Grundriss der Philosophie - Joachim Stiller - E-Book

Grundriss der Philosophie E-Book

Joachim Stiller

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Beschreibung

Dieses Werk ist das Hauptwerk des Philosophen Joachim Stiller. Es beschäftigt sich mit allen wichtigen Bereichen der systematischen Philosophie, wie Anthropologie, Naturphilosophie, Metaphysik, Ontologie, Logik, Erkenntnistheorie, Ethik und Ästhetik. Bei diesem Grundriss handelt sich sich nicht so sehr um eine wissenschaftliche Einführung in die Philosophie, als vielmehr um Stillers eingene Gedanken zu den Themen.

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Joachim Stiller

Grundriss der Philosophie

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Spirituelle Anthropologie

Naturphilosophie

Metaphysik

Ontologie

Logik

Erkenntnistheorie

Negative Ethik

Ästhetik

Impressum neobooks

Spirituelle Anthropologie

Der Mensch

Mein Vier-Stadien-Gesetz

Der theoretische Materialismus hatte seine Blüte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ab 1845 feierte er im Marxismus seinen Siegeszug, obwohl sich der Materialismus-Idealismus-Streit durch die ganze Philosophiegeschichte zieht. 1917 kam es dann zur russischen Revolution. Der Leninismus war geboren und führte den Marxismus in die Verzerrung. Die Sowjetunion hatte bis 1991 bestand. Der Staatssozialismus-Kommunismus und mit ihm der Marxismus waren gescheitert. Heute bekennt sich kaum noch jemand zum theoretischen Materialismus. Jeder Mensch enthält sowohl materialistische als auch idealistische Anteile, dessen ist sich im Grunde jeder bewusst. Viele sehen sich höchstens noch als Rationalisten oder kritische Rationalisten (ein Widerspruch in sich). Auch diese Episode wird vorübergehen. Der von Marx und Engels vertretene dialektische Materialismus besagt, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Unter „Sein“ verstand Marx noch das gesellschaftliche Sein. Jeder ist sozusagen ein Produkt seiner Umwelt. Dies führt dann zum historischen Materialismus, der zwangsläufig zum Kommunismus führen sollte. Allerdings ist diese Philosophie in ihrer Einseitigkeit gescheitert und historisch widerlegt. Der Materialismus ist nur eine Durchgangsstation, sozusagen das Nadelöhr, durch das die ganze Menschheitsentwicklung gehen muss. Die Entwicklung nahm in mystischen Zeitaltern ihren Ausgang. Diese endete mit dem Christusereignis und dem Mysterium von Golgatha. Dieses Ereignis stellt sozusagen die Zeitenwende dar. Mit dem Ende des Mittelalters im 14. Jh. verläuft die Entwicklung hin zu immer größerer Individuation. Es kommt zu einer Emanzipation des Ich und dem Eintritt in das Zeitalter der Bewusstseinsseele, der Neuzeit. Das „cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) des Descartes ist hierfür der hervorragenste Ausdruck gewesen. Dann mündet aber die Entwicklung im der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nun muss sich der Mensch aus diesem Tal befreien, denn sonst führt die Entwicklung in die geistige Erstarrung. Wir müssen bewusst durch das Nadelöhr des Materialismus schreiten. Alle alten Bewusstseinsinhalte müssen in gewandelter Form wieder aufgegriffen werden. Die folgende Darstellung dieser Entwicklung vom Mythus über den Materialismus bis hin zum „Sonnenstaat“ verdanke ich einer Idee von Joseph Beuys.

Der Materialismus und der Idealismus

Ist der Mensch eher Materialist oder Idealist? Diese zwei Lager scheinen sich unversöhnlich gegenüberzuliegen. Meines Erachtens ist der Mensch aber beides Er musste in der Menschheitsentwicklung erst durch den geistigen Totpunkt des Materialismus schreiten um dann nach der vollendeten Inkarnation des Ich zum Idealismus zurückzufinden. Auch Marx war Idealist. Er wollte schließlich die Welt verändern.

Wie kann aber nun das Verhältnis von Materialismus zum Idealismus bestimmt werden? Hier gibt und Marx selber den entscheidenden Hinweis. Er sagt: „ Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Das ist die materialistische Position, die m. E. auch existentialistisch gedeutet werden kann. Die Idealisten hingegen sagen, dass das Bewusstsein das Sein bestimmt. Wer hat nun recht? Antwort: Beide! Es werden nur zwei Seiten ein und derselben Medaille betrachtet. Zuerst bestimmt das Sein das Bewusstsein. Dadurch entsteht individuelle geistige Freiheit. Dann bestimmt aber das Bewusstsein wiederum das Sein. Sein und Bewusstsein sind also dialektisch aufeinander Bezogen. Diese Synthese stellt den pluralistischen Standpunkt dar.

