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Viele Menschen sind frustriert im Job und leiden. Weil Karriere und Konsum nicht das versprochene Glück bringen, wollen sie das Hamsterrad verlassen und ihr eigener Chef werden, wissen aber nicht wie.
Der Ratgeber Gründen in 90 Tagen zeigt dir, wie du mit nur einer Aufgabe täglich in 90 Tagen ein eigenes Business aufbaust, ohne dafür gleich deinen Job zu kündigen.
Gründer-Coach Moritz Gomm führt dich in ein freies und selbstbestimmtes Leben. Hol dir deine Leidenschaft zurück und nutze deine brachliegenden Talente, um deinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten zu verdienen, die dich glücklich machen.
Diese praktische Anleitung ist prallvoll gefüllt mit Tipps und Tricks. Die anschaulichen Beispiele erfolgreicher Gründer motivieren und machen Mut: vom Yoga-Studio über Gastronomie bis zum Online-Business, vom Ladengeschäft bis zur KiTa.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 320
Veröffentlichungsjahr: 2021
1. Auflage
© WALHALLA Fachverlag, Regensburg
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Viele Menschen sind frustriert im Job und leiden. Weil Karriere und Konsum nicht das versprochene Glück bringen, wollen sie das Hamsterrad verlassen und ihr eigener Chef werden, wissen aber nicht wie.
Der Ratgeber Gründen in 90 Tagen zeigt dir, wie du mit nur einer Aufgabe täglich in 90 Tagen ein eigenes Business aufbaust, ohne dafür gleich deinen Job zu kündigen.
Gründer-Coach Moritz Gomm führt dich in ein freies und selbstbestimmtes Leben. Hol dir deine Leidenschaft zurück und nutze deine brachliegenden Talente, um deinen Lebensunterhalt mit Tätigkeiten zu verdienen, die dich glücklich machen.
Diese praktische Anleitung ist prallvoll gefüllt mit Tipps und Tricks. Die anschaulichen Beispiele erfolgreicher Gründer motivieren und machen Mut: vom Yoga-Studio über Gastronomie bis zum Online-Business, vom Ladengeschäft bis zur KiTa.
Dr. Moritz Gomm ist mehrfacher Gründer, Startup-Coach und Innovations-Berater. Als Diplom-Wirtschaftsinformatiker lehrte und promovierte er am Lehrstuhl für Unternehmensführung der Technischen Universität Darmstadt. Seine Doktorarbeit erhielt 2008 die höchste Prämierung seines Fachs.
Moritz Gomm coacht seit über 15 Jahren Start-ups und Einzelunternehmer und ist im Beirat verschiedener Tech-Startups tätig. Seit über zehn Jahren arbeitet er als Innovationsberater für Firmen und hat unter anderem Rent-a-Startup® entwickelt, eine Methode, mit der etablierte Unternehmen radikal neue Geschäftsideen umsetzen. Er hat 2018 die Firma Zühlke Engineering HK Ltd., einen Innovationsdienstleister in Hongkong, aufgebaut. Darüber hinaus lebte er in Thailand, Malaysia und China. Heute wohnt er mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Darmstadt.
VORWORT
TEIL 1: ZUR ORIENTIERUNG
DREI BEISPIELE ZUR EINSTIMMUNG
WORAN LEIDEN WIR, WENN WIR DOCH ALLES HABEN?
DIE SECHS SCHRITTE IM 90-TAGE-PROGRAMM
WIE GEHT ES NACH DEM 90-TAGE-PROGRAMM WEITER?
SCHRITT 1: ERKENNE DEIN MOTIVATION UND STÄRKEN
SCHRITT 2: SCHAFFE DIR ZEIT FÜR DEINE GESCHÄFTSIDEE
SCHRITT 3: FINDE DEINE GESCHÄFTSIDEE
SCHRITT 4: ENTWICKLE UND TESTE DEINE GESCHÄFTSIDEE
SCHRITT 5: MACH NUR, WAS DIR LIEGT, UND OUTSOURCE DEN REST
SCHRITT 6: BRINGE DEIN GESCHÄFT AUF DIE FÜR DICH RICHTIGE GRÖSSE
ANHANG
Als Kind wollte ich Erfinder werden, so wie Daniel Düsentrieb in den Micky Mouse Comics. Im Studium habe ich dann Freunde bei der Umsetzung neuer Geschäftsideen beraten – und auch heute ist dies mein Traumjob: Menschen und Firmen tatkräftig bei der Realisierung ihrer Ideen zu helfen.
Nachdem ich 2010 mein erstes Unternehmen verkauft hatte, nahm ich eine Festanstellung als Innovationsberater bei Zühlke Engineering an. Diese Firma hat eine vorbildliche Unternehmenskultur und ich fühlte mich immer wohl dort. Im krassen Gegensatz dazu stellte ich im Bekanntenkreis immer wieder verwundert fest, wie viele Menschen in ihrer Festanstellung unglücklich sind und davon träumen, mal „etwas ganz eigenes“ zu machen. Aber fast niemand traute sich, es zu versuchen.
Vielleicht fehlte ihnen nur ein klarer Weg, wie sie sich selbstständig machen können? Dieser Weg müsste es ihnen erlauben, in der Festanstellung zu bleiben, bis sich die Selbstständigkeit als tragfähig genug erweist. Ich wollte zeigen, wie das geht und die Idee für dieses Buch war geboren! Dabei sollte der Weg in die Selbstständigkeit dazu dienen, ein zufriedeneres und freieres Leben zu führen und nicht nur dazu, möglichst schnell reich zu werden – und damit in einem neuen Hamsterrad zu landen.
Mit dieser Vision entwickelte ich das 90-Tage-Programm und wünsche mir vom Herzen, dass es dir und möglichst vielen Menschen dabei hilft, ein erfüllteres und freies Leben zu führen – mit einer „Arbeit“, die du liebst.
