Gründen macht glücklich! - Eileen Liebig - E-Book

Gründen macht glücklich! E-Book

Eileen Liebig

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Beschreibung

In nur drei Tagen hochschwanger gründen? Was andere für Wahnsinn halten, ist Eileen Liebig gelungen. Ihre Erfahrungen als vierfache Patchwork-Mama und zweifache Gründerin gibt sie in ihrem Buch an alle weiter, die mit einem eigenen Business beruflichen Erfolg und privates Glück vereinen wollen. Denn der Schlüssel zu diesem Erfolg ist oftmals schlicht das richtige Mindset. Vielen Menschen fehlt der Gründungsmut, stattdessen lassen sie ihre großartigen Ideen aus Angst vorm Scheitern in der Schublade verstauben. Was dagegen hilft, verrät Eileen Liebig in ihrem Buch. Zusätzlich gibt sie ihr gesammeltes Gründer-Knowhow weiter und verrät alle wichtigen Schritte hin zur Selbstständigkeit. Sie beantwortet zudem die wichtigsten Fragen wie Brauche ich einen Businessplan?, Welche Unternehmensform ist die richtige für mich?, Wie läuft die Anmeldung ab?, Wo bekomme ich eine Finanzierung her? Ergänzt werden diese Erfahrungsberichte von Eileen Liebig durch Einblicke der Gründer von Momox, Freche Freunde, SIXX PAXX, Concrete Jungle, 2hearts und eines Unternehmerberaters. Angehende Gründer, die von Beginn an den New-Work-Lifestyle leben wollen, bekommen wertvolle Tipps in einem Interview mit New-Work-Experte Patrick Gromm. Wie man die Umsetzung einer eigenen Idee vorantreibt, die Herausforderungen rund um eine erfolgreiche Unternehmensgründung meistert und potenzielle Blockaden auf dem Weg zur Selbstständigkeit überwindet, all das zeigt Eilen Liebig und räumt endgültig mit dem Mythos auf, dass sich Unternehmensgründung und Familiengründung nicht vereinbaren lassen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Eileen Liebig

Gründen macht glücklich!

Eileen Liebig

Gründenmachtglücklich!

Beruflich und privat

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Originalausgabe,

1. Auflage 2022

© 2022 by Redline Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Redaktion: Christiane Otto

Korrektorat: Silvia Kinkel

Umschlaggestaltung: DUO Werbeagentur GmbH & Co. KG, Berlin

Umschlagabbildung: Marcus Wichert

Abbildungen: Foto S. 13: wisemarkt Gmbh, Foto S. 15: erdbär GmbH, Foto S. 16: Concrete Jungle, Foto S. 17: David Joachimsthaler, Foto S. 18: Patrycia Lukas, Foto S. 19: Ronny Bartel, Foto S. 196: Marcus Wichert, Foto S. 201: Tonia Welter, Foto S. 211: Melissa Kühn, Foto S. 224: Benjamin Rettinger

Satz: ZeroSoft, Timisoara

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-86881-927-4

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96267-496-0

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96267-497-7

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.redline-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort

Idee zum Buch

Aus der Gefahr eine Chance machen

Alles beginnt im Kopf

Was erfolgreiche Menschen gemeinsam haben

Mut ist eine Entscheidungsfrage

Umgang mit Angst, Zweifel und Sorgen

Mompreneurs und Dadpreneurs?

Know-how für Gründer

Braucht mein Business einen Plan?

Soloselbstständig oder Gründung im Team?

Welche Unternehmensformen gibt es?

Wie melde ich mein Unternehmen an?

Wie entwickle ich einen USP?

Impulse für dich: Vorbereitung für deinen Businessplan

Das liebe Geld

Finanzierungsmöglichkeiten

Das Geschäftskonto

Buchhaltung

Versicherungen

Altersvorsorge

Die erste Zeit nach der Gründung

Du musst gar nichts (was du nicht willst)

Wir haben alle nur 24 Stunden

Impulse für dich: Wie sieht es mit deinem Zeitmanagement aus?

Weg mit den Kinderschuhen: Das Unternehmensbaby wächst!

Mitarbeiter: An einem Strang ziehen?

