Glück will erkämpft sein - Michaela Dornberg - E-Book

Glück will erkämpft sein E-Book

Michaela Dornberg

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Beschreibung

Als der alte Fahrenbach, der eine zunächst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlässt er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jörg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin. Es war ein wunderschöner Spätnachmittag. Die Sonne schien und tauchte die Landschaft in ein sanftes goldenes Licht, aber dafür hatte Bettina keinen Sinn. Sie saß neben ihrem alten Jugendfreund Markus Herzog in dessen Auto und konnte es kaum erwarten, an den See zu kommen. Sie konnte es nicht glauben, dass sich auf ihrem Grund und Boden am See Landvermesser tummeln sollten. Es musste sich dabei ganz einfach um einen Irrtum handeln. Sie wusste doch nun wirklich ganz genau, dass sie niemandem einen solchen Auftrag erteilt hatte. Warum auch. Sie würde niemals ein Seegrundstück verkaufen, und sie gehörte auch nicht zu den Leuten, die aus lauter Neugier den Wert von Grundstücken feststellen ließen, um sich danach daran zu ergötzen, wie wertvoll ihr Besitz war. Sie war ein bisschen sauer auf Markus, der auf den Hof gekommen war, um ihr Vorhaltungen zu machen, weil sie ihre besten Freunde über diese angebliche Aktion nicht informiert hatte. Das tat ein bisschen weh, denn er hätte wissen müssen, dass sie ihre besten Freunde nicht hinterging. »Es macht mich traurig, Markus, dass du mir nur Vorhaltungen gemacht hast, ohne einen Augenblick daran zu denken, dass ich eine solche Aktion ohne euch niemals starten würde. Du weißt doch, wie schrecklich ich es finde, dass auf dem Grundstück des Huber-Bauern diese dreißig Häuser, der Supermarkt und das Restaurant entstehen. Und dann soll ich das Schönste, was Fahrenbach zu bieten hat, den See, parzellieren lassen?« »Es ist dein Recht, der See mit den dazugehörigen Grundstücken gehört dir.« »Markus, darum geht es überhaupt nicht. Es geht darum, dass du an mir gezweifelt hast.« Er bremste, fuhr an die Seite und blickte Bettina an. »Nun sei mal ganz ehrlich, was du davon halten würdest, wenn im ganzen Dorf über nichts anderes gesprochen wird und du dich dann selbst davon überzeugt hättest, dass fleißig an mehreren Stellen vermessen wird.« »Wenn, dann will die Gemeinde noch etwas ausmessen.« »Bettina, ich habe es dir schon einmal gesagt, ich kenne die Leute von der Gemeinde.

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Bettina Fahrenbach - Eine Powerfrau setzt sich durch – 14 –Glück will erkämpft sein

… denn sie liebte nur den einen!

Michaela Dornberg

Es war ein wunderschöner Spätnachmittag. Die Sonne schien und tauchte die Landschaft in ein sanftes goldenes Licht, aber dafür hatte Bettina keinen Sinn.

Sie saß neben ihrem alten Jugendfreund Markus Herzog in dessen Auto und konnte es kaum erwarten, an den See zu kommen.

Sie konnte es nicht glauben, dass sich auf ihrem Grund und Boden am See Landvermesser tummeln sollten.

Es musste sich dabei ganz einfach um einen Irrtum handeln. Sie wusste doch nun wirklich ganz genau, dass sie niemandem einen solchen Auftrag erteilt hatte. Warum auch. Sie würde niemals ein Seegrundstück verkaufen, und sie gehörte auch nicht zu den Leuten, die aus lauter Neugier den Wert von Grundstücken feststellen ließen, um sich danach daran zu ergötzen, wie wertvoll ihr Besitz war.

Sie war ein bisschen sauer auf Markus, der auf den Hof gekommen war, um ihr Vorhaltungen zu machen, weil sie ihre besten Freunde über diese angebliche Aktion nicht informiert hatte.

Das tat ein bisschen weh, denn er hätte wissen müssen, dass sie ihre besten Freunde nicht hinterging.