So, und jetzt bist du dran! Der beste Job der Welt liegt bereits in dir. Lass uns gemeinsam auf den Weg machen, auf eine der spannendsten und lohnendsten Reisen des Lebens: der Weg zum eigenen Unternehmen, in dem du dich entfalten kannst.
Steve Jobs in seiner Rede für Absolventen der Stanford University. – www.youtube.com/watch?v=D1R-jKKp3NA
Das 90-Tage-Programm ist eine praxisorientierte Anleitung, um deinen Traum von der Selbstständigkeit mit nur einem Schritt pro Tag Realität werden zu lassen. Du wirst spüren, wie es ist, selbstständig zu sein, und feststellen, ob dieser Weg der richtige für dich ist – ohne dafür (gleich) deinen Job kündigen zu müssen.
Das Ziel der Selbstständigkeit in diesem Buch ist, dass du insgesamt zufriedener und glücklicher wirst mit deinem Lebensstil, mit deiner Familie und Partnerschaft, deinem Beruf – und mit dir selbst. Dieses Buch und das damit verbundene Programm sind damit „Lebensratgeber“ und „Gründungsleitfaden“ in einem.
Typischerweise haben Ratgeber-Bücher in jedem Kapitel praktische Aufgaben, die du umsetzen sollst, um dein Ziel zu erreichen. Häufig sind dafür unter den Aufgaben sogar leere Flächen oder Linien vorgesehen, um die Ergebnisse direkt ins Buch zu schreiben.
Die meisten Menschen lesen die Aufgaben zwar und nehmen sich auch vor, diese zu machen, doch dazu kommt es häufig leider nie. Denn die Neugier lässt sie in der Regel „erst mal weiterlesen“, um dann bei den nächsten Aufgaben genauso zu verfahren, so dass sie am Ende fast nichts umsetzen.
Kommt dir das bekannt vor?
Der Grund dafür ist folgender: Wenn du ein Buch liest – egal, ob entspannt auf dem Sofa oder in der S-Bahn – bist du im „Lesemodus“. Du liest zwar die Aufgaben und denkst auch drüber nach, aber du wirst in diesem Moment nicht wirklich aktiv.
Um Dinge tatkräftig anzugehen, musst du in den „Machen-Modus“ wechseln. Das ist eine aktivierte, aufrechte Haltung an einem Platz, der auch wirklich zum Arbeiten geeignet ist. Damit du erfolgreich umsetzen kannst, was du liest, musst du dich also im wahrsten Sinne des Wortes erstmal selbst um-setzen.
Dieses Problem lösen wir im 90-Tage-Programm, indem du die Aufgaben getrennt vom Lesen des Buches nach einem strukturierten Prinzip angehst. Das funktioniert wie folgt:
Du legst selbst fest, an welchem Tag du mit dem 90-Tage-Programm beginnst und nimmst dir dann täglich die entsprechende Aufgabe aus Teil II dieses Buches vor. Bei jeder Aufgabe ist die Zeit angegeben, die du ungefähr zur Bearbeitung be nötigst. Plane dir diese Zeit am besten schon für den Folgetag in deinem Kalender ein. Die Aufgabe nimmst du dir dann im „Machen-Modus“ mit deinem Notizbuch am PC vor oder – später im Programm – im Kontakt mit deinen zukünftigen Kunden.
Zu jeder Aufgabe findest du einen Link und einen QR-Code, um dir die Aufgabe mit zusätzlichen Informationen unter www.90-tage-programm.de anzusehen. Eine Anmeldung ist dafür nicht erforderlich. Die Webseite erleichtert dir die Umsetzung deiner jeweiligen Aufgabe dank folgender Vorteile:
Ich erläutere jede Aufgabe persönlich in einem kurzen Video, was viele Menschen angenehmer finden (die Text-Version ist dort selbstverständlich ebenfalls enthalten).
Auf der Webseite erhältst du alle Hilfsmittel und Links, die du zur Umsetzung benötigst. So ersparst du dir das Abtippen aus dem Buch.
Du hast stets Zugriff auf den neuesten Stand der Aufgaben, denn natürlich entwickle ich diese stetig weiter – auch auf Basis des Feedbacks anderer Nutzer/innen.
Ich biete dir weitere wertvolle Tipps und Tricks für deine erfolgreiche Gründung und ein erfüllteres Leben in meinem kostenlosen Newsletter zum 90-Tage-Programm. Melde dich am besten gleich hier an: www.90-tage-programm.de/tipps
Du kannst den Newsletter natürlich jederzeit mit einem Klick kündigen.
Ich empfehle das 90-Tage-Programm schon gleich zu Beginn der Lektüre zu starten und das Buch parallel zu den ersten Aufgaben weiterzulesen. So erfährst du sofort, wie das Programm konkret abläuft und hast schnell die ersten Erfolgserlebnisse.
Wähle also gleich jetzt einen Tag, an dem du mit dem Programm beginnen willst und reserviere dir eine Stunde in deinem Kalender für die „Aufgabe Tag 1“ (das kann auch gerne heute noch sein). An dem Tag nimmst du dir dann die erste Aufgabe vor.
Nochmal für alle Erstmal-Weiterleser: Jetzt geht es zum ersten Mal an die praktische Umsetzung und dieses eine Mal musst du es schaffen, dich selbst vom Lesemodus in den Machen-Modus zu versetzen: Also, öffne deinen Kalender und lege dein Startdatum für das 90-Tage-Programm fest!
Dieses Buch ist für alle, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Ich habe das Konzept aber insbesondere für Menschen entwickelt, die wenig Zeit und/oder Geld haben:
Angestellte, die eine Idee haben, die sie gerne realisieren wollen, aber beruflich stark eingespannt sind und sich (noch) nicht trauen, ihren Job zu kündigen. Angestellte wollen häufig in die Selbstständigkeit wechseln, weil sie mit ihrer jetzigen Tätigkeit unzufrieden sind oder sie für nicht sinnvoll halten, weil sie unter einer unangenehmen Firmenkultur leiden oder Konflikte mit Vorgesetzten oder Teammitgliedern haben. Andere möchten nach vielen Jahren beruflicher Karriere etwas ganz anderes machen, weil sie mit ihrer jetzigen Tätigkeit trotz des Erfolgs nicht glücklich werden. So etwas passiert häufig in der Mitte des Lebens – aus gutem Grund, wie wir später noch sehen werden.