Die hohe Kunst des Delegierens

Fuck-up-Storys: Nach dem Scheitern

Khaled Safsouf: Zahlungsunfähige Kunden und Burn-out

Tonia Welter: Aus der Teamgründung in die Soloselbstständigkeit

Melissa Kühn: Gründen plus Vollzeitjob

Anonym: Falsche Beratung führte in die Insolvenz

Benjamin Rettinger: Die Zielgruppe bricht durch Corona weg

Anmerkungen

Vorwort

Idee zum Buch

Als Ende 2021 mehrere Onlinemagazine über mich und die Gründungsgeschichte meines Unternehmens Online Event Box berichteten, verstand ich die Welt plötzlich nicht mehr. Okay, ganz zufällig waren diese Artikel nicht ins World Wide Web geflossen. Sagen wir, ich habe den Stein ganz bewusst angestoßen. Aber dazu später mehr. Es waren diese reißerischen Schlagzeilen à la »Start-up hochschwanger in drei Tagen gegründet – jetzt verzeichnet sie Millionenumsätze«, die mich für einen Moment aus der Bahn warfen. Die Reaktionen der Leser gaben mir den Rest. Ich las, ich wäre »eine echte Powerfrau«, meine Geschichte sei »einfach unglaublich« und »so viel Mut ist beneidenswert«. Im Traum wäre mir nicht eingefallen, dass meine Gründung in irgendeiner Form etwas Besonderes gewesen wäre. Stattdessen bin ich den Weg gegangen, der mir am logischsten erschien. Ob ich keine Angst gehabt habe, das Ganze könne doch nur eine Schnapsidee sein? Nicht wirklich. Um ehrlich zu sein, ich habe nicht darüber nachgedacht, dass eine Neugründung kurz vor der Geburt eine massive Herausforderung sein könnte. Es gibt Stimmen, die dieses Verhalten als naiv bezeichnen würden. Ich sehe darin den Mut, ohne den ein Neuanfang nicht möglich wäre. Gab es Momente des Zweifelns? Sicher! Nach der Geburt und kurz vor der Weihnachtszeit und all dem damit verbunden privaten und beruflichen Stress – Stichwort: Weihnachtsgeschäft – habe ich mich doch hin und wieder gefragt, was ich da nur angestellt habe. Aber dann fiel es mir schnell wieder ein: Ich habe gemacht, was ich wollte, und war und bin noch immer sehr glücklich damit.

Für mich persönlich gibt es nur den Weg der Selbstständigkeit, um beruflichen Erfolg mit privatem Glück zu vereinen. Kreative Autonomie und zeitliche Flexibilität entsprechen genau dem Arbeitsmodell, das zu mir passt. Ich kann in meinem Unternehmen selbstständig Entscheidungen treffen und den Weg vorgeben und mit der richtigen Organisation gleichzeitig für meine Familie da sein. Mit der Liebe zur Selbstständigkeit bin ich nicht allein. 2011 hat eine Analyse des Instituts für Mittelstandsforschung der Uni Mannheim und des Entrepreneurship-Lehrstuhls der Universität Hohenheim herausgefunden, dass Selbstständige ein höheres Einkommen und häufiger Kinder haben.1 Der Grund liegt in ebenjener Flexibilität, die ein eigenes Unternehmen bietet. Doch all diese Vorteile waren bei der Gründung der Online Event Box nebensächlich, denn eigentlich war es eine Gründung aus der Not heraus.

Aus der Gefahr eine Chance machen

Mein erstes Unternehmen habe ich bereits 2011 gegründet: die Live-Event-Agentur MIAS DIAS. Im Frühjahr 2020 wurde meiner Agentur praktisch über Nacht der Stecker gezogen. Als durch Corona alle Live-Veranstaltungen eingestampft wurden, gab es keine Arbeit mehr für eine Agentur, die ebendiese Events organisiert. Das war zunächst natürlich ein Schock. Doch nachdem der erste Schrecken überwunden war, folgte eine neue Phase, und ein Jahr später habe ich mit einem neuen Konzept über eine Million Euro umgesetzt. Doch eins nach dem anderen: Zunächst versuchte ich, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass diese Pandemie und die mit ihr verbundene Stornierung aller Aufträge vielleicht ein Wink des Schicksals sein sollten. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mit meinem zweiten Kind schwanger. Nach der Geburt meiner Tochter hatte ich keine Elternzeit genommen, sondern saß kurz nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus schon wieder im Agenturbüro. Vielleicht sollte es dieses Mal anders sein und die Zwangsruhe meines Unternehmens mir die Möglichkeit zur Elternzeit mit meinem Sohn geben.

Nachdem alle geplanten Veranstaltungen in den digitalen Bereich verlegt wurden, suchte ich zunächst eine Lösung, mit den Veranstaltern in Kontakt zu bleiben. Persönlich ging das nicht mehr. Aber der Postweg bot die Möglichkeit, trotz umfassender Hygienemaßnahme, weiterhin für großartige Events – jetzt über den Bildschirm – zu sorgen. Von einer begeisterten Freundin habe ich erfahren, dass sie anlässlich eines Onlinemeetings eine Box zugesandt bekommen hatte, die die Veranstaltung mit Knabbereien und Getränken kulinarisch begleitete. Diese Idee ließ mich nicht mehr los. Im Gegenteil: Plötzlich war der Gedanke an eine Elternzeit, die mich zuhause halten würde, verflogen, und ich spürte nur noch den unbändigen Willen, auch so ein Produkt in die Welt hinauszugeben. Es war einfach nur logisch: Mit solchen Boxen könnte ich der Veranstaltungsbranche trotz Pandemie weiterhin treu bleiben. Ich recherchierte im Internet nach Anbietern, die solche Boxen nach meinen Vorstellungen gestalten konnten – vergebens. Die Marktanalyse war schnell gemacht, da es kaum vergleichbare Produkte auf dem Markt gab. Das bedeutete aber auch, dass ich die ersten Schritte ganz allein gehen musste. So entwickelte ich die Online Event Boxen, die gefüllt mit besonderen Snacks, Drinks und lustigen Gimmicks die Atmosphäre der digitalen Veranstaltungen aufpeppen konnten. Für die ersten Boxen fuhr ich selbst los, kaufte in meinen Lieblingsgeschäften, große Bio-Läden und kleine Manufakturen, nachhaltige, fair produzierte und zuckerfreie Bio-Produkte ein. Schon lange ernähre ich mich selbst und meine Familie auf diese Weise und wollte entsprechend auch meinen Kunden hochwertige Qualität bieten, die meine Überzeugung von einer gesunden Lebensweise widerspiegelt. Das Verpackungs- und Füllmaterial, das ich in unterschiedlichen Bastelgeschäften zusammensuchte, sollte recycelbar und umweltfreundlich sein. Dann ging es zurück ins heimische Wohnzimmer, wo ich gemeinsam mit meinem Mann Khaled die ersten Online Event Boxen gepackt habe. Anschließend haben wir das Familienauto beladen und die Boxen zur Post gefahren. Das war die Geburtsstunde der Online Event Box.