Es besteht also ein dialektisches Verhältnis zwischen Materialismus und Idealismus, zwischen Sein und Bewusstsein. Diese zwei Positionen müssen auf höherer Ebene dialektisch zusammengedacht werden. Dieser Gedanke ist nicht ganz neu, er stammt eigentlich von Ferdinand Lassalle.

Dasselbe dialektische Verhältnis besteht nun zwischen Erkennen (Denken) und Handeln. Auf der Seite des Erkennens bestimmt das Sein das Bewusstsein. Auf der Handlungsseite bestimmt aber das Bewusstsein das Sein. Dazwischen liegt die individuelle Geistige Freiheit des Menschen. Sie verbindet die beiden Seiten zu einer Einheit.

Erst dieses hier beschriebene dialektische Spiel macht den ganzen Menschen aus, den Anthropos, wie ich ihn nenne. Ich stelle ihn symbolisch durch den Buchstaben „A“ dar:

Der Mensch als Körper, Geist und Seele - Die Trichotomie

Wenden wir uns nun der Frage zu: “Was ist eigentlich der Mensch seinem Wesen nach?“ Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Philosophiegeschichte. Sie ist zu allen Zeiten ganz unterschiedlich thematisiert und beantwortet worden. In der Antike hatten die Menschen noch ein ganz unmittelbares Verständnis vom Menschen. Ihnen galt der Mensch als eine Dreiheit von Körper, Geist und Seele. Hierin können wir wieder ein wichtiges pluralistisches Prinzip erkennen. Man nannte diese Vorstellung im Mittelalter die Trichotomie (von trio, die Drei). Als ein Vertreter der Vorstellung vom Menschen als Körper, Geist und Seele kann Plotin (um 205-270) gelten. Er sagt, dass sich die Welt aus einem Schöpfergott ausgefaltet hat in eine geistige, dann in eine seelische und schließlich in eine physische Welt.

Die Vorstellung der Trichotomie fand ganz allgemein im frühen Christentum eine rege Verbreitung. Kirchenlehrer wie der Märtyrer Origenes (um 185 bis um 254) und Appolinaris, Bischof von Laodicea (gest. 390), vertraten die Trichotomie, bis es zu einer großen Zäsur kam, dem 8. ökomenischen Konzil von Konstantinopel (869).

Das 8. ökomenische Konzil bzw. das 4. Konzil von Konstantinopel (869)

Im 9.Jh. war die Kirche zerstritten. Westliche und östliche Kirche standen sich gegenüber. Der Streit hatte sich am Heiligen Geist entzündet. Dieser sollte, so Photios, vom Vater ausgehen. Es hatten aber Vorstellungen im Westen Verbreitung gefunden, nach denen der Heilige Geist auch von Christus ausging. Über diesen Streit wurde das 8. ökomenische Konzil von Konstantinopel einberufen. Photios vertrat auch die Auffassung der Trichotomie. Es wurde nun auf dem Konzil statt der Trichotomie die Dichotomie festgelegt, also die Vorstellung des Menschenwesens als Körper und Seele. Die Trichotomie stützte sich auf die paulinische Lehre vom psychischen und pneumatischen Menschen, die bei den alten Christen zur Unterscheidung von Geist und Seele geführt hatte. Was aber war an dieser Auffassung falsch? Leider sind die Überlieferungen unvollständig. Photios soll gelehrt haben, dass der Mensch aus Leib, einer niederen und einer höheren Seele bestehe.

Photios soll dabei die Sündlosigkeit der höheren Seele (Geist) vertreten haben. Seine Lehre erscheint als eine deutliche Nachwirkung der älteren griechischen Anschauung, für die sich dann auch ganz selbstverständlich die Ablösung der höheren Seele vom Leib und der Aufstieg zu spiritueller Erfahrung ergab.

Für die Kirche jedenfalls stand fest, der Mensch habe nur eine Seele und sie verwarf die Trichotomie als Frevel. Dies stellte eine äußerst weitreichende Zäsur im Mittelalter dar. Sie sollte für die nächsten Jahrhunderte bestimmend werden. Alle kommenden Philosophen wie Thomas von Aquin (ca.1224-1274) lehrten nun die Dichotomie von Körper und Seele. Dies sollte sich erst im Barock wieder ändern. Die Konzilsbeschlüsse hatten weitreichende Folgen, unter anderem das Schisma, die Kirchenspaltung in Griechisch orthodoxe und römisch-katholische Kirche.

