Verlag: Books on Demand Kategorie: Religion und Spiritualität Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Glücklich in jeder Beziehung - Rita Kasparek

Kuscheln will gelernt sein! Seit ihr Karl-Theo tot ist, leidet Marlene eindeutig unter Liebesentzug. Allein versauern oder anderen zur Last fallen will sie nicht. Also sucht sie nach passenden Beziehungsformen. Die Sechzigjährige überwindet ihre Ängste und springt mitten ins Leben, echt Marlene eben!

Meinungen über das E-Book Glücklich in jeder Beziehung - Rita Kasparek

E-Book-Leseprobe Glücklich in jeder Beziehung - Rita Kasparek

Für alle, die mit mir jemals in Beziehung getreten sind:

meine lieben Eltern und Großeltern,

meine Geschwister,

meine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder

sowie alle, die mit mir verwandt oder verschwägert sind.

Ganz besonders am Herzen liegen mir natürlich

die Männer und Frauen,

die mich über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben,

eben Freunde und Freundinnen fürs Leben!

Inhalt

Zur Einstimmung

Kapitel Eins: Ich mit mir allein

Auf ein Neues!

Erster Versuch

Wohn-Pläne

Rückkehr

Das liebe Wohnen

Die Kunst, allein zu wohnen

Der Alltag

Lerneinheiten

Das ungewohnte “Oma“-Sein

Dann gute Nacht!

Nur koin Stress!

Abkühlung

Abenteuer

Zum Brillen

Gute Wünsche

Kapitel Zwei: Ich, die Natur und das Übernatürliche

Natürliches Intensivtraining

Tierische Erfahrungen

Lernaufgabe Vergebung

Nächste Lektion

Lernmöglichkeiten

Fromme Einsichten

Katzenliebe

Kapitel Drei: Ich unter Gleichgesinnten

Kontaktsuche

Selbstheilung

Fastenzeit

Unter Frauen

Abenteuer Kuschelparty

Tauschbörsenfreuden

In der Mette

Kapitel vier: Ich und meine Familie

Pläne

Osterfeier

Das wahre Familienleben

Aufwärts

Ausfahrt

Fehltritt

Überraschend

Neuer Anlauf

Übung macht den Meister

Bärenkur

Juhu, Papa kommt

Familien-Freuden

Kapitel Fünf: Hinwendung zum Du

Heiße Fakten

Hilfreiche Menschen

Zum „Verlieben“

Sei gut zu Dir

Vergebung in der Praxis

Frau sein

In der Trauer begleitet

In guten und in schlechten Zeiten

Kraft schöpfen

Bangen und hoffen

Unbekanntes Terrain

Helle Zeiten

Schlafstörungen

Gelehrte Belehrungen

Ich weiß nicht was soll das bedeuten

Wer bin ich

Nomen est Omen

Unheilige Schnepfen

Kapitel Sechs: Wir zwei

Abfahrt

Sondierung der Lage

Wanted: Herr S….

Happy Birthday

Und dennoch

Getrennt

Geniale Lösung

Du sollst nicht krank sein

Frohes Fest

Umstellungen

Frau am Steuer

Nervensache

Durcheinander

Planungsstress

Arbeitseinsatz

Überstanden

Geniale Erfindung

Im Garten

Kennenlernen

Dazugehörig

99. Geburtstag

Trockenzeit

Eifersucht

Sommerliches Pflichtprogramm

Heftige Zeiten

Adventlich

Weihnachtliche Auseinandersetzung

Familienzuwachs

Hundertprozentig

Jahresrückblick und Dankeschön

In eigener Sache

Zur Einstimmung

Liebe Betti! Liebe Leserinnen und Leser!

Das Wort Kuschelfaktor ist derzeit in aller Munde. Leider nützt das nichts, weil echtes Kuscheln eben unter die Haut gehen muss! Genau hier beginnt die Krux des Alleine-Seins. Was uns als Single, als Trauernde, Verlassene oder im Dauerstreit Befindliche am allermeisten fehlt, ist menschliche Nähe und Berührung. Also kein Wunder, dass wir immerfort nach dem passenden Gegenstück suchen!

