Martina Grigoleit
Graphic Recording
Das 1x1 der Live-Visualisierung
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ISBN 978-3-7475-0268-6
1. Auflage 2021
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Lektorat: Sabine Schulz
Sprachkorrektorat: Claudia Fluor
Satz: Petra Kleinwegen
Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck
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6
Inhalt
Einleitung .................................................................................................................................................................. 11
Ziel des Buchs .............................................................................................................................................................. 12
Zielgruppe des Buchs ....................................................................................................................................... 13
Aufbau des Buchs .................................................................................................................................................. 15
Über die Autorin ....................................................................................................................................................... 16
Teil 1: Der Wissens-Koffer .................................................................................................... 18
1Graphic Recording – was ist das und wann wird
es gebraucht? ................................................................................................................................................... 21
1.1Die Ursprünge des Graphic Recordings ................................................................................ 21
1.2In welchen Situationen kann ein Graphic Recording
hilfreich sein? ................................................................................................................................................................ 26
1.3 Graphic Recording im Change-Prozess ................................................................................ 28
2Soft Skills .................................................................................................................................................................... 30
2.1Klarheit von Anfang an .................................................................................................................................. 30
2.2Eine gute Vorbereitung .................................................................................................................................. 31
2.3Haltung ................................................................................................................................................................................. 32
2.4Nicht denken ................................................................................................................................................................. 35
2.5 Intuition ................................................................................................................................................................................ 36
2.6 Einfach machen ....................................................................................................................................................... 36
2.7 Innere Ruhe und innerer Filter ............................................................................................................. 37
2.8Zuhören können ....................................................................................................................................................... 39
2.9Flexibel bleiben und umdenken ........................................................................................................ 39
3Organisatorische Vorbereitung ................................................................................ 40
3.1Preisgestaltung ......................................................................................................................................................... 40
3.2Graphic Recording in der Künstlersozialkasse ............................................................. 41
3.3Copyright .......................................................................................................................................................................... 41
7
Inhalt
3.4Auftragsklärung ......................................................................................................................................................... 42
3.5Eine maßgeschneiderte Empfehlung ....................................................................................... 44
3.6Wann fängt man an und wann ist endlich Schluss ................................................... 46
3.7Trotz der allerbesten Vorbereitung: Fuck-ups .............................................................. 49
Teil 2: Der Werkzeug-Koffer ........................................................................................... 50
4Umsetzung: Material, Aufbau, Layout, Struktur und
weitere Elemente ..................................................................................................................................... 52
4.1Materialtipps .................................................................................................................................................................. 52
4.2Key Visual ........................................................................................................................................................................... 56
4.3Die visuelle Story ...................................................................................................................................................... 58
4.4Ein logischer Layout-Aufbau ................................................................................................................. 60
4.5Struktur schaffen ..................................................................................................................................................... 63
4.6Schriftbild im Fließtext .................................................................................................................................... 76
4.7Schmuckschrift in Überschriften oder Hervorhebungen ............................. 78
4.8Farbe ......................................................................................................................................................................................... 80
4.9Symbole ............................................................................................................................................................................... 83
4.10Figuren ................................................................................................................................................................................... 84
Teil 3: Immer mit dabei: Die Methoden-
Handtasche ......................................................................................................................................................... 86