Das Leib-Seele-Problem und dessen Lösung

Das Leib-Seele-Problem wird oft auch als psycho-physisches Problem bezeichnet. Es ist erstmals von Descartes aufgeworfen worden. Descartes nahm zwei Seinsebenen an, den Körper (Ausdehnung) und den Geist (das Denken). Die Frage, die sich nun stellt, zielt darauf ab, wie Physisches auf Geistiges wirkt und umgekehrt. Wie ist es möglich, dass physische Lichtstrahlen in mir eine geistige Wahrnehmung erzeugen? Wie ist es möglich, dass ich vermittels meines Willens durch bloße Gedankenkraft meinen Arm bewegen und einen Gegenstand greifen kann? Es hat zahlreiche Lösungsversuche gegeben. Zu unterscheiden sind:

die monistischen Lösungen

die dualistische Lösung

die pluralistische Lösung

Zu 1: Die monistischen Lösungsversuche gehen davon aus, dass es entweder nur Materie (Physis) gibt, oder nur den Geist. Die erste Richtung bezeichnet man als Materialismus. Für sie ist das Geistige nur ein Produkt physischer Abläufe (Moleschott)

Die zweite Richtung wird etwas oberflächlich als Spiritualismus bezeichnet. Danach ist der Leib nur meine Vorstellung (Berkeley) Beide Lösungen gelten als unbefriedigend und sind geschichtlich überholt.

Zu 2: Die dualistische Lösung hat sich ganz vielschichtig entwickelt. Descartes ging davon aus, dass zwischen Körper und Geist die Zirbeldrüse vermittelt. Auch diese Lösung scheint unbefriedigend.

Den Okkasionalisten kam das Leib-Seele-Problem wie ein Wunder vor. Sie gingen sogar noch weiter. Es erscheine nicht nur wie ein Wunder, es ist auch eines. An die Stelle der Vermittlung setzten sie daher Gott. Gott ist es, der immer und überall zwischen Körper und Geist vermittelt. Auch diese Anschauung kann nicht befriedigen.

Leibnitz hingegen löste das Problem durch die sogenannte prästabilisierte Harmonie. Er war der Meinung, dass beide Seinssphären, der Körper und der Geist, wie Uhrwerke genau gleich gingen. Die Schöpfung sei eben perfekt. Auch diese Lösung kann nicht wirklich befriedigen.

Später hat man dann versucht, eine Wechselwirkungstheorie aufzustellen, wobei Geist und Körper wechselwirken sollen. Ich möchte nur die „Doppelursachen-Doppelwirkungs-Hypothese“ von C. Stumpf und E. Becher erwähnen. Hiernach hat jeder physische, nervöse Prozess eine doppelte, nämlich eine physische und eine psychische Ursache und Wirkung, ebenso jeder psychische. Philosophisch gesehen ist auch diese Lösung unbefriedigend, da sie nicht erklären kann, wie Geistiges auf Physisches wirkt und umgekehrt, wo sie doch gänzlich unterschiedlicher Natur sind. Die Wärme wirkt auch nicht auf das Licht, das wir sehen und umgekehrt.

Zu 3: Die pluralistische Lösung:

Der erste Problemkreis:

Hier stellt sich zunächst die Frage: Was ist der Mensch? Der Mensch ist eine Dreiheit aus Körper, Geist und Seele. In dem Ausdruck psycho-physisches Problem wird schon darauf hingewiesen. Psyche ist ja der Versuch, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Der Mensch ist also Körper, Geist und Seele. Die Seele ist nur seit Descartes aus der Philosophie verdrängt worden. Die Seele ist aber gerade das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Ohne die Seele würde der Mensch tatsächlich zerrissen. Er hielte die Spannung nicht aus. Die Seele ist also das Vermittelnde, das mittlere Glied des dreigliedrigen Menschen. Zwischen allen drei Gliedern finden nun Wechselwirkungsprozesse statt. Geistiges wirkt auf Seelisches, Seelisches wirkt auf Physisches und umgekehrt. Wie ist das aber überhaupt möglich?

Der zweite Problemkreis:

Körper, Geist und Seele können nicht grundsätzlich verschiedener Natur sein. Es gibt eine gewisse Verwandtschaft zwischen den drei Seinsebenen.