»Es macht mich traurig, Markus, dass du mir nur Vorhaltungen gemacht hast, ohne einen Augenblick daran zu denken, dass ich eine solche Aktion ohne euch niemals starten würde. Du weißt doch, wie schrecklich ich es finde, dass auf dem Grundstück des Huber-Bauern diese dreißig Häuser, der Supermarkt und das Restaurant entstehen. Und dann soll ich das Schönste, was Fahrenbach zu bieten hat, den See, parzellieren lassen?«

»Es ist dein Recht, der See mit den dazugehörigen Grundstücken gehört dir.«

»Markus, darum geht es überhaupt nicht. Es geht darum, dass du an mir gezweifelt hast.«

Er bremste, fuhr an die Seite und blickte Bettina an.

»Nun sei mal ganz ehrlich, was du davon halten würdest, wenn im ganzen Dorf über nichts anderes gesprochen wird und du dich dann selbst davon überzeugt hättest, dass fleißig an mehreren Stellen vermessen wird.«

»Wenn, dann will die Gemeinde noch etwas ausmessen.«

»Bettina, ich habe es dir schon einmal gesagt, ich kenne die Leute von der Gemeinde. Das sind Fremde.«

Bettina seufzte. »Komm, Markus, fahr bitte weiter. Diese Diskussionen bringen doch nichts. Ich weiß, dass ich niemandem einen Auftrag gegeben habe.«

Er startete und fuhr wieder los, und es dauerte nicht lange, da hatten sie den See erreicht.

»Wo hast du denn die Leute gesehen?«, wollte Bettina wissen, die nämlich niemanden entdeckte.

»An mehreren Stellen, auch auf dem von euch eingezäunten Grundstück.«

»Dann lass uns dorthin fahren.«

Als sie den Parkplatz erreicht hatten, bemerkte Bettina, dass das Törchen offen war. Sie konnte sich aber sehr gut daran erinnern, es geschlossen zu haben, als sie am Tag zuvor mit ihrem Schwager Holger dort gewesen war, um die Boote winterfest zu machen.

Jeder wusste, dass hier der Privatbesitz der Fahrenbachs war und das dieses Stückchen Grundstück ausschließlich von ihnen genutzt wurde. Es wäre niemand von den Fahrenbachern auf den Gedanken gekommen, diese Privatsphäre zu stören. Schließlich durften sie, dank der Großzügigkeit der Familie Fahrenbach, den See und alles, was dazu gehörte, nutzen.

Und dann entdeckte sie die technischen Geräte, die auf dem Grundstück standen, und zwei Männer, die es sich auf der Bank am Ende des Bootssteges gemütlich gemacht hatten. Sie hatten eine Thermoskanne zwischen sich, dem Geruch nach zu urteilen, mit Kaffee gefüllt, sie hielten Becher in den Händen, einer hatte ein Handy am Ohr, und Bettina hörte, wie er gerade sagte: »Männer macht Schluss für heute. Das Licht reicht nicht mehr aus. Morgen ist auch noch ein Tag, da machen wir weiter. Wir starten zur üblichen Zeit.«

Mit wenigen Schritten war Bettina bei den Männern, gefolgt von Markus.

»Was machen Sie hier?«, wollte sie wissen.

Der Mann, der telefoniert hatte, steckte sein Handy weg und musterte Bettina.

»Warum sollte ich Ihnen das sagen?«

Bettina schnappte nach Luft wie ein Fisch, der versehentlich ans Ufer gespült worden war.

»Ich fürchte, dass Sie keine andere Wahl haben, als es mir schleunigst zu erzählen. Sie befinden sich auf meinem Grund und Boden, und das, was Sie gemacht haben, nennt man Hausfriedensbruch.«

»Nun mal ganz sachte«, der Mann ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. »Wir sind hier nicht eingedrungen, sondern erfüllen einen Auftrag.«

Bettina bebte vor Zorn, dieser Mann war unglaublich dreist und fühlte sich wirklich im Recht.

»Ach, Sie erfüllen einen Auftrag? Dann können Sie mir sicherlich auch sagen, wer Ihnen diesen erteilt hat.«

Er grinste sie an.

»Ihre Bank, Gnädigste. Vermutlich sind Sie Ihren Kreditverpflichtungen nicht nachgekommen, haben diese Grundstücke hier, wirkliche Sahnestückchen, als Sicherheit hinterlegt, und weil Sie nicht zahlen, nimmt die Bank Zugriff.«

Bettina glaubte, in einem schlechten Film eine noch miesere Rolle zu spielen. Sie hatte bei keiner Bank der Welt Grundstücke als Sicherheit hinterlegt. Sie hatte lediglich einmal versucht, den Hof mit allen Gebäuden als Sicherheit zu geben, weil sie unbedingt Geld benötigt hatte. Aber dieser Kredit war ihr ja verwehrt worden, weil sie kein festes Einkommen hatte.