5Herausforderungen & Tipps für Großgruppen-
methoden .................................................................................................................................................................. 88
5.1Inhaltliche Präsentationen ........................................................................................................................ 88
5.2Dialogsituationen ................................................................................................................................................... 89
5.3Kurzpräsentationen ............................................................................................................................................. 93
5.4Weitere Großgruppenmethoden .................................................................................................... 94
5.5 Praktische Tipps ...................................................................................................................................................... 96
8
Inhalt
Digitales Graphic Recording für #onlinehostingnow /
Kommunikationslotsen im Auftrag für bikablo
Teil 4: Weitere Visualisierungsformen:
Das Visualisierungs-Kofferset ..................................................................................... 102
6Weitere Formen der Live-Visualisierung ............................................. 104
6.1Visual Facilitation/Graphic Facilitation ................................................................................... 104
6.2Visual Storytelling ................................................................................................................................................... 112
6.3Visualisierung im Coaching ...................................................................................................................... 114
7Besondere Ausprägungen des Graphic Recordings .. 116
7.1Sketchnotes ..................................................................................................................................................................... 116
7.2Generative Scribing ............................................................................................................................................. 117
7.3ShareNotes ....................................................................................................................................................................... 118
7.4Eventzeichnungen ................................................................................................................................................ 119
7.5Andere Stile ..................................................................................................................................................................... 120
8Live-Visualisierung in der virtuellen Welt ....................................... 123
8.1Digitales Graphic Recording auf dem iPad oder Surface Hub ............... 124
8.2Remote Recording bei Online-Konferenzen .................................................................. 130
8.3Remote Visual Facilitation bei Workshops und Meetings ............................ 133
8.4Remote Recording mit der Dokumentenkamera ..................................................... 134
9Strategische Visualisierungen ..................................................................................... 137
Dialogbild ................................................................................................................. 138
Prozessbild ............................................................................................................... 140
Zielbild ........................................................................................................................ 142
Visionsbild ................................................................................................................. 144
Leitbild ........................................................................................................................ 146
Storytelling ................................................................................................................ 147
Strategiebild ............................................................................................................. 148
Wimmelbild .............................................................................................................. 149
Wertebild ................................................................................................................... 150
Fazit .............................................................................................................................. 152
Literatur - und Trainingstipps ........................................................................................................... 154
Index ........................................................................................................................................................................................................ 156
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10
11
WOZU ein Graphic Recording? Graphic Recorder zeigen auf, was bisher nur
in den Köpfen der Menschen war, und machen das gesprochene Wort sicht-
bar. Inhalte werden mithilfe von so einem Bild besser transportiert und das
Verständnis zwischen Gruppen, Organisationen und auch Einzelpersonen
wird erhöht. Ergebnisse bleiben besser hängen und erarbeitete Lösungen
können so leichter umgesetzt werden.
Graphic Recording, Visual Facilitation und strategische Visualisierungen
können dazu beitragen, dass unterschiedliche Abteilungen besser zusam-
menarbeiten, Workshop-Ergebnisse können dank der Visualisierung besser
umgesetzt und komplexe Dinge verständlicher gemacht werden.
Einleitung
12
Ziel des Buchs
WESHALB dieses Buch? Visualisierungen können jeden Prozess unterstüt-
zen. Aber nicht jede Methode passt zu jeder Herausforderung. Dieses Buch
hilft zu erkennen, wo welche Methode eingesetzt werden kann, damit Visuali-
sierungen dazu beitragen können, ein größeres Verstehen in die Organisatio-
nen zu bringen. Dieses Buch bietet außerdem einen Einblick in die mittlerwei-
le recht weite Welt der Live-Visualisierung bei Workshops, Meetings, Events
und Veranstaltungen. Eine Welt, die mit der Möglichkeit des Remote Record-
ings noch viel größer geworden ist.
Praktische Tipps für ein gelungenes Graphic Recording werden aufgezeigt,
und mit vielen Beispielen von mir und auch vielen anderen namhaften Visuali-
sierern bildhaft erläutert.
Graphic Recording für Aktion Mensch im Auftrag für bikablo
13
Zielgruppe des Buchs
FÜR WEN ist dieses Buch? Dieses Buch richtet sich an alle Visualisierer, die
tiefer in das Thema Graphic Recording einsteigen möchten und sich damit
beschäftigen, wie diese Form der Visualisierung sinnvoll in den Prozess einge-
bunden werden kann.
Dieses Buch möchte aufzeigen, welche Schritte notwendig sind, um selbst ein
gutes und erfolgreiches Recording machen zu können. Es gibt daher einen
Überblick über die diversen Möglichkeiten.