Was ist Materie? „Materie ist Geist in anderer Form. Sie verhält sich zum Geist wie Eis zum Wasser. Der Körper ist eben nur Geist in anderer Form.“ (R. Steiner)

Daher könne Körper, Geist und Seele aufeinander wirken. Der Grund hierfür liegt also in der Wesensverwandtschaft. Dabei versteht sich dies nicht als monistische Lösung, die nur den Geist stehen lässt. Der Körper ist ja nicht nur meine Vorstellung. Es hat also überhaupt keinen Sinn, die physische Welt (den Körper) zu leugnen. Der Mensch bleibt weiterhin eine Dreiheit, dessen Glieder verwandt sind und sich entsprechen. Sonst könnten sie niemals aufeinander wirken.

Der dritte Problemkreis.

Natürlich ist der Mensch auch viel umfassender zu betrachten. Dann hat er sogar noch mehr Wesensglieder. Das wissen wir schon seid Aristoteles (Über die Seele). Alle diese Wesensglieder stehen nun untereinander in Beziehung, sie sind aufeinander bezogen und bilden ein harmonisches Ganzes. Hier steckt die geisteswissenschaftliche Forschung aber noch in den Kinderschuhen.

Die Leibesorganisation des Menschen

Zunächst ist der Mensch eine Dreiheit (Trichotomie) aus Körper, Geist und Seele. Das haben wir bereits festgestellt. Für die Leiblichkeit des Menschen entwickelte Rudolf Steiner nun eine ebenfalls dreigliedrige Leibesorganisation. Er stellte fest, dass der Leib des Menschen zunächst in drei unabhängige und eigenständige Funktionssysteme untergliedert werden kann. Diese sind:

- Das Sinnes-Nerven-System,

- Das Rhythmische System,

- Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System

Diese dreigliedrige Leibesorganisation bildet nun die Grundlage für die drei primären Seelentätigkeiten des Menschen, das Denken, das Fühlen und das Wollen.

Das Sinnes-Nerven-System bildet die Grundlage für das Denken,

Das Rhythmische System bildet die Grundlage für das Fühlen,

Das Stoffwechsel-Gliedmaßen-System bildet die Grundlage für das Wollen.

Wenn der Mensch den Einweihungsweg (Erkenntnisweg) betritt, so kann er die primären Seelentätigkeiten so entwickeln (Seelenschulung), dass sie zu geistigen Wahrnehmungsformen werden. Diese sind die Imagination, die Inspiration und die Intuition.

Imagination ist zunächst ein vergeistigtes Denken.

Inspiration ist ein vergeistigtes Fühlen.

Intuition ist ein vergeistigtes Wollen.

Das ganze findet aber, in dieser Form, wohlgemerkt, statt, auf der Grundlage der dreigliedrigen Leibesorganisation. Diesen Zusammenhang wollen wir uns nun im Überblick ansehen.

Leibesorganisation Seelenkräfte geistige Wahrnehmung

Sinnes-Nerven-System..........Denken.......................Imagination

Rhythmisches System............Fühlen …...................Inspiration

Stoffwechsel-Gliedmaßen-....Wollen …...................Intuition

System

Die drei Zentren: Bauch, Herz, Kopf

Wir haben festgestellt, dass der Mensch zunächst drei Achsen oder Zentren aufweist. Dementsprechend unterscheiden wir drei Leibestypen, den Bauchmensch, den Gefühlsmensch und den Kopfmensch.

Beim Bauchmensch liegt das Gravitationszentrum im Unterleib, wo das „Rohmaterial“ unserer Existenz angesiedelt ist: Der Machtinstinkt, unsere Sexualität, die Triebe. In diesem Sinne spricht man auch von dem sexuellen Typ. Der Herzmensch wird auch sozialer Typ genannt und der Kopfmensch ist mehr der selbsterhaltende Typ.

„Die deutsch-amerikanische Psychoanalytikerin Karen Horney ging ursprünglich davon aus, dass es drei Menschentypen beziehungsweise drei „neurotische Lösungen“ von Lebenskonflikten gibt: Eine Gruppe wendet sich von anderen Menschen ab, die zweite Gruppe entwickelt eine feindselige Einstellung gegen die Menschen, die dritte Gruppe wendet sich anderen Menschen zu. Gurdjieff unterschied drei Körperbereiche: Kopf, Herz und Bauch und ordnete ihnen unterschiedliche Arten von „Intelligenz“ zu: Dem Kopf das mentale Zentrum, dem Herz das emotionale Zentrum, dem Bauch das sexuelle, instinktive und Bewegungs-Zentrum. Bei jedem Menschen dominiert einer der drei Körperbereiche. (R. Rohr, A. Ebert: Das Enneagramm)