Vom Ich zum Wir ist es ein weiter Weg, mit Dornen gepflastert, dafür aber umso abwechslungsreicher.

Täglich finden wir neue Übungsmöglichkeiten, uns in einem/r anderen zu entdecken.

Der Schrecken, mir selbst im Spiegel zu begegnen, sitzt mir noch immer in den Knochen. Das passierte mir während eines Selbsterfahrungskurses vor gut dreißig Jahren. Inzwischen habe ich mich so weit an mich gewöhnt, dass ich sogar dem Unbekannten ungeniert ins Auge blicken kann.

So wollen wir also dieses vorliegende Buch geduldig und einfühlsam über die Runden bringen, aneinander lernen, miteinander aushalten, füreinander da sind.

Du siehst schon: Wieder mal bloß ein Bratgeber, wieder mal bleibt die Arbeit an Dir alleine hängen! Ich kann Dir nur von mir berichten und Dich auf Deinem Weg begleiten. Dir bleibt nur der Trost, dass ich es gerne mache.

Jede Beziehung beginnt im eigenen Zentrum.

Genieße die Begegnung mit Dir selbst. Du bist es wert!

Kapitel Eins: Ich mit mir allein

Befinden: Sehr gewöhnungsbedürftig!

Kuschelfaktor: Denkbar niedrig

Einsamkeit ist ein absurdes Theater des eigenen Ichs. Trotz der vielen Menschen auf der Bühne sieht das Ego einzig und allein sich selbst.

Wenn Du Marlene genau beobachtest, wirst Du die unterschiedlichsten Facetten des Menschseins entdecken, von der Kinderwagenwelt des fünfmal täglich Versorgtsein Wollens bis zum eingefleischten Single, der über alles und jedes alleine bestimmen will.

Diese Stimmungen wechseln – täglich bis stündlich!! Und hurra, dies ist NORMAL!!!

Auf ein Neues!

Liebe Betti!

Sicherlich bist auch Du mittlerweile gut ins Neue Jahr geschlittert. Ich versuchte in altbewährter Weise hinüberzuschlummern, aber die Schießversuche der Nachbarschaft haben mich soweit wachgehalten, dass mich auch Peter mit seinem nächtlichen Anruf nicht wirklich zu erschrecken vermochte. Als die Kirchenglocken zu läuten begannen, setzte ich mich warm eingehüllt in Deine bunte Kuscheldecke der Reihe nach an jedes Fenster, um gemeinsam mit meinem riesigen weichen Eisbärbaby das Feuerwerk zu genießen.

Dann versuchte ich doch noch einen Rundumruf an meine Familie zu starten.

Tante Melli tat so, als freue sie sich: Sie habe schon geschlafen, die Katze endlich auch!!!

„O je, tut mir soooo leid“, seufzte ich geknickt.

Jana und Achim taten, als freuten sie sich wirklich:

„Ääääääh, Freunde da, murmel murmel, passt schon, macht ja nix, ist doch nett von Dir …..!!!“

„Oh, tut mir leid“, seufzte ich beschämt.

Bei Helen klingelte das Handy auffallend lang. Dann knackste es. Wie schön, also doch jemand zu Hause, freute ich mich insgeheim und lauschte erwartungsvoll.

„Wir sind nicht da“, knurrte Leo ins Telefon und knallte den Hörer auf. Uiiiii, das tat mir jetzt wirklich richtig leid!!!

Ich kroch ins Bett, kuschelte mich an meinen Eisbären und flüsterte: „Gell, wir zwei, wir verstehen uns!“

Immerhin war ich heute Morgen wach genug, um schon um acht Uhr in die Autobahnkirche zu fahren. Da grinsten mir freudig vier weitere fromme Mitchristen entgegen. Irgendwie gab es ausgerechnet zu Jahresbeginn keine Messe. Wir beratschlagten, ob wir nun OHNE Pfarrer und TROTZDEM ...

Ich begann bereits an mir und meinem Geisteszustand zu zweifeln. Zum Trost versicherten mir die anderen Frühaufsteher, in der Zeitung hätte tatsächlich ACHT Uhr gestanden. Na so ein Glück, dann hab ich wenigstens RECHT behalten, das Jahr beginnt SEHR GUT!