Mit dem Aufzeigen der unterschiedlichsten Darstellungsformen ist danach
jeder in der Lage, der ein Graphic Recording anbietet oder bucht, sich mög-
lichst gut zu entscheiden, was er möchte.
15
Aufbau des Buchs
WAS findest du hier? Das Kofferset für ein erfolgreiches Graphic Recording
setzt sich aus vier Gepäckstücken zusammen, woraus sich die vierTeile des
Buchs ergeben:
Teil 1 enthält den Wissens-Koffer. Hier befindet sich die Erklä-
rung, was ein Graphic Recording überhaupt ist und es werden
wichtige Soft Skills, wie die innere Haltung, Klarheit, Intuition
sowie ein innerer Filter, um Kernaussagen erkennen zu können,
vorgestellt.
Teil 2 enthält den Werkzeug-Koffer, der aus den Materialien
besteht, die, je nach Anforderung, variieren können. Außerdem
findest du in diesem Werkzeugkoffer wertvolles Wissen aus der
Illustration bzw. aus dem Design wie beispielsweise zu Bildauf-
teilung, Einsatz von Weißräumen, Farben uvm.
Teil 3 besteht aus einer Handtasche, in der sich eine Übersicht
über viele Anwendungsfälle für Konferenzen befindet wie z.B.
Moderations- und Konferenzmethoden. Außerdem findest du
hier Hinweise auf Fallstricke, sowie Tricks, wie du als Graphic Re-
corder damit umgehen kannst.
Teil 4 besteht aus einem weiteren Kofferset und setzt sich aus
drei weiteren Themen zusammen, um deren Existenz man als
Graphic Recorder wissen sollte. Es ist ein Überblick über weitere
Visualisierungsformen rund um das Graphic Recording, egal, ob
live vor Ort oder als Atelierarbeit.
Zu guter Letzt brauchst du noch die Beherrschung derTechnik. Je nach An-
forderung kannst du auf dem iPad oder auch mit jeder anderen Hardware ar-
beiten. Wenn du remote arbeitest, sind die Anforderungen nochmals anders.
Im Folgenden werden all diese Reisebegleiter eines Graphic Recorders aus-
führlich beschrieben und mit Beispielen anschaulich dargestellt.
Viel Freude beim Auspacken.
16
Einleitung
Überdie Autorin
WER steckt hinter diesem Buch und was sind die persönlichen Motive dafür?
Ich bin Diplom-Designerin und Illustratorin und arbeitete seit knapp 15 Jahren
als Graphic Recorderin. In dieser Zeit hat sich in diesem Bereich sehrviel ge-
tan. Viele junge Talente rücken nach und können nun auch darüber entschei-
den, ob dieses Berufsfeld ein schlecht bezahlter Illustrationsjob wird oder ob
ein Graphic Recording mehr als nur ein schönes Bild ist und einen wirklichen
Mehrwert schaffen kann.
Mein größterAntreiber ist das »Wozu?«. Gerne darf die Antwort auch einfach
mal sein »weil es schön aussieht« und muss nicht zwangsläufig immer einen
tieferen Sinn erfüllen. Wenn meine Arbeit dazu beitragen kann, dass unter-
schiedliche Abteilungen nach einem Meeting besser zusammenarbeiten kön-
nen oder wenn Workshop-Ergebnisse mithilfe der Visualisierung wirklich in
den Köpfen hängen bleiben und auch umgesetzt werden, dann schlägt mein
»Wozu?«-Herz schneller.
Mein Herzenswunsch ist es, dass dieser schöne Beruf seinen hohen Qualitäts-
standard behält. Das war meine Motivation für dieses Buch.