Der Bauchmensch

"Die Bauchtypen entsprechen den feindseligen Typen" Horneys. Das Leibeszentrum, das sie vorzugsweise regiert, ist der Verdauungstrakt und das Sonnengeflecht. Bauchmenschen reagieren instinktiv. Ohr und Nase sind ihre ausgeprägten Sinnesorgane. In einer neuen Situation sagen sie zunächst: "Hier bin ich, geht mit mir um" - oder sie fragen: "Wie bin ich hier?" Das Leben ist für sie eine Art Kampfplatz. Unbewusst geht es ihnen häufig um Macht und um Gerechtigkeit. Sie müssen wissen, wer das Sagen hat, sind meist direkt, offen oder versteckt aggressiv und beanspruchen ihr eigenes "Revier". Bauchmenschen leben in der Gegenwart, hängen häufig an der Vergangenheit und erhoffen sich manches von der Zukunft. Sie tun sich aber schwer, einem klaren Plan zu folgen und ihm treu zu bleiben. Wenn es ihnen schlecht geht, geben sie sich meist selbst die Schuld: "Ich habe alles falsch gemacht. Ich bin böse." Bauchmenschen werden - bewusst oder unbewusst - von Aggressionen regiert. Zu ihrer Angst und Furcht dagegen haben sie nur wenig Zugang. Sie werden hinter einer Fassade von Selbstbehauptung versteckt. Nach außen wirken sie meist selbstsicher und stark, während sie innerlich von moralischen Selbstzweifeln gequält werden können. (...) Meditationspraktiken, bei denen sie ganz bei sich und in ihrem Körper sind (z.B. Zen), fallen ihnen leicht." (Rohr, Ebert: Das Enneagramm, S.52)

Der Herzmensch

"Die Energie der so genannten Herzmenschen (Horneys "Hinwendungstypen") bewegt sich auf andere zu. Die Welt der subjektiven Gefühle ist ihre Domäne: ihr Thema sind zwischenmenschliche Beziehungen. Suzanne Zuercher kritisiert die Bezeichnung "Herztypen", weil diese Menschen zu den eigenen Gefühlen gerade "keinen" echten Zugang haben. Sie erleben sich in Reaktion auf Gefühle oder Verhaltensweisen anderer. Sie können nicht bei sich selbst sein und entfalten unaufhörlich Aktivitäten, um sich die Zuwendung oder Aufmerksamkeit anderer Menschen zu sichern. Herz und Kreislaufsystem sind ihr Leibeszentrum. Bei ihnen sind Tatsinn und Geschmack besonders ausgeprägt. So wie es bei den Bauchmenschen um die Macht geht, geht es bei ihnen um das Fürsein. In einer neuen Situation fragen sie zunächst: "Werdet ihr mich mögen?" oder "Mit wem bin ich zusammen?". Sie sehen das Leben als Aufgabe, die bewältigt werden muss, was einen unaufhörlichen Aktivismus zeitigt. Dabei geht es ihnen (oft nicht bewusst) um Prestige und Image. Die positive Seite davon ist, dass sie meist ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl haben. Sie neigen dazu, sich anzupassen, Aufmerksamkeit und Platz zu beanspruchen und besserwisserisch zu sein. Sie werden von dem beherrscht, was andere über sie denken, und meinen oft zu wissen, was für andere gut ist. Während sie ihre Besorgtheit übertriebe0n ausleben, unterdrücken sie Aggressionen und verstecken sich hinter der Fassade von Güte und Aktivität. Nach außen wirken sie oft selbstsicher, fröhlich und harmonisch, innerlich erleben sie sich aber oft als leer, unfähig, traurig und beschämt.

Frömmigkeitsformen, die mit sozialer Wärme und Geborgenheit verbunden sind (z.B. Gebetsgemeinschaften) ziehen diese Gruppe besonders an. Sie müssen aber vor allem lernen, allein zu sein und in einer Weise zu beten, die von ihren Mitmenschen weder bemerkt noch belohnt wird. Das Jesuswort: "Wenn du betest, dann geh in dein Kämmerlein, schließe die Tür ab und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist" (Matthäus 6,6) gilt ihnen ganz besonders. Ihr Zugang zu Gott geschieht oft über eine Gemeinschaftserfahrung. Irgendwann muss aber der Schritt in die Stille und ins Alleinsein folgen, damit das Gebetsleben nicht zum Selbstbetrug wird. Dietrich Bonhoeffer sagte: "Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft." Der beste Lehrmeister für "Herzmenschen" ist der eigene Körper, zu dem sie oft ein gespaltenes Verhältnis haben. Wenn sie lernen, den eigenen Körper wahrzunehmen und wertzuschätzen, kommen sie allmählich zu sich selbst. Da Herzensmenschen alles selbst zu können meinen, fällt es ihnen schwer, die Erlösung als reines Geschenk anzunehmen. (...)" (Rohr, Ebert: Das Enneagramm, S.52 f.)

