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Mit diesem Wegweiser in der Hand durchwandert man Göttingens Straßen und entdeckt Häuser, in denen Berühmtheiten gewohnt, gelebt, gearbeitet haben: Wissenschaftler mit Weltgeltung: Robert Koch, Otto Hahn, Werner Heisenberg; große Schriftsteller: Heinrich Heine, Ludwig Tieck; mächtige Staatsmänner: König Georg V. von Hannover, Otto von Bismarck und viele andere bedeutende Persönlichkeiten. Die auf diesen Wegen entdeckten Gedenktafeln werden in Kurzporträts zum Lebenswerk und zur Bedeutung der Gewürdigten lebendig. Eine reich illustrierte Einladung zu einem ungewöhnlichen Kulturspaziergang.
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Seitenzahl: 341
Veröffentlichungsjahr: 2015
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GöttingerGedenktafeln
Ein biografischer Wegweiser
von Walter Nissen und Siegfried Schütz
Vandenhoeck & Ruprecht
Mit freundlicher Unterstützung durch
Mit 23 Abbildungen (alle © Städtisches Museum Göttingen)
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-647-99694-3
Umschlagabbildung: Gedenktafeln, Weender Straße 13/15,Foto: © Kai Pätzke, Göttingen
Weitere Ausgaben und Online-Angebote sind erhältlich unter: www.v-r.de
© 2016, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Theaterstr. 13, 37073 Göttingen /Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U. S. A.www.v-r.deAlle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
Inhalt
Vorwort zur Neuauflage
Göttinger Gedenktafeln
Register der Gedenktafeln: nach Berufen der Geehrten
Register der Gedenktafeln: nach Straßen
Legende zur Innenstadtkarte
Vorwort zur Neuauflage
Nach dreizehn Jahren liegt nun die von vielen bereits lange erwartete Neuauflage der »Göttinger Gedenktafeln« vor. Schon der erste Blick auf den Einband lässt erahnen, dass es sich um mehr handelt als um einen reinen Nachdruck.
Der zweite Blick auf den Inhalt bestätigt dies. Als wichtigste Neuerung sind die fünfunddreißig Tafeln zu nennen, die seit 2002 angebracht wurden. Fünfunddreißig Tafeln in dreizehn Jahren: das bedeutet, dass pro Jahr im Durchschnitt mehr als zwei Personen durch eine Gedenktafel geehrt worden sind – wahrlich ein überzeugender Beweis für die Lebendigkeit und Dynamik des Konzepts der Göttinger Gedenktafeln!
Eine dieser neuen Tafeln verdient besondere Erwähnung. Am 8. November 2014 wurde am Haus Merkelstraße 3 eine Gedenktafel für das Ehepaar Max Raphael und Gertrud Hahn angebracht. Max Raphael Hahn war ohne Zweifel in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Göttinger Persönlichkeiten. Wegen seines jüdischen Glaubens wurde der erfolgreiche Unternehmer Hahn von den Nationalsozialisten zuerst in den wirtschaftlichen Ruin getrieben und schließlich zusammen mit seiner Frau Gertrud ermordet. Die Tafel am Haus Merkelstraße 3 erinnert daran und zugleich an das Schicksal aller Göttinger Juden während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die neuen Texte zu den geehrten Personen wurden nach dem Vorbild der ersten Auflage von Siegfried Schütz verfasst, dem damit wieder sachlich fundierte Kurzporträts gelungen sind, die in ihrer knappen Stilsicherheit überzeugen. Siegfried Schütz gilt an dieser Stelle ausdrücklicher Dank. Wie schon in der ersten Auflage wurde bei diesen neuen Kurzbiographien auf ergänzende Angaben zu den Wohnorten der Geehrten verzichtet. Um das gesamte Erscheinungsbild zu vereinheitlichen, wurden diese Wohnortangaben auch bei den alten, noch von Walter Nissen stammenden Texten weggelassen.
Eine belebende Neuerung sind die Abbildungen, die ausgewählte Persönlichkeiten stärker hervortreten lassen. Neu ist außerdem am Schluss des Bandes ein Plan, der Auskunft gibt über die Verteilung der Tafeln über das Göttinger Stadtgebiet. Dass die in der ersten Auflage vorhandenen formalen und sachlichen Fehler bereinigt wurden, versteht sich von selbst. Nachzutragen ist schließlich, dass das Amt des Denkmalbeauftragten der Universität seit dem Tod von Prof. Ernst Schubert im Jahr 2006 von Prof. Peter Aufgebauer wahrgenommen wird.