»Welche Bank soll es denn sein?«, höhnte sie. »Das können Sie sicherlich auch sagen, oder? Ich warte ganz gespannt auf Ihre Antwort.«

»Aber sicher kann ich das. Es ist die Regionalbank, und veranlasst hat es Herr Dr. Fleischer …, dämmert Ihnen jetzt etwas?«

Bettina war blass geworden. Dr. Fleischer war der Chef der Reginalbank, und er war es auch gewesen, der ihr einen Kredit verweigert hatte. Sie war bei dieser Bank längst keine Kundin mehr, aber Frieder, ihr Bruder … und Dr. Fleischer hatte die sogenannten Visionen ihres Bruders voll unterstützt. War Frieder gescheitert? Doch wenn, das hatte ja nichts mit ihr zu tun, sie hatte auch nicht für ihren Bruder gebürgt. Außerdem stand das Weinkontor doch hervorragend da, und selbst Fehler, die Frieder zweifellos gemacht hatte, konnten es nicht in eine Schieflage bringen – noch nicht, dafür war zu viel Substanz vorhanden.

»Ich habe weder mit Herrn Dr. Fleischer, den ich von früher her kenne, noch der Reginalbank etwas zu tun. Ich schulde der Bank nichts und habe dort auch schon lange kein Konto mehr. Also packen Sie bitte Ihre Sachen zusammen. Wenn ich morgen noch irgendjemanden von ihnen hier am See sehe, dann werde ich die Polizei holen und Sie wegen Hausfriedensbruch verklagen.«

»Ich habe einen Auftrag, und den werde ich mit meinen Leuten erfüllen. Reden Sie mit Dr. Fleischer …«

»Das muss ich nicht. Ich rede mit Ihnen und verbiete Ihnen im Beisein eines Zeugen, mein Grundstück noch einmal zu betreten. Und ich fordere Sie auf, alle Vermessungsarbeiten einzustellen.«

»Aber ich …«, der Mann wollte sich nicht geschlagen geben, aber Bettina gab ihm keine Chance, noch etwas zu sagen.

»Packen Sie augenblicklich zusammen, und pfeifen Sie all Ihre Mitarbeiter zurück … Bitte gehen Sie jetzt.«

Die Männer tauschten einen Blick miteinander, einer von ihnen, der bislang nichts gesagt hatte, schraubte den Verschluss seiner Thermoskanne zu, verstaute sie in der Tasche, trank den Rest seines Kaffees, um seinen Becher und auch den Becher seines Kollegen, der bereits leer getrunken war, ebenfalls in die Tasche zu stecken, dann erhoben sich die beiden.

»Und Sie sind sich sicher, dass alles so stimmt, wie Sie es sagen? Oder wollen Sie nur Zeit schinden? Wenn das Letztere der Fall ist, wird es nur noch teurer für Sie, denn dann haben Sie mit weiteren Kosten und auch Unannehmlichkeiten zu rechnen. Die Bank ist stärker als Sie, die wird ihre Forderungen auf jeden Fall durchsetzen.«

»Da bin ich absolut Ihrer Meinung«, pflichtete Bettina ihm bei, »aber dazu muss die Bank erst einmal eine Forderung haben, und die hat sie glücklicherweise gegen mich nicht. Und die Demonstration dessen, was Sie hier veranstaltet haben, sagt mir, dass es dazu auch niemals kommen darf. So, und das reicht jetzt, ich habe überhaupt keine Lust, noch weiter mit Ihnen zu diskutieren und erwarte, dass Sie jetzt gehen, und vergessen Sie nicht, all Ihre Gerätschaften mitzunehmen.«

Die Männer begriffen wohl, dass sie hier im Moment nichts mehr ausrichten konnten. Sie gingen an Bettina und Markus vorbei, der mit ungläubigem Gesichtsausdruck alles verfolgt hatte. Sie packten ihre Sachen zusammen und verließen das Grundstück.