Mein großes Netzwerk im Veranstaltungsbereich hat mir dabei geholfen, das Ganze in einen professionellen Rahmen zu bringen. Kollegen aus dem Event- und Marketingbereich waren ohnehin nur noch mit Däumchen drehen beschäftigt. Entsprechend waren sie gleich Feuer und Flamme, als ich sie um ihre Unterstützung bat. So hatte ich glücklicherweise Experten an meiner Seite, die die Website aufbauten, die Boxen zusammenstellten, fotografierten und alles für den Vertrieb über das Internet organisierten. Schnelle Hilfe hatte ich auch dringend nötig, denn zu diesem Zeitpunkt war ich im siebten Monat schwanger. Es musste also schnell gehen, damit ich mich nach der Geburt meines Sohnes auf das Stillen und Windelwechseln konzentrieren konnte. Tatsächlich vergingen von der Idee bis zur Liveschaltung der Website nur drei Tage.

Herausfordernd wurde dann der Aufbau des Einkaufs, der Logistik und des Kundenservices. Ich stellte Mitarbeiter ein, die diese Bereiche übernahmen, definierte dafür Abläufe und verteilte die Aufgaben. Mein Ziel war es von Anfang an, meinen beruflichen Erfolg mit dem persönlichen Glück zu vereinbaren. Ich wollte meinen Sohn erst in die Fremdbetreuung geben, wenn er laufen konnte. So hatte ich das bei meiner Tochter bereits gehandhabt. Diese erste magische gemeinsame Zeit möchte ich nicht missen.

Natürlich war die Schwangerschaft während der Gründung und die Geburt neben dem blutjungen Unternehmen ein großes Thema für die Interviewer. Ein Baby allein ist schon eine große Herausforderung. Ich habe in meinem Umfeld viele Eltern, die in der ersten Zeit mit Kind nicht arbeiten. Oder besser gesagt: Sie gehen keiner Arbeit nach, für die sie bezahlt werden. Hier sorgt die Biologie durch das Stillmonopol der weiblichen Elternteile dafür, dass die berufliche Auszeit in den meisten Fällen von den Müttern genommen wird. Obwohl sie »nur« mit dem Baby zuhause sind, haben diese Frauen ebenfalls alle Hände voll zu tun. Daher werde ich in nahezu allen Interviews danach gefragt, wie ich ein Neugeborenes und ein frisch gegründetes Unternehmen unter einen Hut bekommen habe. Dieses Buch wird unter anderem Antworten auf Fragen dieser Art geben (Spoiler-Alarm: Es ist vor allem das Mindset!). Eine Antwort möchte ich jetzt schon verraten, da sie meine Interviewpartner immer so schön überrascht. Die vermeintliche »Doppelbelastung« Baby und neues Business brachte nämlich auch den Vorteil mit sich, dass ich mich vor allem auf meine Intuition verlassen habe. Bei meinem ersten Kind hatte ich deutlich mehr Zeit, um all die vielen Baby-Bücher zu lesen, die der Markt hergibt. Auch bei kleinen Fragezeichen habe ich lieber nachgelesen, als mich auf mein Gefühl zu verlassen. Diese Zeit zum Recherchieren fehlte mir so kurz nach der Gründung, sodass ich auf meine Intuition angewiesen war. Das hat dazu geführt, dass ich mich tatsächlich im Rückblick an das erste Jahr mit meinem Sohn an keine einzige negative Erfahrung erinnere. In den ersten sechs Monaten hatte ich meinen Sohn jede Sekunde bei mir und ihn auch zu sämtlichen Meetings und bei Besuchen im Lager in der Trage mitgenommen. Da die ersten Monate geprägt sind von kuscheln, stillen und schlafen, war dies eine wunderschöne Zeit und kein Stressfaktor für mich. Nach einem halben Jahr hatte ich ein- bis zweimal pro Woche ein paar Stunden »babyfrei«, sodass ich jede Sekunde mit meinem Sohn genießen konnte, wenn wir uns dann wiedergesehen haben.

Die Reaktionen auf meine Gründungsgeschichte haben mir allerdings gezeigt, dass sich viele Menschen nicht trauen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Gründe hierfür gibt es viele. Meiner Erfahrung nach versteckt sich dahinter stets ein Mindset, das eine eigene Unternehmensgründung (noch!) nicht zulässt. Mit diesem Buch möchte ich das ändern.