Der Kopfmensch

Es handelt sich bei den Kopfmenschen, um Horneys "Abkehrtypen". Ihr Kontrollturm ist das Hirn. Die Kopfenergie ist nach Horney eine Energie, die sich zurückzieht von anderen. Die Angehörigen dieser Gruppe machen in jeder Situation erst einmal einen Schritt nach hinten, um nachzudenken. Sie werden vom zentralen Nervensystem regiert und sind in erster Linie Augenmenschen. In einer neuen Situation wollen sie sich erst einmal zurechtfinden: "Wo bin ich?" oder: "Wie passt das alles zusammen?" Sei sehen das Leben in erster Linie als Rätsel und Geheimnis. Sie haben einen Sinn für Ordnung und für Pflicht. Ihre Haltung ist in der Regel eher unbetroffen und sachlich ("Es stimmt!") Sie scheinen wenige Bedürfnisse zu haben und können für andere Raum lassen. Kopfmenschen fragen sich oft: "Bin ich abhängig? Bin ich unabhängig?" Sie handeln erst, nachdem sie nachgedacht haben und geben dabei methodisch vor. In Notsituationen werfen sie sich vor, dumm und unwürdig zu sein. Während ihre Furcht übertrieben ist, verstecken sie besonders ihre zärtlichen Gefühle oft hinter einer Fassade von Sachlichkeit und Unbetroffenheit. Nach außen wirken sie oft klar, überzeugt und klug, innerlich erleben sie sich aber häufig als isoliert, verwirrt, unsicher und sinnlos...

(...) Ihr Gebetsleben kann für Außenstehende trocken, abstrakt und wie bloße Pflichterfüllung wirken, aber Kopfmenschen können tatsächlich auf dem Umweg über klare Gedanken warme Gefühle entwickeln. Auch gegenständliche Formen der Meditation (z.B. Bibelbetrachtung), bei denen sie etwas aufnehmen können, liegen diesen Menschen. Kopfmenschen müssen vor allem den Schritt vom Denken zum Tun und den Schritt von der Isolation zur Gemeinschaft schaffen. Ihnen gilt der zweite Teil des oben zitierten Bonhoeffer-Wortes: "Wer nicht in der Gemeinschaft steht, der hüte sich vor dem Alleinsein." Ihre Lebensaufgabe besteht darin, dass aus den vielen Zweifeln und Teilwahrheit Glaube wird, der nicht im Kopf bleibt, sondern ein Sich-Anvertrauen der ganzen Person ist." (Rohr Ebert: Das Enneagramm, S 53 f.)

Ich stelle fest, dass ich in erster Linie Kopfmensch bin. Und in zweiter Linie nicht Herzmensch, der ich „gar nicht“ bin, sondern Bauchmensch. Man scheint immer nur höchstens zwei Typen zu sein, aber niemals Anteil an allen Dreien Typen zu haben, weil sich die gegenseitig ausschließen...

Literaturhinweis:

- Richard Rohr, Andreas Ebert: Das Enneagramm

- Karen Horney

Die Seele

„(Griech. psyche, lat. anima) In der Alltagssprache der Inbegriff der Bewusstseinsregungen (samt ihrer Grundlagen) eins Lebewesens, besonders des Menschen, im Gegensatz zum Leib und zur Materie. Wissenschaftlich verstanden ist Seele der Inbegriff der mit dem Organismus eng verbundenen Erlebnisses, bes. der Gefühle und Triebe (Vitalseele) im Unterschied zum personalen Geist. Das Beobachtbare hinsichtlich der Seele wird von der Psychologie erörtert. Gegenstand der Metaphysik war bis in die Neuzeit die Frage, ob die Seele eine Substanz ist oder nicht. Zur Entstehung der uralten Vorstellung der Seele als Hauch von außen her beigetragen der Atemhauch des Lebenden, der bei den Toten fehlt (weil er die Seele „ausgehaucht „ habe.). Entsprechende Beobachtungen über das Blut und das Schwinden der Seele bei hohem Blutverlust (infolge tödlicher Verletzungen usw.) haben dazu geführt, im Blut den Träger der Seele zu sehn. Von Innen hat das Erlebnis des Traumes besonders zur Vorstellung einer weitgehend unabhängig vom Leibe bestehenden Seele geführt.

