburtstag oder sonst etwas, das ich wieder im Begriff bin zu vergessen?«
Stefan mußte lachen und schüttelte den Kopf. »Nein, Papa, kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu bekommen.« Er wurde wieder ernst. »Martina hat heute angerufen. Sie ist beruflich in München und wird nach dem Interview, das sie zu führen hat, für einen Sprung nach Steinhausen kommen, um uns zu besuchen. Ich habe ihr zwar angeboten, daß sie das verlängerte Wochenende bei uns verbringen kann, aber sie wollte noch nicht endgültig zusagen.«
Dr. Daniel nickte. Sein Gesichtsausdruck war besorgt. »Wie geht es ihr?«
»Das habe ich auch gefragt, aber sie hat mir keine Antwort gegeben, sondern geschickt abgelenkt«, antwortete Stefan.
Dr. Daniel nickte, als hätte er genau diese Antwort erwartet. »Ich weiß schon, sie spricht nicht gern über ihre Krankheit.« Er seufzte leise. »Ist wohl auch verständlich.«
»Ist es denn sicher, daß sie ausbrechen wird?« wollte Stefan wissen.
Sein Vater sah ihn ernst an. »Du bist Arzt. Dir muß ich auf diese Frage bestimmt keine Antwort geben.«
Nun war es Stefan, der seufzte. »Sie tut mir so leid. Wenn man nach einem Unfall plötzlich erblindet, dann ist das ganz schrecklich, aber wenn man von Kindheit an weiß, daß man eines Tages blind werden wird…« Er schüttelte den Kopf, dann sah er seinen Vater an. »Warum haben Onkel Frank und Tante Sabine eigentlich nicht auf ein Kind verzichtet? Sie wußten doch von dieser Erbkrankheit in Tante Sabines Familie.«
Dr. Daniel lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Eben nicht… das heißt, Sabine wußte es natürlich. Sie ist jetzt seit fast zehn Jahren blind. Aber damals…« Er fuhr sich mit einer Hand durch das dichte blonde Haar. »Sie hat es Frank erst gesagt, als Martina schon unterwegs war. Sie haben sich dieses Kind so sehr gewünscht und vielleicht haben sie auch gehofft, Martina wäre nicht davon betroffen.«
»Was objektiv betrachtet ziemlich unwahrscheinlich war«, wandte Manon ein. Sie kannte die traurige Geschichte des jungen Mädchens ebenfalls. Martina hatte die ersten Ausfälle wie Nachtblindheit schon als Zehnjährige gehabt. Mittlerweile litt sie an Gesichtsfeldeinengung und würde bis in fünf oder zehn Jahren völlig blind sein. Eine Behandlung war nicht möglich.
»In diesem Fall hat sie als Sportjournalistin auch nicht gerade einen Beruf mit Zukunft«, meinte Stefan.
Dr. Daniel nickte. »Das ist richtig, aber die vergangenen Jahre waren für Martina von unheimlich großer Bedeutung. Sie war als Kind selbst sehr sportlich. Sie spielte Tennis, Handball und Fußball, aber als die Gesichtsfeldeinengung begann, mußte sie das alles aufgeben. Es war zu anstrengend, sie belastete ihre Augen zu sehr. Als Sportjournalistin kann sie nun wenigstens über das schreiben, was sie so gern selbst machen würde. Sie weiß, daß ihr die Sehfähigkeit nur noch ein paar Jahre erhalten bleiben wird, deshalb nützt sie jede Minute voll aus.«
»Das ist ja schrecklich«, murmelte Manon betroffen.
»Ich an Sabines Stelle hätte es nie auf eine Schwangerschaft ankommen lassen«, mischte sich nun Dr. Daniels ältere, verwitwete Schwester Irene Hansen ein. Sie sah ihren Bruder an. »Aber deine werte Schwägerin war schon immer egoistisch.«
Bedächtig wiegte Dr. Daniel den Kopf hin und her. Seine Verbindung zum Bruder seiner ersten Frau war nicht besonders eng gewesen. Er und Frank hatten zwar nie wirklich gestritten, aber eine tiefe Freundschaft war daraus eben auch nicht erwachsen.
»Ich weiß nicht, ob du das mit Egoismus erklären kannst«, erwiderte Dr. Daniel nun. »Sabine hätte ihrem Mann schon viel früher die Wahrheit erzählen müssen, dann hätte Frank auch nicht so sehr auf einen Erben für die Firma gedrängt.« Er zuckte die Schultern. »Also Wenn und Aber nützt jetzt nichts mehr. Martina muß mit dieser Krankheit leben.«
*
Martina Steiner erreichte das Sheraton eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Termin. Sie war nervös – nicht nur, weil sie von Politik nichts verstand… sich nie dafür interessiert hatte, sondern weil man ihr Gerhard Graf in der Redaktion von verschiedenen Seiten nicht gerade als angenehmen Zeitgenossen geschildert hatte.
Wieder warf Martina einen Blick auf die Fragen, die Tommy ihr aufgeschrieben hatte. Dabei hatte sie das Gefühl, als wäre ihr Blickfeld heute noch eingeschränkter als sonst, was vermutlich Einbildung war und aus ihrer schrecklichen Nervosität geboren wurde.
Sie sah, wie der Portier auf einen gerade eintreffenden Gast zueilte und sich beinahe übertrieben verbeugte.
»Guten Tag, Herr Graf«, begrüßte er ihn und winkte sofort zwei Pagen heran, die sich um das Gepäck des Mannes kümmerten. »Ihre Suite steht schon bereit.«
Martina atmete tief durch. Der große Augenblick war also da. Es widerstrebte ihr, den Mann jetzt gleich zu überfallen, andererseits hatte Tommy ihr eingeschärft, nur ja pünktlich zu sein. Inzwischen blieben noch fünf Minuten bis zum vereinbarten Termin. Martina mußte sich dem Staatssekretär jetzt also zu erkennen geben, sonst würde das Interview zweifellos platzen.
Sie trat zur Rezeption, wo der Mann mit dem Rücken zu ihr stand und mit dem Portier sprach. Seine Stimme ließ etwas in Martina anklingen. Es war eine sehr angenehme Stimme, die sich mit dem arroganten, unangenehmen Menschen nicht vereinbaren ließ, als der ihr Gerhard Graf geschildert worden war. Seine Stimme war nicht übermäßig tief, aber dennoch sehr männlich… beinahe schon markant.
Martina räusperte sich vernehmlich, ehe sie ihn ansprach: »Herr Graf.«