Mütter und Väter, die entweder in Teilzeit oder gar nicht berufstätig sind. Hier ist die Motivation häufig, beruflich wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Eltern stehen dabei – wie ich selbst als Vater von zwei kleinen Kindern weiß – vor einer Herausforderung: sich selbstständig zu machen kostet Zeit, dennoch soll die Familie darunter nicht leiden. In diesem Programm zeige ich dir, wie das geht.
Ich bin überzeugt, dass das 90-Tage-Programm auch all den Menschen hilft, die über zu viel Zeit verfügen, weil sie arbeitslos sind. Denn das 90-Tage-Programm gibt dem Alltag Sinn und eine klare Struktur: Jeder Tag bringt eine klare und machbare Aufgabe, um schrittweise zum Ziel zu kommen: zu einer Beschäftigung, die man liebt und die genug Geld fürs Leben einbringt.
Die Corona-Pandemie betrifft fast alle Branchen und Berufe. Sollte man nicht gerade jetzt auf Nummer sicher gehen und in der Festanstellung bleiben?
Im Gegenteil: Es ist sinnvoll, antizyklisch zu handeln. Krisenzeiten sind zwar schlecht, um selbstständig zu sein, aber sie sind ideal, um sich selbstständig zu machen. Dafür gibt es drei Gründe:
In Krisenzeiten brechen alte Bedürfnisse weg, wie aktuell zum Beispiel Langstreckenflüge bzw. Fernreisen. Dafür werden sie durch neue ersetzt, die befriedigt werden wollen, aktuell zum Beispiel mehr Urlaub in der Region.
2.In Krisenzeiten ist für Gründer/innen vieles leichter verfügbar, zum Beispiel qualifizierte Mitarbeiter oder günstige Werbung, da die Nachfrage der bestehenden Branchen eingebrochen ist.
3.Neugründer/innen profitieren vom Aufschwung nach der Krise, um das eigene Geschäft schneller als sonst auf eine kritische Größe zu bringen. Wenn du dann gründest, wenn die Wirtschaft gerade am besten läuft, nimmst du hingegen die nächste Krise voll mit.
Daher ist jetzt ein idealer Zeitpunkt zum Gründen. Das bestätigt auch das Zukunftsinstitut in seinem Whitepaper Die Zukunft nach Corona (2020): „Die Phase der Krise wird zur unternehmerischsten Zeit vieler Jahrzehnte. Jede Zeit am Ende oder nach einer Krise ist die Zeit der Visionäre.“2
Das 90-Tage-Programm ist eine Herausforderung, die Spaß macht, dich zielsicher leitet und dich Stück für Stück aus deiner Komfortzone holen wird, um deinem Leben eine spannende neue Richtung zu geben.
Das Programm ist so konzipiert, dass du es in 90 Arbeitstagen „durchziehen“ kannst. Aber wir sind alle Menschen und es ist ganz normal, dass mal was dazwischenkommt. Es ist wichtig, sich dann auch eine Pause zu nehmen. Es kann gute Gründe geben, mal ein, zwei oder gar drei ganze Wochen zu pausieren. Das ist okay und nicht unüblich. Ich werde dich sogar an einigen kritischen Punkten fragen, ob du vielleicht eine Pause brauchst. Denn es bringt nichts, unter Druck verbissen weiterzumachen, um dann kurze Zeit später ganz aufzugeben. Lass dir lieber etwas mehr Zeit und erreiche dafür mit Kontinuität dein Ziel.
Bevor wir loslegen, möchte ich dich bitten, die folgenden fünf Ratschläge zu befolgen:
Besorge dir ein schönes Notizbuch für das 90-Tage-Programm und schreibe an jedem Tag deine Ergebnisse auf.
Wer schreibt, der bleibt (dran). Du kannst gerne die allererste Aufgabe schon ohne Notizen starten, aber schon ab der zweiten Aufgabe brauchst du unbedingt dein Notizbuch!
Also geh noch heute zum Schreibwarenladen oder – falls die Geschäfte geschlossen haben – zum Zeitungsladen an deinem Bahnhof und besorge dir ein schönes Notizbuch.
2.Trenne „Lesen“ und „Machen“.
Wenn du im „Lesemodus“ bist, machst du es dir entweder irgendwo gemütlich (z. B. auf dem Sofa) oder nutzt Leerzeit (z. B. bei einer Bahnfahrt). Ich bitte dich, dich zunächst in einen „Arbeitszustand“ zu versetzen, bevor du eine der 90 Aufgaben angehst. Setz dich dafür mit einem Notizbuch, einem Stift und deinem Laptop in Arbeitsposition an deinen Arbeitsplatz. Das kann dein Arbeitszimmer oder auch der Küchentisch sein, aber nicht das Wohnzimmersofa oder die Badewanne.
3.Suche dir eine/n Sparringspartner/in.
Es ist hilfreich, dir jemanden zu suchen, mit dem du deine Ideen und Pläne durchsprechen kannst. Du solltest dieser Person vertrauen und gerne Zeit mir ihr verbringen, außerdem sollte sie offen, positiv und gerne auch kreativ sein. Das kann dein/e Partner/in sein, ein Elternteil, eine Schwester, ein Bruder oder Freunde. Wenn deine Kinder schon älter sind, können die auch als Sparringspartner/in dienen. Häufig sind aber Freunde oder geschätzte Kollegen besser geeignet, weil sie mehr Abstand haben als deine Familie. Deine Familie ist in der Regel direkt von deinen Lebensentscheidungen betroffen und hat daher eventuell nicht die nötige Distanz, um dich unabhängig zu unterstützen.