Bettina war am Ende ihrer Kraft, sie ließ sich auf die Bank sinken, auf der kurz zuvor noch die beiden Männer gesessen hatten. Markus setzte sich neben sie.

Die Sonne war noch tiefer gesunken, sie tauchte das fast spiegelglatte Wasser in ein glutrotes Licht. Hier und da schnatterte noch eine Ente, mit ruhigen Flügelschlägen glitten Möwen dahin, Ausschau haltend nach einer leckeren Abendmahlzeit.

Es war ein Bild des Friedens, aber in Bettina war alles voller Aufruhr. Sie war den Männern gegenüber kühl und bestimmend aufgetreten, aber in ihrem Inneren tobte es.

»Bettina, hast du eine Ahnung, was das zu bedeuten hat«, wollte Markus wissen. »Ein Banker kann doch nicht einfach ohne dein Wissen und ohne Grund Vermessungen vornehmen lassen. Und du kennst diesen Banker doch auch.«

»Ja. Er war …, ich meine, mein Vater hat schon mit ihm zusammengearbeitet. Die Regionalbank war unsere Hausbank, und auch ich hatte meine Konten dort, die ich aber aufgelöst habe, als er mir keinen Kredit geben wollte.«

»Und du bist dir sicher, dass du nichts unterschrieben hast?«

»Ich bin mir absolut sicher, selbst wenn ich, angenommen einmal, unterschrieben hätte, hätte doch auch Geld fließen müssen.«

»Dann steckt dein Bruder dahinter.«

»Markus, mein Bruder ist zwar wild hinter einem Seegrundstück her, um hier einen Luxusschuppen einschließlich Golf- und Tennisplatz, Wellness-Oase und was weiß ich noch, herzubauen. Aber ich habe ihm weder ein Grundstück verkauft, es ihm nicht geschenkt, und ich habe ihm auch klipp und klar erklärt, dass es auch niemals der Fall sein wird. Der Fahrenbach-See bleibt in seiner Ursprünglichkeit erhalten, und daran wird sich niemals etwas ändern.«

Markus atmete auf.

»Wir können dir nicht genug danken, dass du die Einstellung hast wie dein Vater, nein, wie die Generationen vor dir. Aber, Bettina, nimm es nicht auf die leichte Schulter. Es steckt etwas dahinter.«

»Wenn es so sein sollte, werde ich es erfahren. Ich denke, Frieder hat Dr. Fleischer heißgemacht, und der unterstützt ja meinen Bruder bei allem, was er tut. Es kann ja sein, dass er einfach nur mal herausfinden wollte, was es mit diesem Seebauland auf sich hat.«

Nachdem sie diese Erklärung gefunden hatte, ging es ihr schon viel besser.

»Komm, lass uns zu Linde fahren, ich brauche jetzt erst mal einen Schnaps. Meinen Kühlschrank im Bootshaus habe ich leider schon ausgeräumt und aus gemacht. Außerdem muss Linde auch erfahren, dass ich nichts hinter eurem Rücken gemacht habe.«

»Na ja, Bettina, ehrlich gesagt, hat sie es auch nicht geglaubt, als ich es ihr erzählte. Ich hab vorhin ein bisschen gelogen, als ich sagte, sie sei auch sauer auf dich.«

»Männer«, sagte Bettina und schloss sorgfältig das Tor zu.

»Wie hättest du dich denn verhalten an meiner Stelle?«

Bettina zuckte die Achseln.

»Markus, ich weiß es nicht. Aber ich glaube, ich hätte nicht an dir gezweifelt.«

Er half ihr ins Auto und stieg selber ein, um loszufahren. Er sagte nichts, aber Bettina sah ihm an, dass er beschämt war.

»Weißt du, Markus, wir müssen das alles jetzt nicht überbewerten, auch nicht dein Verhalten. Die Indizien sprachen schließlich gegen mich. Niemand konnte ahnen, dass ein durchgeknallter Banker, aus welchem Grund auch immer, meine Seegrundstücke ausmessen lässt. Und im Grunde genommen war es ja gut, dass du voller Zorn zu mir auf den Hof gekommen bist und dich nicht schmollend zurückgezogen hast, sonst hätte ich doch überhaupt nicht erfahren, was sich da am See abgespielt hat.«

Sofort begann er zu strahlen.