Ich werde dir zeigen, wie ein richtiges Macher-Mindset aussieht und wie du es entwickelst. Du erfährst, wie du dich von Ängsten, Zweifeln und Sorgen lossagst, Notfallpläne für den Worst Case schmiedest und deine Glaubenssätze überprüfst. Mit einem ausführlichen Gründer-Know-how bekommst du die Informationen, die dich im Gründungsprozess begleiten und ans Ziel bringen. Besonders intensiv werden wir uns mit dem Thema Geld beschäftigen, woher du es bekommst und wie du es investieren solltest. Die erste Zeit nach der Gründung ist sehr aufregend. Du findest dich nicht nur plötzlich als Unternehmer wieder. Du musst auch deine Zeit ganz neu managen, um der Familie weiterhin gerecht zu werden. Auch wenn du Mitarbeiter einstellst und das Unternehmen aus den Kinderschuhen herauswächst, gilt es einiges zu beachten, damit du den Balanceakt zwischen Business und Familie meistern kannst. Mit meinen Erfahrungen werde ich dich in all diesen Situationen unterstützen.

In diesem Buch findest du in erster Linie Empfehlungen, die auf meinen Erfahrungswerten basieren. Ich bin mir allerdings bewusst, dass jeder Mensch anders ist und seinen eigenen Weg finden muss. Als Inspirationsquelle für dich habe ich einige andere erfolgreiche Unternehmer gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten.

In diesen kurzen Steckbriefen stellen sie sich vor:

Christian Wegner

Momox ist ein Online-Ankaufsservice für gebrauchte Bücher, CDs, DVDs und Games. Nach seinem Exit hat Christian mit wisemarkt diesen Re-Commerce-Anspruch weitergeführt und den Service auf nahezu alle verkaufbaren Produkte erweitert.

Gründungen

Momox

Gründungsjahr:

2003

Mitarbeiter:

> 2.000

Umsatz:

> 300 Millionen Euro

Exit:

2019

wisemarkt 2020

Mitarbeiter:

15

Umsatz:

500.000 Euro

Familie

Freundin und zwei Kinder (12 und 14 Jahre alt)

Thomas P.

Als Mitgründer einer Wirtschafts-PR-Agentur und Vater eines 6-jährigen Kindes weiß Thomas, dass man oftmals mit beruflichen und privaten Dinge jonglieren muss. Schließlich will er sowohl seiner Partnerin und seinem Kind als auch seinem Mitgründer und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht werden. Dazu setzt er auf effizientes Zeitmanagement, das ihn in allen Bereichen des Alltags und Arbeitens begleitet. Aus persönlichen Gründen möchte er nicht seinen vollständigen Namen nennen.

Gründung

PR-Agentur für Wirtschafts-PR

Mitarbeiter:

30

Umsatz:

5 Millionen Euro

Familie

Freundin und Kind (6 Jahre alt)

Natacha Neumann

Natacha hat ihr Unternehmen gemeinsam mit ihrem Ehemann gegründet. Ihre natürlich gesunden und zuckerarmen Kindersnacks, Cerealien sowie Baby- und Kleinkindkost lassen Kinder- und Elternherzen höherschlagen.

Gründung

erdbär GmbH

Gründungsjahr:

2010

Mitarbeiter:

90–100

Jahresumsatz:

60 Millionen Euro

Marken:

Freche Freunde, Baby Freche Freunde, Rebelicious, Baby Fresh

Familie

Mann und drei Kinder

Madlen Thorwarth

Madlens Schmucklabel Concrete Jungle, das sie gemeinsam mit ihrem Freund Daniel gegründet hat, stellt Schmuck aus Ultrahochfestem Beton (UHPC) her. Ihre Vision ist es, ihren Betonschmuck in der Schmuckbranche zu etablieren und salonfähig zu machen. Das erreichen sie dank einzigartiger Qualität aus ehrlicher Handarbeit.

Gründung

Concrete Jungle

Gründungsjahr:

2016

Mitarbeiter:

18

Jahresumsatz:

3 Millionen

Familie

Verlobter

Sebastian Corsten

Sebastian hat SIXX PAXX gemeinsam mit zwei Freunden gegründet. In den letzten Jahren haben sie sich zur erfolgreichsten Male Revue Show Europas entwickelt. Als die Shows durch Corona vorerst ausfallen mussten, hat Sebastian zusätzlich einen Eis- und Waffelladen eröffnet.

Gründung

SIXX PAXX

Gründungsjahr:

2014, SIXX PAXX Concert GmbH erst 2017

Mitarbeiter:

7

Jahresumsatz:

ca. 4 Millionen

Eis- und Waffel-Laden

Gründungsjahr:

2021

Mitarbeiter:

5

Jahresumsatz:

noch nicht bekannt

Familie

Zwei Kinder, getrennt lebend

Gülsah Wilke

Gülsah hat die 2hearts Tech Community zusammen mit drei Geschäftspartnern gegründet. Alle Gründungsmitglieder wurden von ihren Migrationserfahrungen und -herausforderungen in zweiter und dritter Generation angetrieben. Sie erleichtern Talenten im Tech-Bereich mit Migrationshintergrund aus sozial benachteiligten Schichten die Vernetzung untereinander und den Zugang zu Netzwerk und Mentoren. Die Gründung hat Gülsah »nebenbei« als zweifache Mutter und Chief Operating Officer (COO) der weltbekannten Symptomanalyse-App Ada Health gewuppt.