Es ist wichtig, dass dein/e Sparringspartner/in positiv ist und dich unterstützt. Ein unverbesserlicher Pessimist oder Nörgler ist da nicht hilfreich. Du kannst das Programm gerne noch ohne Sparringspartner/in anfangen, aber versuche, in den ersten zwei Wochen eine/n zu finden.
4.Du wirst Mut aufbringen müssen.
Um neue Wege zu gehen, brauchst du Mut. Du musst dich trauen, etwas ganz Neues zu machen, anders zu handeln als bisher, zu dem stehen, was du tust. Dein Ziel ist, selbstbestimmt und zufriedener zu leben. Das beinhaltet das Risiko (zwischenzeitlich) zu scheitern, aber auch die Gewissheit, viel zu lernen. Es wird Widerstände geben und du brauchst Vertrauen in dich, um deinen Weg zu gehen und diese Widerstände zu überwinden. Diesen Mut wirst du in den 90 Tagen schrittweise entwickeln.
5.Du wirst Chuzpe und Finesse brauchen.
Um neben der Arbeit eine neue Geschäftsidee zu entwickeln, zu testen und umzusetzen, brauchst du Kreativität und auch ein gewisses Maß an wertschätzender Frechheit. Es ist selbstverständlich, dass wir dabei nie jemandem Schaden zufügen. Du wirst dich aber manchmal aus dem Fenster lehnen müssen, um dein Ziel zu erreichen. Du wirst zum Beispiel deine Geschäftsidee vorab „simulieren“, um ohne viel Investition und Risiko zu testen, ob ein Markt existiert, und ob die Selbstständigkeit was für dich ist, bevor du den großen Sprung wagst. Du wirst immer mal wieder aus deiner Komfortzone heraustreten müssen – und genau das üben wir im 90-Tage-Programm.
Die 90 Aufgaben werden dich herausfordern, inspirieren, dich zum Nachdenken anregen und dich voranbringen. Ein solcher Veränderungsprozess verlangt von dir aber auch entsprechend Zeit, Kraft und Hingabe.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass du seelisch, körperlich und emotional gesund genug bist, um eine solch grundlegende Veränderung in deinem Leben anzugehen. Falls du aktuell in einer Lebenskrise steckst, solltest du im Zweifel lieber vorher mit einer psychologisch geschulten Person klären, ob ein solches Programm für dich jetzt sinnvoll ist. Dieses Buch und das 90-Tage-Programm ersetzen keine Therapie. Die Verantwortung für dein Wohlergehen und für deine Resultate liegen allein bei dir.
Ich habe dieses Buch und das 90-Tage-Programm nach bestem Wissen und Gewissen entwickelt. Die Inhalte basieren auf meinen eigenen persönlichen Erfah rungen als Coach sowie aus Büchern und Vorträgen anderer Menschen. Ich habe Psychologie nie an der Universität studiert – wohl aber an vielen meiner Mitmenschen und Coachies. Und ich bin Gründer, Unternehmer, Vater, Ehepartner und Coach aus Leidenschaft.
Pass gut auf dich auf und sorge stets liebevoll für dich!
Zukunftsinstitut in seinem Whitepaper Die Zukunft nach Corona (2020), S. 8.
Zu Beginn unserer Reise möchte ich drei wahre Geschichten von Menschen erzählen, die in ihrem Leben vielleicht an einer ganz ähnlichen Stelle gestanden haben, an der du gerade stehst. Vielleicht ist es hilfreich und motivierend für dich zu sehen, dass andere Menschen die Veränderung bereits geschafft haben, die du in ähnlicher Form auch anstrebst. Vor allem aber, dass auch sie Ängste und Probleme durchlebt haben und nun offen teilen, wie sie sie überwunden haben.
Eines ist sicher: Du bist ganz bestimmt nicht allein mit deiner Situation und deinem Wunsch nach Veränderung.
Achim war erfolgsverwöhnt. Eher durch Zufall war er nach dem Studium im Investmentbanking gelandet und verdiente nun schon seit zehn Jahren viel Geld und jedes Jahr wurde es mehr. Eigentlich wollte er gar nicht lange in dieser Branche arbeiten, aber Jahr um Jahr verging, ohne dass er den Absprung schaffte.
Im Jahr 2015 wurde ihm klar, dass es ihm ohne einen klaren Plan nie gelingen würde auszusteigen. Er entschied sich noch drei Jahre zu arbeiten, begann aber gleichzeitig, seinen Ausstieg vorzubereiten. Als er dann schließlich seine Mitarbeiterkarte abgegeben hatte und zu Hause die neue Ruhe genoss, wurde er plötzlich krank.
Über ein Jahr quälten ihn die merkwürdigsten Symptome und der Arzt diagnostizierte einen Burn-out. Er erfuhr, dass überarbeitete Menschen häufig erst krank werden, wenn sie sich eine Pause gönnen. Denn der Körper gibt alles, solange der Druck da ist und ein Ausfallen „nicht reinpasst“. Sobald dann aber endlich Ruhe einkehrt (häufig auch bei einem längeren Urlaub oder in der Weihnachtszeit), erlaubt sich der Körper endlich abzuschlaffen und zwingt den Menschen durch Krankheit kürzerzutreten und sich zu erholen.
Achim war verzweifelt und überlegte, wie er jemals wieder „normal“ arbeiten könnte. Er begann darüber nachzudenken, was ihm früher Spaß gemacht und angetrieben hatte. Er kam aus einer Bauernfamilie und erinnerte sich an die schöne Zeit, als er seinen Eltern draußen auf den Feldern und mit den Tieren half. Es war so ganz anders als ein Leben, in dem es hauptsächlich um Geld, Aktien, Renditen, Meetings, Dienstreisen und Statussymbole ging. Er hatte sich nie etwas aus teuren Autos oder Luxusurlauben gemacht, sondern war lieber allein oder mit seiner Familie in der Natur unterwegs. Könnte er vielleicht so sein Geld verdienen? Vielleicht als Reiseleiter? Oder als Bauer?