»Danke, Bettina, ich bin wirklich froh, dass du nicht sauer auf mich bist.«

»Wie sollte ich denn, du bist doch mein Freund.«

Als sie ein Stück weitergefahren waren, sahen sie, wie Männer ihre Messgeräte in bereitstehende Lieferwagen einluden. Es sah nicht so aus, als wollten sie am nächsten Morgen noch einmal zurückkommen.

Dieses Kapitel war also beendet. Bettina glaubte nicht, dass Dr. Fleischer sich bei ihr melden würde. Warum auch. Sie hatte ja nichts mehr mit ihm zu tun. Glücklicherweise nicht.

*

Als sie in den Gasthof kamen, waren fast alle Tische besetzt. Wahrscheinlich bewirtete Linde wieder eine Reisegruppe, denn Bettina kannte kaum jemanden von den Gästen. Linde war unwahrscheinlich emsig darin, eine Auslastung ihres Gasthofs durch durchreisende Gruppen zu bekommen, neben ihren Stammgästen und Touristen, die nach Fahrenbach kamen, weil es hier wunderbare Wanderwege und Fahrradwege gab.

Linde war in ihrem Element und wirbelte, trotz ihrer Schwangerschaft, zwischen den Tischen herum.

Sie winkte ihnen zu.

»Setzt euch an den Stammtisch, ich komme, sobald es geht, zu euch.«

Bettina und Markus setzten sich. Wie voll das Lokal auch sein mochte, der Stammtisch war ein Heiligtum. An ihm durften nur bestimmte Gäste Platz nehmen. Hier hatte Bettina auch immer mit ihren Eltern und Geschwistern gesessen, wenn sie in den Ferien auf dem Fahrenbach-Hof gewesen waren. Doch wie lange war das schon her, und was hatte sich seitdem nicht alles verändert. Ihre Mutter lebte in Südamerika mit ihrem neuen, reichen Ehemann, ihr Vater war tot. Ihr Bruder Frieder hatte eine mondäne Freundin und war dabei das Weinkontor zugrunde zu richten. Sein Sohn Linus war aus dem Internat verschwunden, und seine Noch-Ehefrau verschwendete ein Vermögen an Schönheitschirurgen. Ihr Bruder Jörg hatte das Chateau Dorleac in Frankreich in eine finanzielle Schieflage gebracht und war von seiner Frau Doris verlassen worden. Ihre Schwester Grit verbrachte ihre Zeit mit ihrem jungen Lover, und es machte ihr nichts aus, dass ihr Noch-Ehemann die beiden Kinder mit nach Kanada nahm.

Was war nur aus ihrer Familie geworden!

»He, Bettina«, riss die Stimme von Markus sie aus ihren trübseligen Gedanken. »Ich bin auch noch hier. Woran denkst du? Doch hoffentlich nicht mehr an diese Landvermesser?«

»Nein, entschuldige Markus. Ich musste gerade an meine Familie denken. Ich weiß auch nicht, warum. Aber wir haben hier ja immer gesessen. Was hat sich nicht alles verändert inzwischen.«

»Das ist normal, Veränderungen gehören zum Leben. Ich saß früher auch mit meinen Eltern an diesem Tisch, und mit meiner Schwester. Meine Eltern sind inzwischen tot, und meine Schwester ist weggezogen.«

»Aber deine Schwester ist normal geblieben, während meine Geschwister sich in eine Richtung entwickeln, die ich nicht mehr nachvollziehen kann.«

»Deine Geschwister waren immer anders als du, das war schon so, als ihr noch Kinder ward. Du bist halt eine echte Fahrenbach. Und darauf kannst du sehr stolz sein.«

Linde kam an den Tisch.

Sie stellte zwei Schnäpse vor sie hin.

»Ihr seht so aus, als könntet ihr sie vertragen. Es ist ja leider kein Fahrenbach-Kräutergold mehr. Aber diese ›Küstenfeuer‹ kann ich auch sehr empfehlen.« Sie blinzelte Bettina zu. »Ich biete es überall an, um deinen Umsatz zu steigern. Und meist kann ich es, auch wie das ›Dünenlicht‹ an den Mann bringen … Ich komme gleich zu euch, und dann möchte ich wissen, was es mit dem Spuk am See auf sich hatte. Und wenn ich zu euch komme, will ich fröhliche Gesichter sehen, verstanden?«