Gründung

2hearts Tech Community

Gründungsjahr: 2020

Mitarbeiter: 1 (ca. 30 – 40 ehrenamtliche Unterstützer)

Umsatz: non-profit, gemeinnützig

Familie

Ehemann und zwei Kinder (4 Jahre und 8 Monate)

Franz-Philippe Przybyl

Franz-Philippe Przybyl (auch bekannt als FPP) unterstützt als »Der Unternehmer Macher« angehende Gründer auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Er hat selbst auch zahlreiche Unternehmen in verschiedenen Ländern und Branchen gegründet und aufgebaut und ist weiterhin Unternehmer. Gerade baut er mit The Argonauts ein weltweites Netzwerk und Portal für Führungskräfte und ihre Unternehmen für nachhaltiges und sinnstiftendes Wirtschaften auf.

Unternehmerberater

Familie

Ehefrau und zwei Kinder (4 und 12 Jahre)

Alles beginnt im Kopf

Was erfolgreiche Menschen gemeinsam haben

»Erfolg im Leben zu haben bedeutet:

Oft und viel zu lachen;

die Achtung intelligenter Menschen und die Zuneigung von Kindern zu gewinnen;

die Anerkennung aufrichtiger Kritiker zu verdienen und den Verrat falscher Freunde zu ertragen;

Schönheit zu bewundern, in anderen das Beste zu finden;

die Welt ein wenig besser zu verlassen, ob durch ein gesundes Kind, einen bestellten Garten oder einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft;

zu wissen, dass wenigstens das Leben eines Menschen leichter war, weil Du gelebt hast – das bedeutet, nicht umsonst gelebt zu haben.«

– Ralph Waldo Emerson (1803 – 1882),US-amerikanischer Geistlicher, Philosoph und Schriftsteller

Was ist Erfolg?

Der Begriff Erfolg erlaubt viele Definitionen. Ganz allgemein kann man Erfolg damit gleichsetzen, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Welche das wiederum sind, ist sehr individuell. Das obige Zitat von Emerson trifft es für mich sehr gut. Selbst glücklich zu sein und im Einklang mit seinen Mitmenschen zu leben, zähle ich zu den höchsten Zielen, die man sich im Leben stecken kann. Dazu braucht es in erster Linie eine positive Einstellung, denn das Leben selbst ist nie nur positiv. Stimmt aber der Blick auf das Leben, kann man auch den negativen Seiten etwas Positives abgewinnen. Humor erleichtert diese Einstellung. Nicht immer ist es einfach, zu lachen, wenn der Alltagsstress zuschlägt und dann noch Probleme bei der Arbeit oder mit dem Partner hinzukommen. Mit positiven Emotionen lässt sich jedoch das Blickfeld erweitern, und es eröffnen sich neue Lösungs- und Denkmöglichkeiten. Das führt zu einer Aufwärtsspirale aus erlebter Selbstwirksamkeit bei Herausforderungen, Handlungsfähigkeit und guten Gefühlen. Selbst wenn du ein Ziel nicht erreichst – und somit von einem Misserfolg sprechen würdest –, kannst du deinen Blick auf das Positive richten und erkennst, dass dir dieser Umweg die Möglichkeit des Lernens eröffnet hat. Vielleicht entdeckst du gar einen neuen Weg, der dich ebenfalls ans Ziel führen wird.

Diese dynamische Auffassung von Erfolg ist sowohl für Eltern als auch für Gründer und Unternehmer wichtig. Mit der Geburt eines Kindes lernt jedes Elternteil früher oder später, dass nicht immer alles nach Plan laufen kann und auch nicht muss. Je früher du das erkennst, desto weniger Stresssituationen gibt es im Familienleben. Ebenso sieht es im Unternehmeralltag aus. Die Prognosen im Businessplan erweisen sich als utopisch. Der vielversprechende Mitarbeiter entpuppt sich als unerfahrener Neuling. Ein Zahlendreher bei der Warenbestellung sorgt für Platzmangel im Lager. Alles unschön, aber nicht unlösbar – wenn das Mindset stimmt.

Christian Wegner: »Erfolg ist für mich Freude an der Arbeit und am Wachstum meiner Projekte. Wenn ich morgens gern aufstehe, weil ich arbeiten darf, ist das für mich Erfolg. Außerdem sind eine glückliche Familie und ein gefülltes Bankkonto klare Zeichen von Erfolg.«

Thomas P.: »Im Grunde genommen geht es in allen Lebensbereichen darum, dass man ein Equilibrium findet. Denn gerade wenn man privat durch Familie eingespannt ist, muss man mit unterschiedlichen Dingen jonglieren. Hier hilft das Pareto-Prinzip. Man muss sich immer fragen, ob es notwendig ist, einen geschäftlichen Anruf anzunehmen, wenn man gerade mit den Kindern spielt. Eventuell kann das Telefonat auch bis morgen warten. Genauso muss ich entscheiden, ob ich meiner Freundin am Abend in der Küche helfe, obwohl ich seit vier Tagen keinen Sport gemacht habe. Eventuell wäre es für alle Parteien auch gewinnbringender, wenn ich jetzt nochmal joggen gehe. Erfolg bedeutet für mich, mit diesen kleinen Konflikten umzugehen und für alle Bereiche genügend Zeit aufzubringen. Anderthalb Stunden Qualitätszeit mit den Kindern kann viel mehr bringen als fünf Stunden, in denen ich nur halb anwesend bin.«

Natacha Neumann: »Für mich persönlich bedeutet Erfolg weniger eine Zahl als vielmehr die Möglichkeit, selbstbestimmt zu sein und eine gute Balance zwischen mir – denn auch ich bin wichtig, das musste ich erkennen –, der Familie, dem Partner, Freunden und dem Business zu schaffen. Das habe ich über die Zeit gelernt.«