Er beschloss mit seiner Frau darüber zu sprechen und einen Kassensturz seiner Finanzen zu machen, um auszurechnen, wie viel Geld er eigentlich verdienen musste, um ein passables Leben führen zu können. Sie erkannten gemeinsam: Wenn sie auf teure Späße verzichteten, würde ihm ein geringes monatliches Einkommen reichen.
Einer seiner Freunde bewirtschaftete als Rentner einen kleinen Bio-Weinberg und Achim hatte stets viel Freude gehabt, ihm an Wochenenden dabei zu helfen. So kam er auf die Idee, ein Praktikum bei einem Winzer zu machen. Der Bio-Winzer empfahl ihm, zu einem größeren Winzer zu gehen, aber als er dort vorstellig wurde, wurde er zunächst enttäuscht. Ein drei- bis sechsmonatiges Winzer-Praktikum mache keinen Sinn, da man den Verlauf eines ganzen Jahres erleben musste. Der Winzer bot ihm stattdessen eine Lehrstelle an.
Achim entschied sich für das Abenteuer, schloss nach zwei Jahren seine Lehre ab und bekam danach eine halbe Stelle bei dem Bio-Winzer. Jetzt arbeitet er einen halben Tag entspannt in der Natur und genießt es, mit dem Rhythmus der Natur zu leben. Außerdem berät er ehrenamtlich eine Organisation, die sich um Kinder in Entwicklungsländern kümmert.
Wie zufrieden ist er damit?
„Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Es war natürlich ein Vorteil, dass ich zunächst im Investmentbanking tätig war, denn damit hatte ich das finanzielle Polster. Ich würde rückblickend aber auch ohne so ein finanzielles Polster meinem Herzen folgen und eine Arbeit machen, die mir genug Zeit zum Leben lässt.“
Es gibt zwei Gründe, die jemanden dazu veranlassen, seinen Beruf zu verändern: Leidensdruck und Veränderungsdruck. Bei Achim war es Leidensdruck.
Leidensdruck entsteht, wenn dich deine Situation über einen längeren Zeitraum so sehr belastet, dass du die Situation dringend verändern möchtest. Der Druck kommt also aus dem Umfeld deiner Arbeit. Beispiele sind Mobbing, eine Arbeit, die nicht zu deinen Kompetenzen passt, unklare Anforderungen, überzogene Leistungserwartungen etc.
Veränderungsdruck entsteht, wenn sich aus dir selbst heraus der Wunsch ergibt, etwas Neues zu machen, obwohl es an deiner Arbeitssituation nichts Grundlegendes zu beanstanden gibt. Beispiele sind Menschen, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, aber nach vielen Jahren etwas Neues ausprobieren möchten. Oder Menschen, für die die alte Arbeit durch große Veränderungen in ihrem Leben nicht mehr gut passt, zum Beispiel, weil sie jetzt Eltern oder in eine neue Lebensphase gekommen sind. Auch bei Müttern und Vätern, die nach einigen Jahren des Hausfrau-/Hausmannseins wieder arbeiten möchten, ist es in der Regel Veränderungsdruck, der sie antreibt.
Johannes stand vor dem größten Karriereschritt seines Lebens. Seit zehn Jahren – nur unterbrochen von einer Elternzeit – arbeitete er bei einer der renommiertesten Unternehmensberatungen und stand kurz davor, Partner zu werden, das heißt Anteile am Unternehmen zu übernehmen.
Er hatte hart und viel dafür gearbeitet und wusste, dass sein Job noch deutlich intensiver und verantwortungsvoller werden würde, wenn er in die oberste Riege der Partner einsteigt. Aber arbeiteten nicht alle auf dieses Ziel hin?
Doch kurz bevor es soweit war, begann er immer schlechter zu schlafen, bekam unerklärliche Bauchschmerzen und fühlte sich elend. Er versuchte zwar weiterhin, sein Arbeitspensum zu erfüllen, doch irgendwann ließ ihn sein Körper im Stich: Als er eines Morgens das Frühstück vorbereiten wollte, bekam er einen Nervenzusammenbruch, wurde mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert und war gezwungen, sich eine sechsmonatige Auszeit zu nehmen.
Er ruhte sich aus, lernte Entspannungstechniken, machte viel Sport und war fest entschlossen, sein langersehntes Ziel zu erreichen: Partner werden. Als er dann wieder zur Arbeit kam, brauchte er verständlicherweise noch Schonung, die ihm auch gewährt wurde. Allerdings spürte er deutlich, dass er von der Führung bereits abgeschrieben war und er sich doppelt anstrengen musste, wenn er noch Partner werden wollte. Niedergeschlagen und frustriert sprach er mit einem Freund über seine Situation. Auf einem langen Waldspaziergang hatte der etwas gesagt, das ihm nicht mehr aus dem Kopf ging: „Willst du da wirklich für den Rest deines Lebens weitermachen? Du hast so viele Talente, warum machst du nach zehn Jahren nicht mal was Neues?“
Johannes begann zu zweifeln: War er nicht ohnehin unzufrieden, ständig unter Druck zu sein und so wenig Zeit für sich, seine Tochter und seine Frau zu haben? Das Heranwachsen seiner Tochter von drei bis sieben hatte er kaum mitbekommen, weil seine Frau sich um die Tochter kümmerte und Johannes oft erst von der Arbeit kam, als die Tochter schon schlief.
Er fing an darüber nachzudenken, was ihm eigentlich Spaß machte, was er früher werden wollte. Was motivierte ihn eigentlich und welche Stärken hatte er, die er bei seiner bisherigen Beratertätigkeit noch gar nicht genutzt hatte? Er war gerne mit Menschen in Kontakt und liebte es zu kochen. Er würde sich auch gerne mehr für Umweltschutz und Nachhaltigkeit engagieren. Vielleicht irgendwas mit ökologischer Gastronomie? Hiervon schreckten ihn allerdings die Arbeitszeiten ab. Wenn er wirklich etwas Neues machte, wollte er nicht mehr so viel von zu Hause weg sein und wieder mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen.