In Wasawieslein ist ein Mann gestorben, den ich gar nicht kannte. Egal, da kann ich jetzt jeden Abend ins Kirchlein gehen, um gemeinsam einen Rosenkranz zu beten. Früher war mir das lästig. Aber jetzt bin ich schon dankbar, ein paar Nachbarn treffen zu können!

Ich wünsche Dir samt der ganzen Family einen wundervollen neuen Start, lass das Neue Jahr geruhsam angehen mit viel Freude und wenig Streit. Genießt die gemeinsame Zeit!

Herzlich von

Marlene allein zu Haus

Erster Versuch

Liebe Betti!

Lass Dich drücken für Dein schönes Neujahrsmail! Du hast Dir wieder mal so viel Zeit für mich genommen. Es ist Klasse, in Gedanken bei Dir sein zu können, Deine Familie ist ein echter Krimi für sich!

Ich selber genieße einesteils das Alleinsein, und meine Familie ist ebenso wie ich nicht allzu gesellig. Da reichen drei gemeinsame weihnachtliche Stunden locker für ein Vierteljahr!

Der Einzige, mit dem ich gerne, immer und so eng wie möglich meine Zeit teilen würde, fehlt mir so sehr, dass ich lieber nicht darüber reden möchte. Wahrscheinlich erahnst Du auch so, wie sehr mir Karl Theo fehlt, gerade an den besonderen Tagen.

Also versuche ich mich zu überwinden und aus meiner dunklen Ecke heraus zu kriechen. Das erste Opfer wird Helen sein. Ich wüsste zu gern, was sie im Innersten von meinem Besuch wirklich hält!!

Zurzeit bin ich hier voller Panik beim Packen, damit ich ja nichts vergesse, besser gesagt AN ALLES DENKE, um meinen Nordseetrip gut zu bewältigen. Ob das mit den Zwischenübernachtungen eine so grandiose Idee war, bezweifle ich langsam, weil ich nun noch mehr im Voraus zu überlegen habe. Egal, da muss ich durch.

Deine packende Marlene

Wohn-Pläne

Liebe Betti!

Vielleicht hab ich eine Mitbewohnerin fürs Haus gefunden, wir beschnuppern uns noch. Sie ist sehr ruhebedürftig, liebt klassische Musik und möchte gern stundenlang meditieren. Ob ihr das gelingen wird, wenn bei mir auf voller Lautstärke Wagner gespielt wird? Oder Rock ´n Roll?

Und ein eigenes Bad braucht sie auch. Am liebsten auch eine eigene Küche. Hilfe, ich sehe mich schon im Keller duschen und auf dem Kohleofen mein Süppchen kochen.

Wie Du siehst, versuche ich ALLES, um bloß nicht für immer alleine bleiben zu müssen!

Schon fünf Minuten später grüble ich, wie verlockend es wäre, morgens um fünf Uhr KRACH machen zu dürfen, soviel ich will. Rücksicht nehmen ist vielleicht doch nicht so mein Ding?

Wenn ich mit Dir zusammenziehen würde, bräuchte ich nicht so lang überlegen, tja so ist das Leben!!

Deine hin und her gerissene Marlene

Rückkehr

Liebe Betti!

Danke für Dein Mail! Ich hoffe, Du hattest nette Tage und bist gut zurück, so wie ich!

Manchmal frage ich mich, was mehr anstrengt: der hochgelobte „Urlaub“ oder die Rückkehr ins eigene Haus.

Als ich am Freitagabend völlig groggy ankam, erwartete mich schon meine Schwägerin mit einer riesen Tüte Post: alles Rückantworten auf die Briefe, die ich noch am Abend vor meiner Nordseetour in den Postkasten geworfen hatte.