Madlen Thorwarth: »Dass das, was ich jeden Tag tue, mich erfüllt, ist wichtiger als der Erfolg in Zahlen.«

Sebastian Corsten: »Erfolg ist für mich, dass ich ein gut laufendes Business habe, mir keine Sorgen machen muss und immer noch so viel Freiraum habe, dass ich ein schönes Privatleben habe.«

Gülsah Wilke: »Ich empfinde mich selbst als erfolgreich, wenn ich das, was ich mir vornehme, auch erreiche oder zumindest das Gefühl habe, auf dem richtigen Weg zu sein. Das gibt mir beruflich sehr viel. Außerdem ist es mir sehr wichtig, dass meine Mitarbeiter zufrieden und erfüllt sind. Wenn ich merke, dass ein Mitarbeiter unglücklich ist und es irgendwie negative Energie gibt, kann es mich auch herunterziehen. Es ist wichtig, dies frühzeitig zu erkennen und dem entgegenzuwirken. Privat bedeutet Erfolg für mich, wenn ich es schaffe, auch ausreichend Zeit für meine Familie zu haben. Ich nenne das immer Quality Time. Für mich ist nicht Quantität wichtig. Ich muss nicht 24 Stunden am Tag mit meiner Familie zusammen sein, aber ich möchte bei den wesentlichen Meilensteinen dabei sein. Wenn mein Sohn einen Auftritt in der Kita hat, dann möchte ich dabei sein. Auch an den Geburtstagen gibt es ab 15 Uhr keine beruflichen Termine mehr. Es ist zudem wichtig, dass man sich explizit Zeit für seinen Partner nimmt. Wir nehmen uns dafür einmal die Woche Zeit. Der Tag hat einfach nur 24 Stunden, daher muss man auch das Privatleben sehr gut strukturieren. Das klingt super unromantisch, ist aber trotzdem notwendig.«

Franz-Philippe Przybyl: »Erfolgreich sein bedeutet für mich, bestimmte Ziele zu erreichen und mein Potenzial auszuschöpfen. Für mich persönlich ist Erfolg, wenn ich etwas erschaffe, das greifbar ist. Das kann auch intellektuell greifbar sein, wie die fertige Diplomarbeit oder das erste eigene Buch in der Hand zu halten. Daneben ist Erfolg für mich, wenn ich Leuten dazu verhelfe, ihr Potenzial zu nutzen. Das betrifft meine eigenen Kinder ebenso wie Coachees, die den nächsten Sprung machen.«

Eigenschaften erfolgreicher Menschen

Alle erfolgreichen Menschen haben etwas gemeinsam: die innere Motivation, die sie antreibt. Sie wollen unbedingt etwas erreichen und haben dadurch auch die notwendige Energie. Ich weiß, wovon ich spreche, da ich in den ersten Lebensmonaten meines Sohnes teilweise bis 2 Uhr nachts gearbeitet habe, obwohl die Nacht um 6 Uhr schon wieder vorüber war. Trotz der Müdigkeit war ich unheimlich glücklich in dieser arbeitsintensiven Zeit. Ich durfte an meinem eigenen Unternehmen arbeiten, Produkte entwickeln, die ich liebte, und zugleich meine beiden Herzenswunschkinder liebevoll aufwachsen sehen.

Dies war meine intrinsische Motivation. Das ist der Antrieb, der aus dem Inneren kommt und nicht durch äußere Faktoren, wie Reichtum, sozialem Status oder Zugehörigkeit, beeinflusst wird. Stattdessen basiert er auf dem persönlichen Interesse, dem Spaß an der Arbeit, dem Erkennen eines Sinns im eigenen Handeln sowie der Übereinstimmung mit den persönlichen Werten. Begleitet wird die intrinsische Motivation von der Überzeugung der eigenen Selbstwirksamkeit. Wenn ich ein Ziel erreichen will, muss ich den Weg gehen, der dorthin führt. Das Warten auf den »perfekten Moment« oder auf den entscheidenden Anstoß von außen bringt mich nicht weiter. Ich gehe den ersten Schritt und danach den zweiten, bis ich angekommen bin. Eventuell nehme ich noch ein paar Umwege, um aus Fehlern zu lernen. Aber ganz sicher weiß ich: Ich schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Diese Überzeugung teilen sich alle erfolgreichen Menschen – nicht weil sie erfolgreich sind, sie sind erfolgreich, weil sie dieses Mindset besitzen. Die eigene Einstellung beeinflusst die Realität. Die Macht der Gedanken ist größer, als es uns oftmals erscheint. Das klingt esoterisch? Überhaupt nicht! Bestimmt hattest du auch schon mal einen dieser »schlechten Tage«. Er beginnt mit grauem Regenwetter vor dem Fenster, das du gestern noch geputzt hast. Das Kind quengelt mit Bauchschmerzen am Frühstückstisch oder hat heute einfach keine Lust auf die Kita, obwohl du doch gleich einen wichtigen Arbeitstermin hast! Und schwupps landet der Kakao auch schon auf dem Business-Outfit. Spätestens dann verfestigt sich bei dir der Gedanke: »Heute ist alles mies!« Mit 100%iger Wahrscheinlichkeit wirst du recht behalten. Alles Gute, das dir an diesem Tag doch noch passiert, geht in der Überzeugung unter, dass heute nicht dein Tag ist. Die Laune bleibt am Boden. Änderst du dein Denken jedoch und sagst dir »Schlimmer kann es jetzt nicht mehr werden. Das wird sicher ein guter Tag!« wirst du ebenfalls recht behalten.