Aber wie konnte er von zu Hause arbeiten (das heißt kochen) und trotzdem mit seinen Kunden in Kontakt kommen? Beim Joggen kam ihm endlich die zündende Idee: Er könnte zu Hause Gerichte kochen, diese praktisch verpacken und an Kunden in seiner Stadt ausliefern. Die Bestellung würde er über das Internet und per Telefon annehmen und die Mahlzeiten persönlich zum Kunden bringen.
Mit neuer Motivation legte er los, kochte als ersten Test zunächst drei verschiedene Gerichte mit regionalen Zutaten vom Markt. Damit belieferte er an einem Montag zum ersten Mal befreundete Firmeninhaber, die keine Kantine hatten. Die Leute liebten sein Essen und fragten nach mehr.
Er nahm seinen Resturlaub und weitete den Test auf drei weitere Unternehmen aus. Er beschränkte die Belieferung zunächst auf einen Tag pro Woche, damit die Kunden dann schon wieder großen Appetit auf seine liebevoll zubereiteten Gerichte hatten. Die anderen Tage nutze er zum Einkaufen, zum Kochen und für sich und seine Familie.
Er freute sich, dass die Zufriedenheit und die Nachfrage bei den Testkunden so groß waren, merkte aber schnell zwei Probleme: Wenn er nur einzelne Gerichte an Kunden verkaufte, waren die Kosten pro Gericht inklusive Lieferung zu hoch. Die Gerichte mussten auch für mehrere Tage haltbar gemacht sein, damit eine Lieferung pro Woche reichte.
Um diese Probleme zu lösen, packte er die heißen Speisen kurzerhand in Einmachgläser und setzte die Mindestbestellmenge auf fünf Gerichte. Die Einmachgläser waren wiederverwendbar, was seinem Bedürfnis nach Nachhaltigkeit entgegenkam. Außerdem wollten die Kunden natürlich gerne die pfandpflichtigen Gläser zurückgeben, was am einfachsten ging, wenn sie wieder bei ihm bestellten. Das Konzept erwies sich auch als praktisch für die Kunden, denn die Einmachgläser ließen sich bequem in der Mikrowelle oder im Wasserbad erhitzen, so dass ein Löffel zum Genießen reichte. Schon bald erfreute sich seine Auswahl an auserlesenen Gerichten großer Beliebtheit in kleineren Büros und Unternehmen. Eine der schönsten Kommentare war für ihn: „Es schmeckt wie in Gläser abgefüllte Liebe.“
Johannes betreibt seinen cleveren Lieferdienst bereits seit mehr als zwei Jahren. Hat er den Schritt jemals bereut? Ich bin selbst treuer Kunde und als ich ihm diese Frage stellte, antwortete er:
„Nein, absolut nicht! Ich habe viel Spaß am Kochen, brauche nicht mehr den ganzen Tag in Anzug und Krawatte rumzurennen, bin zu Hause, wenn meine Tochter von der Schule kommt und kann mit meinen Kunden ein bisschen reden, so wie jetzt mit dir gerade. Ich verdiene deutlich weniger, aber das ist es allemal wert: Meine Lebensqualität ist heute viel, viel höher.“
Seine Geschichte zeigt, wie zu hohe Anforderungen an die eigene Leistung und die daraus resultierende Überarbeitung zu Leidensdruck führen. Daraus erwuchs eine tiefe gesundheitliche und emotionale Lebenskrise. Sein Beispiel zeigt aber auch, wie eine solche Krise stets auch eine Chance darstellt: die Chance, eine schon lange anstehende, aber verdrängte Veränderung endlich anzugehen. In schwierigen Zeiten findest du zu dir selbst. Meide sie also nicht, sondern lerne aus ihnen.
Martina war frustriert. Sie war Anwältin und betrieb eine kleine Kanzlei für Sozialrecht in einem Brennpunkt-Viertel von Berlin. Sie hatte die Kanzlei vor sechs Jahren allein aufgebaut und das Geschäft lief gut. Trotzdem war sie unzufrieden und stellte immer wieder ihr Leben infrage: Warum war sie eigentlich Anwältin geworden? Sie hatte immer kreative Aufgaben geliebt und probierte gerne neue Dinge aus. Wollte sie diesen Job wirklich bis zum Ende ihres Arbeitslebens weiter machen? War sie vielleicht nur Anwältin geworden, weil ihr Vater Richter war und sie bewusst oder unbewusst dazu gebracht hat?
Eigentlich hatte sie doch alles, was „man so braucht“: einen sicheren Job, ein gutes Einkommen, einen Mann, der sie liebt, und das erste Kind war unterwegs. So eine Position wirft „man“ doch nicht weg, wenn man sich die erstmal aufgebaut hat! Und hatte sie nicht auch eine Verpflichtung ihren Mandanten gegenüber? Was würden die Freunde und die Familie sagen, wenn sie mit 40 Jahren alles hinwarf und etwas ganz Neues anfing?
Sie fand sich also erstmal damit ab, dass Arbeit halt Arbeit ist, kehrte nach kurzer Elternzeit zurück und biss sich weiter durch. Ihre Tochter kam früh in die Krippe, wuchs heran, und sie erwartete bald ein zweites Baby. Sie erkrankte schwer und musste starke Medikamente nehmen, obwohl sie hochschwanger war. Zur großen Erleichterung brachte sie dann einen gesunden Jungen zur Welt. Sie und ihr Mann genossen es Eltern zu sein und sie spürte, dass sie nicht mehr zurück wollte in das Kanzleileben. Sie spürte nach, was ihr wirklich wichtig war in ihrem Leben und eines war für sie klar: Geld und Status waren es nicht, sondern Familie, Zeit, Natur, Kinder und Unabhängigkeit.