Also hab ich einen Tag beim Notar verbracht, um mir sechsmal meine krakelige Unterschrift beglaubigen zu lassen, damit ich sechsmal im Handelsregister eingetragen werde für Schiffe, die zum Teil wertlos, zum Teil schon verkauft sind und die nun niemand erben will, obwohl Karl Theo sie so liebevoll an seine Freunde vermacht hat. Ich hoffe, ich werde wenigstens einige noch los, weil verkaufen oder aus der Gesellschaft austreten kann man nicht, dann geht es irgendwann in MEIN Erbe, dann kriegen es meine drei Kinder, dann stehen die zu dritt beim Notar Schlange, das Ganze ist wahrlich VERRÜCKT!!

Am nächsten Tag musste ich mich dreimal bei der Post identifizieren lassen. Eine solche Prozedur dauert Stunden und die Warteschlange hinter mir wuchs bis vor die Eingangstüre.

Dabei muss ich mich infiziert haben und seitdem schniefe, huste und kulche ich wie ein Nordseewal.

Meine neue Mitbewohnerin hat mich vertröstet, sie werde frühestens in einem halben Jahr, ODER GAR NICHT, einziehen, aber sie finde die MÖGLICHKEIT so unglaublich toll! Ha!!!

Dafür hat sich, ohne dass ich was gesagt habe, aus der Medizinradgruppe ein vierzigjähriger MANN bei mir gemeldet, der aussieht wie Jesus mit zwanzig. Er hätte gern ein Zimmer bei mir und würde auch gern mit mir zusammenarbeiten. Das wird die frommen Kirchenbesucher jetzt beglücken, endlich wieder mal Gesprächsstoff und lüsterne Fantasien. Oder sind es MEINE??? Ich werde Dich weiterhin auf dem Laufenden halten!

Deine anscheinend Land gewinnende Marlene

Das liebe Wohnen

Liebe Betti!!

Noch mal vielen lieben Dank für Deinen aufmunternden Besuch!!

Mir geht es recht gut. Dank Tankraumsanierung riecht das Haus nur noch ganz dezent nach Öl, eher gar nicht, nur ein wenig nach der neuen Farbe.

Trotzdem besichtigte ich, wie ich Dir ja erzählt habe, im Nachbarort die neu geplanten Eigentumswohnungen. Infrage käme nur eine einzige (wegen der schönen Aussicht, das ist mir am Wichtigsten). Dabei stellte ich fest, dass die Nebenkosten bei dieser Dreizimmerwohnung genau so hoch sind wie beim Haus, upps!

Tags darauf kam „Jesus“ auf Besuch, maß sein neues Zimmer aus, schnupperte im Keller, befand, es stinke nach Öl (!!!!) und das ganze Haus sei noch so belastet von der Bindung zu Karl Theo (?), oder der noch bestehenden Liebe (??) oder meiner Unentschlossenheit (???), oder doch meiner Androhung, ich hätte die Angewohnheit, um halb sieben manchmal einen doofen Film anzuschauen (???). Sein Einwand: Gerade um diese Zeit wolle er in aller Ruhe in seinem Zimmer meditieren (????). Das Haus sei eben BELASTET, von was auch immer!!!

Er umarmte mich herzlich, gelobte weiterhin Freundschaft und Zusammenarbeit, ging zum bereits mit Umzugskisten und Schachteln vollgestapelten Auto und ergriff die Flucht!!!

Hinterher kam der Heizungsfachmann, dann der Kaminkehrer, beide gaben mir gute Tipps, und auf einmal fühlte sich alles wieder leichter an.

Am nächsten Morgen erreichte ich telefonisch problemlos meinen Bruder, der mir erklärte, ich brauche unbedingt eine große Wohnung GANZ FÜR MICH.

Daraufhin entschied ich, für´s Erste doch allein im Haus zu bleiben, BIS VIELLEICHT DU MAL BEI MIR EINZIEHST!!!!

Gestern hatte ich wegen all der aufregenden Gedanken bereits die ersten Schwächezustände. Der Gedanke, auf immer und ewig alleine mit einem Eisbären, ohne Hausmeister, ohne eine freundliche Schulter zum Anlehnen leben zu müssen, tut derart weh!

Keine Bange, Du siehst, tiefer geht´s nimmer. Also erwarte ich „fröhlich“ das AUFWÄRTS.