Das ist der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und nicht erfolgreichen Menschen. Erfolg ist das Resultat einer hohen intrinsischen Motivation gepaart mit der festen Überzeugung von sich selbst und dem eigenen Handeln. Aus dieser Überzeugung heraus entsteht der »Gründungsmut«. Den brauchst du, um deinen Weg zum eigenen Unternehmen einzuschlagen. Die gute Nachricht: Du kannst dich ganz bewusst für diesen Mut entscheiden!

Christian Wegner: »Für mich zeichnet erfolgreiche Menschen aus, dass sie eine tolle Vision von etwas Großem haben, der sie nachgehen. Sie stehen morgens früh auf und gehen abends nicht so gern schlafen.«

Thomas P.: »Erfolgreiche Menschen schaffen es, ihre Grenzen zu überwinden und die Extrameile zu gehen. Sie sind ihren Zielen gegenüber demütig und können in sich schauen. Der Antrieb, besser zu werden, hilft ihnen dabei, die notwendige Ausdauer mitzubringen. Es ist sinnvoller, jeden Tag ein Prozent zu wachsen, als alles in kurzer Zeit erreichen zu wollen. Sie erkennen, dass der Weg Teil der Freude ist. Daraus schöpfen sie Kraft. Daher ist es wichtig, dass der erste Schritt darin besteht, seine Passion zu finden, um durchhalten zu können.«

Madlen Thorwarth: »Erfolgreiche Menschen zeichnet ein gemeinsames Mindset aus. Dazu gehört Durchhaltevermögen, enormes Durchhaltevermögen. Man muss aushalten können, nicht sofort belohnt zu werden und auch etwas zu opfern. Zum Mindset gehört auch Resilienz, das heißt, wenn etwas schiefläuft, wieder aufzustehen und weiterhin positiv zu denken und dieses Kämpferische in sich zu haben. Leidenschaft ist ebenfalls etwas, das alle erfolgreichen Menschen gemeinsam haben. Wenn man nur irgendetwas macht, in dem keine Leidenschaft steckt, oder aus den falschen Gründen ein Unternehmen startet, wird das auf Dauer nichts. Dann fehlt die Liebe zum Detail, dieser Wille, auch mal eine Nacht durchzumachen oder in schlechten Zeiten durchzuhalten. Mit etwas, worin Leidenschaft steckt, kann man nur Erfolg haben. Weil man dann Lust darauf hat, dazuzulernen, weiterzumachen, es einem Spaß macht und Energie schenkt.«

Natacha Neumann: »Nicht aufzugeben ist eine wahnsinnig wichtige Fähigkeit, um erfolgreich zu werden. Intuition und der Blick, was es gerade braucht – für mich und meine Mitarbeiter –, sind ebenfalls elementar.«

Gülsah Wilke: »Alle Menschen, die erfolgreich sind, zeichnet eine gewisse Resilienz aus. Sie können also mit Rückschlägen besser umgehen. Ich habe nicht immer alles richtig gemacht, aber ich bin oft genug aufgestanden und habe mich nicht von Rückschlägen unterkriegen lassen. Zudem haben erfolgreiche Menschen einen starken Willen, es zu schaffen. Ich glaube nicht, dass man unbedingt intelligenter ist oder einen besseren Background hat. Ich bin davon überzeugt, dass diese Charaktereigenschaften gewisse Menschen haben, die es in der Kindheit nicht so einfach hatten. Entweder weil sie einen multikulturellen Background haben, mit mehreren Kulturen und Sprachen aufgewachsen sind oder weil sie gewisse Rückschläge und Herausforderungen in der Vergangenheit hatten. Ich glaube, dass das nicht etwas ist, was einem angeboren ist, sondern dass man diese Voraussetzungen für Erfolg über die Zeit entwickelt.«

Mut ist eine Entscheidungsfrage

Jeder erfolgreichen Gründung liegt eine ordentliche Portion Pragmatismus zugrunde. Es gibt viele kreative Köpfe, die großartige Ideen mit sich herumtragen, die sie aber nie umsetzen. Oftmals bleiben diese Menschen in einer Gedankenschleife hängen und feilen ewig an ihrer Idee, bis sie nur endlich perfekt ist. Aber was nützt eine perfekte Idee, die nie umgesetzt wird? Generell solltest du dir die Frage stellen, ob es dieses ominöse »Perfekt« überhaupt gibt. Wenn du dich in einer Partnerschaft befindest, die die Zeit der rosaroten Brille hinter sich gelassen hat, oder Kinder hast, die nicht jeden Tag freudestrahlend ihr Zimmer aufräumen und ihre Hausaufgaben sofort nach der Schule erledigen, weißt du: Nichts ist perfekt!