Neben meiner Berufung als Visualisiererin bin ich noch als Yoga- und Medita-
tionslehrerin tätig und habe im Laufe der Jahre immerwieder festgestellt, dass
sich diese beiden Wege ergänzen und ich viel von der Yogalehre in den beruf-
lichen Alltag eines Graphic Recorders integrieren kann. Die innere Haltung,
um die es beim Yoga so oft geht, spiegelt sich für mich in der Haltung wider,
die ich im Rahmen einer visuellen Prozessbegleitung einnehmen möchte.
So richtig kann ich diese beiden Wege mittlerweile nicht mehr voneinander
trennen, was auch dieses Buch geprägt hat.
Ich wünsche nun viel Freude beim Lesen, Lernen, Ausprobieren, aber bitte
auch um ein Hinterfragen und allenfalls Nicht-Annehmen.
Ideen, Anregungen und auch konstruktive Kritik sind willkommen. Ich freue
mich über deine Rückmeldung auf meiner Website: www.martinagrigoleit.de
18
Teil 1:Der Wissens-Koffer
In Kapitel 1 des Wissens-Koffers findest du eine Erläuterung, was Graphic
Recording ist und wo es gebraucht wird.
In Kapitel 2, Soft Skills, geht es darum, was man alles für ein erfolgreiches
Graphic Recording braucht. Hier wird alles benannt, was nichts mit Illustration
oder Design an sich zu tun hat, sondern behandelt eher das Thema »innere
Haltung«.
Im digitalen Raum empfinde ich die Herausforderungen sogar noch größer
und bin froh um jede Minute Gelassenheit, Stabilität oder Flexibilität, auf die
ich zurückgreifen kann, wenn der Supergau passiert und z. B. während eines
Remote Graphic Recordings beispielsweise die Technik abstürzt.
Hier schließt sich mein persönlicher Kreis mit dem Wissen aus
dem Yoga und der Meditation. Das ist meine ganz individuelle
Antwort auf die Frage, wie ich mit herausfordernden Situatio-
nen umgehe, was ein Live Graphic Recording oder auch ein
gemeinsames Erarbeiten von etwas Neuem in einer oft hetero-
genen Gruppe immer ist.
In Kapitel 3Organisatorische Vorbereitung geht es um weitere Gepäckstü-
cke, die man mit an Bord haben sollte und die in der Vorbereitung essenziell
sind, nämlich die Themen rund um die Preisgestaltung und eine saubere
Auftragsklärung.
21
1 Graphic Recording – was
ist das und wann wird es
gebraucht?
1.1 Die Ursprünge des Graphic Recordings
Das vielleicht älteste Graphic Recording ...
Schon vor langer Zeit, am Lagerfeuer, haben sich die Menschen Geschichten
erzählt und konnten somit ihr Wissen über Generationen weitergeben.
Ich vermute, dass sie ihr Wissen schon damals in einfachen Symbolen an die
Wände gemalt haben. Das erste Graphic Recording war also somit eine Höh-
lenmalerei. Auch damals ging es wahrscheinlich nicht primär um Schönheit,
sondern um Wissenstransfer.
Die Bilder überdauerten Generationen und konnten den durch Geburt, Tod
und Heranwachsen verursachten Veränderungsprozessen standhalten sowie
den Menschen Orientierung und Struktur geben. Heute bezeichnet man das
als Change-Prozess und er dauert nicht mehr mehrere Generationen.
Ein live gezeichnetes Bild kann so ein Lagerfeuer dar-
stellen, um das sich die Mitarbeiter versammeln und den
Geschichten lauschen bzw. es anschauen. Oft entsteht
an diesem Ort ein reger Austausch über diese Geschich-
ten. Ein intensiver Dialog über den Inhalt kann der erste
Schritt sein, um z.B. die neue Firmen-Vision auch umzu-
setzen.
Ein live entstandenes Graphic Recording ist kein »in
Stein gemeißeltes« Bild, sondern immer nur derAuftakt
für ein neues Gespräch.