„Psychisches Leben ist nicht ein für allemal vor undenklichen Zeiten entstanden, sondern es entsteht fortwährend. wo und wann immer die Entwicklung einer Zellgruppe bestimmte Formen erreicht, da muss psychisches, und zwar ebenfalls von bestimmter Art entstehen.“ (Stumpf)

Solange die Seele als metaphysische Substanz aufgefasst wurde, erhielt sie zunächst meist die Eigenschaften eines ganz feinen Stoffes zugeschrieben, so bei den meisten Vorsokratikern in der griechischen Philosophie. Immateriell und präexistent ist sie nach Platon.

Aristoteles nennt sie die erste Entelechie des eines lebenden Körpers; nur die Vernunftseele des Menschen, der Geist ist vom Leben trennbar und unsterblich. „(Schischkoff)

Dagegen wendet sich Kant. Seele ist für ihn der Gegenstand des inneren Sinnes in seiner Verbindung mit dem Körper, aber keine Substanz. Die Substanztheorie der Seele hat der Aktualitätstheorie weichen müssen. Die Frage ist also nicht , gibt es eine Seele oder nicht sondern ist sie Substanz oder nicht. Möglicherweise ist sie doch Substanz, sozusagen ein Liebeskörper. Durch Meditation lässt sich die Seele sehr gut erspüren, wird fühlbar. Auch derjenige, der der Erleuchtung sehr nahe steht sieht die Hüllen der Seele. den Äther- und den Astralleib als helle Aura des Menschen.

Gewisse Teile der Seele sind sterblich. Sie entweichen mit dem Ich zusammen beim Tod und werden abgestreift und vergeht. Nur das bewusste Selbst des Menschen ist unsterblich. Die Seele verbindet physische und geistige Welt im Menschen

Das Bewusstsein und der Geist

Eine Frage, die die Philosophie schon lange beschäftigt hat, ist die nach dem Bewusstsein des Menschen. Dabei hat es nie eine befriedigende Antwort auf die Frage gegeben: was ist das Bewusstsein?. Der erste, der sich intensiv damit auseinandergesetzt hat war Lenin. Er schrieb sogar eine Abhandlung über das Bewusstsein, die hier aber unerörtert bleibt. Lenin sieht das Bewusstsein als „Spiegel“. Er interpretiert es als Spiegel der äußeren Verhältnisse, also ganz im vulgärmaterialistischen Sinne. Interessant ist nun, dass Steiner dieselbe Rezeption hat. Er meint dies aber nicht im materialistischen Sinne, sondern in der Weise, dass das Bewusstsein eine selbstreflexive Eigenschaft hat. Dies ist auch sicher nicht von der Hand zu weisen.

Die Spiegeltheorie zieht sich seitdem durch die ganze Philosophie. Sie ist aber vom philosophischen Standpunkt aus unbefriedigend und nicht aufrechtzuerhalten. Wenn das Bewusstsein ein Spiegel ist, wer ist dann das Subjekt, der den Spiegel beobachtet? Etwa ein anderes Bewusstsein? Dies führt aber zu einem unendlichen Regress. (Zirkelschluss)

Wir müssen uns also nach einer anderen Definition umsehen. Meine Vorstellung geht dahin, das Bewusstsein als Feld aufzufassen. Es gibt physikalische Felder (Gravitationsfeld, Wärmefeld) und es gibt das Bewusstseinsfeld. Es muss nur die Bedingung erfüllt sein, dass das Bewusstsein selbstreflexiv ist. Kann es dafür eine Darstellungsform geben? Es kann als liegende 8 dargestellt werden. Dies ist die einzige Möglichkeit, den unendlichen Selbstbezug auszudrücken.

Auf diese Weise ist eine zweihemisphärige Darstellung entstanden. Diese entspricht den zwei Hemisphären (Gehirnhälften) des Menschen. Die linke Seite ist die rationale, die rechte Seite ist die intuitive Seite. Nach oben (obere Hemisphäre) setzt sich die Vernunft fort, nach unten der Verstand In der Mitte die kleine Schleife stellt die innere Stimme, das Gewissen dar. Was ist nun der Unterschied zwischen Vernunft und Verstand? Verstand ist das Vermögen der Begriffe und Urteile (Sätze), Vernunft ist dagegen das Vermögen der Schlüsse und der Ideen. Was aber ist genau der Geist? Der Geist ist nichts anderes, als die Inhalte des Bewusstseins, wie Begriffe, Gedanken, Ideen. Geist und Bewusstsein verhalten sich wie Inhalt zur Form.