Als sich wieder die Frage nach der Kinderbetreuung stellte, dieses Mal für ihr zweites Kind, überlegten sie und ihr Mann, dass sie doch einfach selbst eine Kindertagesstätte aufmachen könnten. Dann müssten sie sich nicht mehr an der Jagd nach den knappen Betreuungsplätzen beteiligen und könnten auch mehr Zeit mit ihren eigenen Kindern verbringen. Es war ein schwerer Entschluss, aber er wurde schnell gefasst: Sie suchte sich eine Nachfolgerin für ihre Kanzlei und nur neun Monate später hatten sie sich den neuen Traum erfüllt und eröffneten einen Kindergarten im selben Gebäude, in dem sie wohnten. Sie hatten jetzt zwar spürbar weniger Geld, aber sie hatte viel mehr Zeit für sich und ihre Familie und war glücklicher und entspannter. Nach und nach wuchs sie immer mehr in die Rolle der Geschäftsführerin des Kindergartens hinein und hatte viel Freude daran, sich um die Mitarbeiter und die Organisation zu kümmern. Heute macht es sie stolz zu sehen, wie die Kinder ihre Kita genießen. In diesem Jahr, 2020, eröffnen sie und ihr Mann – mittlerweile mit einem dritten Kind – nun bereits die vierte Kita und sie beschäftigen schon über 20 Mitarbeiter, die für 80 Kinder verantwortlich sind.
Martina hat jetzt das Gefühl das Richtige zu tun. Sie ist mit Menschen zusammen, hilft Kindern, Eltern und ihren Angestellten, und sie kann bei der Planung und Gestaltung der Kindergärten ihre Kreativität und ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen. Aktuell arbeiten die beiden an ihrem ersten Kinderbuch im Eigen verlag ...
Würde sie es noch einmal genauso machen? „Ja, auf jeden Fall! Aber beim nächsten Mal würde ich nicht mehr so lange warten, bis ich auf mein Gefühl höre. Meinen Anwaltsjob habe ich seitdem nie vermisst, und rückblickend erscheint mir ganz leicht, was mir doch vor wenigen Jahren noch so schwer und risikoreich erschien.“
Martinas Veränderung ist ein schönes Beispiel für Veränderungsdruck: Sie hätte sicherlich als Anwalt noch ein paar Jahre weiterarbeiten können, denn sie war weder überfordert noch todunglücklich. Als sie aber die Lebendigkeit und Freude beim Zusammensein mit ihren Kindern erlebte, ahnte sie, dass da noch so viel mehr in ihrem Leben sein könnte.
Wenn du unter einem Veränderungsdruck stehst, braucht es vielleicht einen solchen Impuls in deinem Leben. Typische Beispiele für tiefgreifende Lebenseinschnitte sind nicht nur die ersten Kinder, sondern eine neue oder gerade beendete Beziehung, Veränderungen am Arbeitsplatz, Beförderungen, eine intensive Urlaubsreise, ein Unfall, Todesfälle, usw.
Jetzt hältst du gerade dieses Buch in deinen Händen: Gab es in der letzten Zeit bei dir vielleicht bereits einen solchen Impuls, den du jetzt nutzen möchtest? Oder bist du Mutter oder Vater von Kindern, die langsam groß genug sind, dass du wieder anfangen kannst zu arbeiten?
Nach diesen drei Geschichten über andere möchte ich dir jetzt noch von meinem eigenen Leben erzählen, zumindest das, was ich für das Thema dieses Buches und das 90-Tage-Programm für relevant halte.
Lange dachte ich, dass ich nicht „normal“ bin. Ich war beruflich erfolgreich, arbeitete in einem in jeder Hinsicht tollen Unternehmen und verstand mich gut mit meinem Chef und meinen Kollegen. Obwohl ich häufig gutes Feedback bekam, arbeitete ich nach jedem Erfolg noch intensiver auf den nächsten hin. Es war, als brauchte ich die Anerkennung bei der Arbeit wie die Luft zum Atmen.
Anfang 2018 ging ich mit meiner Familie nach Hongkong, um dort für meine Firma eine Niederlassung aufzubauen. In Hongkong war ich der alleinige Manager und gleichzeitig als Projektleiter verantwortlich für ein großes Bank-IT-Projekt. Meine Niederlassung wuchs innerhalb von einem Jahr auf knapp 20 Mitarbeiter/innen.
Es war eine intensive Zeit: In der dicht gedrängten U-Bahn von Hongkong beantwortete ich auf dem Weg zur Arbeit die ersten E-Mails, beim Kunden kümmerte ich mich ums Projekt, auf dem Weg nach Hause führte ich Telefoninterviews mit Bewerbenden und steckte das Telefon erst ein, als ich schon die Wohnungstür aufschloss. Dort stürmten meine Kinder (damals 1 und 4) auf mich zu und ich kümmerte mich um die Familie. Wenn die Kinder im Bett waren, erledigte ich noch Dinge für die Firma und lag oft erst nach Mitternacht im Bett.
Beruflich war ich erfolgreich und für die ganze Familie war das eine spannende Zeit in Asien. Aber die vielen Aufgaben und die Verantwortung stressten mich so sehr, dass ich nach einem Jahr nachts kaum noch schlief. Ich bekam Panikattacken, später noch Depressionen und einen starken Tinnitus (Ohrenpfeifen). Ich merkte, dass mir das Leben langsam aus den Fingern glitt: private Einladungen schreckten mich ab, und ich erinnere mich, wie ich meinen Kindern im Bett Lieder vorsang und dabei gleichzeitig Probleme auf der Arbeit wälzte. Es war schlimm.