Dir ALLES LIEBE. Ich umarm Dich feste

Noch etwas unge-„wohnt“

Deine Marlene

P.S. Glaub mir, diese Schiffsanteile von Karl Theo würde nicht mal Dein Schwiegersohn geschenkt wollen, es sind uralte Frachter, die WENIGE Aufträge finden, großteils unverkäuflich sind und die Dummen, die im Handelsregister eingetragen sein müssen (jetzt ICH!), sollen Geld zuschießen, damit die Insolvenz nicht noch teurer für alle wird. Deshalb wollen auch meine Vermächtnisnehmer sich von mir den "Schrott" nicht übertragen lassen. Meine armen Nacherben, die das mal an der Backe haben!!

Die Kunst, allein zu wohnen

Liebe Betti!

Diese Woche hab ich mir oft vorgestellt, wie Du - gerade mal ein wenig genesen - schon wieder in der Welt herum turnst! Du bist ein echtes Stehaufmännchen (ähh -frauchen!).

Bei mir geht die Achterbahn anders herum. Nachdem ich von meiner Medizinfrau am Montag den (zugegeben teuren!!) Rat bekommen hatte, das riesig große Haus als Ort der Heilung zwar für mich allein zu bewohnen, aber mit offen stehenden Türen für alle, die zu mir kommen wollen, um sich zu regenerieren, ging es mir zunächst noch richtig gut. Ich marschierte jeden Morgen durchs Haus, reinigte unter liebevollen Tränen die ganzen finsteren Stellen, schob freundlich lächelnd den Ölgeruch und den Muffgeruch aus dem Keller nach draußen und ersetzte alle auftauchenden negativen Gedanken sofort mit aufbauenden, zukunftsweisenden.

Anfangs wirkte es echt super!

Aber von Tag zu Tag kommt mir das Haus größer vor, wie eine sanierungsbedürftige Baustelle, wo ich die nächsten hundert Jahre putzen, Feng-Shui - gemäße Farben anbringen, Möbel verheizen und neue einrichten muss, darf, werde????

Nachdem ich gestern eine Stunde im Garten die verholzten Stängel vom letzten Herbst auszuschneiden versuchte und mit Rosendornen voll gepikst schließlich heulend das Handtuch warf, wusste ich auf einmal mit absoluter KLARHEIT, die mir echt Gold wert ist: JETZT REICHT ES MIR!!!!

Ich sprach ein Machtwort zu mir: Auf in eine schnuckelige kleine Wohnung, den Hausmeister allzeit parat, wenige Fenster zu putzen und alles überschaubar!!! Und möglichst in der Nähe meiner besten Freundinnen!!!!

Seitdem versuche ich mich in Gedanken auf zwei Zimmer zu reduzieren, hoffentlich ist meine Tonne GROSS GENUG!!

Bussi, bleib wenigstens DU stark, eine muss schließlich die Stellung halten!! Ich umarme Dich

Deine mit sich ringende Marlene

Der Alltag

Liebe Betti!

Danke für Deine wie immer gewohnt aufmunternden Worte!

Nachdem mir meine Medizinfrau, wie Du bereits weißt „den Kopf gewaschen hat“, habe ich dieses Mal mein eigenes Medizinrad-Treffen ausfallen lassen und es fühlt sich trotzdem gut an.

Ich lerne, auf mich und meine Bedürfnisse zu lauschen, und weil ich einfach ein bisschen viel zu tun hatte mit Fenster putzen, Terrasse schrubben, Gräser schneiden, fand ich den rechten Schwung nach draußen nicht.

Am liebsten würde ich bloß noch faul auf der Couch liegen!

Aber da ich morgen meinem noch offenen Finanzkram entfliehen und an die Nordsee zu meiner persönlichen "Enkeltherapie" (lächel) fahren werde, musste ich wohl oder übel vorarbeiten.

Ich denk an Dich

Es umarmt Dich ganz alltäglich Deine Marlene

Lerneinheiten

Liebe Betti!

Danke, dass Du wenigstens per Mail bei mir geblieben bist, in meinem Herzen bleibst Du sowieso immer dabei!!!