Das menschliche Ich

Was ist überhaupt das Ich? Was das Ich ist, lässt sich zunächst nur schwer sagen. Ich kann mich schließlich nicht außerhalb des Ich stellen und es von außen betrachten. Ich muss mir schon die Mühe machen und mich im Denken selber beobachten. Daraus leiten viele Philosophen die Schlussfolgerung ab, dass das Ich durch eine gewisse Eigenschaftsarmut ausgezeichnet sei. Dem ist aber durchaus nicht so, wie wir bald sehen werden.

Zunächst lässt sich leicht zeigen, dass bestimmte Grunddimensionen des menschlichen Seins gerade für das Ich gelten. Dies sind die Sprachlichkeit und die Geschichtlichkeit. Das Ich bewegt sich offensichtlich innerhalb dieser Grunddimensionen.

Fichte war der eigentliche Philosoph des Ich. Sehen wir, was Fichte über das Ich sagt. Er meint: „Das Ich ist Wille“. Ich bin ebenfalls davon überzeugt. Aber wenn das Ich Wille ist, so muss es notwendiger Weise auch Freiheit sein. Rudolf Steiner sagt in diesem Zusammenhang: „Wille, Freiheit und Empfindungen strömen aus dem Ich.“ Wir sehen hier wieder ein pluralistisches Prinzip wirksam. Darüber hinaus ist das Ich „Aufmerksamkeitssubstanz“, so sagte ein Philosoph. Für Fichte ist das Ich ebenfalls Substanz. Dies ist eine zentrale Vorstellung bei Fichte. Wenn das Ich aber Substanz ist, so ist es notwendig auch Erscheinung und Wesen. Das Ich ist also eine Dreiheit aus Erscheinung, Substanz und Wesen.

Der Mensch ist im Ich eine Einheit. Das Ich hält Seele und Geist zusammen. Das Ich oder Selbst steht auf der Grenze von Körper, Geist und Seele. Es ist Träger des Bewusstseins und des Selbstbewusstseins, also des „Bewusstseins vom Bewusstsein“. Das moralische Gewissen, die innere Stimme, bezeichnet Freud als „Über-Ich“.

Das Ich oder Selbst ist der unzerstörbare geistige Wesenskern des Menschen.

Das Ich ist bis in die Seele und den Körper hinein inkarniert und findet in der Seele seine Mitte.

Das Schicksal

Das Schicksal ist insgesamt alles Seiende, dass das Dasein eines Menschen, eines Volkes usw. beeinflusst und bestimmt, aber nicht vom Menschen selbst geändert werden kann. So spricht man auch von der „Geworfenheit des Menschen“ (Heidegger) in eine bestimmte Zeit, an einen bestimmten Ort usw. Auch die Sprache, die man erlernt, ist schicksalsbedingt. Man wird in eine Bestimmte Sprache hineingeboren.

„Von den Griechen wurde das Schicksal hypostasiert und personifiziert als Moira, Tyche, Ate, Adrastea, Heimarnene, Ananke, Atopos usw. Diese höhere Macht kann als Natur und ihre Gesetzmäßigkeit oder als Gottheit gedacht werden. Schopenhauer spricht von der „anscheinenden Absichtlichkeit im Schicksal des einzelnen“. Nietzsche lehrt „Liebe zum Schicksal“.

Modernem nüchternen Denken verblasst die Macht des Schicksals begrifflich, ohne aber deshalb erlebnismäßig zu verschwinden: „Schicksalshaft erscheint dem Menschen der Strom des realen Geschehens, sofern er sein eigenes, ungesuchtes, ungewolltes im allgemeinen auch unverschuldetes Ausgeliefertsein an ihn empfindet. Und das empfundene Ausgeliefertsein ist das unentwegte von Schritt zu Schritt uns im Leben begleitende nackte Zeugnis der Realität des Geschehens in uns selbst“ (N. Hartmann)„ (Schischkoff)

Die Summe aller (weiteren) Taten (Karma) gehen beim Menschen in sein Schicksal ein. Der Mensch kann also sein Schicksal beeinflussen.

Wäre das Leben vorherbestimmt, würde der Mensch niemals frei sein, oder die Freiheit wäre nur Täuschung. Der Mensch ist aber durchaus auch frei.

Das Karma

Nach der Lehre der Brahmanen, Buddhisten und Jainas „das Werk“, speziell die Summe der guten und bösen Taten eines Lebens, die auf Grund der ihr innewohnenden, automatischen, wirksamen, gesetzmäßigen Vergeltungskausalität die Voraussetzung für eine neue Existenz von bestimmter Wesensart und bestimmtem Schicksal schafft.

In den Upanischaden gilt Karma als Erscheinungsweise und Bewährung des Atman.