Als ich endlich zum Arzt ging, diagnostizierte er ein sogenanntes Chronic Fatigue-Syndrom. Ich war verzweifelt: mitten in Asien, 10.000 km von zu Hause entfernt, mit Frau und zwei Kindern, allein verantwortlich für ein Unternehmen. Ich fühlte mich am Ende, wollte nur noch allein sein und meine Ruhe haben. Aber das ging nicht, weil ich die Verantwortung für die Familie und die Firma trug.
Nach einer besonders schlimmen Nacht beschloss ich endlich die Notbremse zu ziehen und informierte meine Geschäftsführung in Europa offen über meine Situation. Die reagierte sofort und vorbildlich: In weniger als vier Wochen zog ein befreundeter Kollege nach Hongkong, übernahm meine Aufgaben und die Teamleitung und gab mir die Möglichkeit, Urlaub zu machen.
Ich ging davon aus, dass ich nach vier bis acht Wochen wieder mitarbeiten und „Gas geben“ konnte. Was für ein Irrtum! Es sollte über zwölf Monate dauern, bis ich wieder arbeiten konnte.
Zunächst nahm ich mir noch in Hongkong eine Auszeit von drei Monaten und machte eine Therapie. Danach fing ich langsam und mit wenigen Stunden pro Tag an zu arbeiten. Es war erschreckend, wie wenig leistungsfähig ich war und es fiel mir schwer, das zu akzeptieren. Bald darauf entschieden wir, früher als geplant nach Deutschland zurückzugehen.
Wieder zurück in Deutschland saß ich wieder in meinem alten Büro und wollte loslegen. Natürlich hatte ich mir vorgenommen, mich noch zu schonen und nicht so intensiv zu arbeiten wie zuvor. Aber im Prinzip ging ich davon aus, dass mein Körper jetzt wieder „funktionieren“ würde. Aber nach nur einer Woche kamen die Symptome wieder zurück, und zwar stärker als zuvor. Meine Ohren pfiffen und rauschten, dass es zum Verrücktwerden war.
Ich realisierte, dass sich mein Körper erst jetzt – nachdem die Familie wieder gut in der Heimat angekommen war – richtig „loslassen“ konnte. Ich wurde krankgeschrieben und bekam zum ersten Mal im Leben Psychopharmaka verschrieben. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass es so schlimm um mich stand, und vereinbarte mit meiner Psychiaterin, erstmal verschiedene alternative Methoden und Psychotherapie zu versuchen. Aber die Depressionen wurden schlimmer und ich hatte Probleme, mich um den Alltag zu kümmern – von Arbeiten ganz zu schweigen. Meine Hoffnungen – und die meiner Familie – hingen nun an einer siebenwöchigen Reha. Hier wurde ich rund um die Uhr betreut und traf viele Menschen, denen es ähnlich ging wie mir: erfolgreiche Geschäftsleute, denen mitten im Leben der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.
Aber das Schlimmste kam noch: Als ich aus der Reha zurück nach Hause kam – voller Hoffnung, dass es nun wieder bergauf gehe – waren die Depressionen so schlimm, dass ich Schwierigkeiten hatte, mich um meine Kinder zu kümmern. Es war der absolute Tiefpunkt meines Lebens und jetzt entschied ich mich – auch auf den Rat mehrerer Menschen in meinem Umfeld –, das bereits verschriebene Anti-Depressiva zu nehmen. Ich dachte: Schlimmer kann es nicht mehr werden.
Rückblickend – und das ist jetzt erst neun Monate her, während ich das hier schreibe – war das der Wendepunkt. Es dauerte zwei Wochen, bis das Medikament wirkte. Dann konnte ich aber nach und nach den Alltag wieder stemmen, wurde stabiler und hatte zum Glück auch keine starken Nebenwirkungen. Ich war so erleichtert, wieder „normal“ zu funktionieren, wurde wieder positiver und optimistischer. Ich hatte auch – entgegen meinen Befürchtungen – nie das Gefühl, durch das Medikament irgendwie verändert oder nicht ganz „ich“ zu sein.
Nach der Mindesteinnahmedauer von sechs Monaten setzte ich das Medikament über zwölf Wochen langsam ab. Auch hier gab es zwar leichte Entzugserscheinungen – insbesondere Schwindelgefühle –, aber die Depression kam bisher nicht zurück.
Diese einschneidende Erfahrung führte dazu, dass ich Dinge in meinem Leben grundlegend änderte. Der wichtigste und sehr schwierige Schritt für mich war, wirklich zu akzeptieren, dass ich ein Problem mit dem richtigen Maß an Arbeit hatte und an Depressionen litt. Diese Erkenntnis hatte ich weder in Asien noch nach dem „Rückfall“ in Deutschland, sondern erst, als ich aus der Reha zurückkehrte und die Probleme gefühlt noch heftiger zurückkamen als zuvor. Ich könnte auch sagen: Mein Körper musste mich mehrmals und jedes Mal stärker darauf hinweisen, dass eine Änderung unausweichlich war.
Ich entschied mich, viele Dinge loszulassen, die sich im Laufe meines Lebens angesammelt hatten. Als Erstes vereinbarte ich mit meinem Arbeitgeber, dass ich mir über ein Sabbatical ein Jahr freinehme. Ich gab den Partnerstatus bei meiner Firma auf, um auch hier wieder „freier“ zu sein. Ich kündigte meine Mitgliedschaft ineinem Lions-Club, in dem ich sehr viele nette Menschen gefunden hatte. Aber ich wollte die Anzahl meiner terminlichen Verpflichtungen reduzieren. Ich gab mein Auto ab und nutzte wieder mehr mein Fahrrad und Carsharing, um die Kosten zu reduzieren. Ich entschied mich auch endgültig vegetarisch zu leben, was ich zuvor immer wieder mal monatelang ausprobiert hatte.
Ich fing auch an, offen mit anderen über meine Erfahrung zu sprechen und war schockiert: Vielen, denen ich von meinen Problemen berichtete, erzählten mir im Gegenzug, wie schlecht es ihnen von der Arbeit schon ergangen war oder immer noch geht.