Hier im grimmigen Norden weht der eisige Wind des „Nicht-Genügens, Nicht-Könnens, Nicht-Verstehens“. Wahrscheinlich ist es ungerecht von mir, von meiner immerhin Tag und Nacht gastfreundlichen Familie mehr als Duldsamkeit zu erwarten. Sie haben ihre eigenen Probleme. Wie sollen sie da noch meinen derzeitigen „Entzug“ auffangen???

Manchmal flüstere ich ganz, ganz leise: „Karl-Theo, Du bist wohl der Einzige, der jemals verstanden hat, wie ich ticke und der mir jetzt wirklich helfen könnte.“

Entschuldige, Betti, ich weiß, bei Dir kann ich mich gehen lassen. Ich glaube, bei all Deinen Sorgen um Sigbert verstehst Du, was ich meine.

Trotz allem bin ich froh, hierher gefahren zu sein. Ich rette mich in endlose Spaziergänge und lasse meine Gedanken schweifen. Manchmal erinnern mich Gänsescharen oder ein einzelner Reiher an früher, als ich noch zu zweit herum stiefeln durfte.

Außer irgendwelchen Gassigehern begegnet mir manchmal stundenlang keine Menschenseele. Nicht umsonst wird diese Gegend von Kennern als „Oase der Ruhe“ bezeichnet.

Deine „ruhelose“ Marlene

Das ungewohnte “Oma“-Sein

Liebe Betti!

Wie Du gleich lesen wirst, hatte ich jede Menge Gelegenheit, den Familien-"Urlaub" zu verdrängen und zu vergessen. Es müsste UHR-laub heißen, denn ich zählte manchmal nicht bloß die Tage!! Es ist einfach zu eng, wenn sich Mutter und Tochter darüber uneinig sind, was den vierjährigen Fred betrifft. Dabei brauche ich kein Wort zu sprechen, das würde ich sowieso nicht wagen. Helen meint, meine Blicke genügen!!!

Wobei die ersten beiden Tage noch ganz gut verliefen. Ich brauchte bloß zu sagen: „Fred, hopp, zieh Deine Schuhe an, ich weiß, Du kannst das.“ Klar konnte er, auch die Jacke selber anziehen, auch sich anschnallen, auch aufräumen, auch eine VOLLKORN-Apfelnudel probieren. Aber jedes Mal belehrte Helen ihn und mich, er KÖNNE zwar, WOLLE aber nicht. Ach, da fiel es ihm wieder ein, und er kehrte zurück zu Bock und Brüll.

Zum Abschied reichte er mir nicht mal die Hand, weil ich ja seine „böse“, v.a. aber die STRENGE Oma bin.

Allerdings vergaß er das zwischendurch immer mal und spielte quietschend vor Lachen zwischen meinen Beinen Monster oder Aquanaut.

Die kleine Conni dagegen entdeckt gerade täglich neue Fähigkeiten. Sie lernte innerhalb von drei Tagen durchs ganze Zimmer zu watscheln und war glücklich, dass sie sich an Omas grauen wuseligen Haaren festkrallen konnte, um einen Zwischenstopp einzulegen. Außerdem ist sie ein Paprika - Tomaten – Gurken - Rübchen – Apfel - Fan und da gibt es von Omas Teller ununterbrochen Nachschub. Auch Apfelnudeln verspeist sie im Ganzen, zumindest versucht sie es. Ein Viertel davon landet auf dem Boden, nach mehrmaligem Aufklauben von Oma und erneutem Anbeißen von Conni letztendlich auf der Kehrschaufel.

Mal ehrlich, unter uns gesagt, wie schaffen die Drei das OHNE MICH??!!

Aber jetzt GANZ ehrlich: Wie werde ICH es schaffen, wenn ich wieder alleine zu Hause bin, ohne Enkelgenerve und die liebevollen Umarmungen meiner Tochter?

Angesichts des drohenden Abschieds kommt es mir gar nicht mehr so verlockend vor, bei meinem Eisbären in den EIGENEN vier Wänden zu sein und wieder mal richtig auszuschlafen.

Deine sich schon im Voraus einsam fühlende Marlene

Dann gute Nacht!

Liebe Betti!