Göttingen, im April 2015
Ernst Böhme
Abegg, Philipp Friedrich Wilhelm
Schöpfer der demokratischen Polizei1898–1899Theaterstraße 2
29.8.1876 Berlin – 18.10.1951 Baden-Baden. A. studierte Jura in Straßburg, Berlin und Göttingen, wo er auch 1903 promovierte. Danach im preußischen Staatsdienst tätig, zuletzt seit 1926 als Staatssekretär im Innenministerium. A. reformierte seit 1920 die preußische Polizei als »Schutzpolizei« und sorgte für die demokratisch-republikanische Besetzung ihrer Führungspositionen. Er war Mitglied der liberalen DDP und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Seit 1922 sammelte seine politische Polizei Informationen über die NSDAP, was ihn selbst zur Zielscheibe von Prozessen und Bedrohungen machte. Am 21.7.1932 nach der Absetzung der preußischen Regierung im sog. »Preußenschlag« durch Reichskanzler von Papen entlassen, 28.2.1933 Flucht in die Schweiz, dort 1934 eingebürgert und bis 1949 als Anwalt tätig. In zahlreichen Organisationen arbeitete A. von Zürich aus gegen das NS-Regime und unterstützte Flüchtlinge. Gesundheitliche Probleme verhinderten seit 1948 seine aktive Teilnahme am Wiederaufbau Deutschlands. Erst 1984 wurde die in nationalsozialistischer Zeit erfolgte Aberkennung seines Doktortitels revidiert.
Die von Ministerialrat a. D. Michael Eggers, Detmold, beantragte Tafel wurde am 19. März 2013 enthüllt.
Achenwall, Gottfried
Staatswissenschaftler1748–1772Goetheallee 13
20.10.1719 Elbing – 1.5.1772 Göttingen. Nach dem Studium in Jena und Halle und Erwerbung der Magisterwürde in Leipzig (1746) ging A. nach Marburg, wo er als Privatdozent Geschichte, Statistik, Natur- und Völkerrecht las. 1748 erhielt er eine außerordentliche Professur in der philosophischen und juristischen Fakultät in Göttingen. 1753 ordentlicher Professor der Philosophie, 1761 auch des Naturrechts. A. war im weitesten Sinne Staatswissenschaftler. Sein Nachfolger auf dem Göttinger Lehrstuhl, August Ludwig von Schlözer, nannte ihn den »Vater der Statistik«, worunter aber – anders als im heutigen Verständnis – Beschreibungen von Ländern, Staatsformen und »Merkwürdigkeiten« zu verstehen sind. Hauptwerke: »Abriss der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten europäischen Reiche und Republiken« (Göttingen 1749) und »Staatsverfassungen der europäischen Reiche« (Göttingen 1752). Begraben auf dem Jakobi-Kirchhof.
Die Gedenktafel wurde vom Bürgervorsteher-Kollegium 1874 gestiftet; 1953 erneuert.
Adolf FriedrichHerzog von Cambridge
1786–1791Prinzenstraße 2
24.2.1774 London – 8.7.1850 ebd. Jüngster Sohn König Georgs III. von Großbritannien. Am 12.5.1786 kündigte der König an, dass er seine drei jüngsten Söhne nach Göttingen schicken werde, »um daselbst zu nützlichen Kenntnissen und Wissenschaften den Grund zu legen«. Der noch junge Prinz wurde zunächst auf das Universitätsstudium vorbereitet, dann hörte er Vorlesungen (imm. 10.7.1786) bei dem Physiker Georg Christoph Lichtenberg, der englisch vortrug, und bei den Professoren der Theologie Johann Georg Feder und Gottfried Leß und dem Philologen Christian Gottlob Heyne, die französisch sprachen. Mit seinen Brüdern Ernst August, dem Herzog von Cumberland, und zeitweilig mit August Friedrich, dem Herzog von Sussex, verbrachte er fünf Jahre in Göttingen. Aus dem Besitz Adolf Friedrichs stammt eine Sammlung Göttinger Ansichten, zumeist von Christian Andreas Besemann gestochen, die sich heute im Städtischen Museum befindet. 1802 Ernennung zum Ehrenpräsidenten der Göttinger Sozietät der Wissenschaften; am 8.11.1814 Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Göttingen, 1816 Generalstatthalter, 1831 Vizekönig in Hannover.
Die Tafel wurde vor 1888 am Büttnerschen Haus an der Mühlenpforte (heute Prinzenstraße) angebracht, nach dem Abbruch des so genannten Prinzenhauses 1913 am Gebäude der Commerzbank, das dann an dieser Stelle errichtet wurde, durch eine große Tafel mit den übrigen Namen der adeligen Bewohner ersetzt.
Albrecht*Prinz von Preußen
1888Theaterplatz 5
8.5.1837 Berlin – 13.9.1906 Kenz (Schlesien). Vierter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges avancierte Albrecht 1870 zum Generalleutnant, nahm an der Schlacht von Sedan und der Belagerung von Paris teil. 1873 heiratete er die Prinzessin Marie, die Tochter des Herzogs Ernst von Altenburg. Seit 1885 war er Regent des Herzogtums Braunschweig.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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