Auch im Berufsleben und erst recht bei der Gründung eines Unternehmens gibt es keinen perfekten Zustand. Wer nur gründen will, wenn wirklich alles stimmt und keine Stolpersteine mehr in Sicht sind, der wird es schlichtweg nie tun. Anstatt also auf die 100 Prozent zu warten, solltest du auf das Pareto-Prinzip setzen. Dieses Prinzip wird auch als 80-zu-20-Regel bezeichnet und beschreibt das Phänomen, dass 80 Prozent der Ergebnisse in 20 Prozent der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Daraus ergibt sich, dass die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse unverhältnismäßig viel Arbeit verursachen. Anstatt also die große 100 anzustreben, macht es Sinn, die 80 Prozent fest im Blick zu haben. Wenn du die in der Tasche hast, geht es los. Du weißt noch nicht, wie du das Marketing für dein Unternehmen angehen sollst? Egal, um diese 20 Prozent kümmerst du dich später. Zuerst kommst du ins Machen, bevor du in die Perfektionismusfalle tappst und niemals beginnst. Da sich das Pareto-Prinzip auch wunderbar als Zeitmanagement-Methode eignet, wird es dir nochmal im Kapitel 3 begegnen.

Zugegeben: Dieser Pragmatismus erfordert Mut. Dieser wird dir aber nicht einfach eines Tages zufliegen, du musst dich dafür entscheiden und dann einfach »Ja!« sagen. Auch meine Gründungen haben mit einem überzeugten »Ja!« begonnen.

Christian Wegner: »Kein Mensch ist immer mutig. Aber es gibt Situationen, in denen man mutiger ist als in anderen. Im Business stelle ich mir immer den Worst Case vor. Wenn ich einen Plan B habe und das entsprechende Geld da ist, bin ich auch mutig und gehe das Risiko ein.«

Thomas P.: »Mut bedeutet, neue Wege zu gehen. In der Gründung muss man manchmal ›Ja‹ sagen, obwohl man noch nicht den Ausgang der Entscheidung kennt. In unserer Zeit wird man im schlimmsten Fall gut aufgefangen und bekommt auch leicht Chancen. Mutige Aktionen zu wagen ist immer ein Zugewinn. Dazu braucht es ein gewisses Urvertrauen, dass man die Herausforderung schon irgendwie schafft.«

Natacha Neumann: »Als ich gegründet habe, habe ich mich nicht als mutig gesehen. Ich habe einfach gemacht, was gemacht werden musste, und bin meiner Intuition gefolgt. Über die Zeit bin ich selbstbewusster geworden und sehe im Nachhinein den Mut in meinem Tun. Ich war nicht unglücklich in meiner Angestelltentätigkeit, aber als ich mich gefragt habe, ob ich das langfristig wirklich will, war die Antwort: ›Nein.‹ Das Thema gesunde Ernährung hat mich schon immer interessiert. Ich wusste, wenn ich da dauerhaft etwas verändern will, muss ich bei den Kindern anfangen. Mein Antrieb war, dass ich einen positiven Impact bewirken will, weniger dass ich ein eigenes Business wollte.«

Sebastian Corsten: »Ich würde jeden, der nicht den typischen Weg aus der Schule ins Arbeitsverhältnis wählt, als mutig bezeichnen, da es immer ein Risiko ist, sich selbstständig zu machen oder sogar eine Firma zu gründen.«

Franz-Philippe Przybyl: »Mut bedeutet, dass man bereit ist, Dinge zu tun, die man vorher noch nicht gemacht hat. Das hat viel mit Zuversicht und Vertrauen zu tun, manchmal auch mit Dummheit.«

Mut zum »Ja!«

Schon als Kind habe ich Unproduktivität als unangenehm empfunden. So fand ich das Zurücklegen von Wegen immer als Zeitverschwendung. Es war eine Qual für mich, drei Stunden zu meiner Oma fahren zu müssen und nur im Auto sitzen und warten zu können, bin wir endlich ankommen würden. Wenn ich einkaufen gegangen bin, empfand ich den Weg hin und zurück als verlorene Zeit. Daher bin ich die Strecken meist gerannt, wenn ich allein unterwegs war. Wenn der Schulbus morgens im Stau stand oder an meiner Nase vorbeigefahren ist, bin ich bis zur nächsten Station gelaufen. Ich hasste warten. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich bin der ungeduldigste Mensch, den ich kenne. Noch immer bin ich sehr schnell im Denken und Handeln. Daher fackle ich nicht lange, sondern mache einfach. Rückblickend bezeichne ich dieses Verhalten als Mut. In dem Moment, in dem ich eine Entscheidung treffe und anschließend sofort ins Machen komme, ist das für mich nur konsequent. Oft kommen aber auch äußere Faktoren wie Zeitdruck hinzu. Als ich mein zweites Unternehmen, die Online Event Box, gegründet habe, habe ich diesen Zeitdruck auf mehreren Ebenen gespürt. Zum einen musste ich angesichts der eingebrochenen Auftragslage in der Veranstaltungsbranche – der Pandemie sei Dank – eine neue Einkommensquelle finden. Zum anderen lief der Countdown für Baby Nr. 2. Da ich die Gründung vor der Geburt abgeschlossen haben wollte, musste ich Gas geben. Zudem wollte ich die Erste sein, die mit physischen Produkten Onlinemeetings auf innovative und nachhaltige Weise aufpeppt. Unabhängig von meiner ungeduldigen Art konnte ich mir ein Zögern also nicht leisten. Die Idee war geboren, und im nächsten Augenblick sagte ich »Ja!« zur Umsetzung.