22
Die wirklichen Anfänge des Graphic Recordings
Vor etwa 50 Jahren haben in Kalifornien Berater und Facilitatoren versucht,
Gruppenprozesse in großen Wandbildern sichtbar zu machen, um mithilfe
einer solchen Visualisierung diese Prozesse zu unterstützen. Die Idee dahin-
terwar, dass Gruppen effektiver zusammenarbeiten können, wenn sie ihren
eigenen Prozess anschaulich verfolgen und überblicken können. Alle können
die Zusammenhänge sehen und sich über deren Bedeutung verständigen.
Am Ende eines Meetings entsteht eine Art visualisiertes Gruppengedächtnis,
das zur Weiterarbeit genutzt werden kann.
Das Zusammenspiel aus Moderation auf der einen und Visualisierung auf der
anderen Seite hat hier seinen Ursprung und wurde im Laufe der Zeit immer
effektiver.
Die Visualisierung entspringt historisch gesehen also nicht der Illustration
oder dem kreativen Bereich. Sie hat ihre Wurzeln im Bereich der Beratung
und Facilitation und wurde ursprünglich fürWorkshops oder Meetings entwi-
ckelt. Aus einer Weiterentwicklung aus der Zusammenarbeit von Moderator/
Facilitator und Visualisierer ist die Bezeichnung Visual Facilitator entstanden.
Eine Person, die sozusagen beide Rollen erfüllt.
Mittlerweile wird das Graphic Recording auch fürVorträge und Konferenzen
genutzt, wo ein Facilitator-Hintergrund nicht zwangsläufig notwendig ist. Auf
meine eigene Tätigkeit zurückblickend kann ich sagen, dass es mehr Mischfor-
men zwischen diesen Bereichen gibt, als dass eine klare Abgrenzung besteht.
Graphic Recording für den Wirtschaftsverband Emsland im Auftrag für bikablo / Foto: Stefan Schöning Fotodesign
23
Die Gruppe der sogenannten Kommunikationslotsen brachten unter anderem
kurz nach der Jahrtausendwende Methoden für Großgruppenmoderationen
wie World Café und Open Space sowie Visualisierungsmethoden wie das
Graphic Recording aus den USA in den deutschsprachigen Raum. Diese Me-
thoden helfen vielen Menschen in Unternehmen und in der Gesellschaft, ihre
eigene (Arbeits-)Welt selbstständig zu verbessern. Visuelle Prozessbegleitung
ist ein Markenzeichen der partizipativen Großgruppenveranstaltungen, die
die Kommunikationslotsen begleiten.
24
1 Graphic Recording – was ist das und wann wird es gebraucht?
Ein Graphic Recording hat demnach in seiner eigentlichen Bedeutung
den Sinn, einen Prozess zu unterstützen und nicht, ein schönes Bild darzu-
stellen.
Das Betätigungsfeld des Graphic Recordings ist größer geworden und je mehr
junge Talente nachrücken, desto mehrVerwirrung entsteht, weil jeder eine
Live-Visualisierung anders interpretiert. Es werden unterschiedliche Maßstä-
be gesetzt. Zusätzlich gibt es Hunderte von Möglichkeiten, wie das Bild am
Ende oder während des Tages eingesetzt werden kann. Zu guter Letzt gibt es
mittlerweile diverse unterschiedliche Namen für teilweise die gleichen Dinge,
und kaum ein Recorder oder Kunde kann da noch wirklich durchblicken.
Man kann zwei ganz grobe Richtungen unterscheiden mit allen Zwischenbe-
reichen und unterschiedlichen Ausprägungen. Die eine Richtung kommt aus
der Illustration und hat den Fokus, gut aufbereitete Erinnerungsstücke eines
Events sicherzustellen. Die zweite kommt aus dem Bereich der Prozessbeglei-
tung und hat den Fokus, der Gruppe einen Mehrwert zu geben, der weit über
das Darstellen von einem schönen Gesamtbild hinausgeht. Beide Bereiche
haben ihre Berechtigung, wobei ihre Grenzen oft stark verschwimmen.
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1 Graphic Recording – was ist das und wann wird es gebraucht?
1.2